Bundesliga 2000/2001, Samstag, 16.09.00 um 15:30 Uhr im Hamburger Volkspark bei teilweise Regen und 16 Grad C 

Hamburger SV - BVB 09 Dortmund 2:3 (1:1)

Irgendwie hatte ich vor dem Spiel schon so ein ungutes Gefühl. Wenn wir heute nicht gewinnen, kann es schon wieder schnell schwer werden in der Bundesliga. Das nächste Spiel ist in Wolfsburg und da sehen wir ja irgendwie schon traditionell ganz schlecht aus.

Außerdem kam für einen total abergläubischen Menschen wie mich erschwerend hinzu: Heute war der Vater meines Freundes Stefan wieder bei uns im Stadion. Und wenn der mitkommt, hat der HSV glaube ich noch nie gewonnen und auch immer schlecht gespielt.

Und so wurde es dann heute auch wieder.

Egal wie das Spiel auch ausgegangen wäre. Ich hätte in jedem Fall zugeben müssen, daß es ein schlechtes Spiel war.

Vor allem der HSV fing schlecht an. Dortmund war zwar auch nicht in einer Tour torgefährlich, aber zumindest kontrollierten sie das Spiel. Beim HSV wollte so recht gar nichts rauskommen zu Beginn des Spiels.

Das mag auch an der ungewöhnlichen Aufstellung gelegen haben. Der HSV spielte heute quasi 4-2-1-3, d.h. eine Viererkette mit Fukal, Panadic, Hoogma und Hertzsch, zwei defensive Mittelfeldspieler, ein offensiver und 3 Stürmer.

Töfting und Kovac spielten defensives Mittelfeld; halblinks (Kovac) und halbrechts (Töfting). Es sah so aus als wäre die Devise ausgegeben worden, daß sich die beiden Außenverteidiger der Viererkette (Fukal-rechts; Hertzsch-links) bei Angriffen jeweils auf Ihrer Seite mit in das Offensivspiel einschalten sollten.

Aber gelingen wollte das alles so irgendwie gar nicht. Nachdem Hertzsch schon einen zu laschen Rückpaß zu Butt spielte, den dieser ca. 30 m vor dem Tor gerade noch so vor einem Dortmunder bekommen konnte, baute Hertzsch dann den nächsten Bock. Er wurde in Bedrängnis von Töfting angespielt und bekam das Leder einfach nicht weg. Er schoß Addo an und der zog mit dem Ball los. Hertzsch verfolgte ihn zwar und versuchte ihn zu halten, aber schließlich kam Addo bis in den Strafraum und ließ Butt keine Chance. 0:1. Irgendwie nicht mal unverdient, da die Borussen bis dahin wesentlich mehr vom Spiel hatten.

Nur wenige Minuten danach hätten sie uns schon den „Todesstoß“ versetzen können, aber Ricken vergab aus ca. 5 m Torentfernung und völlig freistehend eine 100%ige. Er wurde bei einem Konter von rechts außen flach angespielt und schaffte es doch tatsächlich den Ball noch links ! am Tor vorbeizubugsieren.

Solche Unzulänglichkeiten werden im Fußball (wie wir alle wissen) sofort bestraft ! Der HSV konnte noch vor der Halbzeit den so wichtigen Ausgleichstreffer erzielen. Mehdi Mahdavikia konnte unbedrängt von halbrechts flanken und Sergej Barbarez erzielte mit einem sehenswerten (Halb-) Flugkopfball das 1:1.

Was ich im Stadion gar nicht gesehen habe, aber dafür später bei ran: Nach dem Tor lief er direkt zu den Dortmunder Fans und jubelte direkt vor Ihnen. Außerdem zeigte er auf seinen Namen auf dem Trikot. Sowas finde ich ehrlich gesagt nicht sehr schön. Ich persönlich fand früher immer nichts schlimmer, als wenn ein gegnerischer Torschütze absichtlich zur HSV-Kurve kam, um dort den Fans „einen zu geigen“. Nun hatte Sergej natürlich ein besonders angespanntes Verhältnis zu den Fans und ich kann das nicht so recht beurteilen. Grundsätzlich finde ich aber, daß so etwas nicht sein muß !

Wir gingen also mit einem 1:1 in die Pause und durften sehen, daß Fischer sich zum Einwechseln warm machte. Ich tippte, daß der eher unglückliche Fukal ausgewechselt würde und so kam es auch. Fortan spielten wir dann wieder in "normaler“ Aufstellung. Töfting ging ins linke Mittelfeld, Kovac zentral und Fischer übernahm die rechte Seite.

