Bundesliga 2000/2001, 12. Spieltag, Samstag, 11.11.00 um 15:30 Uhr im Müngersdorfer Stadion in Köln.

1. FC Köln - Hamburger SV 4:2 (2:0)

Jetzt  bin ich gerade erst 10 Minuten aus dem Stadion raus und weiss gar nicht so recht, was ich dazu sagen soll. In der ersten Halbzeit fanden wir überhaupt nicht statt. Bereits nach 20 Minuten führte Köln mit 2:0 und es gelang Ihnen einfach alles. Ihre ersten beiden Chancen verwandelten sich zu Toren. Dabei zeigte sich Ronald Maul von seiner schlechtesten Seite. An beiden Gegentoren war es aus meiner Sicht entscheidend beteiligt, weil er den Rechtsaußen jeweils nur halbherzig störte, sich tölpelhaft anstellte und damit bei beiden Toren bei der Vorbereitung half.

Allerdings war Maul nicht der Allein-Schuldige sondern nur eben herausragend schlecht in einer ganz beschissenen Mannschaft.

Die Kölner hatten zumindest noch 2 weitere sehr gute Chancen, die Butt allerdings vereiteln konnte. Der HSV hatte in der ersten Halbzeit nicht eine einzige Chance, an die ich mich erinnern könnte.

So ging es schließlich mit einem ziemlichen Pfeifkonzert und einem „Wir wollen Euch kämpfen“ sehen in die Halbzeit.

Außerdem „herausragend“ in der ersten Halbzeit waren einige HSV-Fans vor uns, die mir und meinem Kumpel Stefan den Eindruck vermittelten, sie wären nur für den heutigen nachmittag aus einer psychiatrischen Anstalt entlassen worden. Die meisten davon waren halbwüchsige,  die bestenfalls gerade 18 waren. Darunter einer, der sich fortwährend umdrehte, um uns anzupöbeln, was wir doch nur für Fans seien. Ihm gefiel dabei nicht, daß unsere Reihe nicht die ganze Zeit Bock hatte zu stehen auf unsere Sitzplätzen und wir zugegebenermaßen ruhig waren. Der Höhepunkt war aber ein etwas älterer 2m-Klotz. Den habe ich später als den Aufseher der Gehirnamputierten eingestift. Eigentlich übertraf er sie aber deutlich. Er schrie wild um sich, versuchte den Sitz zu zertreten nach dem 0:2, um sich dann endlich hinzusetzen und die Schnauze zu halten. Der kam aber Gott sei dank nicht wieder in der 2. Halbzeit.

Wieder kam allerdings der HSV zur 2. Halbzeit. Und Maul wurde erlöst, indem er für Yeboah ausgewechselt wurde.

Der HSV begann auch gleich etwas druckvoller; doch dann begann der nächste brutale persönliche Schnitzer. Hoogma vertändelte als letzter Mann gegen Lottner den Ball. Der lief allein auf unser Tor zu und ließ sich die Chance nicht nehmen.

0:3. Nun war eigentlich spätestens alles gegessen. Vorher hatte ich ja noch leichte Hoffnung, da der HSV seit einigen Jahren ja doch mal in der Lage ist, auch so einen Rückstand nochmal umzubiegen.

Jedenfalls bemühte sich der HSV weiter und schaffte tatsächlich nach einer schönen Flanke von links von Hertzsch das Anschlußtor zum 1:3. Barabarez köpfte den Ball einmal mehr ein. Und dann sollten wir tatsächlich alle noch einmal Hoffnung bekommen, weil auch endlich Yeboah mal wieder traf. Diesmal kam die Flanke von der rechten Seite von Mahdavikia und es stand nur 7 Minuten nach dem 1:3 nun in der 69. Minute 2:3.

Da keimte echte Hoffnung auf und wir hatten auch durchaus noch die Chance zum Ausgleich. Am besten sah es dabei bei einem weiteren Kopfball von Barbarez aus, der nur knapp am Tor vorbeiköpfte. Den Ball hätte der TW niemals bekommen.

