Champions League - Qualifikation, Dienstag, 12.08.00 um 20:30 Uhr im Hamburger Volkspark bei 18 Grad C.

Hamburger SV - Bröndby IF Kopenhagen 0:0 (0:0)

Um es auch nochmal wieder zu sagen: Nun habe ich also das wichtigste HSV-Spiel seit 1983 gesehen. Allerdings habe ich das Finale 1983 gar nicht gesehen und bin mir auch nicht wirklich sicher, ob man es so behaupten kann, daß dieses Spiel nun das wichtigste seit damals war.

Noch wesentlich essentieller für den Verein waren wohl eher die Spiele gegen den Abstieg in den vergangenen Saisons. Das hätte auf Jahre hinaus das Aus bedeuten können für den HSV. Nun wäre es nur eine verpaßte Chance gewesen.

Aber sie wurde ja nicht verpaßt sondern genutzt. Der HSV ist nach diesem Spiel in der Champions League und wird dort mit Sicherheit ca. 15 – 20 Mios verdienen (selbst wenn alle Spiele verloren werden sollten).

Dabei waren die Vorzeichen vor diesem positiv –wichtigsten Spiel seit 1983 alles andere als gut. Naja, das ist jawohl auch übertrieben. Immerhin hatten wir bereits das Hinspiel in Bröndby mit 2:0 gewonnen. Aber dann die schlimme Bundesliga-Auswärtspleite mit 0:4 in Berlin und Bröndby hatte in der dänischen Liga gerade den Vorjahresmeister Herfölge geputzt. 

Tja, und nun war es da: Das erste Flutlichtspiel im voll überdachten HSV-Stadion.

Seltsamerweise war ich trotzdem wieder weniger nervös als einige meiner Freunde, aber während des Spiels nahm meine Nervosität dann immer weiter zu.

Vor dem Spiel rätselte die Presse schon über die Aufstellung. Da wurde gemutmaßt, daß Maul, Yeboah, Präger, Barbarez nach der bösen Pleite in Berlin nun auf die Bank müßten. Das kam aber nur teilweise so. Maul mußte sogar auf die Tribüne und Holler nahm seinen Platz ein. Yeboah durfte – genau wie Präger – seinen Platz im Sturm behalten. Dafür mußte Ketelaer auf die Bank und Marek Heinz durfte dessen Platz einnehmen. Und auch Barbarez mußte seinen Platz räumen, da Cardoso endlich wiederspielen konnte.

Und diese Jungs haben auch alle überzeugt. Cardoso war zwar noch nicht wieder bei seiner alten Leistungsstärke, aber trotzdem hat man das ganze Spiel über gemerkt, daß er immer den Ball fordert und auch ständig als Schaltstelle fungiert.

Auch Tony Yeboah hat sehr gut gespielt. Er hatte quasi alle Großchancen des HSV. Dabei würde ich ihm aber keinen Vorwurf machen, daß es letztendlich nicht zu einem Tor rechte, da es sich nicht um 100 %ige Chancen handelte. Die beste Chance, die er hatte, war noch die erste. Nach einer Flanke von der linken Seite stand Tony plötzlich völlig frei beim Kopfball aus ca. 6 – 7 m. Leider konnte er den Ball aber nicht genug plazieren, sodaß der dänische Torwart den Ball noch gerade so vor der Linie bekommen konnte.

Im weiteren Verlauf des Spiels hatte Yeboah noch 5 weitere Großchance, die allesamt hätten drin sein können, es aber leider nicht waren. Entweder konnte der Torwart parieren oder Yeboah verfehlte das Tor knapp (1 x Außennetz , 1 x ca. 10 cm über das Tor).

Die Dänen hatten Ihrerseits nur sehr, sehr wenige Chancen. Im Stadion habe ich sogar so gesehen, daß sie eigentlich nie eine richtig gute Chance hatten. Lediglich ein Tor nach Abseitsstellung.

Als ich es dann allerdings am TV noch einmal gesehen habe, sah das schon etwas anders aus. Die vermeintliche Abseitsstellung war gar keine und so hätte das Tor eigentlich zählen müssen. Allerdings kann man auch anführen, daß hier noch einige Sekunden zwischen Abseitsstellung und Schuß vergingen. Der HSV-Verteidiger blieb auch stehen als er die Abseitsfahne sah (ich hoffe zumindest, daß er erst stehen geblieben ist als er die Fahne sah ! ;-) ) Es hätte also auch sein könne, daß der Verteidiger den Dänen noch entscheiden beim Schuß gestört hätte, wenn nichts Abseits gegeben worden wäre.

