Bundesliga 2000/2001, Mittwoch, 06.09.00 um 18:15 Uhr im Hamburger Volkspark bei anhaltendem Regen und 14 Grad C 

Hamburger SV - SV Werder Bremen 2:1 (1:0)

Vor dem Spiel gegen Werder hatte ich schon bammel, weil wir gegen Werder auch schon des öfteren nicht so gut ausgesehen haben und es auch oft miese 0:0 wurden. Aber ein Punkt wäre wirklich zu wenig gewesen. Da wir bei den bisherigen beiden Bundesliga-Spielen nur ein Pünktchen ergattert haben, war ein Sieg jetzt ungemein wichtig.

Das Spiel fing vor der für mich doch enttäuschenden Kulisse von 37.000 Zuschauern bei Dauerregen an. An den wenigen Zuschauern war jedoch wohl auch die wirklich für einen Wochentag beschissene Anfangszeit von 18:15 Uhr schuld. Alles wegen premiere .....

Über das ganze Spiel gesehen muß man wohl sagen, daß es spielerisch nicht sehr hochkarätig war. Allerdings war das bei diesem Boden wohl auch kaum möglich. Vor Spielbeginn ging es ja noch gerade so, aber durch den Dauerregen und das sehr kämpferische Spiel sah der Platz dann am Ende zumindest in einer Hälfte wieder so aus, als wäre da ´ne Herde Wildschweine langgetobt.

Anfangs konnte ich keine besonderen Vorteile für eines der Teams erkennen. Jedoch hatten die Bremer die besseren Torchancen. Ein Tor hätten die Bremer z.B. wirklich nach einer Flanke von links erzielen müssen. In der Mitte kam jedenfalls Stalteri zum Kopfball. Jedoch konnte er den Ball glücklicherweise nicht richtig drücken und traf nur die Latte. Ich habe mich natürlich sehr gefreut, aber trotzdem gewundert, daß er diese Chance vergeben konnte.

Dann spielte Barbarez mit Ketelaer einen sehr „weiträumigen“ Doppelpaß. Jedenfalls schickte Barbarez Ketelaer links tief in die Gasse. Ketelaer bedankte sich dafür mit einer maßgenauen Flanke in die Mitte. Barbarez war schön mitgelaufen und stand nun aufgrund Bremer Stellungsfehler völlig frei. Diese Chance ließ sich der ohnehin kopfballstarke Bosnier nicht entgehen und verwandelte sicher zum 1:0.

Bremen wurde etwas druckvoller und ich betete, daß wir wenigstens mit der Führung in die Halbzeit gehen. Jedoch hatte Bremen in der Zeit nur noch eine dicke Torchance. Da war allerdings so ein Gewühl in unserem Strafraum, daß es auch gut ein Tor hätte werden können.

Der HSV hatte vor der Halbzeit allerdings auch noch 2 hervorragende Chancen. Wieder hatte Ketelaer von links vor das Tor geflankt. Diesmal jedoch näher ans Tor ran und auch nicht so hoch. Präger stürzte in die Flanke, aber verpaßte dabei leider den Ball. Wenn er ihn nur irgendwie berührt hätte, wäre es gewiß ein Tor geworden.

Eine weitere richtig dicke – ach was, 1000 %ige, - Chance hatten wir direkt vor der Halbzeit. Bei einem schön vorgetragenen Konter bediente Hertzsch von der linken Mittelfeldposition aus Barbarez hervorragend mit einem weiten Paß in den Raum. Barbarez lief völlig frei, allerdings leicht links versetzt, auf das Bremer Tor zu. Schließlich schoß er und traf..... aber leider nur den Fuß des Bremer Torwarts. Das hätte auf alle Fälle ein Tor werden MÜSSEN ! 

Ich sagte in der Halbzeit noch, daß ich hoffe, mich nicht über diese verpaßte Chance ärgern zu müssen, aber das kam dann leider schneller als erwartet.