Und in der zweiten Halbzeit spielte der HSV dann auch endlich etwas flotter. Belohnt wurde das schon nach kurzer Zeit in der 49. Minute mit dem zweiten Kopfballtor von Sergej Barbarez. Nach einem Freistoß direkt von der Grundlinie/16er-Ecke konnte sich Barbarez von seinem Gegenspieler, dem jungen Metzelder lösen und köpfte am langen Pfosten recht frei zur 2:1 Führung ein. Wieder 2 Tore in einem Spiel. Barbarez scheint die Rolle des Mittelstürmers zu liegen. Und kopfballgefährlich ist er wirklich immer.

Lustiges Anekdötchen am Rande: Direkt vor dem Freistoß fragte mein Freund Stefan, ob ich eben an der Anzeigentafel gesehen hätte, bei welchem Spiel da ein Tor angezeigt wurde. Neben mir saß Chrisian Schlepkow wie immer mit Radio und der hatte mir kein Tor vermeldet. Also sagte ich Stefan burschikos, daß das ja höchstens der Hinweis darauf gewesen sein könne, daß bei uns nun ein Tor falle. Und was geschah ..... ?

In der Folgezeit war der HSV etwas besser im Spiel und man hatte doch Hoffnung, daß man das Spiel heute irgendwie über die Bühne schaukeln könne. Präger wurde noch für Cardoso eingewechselt und es gab schon noch die ein oder andere Chance. Die beste hätte aber noch vor Cardosos Auswechslung stattfinden müssen, aber leider „verhinderte“ Rodolfo die Chance. Der HSV hatte einen Konter und man lief zu zweit (Cardoso und Ketelaer) auf einen Borussen-Verteidiger zu. Da hätte Rodolfo den Kette fiel früher schicken müssen. Es hätte eine 100%ige Torchance werden müssen, aber leider zögerte er zu lange und spielte schließlich dem Verteidiger den Ball in die Beine.

Tja, und dann kam es leider, wie es wohl kommen mußte. Es fiel der Ausgleich. Ein Dortmunder schlug einen schnurgeraden Ball in der 16er. Zuerst verpaßte ein Borusse und dann sah es fast so aus als habe Hertzsch absichtlich das Bein weggezogen. Egal ob es Absicht war oder nicht, er hätte den Ball auf jeden Fall bekommen müssen, denn einige Meter hinter ihm lauerte Heiko Herrlich und verwandelte sicher zum 2:2.

Nun hatte ich ein richtig schlechtes Gefühl. Dortmund wurde nun auch wieder wesentlich stärker und Butt „durfte“ mehrfach ins Spiel eingreifen. Er hat heute ohnehin sehr gut gehalten. Am entscheidenen 2:3 konnte er dann allerdings gar nichts machen, weil ihm seine Vorderleute – in personam Ingo Hertzsch – wieder mal die Möglichkeit gaben, bei einem Elfer in der Kiste zu stehen.

Das Foul von Hertzsch an Reina war ähnlich dem von Barbarez gegen Inzaghi beim Spiel am Mittwoch gegen Turin. Zumindest war es ähnlich dämlich und dem, ansonsten unglaublich schlechten, Schiri Heynemann wurde keine andere Chance gelassen, als auf den Punkt zu zeigen. Hertzsch zog Reina nämlich so am Trikot, daß der Schiri das sehen und pfeifen mußte.

Dazu sei allerdings noch gesagt, daß Schiri Heynemann ansonsten wirklich einen ganz schlechten Tag hatte. Was der da so alles pfiff, ging schon auf keine Kuhhaut mehr. Und seine Linienrichter (zumindest der auf unserer Seite) waren auch keinen Deut besser. Der „linesman“ wedelte wann immer es ging mit seinem Fähnchen – als ob er auf sich aufmerksam machen wollte. 

Nun hatte Schiri Heynemann korrekt auf Elfer entschieden. Das hätte er allerdings auch schon in Halbzeit 1 machen müssen für den HSV. Da war nämlich Panadic ganz klar gehalten worden. Das konnte ich von meinem Platz aus sogar sehen, so weit wurde ihm im 16er das Trikot vom Leib gerissen. Sogar mein Kumpel Ken, der heute als Borussenfan mitgekommen war, mußte das zugeben. Leider hatte der Schiri da aber noch nicht so gut hingeguckt.

Naja, was soll man sagen: Heiko Herrlich trat zum Elfer an und verwandelte sicher.  Danach hatte der HSV auch offenbar keine Kraft mehr, sich aufzubäumen. Da Spiel plätscherte so dem Ende entgegen und wurde von Borussia wohl nicht völlig unverdient gewonnen.