Eine ebenso haarige Situation gab es noch etwas früher in der Anfangsviertelstunde. Nach einer Flanke lief Holler durch den eigenen Strafraum und wollte einen Ball hinausdreschen, bevor der Gegner ihn bekommt. Dann gingen allerdings beide Spieler zu Boden. Im Stadion war ich noch klar der Meinung, daß Holler erst den Ball wegspitzelte und ihn des Gegner dann auflaufen ließ. Nach dem Fernsehstudium war es aber ein klarer Elfer für mich. Holler hatte den Ball nämlich gar nicht getroffen. Und dann kann man ja auch nicht behaupten, daß der Gegner ihn auflaufen lief. Nun sah es vielmehr so aus, daß Holler nicht den Ball traf, aber dafür einfach in den Gegner hineinsprang. Nach den TV-Bildern war es für mich jedenfalls ein Elfer. Ich mag mir gar nicht ausdenken, wie das Spiel wohl verlaufen wäre, wenn der HSV schon nach 15 Minuten mit 0:1 zurückgelegen hätte. Dann wäre das allgemeine Nervenflattern aufgetreten.

Aber der Schiri hat es ja Gott sei Dank anders gesehen. Der Schiri ansich hat mich allerdings ganz schön aufgeregt. Ich kann mich nicht erinnern, daß ich in einer internationalen Begegnung schon einmal einen so kleinlichen Schiri gesehen zu haben. Da wird immer behauptet, daß in der Bundesliga immer so kleinlich gepfiffen werde. Sooo kleinlich habe ich aber noch keinen Bundesliga-Schiri gesehen. Der Schiri hat wirklich fast jede Körperberührung abgepfiffen. Allerdings hat er dabei keine Mannschaft besonders benachteiligt, da er gleichmäßig kleinlich pfiff.

Außer den beiden oben beschriebenen Chancen hatte Bröndby ansonsten aber auch keine weiteren Chancen, an die ich mich erinnern könnte. Naja, eine halbe noch. Bei einem weiten Pass in den 16er konnte sich Butt leider nicht enschließen herauszulaufen. So wartete er bis dann nach dem Ball schließlich auch Verteidiger und Gegenspieler außen am 5er standen und er wurde  doch noch ein wenig gefährlich.

In der zweiten Halbzeit nahm die Nervosität bei mir dann allerdings auch beständig zu. Nicht, daß die Dänen nun Chance auf Chance gehabt hätten, aber ich wurde doch „flatterig“. Ich bekam schon leichte Angstzustände, wenn die Dänen nur in unsere Hälfte kamen. 

Im Stadion wurde es dann leider m.E. auch sehr ruhig und ich konnte teilweise nur noch die ca. 1000 mitgereisten Dänen hören.

Erst ab der ca. 85 Minute wurde ich dann langsam lockerer und die Stimmung stieg im Stadion nun stark an. Keine besondere Bedeutung hatte dabei, daß ein Däne noch kurz vor Schluß vom Feld gestellt wurde, weil der Schiri auf Notbremse gegen Yeboah entschieden hatte. Darüber kann man sich wohl streiten; ich fand die Entscheidung aber korrekt. Wenn der Schiri das Halten ahndet, dann muß er in diesem Fall auch die Rote Karte geben.

Die letzten Szenen des Spiels verfolgten dann alle (jaa, sogar auch die Westtribüne) stehend und ich war sehr glücklich als der Schiri schließlich abpfiff. Ich konnte aber seltsamerweise gar nicht so richtig jubeln. Mag auch daran liegen, weil wir dieses Spiel ja gar nicht gewonnen hatten, sondern es beim 0:0 geblieben war. Erst jetzt, 2 Tage nach dem Spiel, fange ich an, mich so richtig zu freuen.

Ich hoffe für die CL auf starke Gegner, da ich es so und so als sehr schwer erachte, daß der HSV die erste Gruppenphase übersteht. Dann wäre es mir schon lieber , wenn der HSV Topgegner bekommt und man diese auch mal bestaunen kann. Das Stadion wäre voll und die Zuschauereinnahmen entsprechend hoch. Außerdem würde ich auch sehr gerne, die ein oder andere Tour durch Europa unternehmen. Und da wäre mir Italien schon lieber als die Ukraine oder Norwegen.