Leider bekamen wir sofort nach Wiederanpfiff das 1:1. Nach einer Flanke von rechts verpaßte zunächst Fukal den Ball. Bode bekam ihn schließlich und leider konnte Groth den Werderaner nicht am Torschuß hindern. Der Ball schlug im langen Eck ein.

Groth machte in dieser Szene leider einen recht schlechten Eindruck. Überhaupt fand ich, daß Groth der mit Abstand schlechteste Hamburger war auf dem Platz. Nach vorne wollte ihm außer zwei Torschüssen nichts gelingen und nach hinten war er eine einzige Katastrophe. Es mangelte auch deutlich an Spritzigkeit, sodaß fast jeder Gegner immer vor Groth am Ball war. Leider spielte er die bisherigen Pflichtspiele bereits in einer ähnlichen Verfassung. Ich hoffe nun wirklich, daß ihm mal eine Pause „gegönnt“ wird und daß er nicht immer weiter spielen darf, nur weil er und Pagel sich schon so lange kennen.

Mit zunehmender Spielzeit empfand ich den HSV als immer druckvoller. Die Bremer hatten jedoch auch immer weiter gefährliche Vorstöße, bei denen unsere Abwehr heute oft recht unsortiert aussah. Ich hoffe mal, daß das damit zusammenhing, daß Milan Fukal erst seit einigen Tagen in Deutschland ist und dies sein erstes Bundesliga-Spiel war.

Je weiter das Spiel fortschritt desto gediegener fielen auch die Entscheidungen des Schiedsrichtergespannes aus. Da wurden diverse seltsame Abseitsentscheidungen getroffen, klarste Handspiele nicht abgepfiffen (für den Protest sah Barbarez gelb) und die Freistoßentscheidungen fielen nun auch eher gegen den HSV aus. 

Jedenfalls hatte es der Schiri durch seine für das Publikum unverständlichen Entscheidungen geschafft, daß die Stimmung immer besser wurde. Die Leute regten sich alle so auf, daß alles mitschrie –pfiff usw. Ich habe ja schon länger die Theorie, daß einem nichts besseres passieren kann als ein schlechter Schiedsrichter. Er darf nur noch nicht so schlecht sein, daß er z.B. unberechtigte Elfer gegen uns pfeift. Aber ansonsten bringt kaum etwas mehr Stimmung als offensichtliche Fehlentscheidungen.

Der HSV hatte dann z.B. noch eine weitere sehr gute Chance durch einen Freistoß aus halbrechter Position durch Ketelaer. Die Position war so in etwa Cardosos Lieblingsposition, aber der fehlte ja leider und auch merklich. Diesen Freistoß schoß Kette jedoch in bester Cardoso-Manier. Er flankte hoch in den Strafraum doch der Ball wurde immer länger. Schließlich sah ich ihn schon im langen Eck einschlagen, aber leider konnte der sehr starke Rost den Ball noch zur Ecke klären.

Kurz darauf lief auch noch einmal eine Flanke des HSV in ca. 3 m Entfernung parallel zur Torlinie durch den 5m-Raum, aber leider war da kein HSV-Stürmer zur Stelle.

Bremen hatte noch eine sehr gute Chance durch Bogdanovic. Der lief auf der linken Seite frei durch und schoß dann letztendlich auch noch auf´s Tor. Da er aber inzwischen so weit links und vorne stand, ging der Ball zwar nur ganz knapp am Tor vorbei, landete aber letztendlich sogar noch im Seitenaus durch den spitzen Winkel.

Tja, und als man dann langsam fürchten mußte, daß das Spiel unentschieden enden würde, kam ein Licht vom Himmel und leuchtete meinem Liebling Ingo Hertzsch den Weg zum Tor. In ca. 30 – 40 m Torentfernung bekam er den Ball und lief los. Er wurde lediglich von Eilts attackiert, doch den konnte er ausspielen. Dann war er letztendlich mittig vor dem 16er frei vorm Tor und drosch den Ball aus ca. 22 m wie einen Strich in´s rechte Eck. Ein echter Knaller von Super-Ingo !

