Champions League 2000/2001 Vorrunde 5.Spieltag, Dienstag, 24.10.00 um 20:45 Uhr im Turiner Stadion "Delle Alpi". 

Juventus Turin - Hamburger SV 1:3 (0:1)

Irgendwie schon eine insgesamt recht verrückte Fahrt nach Turin, die wir da unternommen haben. Schon vorher hielt uns ja viele Bekannte, Arbeitskollegen etc. für bescheuert, wie man sich so eine Tortour nur wegen eines Fußballspieles antun kann.

Aber die sind ja auch alle nicht so mit dem HSV-Virus infiziert wie wir. So machten wir uns jedenfalls zu sechst am Montag abend gegen 20:00 Uhr auf, nach Turin zu einer bestimmt unvergeßlichen Fahrt zu reisen.

Trotz Tank- und Essenstops waren wir bereits am Dienstag früh gegen 9:00 Uhr in Turin. Also noch reichlich Zeit, die Stadt ein wenig zu erkunden. Zunächst suchten wir das Stadion in der Stadt. Das gestaltete sich nicht sooo einfach, weil unser Turiner Stadtplan noch von ca. 1970 war, das Stadion „Delle Alpi“ aber ja erst zur WM 1990 gebaut wurde. Dank recht ordentlicher Beschilderung fanden wir es aber doch relativ zügig und konnten es so schon einmal von außen inspizieren. Und von außen sah es längst nicht so groß und gewaltig aus wie später von innen. Das liegt jedoch einfach daran, daß ein Teil des Stadions sozusagen in den Boden reingebaut ist und man von außen dann nur die „Aufbauten“ sieht.

Danach fuhren wir dann in Stadt Richtung Bahnhof, um dort zwei weitere HSV-Fans (osyruz und Hamburg 1983) „aufzulesen“, die per Flugzeug die Reise angetreten hatten.

Zusammen zogen wir dann ein bißchen durch die Innenstadt Turins, wo wir auch prompt von einem Polizisten (oder wie man so in der Landessprache sacht: Carrabinieri) angehalten worden. Ich dachte gleich: Ooops, was will der uns nun ? Aber das war total nett. Er verteilte Zettel an uns, auf dem die Turiner Polizei (auf DEUTSCH !!!) informierte, von wo man später gesammelt mit Bussen zum Stadion fahren könnte. Vorbildlich – kann man da nur sagen.

Jedenfalls sah man bald immer mehr HSV-Fans durch Turin laufen, da wohl inzwischen auch Busse bzw. Züge eingetroffen waren. Das Grabtuch Jesu Christi konnten wir uns leider nicht ansehen, weil der Dom geschlossen war. Aber wir sollten später ja noch genug sakrale Erlebnisse haben ....

Wir schlenderten so durch die Straßen, sahen Jürgen Hunke mit „Pressefuzzis“ in einem Café, aßen Mittag (einige „natürlich“ Pizza) und waren dann am Arsch – nee, verzeihung – am Po. (toller kalauer, gell ??)
Der Fluß, der die ganze Po-Ebene in der Woche zuvor überflutet hatte, hatte jetzt wieder einigermaßen Normal-Pegel. Trotzdem hingen z.B. an Brücken ganze Baumstämme etc., die sich dort während der Flut angeschwemmt hatten. Auch auf der Fahrt zwischen Mailand und Turin hatten wir ja schon Sumpflandschaften gesehen, wo früher wohl mal Äcker waren. Und selbst die Autobahn war an einer Stelle wohl weggerissen durch die Fluten. Jedenfalls war eine Fahrbahnseite frisch geteert und die andere noch gänzlich verschwunden.

Naja, wir führen noch zu einem Kloster auf einen Berg, genossen die Aussicht über Turin und fuhren dann schließlich zum Stadion, wo ein netter Wächter uns sogar kostenlos auf den Parkplatz ließ. Als man schließlich in einer recht langen Schlange vorm Stadioneingang stand, war man doch recht „belustigt“ über die Durchsagen vom HSV-Fanbeauftragten Christian Reichert. Die Turiner Polizei hatte ihm wohl gesagt, was man so alles mit ins Stadion nehmen dürfe und was nicht. Soweit ich es noch zusammen bekomme: loses Kleingeld nicht erlaubt ! Wenn überhaupt, dann nur im Portemonnaie. Handys erlaubt. Foto- und Videogeräte erlaubt, aber nur mit einfachen Akkus (also KEINE Ersatz-Akkus). Grundsätzlich wurde gesagt, daß man keine metallischen Gegenstände mitnehmen dürfe. 

Als ich dann an der Reihe war beim Filzen lächelten sich die Polizisten natürlich mal wieder an. Italiener sind ja nun auch nicht gerade als Riesen bekannt und der Polizist war dann doch „etwas“ kleiner und schmächtiger als ich. Nun hatte ich (obwohl ich gar nicht rauche) zwei Feuerzeuge bei mir. Das mißfiel dem Polizisten dann doch. Eines davon mußte ich leider abgeben und sah es natürlich nicht wieder, was besonders schade war, weil es sich um eine HSV-Feuerzeug handelte. Aber vielleicht wollte es der Polizist auch nur als Andenken.

Im Stadion mußte man dann erstmal festellen, daß es doch sehr groß ist (im Gegensatz zum Blick von Außen) und nur sehr schlecht gefüllt. Es waren jawohl nur ca. 30000 Zuschauer, die sich im weiten Rund wirklich seeehr verteilten. Die beiden übereinander liegenden HSV-Blöcke waren allerdings sehr gut gefüllt. Ich würde schätzen, daß es weit über 1000, vielleicht sogar 2000 – 3000 HSVer waren, die den weiten Weg hinter sich gebracht hatten.