Ich will es mal mit Andy Möller halten:

Mailand oder Madrid => Hauptsache Italien ! ;-) 

Spielerbewertung:

Butt: hatte wirklich wenig zu tun. Bis auf einmal als er nicht rechtzeitig rauskam, war er aber ansonsten sehr sicher: Note 3

Panadic: Die Abwehr stand insgesamt wieder etwas sicherer als in den letzten Spielen. Keiner der Verteidiger ist besonders auf- oder abgefallen: Note 3

Hoogma: siehe Panadic: Note 3

Hertzsch: siehe Panadic: Note 3

Hollerbach: hat heute sein bestes Spiel gemacht, daß ich von ihm im HSV-Trikot gesehen habe. Heute hat er endlich mal das gemacht, was ihm sonst alle nachsagen: Bis zum Umfallen gekämpft (und nicht nur getreten). War für mich der beste Spieler auf dem Platz. Eigentlich wollte ich ihm auch als einzigen eine 1 geben. Dann sah ich aber im TV das meiner Meinung nach elfmeterwürdige Foul, das uns hätte sehr schaden können. Daher „nur“: Note 2

Groth: war grottenschlecht. Er hat mir diese Saison noch in keinem Spiel gefallen. Eigentlich hätte er mal eine Denkpause verdient, aber Pagel setzt ja sehr auf ihn. Er hat fast nichs zu Stande gebracht in diesem Spiel und was mich besonders ärgert ist, daß er ständig zur Mitte zog und so bei unseren Angriffen auf der rechten Mittelfeldseite nie jemand frei war.

Kovac: Nicht sehr auffällig, aber trotzdem zweikampfstark. Ich glaube, daß es ihm sehr gut tun wird, daß Cardoso nun wieder da ist und nicht auch noch die Spielmacherlast auf ihm liegt: Note 3

Cardoso: seine Wiederkehr war enorm wichtig für die Mannschaft. War schon wesentlich besser im Spiel als ich es nach der langen Pause befürchtet hätte. Trotzdem ist auch er noch steigerungsfähig. Technisch aber schon wieder eine Augenweide. Note 3

Präger: in der ersten Halbzeit wesentlich auffälliger als in der 2. Halbzeit. Zwar sehr kämpferisch, aber kaum zu sehen: Note 4

Yeboah: so gefiel mir Tony wieder richtig gut ! Hatte fast alle Hamburger Chancen, die erfolgversprechend waren. Hätte wenigstens einen versenkt, wäre es nicht mehr geworden als „nur“: Note 2

Heinz: Es macht richtig Spaß, diesem Jungen zuzusehen. Wenn er an den Ball kommt, braucht man quasi nie Angst zu haben und kann sich auf das nächste technische Kabinettstückchen freuen. Baute allerdings nach ca. einer Stunde körperlich ab. In dieser Verfassung wird er aber ein sehr, sehr großer Konkurrent für Ketelaer. Schade, daß wohl nur einer von den beiden Spielen kann, denn für einen Mittelstürmer wäre mir Heinz wohl doch zu verspielt: Note 2

Mahdavikia (kam für Präger): war wesentlich auffälliger als Präger und hatte einige gute Aktionen: Note 3 +

Sandmann (kam für den angeschlagenen Holler): Wirkte anfangs nervös und paßte sich dann aber doch gut ein: Note –

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet:
HSV schafft die Champions League 

17 Jahre nach dem historischen Endspiel-Triumph über Juventus Turin darf der Hamburger SV wieder um den Europapokal der Landesmeister spielen. Die Hanseaten qualifizierten sich am 
Dienstag durch ein 0:0 über Bröndby Kopenhagen für die Champions League, nachdem sie im Hinspiel mit einem 2:0 den Grundstein gelegt hatten. Rund 45 000 Zuschauer sorgten im nahezu ausverkauften 
Volksparkstadion für einen stimmungsvollen Abend - selten zuvor feierte der HSV derart überschwänglich eine Nulldiät. 