Gerade für Inge freut mich das besonders, weil er wirklich einer meiner absoluten Lieblingsspieler ist und nun endlich sein 1. Tor für den HSV erzielt hat.

Auch er selbst freute sich offensichtlich wie ein kleiner Junge. Nach dem Tor rannte er erstmal über das halbe Feld, um dann an der Mittellinie einen 10m –„Diver“ hinzulegen.

Ingo, ich liebe Dich !!!  Naja, nicht soooo, aber doch soo ! ;-) 

Das Ergebnis wurde über die Bühne geschaukelt und die Freude war riesengroß als der Schiri dann schließlich abpfiff. 

Nun fährt es sich doch wesentlich leichter nach Bochum zum Auswärtsspiel.

Meine Spielerbewertung:

Butt: fehlerfrei bei allen Torschüssen. Hätte nur einmal beherzter rauslaufen müssen: Note 2

Hoogma: hatte mal einen nicht so starken Tag: Note 4

Fukal: Muß sich erst noch eingewöhnen. Man konnte aber schon erkennen, daß er ein Kopfballriese ist. Stand aber oft schlecht. Da mangelt es wohl noch an der Abstimmung.: Note 4

Hertzsch: Ich weiß, daß ich sonst immer predige, daß ich es beschissen finde, Spieler nach Toren zu beurteilen. Diesmal hat sein Tor aber zumindest den Ausschlag gegeben, daß er von mir die bessere Note erhält. Auch gegen den Mann war er gewohnt gut. Sein Tor bringt ihm aber: Note 2

Hollerbach: sehr solide. Keine besonderen Stärken oder Schwächen zu verzeichnen. Nahm nicht so viel am Spiel teil wie sonst: Note 3

Groth: der nahm leider am Spiel teil. Und sah dabei zumeist sehr schlecht aus (s.o.) Für mich war er mit Abstand der schlechteste Spieler auf dem Platz und hat so einige gefährliche Situationen herausbeschworen. Allerdings vor unserem Tor: Note 6

Kovac: Ich glaube langsam, daß Kovac wirklich nur glänzen kann, wenn er mit seinem kongenialen Partner Cardoso zusammenspielt. Wenn jedoch Barbarez spielt, übernimmt dieser nicht die Rolle des Spielmacher und dann ist Kovac mit seinen Aufgaben einfach überfordert: Note 4

Barbarez: hat mir heute sehr gut gefallen. War an vielen Chancen beteiligt und hat ein schönes Tor gemacht. Ich könnte mir auch vorstellen, daß er mal als Mittelstürmer auflaufen könnte, wenn Tony nicht spielen kann/soll/darf. Hätten wir heute nicht gewonnen, hätte ich seine vergebene 100%ige jedoch nicht verziehen: Note 2

Ketelaer: rackerte wirklich viel auf der linken Seite und gab die präzise Vorlage zum 1:0 : Note 3

Präger: für ihn gilt das gleiche wie für Ketelaer. Nur auf der rechten Seite und daß er eben kein Tor vorbereitet hat: Note 3

Yeboah: blieb heute doch eher blaß. Hatte aber eine gute Chance, die Rost leider vereiteln konnte.: Note 4

Schiri: wurde mit zunehmender Spielzeit schlechter. Das lag allerdings auch oft an seinen seltsamen Linienrichtern. Der Schiri selbst bekommt von mir: Note 4

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet:

Telegramm 
TORE :   1:0 Sergej Barbarez (25.), 1:1 Marco Bode (47.), 2:1 Ingo Hertzsch (82.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Sergej Barbarez (74.), Milan Fukal (84.)
Werder Bremen: Rade Bogdanovic (88.), Torsten Frings (90.)

