Bundesliga 2000/2001, Samstag, 12.08.00 um 15:30 Uhr im Hamburger Volkspark bei sonnigem Wetter und 24 Grad C (was man nun an der Anzeigetafel ablesen kann!)

Hamburger SV - TSV 1860 München 2:2 (2:2)

Das war es nun also. Das erste HSV-Spiel der Bundesliga-Saison 2000/2001. Vor dem Spiel war ich wieder (wie auch schon in Brödby) seltsam cool. Irgendwie war ich so gar nicht nervös.

Und ich fand auch, daß der HSV ganz gut begann. Schon nach wenigen Minuten hatten wir die erste sehr gute Chance durch Sergej Barbarez, der den Ball nur ganz knapp am Tor vorbeischoß nach einer flachen Flanke von der linken Seite. 

Dann sagte ich gerade zu meinem Nachbarn, daß ich glaube, daß wir 1860 heute abziehen werden. Nun ja, „abziehen“ passierte dann auch. Allerdings wurde uns im Minutentakt das Fell über die Ohren gezogen. Bis zur 10. Minute lagen wir plötzlich mit 0:2 hinten und man mußte schon schlimmstes befürchten für das 1. Saisonspiel.

Zweimal benahm sich unsere Abwehr einfach tölpelig. Leider spielen wir hinten ja immer mehr auf Abseits. Das wird in Zeiten des passiven Abseits leider immer schwieriger; um nicht zu sagen ad absurdum geführt. Es ist nun einmal nur sehr schwer möglich, auf Abseits zu spielen, wenn man sich dann nie sicher sein kann, ob der Spieler, den gerade alle Abseits gestellt haben auch wirklich angespielt wird. Wird der Nebenmann angespielt, heißt es plötzlich „passives Abseits“ und man sieht ganz alt aus. So geschehen heute. Von meiner Sicht im Stadion aus war es bei beiden Toren klar kein Abseits (einmal passiv). So konnte 2 mal ein Stürmer ziemlich ungehindert auf Butt zulaufen. Hertzsch versuchte zwar jeweils, die Stürmer einzuholen, aber es gelang ihm nicht. Beim ersten Gegentor hatte ich noch die Hoffnung, daß sich der Stürmer von Hertzsch zu weit nach außen hat abtreiben lassen, aber leider verwandelte Agostino sehr klug ins lange Eck wie dann auch Martin Max beim 0:2.

Da saß ich nun mit meinem Talent und hatte nun doch mächtige Sorgen. Ich betete, daß wir wenigstens den Anschlußtreffer noch vor der Halbzeit erzielen mögen. Wir hatten dann auch zunehmend mehr Chancen, während die Löwen nun schon auf Zeit spielten und Ihrerseits in der 1. Halbzeit fast gar keine Angriffsbemühungen mehr vortrugen. Der HSV hatte verschiedene Kopfballchancen von Yeboah & Co. die zwar meist nicht weiter als 5 m daneben gingen, aber eben doch nicht trafen.

Doch dann sollte uns eine Duplizität der Ereignisse zum Ausgleich noch in der ersten Halbzeit helfen. Denn nun war der HSV mit 2 Kontern dran, bei denen jeweils der Stürmer recht frei vorm gegnerischen Tor auftauchte. Zunächst war es Marcel Ketelaer, der nach einem Ballverlust der Löwen im Mittelfeld von Kovac mittig in Richtung Löwen-Tor geschickt wurde. Als er so langsam eingeholt wurde, nahm er sich einfach ein Herz und drosch den Ball aus ca. 18 m in Richtung des linken Giebels. Ein wunderschönes Einstands-Tor des Ex-Gladbachers, der damit auch das 1. HSV-Tor der Bundesligasaison erzielte.

Kurze Zeit später war es dann Roy Präger, der einsam auf den Weg zum gegnerischen Tor geschickt wurde. Dieses Tor entwickelte sich aus einer Ecke der Löwen. Hertzsch köpfte den Ball zunächst aus dem 16er. Yeboah bekam den Ball und bediente Kovac per Hackentrick. Dieser stolperte den Ball mehr oder weniger zu Hertzsch, der sofort aufgerückt war. Und „Inge“ schickte dann den völlig freien Präger an der Mittellinie auf die Reise. Roy lief allein leicht rechts auf das Tor zu und verwandelte sicher (wie ich das gar nicht von ihm gewohnt bin ;-) ).

