Saisonausblick 2000/2001


Alle Welt lobt den HSV derzeit über den „grünen Klee“. Und ich persönlich mache mir dabei immer mehr in die Hose. Es ist ja schon bald nicht mehr zu fassen, daß Leute wie Max Merkel und Paul Breitner uns als Bayern-Verfolger sehen. Ich sehe DAS wirklich nicht so; würde mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen lassen.

Ich habe wirklich ein wenig Angst vor der neuen Saison. Das Erreichte zu wiederholen wird sehr, sehr schwer. ICH wäre superglücklich, wenn wir am Ende der Saison 2000/2001 irgendeinen internationalen Platz belegen (also mindestens 6.) . Ich erwarte von der Mannschaft keinesfalls, daß sie wieder Dritter wird. Natürlich wäre das sehr schön, aber wir werden jetzt in die meisten Spiele als Favorit gehen und das macht es nicht leichter.

Die kommende Saison wird auch entscheidend für die ganze Zukunft des HSV überhaupt sein. Wir haben erstmals die Chance, in der CL zu spielen und ich bete, daß die Mannschaft das packt. Mit Bröndby haben wir keinen einfachen Gegner; aber unter den gesetzten Teams gab es ja noch viel größere Hammer, sodaß wir ganz zufrieden sein müssen.

Wenn der HSV es schafft, die Quali zu überstehen, dann könnte das die Zukunft entscheidend beeinflussen. Ca. 25 Mio hätte der HSV dann sicher an Einnahmen und damit ließe sich zur Saison 2001/2002 einiges bewerkstelligen.

Wenn wir so abschneiden wie es Hertha BSC in der Saison 1999/2000 vorgemacht hat, wäre ich ein sehr glücklicher Mensch. Ich würde zwar hoffen, daß wir einen besseren Fußball spielen als Hertha in der Saison, aber was sie erreicht haben ist ziemlich perfekt: Bis zur Zwischenrunde in der CL und dabei lt. Presse so ca. 40 Mio DEM eingenommen und im Schlußspurt in der Bundesliga doch noch auf die UEFA-Cup-Ränge gerutscht.

Besonders die Erwartungshaltung der Zuschauer in Hamburg macht mir auch Angst. Das kenne ich nun ja schon seit vielen Jahren. Die Leute kommen zum HSV und nörgeln an allem (Un-)Möglichen rum. Das war ja schon gegen Ende der letzten Saison so, als der HSV eine Schwächephase hatte. Wenn man nach 10 Minuten noch nicht führte, ging die Nöhlerei schon los. Leider bin ich das wirklich schon seit Jahren vom HSV-Publikum gewohnt. Der HSV hat einfach zu viele Schönwetterfans. Nicht umsonst hatte ich schon früher oft das Gefühl, daß die Stimmung im Stadion viel besser ist, wenn nur 15000-20000 Zuschauer da sind. Das sind dann nämlich so ca. die Zuschauer, die wirklich immer kommen und den HSV nicht gleich madig machen.

Ich befürchte außerdem, daß wir in den nächsten Wochen schmerzlich erfahren werden müssen, wie schwer die aktuelle Verletzung von Cardoso wiegt. Wieviel er und auch Yeboah für das Team wert sind, haben wir in der letzten Saison am Ende gesehen als beide ausfielen. Ich bete, daß Cardoso schnell wieder fit wird und das Cardoso und Yeboah dann möglichst verletzungsfrei die Saison überstehen. 

Es kann zwar sein, daß auch ohne Cardoso (mit Barbarez) gut gespielt wird, aber momentan habe ich da noch so meine Befürchtungen. Zumindest in der letzten Saison waren Cardoso und Yeboah die beiden unersetzlichsten (schönes Wort !) Spieler.

Mit Barbarez wären wir dann ja auch schon bei den Neuverpflichtungen des HSV. Mit den Neuzugängen bin ich insgesamt sehr zufrieden. Einmal mehr wurden (scheinbar) gute Leute für low-budget geholt. Das nun ein Ketelaer mit 5,5 Mios der teuerste Einkauf der HSV-Geschichte ist, mutet im Konzert der Großen ja schon fast lächerlich an. Mir aber zeigt es, daß Hiero und Pagel sich Ihre Spieler sehr gezielt aussuchen und dabei wirklich in den letzten Jahren ein goldenes Händchen bewiesen haben. 

Für einige unserer Neuen wie z.B. Bester, Sandmann und Kruse sehe ich in dieser Saison kaum Einsatzchancen. Aber z.B. mit Maul, Ketelaer und Heinz wurden echte Alternativen geholt. Besonders von Marek Heinz bin ich nach dem Trainingslager bisher sehr positiv angetan. Der Junge ist technisch brilliant und wenn er sich auch körperlich durchzusetzen wird, kann er ein ganz Großer werden -was ich allerdings auch mal von Dembinski dachte :-(  . Von Maul und Ketelaer bin ich hingegen fast ein wenig enttäuscht. Von Maul hätte ich gehofft, daß er auf der linken Seite auffälliger agieren wird, aber zur Zeit „droht“ mir wohl ein weiteres Jahr mit vielen Hollerbach-Einsätzen. Auch Ketelaer fand ich bisher nicht sooo stark. Aber vielleicht braucht er auch nur ein wenig Eingewöhnungszeit.

Probleme könnte uns die Abwehr nach den Abgängen von Ernst und Gravesen bereiten. Wenn sich nun einer aus der Stammformation Hertzsch-Hoogma-Panadic verletzt, ist „Holland in Not“ ;-). Dann wird es wirklich ernst, da wir für den „Libero“ wirklich keinen adäquaten Ersatz haben. Kovac kann das zwar spielen, war mir in dieser Rolle beim Liga-Cup gegen Hertha aber viel zu offensiv, sodaß wir hinten häufig in Unterzahl standen.