Trotzdem darf man nicht verhehlen, daß auch die Kölner zwischendurch immer wieder Konterchancen hatten, die Butt mehrmals hervorragend parierte. Und irgendwann nutzten die Kölner leider nochmals einen Konter zum 4:2 Endstand.

Dem HSV reichte es nicht, sich wenigstens in der zweiten Halbzeit, ein wenig bemüht zu haben. Ein Unentschieden wäre sogar noch möglich gewesen – ABER: Verdient wäre das wohl kaum gewesen. Die Kölner hatten deutlich mehr und auch bessere Chancen. Und wenn eine Mannschaft eine Halbzeit überhaupt nicht stattfindet, kann man wohl auch nicht mehr viel erwarten.

Erfreulich war einzig die Moral der Mannschaft nach einem 0:3-Rückstand und daß Butt endlich mal wieder mehrere gute Bälle halten konnte.

Ansonsten wird es mir wohl ein Rätsel bleiben, weshalb der HSV in der 1. Halbzeit so gar nichts gezeigt hat.

Meine Spielerbewertung:

Dazu muß ich zunächst mal sagen, daß für die 1. Halbzeit alle Feldspieler eine glatte 6 verdient haben. Außer Maul, der eine 7 verdient hätte. Einzig Butt konnte da eine normale Leistung bringen.

Die Bewertung der Spieler fällt mir daher etwas schwer.

Butt: konnte heute endlich mal wieder eine hochkarätige Chancen entschärfen und war an der Niederlage trotz 4 Gegentoren unschuldiger als alle anderen: Note 2

Hoogma: brutaler Patzer zum 3. Gegentor. Auch vorher und nachher nicht positiv aufgefallen: Note 6

Panadic, Kientz, Hertzsch: Sind mir alle gleichsam wenig positiv aufgefallen. Haben aber zumindest nicht direkt ein Gegentor verschuldet (wenn ich es richtig gesehen habe): Note 5

Maul: Unterirdisch. An den ersten beiden Gegentoren maßgeblich beteiligt und bekam auch sonst gar nichts zu Stande. Eigentlich ist sogar diese Note noch zu gut für ihn: Note 6

Präger, Ketelaer, Barbarez: sind mir allesamt sehr wenig aufgefallen. In der zweiten Halbzeit bemühter als in der ersten, aber trotzdem langt das nicht: Note 5

Mahdavkia, Töfting: gefielen mir etwas besser als der Rest, weil zumindest sie nicht diese brutalen Fehler gemacht haben und sich ein bißchen mehr bemüht haben: Note 4

Yeboah: ich fand, daß mit seiner Einwechslung auch mehr Leben ins Spiel kam. Hat auch endlich mal wieder ein Tor gemacht: Note 3

Bester und Doll: kamen so spät, daß sie nichts entscheidendes mehr verrichten konnten: Note –

Schiedsrichter Albrecht: Ich fand zwar einige Entscheidungen etwas seltsam, aber insgesamt habe ich keine groben Schnitzer erkennen können, die den Spielverlauf irgendwie beeinträchtigt hätten: Note 2 

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 

Telegramm 

TORE :   1:0 Markus Kurth (16.), 2:0 Christian Timm (19.), 3:0 Dirk Lottner (50.), 3:1 Sergej Barbarez (62.), 3:2 Anthony Yeboah (69.), 4:2 Dirk Lottner (87.)

GELBE KARTEN 
1.FC Köln: Jens Keller (29.), Alexander Voigt (37.)
Hamburger SV: Ingo Hertzsch (22.), Roy Präger (37.), Sergej Barbarez (43.), Marcel Ketelaer (63.)

PLATZVERWEISE 
1.FC Köln: Karte gelb/rot für Jens Keller (78.)
Hamburger SV: -

SCHIEDSRICHTER :  Hermann Albrecht 
ZUSCHAUER :  40.000 
DATUM :  11.11.00   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
1.FC Köln: Markus Pröll, Markus Kurth, Matthias Scherz, Janosch Dziwior, Jens Keller, Christian Springer, Dirk Lottner, Thomas Cichon, Christian Timm, Carsten Cullmann, Alexander Voigt

Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Sergej Barbarez, Ronald Maul, Roy Präger, Jochen Kientz, Stig Töfting, Mehdi Mahdavikia, Nico Jan Hoogma, Andrej Panadic, Marcel Ketelaer, Ingo Hertzsch

WECHSEL 
1.FC Köln: Georgi Donkov für Christian Timm (79.), Miroslav Baranek für Markus Kurth (79.), Ralf Hauptmann für Dirk Lottner (88.)
Hamburger SV: Anthony Yeboah für Ronald Maul (46.), Marinus Bester für Nico Jan Hoogma (74.), Thomas Doll für Jochen Kientz (80.)
 