Nun stand es also 2:2 und der erste große Angstschweiß konnte sich legen. Natürlich hatte ich nun gehofft, daß der HSV durch den psychologischen Vorteil des Aufholens eines 0:2 – Rückstandes eine gute 2. Halbzeit spielen sollte. Da hatte ich mich allerdings getäuscht. Mir gefiel das Spiel in der 2. Halbzeit überhaupt nicht. Es gab zwar noch hier und da ganz ordentliche Chancen für den HSV, allerdings hatten auch die Löwen durchaus noch hochkarätige Chancen.

Auf HSV-Seite fallen mir besonders ein weiterer Alleingang von Ketelaer ein, der von links in den Strafraum zog, aber leider den Ball nicht vernünftig erwischte und ganz besonders die Riesen-Chance von Roy Präger. Nach einer Flanke von rechts behinderten sich der Löwen-TW und ein Verteidiger, sodaß der TW den Ball aus den Händen fallen ließ. Roy Präger wollte sich gerade bedanken und den Ball einschieben, aber leider bekam TW Hofmann mit einem tollen Reflex noch die Hand vor den Ball, so daß dieser nur an den Pfosten ging.

Auf sich aufmerksam konnte auch noch kurz Marek Heinz machen. Er wurde für den angeschlagenen Barbarez eingewechselt und konnte die Zuschauer gleich mit ein paar technischen Kabinettstücken auf seine Seite ziehen. Zunächst schlug er sich den Ball mit der Hacke über sich und Gegenspieler, um dann auch noch den nächsten Gegenspieler alt aussehen zu lassen. Als er dann schließlich an der Grundlinie angekommen war, schlug er den Ball leider unglücklich ins Aus. Aber trotzdem kam es fast standing ovations für diese geile Aktion. So kann der Junge ganz schnell zum Publikumsliebling in Hamburg werden. Es scheint so, als seien die 3,1 Mio DEM Ablöse gut investiert.

Das Spiel wurde aber leider trotzdem von Minute zu Minute schlechter und irgendwann war dann auch klar, daß auch der HSV sich leider nicht mehr so richtig aufbäumen konnte. Der Schiri pfiff ab und letztendlich ist ein 2:2 wahrscheinlich gar nicht mal so ungerecht. Durch meine HSV-Brille sehe ich das zwar etwas anders, denn ich finde, daß 1860 viel zu wenig getan hat für eine Spitzenmannschaft, aber letztendlich muß man nach einem 0:2 wohl zufrieden sein, wenn man noch einen Punkt mitnehmen kann.

Der Schiedsrichter machte auch mehrmals auf sich aufmerksam. Ich fand ihn nicht besonders toll, aber ich finde auch selten einen Schiedsrichter gut. Bevorteilt hat er uns zumindest nicht. Viele Pfiffe gab es für einen nicht gegebenen Elfer, wobei man allerdings zugeben muß, daß sogar aus der Entfernung zu sehen war, daß es sich nur um eine Schwalbe von Kovac handelte. Zudem eine dumme Schwalbe, denn Kovac war in aussichtsreicher Position rechts in den Strafraum eingedrungen. Nicht verständlich war mir allerdings eine andere gelbe Karte. Da wurde Präger nach einem Pass in die Tiefe gehalten und es gab nur Gelb für den Löwen. Ich war mir zwar nicht mal sicher, ob es ein Foul war, aber wenn er pfeift, hätte der Schiri da meines Erachtens auch die Rote Karte ziehen müssen, denn Präger wäre allein vorm Torwart gewesen.

Es war ja auch das erste Spiel, bei dem nun tatsächlich nach einigen Verzögerungen endlich das Dach komplett installiert ist und das macht wirklich große Hoffnung: Auch wenn es „nur“ so eine Art „Zeltdach“ ist, so war die Stimmung doch spürbar besser. Es war meinem Vernehmen nach doch deutlich lauter im Stadion als in der „dachlosen“ Zeit. Und das, obwohl die Stimmung heute nun wirklich nicht zu prächtig war. Von der Zuschauerzahl 38000 war ich auch wirklich enttäsucht. Vor einem Jahr wäre ich noch überglücklich gewesen über diese Zahl, aber nach DIESER Saison hätte ich schon gedacht, daß es mehr Leute gibt, die neugierig auf den neuen HSV sind. Zumal es das erste Spiel MIT Dach war und auch das Wetter gut war.