Mit dem Einzug in die Königsklasse hat das Bundesliga-Gründungsmitglied 15 Millionen Mark sicher. Die Mannschaft verdiente sich die zwei Millionen Mark Siegprämie mit einer kämpferisch 
überzeugenden Vorstellung, in der jedoch die Chancenverwertung das größte Manko war. Die Dänen beendeten die Partie nur mit neun Feldspielern, nachdem Dan Johanson in der 82. Minute wegen einer 
angeblichen Notbremse gegen Anthony Yeboah die Rote Karte sah. 

Yeboah war ständiger Gefahrenherd 
Drei Tage nach der 0:4-Pleite bei Hertha BSC trat der HSV auf drei Positionen verändert und als Team wie ausgewechselt an. Diesmal gingen die HSV-Profis weite Wege und keinem Zweikampf aus dem Weg. Verantwortlich für die spielerische Steigerung waren in erster Linie der Argentinier Rodolfo Esteban Cardoso, der nach viereinhalb Monaten währender Verletzungspause ein Comeback feierte, und der tschechische Neuzugang Marek Heinz in seinem ersten Pflichstpiel-Einsatz von 
Beginn an.     Roy Präger und Bröndbys Per Nielsen 

Von der Hereinnahme des technisch beschlagenen Duos profitierte vor allem Yeboah. Der Ghanaer, zuletzt nur ein Schatten seiner selbst, präsentierte sich deutlich verbessert und als ständiger 
Gefahrenherd. Allein im Abschluss fehlten dem 36-Jährigen die letzte Konsequenz und das nötige Quäntchen Glück. 
 

Bröndby-Tor nicht anerkannt 
Allein in der ersten Halbzeit hatte Yeboah vier teilweise hochkarätige Chancen zur Führung: Zwei Mal scheiterte er per Kopf an Keeper Morgens Krogh (15./44.), in der 19. Minute schoss er knapp am Pfosten vorbei, und in der 24. Minute landete sein Drehschuss erneut in den Händen Kroghs. Dazwischen fand auch Roy Präger mit einem 22-Meter-Freistoß in dem Schlussmann seinen Meister. 

Der dänische Vize-Meister, derzeit Sechster der heimischen Liga, wehrte sich nach Kräften und suchte bei jeder Gelegenheit den Weg nach vorn. Er erspielte sich aber in der ersten Halbzeit keine echte 
Torchance. Die beherzt, aber meist ideenlos vorgetragenen Angriffe, stellten die HSV-Deckung selten vor Probleme. In der 36. Minute stockte den HSV-Fans allerdings der Atem, als Peter Grauland ins Tor traf, Schiedsrichter Siric (Kroatien) aber zuvor - und zu Unrecht - eine Abseitsstellung des Schützen ahndete. 

Nach der Pause kam Bröndby auf 
Nach dem Seitenwechsel hatten die Hamburger jedoch zunehmend Probleme, die Kontrolle über das Spiel zu behalten. Der HSV verlor mehr und mehr seine Linie, weil Cardoso nach der langen Pause die 
Kräfte verließen. Dafür kamen die Dänen besser auf und durch Grauland (47./67.) zu zwei guten Chancen. Auf der Gegenseite hatte einmal mehr Yeboah in der 75. Minute die Möglichkeit, alle Zweifel am Weiterkommen zu beseitigen. Der 36-jährige aber brachte den Ball nach einer Freistoßflanke von Mahdavikia erneut nicht im Tor unter. 

Trotz 0:0 die Königsklasse erreicht 
Mit einer guten Leistung hat der HSV den Einzug in die Champions League geschafft. Es fielen im Volksparkstadion zwar keine Tore, doch das wird zumindest den Fans der Hanseaten egal sein. Am Ende zählt nur das Ergebnis - und das heißt für dei Norddeutschen, endlich wieder in der europäischen Königsklasse zu kicken. 

Auffallend war, wie engagiert die Elf von Trainer Frank Pagelsdorf ans Werk ging. Die Bestnote in einer überhaupt gut spielenden HSV-Mannschaft verdiente sich Anthony Yeboah, dem allerdings ein Tor vergönnt blieb - trotz guter und zahlreicher Chancen. 

