Bundesliga 2000/2001, Samstag, 21.10.00 um 15:30 Uhr in Hamburg bei bedeckten 16 Grad  C 

Hamburger SV - SG Eintracht Frankfurt 2:0 (1:0)

Es war nun doch wirklich ein besonderer Nachmittag an diesem Spieltag. Die außergewöhnlichste Meldung erreichte als wir auf den Parkplatz vorm Stadion einbogen. Christoph Daums Haaranalyse wurde positiv getestet. Er hat also Drogen genommen. Er wurde mit sofortiger Wirkung von seinem Amt bei Bayer 04 Leverkusen entbunden und wird natürlich auch nicht mehr Bundestrainer.

Als wir das so gegen 15:05 hörten auf NDR2 war ich richtig fassungslos. Meine beiden Mitfahrer nahmen da zuerst so sprachlos hin. Ich dachte schon wirklich, es sei eine Verarschung, denn das kann doch gar nicht sein, daß jemand freiwillig eine Haaranalyse machen läßt, wenn er doch wissen muß, daß das Ergebnis positiv sein wird. Da aber nicht der 1. April ist, mußte die Meldung wohl korrekt sein und das war für mich ein echter Schock. Naja, das wir ja jetzt wochenlang wieder die Zeitungen füllen und so wird die „Affäre Daum“ wohl doch noch ein ganz unrühmliches Ende finden. Das ändern allerdings meiner Meinung nach NICHTS am schäbigen Verhalten von Hoeneß, der ohne jeden Beweis eine Diskussion in Gange gebracht hat.

Nun wieder zum HSV. „Natürlich“ kamen wir mal wieder auf die letzte Minute, aber immerhin saß ich beim Anstoß dann doch noch gerade so auf meinem Platz. 

Was hatten wir heute zu erwarten ? Wieder Hurra-Stil oder die betont defensive Variante ? 

Es wurde dann doch tatsächlich mal eine Mischung. Vom Hurra-Stil waren wir weit entfernt, aber betont defensiv haben wir auch keinesfalls gespielt. Dazu gaben die Frankfurter Mannen um Trainer Felix Magath und Co Manni Kaltz auch keinen Anlaß. So einen harmlosen Gegner gab es nun wirklich lange nicht im Volkspark.

Ich über lege nun seit Spielschluß, aber es fällt mir beim besten Willen NICHT EIN EINZIGER Schuß der Eintracht ein, der von Butt gehalten werden mußte. Eventuell gab es mal einen völlig ungefährlichen Fernschuß, aber da bin ich mir nicht mal ganz sicher, ob mein leckendes Hirn da nicht wieder etwas durcheinander bringt.

Natürlich hätte Eintracht schon ein Tor machen können, aber die gaaaanz wenigen Chancen setzten sie dann eben neben den Kasten. Als beste Chance fällt mir da noch so eine Art Seit-Fall-Rückzieher von Reichenberger nach einer Flanke von rechts ein. Den Ball hätte Butt nicht aus dem langen Eck fischen können, aber auch dieser Ball ging meterweit vorbei.

Während Eintracht zu Anfang des Spiels wenigstens noch mal ansatzweise so etwas wie Gefahr aufblitzen ließ, war es damit spätestens nach unserem 1:0 völlig vorbei. Nachdem wir schon vorher mehrere gute Kopfballchancen durch Yeboah und ? hatten, nutzte letztendlich Barbarez seine Chance und köpfte den Ball zum 1:0 in´s Netz. Dabei stand er bei der sehr schönen Flanke von Hollerbach aber auch so sträflich frei, daß es schon eine „Todsünde“ gewesen wäre, diese Flanke nicht zu vollstrecken.