Meine Spielerbewertung:

Butt: Ich hätte gehofft, daß er wenigstens einen der beiden Konter abwehren kann. Das er das nicht tat, kann man ihm aber wohl kaum anlasten, da die Spieler ja allein vor ihm standen: Note 3

Panadic: gefiel mir heute von unseren Verteidigern noch am besten: Note 3

Hoogma: Er dirigiert ja die Abwehr und bei den beiden Toren sah die ganze Abwehr recht schlecht aus.: Note 4

Hertzsch: war auch nicht unschuldig an den Gegentoren und konnte beide mal den Gegner nicht einholen (wobei er überhaupt der einzige war, der den Versuch unternahm). Hat aber zumindest das 2:2 entscheidend mit vorbereitet: Note 4

Hollerbach: war heute sehr blaß, was heißen soll, daß mir auch nicht mal besonders viele Fehler aufgefallen sind. Am Ende bettelte er wieder quasi um eine gelbe Karte, aber der Schiri wollte ihm den Gefallen einfach nicht tun: Note 4

Groth: Tja, auch Martin Groth ist mir überhaupt nicht aufgefallen. Lediglich ein paar mal negativ, weil er die rechte Seite nicht besetzte und zu weit in die Mitte zog.: Note 4

Kovac: Hatte heute Licht und auch viel Schatten. Er hat die schwere Bürde, nun quasi als Spielmacher zu agieren, weil Barbarez diese Rolle nicht ausfüllt. Eine dumme Schwalbe und durch einen Fehlpaß das 0:2 eingeleitet. Dem steht entgegen, daß er auch den Paß zum 1:2 gab: Note 4

Barbarez: Gefiel mir heute wesentlich besser als in Kopenhagen. Heute stand er wenigstens nicht so neben der Mannschaft so war voll mit drin. Mir fiel auf, daß er sogar öfter mal beherzt hinterhergrätschte, was ich eigentlich gar nicht so erwartet hätte von ihm: Note 3

Präger: hatte mehrere gefährliche Situationen, aber war auch schon auffälliger im letzten Jahr.: Note 3

Ketelaer: Der gefiel mir um Längen besser als in Kopenhagen. Strahlt sehr viel Gefahr auf der linken Seite aus und hat mir heute viel Hoffnung für die Zukunft gemacht. Ein schneller, quirliger und trickreicher Mann, der offenbar auch einen guten Schuß hat: Note 2

Yeboah: fand ich heute nicht so schlecht wie meine Nachbarn. Zumindest hatte er mehrere gute Kopfballchancen. Trotzdem kann man nur hoffen, daß er trotz seiner Gerichtsverhandlungen den Kopf für Fußball freibekommt.: Note 3-

Heinz (für Barbarez): zeigte wieder tolle Ansätze, war aber letzten Endes nicht sehr effektiv. Trotzdem wird aus dem bestimmt was. Ich denke aber, daß es ein Problem sein wird, die richtige Position für ihn zu finden. Linksaußen ist schon ideal, weil er an der Linie viel Platz für seine Dribblings hat. Aber an Ketelaer wird er wohl vorerst nicht vorbeikommen: Note 3

Bester (für Ketelaer): ist ein Spieler, den man einwechseln kann, wenn es viele hohe Flanken gibt. Nur: es gab gar keine Flanken.: Note 4

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet:
Hamburger SV  2 : 2 (2 : 2) TSV 1860 München 
TORE :   0:1 Paul Agostino (6.), 0:2 Martin Max (7.), 1:2 Marcel Ketelaer (34.), 2:2 Roy Präger (45.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Niko Kovac (26.), Marcel Ketelaer (43.) 
TSV 1860 München: Martin Stranzl (17.), Marco Kurz (37.)

PLATZVERWEISE 
TSV 1860 München: Karte gelb/rot für Martin Stranzl (84.)