Im Sturm dagegen haben wir nun reichlich Leute. Für mein Empfinden sogar zu viele. Doll, Mahdavikia, Dembinski, Barbarez, Heinz, Ketelaer, Bäron, Präger, Hashemian, Uysal, Yeboah, Yilmaz, Bester erscheint mir doch ein bißchen zuviel der möglichen Sturmkandidaten. Selbst wenn man da noch einige rausstreicht, weil sie auch im Mittelfeld spielen können oder verletzt sind, wird es viele „Härtefälle“ geben, die wahrscheinlich nie zum Einsatz kommen werden. Meine Kandidaten sind da Doll, Hashemian, Uysal und Yilmaz. Bester könnte mal spielen, wenn wir zurückliegen und die Bälle so und so nur nur noch hoch vor´s Tor gedroschen werden. Einen Einsatz Besters von Beginn an, kann und mag ich mir allerdings nicht vorstellen ;-)

Schon jetzt stehen die Sponsoren beim HSV scheinbar Schlange. Neue „Kleinsponsoren“ wie Siemens mit ca. 1 Mio fallen da schon fast gar nicht mehr auf. Richtig Geld gibt es vom neuen Hauptsponsor, der „Milchstrassengruppe“, die abwechselnd mit „tomorrow“, „max“ und „TV Spielfilm“ auf der HSV-Brust werben will. Dort können bestenfalls 12 Mio DM p.a. eingenommen werden, was schon mal zu ca. 60 – 80 % die Kosten des Stadionkredits deckt. Außerdem scheint es schon klar, daß der HSV ab der Saison 2001/2002 mit „Nike“ einen neuen Ausrüster haben wird, der ebenfalls mehr Geld zahlt als der jetzige „fila“. Dauerkarten werden dieses Jahr auch mehr verkauft als je zuvor. Die angepeilte Zahl von 20000 finde ich allerdings nicht sooo überirdisch. Ca. 17000 waren es schon im letzten Jahr und daß diese Zahl nach der tollen letzten Saison um vielleicht „nur“ 3000 übertroffen wird, halte ich eher für ein Mißmanagemant, daß sich HSV und insbesondere die UFA durch Preissteigerungen und offensichtlicher Unfähigkeit beim Dauerkartenverkauf selbst zuzuschreiben haben. Allerdings wird bei 20000 Dauerkarten der für die Rückzahlung des Kredits angepeilte Zuschauerschnitt von mindestens 30000 wohl locker erreicht werden. 

Ob es eine gute oder schlechte Saison wird, hängt zunächst mal davon ab, ob wir die CL-Quali überstehen oder nicht. Zumindest finanziell kann es dann DIE glorreiche Saison des HSV werden und würde den HSV nachhaltig für die nächsten Jahre verändern.

Eine Platzierung für den HSV zu tippen, fällt mir wie immer schwer. Ich hoffe wie gesagt, daß wir irgendwie einen internationalen Platz erreichen. Grob würde ich Platz 3 bis 8 tippen, aber ich habe schon die Hoffnung, daß wir uns so zwischen Rang 4 und 6 einpendeln werden.

Alles wird gut !!!!

Püstow
 

P.S. Ich würde mich auch über Euren Saisonausblick freuen. Mailt ihn mir doch einfach zu.

Weiter unten folgende nun einige Saisonausblicke, die in den Medien veröffentlich wurden.

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
DangerCC mailte mir folgenden Saisonausblick:
Wir sollten vorsichtig sein, mit unseren Hoffnungen für die neue Saison. Ein Platz unter den ersten 6 sollte das Ziel sein. Größenwahn wäre jetzt genau das Falsche. Immer schön auf dem Teppich bleiben und Schritt für Schritt eine 
Basis schaffen, auf der weiter aufgebaut werden kann. 
Finanziell geht es ja voran, wenn die Leistung konstant auf gutem Niveau bleibt und auch noch starke Spieler verpflichtet werden können, dann sieht es für die nächsten Jahre aus, als ob wir nicht mehr oft in den zweistelligen 
Tabellenbereich kommen.
Also: Konstantz und Bodenständigkeit ist das Wichtigste!

 
Xenon mailte mir folgenden Saisonausblick:

Der HSV 2000/01 hat einen noch stärkeren Kader als bereits im letzten Jahr.  Doch daraus zu folgern, daß nun ja wohl der Angriff auf die Schale beginnen  könne, ist ein fataler Irrglaube. Denn eine der Hauptstärken des letzten Jahres ist dem HSV 2000 abhanden gekommen - der Überraschungseffekt. Letztes Jahr  dachte zumindest zu Saisonbeginn niemand in der Liga, daß der HSV würde ganz  oben mitspielen können, man unterschätzte den Club, traute ihm alles zwischen Platz 6 und 12 zu. Als sie es begriffen, war es zu spät, der HSV hatte sich ganz bequem auf Platz 3 eingerichtet und war nicht mehr einholbar. So leicht wird es  nie wieder. Auf der anderen Seite ist es dank der (meiner Ansicht nach) hervorragenden Verstärkungen nun auch der "zweite Anzug" in der Lage, zumindest ordentlich in der BuLi mitzumischen, unsere erste Elf sowieso. Die taktischen Variationsmöglichkeiten sind mittlerweile enorm, auf einem eingespielten und mittlerweile gefürchteten 3-4-3 kann der HSV aufbauen, je nach Spielsituation und Gegner auf ein 4-3-3, sogar ein 3-5-2 oder 4-4-2 umstellen, was erschweren wird, den HSV auszurechnen. Eigentlich also alles in Butter, oder ....???