Wir saßen im oberen Rang und mußten feststellen, daß dieser tierisch steil war. Mindestens so wie der C-Rang im Volkspark – mit dem kleinen Unterschied, daß es hier überhaupt keine Wellenbrecher gab, während es im C-Rang im VP ja vor jeder Reihe einen gibt. 

Da es die Italiener wohl auch nicht so mit der Numerierung der Plätze haben (oder wie sonst sind  Sitzplatznummern wie 16 ,4 12, 20, 16 direkt nebeneinander zu erklären), nahm man einfach irgendwo Platz.

Schließlich begann das Spiel und ebenfalls meine Spannung. Völlig überraschend war für mich die Aufstellung, denn Hollerbach war weder auf dem Feld noch auf der Bank. Dafür spielte Jochen Kientz. Das ließ mich eine Viererkette befürchten, die es aber glücklicherweise nicht gab. Kientz spielte im defensiven Mittelfeld auf der Kovac-Position (der nach links auf Hollers Position ging) und beackerte dabei besonders Zinedine Zidane, was bekanntlich nicht ohne Folgen bleiben sollte.

Bevor ich zum Spiel komme, sei noch erwähnt, daß der Support der Italiener etwas lächerlich rüberkam. Da gab es nämlich einen einen Ruf, der nicht vorher über Megaphon an die Fans „vorgesagt“ wurde. Da spricht man immer von den ach so tollen Tifosi, aber diese Nummer fand ich doch eher peinlich. Allerdings sind 30000 Zuschauer bei so einer Weltmannschaft in einem CL-Spiel ja so und so lächerlich. Fast Bayern-Format !

Das Spiel begann, ohne daß man eindeutige Vorteile bei einer der beiden Mannschaften erkennen konnte. Der HSV war sehr kämpferisch und versuchte, die Turiner erst gar nicht ins Spiel kommen zu lassen. Wenn der Italiener Ferrara nicht völlig blind gewesen wäre, hätte das Spiel nach 8 Minuten für den HSV schon unter einem ganz schlechten Stern stehen können. Nach einem Freistoß von der linken Seite kam es ca. 2 m vorm Tor zum Kopfball und schaffte das Kunststück, diesen Ball noch rechts am Pfosten vorbeizuköpfen. Ich behaupte mal, daß das wesentlich schwieriger war als den Ball einfach reinzuwuchten, aber da wollte wohl irgendjemand nicht, daß wir verlieren.

Zumindest wollte es der HSV nicht, denn nun wurde man besser. Dabei war es zunächst besonders die rechte Seite, die beim HSV mit Präger und Töfting zu gefallen wußte. Zunächst war es Stig Töfting, der nicht attackiert wurde und sich dann aus ca. 25 m einfach mal ein Herz nahm und schoß. Der Ball rutsche dem insgesamt unsicher wirkenden van der Sar über die Fäuste und schlug an den Pfosten. Da konnten wir Hamburger uns das erste mal die Haare raufen. Weniger später war es dann Roy Präger der sich rechts in der Strafraum wuchtete und gerade nur noch von herausstürzenden TW abgefangen werden konnte.

Nun verletzte sich auch noch Kovac und mußte ausgewechselt werden. Meine Hoffnungen stiegen dadurch nicht gerade, denn der eingewechselte Maul konnte in dieser Saison ja noch gar nicht überzeugen.

Doch nun sollte erstmal der erste Akt eines besonderen Spiels beginnen. Ketelaer war bei einem Konter quer über den Platz gelaufen und von Edgar Davids schließlich kurz vorm Strafraum gefoult worden. Der Freistoß war leicht rechts von der Mitte und in ca. 18 m Torentfernung. Die Mauer stand – wie üblich – viel zu dicht und so drosch Kette (wie ich es schon vorher annahm), den Ball mehr oder weniger blind in die Mauer. Der Abpraller landete allerdings wieder beim schußstarken Töfting, der links neben Kette stand. Töfting zog sofort ab und fand dabei glücklicherweise die Lücke im Gewusel, das nun am Strafraum entstanden war. Edwin van der Sar, konnte den Ball gerade noch parieren, machte aber dabei den folgenschweren Fehler, den Ball mitten in den 16er zurückzufausten. Da war aber Roy Präger instinktiv mitgelaufen und konnte den Ball mit einem Hechtkopfball über van der Sar versenken, bevor dieser wieder hätte aufstehen können.

Unglaublich ! Wir führen 1:0 in Turin !

Aber so richtig unglaublich sollte es erst kurze Zeit später werden. Zinedine Zidane wollte sich offensichtlich nicht so recht mit seinem Widersacher Kientz verstehen und als Kientz ihn (allerdings wirklich nicht bös) von den Beinen holte, setzte Zidane zur Kopfnuss an und traf Kientz mit voller Wucht. Der Schiri stand glücklicherweise nur wenige Meter daneben und hatte es gesehen. Er reagierte prompt und verwies Zidane völlig zurecht des Feldes. Außerdem erhielt Edgar Davids für sein Gemecker die gelbe Karte.

Nun stand/saß ich da so und es wurde für mich zu einem seltsamen Spiel, in dem ich mich (zu meinem eigenen Ärger) nicht so freuen konnte, wie fast alle HSV-Fans um uns herum.