SCHIEDSRICHTER :  Herbert Fandel 
ZUSCHAUER :   38.167 
DATUM :   12.08.00   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Ingo Hertzsch, Nico Jan Hoogma, Martin Groth, Andrej Panadic, Niko Kovac, Marcel Ketelaer, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Anthony Yeboah, Roy Präger

TSV 1860 München: Michael Hofmann, Ned Zelic, Marco Kurz, Martin Stranzl, Stephan Paßlack, Thomas Häßler,
Paul Agostino, Harald Cerny, Erik Mykland, Daniel Bierofka, Martin Max

WECHSEL 
Hamburger SV: Marek Heinz für Sergej Barbarez (59.), Marinus Bester für Anthony Yeboah (66.), Thomas Doll für Marcel Ketelaer (75.)
TSV 1860 München: Bernhard Winkler für Paul Agostino (46.), Tomas Votava für Thomas Häßler (70.), Daniel Borimirov für Tomas Votava (79.)
 

Sturmlauf in Hamburg
Hamburger SV  2 : 2 (2 : 2) TSV 1860 München 
Ein glückliches Remis für den TSV 1860 München im Hamburger Volkspark. Gute zwei Minuten reichten nicht zu einem Auswärtssieg.
Nach dem Doppelschlag (7. und 8. Minute) von Paul Agostino und Martin Max (75. Bundesligator) spielte nur noch der HSV. Ein wahrer Sturmlauf prasselte danach auf "Löwen"-Torhüter Michael Hofmann nieder.

Traumtor durch Ketelaer
Marcel Ketelaer erzielte in der 34. Minute mit einem Linksschuss aus 22 Metern ein Traumtor. Der Ball schlug unhaltbar in den Winkel ein. Der hochverdiente Ausgleich gelang dem unermüdlichen Roy Präger Sekunden vor dem Pausenpfiff mit einem Solo.
In der zweiten Halbzeit mussten beide Mannschaften dem hohen Tempo Tribut zollen. Die "Löwen" verloren durch eine Gelb-Rote Karte auch noch Martin Stranzl in der 84. Minute. 

Hochklassiges Spiel
Die Champions-League-Qualifikanten zeigten hochklassigen Fußball. Während der HSV munter nach vorne stürmte, besann sich der Gast aus München auf blitzschnelle Konter.
Beide Abwehrreihen kämpften noch mit Abstimmungsproblemen. Das permante Pressing der "Löwen" machte den Hanseaten häufig zu schaffen. Die Torleute Hans-Jörg Butt und Michael Hofmann konnten sich immer wieder in Szene setzen. 

Stimmen zum Spiel:
Frank Pagelsdorf (Hamburger SV): "Normalerweise ist man nach einem 0:2 bei diesen warmen Temperaturen erledigt. Meine Mannschaft hat in der Anfangsphase zweimal geschlafen. Nach dem Rückstand hat sie ein enormes Tempo gemacht. Ich muss ihr dafür ein Kompliment machen. Nach diesem Spielverlauf bin ich mit dem Punkt zufrieden." 

Werner Lorant (1860 München): 
"Es war ein verrücktes Spiel in der ersten Halbzeit. Ich war überrascht, dass wir hier so schnell führen konnten. Danach hat meine Mannschaft aber nicht gut gespielt, die Gegentore dürfen nicht passieren. Wir hatten zwar noch eine Chance zum 3:2, aber zum Schluss bin ich mit dem Punkt zufrieden." 

Fakten:
Wieder kein Sieg zum Start 
Das Remis war ein logisches Ergebnis: Der HSV gewann nur eines seiner letzten 13 Auftaktspiele in eine Bundesligasaison, 1860 lediglich eines der letzten zwölf. Für die Löwen setzte sich allerdings auch eine positive Serie fort: Die letzten sieben Spiele der letzten Saison haben sie nicht verloren, jetzt gab es auch beim heimstarken HSV einen Punkt.

0:2-Schock für den HSV 
In der letzten Saison kassierte der HSV in 17 Heimspielen noch ganze elf Gegentore - jetzt stand es schon nach sieben Minuten 0:2. In einem Heimspiel lag der HSV zuletzt am 19.10.1968 (vor fast 32 Jahren!) so früh mit 0:2 zurück - damals gab es ein 1:4 gegen Hannover 96.