FALSCH !!! Es gibt sie, die genau 2 Gefahren, die die Idylle des HSV 2000 binnen kürzester Zeit gründlich ruinieren können.

1. Die CL-Qualifikation: Von Vielen schon als gewonnen abgehakt, wäre ein überraschendes Ausscheiden aus diesem so elementar wichtigen Wettbewerb sportlich und v.a. finanziell eine Katastrophe. Ein Scheitern ließe sich nicht 
mal eben so nebenbei verkraften, ein Einbruch auch in der BuLi wäre zu erwarten, von dem Ende der Aufbruchstimmung der letzten 2 Jahre ganz zu schweigen.

2. Die übertriebenen Erwartungen: Wer genau hinhörte, konnte schon am Ende der vergangenen Saison, als es aufgrund der vielen Verletzungen nicht mehr so lief, vereinzelte Unmutsäußerungen hören. Der Zauberfußball, dem unter anderem Bielefeld (5:0), Duisburg (6:1) und Hertha (5:1) zum Opfer gefallen waren, hat bei einigen Damen und Herren offenbar die Erwartung geschürt, daß es nun immer in dem Tempo weitergehen könne. Doch gerade bei der CL-Doppelbelastung wird es zwangsläufig dazu kommen, daß unsere Helden es auch einmal bei einem 2:0 werden 
bewenden lassen und dann 45 Minuten lang nur im Schongang spielen. Dann darf keine Unruhe aufkommen, bei 50+ Pflichtspielen kann es nicht anders funktionieren.

Fazit: Finanziell stimmt es, die CL wird erreicht und der HSV erreicht in der BuLi einen (angesichts) der Doppelbelastung einen hervorragenden 4.Platz !!! Auf geht´s !!!

XENON.


 
 
SPORTBILD schreibt:
Wir werden noch stärker!
Leistungsträger gehalten, teuer dazugekauft - die Erwartungen der Hanseaten waren lange nicht mehr so hochgeschraubt. Geht der Spaßfußball daran zu Grunde? Nein, versprechen Mannschaft und Erfolgstrainer