Dazu eine kleine Story am Rande: Ich bin ja rein spielerisch nicht von Barbarez überzeugt. Obwohl mir klar ist, daß er Cardoso auch beim besten Willen nicht ersetzen könnte, so ärgere ich mich auch so des öfteren über Sergej´s halbherzige Pässe. Er spielt oft so „luschihaft“ ab, daß der Gegner mühelos dazwischen gehen kann. Auch gestern tat er das mehrmals in der 1. Halbzeit und gefiel mir daher gar nicht. Trotzdem sehe ich natürlich, daß er ein erstklassiger Vollstrecker ist, den man zwar manchmal kaum sieht im Spiel, dann aber doch im richtigen Moment am richtigen Platz steht. Vor dem Spiel waren es 7 Tore in 8 Spielen (jetzt 8 in 9) und das spricht nun einmal für sich. 

Jedenfalls ergibt sich daraus ein lustiger Streit zwischen mir und meinem Kumpel Kuno, der Barbarez noch viel negativer sieht als ich. Der meint nämlich, daß Sergej unser Spiel total zerstört und daß seine Tore das nicht aufwerten. Ich glaube, daß er trotz der vielen Tore ihn lieber nicht auf dem Platz sehen würde.

Wir, seine Sitzplatznachbarn, wissen natürlich um diese Meinung und mußten daher beim Tor doppelt grinsen ;-) Kuno setzte sich dann beim Torjubel auch schnell wieder, was aber zu sehr vielen Tätscheleien an seinem Cap führte. Wir wollten ihn doch alle nochmal besonders „herzen“. Was doch mal wieder geil von Sergej, oder Kuno ? ;-)))

So ging es denn in die 2. Halbzeit und hier ließ die Eintracht nun wirklich jede Torgefahr vermissen. Der HSV spielte immer munter nach vorne, aber eben auch nicht so drückend und wild auf ein Tor aus, wie es sonst schon häufig in dieser Saison der Fall war.

Besonders positiv fiel dabei in der 2. Halbzeit die Hereinnahme von Marcel Ketelaer für den (meiner Meinung nach) schwachen Marek Heinz auf. Ketelaer war an fast jeder gefährlichen Szene beteiligt. Besonders fällt mir da eine flache, scharfe Flanke vor´s Tor ein, die Rasijewski gerade noch im Fallen vor Präger klären konnte und zweit Chancen von Ketelaer selbst.

Ketelaers Chancen waren allerdings erst nach dem 2:0. Auch zu diesem leistete Ketelaer die Vorarbeit per Eckstoß. Den servierte er direkt auf Niko Kovac, der sich gegen zwei !! Frankfurter durchsetze und den Ball per Kopf ins Netz wuchtete. Schönes 2:0 und damit auch der endgültige Todesstoß für die Eintracht.

Wie ich später im TV sah, weinte Kovac nach diesem Treffer. Im Interview sagte er später, daß es nun mal wichtigeres gebe als Fußball und daß er dieses Tor seiner Mama widmet, die wohl im Krankenhaus ist. 
Auch wenn der Anlaß negativ ist, so freut es mich doch, wenn Spieler im oft so kalt wirkenden Bundesliga-Geschäft auch mal Gefühle zeigen, denn das macht sie oft sympathischer als das 24.Tor  o.ä.  !

Nun aber noch zu Ketelaers beiden Chancen, die wohl die erwähnenswertesten der 2. Halbzeit sind. Einmal wurde er auf der rechten Seite steil geschickt. Er lief von rechts in den Strafraum und spielte dabei geschickt, zur Mitte ziehend, auch noch einen Verteidiger aus. Dann stand er quasi völlig frei vor TW Heinen, aber drosch diesem den Ball leider nur an den Körper. Schade, wäre ein sehr schönes Tor gewesen.

Und dann gab Ketelaer quasi mit Spielschluß Heinen noch einmal die Chance, sich auszuzeichnen. Nach schönem Einsatz vom heute wiedererstarkten Präger und guter Weiterleitung vom eingewechselten Doll schoß Marcel direkt vom linken Strafraum-Eck mit dem Außenwrist in Richtung rechtes Toreck. Da konnte Heinen mit einer sehr schönen Flugeinlage glänzen.

Das war´s dann auch. Der HSV gewann dieses Spiel meiner Meinung nach vollkommen verdient und auch so gut wie ungefährdet.