Zwei Sachen muß ich neben dem schlechten Schiri noch ansprechen:

Das wäre einmal Ingo Hertzsch, der heute einen rabenschwarzen Tag hatte. Er war an allen 3 Gegentoren entscheiden beteiligt. Und das auch noch unter den Augen von Team-Chef Rudi Völler, der heute im Stadion war. So kann er sich wohl einen Einsatz im Länderspiel gegen England nun mit Sicherheit in die Haare schmieren.

Und dann war ich noch einmal recht enttäuscht. Und zwar von den Borussenfans. Vor einigen Jahren noch waren das hervorragende Fans, die Ihre Mannschaft immer angepeitscht haben. Heute aber kam da überhaupt nichts während dem 1:1 und dem 2:2. Totenstille im Borussenblock. Erst beim Ausgleichstreffer zum 2:2 wachten sie wieder auf und feierten Ihr Team. Das ist natürlich ganz schlechter Support, wie wir ihn auch jahrelang von uns selbst im alten Volksparkstadion gewöhnt waren. Wenn eine Mannschaft schon gut spielt, braucht sie den Support nicht so dringend.

Warum ich das erwähne ? Es fiel mir einfach nur so auf, weil ich die Borussenfans früher immer bewunderte für Ihr Verhalten. Außerdem mußte ich so daran denken, daß Erfolg eben doch sehr schnell verwöhnt und das uns sowas beim HSV wohl auch irgendwann wieder bevorsteht. Aber zumindest auswärts war das beim HSV ja eigentlich schon immer o.k. Und spätestens seit dieser Saison wird auch im Volkspark weiter angefeuert, wenn es nicht so läuft.

Und dann fragte ich nach Spielende schließlich noch „Papa Gorn“, den Vater meines Freundes Stefan, ob er bei seinen wenigen Besuchen im Volkspark überhaupt schon mal ein gutes Spiel oder wenigstens einen Sieg des HSV gesehen habe. Antwort: Den einzigen HSV-Sieg hat er in Bremen miterlebt. Ohne Worte !!!! 
„Papa Gorn“ will nun aber auch lieber nicht mehr mitkommen zum HSV. Ich sagte ihm, daß wir es wieder versuchen könnten, wenn es mal dem Saisonende entgegengeht und der HSV sich schon nicht mehr verändern kann in der Tabelle ;-) 

Meine Spielerbewertung:

Butt: Schon wieder so viele Gegentore, aber wieder schuldlos. Diesmal konnte er sich sogar in vielen Situationen noch auszeichnen: Note 2

Hoogma: er stand noch recht sicher in der wieder einmal leider recht wackligen Abwehr: Note 3

Panadic: heute auch mit ansteigender Form: Note 3

Hertzsch: Mann, mann, mann ! Da hat gerade mein besonderer Liebling das Spiel quasi im Alleingang verloren. Wenn man so entscheidend an 3 !!! Gegentoren beteiligt ist, bleibt mir sogar als seinem Fan wohl nichts anderes übrig als: Note 6

Fukal: wirkte unglücklich während der einen Halbzeit, die er spielen durfte: Note 4

Fischer (ab 46. Für Fukal): spielte recht unauffällig: Note 3-

Töfting: in der 1. Halbzeit fast gar nicht im Spiel. In der 2. Halbzeit auf der linken Seite etwas besser: Note 4

Kovac: War für mich heute der beste Feldspieler des HSV. Er spielt jetzt wieder so, wie ich ihn in der letzten Saison immer gerne gesehen habe: Note 2

Cardoso: ist noch nicht wieder der alte. Allerdings weiß ich ja auch, daß das Spiel ohne ihn mir dann noch wesentlich schlechter gefällt. Trotzdem war es heute nicht sein Tag. Er hat zwar keine groben Fehler gemacht, aber er konnte auch keine entscheidenden Impulse geben: Note 4

Yeboah (kam für Cardoso): Konnte nichts mehr ausrichten: Note -

Mahavikia: war wieder emsig und konnte zumindest ein Tor vorbereiten: Note 3

Präger (kam nach 60 Minuten für Mahdavikia): fiel kaum auf im Spiel: Note 4

Ketelaer: heute wesentlich unauffälliger als beim CL-Spiel gegen Turin am Mittwoch. Konnte nicht auf sich aufmerksam machen: Note 4