Köln feiert Karnevalsauftakt nach Maß

Der 11.11. ist in Köln ein besonderer Tag. Um elf nach elf beginnt die Karnevalssaison, die Menschen ziehen sich lustige Kostüme an, feiern, tanzen und lachen. Wenn dann am gleichen Tag noch die Fußballer vom 1. FC ihr Bundesliga-Spiel gewinnen, steht einer gigantischen Party nichts mehr im Wege. Die Kölner haben gewonnen, 4:2 gegen den Hamburger SV. Es war ein verdienter Sieg, der noch zu niedrig ausfiel angesichts der vielen ungenutzten Möglichkeiten der Gastgeber. 

Von der ersten Minute an zeigten die Kölner Spieler, dass sie ihren Teil zur Feierstimmung auf der Tribüne beitragen wollten. Munter bestürmten sie das Hamburger Tor - und wurden belohnt. Markus Kurth (16.) erzielte nach einer Vorlage von Matthias Scherz in der 16. Minute das 1:0. Als die Fans sich gerade vom Jubeln erholt hatten, legte Christian Timm nach: 2:0 in der 19. Minute. Beide Treffer wurden über die rechte Angriffsseite der Kölner vorbereitet, Hamburgs Ronald Maul machte dabei keine gute Figur; er wurde später ausgewechselt. 

Butt bewahrt HSV vor Blamage 
Das Publikum reagierte auf die frühen Tore. "Ihr seid nur ein Karnevalsverein" schallte es von den Rängen - gemeint war der HSV. Die Gäste spielten desolat, gewannen kaum einen Zweikampf. In der Abwehr unterliefen ihnen haarsträubende Fehler, im Angriff fehlten ihnen die Ideen. Nur Torhüter Hans-Jörg Butt überzeugte. Seine Glanzparaden bewahrten die Norddeutschen vor einer Blamage. Glück hatten die Hamburger, als Timm nur den Pfosten traf (39.). 

Auch nach der Pause stürmten die Kölner weiter. Kapitän Dirk Lottner erhöhte nach einem katastrophalen Fehlpass von Sergej Barbarez auf 3:0 (50.), seine Mitspieler vergaben weitere Chancen. Die Hamburger schienen geschlagen. Doch plötzlich, als die Kölner einen Moment lang nicht aufpassten, köpfte Barbarez das 3:1 (62.), und Yeboah gelang gar das 3:2 (69.). Das Spiel war wieder offen. 

Lottner erlöst die Fans 
Den Kölnern schwanden die Kräfte, der HSV drängte auf den Ausgleich. Doch mit seinem zweiten Tor erlöste Lottner die Kölner Karnevalsgemeinde (87.). Zwar sagte der stets nüchterne Trainer Ewald Lienen danach, man solle "die Kirche im Dorf lassen". Doch zumindest für die Kölner Fans war dieser 11.11. ein ganz besonderer Tag. 

Daten
Fakten:
Heimstarke Kölner 
Der 1. FC Köln hat momentan im eigenen Stadion einen Lauf. Die letzten drei Heimspiele konnten alle gewonnen werden. Das gab es in der 1. Liga zuletzt vor über fünfeinhalb Jahren - im März 1995.

Auswärtsschwache Hamburger 
Das große Problem der Hamburger in dieser Saison ist die Abwehr. Die Mannschaft von Trainer Frank Pagelsdorf hat jetzt nach zwölf Spieltagen 23 Gegentore auf dem Konto. Nach der Kompletten Hinrunde der letzten Saison waren es vier weniger. Deshalb holten die Hanseaten aus den letzten sechs Gastspielen auch nur einen Sieg.