Meine Spielerbewertung:

Butt: Bekam nicht eine Chance, sich auszuzeichnen: Note 3

Hoogma: durfte sich gestern auch mal wieder in den Angriff einschalten und gefiel mir dabei sehr gut: Note 2

Panadic: hinten wurde wirklich kein Verteidiger des HSV richtig gefordert. Da blieb für die meist hinten bleibenden Pana und Hertzsch kaum Chance, sich auszuzeichnen: Note 3

Hertzsch: siehe Panadic. Ging zwar auch mal mit nach vorne, aber ich habe inzwischen doch zu oft Angst bei seinen Pässen in der Abwehr. Da muß er erstmal eine ganze Zeit lang wieder fehlerfrei passen.: Note 3

Kovac: einer der besten auf dem Platz. Hat seine sehr gute Leistung mit dem Tor zum 2:0 vollendet: Note 2

Töfting: Licht und Schatten. Einige dumme Fehler im Vorwärtsgang. Dafür macht er aber im Rückwärtsgang meist alles richtig. Müßte sich bei den Abspielen manchmal besser konzentrieren: Note 3-

Hollerbach: Solide und recht unauffällig. Aber gute Vorarbeit zum 1:0 : Note 3

Barbarez: in der ersten Halbzeit wieder einige fast katastrophale Ballverluste. Die gab es aber in der 2. Halbzeit dann nicht mehr. Aber der Junge trifft einfach immer. Im Spiel fällt er dafür kaum aus: Note 3

Präger: konnte endlich wieder an die letztjährige Leistungsstärke anknüpfen: Note 3

Heinz: blieb ganz blaß. Er hat ohne Zweifel viel Talent, aber er muß sich hier und da auch einmal weniger um den Ball drehen. Beim Spiel gegen Frankfurt hatte es zumindest etwas von „brotloser Kunst“: Note 4

Ketelaer (kam für Heinz): War, nach etwas überlegen, für mich der beste Mann auf dem Platz, denn er war maßgeblich an fast jeder guten Aktion in der 2. Halbzeit beteiligt: Note 1

Yeboah: hat gestern eigentlich mal wieder seine Kritiker widerlegt. Er hat Torchancen gehabt, sich Bälle erarbeitet und grätschte sogar mehrfach den Gegnern die Bälle ab. So ist Yeboah ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft: Note 3

Schiedsrichter Fröhlich: leitete die Partie recht souverän. Ich habe mich eigentlich nie richtig über ihn aufgeregt. Sogar jede gelbe Karte habe ich verstanden.: Note  2

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.


Sport1 meldet: 

Telegramm 
TORE :   1:0 Sergej Barbarez (36.), 2:0 Niko Kovac (69.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Sergej Barbarez (34.), Andrej Panadic (38.), Bernd Hollerbach (56.)
Eintracht Frankfurt: Jens Rasiejewski (1.)

SCHIEDSRICHTER :  Lutz Michael Fröhlich 
ZUSCHAUER :  41,250 
DATUM :  21.10.00   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Ingo Hertzsch, Nico Jan Hoogma, Niko Kovac, Andrej Panadic, Stig Töfting, Roy Präger, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Marek Heinz, Anthony Yeboah

Eintracht Frankfurt: Dirk Heinen, Jens Rasiejewski, Petr Houbtchev, Markus Lösch, Torsten Kracht, Alexander Kutschera, Sasa Ciric, Horst Heldt, Rolf-Christel Guie-Mien, Alexander Schur, Thomas Reichenberger

WECHSEL 
Hamburger SV: Marcel Ketelaer für Marek Heinz (53.), Thomas Doll für Anthony Yeboah (85.)
Eintracht Frankfurt: Christoph Preuß für Markus Lösch (23.), Jan-Aage Fjörtoft für Sasa Ciric (66.)