Barbarez: Von einem Mittelstürmer kann man das eine oder andere erwarten: Entweder (wie bei Yeboah), daß er immer anspielbar ist, die Bälle verteilt und seine Mitspieler einsetzt oder daß er ansonsten ein Goalgetter ist. Zweiteres ist Barbarez auf alle Fälle heute gewesen. Er ist im Spiel gar nicht mal besonders aufgefallen. Allerdings war schon zu sehen, daß er gegen seine Ex-Kollegen besonders zur Sache ging. Jedenfalls kann man wohl vom Mittelstürmer nicht mehr erwarten als Barbarez es heute gezeigt hat. Hätte Super-Ingo heute nicht im Alleingang für die Borussentore gesorgt, wäre Barbarez gegen seinen ungeliebten Ex-Verein der Held des Tages gewesen: Note 1

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet:

Hamburger SV - Borussia Dortmund 2 : 3 (1 : 1) 

Telegramm 
TORE: 0:1 Otto Addo (31.), 1:1 Sergej Barbarez (44.), 2:1 Sergej Barbarez (49.), 2:2 Heiko Herrlich (76.), 2:3 Heiko Herrlich (81.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Milan Fukal (26.), Ingo Hertzsch (81.)

Borussia Dortmund: Lars Ricken (32.), Heiko Herrlich (35.)

SCHIEDSRICHTER :  Bernd Heynemann 
ZUSCHAUER :   46.694 
DATUM :   16.09.00   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG : 
Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Niko Kovac, Sergej Barbarez, Stig Töfting, Rodolfo E. Cardoso, Nico Jan Hoogma,
Milan Fukal, Andrej Panadic, Marcel Ketelaer, Ingo Hertzsch, Mehdi Mahdavikia

Borussia Dortmund: Jens Lehmann, Heiko Herrlich, Miroslav Stevic, Lars Ricken, Christian Wörns, Jörg Heinrich,
Christoph Metzelder, Sunday Oliseh, Otto Addo, Dede, Evanilson

WECHSEL 
Hamburger SV: Andreas Fischer für Milan Fukal (46.), Roy Präger für Mehdi Mahdavikia (60.), Anthony Yeboah für Rodolfo E. Cardoso (77.)

Borussia Dortmund: Giuseppe Reina für Lars Ricken (74.)
 
 

Hamburg fehlt im Alltag die Kraft

Vielleicht hätten die Hamburger mal in Berlin nachfragen sollen. Bei Hertha BSC kennen sie das Problem aus der vergangenen Saison: begeisternde Spiele in der Champions League - und dann Probleme in der Bundesliga. Auch der HSV machte nach dem 4:4 gegen Juventus Turin die Erfahrung, dass im Liga-Alltag die Gegner oft unbekannter, aber meistens auch unbequemer sind. Gegen Borussia Dortmund verlor die Mannschaft von Trainer Frank Pagelsdorf vor 46.694 Zuschauern im Volksparkstadion mit 2:3 (1:1) Toren. 

Starker Addo erzielt das 0:1

Die Hamburger wirkten schon zu Beginn der Partie erschöpft und ideenlos. Auch den Dortmundern gelang zunächst kaum ein Spielzug. Dann aber wurden sie immer stärker, und Otto Addo, der Allerstärkste, erzielte nach einem Alleingang das 0:1 (31.). Das Spiel blieb zerfahren, ein paar Schwarz-Gelbe waren in Gedanken vielleicht schon in der Pause, da köpfte Sergej Barbarez überraschend das 1:1 (44.). 

Barbarez mit Köpfchen

In der zweiten Hälfte durfte der Bosnier gleich noch einmal jubeln (49.). 2:1 - wieder traf Barbarez mit dem Kopf, und wie beim 1:1 kam die Vorlage von Mehdi Mahdavikia. Die Führung verlieh den müden Hamburgern neue Kräfte, das Spiel schien gekippt. Doch die Dortmunder stemmten sich gegen die Niederlage und drehten das Match ein weiteres Mal. Die Tore zum 2:3 erzielte Heiko Herrlich (76./81.). Zunächst traf er aus fünf Metern, dann aus elf mit einem Strafstoß - Ingo Hertzsch hatte Guiseppe Reina gefoult. 

Dortmund neuer Tabellenführer

Den Gastgebern fehlte in den letzten Minuten die Kraft, um die Energie-Leistung vom Juve-Spiel zu wiederholen. Sie wissen jetzt, wie das ist, mit den Festtagen in der Champions League und dem Alltag danach. Vielleicht müssen sich auch die Dortmunder in der nächsten Saison wieder mit solchen Probleme plagen. Nach dem dritten Auswärtssieg in Folge sind sie zumindest für eine Nacht Tabellenführer. 