Der Hamburger SV elektrisiert wieder die Massen. Über 14 000 Dauerkarten hatte der Dinosaurier der Liga bereits bis Ende Juni verkauft. Und die alte Bestmarke von 16 770 Saisontickets dürfte ohne Probleme geknackt werden: Das Ergebnis kontinuierlicher und, vor allem, erfolgreicher Arbeit.
In der abgelaufenen Spielzeit hatte der HSV aber nicht nur mit Angriffsfußball pur begeistert, sondern mit dem Erreichen der Qualifikations-Runde zur Champions League den größten Erfolg seit dem DFB-Pokal-Sieg 1987 erreicht. "Toll, was Trainer Frank Pagelsdorf aufgebaut hat", lobt HSV-Idol Uwe Seeler den Vater des Erfolges, der noch vor 16 Monaten kurz vor der Entlassung stand.
Die Spieler werden auf Grund ihrer attraktiven Spielweise von den Fans und Medien umjubelt, sie sind die neuen Sympathieträger der Liga. Eine Tatsache, die sich auch in der Spielzeit 1999/2000 positiv auf den Zuschauerschnitt ausgewirkt hat. Zu den 17 Heimspielen kamen im Schnitt 41317 Fans ins Volksparkstadion - so viele wie seit der Meistersaison 1978/79 nicht mehr. Selbst unter Trainerlegende Ernst Happel nicht!
Nach Bayern München ur Bayer Leverkusen ist der HSV zur dritten Kraft im deutschen Fußball aufgestiegen. Ufa-Chef Bernd Hoffmann, der den HSV vermarktet: "Wir sind heilfroh über diese Entwicklung. Der HSV ist ein schlummernder Riese, ein tolles Thema. Die Spieler sind superlocker und volksnah"
Die HSV-Kicker, früher häufig unnahbar, suchen heute schon vor dem Anpfiff de Kontakt zu Ihren Fans. Team- Manager Bernd Wehmeyer: "Dass die Mannschaft so beliebt  ist, hängt neben ihrem Erfolg vor allem von der Zusammer stellung ab. Unser Trainer Frank Pagelsdorf wählt  potenzielle Neuzugänge auch nach ihrem Charakter aus - nicht nur nach ihrem Können."
Der renommierte Medienwissenschaftler Prof. Dr. Josef Hackfort lobt Pagelsdorf, dessen Kontrakt zuletzt vorzeitig bis 2004 verlängert wurde, ebenfalls in den höchsten Tönen: "Ein bescheidener, selbstsicherer und sympathischer Trainer, der aus fast abgehalfterten Leuten wie Cardoso wieder eine spielstarke Mannschaft  geformt hat. Bereits in Rostock war seine Arbeit äußerst erfolgreich". Und Thomas Löw, Geschaftsführer der in Europa anerkannten Werbeagentur
"Springer & Jacobi" in Hamburg sagt: "Das Produkt, das derzeit in Hamburg abgeliefert wird, ist einfach perfekt."
Und soll künftig noch weite verbessert werden. Mit einez Rekordetat von 118 Millionen Mark wird der HSV in die neue Saison starten, um weiterhin eine bedeutende Rolle zu spielen. "Wir wollen wieder in den internationalen Wettbewerb" formuliert Pagelsdorf, der spätestens 2004 mit dem HSV Deutscher Meister werden will, das neue Saisonziel (noch) bescheiden.
Damit das klappt, hat der HSV seine von anderen Klubs umworbenen Leistungsträger Jörg Butt (Bayer Leverkusen)
und Niko Kovac (Bayern München) trotz Millionen-Offerten halten können. Dazu wurde die Mannschaft für rund 14 Millionen Mark nochmals verstärkt.
Prominenteste Zugänge sind Sergej Barbarez von Borussia Dortmund und Supertalent Marcel Ketelaer. Für den U-21-Nationalspieler haben die Hanseaten sogar die Rekordablöse von 5,5 Millionen Mark an Zweitligist Borussia Mönchengladbach bezahlt. Teuerster HSVSpieler war bislang Anthony Yeboah, für den der Klub 1997 4,3 Millionen Mark Ablöse an Leeds United überwies.
Außerdem haben die Hamburger Nationalspieler Ronald Maul (Arminia Bielefeld), den dänischen EM-Teilnehmer Stig Töfting (Aarhus), den tschechischen U-21Nationalspieler Marek Heinz (Sigma Olmütz) sowie Marinus Bester (Lüneburger SK), Benjamin Kruse (SC Norderstedt), Jan Sandmann (l. FC Magdeburg), Carsten Wehlmann (FC St. Pauli) und Thomas Hillenbrandt (Karlsruher SC) unter Vertrag genommen. "Passt nur auf, wir werden noch stärker", verspricht Hamburgs "Hümörbombe" Thomas Gravesen in Anbetracht der Verstärkungen.
Die große Erwartungshaltung in Hamburg - kann sie dem HSV den Spaß-Fußball rauben? "Nein", versichert Abwehrchef Nico Hoogma. "Die Mannschaft ist praktisch komplett zusammengeblieben, sie wurde sogar verstärkt. Wenn im Fußball erst einmal etwas gewachsen ist, bekommst du es nicht so einfach wieder kleiner."
Allerdings wird Trainer Pagelsdorf künftig variabler spielen lassen. Der Coach: "Uns haben nach der vergangenen Saison viele auf dem Zettel. Wir werden normalerweise nicht für Überraschungen sorgen können. Deshalb werden wir mehrere Systeme einstudieren. Neben dem jetzigen 3-4-3-System denke ich auch an ein 3-5-2 oder 4-4-2-System. Je nach Gegner und Spielverlauf." 
Der neue HSV - er wird wohl noch besser als in der abgelaufenen Spielzeit. Die HSV-Verantwortlichen jedenfalls hoffen es. Denn sportlicher Erfolg würde sich weiterhin positiv auf die HSV-Finanzen auswirken. Im Verkauf von Logen und Business-Sitzen kann der Klub nämlich seit geraumer Zeit enorme Zuwachsraten verzeichnen. Betrugen die Einnahmen in diesem Bereich vor zwei Jahren nur rund eine Million Mark, so wird sich dieser Betrag mit Beginn der Saison 2000/2001 verdreizehnfachen.
Damit hätte der HSV bereits die Jahresrate des 179-Millionen-Mark-Kredits (läuft über zehn. Jahre) für den Stadionneubau erwirtschaftet.
Torsten Rumpf 


 
 
Der kicker schreibt:
Das Pagelsdorf-Prinzip

Der HSV gehört wieder zu den Top-Adressen. Ein Grund: Trainer Frank Pagelsdorf (42) krempelte den Kader komplett um. Dabei vertraut der Coach seinem Erfolgsrezept. Auch diesmal wieder.