Hamburger SV nun auf Platz fünf

Der Hamburger SV überzeugte endlich einmal auf der ganzen Linie und schob sich auf den fünften Tabellenplatz vor. Durch einen überzeugenden 3:0 Sieg gegen Eintracht Frankfurt sicherte sich der HSV den Anschluss zur Tabellenspitze und den Champions League Plätzen.
Barbarez überragend

Sergej Barbarez machte ein hervorragendes Spiel und erzielte in der 31. Minute seinen bereits achten Saisontreffer. Der Bosnier kam für den verletzten Cardoso als Spielmacher zum Zuge und dirigierte das Spiel in glänzender Manier. Er setzte die Außenstürmer Präger und Heinz immer wieder gut in Szene und suchte selbst den Torabschluss.

Als die Eintracht Mitte der zweiten Halbzeit auf den Ausgleich drängte, war es Barbarez, der die Hamburger nach vorne trieb, um die Entscheidung herbeizuführen. Kovac und Hollerbach zeigten im defensiven Mittelfeld ebenfalls eine starke Leistung. 

Kovac auch in Offensive stark
Die beiden Mittelfeldspieler arbeiteten aber auch nach vorne mit und waren an beiden Toren beteiligt. Hollerbach bereitete mit einer schönen Flanke das 1:0 durch Barbarez vor, und Kovac sorgte mit seinem Kopfballtreffer in der 69. Minute für den 2:0-Endstand.

Auch die in den letzten Wochen arg gebeutelte Abwehr spielte diesmal beinahe fehlerlos. Sehr konzentriert und kompromisslos in den Zweikämpfen gestatteten sie den Frankfurter Angreifern nur wenig Platz.

Frankfurt in der zweiten Halbzeit harmlos
Die Eintracht spielte in der ersten Halbzeit gut mit und hatte durch Ciric und Reichenberger gute Chancen. Im zweiten Durchgang kam dann aber der Bruch im Spiel der Hessen. Es gelang ihnen nahezu nichts mehr und so blieben Tormöglichkeiten Mangelware.

Die Frankfurter beendeten auch ihr fünftes Auswärtsspiel ohne Sieg und fielen auf den zehnten Tabellenplatz zurück.

Daten
Fakten:
Die Hessen in Hamburg willkommen 
Gegen keine andere Bundesligamannschaft siegte der HSV im heimischen Stadion häufiger als gegen die Hessen. Bei 36 Heimspielen gingen die Hamburger 25-mal als Sieger vom Platz und auch ihre Tordifferenz ist daheim gegen keinen anderen Verein besser (+48). Von den letzten sechs Heimspielen gegen die Eintracht gewann Hamburg dabei fünf. 

In der Fremde nichts zu holen 
Auswärts ist für die Hessen in letzter Zeit wenig zu holen. In ihren bisherigen fünf Saisonspielen errangen sie lediglich ein mickriges Pünktchen. Saisonübergreifend hat die Eintracht nun sogar sieben der letzten acht Auswärtsspiele verloren, fünf davon zu Null.

Unveränderte Formation 
Zum ersten Mal seit dem Februar lief der HSV in zwei aufeinander folgenden Bundesligaspielen wieder mit unveränderter Formation auf. Gegenüber dem Spiel in Athen ersetzte hingegen Roy Präger Martin Groth und Pagelsdorf kehrte damit in der Bundesliga zu seinem so erfolgreichen Drei-Mann-Sturm zurück. 

Frankfurt harmlos 
Lediglich zwei ihrer elf Tore erzielte die Eintracht in ihren fünf Auswärtsspielen und auch die Defensive wackelt vorwiegend auswärts. 13 ihrer 14 Gegentore kassierten sie fern der Heimat. Keine Mannschaft schoss im bisherigen Saisonverlauf weniger Tore in der Fremde. Saisonübergreifend hat die Mannschaft von Felix Magath sogar nur drei Treffer in ihren letzten neun Auswärtsspielen erzielt.

Schlaglichter:
Wieder starker Kovac 
Niko Kovac wurde im bisherigen Verlauf dieser Saison mehr gefordert, als alle anderen HSV-Spieler. Inklusive den Länderspielen für Kroatien bestritt er heute schon sein 18. Pflichtspiel. Auch gegen die Eintracht war er dabei wieder einer der Besten. Zweikampfstark und torgefährlich präsentierte sich der Kroate und erzielte dabei schon sein drittes Saisontor. 