Starkes Flügelspiel des HSV 
Die beiden Hamburger Tore fielen nach einer Links-Flanke von Ingo Hertzsch und einer Rechts-Flanke von Mehdi Mahdavikia. Insgesamt hat der HSV zehn Treffer nach Flanken erzielt und 20 Tore über die Flügel eingeleitet. Beides ist top in der Liga.

Yeboah trifft wieder 
Anthony Yeboah machte mit dem 2:2-Ausgleich sein erstes Tor in der laufenden Bundesliga-Saison. Zuletzt hatte Yeboah in der Bundesliga vor gut neun Monaten getroffen - am 9. Februar 2000 beim 3:1-Auswärtserfolg in Stuttgart schoss er gleich zwei Tore. In der Königsklasse traf der Ghanaer zuletzt am 24. Oktober beim 3:1-Erfolg in Turin.

Schlaglichter:
Verdienter Erfolg 
Die Kölner waren zwar nicht besonders stark, aber die Hamburger hätten in dieser desolaten Form nicht einmal gegen eine Amateurmannschaft gewonnen. Die Mannschaft von Ewald Lienen war zweikampfstärker und konnte 53% der Duelle für sich entscheiden, auch die Torschussbilanz von 15:11 zeigte die Überlegenheit von Köln an.

Toller Lottner 
Dirk Lottner machte im Kölner Mittelfeld ein starkes Spiel. Er traf nicht nur zweimal selbst, sondern hatte beim FC die meisten Ballkontakte und gab in seinem Team mit vier Torschüssen die meisten ab.

Schwarzer Tag für Maul 
Ronald Maul durfte nach der 0:4-Niederlage in Berlin zum zweiten Mal in der laufenden Saison von Beginn an ran - prompt gab es erneut ein Desaster für den HSV. Maul war an den beiden ersten Gegentoren schuld. Zudem konnte der Mittelfeldspieler nur sehr schwache 33% seiner Duelle gegen den Mann gewinnen und wurde völlig zu Recht von Frank Pagelsdorf in der Halbzeit ausgewechselt.

Starker Scherz 
Matthias Scherz machte im Kölner Trikot ein sehr gutes Spiel und überzeugte in erster Linie durch großen Einsatz und gute Vorarbeit. Der Ex-St. Paulianer bereitete den ersten und den letzten Kölner Treffer vor und bestritt 45 Zweikämpfe; dabei entschied er 56% der Duelle für sich. Damit hat Scherz auf dem Platz die meisten Duelle von allen Spielern bestritten.

Top-Spieler: Dirk Lottner (1. FC Köln)
Was zeichnet einen guten Kapitän aus? Genau. Er ist da, wenn es brenzlig wird. Er krempelt genau dann die Ärmel auf, treibt seine Mitspieler nach vorn - und schießt am besten gleich selbst ein Tor. Demnach ist Dirk Lottner ein guter Kapitän. Denn als seinen Kollegen nach dem 3:2-Anschlusstreffer der Hamburger die Knie schlotterten, stürmte Lottner mit dem Ball auf Torhüter Butt zu und schoss das 4:2. Es war sein zweites Tor an diesem Tag. Eine starke Leistung - wo lagen die Gründe? "Wir waren", sagte Lottner, "in der Karnevalszeit schon immer stark". 
 

Spielwertung: 3 Bälle (von 4 möglichen)

Kommentar:
Die Hamburger waren viel unterwegs in den vergangenen Wochen: Unter der Woche Champions League, am Wochenende Bundesliga. Das kostet Kraft. Und dem HSV fehlen Spieler, wichtige Spieler. Groth, Cardoso und Kovac sind verletzt, Hollerbach gesperrt. Doch all das erklärt nicht eine derart schlechte Leistung wie in Köln. Fast wehrlos nahmen sie die Niederlage hin, nur nach dem 3:2 sah man ein Aufbäumen. Nach dem 5:0 gegen Freiburg jetzt wieder eine Pleite, dem HSV fehlt weiter die Konstanz. Von den letzten sechs Auswärtsspielen gewannen sie nur eins - zu wenig für ein Spitzenteam. 
Die Kölner hingegen bejubelten den dritten Heimsieg in Serie - eine beachtliche Quote für einen Aufsteiger. Sie sprühten vor Spielfreude, wären aber gegen einen stärkeren Gegner wohl an ihrer mangelnden Chancenauswertung gescheitert. 
Andreas Lesch 