Kennen Sie Lotto King Karl? Na klar, werden zumindest jene sagen, die regelmäßig zu den Heimspielen des Hamburger SV pilgern. Hat doch genau jener Pop-Sänger an der Waterkant früh die Zeichen der zeit erkannt und eine CoverVersion einstudiert - von jenem berühmten Song, den an der Elbe alle Fans inbrünstig anstimmen, sobald sich ihre Lieblingself der Tabellenspitze nähert: "Wer wird Deutscher Meister? Ha-Ha-Ha-HSV!"
Seit den späten siebziger Jahren, seit zur glorreichen Ara des unvergessenen Ernst Happel ein gewisser Stefan Hellberg besagten Titel erstmals schmetterte, hat dieser noch nie wieder eine solche Berechtigung erhalten wie heute. Einer, der bei Lotto King Karl freilich nicht mitsingt, ist Frank Pagelsdorf. Der HSV-Trainer ließ vom ersten Trainingstag der neuen Saison an keine Gelegenheit aus, einzig und allein die erneute Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb als Ziel zu nennen - nicht mehr und nicht weniger. Pure Tiefstapelei? "Nein", so der Coach, "aber es ist doch logisch, dass es viel schwieriger wird. Kein Konkurrent wird sich mehr von uns überraschen lassen. Und das, was wir erreichen wollen, hat auch noch ein Dutzend anderer Vereine vor."
Um Platz drei wiederholen zu können hat der BundesligaDino viel versprechend eingekauft. Euphorie und Überraschungseffekt des vergangenen Jahres sollen durch mehr Qualität und Quantität kompensiert werden. Die Erfolgsformel des neuen HSV: Größer, stärker und damit womöglich noch besser! Zur Anwendung gelangte dabei abermals das bewährte "Pagelsdorf-Prinzip", mit dem der Klub seit der Verpflichtung des 42-jährigen Fußball-Lehrers im Jahre 1997 kontinuierlich nach oben strebte: Bewährte, aber zuvor eher nur den leicht gehobenen Durchschnitt repräsentierende Akteure wurden geholt, und avancierten beim HSV zu Top-Spielern. Das war vor zwei Jahren bei Martin Groth oder dem inzwischen nach Kaiserslautern abgewanderten Dimitrios Grammozis der Fall. Auch bei Nico-Jan Hoogma, der bei Twente Enschede ein eher beschauliches Dasein fristete, ehe er beim HSV in die Creme
der Bundesliga-Abwehrspieler gelangte. Im Vorjahr gelang Ähnliches vor allem mit Niko Kovac, der sich vom Leverkusener Ergänzungsspieler zum Hamburger Leistungsträger aufschwang. Aber auch Präger, der schon in Wolfsburg glänzte, Mahdavikia oder Butt schafften es, sich beim HSV auf hohem Niveau zu etablieren.
"Pagelsdorf kitzelt das letzte Leistungspotenzial aus einem heraus", sagt Sergej Barbarez (28), der beim HSV schon die
vierte gemeinsame Station mit diesem Trainer erlebt, stellvertretend für viele andere. Der aus Dortmund gekommene Bosnier ist einer jener Kandidaten, mit denen dieses Spielchen in der Saison 2000/01 nun erneut gelingen soll. Gleiches gilt für Marcel Ketelaer aus Mönchengladbach, den viele nach einer überragenden Zweitliga-Saison mit der Borussia schon als künftigen Hamburger Nationalspieler sehen. Davon, dass der freche Linksfuß diesen vorgezeichneten Weg schon sehr bald machen wird, sind offenbar auch die HSV-Verantwortlichen überzeugt. Stolze fünfeinhalb Millionen Mark ließen sie es sich kosten, dass der 21-Jährige schon in diesem Sommer - und nicht erst ablösefrei ab dem Jahr 2001 - im Volkspark spielt. Damit ist Ketelaer der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte.
Barbarez (als Mann hinter den Spitzen für den mit den Folgen einer Knie-Operation kämpfenden Cardoso), Ketelaer (als linkes Pendant zu Präger in der Flügelzange) sowie der für die linke Seite geholte Bielefelder Ronald Maul bilden nicht nur ein Trio, das die zuvor dünne Fraktion der Linksfüßer verstärkt. Die drei haben auch die besten Chancen, auf Anhieb den Sprung in die erste Elf zu schaffen. Die meisten übrigen Einkäufe sind vor allem nahezu gleichwertige "Schattenmänner" für jenes Stammpersonal, das sich in der erfolgreichen Saison 1999/2000 einen Bonus erarbeitete (siehe Taktik-Erläuterung). "Den neuen Kader zeichnet aus, das wir nun fast Überall über Alternativen verfügen", zieht Sportchef Holger Hieronymus ein positives Fazit der Transferpolitik, in der als einziger Wermutstropfen das - nicht vom HSV verschuldete - Gezerre um den Verbleib oder vorzeitigen Wechsel von Kult-Keeper Jörg Butt zu Bayer Leverkusen haften bleibt.
Nicht nur die Mannschaft selbst, sondem auch der Trainerstab wurde zur neuen Saison erweitert. So bedient sich Erfolgstrainer Pagelsdorf erstmals eines Torwarttrainers. Diplom-Sportlehrer Johann Rieckhof (35) arbeitete in dieser Funktion bereits - wie Co-Trainer Armin Reutershahn - für den KFC Uerdingen, außerdem für den FC Gütersloh und Fortuna Düsseldorf. Als neuen Chef-Scout gewannen die Hamburger mit Hans-Dieter Schmidt (52) einen ausgewiesenen Kenner der Amateur- und Jugendfußballs.
Greift rund um diese neue, vielversprechende Einheit aus Spielern und Trainern erneut der Pagelsdorfsche Effekt, gemäß dem sich der Klub seit drei Jahren stets Stück für Stück verbesserte? "Es wäre vermessen zu glauben, dass sich dieser Trend nun einfach so fortsetzt", bremst der Trainer die allzu großen Optimisten, es lastet ein gehöriger Druck auf uns. Es muss uns gelingen, diesen Druck als positiv zu empfinden."
Wie auch immer. Der "schlafende Riese" scheint erwacht. Das Feld ist bereitet, nach den fast durchweg mageren neunziger Jahren wie dereinst zu Happels Zeiten wieder dauerhaft zur Elite des deutschen Fußballs zu zählen. Die äußerlichen Anzeichen: Das Volksparkstadion hat sich in eine schmucke, hypermoderne WM-Arena verwandelt, der Dauerkartenverkauf steuert auf Rekordniveau. Im vereinseigenen Trainingszentrum Norderstedt-Ochsenzoll haben die Profis den neuen Trakt bezogen, der allen Erfordernissen gerecht wird. Nebenan läuft die Talentschulung im HSV-Internat auf Hochtouren. Mit über 100 Millionen Mark erreichen die Hanseaten eine neue Höchstmarke. Die Zusammenarbeit mit Vermarkter Ufa sowie der Vertrag mit einem neuen Hauptsponsor (bis zu 36 Millionen Mark in drei Jahren) lassen auch die wirtschaftliche Zukunft rosig erscheinen.
Kein Wunder, dass Lotto King Karl den Kult-Song demnächst auf einer CD herausbringen will. Er sagt: "Wenn beim HSV die Konstanten aus der vorigen Saison wieder stimmen, kann da oben an der Spitze etwas passieren. 
Michael Richter

und in einer Wochenausgabe schreibt der kicker:
Neuling Ketelaer schon gesetzt :
Mit Mammut-Kader und Rekord-Etat erhofft sich der Hamburger SV eine Saison der Superlative. Erstes Ziel: Die Champions-League-Qualifikation gegen Bröndby IF bzw. KR Reykjavik.