Zweikampfstarke Frankfurter 
Enorm zweikampfstark präsentiert sich die Eintracht in Hamburg. Starke 64% ihrer Duelle entschieden die Frankfurter in der ersten Halbzeit für sich. In der zweiten Hälfte ließen sie ein wenig nach, konnten im ganzen Spiel jedoch immer noch 56% ihrer Duelle gewinnen. Gerade für die Eintracht eine beachtliche Quote, die bisher die zweikampfschwächste Mannschaft der Liga war. Genützt hat es ihnen gegen den HSV jedoch wenig. 

Eintracht an Harmlosigkeit kaum zu überbieten 
Ganze fünf Torschüsse gab die Eintracht beim HSV ab, davon entfielen alleine vier auf die ersten 20 Minuten. In der zweiten Halbzeit kamen die ungefährlichen Hessen lediglich noch zu einem Torschuss. Schon in ihren letzten beiden Auswärtsspielen konnte die Eintracht jeweils nur fünf Torschüsse abgeben. 

Torjäger Barbarez 
Der Toptorjäger dieser Bundesligasaison ist bisher Sergej Barbarez. Gegen Frankfurt erzielte er schon sein achtes Saisontor für den HSV. Die Hälfte seiner Tore erzielte er dabei per Kopf - auch das ist Ligabestleistung. 

Ciric wirkungslos 
Endlich durfte Sasa Ciric wider von Beginn auflaufen. Gegen gegen den HSV war er jedoch kaum im Spiel. An keinem einzigen Torschuss war der Mazedonier beteiligt und hatte bis zu seiner berechtigten Auswechslung auch die wenigsten Ballkontakte auf Seiten der Eintracht. 

Topspieler Sergej Barbarez, HSV:
Sergej Barbarez war der überragende Mann auf dem Platz. Er ersetzte den verletzten Spielmacher Rodolfo Cardoso glänzend und gab die Impulse. Der Bosnier trieb seine Mannschaft zum richtigen Zeitpunkt nach vorne und sorgte dafür, dass sich der HSV das Spiel nicht mehr aus den Händen reißen ließ. Barbarez erzielte auch das wichtige 1:0 - es war sein achter Treffer im neunten Spiel. 

Spielwertung: 2 Bälle (von 4 möglichen)

Kommentar:
Der Hamburger SV überzeugte spielerisch und bot auch in der Abwehr eine überzeugende Leistung. Die "Schießbude" der Liga blieb diesmal ohne Gegentor. Angetrieben von einem überragendem Sergej Barbarez kam der HSV zu einem nie gefährdeten Heimsieg. Die Eintracht spielte zunächst ordentlich mit, war in der zweiten Halbzeit dann aber zu passiv und konnte sich keine nennenswerten Chancen mehr erarbeiten.
Oliver Hochedez 

Taktik:
HSV: Hamburg wie gewohnt mit drei Spitzen. Roy Präger ersetzte den zum Asien-Cup abgestellten Iraner Mehdi Mahdavikia und Marek Heinz kam für Marcel Ketelaer zum Zug. Barbarez spielte für den gesperrten Rodolfo Cardoso als Spielmacher - und das überragend. Im defensiven Mittelfeld ließen Kovac (zentral) und Töfting sowie Hollerbach (links) nichts anbrennen und schalteten sich immer wieder in den Angriff ein. Die Abwehr stand konzentriert und kompakt und ließ nur wenige Chancen der Frankfurter zu. 

Eintracht Frankfurt: Frankfurt eher klassisch mit Libero (Houbtchev) und davor mit einer Dreierkette (Rasiejewski, Kracht, Kutschera). Guie-Mien spielte für den gesperrten Wimmer auf rechts. Heldt agierte wie gewohnt hinter den Spitzen Ciric und Reichenberger. Die Eintracht war im Sturm zu harmlos. Ciric vergab seine einzige Chance, zugleich die größte für die Frankfurter im ganzen Spiel, und wurde in der 66. Minute für Fjörtoft ausgewechselt. Aber auch der Norweger konnte dem Angriffsspielspiel der Eintracht keine entscheidenden Impulse geben. Die Hessen versuchten zwar über die Außen zum Erfolg zu kommen, doch das gelang ihnen nur in der ersten Halbzeit - ansatzweise.