Taktik
1. FC Köln:
Die Gastgeber spielten vor Torhüter Pröll und Libero Cichon mit einer Dreierkette: Keller, Dziwior und Cullmann. Im defensiven Mittelfeld räumte Voigt ab, Springer (links) und Scherz (rechts) beackerten die Außenbahnen. Hinter den Spitzen Kurth und Timm agierte Lottner als Spielmacher. Im Laufe des Spiels brachte Trainer Lienen mit Donkov und Baranek zwei Stürmer, dazu Mittelfeldspieler Hauptmann. 

Hamburger SV:
Trainer Pagelsdorf ließ vor Keeper Butt eine Dreierkette auflaufen: Hertzsch, Panadic und Kientz. Hoogma (defensiv) und Präger (offensiv) besetzten die zentralen Mittelfeldpositionen, außen spielten Maul (links) und Töfting (rechts). Vorne stürmten Ketelaer, Barbarez und Mahdavikia. Im Laufe der Partie kamen mit Yeboah und Bester zwei weitere Stürmer, Doll spielte nach seiner Einwechslung im Mittelfeld. 

Stimmen
Trainer Ewald Lienen (1. FC Köln):
"Wir haben die Räume eng gemacht und wollten uns nicht auf eine offene Feldschlacht einlassen. Das ist uns besonders in der ersten Hälfte gelungen. Nach dem 3:0 haben wir nicht mehr konzentriert genug gespielt, das ist gegen eine Mannschaft wie den HSV tödlich. Der Sieg war trotzdem mehr als verdient, auch wenn das Spiel am Ende auf der Kippe stand." 

Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburger SV):
"Wir haben sehr, sehr schlecht angefangen. Wir hatten viele Lücken in der Defensive, Köln hat das mit Kontern genutzt. Es spricht für die Mannschaft, dass sie noch einmal alles auf eine Karte gesetzt hat, aber nach dem Tor zum 4:2 konnten wir nicht mehr zurückkommen." 


 
dpa meldet: Köln 4:2 gegen harmlosen HSV 
Köln (dpa) - Pünktlich zum Karnevalsauftakt brachte der 1. FC Köln seine Fans in glänzende Stimmung: Mit dem 4:2 (2:0) gegen einen harmlosen und restlos enttäuschenden Hamburger SV setzte der Bundesliga-Aufsteiger seine kleine Erfolgsserie fort und ist jetzt schon drei Spiele hintereinander ohne Niederlage. 

Vor 40 000 Zuschauern im Müngersdorfer Stadion schossen Markus Kurth (16. ), sein Sturmpartner Christian Timm (19. ) und zwei Mal Dirk Lottner (49. , 87. ) die Tore für den Gastgeber, der nach einer Gelb- Roten Karte gegen Jens Keller (78. ) in der Schlussphase mit zehn Mann auskommen musste. Sergej Barbarez (62. ) mit seinem neunten Saisontor und Anthony Yeboah (69. ) hatten mit ihren Toren zum zwischenzeitlichen 2:3 bei den Hamburgern Hoffnungen auf ein Remis geweckt. 

Köln präsentierte sich vor allen Dingen in den ersten 45 Minuten lauffreudiger und auch mit zahlreichen vielversprechenden Versuchen, das spielerische Element zu betonen. Hamburg, bei dem sich das Fehlen des verletzten Nico Kovac und des gelbgesperrten Bernd Hollerbach negativ bemerkbar machte, hatte erst in der 54. Minute bei einem Schuss von Marcel Ketelaer die erste vielversprechende Chance. 