HSV mit zwei Gesichtern 
In der Champions League hui, in der Bundesliga pfui - das sind derzeit die zwei Gesichter des HSV. Gegen Hertha BSC mit 4:0 unter die Räder gekommen und keine drei Tage später die Champions League erreicht - trotz aller Unkenrufe. 
Das ist auch ein Verdienst von HSV-Trainer Frank Pagelsdorf. Er krempelte einfach das Team um, warf die Versager raus und hämmerte den Spielern ein, endlich wieder zu kämpfen. Das wirkte. Und plötzlich ist wieder alles gut im hohen Norden. Oder doch nicht? 
Erinnert sei an Hertha BSC, die in der vergangenen Saison die Champions League im Kopf hatten und dabei fast die Bundesliga vergaßen. Nur mit Mühe wurde der UEFA-Cup erreicht. 
Auch Borussia Dortmund kann ein Lied von schwachen Bundesligaleistungen aufgrund des internationalen Geschäftes singen. Im Jahr des Champions League-Gewinns war der BVB nur deswegen wieder international, weil die Elf eben jenen Pokal gewann. 
Um diese Gefahr weiß auch Pagelsdorf. Und er sagt daher ganz bewusst, dass ihm die Bundesliga wichtiger als die Champions League sei. Ob das die Spieler verstehen? Die nächsten Bundesligaspiele werden es zeigen... 

"Es gibt keine Wunschgegner"  Holger Hieronymus freut sich über den Erfolg 
Der Hamburger HSV hat es nun geschaft, die letzte Hürde ist genommen. Am Freitag liegt der HSV mit im Lostopf für die Gruppeneinteilung des Millionenspiels in Monte Carlo, wird in einem Atemzug genannt mit Juventus Turin, Manchester United und Real Madrid. Sportchef Holger Hieronymus äußert sich zum Wandel eines Durchschnitssteams zum Champions-League-Teilnehmer. 
Frage: Herr Hieronymus, die Champions League ist geschafft. Ab wann waren sie sicher, dass es gut geht? 
Holger Hieronymus: Ich habe in der zweiten Halbzeit gedacht, dass wir nur durch einen Zufall ein Gegentor kassieren können. Wir haben hinten sehr gut gestanden. Man hat gesehen, dass viel Potenzial in unserer Mannschaft steckt. 
Frage: Und jetzt beginnt das große Geldverdienen. Mit welchen Summen rechnen sie denn? 
Hieronymus: 15 bis 20 Millionen Mark sind uns wohl sicher. 
Frage: Und was wollen sie damit machen? 
Hieronymus: Wir haben immer gesagt, dass wir uns vorher keine Gedanken machen. Jetzt werden wir mal sehen, was kommt. Wir haben keine Not, Geld unter das Volk zu bringen. Wir können die Mannschaft weiter verstärken, wir müssen unser Stadion abbezahlen, und wir wollen auch bestehende Verträge mit Spielern verlängern. Geld auszugeben geht von allein. Wichtig ist, dass auch welches reinkommt. 
Frage: Freitag sind sie bei der Gruppenauslosung in Monte Carlo. Irgendwelche Wunschgegner? 
Hieronymus: Gegen wen wir spielen, ist völlig egal. Wichtig ist auch, das die Mannschaft ihre Lehren zieht. Jetzt geht es vielleicht nach San Siro, Old Trafford oder Nou Camp. Das ist was anderes als Bundesliga. Wir haben nicht so viele Spieler, die diese Erfahrungen schon gemacht haben. Wenn wir aber in der Hauptgruppe weiterkommen, ist das auch prima. Wir haben das Potenzial, mit Europas Besten mitzuhalten. 
Frage: In der Bundesliga lief es allerdings noch nicht überzeugend. 
Hieronymus: Das Spiel gegen Bröndby war auch ein Anstoß für die Bundesliga. So eine schwache Leistung wie in Berlin wird nicht noch einmal passieren. Da war dieses Spiel bereits in den Köpfen. 
Frage: Aber die Doppelbelastung mit Champions League kommt doch jetzt weiterhin auf die Spieler zu? 
Hieronymus: Es ist ein Unterschied, ob man die Champions League erreichen kann oder schon drin ist. Wir haben jetzt das Ergebnis von 15 Monaten Arbeit erreicht. Das macht die Köpfe frei. 