Stimmen
Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburger SV): 
"Wir haben lange gebraucht, um ins Spiel zu kommen. Glücklicherweise fielen die Tore zum richtigen Zeitpunkt, vor allem der Führungstreffer von Sergej Barbarez. Danach haben wir besser und sicherer kombiniert. Das Ergebnis ist auch nach den klaren Chancenverhältnissen verdient." 

Trainer Felix Magath (Eintracht Frankfurt): 
"Wir waren hier viel zu harmlos. Die Mannschaft hat nahtlos an die Leistungen in den letzten Auswärtsspielen angeschlossen. Wir waren eindeutig die schwächere Mannschaft und haben verdient verloren." 


 
dpa meldet: HSV: 2:0 gegen auswärtsschwache Frankfurter
Von Volker Gundrum, dpa
Hamburg (dpa) - Der Hamburger SV hat sich den Champions- League- Frust von der Seele geschossen. Mit einem 2:0 (1:0) über Eintracht Frankfurt in der Bundesliga haben die in der europäischen Königsklasse erfolglosen Hanseaten Selbstvertrauen getankt. Vor 41 250 Zuschauern im Volksparkstadion erzielten Sergej Barbarez (36.) und Niko Kovac (69.) die Tore. 
Mit dem Erfolg hält der HSV weiterhin Kontakt zur Tabellenspitze. Die Frankfurter indes fügten ihrer Leidensgeschichte auf fremden Plätzen ein weiteres Trauerkapitel hinzu: Seit nunmehr sieben Monaten sind die Hessen auswärts ohne Sieg.

Auf dem in der dreiwöchigen Heimspielpause für 200 000 Mark eilig verlegten neuen Rollrasen im Volksparkstadion zeigten die Gastgeber das druckvollere Spiel, ohne damit zunächst größere Wirkung zu erzielen. "Spielerisch können wir nicht mit dem HSV mithalten. Wir müssen uns über den Kampf Vorteile verschaffen", hatte Trainer Felix Magath vor der Partie angekündigt. Sein Team hielt sich zunächst an die Maßgabe und setzte den Gastgebern vor allem in den Zweikämpfen zu. Mit einem aggressiven Forechecking hatte die Eintracht den HSV aber nur bis zum Seitenwechsel aus dem Konzept gebracht. "Für uns lief es nicht so berauschend. Wir hatten Probleme, nach vorn zu spielen", kommentierte Torschütze Barbarez die erste Halbzeit. Der Bosnier, der im offensiven Mittelfeld eingesetzt wurde, kam zunächst mit seinem Sonderbewacher Alexander Schur gar nicht zurecht.

Dennoch hatten die Hamburger, die nach ihrer vorsichtigen Spielweise im Champions- League- Spiel bei Panathinaikos Athen (0:0) nun wieder mit drei Stürmern (Heinz, Yeboah, Präger) operierten, die besseren Torgelegenheiten. Zunächst verzog Anthony Yeboah den Ball per Kopf zwei Mal (5., 24.), dann fand auch Marek Heinz mit einem Kopfball nicht das Ziel (31.). Die dritte Kopfballchance ließ sich Babarez allerdings nicht entgehen: Bernd Hollerbach flankte und der Bosnier katapultierte den Ball aus Nahdistanz ins linke Eck und traf damit zum achten Mal in dieser Sasion.

Auch der Familienausflug der kompletten Frankfurter Mannschaft mit den Spieler- Ehefrauen in ein Hamburger Romatik- Hotel zeitigte bei den auswärtsschwachen Hessen keinen Erfolg. "Ich bin gern in Hamburg. Ich mag diese Stadt", sagte Eintracht- Trainer Felix Magath, der seine erfolgreichste Zeit als Profi beim HSV verbracht hatte und später bei den Hanseaten als Trainer tätig war. "Aber der HSV war zu stark für uns. Wir waren klar unterlegen."