Max trifft zum 75. Mal 
Bereits nach sieben gespielten Minuten in der neuen Saison traf Torschützenkönig Martin Max wieder. Es war sein 75. Bundesligator.

Fandel schlägt wieder zu 
Martin Stranzl sah seinen ersten Bundesliga-Platzverweis - "natürlich" von Herbert Fandel: In der letzten Saison schickte Fandel neun Spieler vom Feld, mehr als jeder andere Schiedsrichter.

Schlaglichter:
Hamburger Aufholjagd 
Nachdem 1860 gleich mit seinen ersten beiden Torschüssen erfolgreich war, erholte sich der HSV schnell vom frühen Rückstand und erarbeitete sich bis zum Pausenpfiff den Gleichstand. Mit 57% gewonnenen Zweikämpfen und 14 zu vier Torschüssen dominierte der HSV die erste Spielhälfte, ließ aber nach dem Seitenwechsel (nur noch drei Torschüsse nach der Pause) deutlich nach.

Guter Einstand für Ketelaer 
Der Neuzugang aus Mönchengladbach startete furios in die neue Saison. Marcel Ketelaer gewann sehr starke 73% seiner Zweikämpfe und war an sieben der 17 Hamburger Torschüsse beteiligt - dreimal als Schütze, viermal als Assistent. Kein anderer HSV-Akteur erreichte diesen Wert. Die Krönung seiner Leistung war der fulminante Anschlusstreffer zum 1:2, mit dem er dem HSV neue Hoffnung gab.

Blasser Häßler 
Thomas Häßler drückte dem Spiel der Löwen kaum seinen Stempel auf. Häßler kam nur auf ungewohnt wenige 42 Ballkontakte - der neue Mittelfeldkollege Erik Mykland zeigte sich mit 70 Ballkontakten deutlich aktiver. Auch im Zweikampfverhalten war Häßer schwach: Ganze 27% seiner Zweikämpfe gewann er. 

Der feine Torjäger-Unterschied 
Martin Max machte da weiter, wo er in der vergangenen Saison aufgehört hat. Gleich mit seinem ersten Torschuss demonstrierte er seine Torjägerqualitäten und erhöhte zum zwischenzeitlichen 2:0. Seinem Gegenüber Anthony Yeboah war ähnliches nicht vergönnt. Fünfmal und damit am häufigsten von allen Akteuren kam der Mittelstürmer des HSV zum Abschluss, ein Torerfolg war ihm jedoch nicht vergönnt.

Topspieler:
HSV-Stürmer Roy Präger kämpfte unermüdlich auf der rechten Seite und kurbelte das Spiel nach dem 0:2 an. Der Ausgleichstreffer war die Belohnung für seine kämpferische Einstellung. Der Pfosten und Torhüter Michael Hofmann verhinderten seinen zweiten Treffer. 

Spielwertung: 4 Bälle (von 4 möglichen)

Kommentar:
Tolles Spiel, Sonnenschein und vier Tore. Wer ein neutraler Beobachter der Partie war, konnte sich freuen. Offensiver Fußball mit Flankenläufen, langen Pässen, exzellente Konter und Pressing. Der ein oder andere Fan musste aber leiden.Erst 0:2, dann 2:2, sogar eine Rote Karte. Allein die Chancenverwertung bei der Mannschaften hätte noch besser sein können. Im Tor standen aber zwei Klasse-Torleute.


 
dpa meldet:
Hamburg und 1860 München trennten sich gütlich - 2:2 
Von Volker Gundrum, dpa 
Hamburg (dpa) - In einem weitgehend rassigen Duell der Champions- League- Aspiranten Hamburger SV und TSV 1860 München gab es mit dem 2:2 (2:2) eine gerechte Punkteteilung. Vor 38 167 Zuschauern im Volksparkstadion leistete sich der HSV jedoch einen kapitalen Fehlstart: Das Spiel hatte gerade begonnen, da lagen die Gastgeber schon mit 0:2 durch Tore von Paul Agostino (6.) und Martin Max (7.) zurück. 