Jedenfalls wurde es nun wirklich ein historisches Spiel, denn sowas hatte Turin bestimmt und der HSV garantiert noch nicht gesehen. Einer der weltbesten Spieler schickte sich selbst durch eine Unbeherrschtheit vom Platz und nur Minuten später sollte ihm auch noch sein kongenialer Partner Davids folgen. Davids war offenbar noch so sauer, daß er zu einer fiesen Grätsche gegen Töfting ansetzte. Auch wenn er Töfting kaum traf, war es ein fieses Foul, da er mit beiden Beinen in den Gegner sprang. Dem Schiri blieb nichts anderes als Gelb zu geben. Aber „Bad-Boy“ Davids hatte ja schon durchs Meckern gelb. Und so durfte nun auch er duschen gehen.

Ein Zwischenresümee: Der HSV führt also nach ca. 30 Minuten bei einer der weltbesten Vereinsmannschaften mit 1:0 und steht dann plötzlich mit einer personellen Überlegenheit von 11 : 9 Mann da.

Sowas kann gar nicht in diese Hose gehen ! Und eben das machte mir wohl so Angst. Ich hörte schon im Hinterkopf irgendwie die Stimmen von Arbeitskollegen etc. die mir sagten „Wir kann man nur so doof sein ! Nach Führung und mit 2 Mann mehr, dort nicht zu gewinnen“. Ich weiß, daß das schwachsinnig ist, aber eben diese Gedanken spukten in meinem Kopf rum.

Jedenfalls machte der HSV während des Restes der 1. Halbzeit nichts aus seiner personellen Überlegenheit. Die meisten Angriffe wurden viel zu hektisch vorgetragen und es ergab sich nicht einmal eine richtig gute Chance.

So war man dann sogar allerorts sehr glücklich, daß der Schiri zum Pausentee pfiff und sich die Mannschaft so erst einmal sammeln konnte und Pagel ihnen vielleicht noch einmal die richtigen Worte mit auf den Weg gab. Da sich hinter uns so einige misteriös aussehende „Glatzen“ in fragwürdigen Outfit zusammengesetzt hatten, folgten wir in der Pause einem guten Rat und setzen uns noch einige Reihen weiter nach hinten und saßen während der zweiten Halbzeit somit in der allerletzten Reihe des Stadions.

In der zweiten Halbzeit spielte der HSV es insgesamt wesentlich besser aus, daß man mit 2 Mann mehr auf dem Feld stand, wenn ich auch sehr oft unzufrieden war.

Der HSV konnte uns sich und uns Fans jedenfalls sehr schnell Beruhigung verschaffen. Ketelaer setze auf der linken Seite gegen den ballführenden Tudor hervorragend nach und konnte diesem in Mittellinien-Nähe den Ball abluchsen. Er lief einige Schritte und flankte dann in die Mitte zum mutterseelen-allein stehenden Yeboah. Yeboah nahm den Ball an, spielte van der Sar mit einer Drehung nach rechts aus und geriet ins Straucheln. In diesem Moment war auch schon ein Turiner Verteidigung da, der Yeboah denn Ball nun locker abnehmen konnte. Doch der Turiner geriet ebenfalls ins Straucheln und setzte sich, ohne den Ball zu berühren, auf den Hosenboden. Nun hatte es Yeboah einfach. Er mußte sich nur den Ball nehmen und am am Boden liegenden Verteidiger ins Tor schieben. Ein ganz ganz seltsames Tor, über das nicht einmal Yeboah selbst (nach TV-Studium) so richtig jubeln konnte.

Aber zumindest war das genau das richtige Ding, um die Nerven etwas zu beruhigen. Nun führte man 2:0, hatte 2 Mann mehr auf dem Feld und konnte es sehr ruhig angehen lassen. Das tat man auch. Für den Geschmack einiger Fans viel zu ruhig, denn es wurde natürlich viel quer und auch zurück gespielt. Das verstand ich allerdings durchaus, denn es wäre ja nicht klug, bei dieser Konstellation blind nach vorne zu rennen. Denn auch die verbliebenen 9 Juventiner waren ja nicht gerade vom schlechtesten Format. Was mich aber doch maßlos geärgert hat war, wie schlampig der HSV dann mit seinem Chancen umgegangen ist. Man war mehrfach sehr vielversprechend und „natürlich“ stets in Überzahl nach vorne gelaufen, doch dann wurde immer wieder der Ball vertendelt. Das regte mich allerdings auch auf. Wenn man mit 5 Stürmern auf 3 Vertediger zuläuft, muß sowas eigentlich mit einem Tor abgeschlossen werden. Und von diesen Szenen gab es mehrere, die meist kläglich endeten. 

Jedenfalls entschied Juve-Trainer Ancelotti, nun gleich 3 Mann auf einmal auszuwechseln. Und das sollte sich gleich eine Minute später auszahlen, in dem der eingewechselte Kovacevic einen Freistoß vom eingewechselten del Piero wohl gerade noch so berührte und dieser im langen Eck einschlug. Ich bin aber nicht mal sicher, ob der Ball überhaupt noch berührt wurde. Sah jedenfalls unglücklich aus und darf natürlich passieren, wenn man personell so in Überzahl ist.

Aber die Turiner wollten sich heute eben unbedingt selbst schlagen und holten so zum „finalen Rettungsschuss“ für den HSV aus. Eine Flanke faustete van der Sar wieder einmal unkontrolliert in den Strafraum. Noch besser machte es dann aber ein Turiner Verteidiger, der ordentlich über den Ball säbelte und ihn damit im Strafraum nur noch einmal hoch schoß. Nun war der kopfballstarke Panadic zur Stelle und köpfe den Ball ziemlich frei über Freund und Feind hinweg ins leere Tor. 

3:1. Das war nun der endgültige Genickbruch für Juve. Nun ließ auch die Gegenwehr merklich nach. Der HSV spielte quer und zurück und konterte auch immer wieder mal gefährlich, wobei ich mit der Art des Abschlusses fast immer unzufrieden war.