Das giftige Zweikampfverhalten konnten die Frankfurter in der zweiten Halbzeit nicht mehr durchhalten. Stattdessen präsentierten sich nunmehr die Hamburger aggressiver und hatten mit dem erstarkten Yeboah erneut eine Chance (52.), doch der Kopfball verfehlte knapp das von Dirk Heinen gehütete Eintracht- Tor. Nach einem Eckball des eingewechselten Marcel Ketelaer war Niko Kovac zur Stelle und erzielte das 2:0 - natürlich mit dem Kopf. Der 29- jährige Kroate hatte Tränen in den Augen. "In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel klar bestimmt und verdient gewonnen", sagte HSV- Trainer Frank Pagelsdorf. "Das war ein gutes Zeichen für die Zukunft."


 
kicker meldet: 
Der achte Saisontreffer von Sergej Barbarez sowie ein Kopfballtor von Niko Kovac sicherten dem Hamburger SV drei wichtige Zähler im Kampf um den Anschluss an die Tabellenspitze. Eintracht Frankfurt muss nach der erneuten Auswärtsniederlage weiterhin auf seine Heimstärke bauen.

Auf dem neu verlegten Rollrasen im Volksparkstadion wollte der HSV wieder einmal beherzten Offensivfußball zeigen. Mit den drei Spitzen Präger, Yeboah und Heinz sowie Torjäger Barbarez dahinter sollte Magaths Eintracht am eigenen Strafraum festgenagelt werden. Der aktuelle Eintracht- und frühere HSV-Coach bot mit Ciric und Reichenberger zwei Spitzen auf.

Yeboah bot sich bereits nach gut vier Minuten die erste dicke Torchance für die Hausherren. Per Kopf kam der Ghanaer nach einer Ecke an den Ball, wuchtete das Leder jedoch um Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. Danach hatte die Elf von Frank Pagelsdorf zwar weiterhin mehr Spielanteile, doch auch die Hessen spielten mit. Die Bemühungen beider Mannschaften endeten über weite Strecken der ersten Hälfte allerdings bereits vor dem Strafraum, Torraumszenen blieben Mangelware. Deshalb fiel der Führungstreffer des HSV in der 36. Minute auch wie aus heiterem Himmel, wenngleich verdient. Bernd Hollerbach setzte sich auf der linken Außenbahn gekonnt durch, seine Flanke drückte Sergej Barbarez per Kopf ins linke Eck.

Nach Wiederanpfiff machten die Gastgeber weiter Druck, wollten die frühe Entscheidung erzwingen. Yeboah hatte auch in der 52. Minute die Riesenmöglichkeit zum 2:0, brachte seinen Kopfstoß unbedrängt jedoch wieder nicht im Tor unter. Ausgerechnet der kleine Niko Kovac machte es in der 69. Minute besser. Nach einer Ketelaer-Ecke sprang der kleine Kroate höher als alle hessischen Abwehrspieler und ließ Heinen keine Abwehrchance. Die Gäste steckten zwar bis zum Schlusspfiff nicht auf, Zählbares sprang jedoch nicht mehr heraus. Im Gegenteil: In der Nachspielzeit verhinderte Heinen gegen Ketelaer das 3:0.

Analyse:
Personal: Beim HSV musste der kurzfristige Ausfall von Kapitän Groth (Adduktoren-Verletzung) verkraftet werden, Präger rückte deshalb in die Anfangsformation. Auch die Frankfurter stellten ihr Team, das zuletzt 0:4 bei Schalke 04 verloren hatte, nur notgedrungen um. Ciric und Lösch kamen in die Mannschaft, um die fehlenden Wimmer (Gelb-Rot-Sperre) und Gebhardt (Meniskus-Operation) zu ersetzen. Pech: Ausgerechnet die beiden Neuen im Team mussten während des Spiels verletzt aufgeben, Lösch mit einer Adduktoren-, Ciric mit einer Hüftverletzung.