Daten
Fakten:
Viel los im Volkspark - aber nicht gegen Dortmund 
Im neuen Fußball-Mekka Volkspark gibt es beste Unterhaltung: Innerhalb von vier Tagen durften sich die Zuschauer an 13 Toren erfreuen (acht gegen Juve, fünf gegen Dortmund). Nicht nur der objektive Zuschauer, auch der BVB-Fan kommt gerne ins Volksparkstadion: Der HSV hat von seinen letzten zehn Heimspielen gegen Dortmund nur ein einziges gewonnen.

BVB auswärtsstark 
Unter Matthias Sammer entwickelt die Borussia eine früher unbekannte Auswärtsstärke: Dortmund hat erstmals in seiner Bundesligageschichte fünf Auswärtsspiele in Folge gewonnen.

Herrlich trifft und trifft 
Zum ersten Mal trat Heiko Herrlich für Dortmund zu einem Elfmeter an. Es war sein zweiter Strafstoß in der Bundesliga, am 17.6.1995 traf er für Gladbach gegen Uerdingen. Herrlich erzielte nach den zwei Toren im Auswärtsspiel in Cottbus damit seinen zweiten Doppelpack in der Saison. Insgesamt traf er zum elften Mal in der Bundesliga doppelt.

Töfting von Beginn an 
Stig Töfting lief von Beginn an im HSV-Trikot auf - das gab es in der Bundesliga zuletzt am 14.8.1993. In dieser Saison wurde er bisher zweimal eingewechselt.
 

Schlaglichter:
Ein verdienter Sieg 
Dortmund zeigte überragende Moral und kam zu einem letztendlich verdienten Sieg. Mit 15 gaben die Borussen mehr Torschüsse ab als der HSV (zwölf). Die kompakte BVB-Abwehr ließ keine einzige Großchance der Hamburger zu, seinerseits hatte Dortmund fünf klare Einschussmöglichkeiten. Im Zweikampfverhalten gab es ein Auf und Ab, passend zum Spielverlauf: In der Anfangsphase gewannen die Borussen 76% der Duelle, dann war der HSV zweikampfstärker, in der Schlussviertelstunde behielten die Borussen wieder in 60% der Zweikämpfe die Oberhand.

Barbarez vernaschte Metzelder 
Sergej Barbarez erzielte wie schon im letzten Bundesligaspiel in Bochum zwei Tore, dabei traf er erstmals zweimal in einer Partie per Kopf. Sein Gegenspieler Christoph Metzelder konnte zwar acht von 14 direkten Duellen gegen Sergej Barbarez gewinnen, bei beiden Toren verlor er jedoch das Kopfballduell.

Mahdavikia mit Super-Woche 
Der beste HSV-Vorbereiter der letzten Saison (zehn Torvorlagen), Mehdi Mahdavikia, ist in Topform: Gegen Bochum war er an zwei Toren beteiligt, gegen Turin an drei und gegen Dortmund gab er die Vorlagen zu beiden Hamburger Treffern. Gerade mit Sergej Barbarez scheint der Iraner sich glänzend zu verstehen: Schon in der Champions League-Qualifikation in Kopenhagen legten sich die beiden die Tore gegenseitig auf.

Addo blühte in seiner Heimat auf 
Otto Addo kehrte mit Dortmund in seine Heimatstadt Hamburg zurück und sprühte vor Ehrgeiz und Spielfreude: Mit 38 führte er die meisten Zweikämpfe aller Spieler auf dem Platz, mit 53 hatte er die zweitmeisten Ballkontakte bei der Borussia. Im Abschluss war Addo effektiv: Sein einziger Torschuss im gesamten Spiel führte zum 1:0 für Dortmund.
 

Stimmen
Frank Pagelsdorf (Hamburger SV):
"Wir waren vor allem geistig müde und haben schwach begonnen. Daher war ich froh, dass wir mit 1:1 in die Halbzeit gegangen sind. Dann sind wir durch Riesenkraftaufwand in Führung gegangen, haben danach jedoch den großen Fehler gemacht, dass wir weiter so gespielt haben, als ob es unentschieden steht. Da muss man einfach cleverer spielen und sich selbst Konterchancen erarbeiten." 

Matthias Sammer (Borussia Dortmund): 
"Kompliment an meine Mannschaft. Wir haben hier ein sehr gutes Bundesligaspiel gesehen. Wir wussten, dass der HSV nach der Champions League sehr viel Selbstvertrauen hat. Die ersten 35 Minuten haben wir sehr ordentlich gespielt, dann hat mir nicht gefallen, wie unser Spiel nach der Führung aussah. Zu Recht haben wir den Ausgleich kassiert. Nach dem Rückstand habe ich nicht gedacht, dass wir dann noch so ins Spiel zurückkommen." 