Kurz vor Schluß konnte del Piero sogar noch einen Freistoß an die Latte schießen. Aus unserem Sichtwinkel hätte Butt den auch nicht bekommen, wenn er unter der Latte eingeschlagen wäre.

Ich will das HSV-Spiel ja nicht schlechtreden, aber mir ist eben beim Schreiben dieser Zeilen endlich aufgefallen, warum ich die ganze Zeit nach diesem Spiel bis jetzt so eine seltsamte Stimmung habe. Ich bin nämlich überhaupt nicht überglücklich, obwohl es natürlich ein Triumph ist, einer der weltbesten Mannschaften zu Hause so abzufertigen.
Mir ist eben aufgefallen, daß meine mangelnde Euphorie glaube ich damit zu tun hat, daß Turin sich eigentlich hauptsächlich selbst geschlagen hat und es nicht am überragenden Spiel des HSV lag. Ich muß auch ehrlich sagen, daß ich dem HSV keine Klasse-Leistung wie z.B. beim Hinspiel-4:4 attestieren würde. Juve hat sich sehr dumm dezimiert und uns danach zu jedem unserer drei Tore freundlich eingeladen. So wie es beim HSV in der Bundesliga in den letzten Wochen so war, daß wir unsere Gegentore meist durch haarsträubende persönliche Fehler eingeleitet haben, so taten es  nun die Turiner.

Jedes der drei Tore wäre vermeidbar gewesen, denn sie waren alle nicht hervorragend herausgespielt sondern beruhten auf brutalen Fehlern. Zweimal lag der sonst als sicher bekannte van der Sar mit seinen mangelhaften Abwehrversuchen voll daneben und dabei wurde er bei 2 der 3 Tore jeweils noch von einem Verteidiger prächtig unterstützt.

Ich bin jetzt richtiggehend froh, daß mir nun zumindest klar ist, woher meine seltsame Stimmung nach Spielende herrührte. Einige der HSV-Freunde meinten ja schon, ich sähe ähnlich begeister wie Pagel nach Toren aus ;-)

Ich will die Leistung des HSV auch keinesfalls schlecht machen. Der HSV hat verdient gewonnen und es war ein denkwürdiges Spiel, das ich bestimmt mein ganzes Leben lang nicht vergessen werde. Trotzdem reicht es in der „Hitliste“ meiner Spiel-Highlights nicht mal ansatzweise an das Hinspiel beim 4:4 in Hamburg heran.

Zumindest hat der HSV durch diesen Sieg es wieder in eigener Hand, durch einen Erfolg im letzten Gruppenspiel gegen La Coruna aus eigener Kraft zumindest den 3. Platz zu erreichen, der uns dann noch mindestens eine UEFA-CUP-Runde bescheren würde. Mit etwas Unterstützung im anderen Spiel ist sogar noch das Erreichen der nächsten Runde in der CL möglich.

Interessant war dann auch noch, was so nach Spielende passierte. Laut Durchsage während des Spiels wurden wir noch (O-Ton!) “eingeladen”, noch eine Stunde nach Spielende im Stadion zu verweilen. Dieses Angebot nahmen wir natürlich gerne an ;-)

So konnten wir wenigstens noch ausgiebig den Sieg mit der Mannschaft feiern. Die kam natürlich nach einigen Minuten wieder zum Auslaufen aus den Katakomben und “schlich” in Gruppen über den Platz. So konnte wir aber zumindest mit jeder Gruppe im wieder die Welle machen, wenn sie sich unserer Stadionecke näherte. Und schließlich wurde unsere Bitte “Wir wollen den Trainer sehen” sogar wohl noch an Pagel weitergeleitet und so kam er noch einmal zu uns raus, als die Mannschaft schon mit dem Auslaufen fertig war, und machte mit uns seine ganz persönliche Welle.

Dann konnten wir schließlich gehen, waren glücklich, daß unser Auto den Spielausgang unbeschadet “überstanden” hatte und machten uns direkt auf dem Heimweg. Durch die Übermüdung wurde auf der Rücktour denn auch recht viel geschlafen und obwohl wir einen Abstecher in Basel machten (um Stefans Freundin bei einer Freundin abzusetzen) und einen Schlenker im Hamburg machten, waren wir schließlich um 13:30 Uhr wieder in Bad Schwartau.

Rein reisetechnisch war das natürlich eine ziemliche “Tor-Tour” (doppelt doppel-sinnig !!!). Ca. 26 Stunden Autofahrt, um sich 1,5 Stunden Fußball und ca. 3 – 4 Stunden die Turiner Innenstadt anzusehen – das ist ein Verhältnis, das nur ein echter Fußball-Fan verstehen kann.

Aber wir wissen alle, daß wir da eine unvergeßliche Reise gemacht haben, von der wir uns noch lange erzählen können werden.

Und wer weiß, vielleicht kommen wir ja doch noch weiter und der Gegner heißt dann z.B. Turin. Dann heißt es wieder “Wir sind schon auf dem Brenner, wir brennen schon darauf ....”. Auch wenn man ja gar nicht über den Brenner fährt. Aber “wir sind schon im St.Gotthard...” hat so einen seltsam rauchigen Beigeschmack ;-)))

Meine Spielerbewertung:

Butt: Hatte kaum Chancen, sich auszuzeichnen. Sah dabei dann aber eher unglücklich aus: Note 4

Panadic: die Vertediger bekommen heute mal wirklich eine Pauschal-Note von mir, denn sie waren in der kaum geforderten Abwehr allesamt gut und schalteten sich ab und zu auch mal in den Angriff ein: Note 3+