SCHIEDSRICHTER :   Dr. Helmut Fleischer 
ZUSCHAUER :  37.382 
DATUM :  06.09.00   18:15 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Nico Jan Hoogma, Milan Fukal, Martin Groth, Ingo Hertzsch, Niko Kovac, Marcel Ketelaer, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Anthony Yeboah, Roy Präger

Werder Bremen: Frank Rost, Frank Verlaat, Victor Skripnik, Raphael Wicky, Frank Baumann, Dieter Eilts, Rade Bogdanovic, Marco Bode, Andreas Herzog, Torsten Frings, Paul Stalteri

WECHSEL 
Hamburger SV: Marinus Bester für Anthony Yeboah (67.), Mehdi Mahdavikia für Roy Präger (67.), Andreas Fischer für Martin Groth (88.)
Werder Bremen: Claudio Pizarro für Paul Stalteri (67.), Ailton für Dieter Eilts (85.)

Hertzsch entscheidet Wasserschlacht
Es ist vollbracht - der HSV fährt den ersten Sieg der neuen Saison ein. In einer spannenden Partie siegte am Ende die glücklichere Mannschaft. Ingo Hertzschs Gewaltschuss in der 82. Minute entschied das Spiel, das von widrigen Platzverhältnissen und unsicheren Abwehrreihen geprägt war. 
In der Anfangsphase dominierten die Gäste die Begegnung, der HSV offenbarte in der Hintermannschaft, in der Milan Fukal ein Debüt mit Licht und Schatten ablieferte, erhebliche Abstimmungsprobleme. Die Bremer nutzten die unerwarteten Freiheiten und brachten das Tor von Hans-Jörg Butt wiederholt in Gefahr. Allerdings blieb ein Lattenkopfball von Stalteri die einzige Ausbeute. 

Barbarez überlistet Rost

Eine herrliche Kombination von Marcel Ketelaer mit Sergej Barbarez brachte die überraschende Führung (25.) für die Gastgeber: Nach einer Linksflanke des Ex-Gladbachers erzielte Barbarez per Kopf sein erstes Bundesligator für den HSV. Danach sahen die 37.382 Zuschauer einen offenen Schlagabtausch. Die Bremer Viererkette hatte bei den schnell vorgetragenen Angriffen des HSV große Probleme, auf der anderen Seite offenbarten Fukal und Nico-Jan Hoogma einige Schwächen im Zweikampf. 

Den zweiten Durchgang eröffneten die Gäste mit einem Paukenschlag: Marco Bode (47.). verwertete eine Flanke von Paul Stalteri zum Ausgleich. In der Folgezeit hatten beide Teams Chancen zur Führung, allerdings zollten die 22 Akteure mit zunehmender Spieldauer dem schweren Geläuf Tribut - die Aktionen wurden ungenauer, die Aktionen unkonzentrierter. 

So war es wenig verwunderlich, dass eine Einzelaktion das Spiel zu Gunsten der Hamburger entschied. Dieter Eilts hatte nicht energisch genug eingegriffen, Hertzsch nutzte die Gelegenheit und zog aus 22 Metern ab - mit Erfolg. Bremen wartet damit weiter auf den ersten Auswärtssieg im Jahr 2000, der HSV orientiert sich wieder in Richtung obere Tabellenhälfte. 

Daten
Fakten:
"Super Ingo" 
Die Nationalmannschaftsberufung scheint Ingo Hertzsch zu beflügeln. Mit dem 2:1-Siegtreffer schoss er nach 79 Spielen sein erstes Tor in der Bundesliga. Vor diesem Spieltag gab es nur einen Bundesligafeldspieler mit mehr Einsätzen ohne Tor - Frankfurts Uwe Schneider. Damit kann Hertzsch auch nicht mehr die Hamburger Legende Hans-Jürgen "Ditschi" Ripp überflügeln, der in seinen 177 Bundesligaspielen für den HSV kein einziges Tor erzielte.

Auswärts weiter nichts zu bestellen 
Werder Bremen muss im Jahre 2000 weiter auf einen dreifachen Punktgewinn auf fremdem Platz warten. Mit der Niederlage in Hamburg sind die Bremer nun schon seit elf Spielen auswärts ohne Sieg. Ihren letzten Auswärtssieg errangen sie am 14.12.99 beim 1:0 Sieg im Wedaustadion gegen den MSV Duisburg. Beim HSV konnte Werder zuletzt vor neun Jahren gewinnen.