Schon vor dem Seitenwechsel hätte der Aufsteiger durch Timm (39. ) und zwei Minuten später durch Alexander Voigt alles klar machen können. Doch Timm scheiterte mit einem Rechtsschuss am linken Pfosten, und Voigt zwang den Hamburger Torhüter Hans-Jörg Butt zu einer Glanzparade. Nach etwa 60 Minuten machte sich bei Köln jedoch ein gewisser Leichtsinn breit, den die Gäste aus Hamburg zu etlichen guten Möglichkeiten nutzen konnten. Nach dem 1:3 durch Barbarez (62. ), der zum neunten Mal in dieser Saison erfolgreich war, hatte Roy Präger in der 67. Minute die Chance zum Anschlusstreffer, doch Markus Pröll wehrte seinen Schuss ab. Zwei Minute später sorgte Anthony Yeboah für Hoffnungen der Hamburger auf einen Punktgewinn. 

Drei Tage nach dem 1:1 in der Champions League gegen La Coruna enttäuschte der HSV, obwohl er in den zweiten 45 Minuten mit Macht auf den Ausgleich drängte. Köln indes durfte sich bei den lange Zeit zu harmlosen Hanseaten bedanken, dass es trotz sich einschleichender Nachlässigkeiten nicht doch noch zum Ausgleich kam. In den letzten Minuten setzte HSV-Trainer Frank Pagelsdorf alles auf eine Karte und brachte Marinus Bester in der 75. Minute für Nico-Jan Hoogma und in der 80. Minute Thomas Doll für Jochen Kientz, doch brachten diese Maßnahmen keinen zählbaren Erfolg mehr. 


 
kicker meldet: 

Zunächst ging Köln mit 3:0 in Führung, dann konnte Hamburg auf 2:3 verkürzen, aber FC-Kapitän Lottner machte in der 87. Minute alles klar.

Trainer Lienen brachte Dziwior für Sichone, der wegen einer Rot-Sperre aussetzen musste. Die Umstellungen beim HSV waren etwas umfangreicher. Hollerbach fehlte wegen einer Gelb-Sperre, Nico Kovac wegen einer Verletzung, die er sich beim Champions-League-Spiel gegen La Coruna zugezogen hatte, und Yeboah blieb auch draußen. Dafür standen Hertzsch, Maul und Ketelaer im Aufgebot. 

Der 1. FC Köln wollte zum Auftakt der Karnevalssaison den Zuschauern attraktiven Fußball bieten. Die Geißböcke suchten von Anfang an das Tor der Hamburger, aber nennenswerte Chancen waren nicht zu verzeichnen. Der HSV hingegen ging das Spiel wesentlich gelassener an. In der ersten Viertelstunde passierte daher nicht allzu viel. Aber dann wurde das Spiel mit einem 2:0-Doppelpack von Kurth (16.) und Timm (19.) spannend. Ein langer Pass von Libero Cichon erreichte Scherz. Maul konnte ihn nicht stoppen, und Scherz spielte in den Fünfmeterraum zu Kurth, der von Hertzsch bedrängt den Ball gerade noch zum 1:0 über die Linie der Hamburger befördern konnte. Nach dem Tor wollte der HSV aufwachen, aber da kam schon der zweite Treffer der Kölner. Diesmal war der andere Stürmer erfolgreich. Zunächst spielte sich Voigt erneut gegen Maul auf der rechten Seite frei. Sein Zuspiel in die Mitte konnte Butt mit der Faust abwehren, aber zu kurz, denn Timm war zur Stelle und traf aus 18 Metern das Tor der Hamburger. Nach diesen aufregenden Szenen verflachte das Spiel wieder. Der HSV versuchte mit einem halbherzigen Offensivspiel Anschluss an den 0:2-Rückstand zu finden, wohingegen die Gastgeber immer wieder mit Konterchancen gefährlich wurden. Timm hatte in der 40. Minute die Möglichkeit, die Führung auszubauen, nachdem Kientz ein Fehler unterlief, aber der Ball knallte gegen den Pfosten. Drei Minuten später war es Voigt, der eine Hereingabe von Timm nutzte, aber Butt wehrte mit einer Glanzparade zur Ecke ab. 