Hoogma: s. Panadic

Hetzsch: s. Panadic

Kovac: verletzte sich zu früh für eine Note

Maul (kam für Kovac): spielte eine solide, schnörkellose aber auch fehlerfreie Partie: Note 3

Töfting: fiel oft positiv auf. Leitete die ersten Chancen bzw. das erste Tor entscheidend mit ein: Note 2

Kientz: so lang er spielte, gefiel er mir sehr gut. Als Zidane noch da war, engte er dessen Kreise wirkungsvoll ein und auch später fiel er nur positiv auf: Note 2

Barbarez: hätte auch heute wieder sein Tor machen können, aber vollstreckte sein Solo nicht. Trotzdem gefiel gerade er mir heute gut, weil er mal sehr viel unterwegs war und eben nicht durch ein Tor sondern seine gute Leistung auffiel: Note 2

Ketelaer: brachte stets Schwung auf die linke Seite und konnte auch das 2. Tor einleiten. Insgesamt waren mir aber die Sturmbemühungen in dieser Überzahl Situation viel zu ungenügend. Da wir trotz mangelhafter Sturmbemühungen uns trotzdem die Butter nicht vom Brot nehmen lassen haben, bekommen von mir alle Stürmer: Note 3

Yeboah: konnte endlich wieder treffen, was aber auch nur die nicht vorhandene Abwehrleistung gelingen konnte: Note 3

Präger: war auch emsig unterwegs, aber letztendlich wie der gesamte Angriff zu unkonzentriert: Note 3

Mahdavikia: war in einer Nacht- und Nebelaktion direkt vom Asien-Cup nach dem Ausscheiden des Irans eingeflogen worden und spielte in der zweiten Halbzeit für Kientz. Schwungvoll auf der rechten Seite, aber letztendlich auch er nicht zielstrebig genug.: Note 3

Schiri: Der Schiedsrichter war wirklich konsequent und ließ sich auch von Super-Stars nicht einlullen. Ein Heim-Schiri war es jedenfalls nicht. Gefiel mir sehr gut. Und das sogar objektiv: Note 1

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: Wunder perfekt: HSV besiegt Juventus 

Der HSV darf weiter hoffen: Nach dem "Wunder von Turin" ist der Einzug in die Zwischenrunde immer noch möglich. Die Hanseaten feierten mit dem 3:1 im Stadion Delle Alpi den ersten Sieg in der "Königsklasse" und zogen in der Tabelle mit Panathinaikos Athen (je fünf Punkte) gleich. 

Im letzten Spiel der Vorrunde im eigenen Stadion gegen La Coruna muss die Elf von Trainer Frank Pagelsdorf gewinnen und gleichzeitig hoffen, dass Athen gegen Turin remis spielt - nur dann ist das Team weiter.

Platzverweise für Zidane und Davids 

Die Tore für den HSV schossen Roy Präger (23.), Anthony Yeboah (48.) und Andrej Panadic (62.). Den zwischenzeitlichen 2:1-Anschlusstreffer erzielte Darko Kovacevic (56.). 

"Juve" schwächte sich frühzeitig selber. Schiedsrichter Stuart Dougal zeigte zunächst Zinedine Zidane (29.) die Rote Karte nach einer Tätlichkeit an Jochen Kientz. Nur vier Minuten später sah Edgar "Pitbull" Davids nach grobem Foulspiel an Stig Töfting Gelb-Rot. Dennoch versteckte sich der HSV lange Zeit - entgegen aller Ankündigungen von Pagelsdorf, der "bedingungslose Offensive" gefordert hatte. Nur selten kam flüssiger Kombinationsfußball zustande. 

Kovac fällt mehrere Wochen aus
Schon vor der Führung verletzte sich Mittelfeldspieler Niko Kovac - ein herber Verlust. Der Kroate erlitt einen Muskelfaserriss (17.) und fällt mehrere Wochen aus. Die Gäste konnten aber auch in Überzahl die sich bietenden Räume nur selten nutzen. 

Erst Mitte der zweiten Halbzeit wurde die Partie besser. HSV-Chancen im Minutentakt - doch Mehdi Mahdavikia, Präger und Sergej Barabarez brachten den Ball selbst aus aussichtsreichsten Situationen nicht unter. Immerhin rettet der HSV dank der guten Abwehrarbeit das Ergebnis über die Zeit.

Daten
Fakten:
Endlich HSV-Sieg 
Am 5. Spieltag konnte der HSV endlich seinen ersten Sieg feiern. Damit ist bislang nur Sporting Lissabon ohne Sieg in der diesjährigen Champions League-Saison. 

Höchste Juve-Niederlage 
Das 1:3 gegen den HSV ist die höchste Heimniederlage im Europapokal in der Geschichte von Juventus Turin! Nie zuvor hatte "Juve" im eigenen Stadion ein Europacupspiel mit mehr als einem Tor Differenz verloren.

Torreiche Gastauftritte 
Es war der sechste Auswärtserfolg der Hamburger in der Champions League - bei jedem dieser Siege erzielten sie mindestens drei Treffer.

Lang lang ist´s her 
Endlich mal wieder ein Auswärtssieg in der Champions League für Hamburg. Der letzte liegt schon über 17 Jahre zurück, der HSV gewann 1983 mit 3:0 bei Dynamo Kiev.

Schlaglichter:
Verdienter Erfolg des HSV 
Der Erfolg des HSV in Turin war hoch verdient. Die Hanseaten hatten mehr Torschüsse (19 zu 10) und die größeren Spielanteile (55% zu 45% Ballbesitz), nur im Zweikampf waren die Italiener überlegen (53% zu 47% Zweikampfsiege für Turin).