Die Neuen 
Mit Zweitliga-Stürmer Marcel Ketelaer (kam für 5,5 Millionen aus Gladbach) leisteten sich die Hanseaten den teuersten Neuzugang der Vereinsgeschichte. Der 22-jährige Linksaußen ist als einziger der zehn Neuen auf Anhieb gesetzt. Beste Chancen, beim Pflichtspiel- Start in der Anfangsformation zu stehen, hat auch Sergej Barbarez. Der Ex-Dortmunder hat sich zumindest bis zur Rückkehr des verletzten Rodolfo Cardoso auf der Spielmacher-Position etabliert. 
An der Schnittstelle zwischen Spielfeld und Ersatzbank befinden sich Marek Heinz (als Linksaußen, Mittelstürmer und hinter den Spitzen einsetzbar), Stig Töfting (halbrechts) und Ronny Maul (halblinks). Ein Trio, das sich nahtlos in die Elf einfügen dürfte. Als Ergänzungen gelten dagegen Marinus Bester, Jan Sandmann, Benjamin Kruse sowie die Torhüter Thomas Hillenbrand und Carsten Wehlmann. Letzterer allerdings darf sich laut Trainer Pagelsdorf in Bezug auf kommende Saison Hoffnungen auf die Butt- Nachfolge machen.

Die Stärken 
Der HSV kann auf das bewährte Gerüst der Vorsaison bauen. Torwart Butt, die Dreier-Abwehrkette (Hertzsch, Hoogma, Panadic), Kovac, Groth und Yeboah stehen für Pagelsdorf als Stammkräfte abseits jeder Diskussion. Erstklassig sind auch die neuen Alternativen (siehe oben). Fast alle Positionen sind gleichwertig doppelt besetzt. Der Konkurrenzkampf dürfte die Leistungsbereitschaft permanent auf oberstem Level halten. Auch in taktischer Hinsicht sind kaum Grenzen gesetzt. In der Vorbereitung zeigte sich bislang: Trotz des sportlichen Hauen und Stechens um die Stammplätze herrscht mannschaftsintern Zusammenhalt.

Die Schwächen 
Trotz der immensen Variationsmöglichkeiten: Wie schwer der kurzfristige Verlust von Thomas Gravesen insbesondere als erste Alternative für Abwehrchef Hoogma wiegen kann, wurde beim 1:3 im Liga-Cup gegen Hertha offenbar. Nach Hoogmas Ausfall musste Pagelsdorf gleich mehrfach umstellen: Kovac aus dem zentralen Mittelfeld in die Dreier-Abwehrkette, Groth von rechts auf die Kovac-Position, dazu Präger ins rechte Mittelfeld. Konsequenz: Gleich bei zwei Toren (1:1 und 1:3) fehlte (auch) die Abstimmung in der zentralen Verbindung. Um weniger rotieren zu müssen, dürfte bei nächster Gelegenheit Groth als Hoogma-Vertreter getestet werden. Fakt bleibt: Ein derart vielseitiger Mann wie Gravesen ist nicht mehr in der Hinterhand.

Der Trainer
Frank Pagelsdorf geht an der Elbe in die vierte Saison. Längst hat der 42-Jährige seine Vorstellungen durchgeboxt, dem Auftreten der Mannschaft seine unverkennbare, auf Attraktion und Offensiv- Spektakel ausgerichtete Handschrift verliehen. Nach außen hin Gemütsmensch, hält Pagelsdorf intern die Zügel so straff wie nötig, ist somit bei Spielern, Fans und Medien gleichermaßen respektiert wie beliebt.

Die Taktik 
Das bewährte 3-4-3 bleibt Standard. Tritt der Gegner mit drei Stürmern auf, wird der HSV eine Vierer-Abwehrkette (mit zwei möglichst offensiven Außen) dagegensetzen. Ein 3-5-2-System, vorzugsweise mit Barbarez als "hängender" Spitze, wird als zusätzliche Variante einstudiert.

Das Umfeld 
Mit einem Gesamtetat von 118 Millionen Mark sprengt der HSV auch wirtschaftlich alle Vereinsrekorde. Das neue Volkspark-Stadion genügt infrastrukturell höchsten Ansprüchen, ist zudem als stimmungsvolle Arena bei der Konkurrenz gefürchtet. Allerdings: Bei sportlichem Misserfolg kann sich die derzeitige Harmonie in den Gremien (Präsidium, Aufsichtsrat) wie die Erfahrung zeigt auch ins krasse Gegenteil kehren.

Die Prognose 
Der Hamburger SV ist für die Dreifach-Belastung Bundesliga, Pokal und Champions League gerüstet. Bleiben die Leistungsträger von größeren Verletzungen verschont, ist der erneute Einzug ins internationale Geschäft programmiert. Selbst der direkte Sprung in die Champions League (Platz zwei) erscheint bei optimalem Verlauf nicht utopisch. 

kicker-Prognose: Der HSV ist strukturell gefestigt und personell gerüstet, die neue Belastung mit Bundesliga, Europapokal und gestiegenen Erwartungen zu meistern. Er wird einen Platz unter den ersten fünf erreichen.