Die zweite Halbzeit begann der FC wieder schwungvoll. Zunächst leistete sich Töfting einen Fehler, aber der Schuss von Kurth war für Butt kein Problem. Der Schlussmann der Hamburger konnte wieder Schlimmeres verhindern. Aber es dauerte nicht lange, da spielte Barbarez im Mittelfeld wieder zum Gegner. Lottner schnappte sich den Ball und ging alleine auf das gegnerische Tor zu. Gegen den präzisen Linksschuss zum 3:0 (49. Minute) des Kölner Kapitäns hatte Butt jedoch keine Chance. Der HSV kam durch Ketelaer in der 52. Minute zur ersten nennenswerten Chance, aber der Ball segelte am Tor vorbei. Aber schon in der 55. Minute wirbelte das Kölner Sturmduo Timm und Kurth die Hamburger Abwehr durcheinander. Butt konnte den Weitschuss von Timm zur Ecke lenken. In der Folge hatten die Kölner gute Konterchancen. Lottner (56.) und Cullmann (61.) nutzten die Gelegenheiten jedoch nicht. In der 62. Minute erzielte Barbarez den 1:3-Anschlusstreffer. Hertzsch flankte von der linken Seite in die Mitte, wo Barbarez frei zum Kopfball kam. Hamburg schöpfte wieder Mut und wurde immer aggressiver. In der 69. Minute verkürzte der HSV zum 2:3. Yeboah, der zu Beginn der zweiten Halbzeit für Maul kam, spielte Mahdavikia frei. Yeboah, inzwischen mitten im Strafraum, nutzte die Flanke und köpfte aus nächster Nähe ins Tor der Gastgeber. Hamburg warf nun alles nach vorne. Als Keller mit einer Gelb-Roten-Karte das Spielfeld verlassen musste, und Trainer Pagelsdorf mit Bester und Doll zwei Offensivleute brachte, wurde die Schlussphase besonders spannend. Aber Lottner machte in der 87. Minute alles klar. Scherz spielte aus halbrechter Position seinen Kapitän frei und dieser verwandelte souverän zum 4:2.

Analyse 

Personal: FC-Trainer Lienen nahm eine personelle Veränderung gegenüber dem 0:0 in Unterhaching vor: Für Sichone (Rot- Sperre) verteidigte Dziwior. HSV- Coach Pagelsdorf wechselte im Vergleich zum 1:1 gegen La Coruna drei Mal: Für Kovac (Oberschenkelzerrung), Hollerbach (Gelb-Sperre) und Yeboah begannen Hertzsch, Maul und Ketelaer.

Taktik: Beim FC agierte Cichon hinter den drei Verteidigern, die die rochierenden HSV-Angreifer übergaben. Bei Ballverlust zog sich der Aufsteiger bis zur Mittellinie zurück und versuchte dann über Konter zum Erfolg zu kommen. Beim HSV rutschte Hoogma in die Kovac-Rolle vor der Abwehr. Da sich Hertzsch um Timm kümmern sollte, der diesmal über links stürmte, wurde Maul durch den offensiven Scherz, der rechts immer wieder in die Spitze stieß, zurück gedrängt. Schon nach wenigen Minuten rückte Barbarez zentral in die Spitze, Präger ins rechte Mittelfeld und Töfting in die Zentrale.

Spielverlauf: Alle Negativ-Attribute würden die Leistung der Gäste in der ersten Halbzeit noch beschönigen. Ohne Aggressivität, Laufbereitschaft und jegliche spielerische Elemente und völlig ungeordnet in der Defensive präsentierte sich der HSV desolat. Maul war auf der linken Seite gegen Scherz wiederholt wie beim 1:0 (nach Traumpaß von Cichon) sowie beim 2:0 gegen Voigt völlig überfordert. Pagelsdorf reagierte, zog Hoogma, der beim 3:0 patzte, in die Abwehr zurück, setzte eine allerdings ebenfalls ungeordnete Viererkette gegen Kölns Offensivschwung. Eine Stunde lang spielte nur der FC: Timm und Scherz waren nie zu fassen, Lottner der Dreh und Angelpunkt.

Erst Cullmanns Ballverlust gegen Ketelaer vor dem 1:3 weckte den HSV auf, bei dem Barbarez nach Yeboahs Einwechslung hinter den Spitzen agierte. Die Gäste warfen alles nach vorne, der FC vergab einige Konter leichtfertig und wackelte nach Yeboahs Anschlusstreffer und Kellers unnötiger Ampelkarte bedenklich.