Gelungener Auftritt für Panadic 
Mit seinem einzigen Torschuss erzielte Andrej Panadic sein erstes Europapokaltor und machte den Sieg für den HSV perfekt. Mit 70% gewonnener Duelle war er der erfolgreichste Zweikämpfer auf dem Platz und mit 61 Ballkontakten auch noch oft gesuchte Anspielstation.

Emsiger Mahdavikia 
Gerade erst ist Mehdi Mahdavikia vom Asien-Cup zurückgekehrt und dennoch kam er in der 50. Minute zum Einsatz. Trotz seiner kurzen Einsatzzeit war der Iraner an sieben der 19 Hamburger Torschüsse beteiligt (drei eigene, vier Vorlagen). Kein anderer Spieler war an mehr Torschüssen beteiligt. Für einen Stürmer gewann er hervorragende 53% seiner Zweikämpfe.

Del Piero bemüht 
Mit der Einwechslung von Alessandro del Piero kam kurzzeitig ein frischer Wind in das Juve-Spiel. Er bereitete den 1:2-Anschlusstreffer vor und war mit einem Torschuss und zwei Torschussassists an drei der zehn Turiner Torschüsse beteligt, häufiger als jeder andere Juve-Akteur. Er bestritt die drittmeisten Zweikämpfe auf Seiten der Italiener und gewann für einen Stürmer auch ausgezeichnete 61% seiner Duelle. 

Top-Spieler: Stig Töfting (HSV)
Stig Töfting spielte eine gute Partie. Er bereitete das 1:0 vor, schoss selbst einmal an den Pfosten und war auch ansonsten der auffälligste Hamburger. Besonders nach dem frühen Ausfall von Kovac wurde Töfting mehr und mehr zur zentralen Figur im Mittelfeld. 

Spielwertung: 2 Bälle (von 4 möglichen)

Kommentar:
Hätte Juventus die Partie nach einer halben Stunde nicht mit neun Spielern beenden müssen, der HSV wäre sicher nicht als Sieger vom Platz gegangen. Denn selbst nach der 2:0-Führung wirkten die Hanseaten sehr nervös, besonders im Mittelfeld leisteten sich die Norddeutschen viele Abspielfehler. Erschreckend: Hamburg verstand es einfach nicht, in Überzahl die Räume zu nutzen. Das war alles andere als europäische Spitzenklasse. 

Taktik:

HSV
Der HSV begann wie immer mit Butt im Tor. In der Dreier-Abwehrkette standen Panadic, Hoogma und Hertzsch, im Mittelfeld agierten defensiv Kientz und Töfting. Zentral arbeitete Kovac, im offensiven Mittelfeld hinter den Spitzen stellte Pagelsdorf Barbarez auf. Als offensiver Flügelflitzer wirkte Ketelear, im Sturm spielten Yeboah und Präger.

Für den verletzten Kovac brachte Pagelsdorf Maul, für Ketelaer kam in der zweiten Halbzeit der Iraner Mahdavikia. 


 
dpa meldet: Totgesagter HSV zurück im Leben 
Von Günter Schulz, dpa 
Turin (dpa) - Unmögliches erledigt der Hamburger SV sofort, Wunder etwas später. Nach dem völlig überraschenden 3:1 (1:0) beim italienischen Rekordmeister Juventus Turin hat der in der Champions League zuvor aussichtslos abgeschlagene Fußball-Bundesligist urplötzlich wieder den Fuß in der Tür zum weiteren Millionenspiel. 

«Wir haben uns ins Leben zurückgeholt», jubilierte HSV-Sportchef Holger Hieronymus nach der turbulenten Partie gegen die auf neun Spieler reduzierten Italiener. «Jetzt kommt es gegen La Coruna zu einem echten Endspiel.» Für Abwehrspieler Ingo Hertzsch stand gar fest: «Das war der größte Sieg des HSV seit dem Neuaufbau unter Trainer Pagelsdorf.» 

Schon das 4:4 im Hinspiel vor sechs Wochen hatte für Furore gesorgt. Diesmal lieferten die Italiener die dicksten Schlagzeilen. Denn der verdiente Erfolg in dem mit 30 000 Zuschauern nur halbgefüllten Stadion Delle Alpi durch Tore von Roy Präger (24.), Anthony Yeboah (48.) und Andrej Panadic (62.) hatte in erster Linie zwei Namen: Zinedine Zidane und Edgar Davids. Die Platzverweise gegen die zur absoluten Weltelite zählenden Turiner - Rot für den Franzosen, Gelb-Rot für den Niederländer - hatten «Juve» ins Verderben gestürzt. Grimmig titelte die italienische Sportzeitung «Gazzetto dello Sport»: «Zidane und Davids versenkten Juve». 

Vor allem der brutale Kopfstoß des Fußball-Ästheten Zidane gegen seinen am Boden liegenden Bewacher Jochen Kientz (29.) sorgte für Entsetzen. Kientz: «Der hat die ganze Zeit gehalten und gestoßen. Der war völlig entnervt.» Bereits im Spiel gegen Athen hatte sich der französische Welt- und Europameister einen Platzverweis eingehandelt. Als Wiederholungstäter dürfte für ihn das Kapitel Champions League in dieser Saison beendet sein. Um lästigen Fragen zu entgehen, flüchteten beide Sünder durch den Lieferanteneingang des Stadions und verschwanden in einer dunklen Nobelkarosse. 