"Natürlich wird es schwer, denn keiner der Konkurrenten wird sich mehr überraschen lassen. Aber durch sehr gute Einkäufe wurde das Team punktuell noch verstärkt. Meine Prognose daher: Sie worden wieder unter den ersten drei Mannschaften landen. Mehr noch, diesem HSV treue ich alles zu!"
Ditmar Jakobs, von 1979 bis 1990 beim HSV, Deutscher Meister 1982 und 1983.
 

kicker: Herr Pagelsdorf, erstmals unter Ihrer Regie spielt der HSV international. Was überwiegt: Freude oder Sorge über die größere Belastung?
Frank Pagelsdorf: Natürlich die Freude. Aber Priorität hat ganz klar die Bundesliga. Und da hat man vor einem Jahr bei Hertha BSC gesehen, dass die Doppel-Belastung in der Liga zum Problem werden kann.
kicker Was macht den HSV stärker als vergangene Saison, welche Defizite sind noch vorhanden?
Pagelsdorf: Wir haben die so genannte zweite Reihe verstärkt. Einserseits lassen sich dadurch Ausfälle besser kompensieren, andererseits wird dadurch der ersten Elf mehr Dampf gemacht. Es fehlt uns noch die Cleverness, die internationale Erfahrung.
kicker: Ist der Europacup also eher eine nette Beigabe?
Pagelsdorf: Nein, besser gesagt eine Art Sahnehäubchen. Für uns sind die internationalen Spiele auch dafür da, in der Bundesliga noch gefestigter zu agieren. Wir haben die große Gelegenheit, uns hier weiter zu entwickeln.
kicker: Ihr 3-4-3-System war letztlich der Schlüssel zum Erfolg. Wird es künftig verstärkt Variationen geben?
Pagelsdorf: Wir werden zunächst versuchen, eine gewisse Sicherheit in unser Spiel zu bringen, dann das eine oder andere ausprobieren. Denkbar ist ein 3-5-2, denn gerade im Offensivbereich haben wir nun Spieler, die flexibel einsetzbar sind. Die Abwehr-Viererkette haben wir außerdem ja auch schon in der vorigen Saison erfolgreich praktiziert.
kicker: Wer wird Meister und wo landet Ihr Klub?
Pagelsdorf: Vom Potenzial her schaffen es wieder die Bayern. Aber ich rechne auch mit Dortmund. Leverkusen spielt natürlich mit, vielleicht noch die eine oder andere Überraschungsmannschaft. Für uns ist es ein großes, hoch angesetztes Ziel, wieder den internationalen Wett bewerb zu schaffen. 


 
 
Joachim Löw in der Zeitschrift "Anpfiff":
Die Hamburger haben ihre ohnehin starke Mannschaft sehr geschickt verstärkt. Stig Töfting und Sergej Barbarez sind zwei Topspieler, die exakt ins Konzept von Frank Pagelsdorf passen. Der HSV spielt einen äußerst attraktiven Fußball mit einem modernen 3-4-3-System, für das Pagelsdorf in den vergangenen Jahren stets die passenden Akteure geholt hat. Spieler wie der Iraner Mehdi Mahdavikia oder Roy Präger haben voll eingeschlagen und setzen seine Ideen auf dem Platz hervorragend um. In der Abwehr setzt der Erfolgscoach auf kopfballstarke,  aber technisch versierte Spieler; im Mittelfeld zieht Rodolfo Cardoso die Fäden, und vorne besetzt mit Anthony Yeboah ein Ausnahmestürmer das Angriffszentrum. Allerdings wird der Erfolg der Hamburger sicherlich auch davon abhängen, ob Yeboah es schafft seine Klasse auch in der nächsten Saison zu halten.
Unabhängig davon gefällt es mir, wie mutig, offensiv und risikofreudig Frank Pagelsdorf agieren lässt. Er hat es geschafft, dass fast alle Mannschaften sich auf den HSV einstellen und reagieren müssen - schon das ist ein großer Vorteil. Außerdem halte ich es für richtig, dass der Club im Fall von Nico Kovac (hat ein Angebot von Bayern München vorliegen; Anm. d. Red.) hart bleibt und ihn nicht ziehen lässt schließlich hat er noch einen laufenden Vertrag! Bei Torhüter Hans-Jörg Butt glaube ich allerdings eher, dass es noch vor Vertragsende einen Wechsel geben wird. Wie auch immer, für mich landen die Hamburger am Saisonende unter den ersten fünf der Liga; einen Uefa-Cup-Platz erreichen sie bestimmt, und die Champions-League Qualifikation halte ich für möglich.