HSV- Neuzugang Marcel Ketelaer mit seinem ersten Bundesligatreffer (34.) und Roy Präger (45.) egalisierten die Führung der Münchner bis zur Pause. Der TSV 1860 musste die Partie mit zehn Spielern beenden, da der Österreicher Martin Stranzl wegen wiederholten Foulspiels mit Gelb- Rot (84.) vorzeitig in die Kabine musste.

Die Hamburger waren zu Spielbeginn mit ihren Gedanken offenbar nicht auf dem Platz. "Löwen"- Neuverpflichtung Erik Mykland, der glänzend Regie führte, hebelte die HSV- Abwehr mit einem Heber aus, und der allein auf Torhüter Hans- Jörg Butt zustürmende Agostino hatte keine Mühe, die Kugel im Hamburger Kasten unterzubringen. Nicht einmal 60 Sekunden später düpierten die Münchner den Rivalen mit haargenau dem gleichen Trick. Diesmal hob Thomas Häßler den Ball gefühlvoll über die Abwehrreihen, und Max schob den Ball an Butt vorbei ins Tor.

Es dauerte eine Viertelstunde, bis der HSV diesen Schock verdaut hatte. Trainer Frank Pagelsdorf hatte gegenüber dem siegreichen Champions- League- Hinspiel bei Bröndby Kopenhagen (2:0) Präger für den Iraner Mehdi Mahdavikia in die Startelf beordert und brachte im zweiten Abschnitt mit dem tschechischen Stürmer Marek Heinz und Marinus Bester zwei weitere Neuverpflichtungen. Doch der Anschlusstreffer war einem anderen "Neuen" vorbehalten. Ketelaer, der mit 5,5 Millionen Mark teuerste Einkauf in der HSV- Geschichte, drosch das Leder mit einem Gewaltschuss aus rund 20 Metern ins Münchner Tor. Nun mehr Selbstbewusstsein demonstrierend, dominierten die Gastgeber das Geschehen. Präger vollendete einen Konter nach abgewehrtem Eckball gekonnt zum 2:2.

Danach hatten beide Teams ihr Pulver offenbar verschossen. Aufregung gab es, als Nico- Jan Hoogma und Niko Kovac bei einem Abwehrversuch mit den Köpfen zusammenprallten (53.) und kurzzeitig auf dem Rasen liegen blieben. Die größte Chance zum Siegtreffer bei den Hamburgern vergab Präger, der nur den Pfosten traf (83.). Auf der Gegenseite verstolperte Max zwei Möglichkeiten (55., 78.). 


 
kicker meldet:
Frühe Führung reichte den "Löwen" nicht zum Sieg
Die Münchner "Löwen" erwischten einen Start nach Maß. Nach einem Doppelschlag von Agostino und Max in der sechsten und siebten Spielminute führte der TSV im Duell der beiden Champions-League-Qualifikanten mit 2:0. Beim Führungstreffer hebelte Neuzugang Erik Mykland die gesamte Hamburger Verteidigung mit einem weiten Pass auf Paul Agostino aus. Der Australier ließ sich die Chance nicht entgehen und überwand Jörg Butt im HSV-Gehäuse.
Auch beim zweiten Münchner Tor ließ sich die Deckung der Hanseaten durch ein langes Zuspiel von Zelic auf Max düpieren. Der Torschützenkönig der abgelaufenen Saison verwandelte souverän. Die Hamburger fanden in der Folge besser ins Spiel und kamen durch ein Traum-Tor von Marcel Ketelaer zum Anschlusstreffer. Nach feinem Zuspiel von Niko Kovac hämmerte der Ex-Gladbacher den Ball von der Strafraumgrenze in den Torwinkel (34.). Mit dem Halbzeitpfiff glichen die Gastgeber durch einen Konter aus. Ingo Hertzsch passte aus dem Mittelfeld auf Roy Präger, der alleine auf das Tor von Michael Hofmann zustürmte und dem Löwen-Keeper keine Abwehrmöglichkeit ließ.