Den ersten HSV-Sieg in der Königsklasse (Stürmer Marcel Ketelaer: «Darauf können wir uns etwas einbilden») erkauften sich die Hamburger allerdings sehr teuer. Mittelfeldstratege Niko Kovac musste schon nach 17 Minuten wegen eines Muskelfaserrisses im linken Oberschenkel vom Platz - vier Wochen Pause. Der von Zidane attackierte Kientz erlitt eine Gehirnerschütterung und eine Jochbeinprellung - mindestens eine Woche Pause. Trainer Frank Pagelsdorf: «Die Freude ist getrübt. Wir haben eh schon genug Probleme. Nun müssen wir noch mehr improvisieren.» Es fehlen bereits Rodolfo Cardoso, Martin Groth, Milan Fukal, Bernd Hollerbach, Andreas Fischer... 

Falls die Hamburger am 8. November im Volksparkstadion die Abschlusspartie der Gruppe E gegen den bereits für die Zwischenrunde qualifizierten spanischen Meister Deportivo La Coruna gewinnen, können sie tatsächlich noch der «Zaster-Liga» Champions League erhalten bleiben und damit für eine faustdicke Überraschung sorgen. Allerdings sind die Hanseaten auf Schützenhilfe angewiesen: Um Zweiter zu werden, muss die andere Partie zwischen Panathinaikos Athen und Juventus remis ausgehen. Sportchef Werner Hackmann wäre jedoch auch mit der «kleinen Lösung» zufrieden. «Den dritten Platz haben wir selbst in der Hand. Es wäre toll, wenn wir noch im UEFA-Cup weiterspielen könnten.» 


 
kicker meldet: Juventus Turin - Hamburger SV 1:3 (0:1) 
Juventus Turin: van der Sar - Tudor, Ferrara, Iuliano - Paramatti, Pessotto - Conte, Davids - Zidane - Trezeguet, Inzaghi - Trainer: Ancelotti 

Hamburger SV: Butt - Hertzsch, Hoogma, Panadic - Kientz - Töfting, N. Kovac - Barbarez - Präger, Ketelaer - Yeboah - Trainer: Pagelsdorf 

Tore:  0:1 Präger (24.), 0:2 Yeboah (48.), 1:2 Kovacevic (56.), 1:3 Panadic (62.) 

Eingewechselt:  55. Kovacevic für Trezeguet, 55. Del Piero für Inzaghi, 55. Zanchi für Ferrara - 17. Maul für N. Kovac, 50. Mahdavikia für Kientz, 74. Heinz für Ketelaer 

Schiedsrichter: Dougal 

Zuschauer: 30000 

Rote Karten: Zidane (29., Tätlichkeit) 

Gelb-Rote Karten: Davids (33.) 

Gelbe Karten: Paramatti, Kovacevic - Töfting 

Spielnote: 2,5 

Spieler des Spiels: Töfting - Fleißig wie immer, spielstark wie selten. Der Däne als Schwungrad des Hamburger Spiels. 

Kurzbericht 
Wie schon das sensationelle 4:4 im Vorspiel, so wird auch der verdiente 3:1-Sieg des HSV bei Juventus Turin in die Annalen eingehen. Allerdings negativ: Nach dem Treffer zum 1:0 durch Präger (24.) verloren die Weltstars Zidane und Davids die Nerven und mussten nach Tätlichkeiten gegen HSV-Spieler mit Rot (Zidane 29.) und Gelb-Rot (Davids, 33.) vom Feld. Gegen neun Italiener brachte der HSV einen letztendlich ungefährdeten 3:1 durch Treffer von Yeboah (48.) und Panadic (63.) sicher nach Hause und kann sich nun doch noch berechtigte Hoffnungen auf die Zwischenrunde machen. 

Frank Pagelsdorf zeigte schon in der Aufstellung, dass er „Alles oder Nichts“ spielen wollte. Kovac rückte aus seiner angestammten zentralen Defensiv-Rolle ins linke offensive Mittelfeld, außerdem spielten wie gegen Frankfurt wieder drei Spitzen. Kientz kam als Sonderbewacher für Zidane neu ins Team. 

Juventus-Trainer Ancelotti verzichtete auf den formschwachen Del Piero und brachte dafür Trezeguet. Birindelli verletzte sich beim Warmlaufen und musste kurzfristig durch Paramatti ersetzt werden.

Juventus begann das Spiel überlegen. Der HSV wurde in die eigene Hälfte gedrängt und verlegte sich zunächst aufs Kontern. Nach einer Viertelstunde musste zu allem Überfluss Kovac mit einem Muskelfaser-Riss das Feld verlassen. Nachdem jedes Team zwei Möglichkeiten hatte, schlug die Stunde von Roy Präger. In der 24. Minute ließ er nach einem Fernschuss von Töfting Van der Sar, der den Ball nach vorne faustete, mit einem wuchtigen Kopfball keine Abwehrmöglichkeit. Juventus schien die HSV-Führung nicht zu verkraften, denn es folgten zwei unschöne und entscheidende Szenen. Erst flog Weltfußballer Zidane nach einem Kopfstoß gegen seinen Bewacher Kientz mit Rot vom Platz (29.), wenig später folgte ihm der Niederländer Davids, der zuvor schon verwarnt worden war, nach einem brutalen Foulspiel an Töfting mit Gelb-Rot (33.).

Nach diesen zwei Unbeherrschtheiten fanden die Hamburger gegen neun Mann zunächst schwer ins Spiel, die Partie war zerfahren und hektisch, der HSV wirkte nicht mehr so konzentriert.

Die zweite Hälfte begann aber dann gleich mit einem Paukenschlag. Nach einem schweren Fehler von Tudor ging Ketelaer auf links durch und legte quer auf Yeboah. Der spielte Van der Sar aus und vollstreckte zum 2:0 (48.). Doch neun Juventus-Spieler kamen noch ein Mal zurück ins Spiel. Nach einem Freistoß des eingewechselten Del Piero brauchte Kovacevic den Ball nur noch am überraschten Butt vorbei ins Tor drücken (56.). Nur sechs Minuten später dann die Entscheidung: Panadic köpft einen Querschläger von Parametti aus 11 Metern über Juve-Keeper Van der Sar zum 3:1 ins Tor (62.).