Tordebüt für Barbarez 
Mit dem Treffer zum 1:0 köpfte Sergej Barbarez seinen ersten Bundesliga-Treffer für den HSV. In seinen zwei Jahren bem BVB konnte er kein einziges Kopfballtor erzielen. Der Treffer war dabei ein gutes Omen für den HSV. Immer wenn die Hamburger daheim gegen Bremen 1:0 in Führung gingen, gewannen sie die Partie.

Erster Hamburger Saisonsieg 
Mit ihrem Heimsieg gegen Bremen errangen die Hamburger ihren ersten Sieg im dritten Spiel. Im neuen Fußballtempel Volkspark feierte der HSV schon letzte Saison die drittmeisten Heimsiege aller Bundesligamannschaften (elf), nur Bayer (13) und Bayern (12) holten letzte Saison häufiger drei Punkte daheim. 

Schlaglichter:
Yeboah noch nicht in Form 
"Tony" Yeboah wurde wie schon in den ersten beiden Saisonspielen auch gegen Bremen wieder ausgewechselt. An einem Hamburger Tor war Yeboah bisher noch nicht beteiligt. Gegen Bremen gab der Mann aus Ghana gerade einmal zwei von 22 Hamburger Torschüssen ab. Lediglich 22 Ballkontakte (so wenig wie kein anderer Spieler) belegen, wie selten Yeboah ins Hamburger Angriffsspiel mit eingebunden wurde.

Muntere Hamburger Flügel 
Die Hamburger Flügelzange, Roy Präger und Marcel Ketelaer, war an fast allen gefährlichen Situationen beteiligt. Präger rieb sich nebenbei wie gewohnt in vielen Zweikämpfen auf. Mit 28 bestritt er die meisten Duelle aller Spieler, wobei er jedoch nur 43% gewinnen konnte. Der wieselflinke Ketelaer überzeugte besonders als Vorbereiter. Sechsmal legte der Ex-Gladbacher zu Torschüssen auf, dabei bereitete er das 1:0 von Barbarez mit einer mustergültigen Flanke vor.

Debüt für Fukal 
Bundesliga-Debütant Milan Fukal ist nach Marek Heinz der zweite Tscheche, der diese Saison für den HSV zum Einsatz kam. In den 37 Jahren zuvor gab es keinen einzigen Tschechen beim norddeutschen Traditionsklub. Trotz Abstimmungsproblemen zeigte Fukal schon gegen Werder seine Zweikampfstärke (69% gewonnene Duelle). In die Offensive schaltete sich der torgefährliche Abwehrspieler noch selten ein, kam aber zu einem Torschuss.

Herzog überfordert 
Der Österreicher fand gegen den HSV überhaupt nicht ins Spiel. Nur an zwei von elf Bremer Torschüssen war er beteiligt. Da die Bremer mit nur einer richtigen Sturmspitze aufliefen, fehlten Herzog lange die Anspielstationen, so dass er es häufig alleine probieren musste. Dabei konnte sich Herzog lediglich in vier von 17 Zweikämpfen behaupten.

Chance für Bogdanovic 
Rade Bogdanovic spielt erstmals dieser Saison von Beginn an (zuvor einmal eingewechselt). Zuletzt stand er am 33. Spieltag der letzten Saison in der ersten Elf - Bremen siegte zu Hause 4:0 gegen Duisburg, Bogdanovic schoss allerdings kein Tor. Gegen den HSV präsentierte sich der Jugoslawe folgerichtig sehr einsatzfreudig. Er bestritt die meisten Zweikämpfe aller Bremer (25) und war auch gemeinsam mit Marco Bode am häufigsten an Bremer Torschusssituationen beteiligt (viermal).