Nach dem Wechsel hatten sich beide Teams besser aufeinander eingestellt, Chancen blieben Mangelware. Die größte Chance zum Sieg vergab Roy Präger für den HSV. Nach einem weiten Einwurf von Niko Kovac behinderte Löwen-Abwehrspieler Martin Stranzel seinen Keeper Hofmann, der den Ball abprallen ließ. Den folgenden Schuss von Präger lenkte Hofmann dann mit einer Glanzparade an den Pfosten. Negativer Höhepunkt der zweiten Hälfte war die Gelb-Rote Karte für Martin Stranzel, der nach einem bösen Tritt gegen Groth vom Platz musste. 

Personal: Eine Änderung beim HSV im Vergleich zum Spiel in Bröndby: Präger stürmte wieder für Mahdavikia (Stauchung des linken Sprunggelenks). Dafür war der unaustrainiert wirkende Yeboah dabei, der wegen seiner Gerichtstermine sogar einen Verzicht erwogen hatte. Bei 1860 München fand ebenfalls ein Wechsel gegenüber Leeds statt: Paßlack rückte für Votava in die Startelf.

Taktik: Die Gastgeber mit der eingespielten taktischen Formation. Auffällig diesmal: Ketelaer tauschte sporadisch mit Barbarez die Rollen. Nach der Hereinnahme von Heinz wurde der HSV- Newcomer in die zentrale Rolle hinter den Spitzen abkommandiert. Die Gäste mit einem freien Mann, Zelic, der situationsbedingt hinter oder vor der Abwehr agierte, die in einer Dreierkette auftrat. Die weitere Staffelung: Mykland als Spielmacher aus der Tiefe, davor Häßler. Mit Cerny und Bierofka zwei Außen sowie eine Doppelspitze.

Spielverlauf: Ein Schockerlebnis für die Hanseaten zu Beginn: Zwei Mal stolperten sie in die eigene Abseitsfalle, zwei Traumpässe von Mykland auf Agostino und von Zelic auf Max zur überraschend schnellen Führung. Die HSV-Defensive unsortiert, mit Schwächen beim Umschalten von Angriff auf Abwehr, wie schon in Kopenhagen. Was gegen die biederen Dänen gut ging, rächte sich gegen die bissigen "Löwen".

Nach diesem Traumstart steckten die Münchner zurück: Kaum Aktionen über die Außen, Schwächen in der Deckung mit den nervösen Paßlack und Stranzl. Überragend allein Zelic, beste Offensivkraft Max, Mykland, im Vorwärtsspiel herausragend, machte sich eine bessere Note durch Ballverluste vor den Gegentoren zunichte.

Imponierend die HSV-Aufholjagd. Angetrieben durch den verbesserten Kovac, vollbracht durch die quirligen Präger und Ketelaer. Verdienter Ausgleich zur Pause. Nach dem Wechsel bei hohen Temperaturen ein Abfall.

Fazit: Ein gerechtes Resultat im Duell der Qualifikanten für die Champions League.

Das Spiel im Liveticker:
 Schlusspfiff
83. Minute: Nach einem weiten Einwurf von Kovac behindert Stranzel Hofmann, der den Ball abprallen ließ. Gegen den Schuss von Präger rettet Hofmann dann bravorös.
78. Minute: Der eingewechselte Votava kommt frei zum Schuss, doch Butt kann den unplatzierten Ball abwehren.
74. Minute: Großchance für den HSV, doch Ketelaer scheitert an Michael Hofmann. Es war die letzte Aktion des Neu-Hamburgers. Für ihn kommt Thomas Doll.
54. Minute: Thomas Häßler spielt Martin Max herrlich frei, doch der Torschützenkönig der Bundesliga vergibt die Führungschance.
52. Minute: Niko Kovac ist nach einem Zusammenprall mit Hoogma kurz bewusstlos, beide können aber weiterspielen.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
45. Minute: Roy Präger taucht nach schönem Zuspiel von Ingo Hertzsch frei vor Hofmann auf und verwandelt souverän zum Ausgleich.
34. Minute: Niko Kovac legt für Marcel Ketelaer auf. Der Neuzugang aus Mönchengladbach verkürzt mit einemTraum-Tor in den Winkel.
17. Minute: Tolle Reaktion von Michael Hofmann im Löwen-Tor nach einem Freistoß-Knaller von Marcel Ketelaer.
10. Minute: Traumstart für die Löwen. Das Sturmduo Agostino und Max bestraften Hamburger Nachlässigkeiten in der Abwehr.
Anpfiff