Taktik: Nach dem misslungenen Defensiv-Experiment beim Champions-League-Spiel in Athen setzte der HSV wieder auf Offensive: Drei echte Spitzen und Torjäger Barbarez direkt dahinter. Für Eintracht der Anlass, eine massive Abwehr aufzubauen. Mit Hubtchev als Ausputzer, drei Manndeckern und dazu Schur und Lösch im defensiven Mittelfeld. Doch nicht nur unter der defensiven Grundeinstellung litt das Frankfurter Angriffsspiel, sondern auch unter der Tatsache, dass die beiden etatmäßigen Außenbahnspieler im Mittelfeld, Wimmer und Gebhardt, fehlten. Vor allem rechts entstand dadurch eine klaffende Lücke, aus der der HSV allerdings zu wenig Kapital schlug. Lediglich bei der Vorbereitung des 1:0 nutzte Hollerbach bestens die Freiheiten, die sich für ihn ergaben.

Spielverlauf: Nur in der ersten halben Stunde war das Spiel - allerdings auf niedrigem Niveau - ausgeglichen. Die Hamburger hatten Probleme, ihren Rhythmus zu finden. Erst nach dem 1:0 entspannte sich das bis dahin verkrampfte HSV-Spiel, glanzvolles gelang den Hanseaten aber auch anschließend nicht. Ihnen reichte eine mäßige Leistung, um den Gegner deutlich zu beherrschen. Die Frankfurter präsentierten sich ohne Selbstvertrauen, ohne Mut, einfallslos im Spiel nach vorn. Ein Regisseur im Mittelfeld fehlte, Reichenberger war vorn meist auf sich allein gestellt, Ciric musste allzu oft im Mittelfeld aushelfen. Kurzum: Eintracht blieb in der Offensive blass, erspielte sich kaum Torchancen. Aber auch die Abwehr offenbarte Schwächen. So gab es bei beiden Gegentreffern Zuordnungsprobleme. Beim 1:0 konnte Barbarez unbedrängt aus sieben Metern einköpfen, beim 2:0 im Anschluss an einen Eckball kam Kovac ebenso frei zum Kopfball.

Fazit: Glanzloser Arbeitssieg des HSV gegen harmlose Frankfurter.

Die Höhepunkte:
Schlusspfiff
74. Minute: Klasse Einzelleistung von Ketelaer. Heinen verhindert mit einer Glanzparade gegen den durchgebrochenen Ex-Gladbacher das 3:0.
69. Minute: 2:0! Ecke Ketelaer, Kopfball Kovac, Heinen geschlagen.
52. Minute: Der HSV will eine frühe Entscheidung erzwingen. Präger flankt von rechts, Yeboah köpft frei stehend übers Tor.
51. Minute: Der Torschütze setzt auch nach der Pause das erste Highlight. Nach einem Sololauf über rechts streicht seine Flanke nur knapp am Tor vorbei.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
36. Minute: 1:0! Überraschend, aber nicht unverdient geht der HSV in Führung. Per Kopf baut Barbarez seine Führung in der Torjägerliste der Bundesliga aus. Sein achter Treffer nach schöner Vorarbeit von Hollerbach.
31. Minute: Lediglich die Standardsituationen beschwören Torszenen herauf im Volksparkstadion. Ein Kopfball von Heinz aus acht Metern nach Eckball geht jedoch weit über den Kasten von Heinen.
24. Minute: Yeboah ist bislang der auffälligste Spieler auf dem Platz. Nach Flanke von Heinz kommt der Routinier erneut per Kopf an den Ball - drüber.
5. Minute: Erste Chance für die Hanseaten: Nach einer Ecke schraubt sich Yeboah am höchsten und köpft aus fünf Metern nur haarscharf am rechten Pfosten vorbei.
1. Minute: Schon nach wenigen Sekunden muss Schiedsrichter Fröhlich Gelb zeigen, nachdem Rasijewski Präger an der Seitenlinie rüde gestoppt hat.
 Anpfiff