Der HSV hatte in der Schlussphase mehrfach die Möglichkeit gegen eine völlig entblößte Turiner Abwehr das Ergebnis in die Höhe zu schrauben, aber die Chancen wurden leichtfertig vergeben.

Der HSV siegte gegen eine dezimierte Heimmannschaft verdient und wahrte so die letzte Chance auf das Erreichen der Zwischenrunde. 

Die Stimmen zum Spiel 
Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburger SV): “Das war ein tolles Spiel, ich bin sehr zufrieden mit meiner Mannschaft. Nach dem 1:0 war ich überzeugt, dass wir immer wieder unsere Torchancen bekommen werden. Die beiden Roten Karten war ganz klar berechtigt. Natürlich muss man das eine oder andere Tor danach noch schießen, da waren wir zu überhastet und haben unsere Überzahl vor dem Tor nicht gut genutzt. Die Freude wird getrübt durch den Muskelfaserriss von Kovac und die Gehirnerschütterung von Kientz.“ 

Anthony Yeboah (Hamburger SV): “Wir haben jetzt den Vorteil, dass wir gegen La Coruna zu Hause spielen. Mit einem Sieg wollen wir zumindest die Teilnahme am Uefa-Pokal sichern.“

Höhepunkte des Spiels:
Schlusspfiff
84. Minute: Glück für den HSV. Ein Freistoß von Del Piero geht an die Querlatte des Hamburger-Gehäuses.
75. Minute: Wieder eine Möglichkeit für Hamburg. Mahdavikia geht auf rechts durch, schießt aber am linken Pfosten vorbei.
73. Minute: Der HSV könnte das Spiel entscheiden, aber Barbarez ist zu eigensinnig. Er schießt über das Tor anstatt den besser postierten Präger anzuspielen.
69. Minute: Im Moment kontrolliert der HSV gegen neun Turiner das Spiel. Mahdavikia kommt an der Strafraumlinie zum Schuss, doch ein Bein eines italienischen Abwehrspielers lenkt den Ball gerade noch um den Pfosten.
62. Minute: Hamburg erhöht auf 3:1! Eine Flanke von Mahdavikia faustet Van der Sar zu Parametti. Dessen Querschläger köpft Panadic aus 11 Metern über den Juve-Keeper ins Tor.
56. Minute: Anschlusstreffer für Juve. Die gerade eingewechselten Del Piero und Kovacevic bringen die Italiener wieder heran. Einen Freistoß von Del Piero in den Strafraum braucht Kovacevic nur noch am überraschten Butt vorbei ins Tor drücken.
53. Minute: Die nächste Möglichkeit für die Hanseaten. Der eingewechselte Mahdavikia scheitert aber am glänzend reagierenden Juve-Schlussmann.
53. Minute: Töfting setzt sich im Strafraum durch, doch er verzieht den Ball aus 11 Metern.
48. Minute: Tor für den HSV! Nach einem schweren Fehler von Tudor geht Ketelaer auf links durch und legt quer auf Yeboah. Der verstolpert den Ball zunächst, nachdem er Van der Sar schon ausgespielt hat, doch dann kann er doch zum 2:0 vollstrecken.
47. Minute: Juventus kommt druckvoll aus der Kabine. Auch mit neun Mann haben sie die erste Möglichkeit, doch die HSV-Abwehr kann nach einer Flanke von Trezeguet retten.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
42. Minute: Fehler von Butt. Einen Ball in den Strafraum unterläuft der HSV-Keeper, doch Juventus kann kein Kapital daraus schlagen.
34. Minute: Unschöne Szenen in Turin. Nach der Roten Karte für Zidane (Kopfstoß gegen Kientz) muss nun auch noch Davids nach einem brutalen Foulspiel mit Gelb-Rot vom Feld. Die Hamburger spielen nun mit der 1:0-Führung im Rücken gegen neun Mann.
28. Minute: Trezeguet setzt sich mit einer geschickten Drehung am Strafraum ab, sein Schuss geht aber neben das Tor.
27. Minute: Der HSV versteckt sich keineswegs. Maul probiert es aus 25 Metern, doch sein Schuss geht knapp über das Gehäuse von Juventus.
24. Minute: Der HSV führt in Turin! Nach einem abgewehrten Freistoß kommt der Ball zurück zu Töfting, der aus 20 Metern abzieht. Van der Sar faustet den Ball nach vorne und Roy Präger lässt ihm mit seinem Kopfball keine Abwehrmöglichkeit.
18. Minute: Im Gegenzug ist dieses Mal Juventus an der Reihe. Eine Flanke von Iuliano köpft Inzaghi rechts am HSV-Tor vorbei.
18. Minute: Nach einer Nachlässigkeit in der Abwehr der Italiener kommt Präger an den Ball. Er dringt in den Strafraum ein und zieht aus 12 Metern ab. Van der Sar kann klären.
10. Minute: Der HSV antwortet prompt. Bei einem Knaller von Töfting zeigt van der Sar im Juve-Tor Schwächen, der Ball geht an den Pfosten. Barbarez kann den nachschuss nur noch ans Außennetz setzen.
8. Minute: Glück für den HSV. Nach vorsichtigem Abtasten hat Juventus die erste Chance. Nach einem Freistoß von Zidane von der linken Seite kommt Ferrara völlig frei zum Kopfball, doch er kann den Ball aus einem Meter nicht im Tor unterbringen.
Anpfiff