Stimmen 
Frank Pagelsdorf, Trainer des HSV 
Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburg): "Das war das wichtigste Spiel seit sehr langer Zeit. Die Spieler waren in einigen Situationen zu Beginn verunsichert, aber nachher waren wir gefestigt. Es war enorm wichtig, zu Null zu spielen. Tony Yeboah hat sich fünf, sechs sehr gute Torchancen erarbeitet und ein Riesenspiel gemacht. Wir hätten es verdient gehabt, auf Grund der Torchancen zu gewinnen. Die Rote Karte war eigentlich kein Foulspiel." 


 
dpa meldet:
Gefeierte Nulldiät: HSV in der Champions League :
17 Jahre nach dem historischen Endspiel- Triumph über Juventus Turin darf der Hamburger SV wieder um den Europapokal der Landesmeister spielen. Die Hanseaten qualifizierten sich am Dienstag durch ein 0:0 über Bröndby Kopenhagen für die Champions League, nachdem sie im Hinspiel mit einem 2:0 den Grundstein gelegt hatten. 
Rund 45 000 Zuschauer sorgten im nahezu ausverkauften Volksparkstadion für einen stimmungsvollen Abend - selten zuvor feierte der HSV derart überschwänglich eine Nulldiät.

Mit dem Einzug in die Königsklasse hat das Bundesliga- Gründungsmitglied 15 Millionen Mark sicher. Die Mannschaft verdiente sich die zwei Millionen Mark Siegprämie mit einer kämpferisch überzeugenden Vorstellung, in der jedoch die Chancenverwertung das größte Manko war. Die Dänen beendeten die Partie nur mit neun Feldspielern, nachdem Dan Johanson in der 82. Minute wegen einer angeblichen Notbremse gegen Anthony Yeboah die Rote Karte sah.
Drei Tage nach der 0:4- Pleite bei Hertha BSC trat der HSV auf drei Positionen verändert und als Team wie ausgewechselt an. Diesmal gingen die HSV- Profis weite Wege und keinem Zweikampf aus dem Weg. Verantwortlich für die spielerische Steigerung waren in erster Linie der Argentinier Rodolfo Esteban Cardoso, der nach viereinhalb Monaten währender Verletzungspause ein Comeback feierte, und der tschechische Neuzugang Marek Heinz in seinem ersten Pflichstpiel- Einsatz von Beginn an.

Von der Hereinnahme des technisch beschlagenen Duos profitierte vor allem Yeboah. Der Ghanaer, zuletzt nur ein Schatten seiner selbst, präsentierte sich deutlich verbessert und als ständiger Gefahrenherd. Allein im Abschluss fehlten dem 36- Jährigen die letzte Konsequenz und das nötige Quäntchen Glück. Allein in der ersten Halbzeit hatte Yeboah vier teilweise hochkarätige Chancen zur Führung: Zwei Mal scheiterte er per Kopf an Keeper Morgens Krogh (15./44.), in der 19. Minute schoss er knapp am Pfosten vorbei, und in der 24. Minute landete sein Drehschuss erneut in den Händen Kroghs. Dazwischen fand auch Roy Präger mit einem 22- Meter- Freistoß in dem Schlussmann seinen Meister.

Der dänische Vize- Meister, derzeit Sechster der heimischen Liga, wehrte sich nach Kräften und suchte bei jeder Gelegenheit den Weg nach vorn. Er erspielte sich aber in der ersten Halbzeit keine echte Torchance. Die beherzt, aber meist ideenlos vorgetragenen Angriffe, stellten die HSV- Deckung selten vor Probleme. In der 36. Minute stockte den HSV- Fans allerdings der Atem, als Peter Grauland ins Tor traf, Schiedsrichter Siric (Kroatien) aber zuvor - und zu Unrecht - eine Abseitsstellung des Schützen ahndete.

Nach dem Seitenwechsel hatten die Hamburger jedoch zunehmend Probleme, die Kontrolle über das Spiel zu behalten. Der HSV verlor mehr und mehr seine Linie, weil Cardoso nach der langen Pause die Kräfte verließen. Dafür kamen die Dänen besser auf und durch Grauland (47./67.) zu zwei guten Chancen. Auf der Gegenseite hatte einmal mehr Yeboah in der 75. Minute die Möglichkeit, alle Zweifel am Weiterkommen zu beseitigen. Der 36- jährige aber brachte den Ball nach einer Freistoßflanke von Mahdavikia erneut nicht im Tor unter. 


 
kicker meldet:

Spielbericht:
Obwohl Yeboah gegen Bröndby Kopenhagen fünf gute Chancen ungenutzt ließ, zogen die Hamburger souverän in die Königsklasse ein. Trainer Pagelsdorf hatte seinem Team eine disziplinierte Defensivtaktik verordnet, die voll aufging.
Den Hamburgern war in den ersten 45 Minuten deutlich anzumerken, dass sie die 0:4-Schlappe gegen Hertha BSC Berlin ausmerzen wollten. Angetrieben von dem spielfreudigen Cardoso im zentralen Mittelfeld und dem agilen Heinz über die linke Seite kam besonders Yeboah immer wieder in Schussposition, doch der Ghanaer vergab seine guten Chancen (15., 19., 24., 44., 75.) leichtfertig.
Bröndby, das nach der 0:2-Hinspielniederlage gegen den HSV zwei überzeugende Siege in der dänischen Meisterschaft feierte (7:1 bei Silkeborg IF, 5:0 gegen Herfolge), agierte mit weiten Bällen auf die schnellen Spitzen, doch die in Berlin noch löchrige Hintermannschaft der Hanseaten überzeugte mit gutem Stellungsspiel und Zweikampfstärke.
Nach dem Wechsel übernahm Bröndby mehr die Initiative, doch gegen die kompakt stehenden Hamburger fehlte den Dänen das spielerische Element. Das schwungvolle HSV-Spiel aus der Anfangsphase geriet allerdings zunehmend ins Stocken, vor allem weil Cardoso nach seiner Verletzungspause kräftemäßig abbaute und auch Yeboah von der Bröndby-Abwehr besser kontrolliert werden konnte.
Dennoch: Die Dänen konnten das Tor von Keeper Butt zu keiner Zeit ernsthaft in Gefahr bringen, so dass der Hamburger SV ungefährdet in die erste Hauptrunde der Champions League einzog. 
Bröndby Kopenhagen rutscht in die erste Runde des UEFA-Pokals. 

Analyse

Personal: Comeback für Cardoso beim HSV, Barbarez musste dafür hinter den Spitzen weichen. Links gaben Maul und Ketelaer ihre Plätze an Hollerbach und Heinz ab. Bröndby präsentierte sich in exakt derselben Formation wie im Hinspiel.

Taktik: Leichte Veränderung im bewährten 3-4-3 des HSV: Hollerbach agierte auf der linken Mittelfeld-Seite etwas tiefer als gewohnt. Ansonsten das übliche Bild mit Dreierkette in der Deckung und dem Drei-Mann- Sturm mit Yeboah als Stoßstürmer sowie Heinz und Präger auf den Flügeln. Auf der Gegenseite operierten auch die Dänen in ihrem 4-3-3 mit einigen Verschiebungen. So zogen sich Bjur und Graulund wechselnd von ihren Angriffspositionen zurück und verstärkten die Mittelfeldreihe.

Spielverlauf: Hamburg fand mühsam in die Partie, der mäßige Saisonstart und die Wichtigkeit der Begegnung schienen sich auf die Nerven der Spieler auszuwirken. Folge: Kaum sichere Passfolgen, dafür viele Einzelaktionen, nur bedingt mit Durchschlagskraft. Bröndby kombinierte phasenweise besser, hielt defensiv aggressiv dagegen, zeigte sich aber im Angriff zu harmlos. Butt blieb nahezu ohne Beschäftigung. Der HSV hatte die eindeutig besseren Szenen vor dem Tor, ständig trat hierbei der formverbesserte Yeboah in Erscheinung. Vor allem bei hohen Bällen hatte der Ghanaer gegen die Innenverteidigung der Gäste Vorteile, scheiterte aber ein ums andere Mal. Darüber hinaus blitzte neben Yeboah das große Können von Marek Heinz auf. Seine Bilanz: Gute Ansätze, aber zu viele Bälle, die ungestüm verloren gingen. Hinten fielen leichtere Unsicherheiten in der Kette negativ, der enorme Einsatz Hollerbachs positiv auf. Dieser ließ sich oft zurückfallen, schaffte so gemeinsam mit den drei Abwehrspielern wichtige Überzahl- Situationen, mit denen Bröndby - außer in der Szene beim vermeintlichen Abseitstor - der Zahn gezogen wurde.

Fazit: Auf Grund der Chancen und des optischen Übergewichts wäre ein HSV-Sieg in Ordnung gegangen. Bröndby gelang es zu keiner Phase, das Weiterkommen des Bundesligisten noch einmal ernsthaft zu gefährden.