Topspieler: Sergej Barbarez
Der Bosnier rechtfertigte erneut das Vertrauen seines langjährigen Mentors Frank Pagelsdorf. Besonders im Zusammenspiel mit Marcel Ketelaer sorgte Barbarez wiederholt für Gefahr vor dem Bremer Tor, den schönsten Spielzug der Begegnung vollendete der Ex-Dortmunder mit einem herrlichen Kopfball zur Führung - sein erstes Bundesliga-Tor im HSV-Dress. 

Spielwertung: 3 Bälle (von 4 möglichen)

Kommentar:
Nicht die bessere, sondern die glücklichere Mannschaft hat das Spiel gewonnen. Abwehrschwächen auf beiden Seiten sorgten für viele Torraumszenen - Bremen überzeugte durch gefälliges Kombinationsspiel, der HSV wurde immer dann gefährlich, wenn schnell über die Flügel gespielt wurde. Allerdings fehlte beiden Teams die Konsequenz im Abschluss. Der Kracher von Ingo Hertzsch machte den kleinen, aber entscheidenden Unterschied. 
Oliver Brandt 

Taktik:
Hamburger SV
Der HSV spielte mit der gewohnten Dreierkette in der Abwehr. Fukal nahm den Platz des gesperrten Panadic auf der rechten Seite ein, daneben agierten Hoogma und Hertzsch. Im Mittelfeld bildeten Groth, Kovac und Hollerbach ein Dreier-Mittelfeld, Barbarez füllte die Spielmacherposition hinter dem Sturm aus. Die Offensive bildeten auf den Flügeln Präger (rechts) und Ketelaer, in der Mitte spielte Yeboah. Die eingewechselten Spieler nahmen jeweils die Positionen ihrer Vorgänger ein. 

Werder Bremen
Vor Keeper Rost agierte die gewohnte Viererkette, in der Frings diesmal für Tjikuzu die Position auf rechts besetzte. Das Mittelfeld stand dicht gestaffelt: Vor der Defensivreihe mit Wicky und Eilts spielten von rechts Stalteri, Herzog und Bode. Bogdanovic bildete den Ein-Mann-Sturm der Gäste. Mit den Einwechslungen von Pizarro und Ailton richtete Trainer Schaaf sein Team offensiver aus, die Bremer beendeten die Partie mit drei etatmäßigen Stürmern. 

Stimmen
Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburger SV): 
"Wir haben auf Grund der Ergebnisse der ersten beiden Spiele enorm unter Druck gestanden. Ich wusste, dass es eine enge Partie werden würde. Bremen hat uns alles abverlangt. Auf Grund der größeren Spielanteile war der Sieg aber verdient. Ingo Hertzsch hat ein tolles Spiel gemacht. Das Tor war die Krönung für seine Leistung." 

Trainer Thomas Schaaf (Werder Bremen): 
"Uns fehlte sicherlich ein bisschen Cleverness, aber auch das nötige Glück. Wieder stehen wir auswärts mit leeren Händen da. Für die Zuschauer war es ein Traumspiel, alles hat gepasst, nur für Werder das Ergebnis nicht. Wir bringen das Spiel nicht durch, das ist das Entscheidende." 


 
dpa meldet:
Dank "Super-Ingo" Hertzsch: HSV gewann gegen Werder Bremen 
Von Volker Gundrum, dpa 
Hamburg (dpa) - "Super- Ingo" Hertzsch hat den Hamburger SV vor einem Saison- Fehlstart bewahrt. Dank des ersten Bundesliga- Treffers (82. Minute) des Nationalspielers in spe feierte der HSV eine Woche vor dem Champions- League- Hit gegen Juventus Turin im Prestige- Duell mit Werder Bremen ein glückliches 2:1 (1:0) und schaffte damit den erhofften Befreiungsschlag des ersten Punktspielsiegs. 

Vor nur 37 382 Zuschauern im Volksparkstadion hatte Sergej Barbarez (26.) den HSV im 73. Nord- Derby mit seinem 20. Bundesliga- Tor in Führung gebracht. Marco Bode (48.) schaffte den zwischenzeitlichen Ausgleich für die Gäste, die weiter auf den ersten Auswärtssieg im Jahr 2000 warten.