Topspieler:
Es gibt Stürmer, die würden nach so einem Spiel erst einmal fragen, warum sie nicht schon längst in der Nationalmannschaft spielen. Zwei Tore geschossen, sechs in den ersten fünf Spielen insgesamt - eine nette Bilanz. Heiko Herrlich gelingt im Moment fast alles, doch nach dem Sieg in Hamburg redete er nicht von der Nationalelf, sondern vom Abstiegskampf: "Im letzten Jahr standen wir auch im Oktober oben und sind dann abgerutscht." Damit das nicht nochmal passiert, gibt der Stürmer eine Devise aus, die Trainer Sammer gefallen wird: "Wir müssen uns von Spiel zu Spiel alles neu erarbeiten." Nach fünf Spieltagen hat Herrlich sich Platz eins in der Torjägerliste erarbeitet. Teamchef Rudi Völler saß im Stadion. 

Spielwertung: 3 Bälle (von 4 möglichen)

Kommentar:
Spielerisch konnte dieses Match nicht mit dem der Hamburger gegen Turin mithalten, doch zumindest dramatisch wurde es mit zunehmender Spieldauer wieder. Beide Mannschaften bewiesen Moral, als sie Rückstände in Vorsprünge verwandelten. In der zweiten Hälfte wurde das zunächst zerfahrene Spiel flotter und flüssiger. Dass die Dortmunder am Ende gewannen, war aufgrund ihrer leichten Überlegenheit verdient. Trainer Matthias Sammer hat seine Elf vorerst in der Spitzengruppe etabliert. 
Andreas Lesch

Taktik:
Hamburger SV
In der Abwehr stellte Trainer Frank Pagelsdorf sein Team taktisch um. Statt der gewohnten Dreierkette ließ er vier Spieler auf einer Linie verteidigen: Hertzsch links, in der Innnenverteidigung Hoogma und Panadic, rechts Fukal. Vor Kovac, der im defensiven Mittelfeld für Ordnung sorgte, spielten Cardoso und Töfting. Im Angriffszentrum wirbelte Barbarez, auf den Flügeln Ketelaer und Mahdavikia. Nach der Pause spielte Fischer für Fukal und rückte ins rechte Mittelfeld, Töfting orientierte sich nach links. Als Yeboah für Cardoso kam, rückte Barbarez auf die Spielmacherposition. 

Borussia Dortmund
Bei den Gästen spielte Heinrich einen klassischen Libero hinter der Abwehr. Vorstopper Metzelder kämpfte gegen Barbarez, daneben agierten links Dede und rechts Wörns. Im zentralen Mittelfeld standen Stevic und Oliseh, davor Addo als Spielmacher. Ricken und Evanilson besetzten die linke und rechte Außenbahn. Die einzige Spitze hieß Herrlich. In der Schlussphase kam Reina für Ricken und rückte in den Angriff. 


 
dpa meldet:
Dortmund holte HSV mit 3:2-Sieg von Wolke sieben

Hamburg (dpa) - Borussia Dortmund hat den Hamburger SV drei Tage nach seiner Gala in der Champions League brutal in die Realität zurückgeholt. Im Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga bezwangen die Westfalen am Samstag die Hanseaten mit 3:2 (1:1).

Die vor allem in der ersten Halbzeit überlegenen Dortmunder gingen durch Otto Addo (31.) nach einem kapitalen Schnitzer der Hamburger in Führung. Der in dieser Saison als Serientorschütze tätige Sergej Barbarez brachte die Gastgeber allerdings mit einem Doppelschlag (44., 49.) in Führung. Doch Dortmund antworte ebenfalls mit einem Doppelschlag: Heiko Herrlich traf in der 75. Minute und verwandelte zudem einen Elfmeter fünf Minuten später.

46 694 Zuschauer erkannten ihren HSV in der ersten Halbzeit nicht wieder. Die Gastgeber konnten nicht an ihre beeindruckende Leistung gegen Juventus Turin anknüpfen. Zu vieles blieb Stückwerk. Die auf drei Positionen veränderten Hamburger fanden nur schwer ins Spiel gegen die agileren Dortmunder. Vor allem auf den Außenpositionen wurden die verletzten Martin Groth (Rippenbruch) und Bernd Hollerbach (Oberschenkelzerrung) schmerzlich vermisst. Im Sturm erhielt Anthony Yeboah, der gegen Turin nach siebenmonatiger Flaute endlich wieder einmal getroffen hatte, zunächst eine Pause. «Wir können nicht immer Champions League feiern. Unser täglich Brot heißt Bundesliga. Da müssen wir erfolgreich sein», hatte HSV-Mittelfeldspieler Niko Kovac vor dem Anpfiff gefordert. Doch es kam anders.