Fazit: Verdienter Sieg des Aufsteigers gegen einen HSV, der die erste Stunde komplett verschlief. 
 

Höhepunkte des Spiels:
Schlusspfiff
87. Minute: 4:2! Zehn Kölner machen den Sack zu. Bei einem Konter hebelt Scherz mit einem Pass die gesamte Hamburger Abwehr aus. Der Ball kommt zu Lottner, der aus neun Metern unhaltbar ins lange Eck schießt.
74. Minute: Der HSV will es nochmal wissen. Es spielen jetzt sechs nominelle Spitzen.
69. Minute: 3:2! Die Hamburger machen das Spiel wieder spannend. Der eingewechselte Yeboah passt auf Mahdavikia, dieser flankt von halblinks und Yeboah kommt zum Kopfball. Er verwandelt aus sechs Metern unhaltbar für Pröll.
68. Minute: Der freistehende Präger bekommt den Ball, läuft in den Strafraum und schießt aus zehn Metern. Pröll klärt sicher.
62. Minute: 3:1! Der Anschlusstreffer für die Hamburger. Hertsch flankt von der linken Seite in den Strafraum. Der unbedrängte Barbarez verwandelt schulmäßig aus sieben Metern.
61. Minute: Der Kölner Cullmann spielt einen Doppelpass mit Kurth. Der Abwehrspieler schießt aus 18 Metern aber der Ball wird abgefälscht und fliegt in das Toraus.
55. Minute: Wieder eine Chance für den FC. Kurth passt auf Timm. Dieser zieht aus 20 Metern ab und zwingt somit Butt zu einer erneuten Glanzparade.
54. Minute: Die Hamburger versuchen sich zur Wehr zu setzten. Ketelaer setzt sich mit einem gezieltem Dribbling gegen zwei Kölner durch, verzieht jedoch aus 13 Metern.
49. Minute: 3:0! Die Kölner sind kaum zu stoppen. Wieder ein Fehlpass der Hamburger. Diesmal von Barbarez. Der Ball kommt zu Lottner, welcher ganz alleine auf das Tor von Butt zuläuft. Der Kölner verwandelt aus 15 Metern unhaltbar.
47. Minute: Köln beginn den zweiten Durchgang druckvoll. Töfting spielt einen Pass, den Kurth abfängt. Dieser läuft frei auf das HSV-Tor zu und schießt aus 18 Metern, aber Butt hält erneut bravourös.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
42. Minute: Eine weitere Möglichkeit für die Geißböcke. Timm steht Links völlig frei. Er läuft nach in den Strafraum und passt auf Voigt. Dieser schießt aus 14 Metern, aber Butt klärt per Glanzparade zur Ecke.
39. Minute: Beinahe gehen die Kölner mit 3:0 in Führung. Timm setzt sich auf der linken Außenbahn gegen Kientz durch. Er läuft in den Strafraum und schießt aus zehn Metern. Der Innenpfosten rettet für Butt.
36. Minute: Erste ernsthafte Möglichkeit für die Hamburger. Töfting zieht einen Freistoss aus 35 Metern direkt ab. Der Ball geht knapp über den Kasten.
19. Minute: 2:0! Der HSV reagiert schockiert und Köln nutzt dies. Voigt setzt sich auf der rechten Seite gegen Maul durch und flankt in den Strafraum. Butt faustet den Ball raus und Timm bekommt ihn. Er verwandelt per Drop-kick aus 18 Metern.
16. Minute: 1:0! Der FC geht in Führung. Cichon spielt einen Pass über 20 Meter auf Scherz. Dieser setzt sich gegen Maul durch läuft auf Butt zu und passt auf Kurth. Dieser ist vor Hertzsch am Ball und verwandelt von der Torraumlinie.
12. Minute: Erste Unsicherheiten beim Gastgeber. Mahdavikia spielt eine Ecke auf das lange Toreck. Pröll segelt am Ball vorbei aber die Kölner Abwehr steht gut und klärt zum Einwurf.
Anpfiff