"Nach 79 Bundesliga- Spielen hat es endlich mit einem Tor geklappt. Dass es der Siegtreffer war, ist natürlich umso schöner", freute sich Hertzsch diebisch. Dagegen waren die über weite Strecken überlegenen Bremer nach der neuerlichen Auswärtspleite geknickt. "Wir sind sicher zu gastfreundlich. Wir wollen auch auswärts zu oft glänzen, das ist heute zum zweiten Mal in dieser Saison in die Hose gegangen", ärgerte sich Mittelfeld- Star Andreas Herzog. "Dass wir wieder ein spätes Tor bekommen haben, war einfach dumm", gab Abwehrchef Frank Verlaat zu.

Bei strömendem Regen entwickelte sich ein packendes Derby, in dem beide Teams voll auf Sieg spielten. Die Gäste hatten zunächst klare Vorteile, da sie ballsicherer und durchdachter agierten als der HSV, bei dem der tschechische Nationalspieler Milan Fukal debütierte. Der mit 5,7 Millionen Mark teuerste Einkauf der Club- Geschichte kam für Andrej Panadic (gesperrt) in der umformierten und unsicher wirkenden Dreier- Abwehrkette zum Zuge. Paul Stalteri (14.) konnte daraus jedoch kein Kapital schlagen, sein Kopfball klatschte an die Latte.

Erst allmählich übernahmen die Gastgeber das Kommando. Nachdem Barbarez (16.) mit einem Distanzschuss noch an Keeper Frank Rost gescheitert war, machte es der Bosnier zehn Minuten später besser. Der Vertreter des nach Verletzungspause noch geschonten Regisseurs Rodolfo Cardoso vollendete eine Ketelaer- Flanke per Kopf zu der zu diesem Zeitpunkt überraschenden Führung. Roy Präger (36.) und erneut Barbarez (45.) hätten noch nachlegen können. Allerdings hatten die Bremer unmittelbar vor dem Pausenpfiff durch Frank Baumann, der an HSV- Schlussmann Hans- Jörg Butt scheiterte, die Riesenchance zum 1:1.

Das stellte kurz nach dem Wechsel Bode her: Der Nationalspieler traf aus 15 Metern flach ins lange Eck zum verdienten Ausgleich. Der HSV wirkte angeschlagen, rappelte sich aber erneut auf. Der bis dahin unauffällige Anthony Yeboah (65.) scheiterte aber ebenso wie der kurz darauf für den enttäuschenden Ghanaer eingewechselte Mehdi Mahdavikia am glänzend reagierenden Rost, der neben Bode bester Werder- Akteur war. Beim HSV gefielen Ketelaer und Torschütze Hertzsch am besten. 


 
kicker meldet: Hammer von Hertzsch entschied das Schlamm-Derby 

Ein später und sehenswerter Treffer von Ingo Hertzsch entschied das Nordduell bei typischem Hamburger Schmuddelwetter und brachte dem HSV den ersten Saisonsieg. Zuvor hatten Barbarez (25.) und Bode (47.) in einer interessanten Partie getroffen.

Mit Neuzugang Milan Fukal ging der HSV ins Spiel. Regisseur Cardoso fehlte erneut verletzt und wurde durch Barbarez ersetzt. Der Gast musste auf seinen Paradesturm Ailton/Pizarro verzichten, dafür bot Trainer Thomas Schaaf eine Dreier-Variante mit Bode, Bogdanovic und Stalteri auf.