Die Dortmunder hatten Mitte des ersten Abschnitts die Initiative an sich gerissen und erwischten die Gastgeber kalt mit einem von Addo vollendeten Konter zum 0:1. Vorausgegangen war ein eklatanter Fehlpass von Ingo Hertzsch auf der linken Abwehrseite. Der zum Nationalmannschaftskader gehörende Sachse hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt. Verteidiger Milan Fukal, der mit 5,7 Millionen Mark teuerste Einkauf in der HSV-Geschichte, war ebenfalls eine große Enttäuschung.

Dagegen sorgten die Dortmunder vor allem über den Brasilianer Evanilson für gefährliche Attacken. Die größte Chance vor der Pause vergab Lars Ricken, als er den Ball mit der Hacke nur wenige Zentimeter am Pfosten vorbeistieß (37.). Die Hamburger wendeten das Blatt allerdings zunächst mit zwei Traum-Dubletten zwischen Mehdi Mahdavikia und Sergej Barbarez, die der bosnische Nationalspieler zu zwei Kopfballtoren nutzte. Einen Tag vor seinem 29. Geburtstag schraubte er sein Torkonto damit auf fünf Treffer.

Doch der HSV-Zwischenspurt dauerte nicht lange. Die beweglicheren Dortmunder stürzten die HSV-Abwehr in eine Verlegenheit nach der anderen. Zunächst nutzte der überragende Herrlich die Konfusion zum 2:2, dann brachte Hertzsch den eingewechselten Giuseppe Reina im Strafraum zu Fall. Den Elfmeter verwandelte Herrlich gegen Torwart- Torjäger Hans-Jörg Butt zu seinem sechsten Saisontreffer souverän. Letztlich waren die Gäste dem 4:2 mit zwei weiteren Großchancen (Herrlich/86., Stevic an den Pfosten/87.) wesentlich näher als der HSV dem Ausgleich.


 
kicker meldet: 
Dritter Auswärtssieg in Folge - Dortmund nicht zu stoppen 

Gegenüber den Champions-League-Spiel gegen Juventus Turin (4:4) änderte HSV-Coach Pagelsdorf sein Team auf drei Positionen. Für Yeboah, Groth und Hollerbach rückten Ketelaer, Töfting und Fukal in die Startformation. Die Dortmunder mussten auf Jürgen Kohler verzichten, Lars Ricken erhielt wieder einmal eine Chance von Anfang an.

In der ersten Hälfte dominierten die Dortmunder die kampfbetonte Partie, die von vielen Zweikämpfen im Mittelfeld geprägt war. Die Führung der Dortmunder entstand aus einem bösen Schnitzer in der Hamburger Hintermannschaft. Ingo Hertzsch verlor den Ball an Otto Addo, der alleine auf Jörg Butt zulief und dem HSV-Keeper keine Abwehrchance ließ (32.). Nur fünf Minuten später hatte Lars Ricken die große Chance, die Führung auszubauen. Nach einer Flanke steht er völlig alleine am Fünfmeterraum, trifft den Ball aber nicht richtig, so dass die Kugel am Pfosten vorbei geht.

Sekunden vor dem Wechsel dann der überraschende Ausgleich für die Hamburger. Mitten in die Dortmunder Drangperiode setzt sich der Ex-Dortmunder Sergej Barbarez, nach einer schönen Flanke von Mehdi Mahdavikia, gegen Metzelder durch und markiert das 1:1 (45.).

Direkt nach dem Wiederanpfiff hatte Lars Ricken wieder eine Großchance zur erneuten Gäste-Führung, doch Jörg Butt parierte seinen Kopfball mit einer Glanztat (47.). 

Wenig später schlägt erneut Barbarez zu. Wieder setzte sich der Bosnier gegen Metzelder durch und erzielte seinen zweiten Kopfball-Treffer.

Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Da die Dortmunder die Offensive verstärkten, kam der HSV immer wieder zu Kontermöglichkeiten. Aber auch die Gäste blieben brandgefährlich. Eine schöne Flanke des eingewechselten Reina vollstreckte Heiko Herrlich zum Ausgleich (76.).

Fünf Minuten später dann die Entscheidung. Unglücksrabe Ingo Hertzsch reißt Giuseppe Reina im Strafraum um und Schiedsrichter Heynemann entschied auf Elfmeter. Heiko Herrlich ließ Jörg Butt keine Abwehrmöglichkeit und sicherte dem BVB mit seinem zweiten Treffer den dritten Auswärtssieg in Folge. 