Holger Plorin schreibt in der Zeitschrift "Anpfiff":
Unvergessen sind die Feuerwerke, die der HSV in der letzten Saison im Volksparkstadion zündete. Daran sollen sich in Zukunft Europas Spitzenclubs die Finger verbrennen.
Der HSV steht vor einer Saison der Entscheidungen: In der Liga gilt es, den Platz in der Spitzengruppe zu bestätigen; im Europacup muss auf dem Weg zur Champions League noch die Hürde Qualifikation genommen werden. Schaffen die Hamburger beides, bedeutet dies nicht nur sportlichen, sondern auch finanziellen Erfolg.
Und wer weiß, stellt sich beides ein, vergisst Mittelfeldstratege Nico Kovac seine Lust an einem Wechsel zu Bayern München zum Saisonende ...
Trotz guter Perspektiven haben sich viel versprechende Akteure wie Linksfuß Dimitrios Grammozis (1. FC Kaiserslautern) und Libero-Talent Fabian Ernst (Werder Bremen) definitiv gegen eine Zukunft bei den Hanseaten entschieden. Wie auch Keeper Hans-Jörg Butt: In knapp einem Jahr wird er, ablösefrei, zu Bayer Leverkusen, wechseln. Ein vorzeitiger Transfer scheiterte an der Ablöse.
Dennoch, der HSV geht in die neue Saison eher gestärkt denn geschwächt. Dafür sorgen die bundesligaerfahrenen Neuzugänge Sergej Barbarez (von Borussia Dortmund), Stig Töfting (MSV Duisburg/Aarhus GF), Ronny Maul (Arminia Bielefeld) und Marcel Ketelaer (Borussia Mönchengladbach). Besonders große Hoffnungen rufen auf dem 22-jährigen tschechischen Angreifer Marek Heinz (Sigma Olmütz), der sich anschickt, früher oder später den Ghanaer Anthony Yeboah als Sturmführer zu beerben. 
Trainer Frank Pagelsdorf hat sein Team vor allem in Mittelfeld und Angriff gehörig verstärkt: U21-Nationalspieler Marcel Ketelaer gilt als Idealbesetzung für die linke Angriffsseite, während Sergej Barbarez vor allem Rodolfo Cardoso in der Kreativrolle unterstützen soll. Als Alternative zu Nico Kovac und damit für den Part des Abfangjägers gilt der dänische Nationalspieler Stig Töfting, der bereits zwischen 1993 und 1995 in Hamburg kickte, in Pagelsdorfs extrem offensiver 3-43-Formation eine immens wichtige Rolle. Wie überhaupt auffällt, dass Pagelsdorf bei den Neuverpflichtungen darauf achtete, zahlreiche Positionen im Team doppelt zu besetzen. Schafft es der HSV diesmal, seinen berauschenden Offensivfußball konstant durch die Saison zu zeigen, könnte die Partie am 34. Spieltag gegen Bayern München zu einem .echten» Endspiel um den Titel werden ...
Tipp: Der HSV erreicht mindestens die Qualifikation zur Champions League.


 
Willi Reimann im Berliner Kurier:
Oh, oh Yeboah - Tony droht Dauerproblem zu werden:

Noch 3 Tage, dann rollt endlich wieder der Bundesliga-Ball. Noch 3 Tage können sich die 18 Mannschaften in Form bringen. Noch 3 Tage darf spekuliert und analysiert werden, wie stark die Teams sind. Dann wird der Ernstfall zeigen, wie weit Hoffnungen und Realität auseinander liegen.

Wir wagen bereits den Blick nach vorn. Trainer-Urgestein Willi Reimann (51), der die Bundesliga durch eigene 287 Bundesliga-Einsätze als Spieler und Trainer-Engagements beim HSV, St. Pauli, Wolfsburg und Nürnberg seit vielen Jahren in- und auswendig kennt, beleuchtet für uns Stärken und Schwächen der Teams. Kompetent und kritisch, aber auch bisweilen augenzwinkernd. Heute geht es weiter mit dem Hamburger SV.

Was sich in den vergangenen zwölf Monaten beim HSV abgespielt hat, ist elektrisierend, beinahe sensationell. Der sportliche Aufschwung der Mannschaft, der höchstens ein ordentlicher Mittelfeldplatz zugetraut worden war; das blinde Verständnis von Trainer Frank Pagelsdorf und Sportchef Holger Hieronymus, die noch vor anderthalb Jahren wie Katz und Maus miteinander umgegangen waren; die Stabilisierung der Vorstandsarbeit dank des unermüdlich-fleißigen Werner Hackmann; letztlich die Stillegung des ständigen Unruheherds Aufsichtsrat, wo inzwischen auch die letzten Querulanten den Mund halten - was wiederum der HSV-Erfolgsbilanz zugute kommt.
Ja, und dann diese Stadion-Schüssel. Einmalig! Wunderbar! Für mich einzigartig! Allein wegen dieses inzwischen endlich völlig überdachten Stadions lohnt sich ein Besuch im Volkspark. Da benehmen sich inzwischen selbst die coolen Hanseaten wie enthusiasmierte Tifosis, ist die Stimmung besser als in jeder anderen Arena. Mithin ein Grundstock für mindestens noch eine so erfolgreiche Saison wie zuletzt. Aber es gibt auch Zweifel.
Heute abend findet das richtungsweisende Champions-League-Qualifikationsspiel bei Bröndby Kopenhagen statt, und hier wie in der Partie 14 Tage später werden entscheidende Weichen gestellt. Schafft es der HSV - und danach sieht es auch - dann hat das Pagel-Team jene Dreifach-Belastung, die zum Beispiel Hertha BSC aus der vergangenen Serie kennt und mit der sie im Bundesliga-Alltag nicht so recht fertig geworden ist. Allein deswegen hat der vorausblickende Trainer seinen Kader in der Breite noch einmal ergänzt, mit Sergej Barbarez und Marcel Ketelaer auch zwei Knaller an die Elbe geholt. Andere müssen als Ergänzungsspieler angesehen werden - und die Formkurve der Leistungsträger ließ in der Vorbereitung auch noch zu wünschen übrig. Vermutlich das größte Problem wird aber Anthony Yeboah sein, dem sein Steuerprozess wie ein Felsklotz am Hals hängt und den Ghanaer zu ersticken droht. Neben der eher amüsanten Begleiterscheinung, dass er vor dem gestrengen Richter zugeben musste, dass sein wahres Alter nicht 34 sondern 36 Jahre ist, sind weitere neun Verhandlungstage beim Steuerprozess in Frankfurt angesetzt, der nächste schon am Donnerstag dieser Woche. Und wer Yeboah in den letzten Wochen gesehen hat, diesen personifizierten Trauerkloß, der muss wirklich schwarz sehen. Jedensfalls für ihn.