Die Bremer starteten aggressiver und aktiver in die Partie. Auch die erste Großchance des Spiels gehörte Werder. Stalteris Kopfball nach einer Hereingabe von Bogdanovic landete am Querbalken (14.). Der HSV konnte sein Angriffsspiel bei strömendem Regen auf dem schlechten Rasen im Volksparkstadion zunächst kaum entfalten. Nur bei einem Schrägschuss von Barbarez wurde es gefährlich, da Rost den Ball nicht festhalten konnte (16.). Glücklich muss deshalb auch der Führungstreffer der Hamburger bezeichnet werden. Dennoch sehenswert: Ketelaer setzte sich auf links durch und seine zentimetergenaue Flanke köpfte Barbarez unbedrängt ein (25.). In der Folgezeit verdiente sich Hamburg die Führung. Vor allem der agile Ketelaer sorgte noch einige Male über links für Gefahr. Turbulent dann die Schlussphase des ersten Abschnitts: Zunächst scheiterte Frank Baumann nach einer Ecke freistehend an Butt, im Gegenzug steuerte Barbarez allein auf Rost zu, der den Schuss des Bosniers jedoch zur Ecke entschärfen konnte (45.).

Zwei Minuten nach Wiederanpfiff glichen die Gäste aus. Einen langen Flankenball von Stalteri verpasste Fukal. Bode kam an der Strafraumgrenze zum Schuss und ließ Butt mit einem Flachschuss keine Chance (47.). Danach hatte wieder der HSV die besseren Chancen. Rost rückte in den Brennpunkt des Geschehens. Bei Ketelaers Freistoß (60.) und Yeboahs Direktschuss (65.) war er jeweils glänzend auf dem Posten. Bis zum Schluss blieb die Partie spannend und umkämpft, wenngleich die spielerische Klasse fehlte. Auf beiden Seiten lag der Siegtreffer noch einige Male in der Luft. So zum Beispiel bei einem energischen Bogdanovic-Solo zehn Minuten vor dem Ende. Der Schuss des Jugoslawen ging nur haarscharf am langen Pfosten vorbei. Erfolgreich war dann letztlich Jung-Nationalspieler Ingo Hertzsch – von Eilts nur unzureichend angegriffen – mit einem Gewaltschuss aus 22 Metern (82.). 

Höhepunkte des Spiels:
Schlusspfiff
82. Minute: 2:1! Ingo Hertzsch versetzt den Bremern den K.O.? So sieht es jedenfalls nach dem 22-Meter-Gewaltschuss des Jung-Nationalspielers aus. Der Ball schlägt rechts unten ein.
79. Minute: Bogdanovic-Solo auf halblinks. Nur um Zentimeter geht der Schuss des Jugoslawen am rechten Pfosten vorbei.
77. Minute: Flachschuss Mahdavikia nach schöner Einzelleistung. Rost ist wieder zur Stelle.
65. Minute: Spektakuläre Fußabwehr von Rost bei einem Direktschuss von Yeboah aus acht Metern.
60. Minute: Nur mit Mühe kann Rost einen aufsetzenden Freistoß von Ketelaer zur Ecke lenken.
47. Minute: 1:1! Rechtsflanke von Stalteri. Bogdanovic läßt passieren, Fukal verpasst und Bode läßt Butt mit einem Flachschuss ins rechte Eck keine Chance.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
45. Minute: Offener Schlagabtausch in der Nachspielzeit. Zunächst vergeben mehrere Bremer nach einer Ecke, im Gegenzug läuft Barbarez allein auf Rost zu, der zur Ecke klärt.
36. Minute: Nach einer erneuten Flanke von Ketelaer segeln sowohl Präger als auch Rost am Ball vorbei.
34. Minute: Frank Rost muss Kopf und Kragen riskieren, um gegen den durchgebrochenen Barbarez klären zu können.
25. Minute: 1:0! Die glückliche Führung für den HSV. Ketelaer kann sich auf links durchsetzen. Seine maßgenaue Flanke köpft Barbarez unbedrängt aus sechs Metern ein.
16. Minute: Barbarez zieht von halblinks ab. Rost läßt das Leder abprallen, doch der heranstürmende Präger kommt nicht mehr an den Ball.
14. Minute: Turbulenzen im Torraum des HSV. Bogdanovic flankt nach innen und Stalteri köpft aus fünf Metern an den Querbalken.
6. Minute: Erste Chance für den HSV. Nach einer Präger-Ecke köpft Yeboah aus zehn Metern aufs Tor, doch Rost ist zur Stelle.
Anpfiff