Analyse  
 
Personal: Beim HSV rückten drei Tage nach dem 4:4 gegen Turin Fukal, Ketelaer und Töfting für den ausgelaugten Yeboah sowie die verletzten Groth (Rippenbruch) und Hollerbach (Oberschenkel-Zerrung) in die Startformation. Auf Seiten der Gäste fiel Jürgen Kohler kurzfristig wegen Blockierung eines Halswirbels aus, Lars Ricken durfte in der laufenden Bundesliga-Runde erstmals von Beginn an ran.

Taktik: Weil mit Groth und Hollerbach die etatmäßigen Flügelspieler im Mittelfeld fehlten, stellte HSV-Coach Pagelsdorf auf eine Vierer-Abwehrkette um. Ein taktischer Fehlschlag, da sich die gelernten Manndecker Fukal und Hertzsch als ungeeignet für die Besetzung der Außenbahnen erwiesen. Folgerichtig mangelte es im Mittelfeld an Anspielstationen, Ketelaer und Mahdavikia hatten als nominelle Außenstürmer über Gebühr hohes Laufpensum nach hinten zu verrichten.

BVB-Trainer Sammer setzte wie wie beim 2:1 in Bremen erneut auf drei Manndecker und den auf gleicher Höhe agierenden Libero Heinrich. Innerhalb dieses Abwehrverbandes rückte nach Kohlers Ausfall Metzelder gegen HSV-Speerspitze Barbarez in die Zentrale, Dede übernahm die linke Abwehrseite (gegen Mahdavikia). Im Angriff schaltete sich Otto Addo immer wieder als zweite Spitze neben Herrlich ein. Dafür blieben die Außen Evanilson (rechts) und Ricken deutlich defensiver. Im zentralen Mittelfeld war Stevic erneut mit der Bewachung des gegnerischen Spielmachers (Cardoso) betraut.

Spielverlauf: In einer bis dahin ausgeglichenen, guten Partie führte ein krasser Fehler von Hertzsch zum 0:1 durch Addo. Wenig später hätte Ricken die Gäste-Führung ausbauen müssen, verstolperte aber aus drei Metern. Jeweils kurz vor und nach der Pause traf Barbarez per Kopf für den HSV, insbesondere beim zweiten Tor zahlte Shooting-Star Metzelder Lehrgeld. Gegen Ende indes ließen bei Hamburg Kraft und Konzentration nach, was der BVB noch zur Wende nutzte.

Fazit: Mit Dortmund setzte sich die geschlossenere und zielstrebigere Mannschaft verdient durch. 

Die Höhepunkte des Spiels:
Schlusspfiff
89. Minute: Dortmund hat weiter riesen Chancen, doch Herrlich und Stevic scheitern an Butt.
81. Minute: Erneute Führung für die Gäste! Ingo Hertzsch reißt Reina im Strafraum um - Elfmeter. Herrlich verlädt Butt und der HSV liegt wieder zurück.
76. Minute: Kaum eingewechselt bereitet Giuseppe Reina den Ausgleich vor. Metzelder lässt seine Flanke geschickt zu Herrlich durch, so dass der BVB-Stürmer keine Mühe hat Jörg Butt zu überwinden.
56. Minute: Wieder die Borussia gefährlich: Butt verkürzt den Winkel geschickt gegen Dede und pariert.
49. Minute: Erneut trifft Barbarez gegen seine Ex-Kollegen! Wieder setzt sich der Bosnier im Kopfball gegen Metzelder durch und erzielt die überraschende Führung für die Gastgeber.
47. Minute: Direkt nach dem Wiederanpfiff die nächste Großchance für Lars Ricken. Jörg Butt pariert den Kopfball mit einer Glanztat.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
45. Minute: Mitten in die Dortmunder Drangperiode plötzlich der Ausgleich für den HSV. Nach einer schönen Flanke von Mehdi Mahdavikia setzt sich der Ex-Dortmunder Barbarez gegen Metzelder durch und es steht 1:1!
37. Minute: Riesenchance zum 2:0 für den BVB. Nach einer Flanke steht Lars Ricken völlig alleine am Fünfmeterraum, trifft den Ball aber nicht richtig, so dass die Kugel am Pfosten vorbei geht.
32. Minute: Böser Fehler von Ingo Hertzsch! Der Defensivmann verliert den Ball gegen Addo, Evanilson passt auf Addo zurück, der unaufhaltsam auf Butt zuläuft und dem HSV-Keeper Butt keine Chance lässt.
22. Minute: Erste gefährliche Situation im Volkspark: Nach einer Flanke von Cardoso kommt Neuzugang Fukal am zweiten Pfosten an den Ball, sein Schuss wird aber von Evanilson abgeblockt.
Anpfiff