Bundesliga 2000/2001, 16. Spieltag, Sonntag, 10.12.00 um 17:30 Uhr im Hamburger Volkspark bei 9 Grad C und trübem, regneischen Wetter

Hamburger SV - FC Energie Cottbus 2:1 (0:1)

Das war irgendwie wie ein Rückfall in die schlechten alten Zeiten. Aber das ist  mir letztendlich heute vollkommen egal. Wir mußten dieses Spiel unbedingt gewinnen, um nicht vollends in den Tabellenkeller zu rutschen und das haben wir geschafft. Das Spiel war dabei aber sehr unansehnlich und eben das erinnerte mich im Nachhinein an die Siege früherer Jahre. Wie oft hat man da solche Siege wie den heutigen gesehen – wie sehr sind wir aber auch die letzten ca. 1,5 Jahre mit wesentlich ansehnlicherem Fußball beglückt worden.

Der HSV fing diesmal ganz gut und vor allem druckvoll an, doch man konnte die teilweise schon 100%igen Chancen einfach nicht nutzen. Die mit Abstand beste Chance des HSV in Halbzeit 1 hatte nach Freistoß von Ketelaer, Kopfball von Bester und Abpraller des TW unser Nico Jan Hoogma. Das er diesen Ball nicht reinbekommen hat, war schon schwierig, denn er stand wirklich vollkommen allein vor dem bereits am Boden liegenden TW. Aber er bekam den Ball nur auf´s Schienbein und konnte ihn daher nur erneut direkt auf den TW schießen.

Und wie wir alle wissen, wird man für solche ausgelassenen Chancen meist bestraft. Der HSV wurde es jedenfalls. Nachdem Cottbus vorher nur eine einzige Chance durch einen Freistoß hatte, gelang ihnen nun nach einem allerdings sehr ansehnlichen Zusammenspiel am/im Strafraum das 1:0. Kurz vor der Halbzeit. Das ging die Laune natürlich bei allen in den Keller.

Die Mannschaft wurde mit einem „schönen“ Pfeifkonzert in die Halbzeit verabschiedet. Das war allerdings auch berechtigt, denn nach den ersten starken 20 – 25 Minuten hatte der HSV aufgehört, ordentlich nach vorne zu spielen. Man war schon wieder zu lethargisch.

In der Halbzeit kam dann Marek Heinz für Yilmaz. Yilmaz war übrigens ein Teil, der heute etwas seltsamen Aufstellung. Der Tscheche Ujfalusi spielte erstmals mit im defensiven Mittelfeld. Dafür fing Kovac rechts und Töfting links an. Cardoso war wohl leider schon wieder angeschlagen und dafür nahm Barbarez seine Position ein. Links durfte nach längerer Pause mal wieder Ketelaer anstatt Präger ran und rechts bekam Yilmaz eine Chance für den offenbar müden Mahdavikia. In der Mitte durfte Bester spielen, was mich ebenfalls nicht sonderlich beglückte.

Die Aufstellung war also reichlich durcheinander gewirbelt und in der 2. HZ ging das muntere Wechselspiel weiter. Als nach mehreren guten Chancen immernoch kein Tor fallen wollte und die Mannschaft schon wieder zusehends unruhiger wurde, wurde Präger eingewechselt für Panadic.

Nun spielte Hoogma linker Verteidiger, Kovac gab den Libero mit Freiraum nach vorne, und Präger ging rechts hinter Heinz (der sonst ja eigentlich auch links spielt).

Ich muß ganz ehrlich sagen, daß ich mit diesem Spiel schon abgeschlossen hatte. Schon zur Halbzeit hatte ich bestenfalls noch ein Unentschieden für möglich gehalten, aber so nach 60 – 70 Minuten war es für mich fast nur doch das „Warten“ auf ein Konter-Tor.

Aber gerade in die Phase hinein, in der Mannschaft und Publikum zusehends nervöser wurden, gelang dann doch der m.E. doch sehr verdiente Ausgleich. Und es war wieder einmal der mich spielerisch nur selten erfreuende Sergej Barbarez, der NATÜRLICH per Kopf das 1:1 machte.

Nun schöpfte man natürlich doch wieder Hoffnung und wurde auch tatsächlich noch mit dem Siegtreffer zum 2:1 belohnt. Wieder war Barbarez an einem schönen Doppelpaß mit Heinz beteiligt. Der stand dann frei links im 16er und schaffte es gerade noch, den Ball unter dem herausstürmenden, ansonsten wirklich hervorragenden Cottbusser TW Piplica, durchzuschießen.

2:1 !! Gott sei Dank! Direkt vorm Schlusspfiff hatte Cottbuss dann sogar nochmal die Chance zum Ausgleich, aber diesmal meinte er der Fußballgott nach langen Woche der „Boshaftigkeit“ endlich mal wieder gut mit uns.

Nun geht es zu den beiden Auswärtspartien nach München, bei denen wahrscheinlich keiner von uns allzu viel erwartet und dann kommt endlich die Winterpause. Danach gibt es keinerlei Entschuldigungen mehr für den HSV wegen der Doppelbelastung. Auch heute hatte mir nämlich wieder das Laufspiel der Mannschaft überhaupt nicht gefallen. Ohne Ball läuft da momentan einfach kein Schwein. Das MUSS anders werden, wenn wir wieder ein bißchen erfolgreicher sein wollen.

Meine Spielerbewertung:

Butt: heute fehlerlos. Rettete einmal bei einem miserablen Rückpaß von Töfting: Note 2

Hertzsch: auch wenn wieder viele über ihn meckerten, weil er EINMAL einen Fehlpaß direkt zum Gegner spielte: Ich fand ihn heute gut, denn er hat seinem Gegner etliche Mal fair den Ball abgenommen: Note 2

Hoogma: fiel heute kaum auf außer bei einigen rüden Fouls: Note 4

Panadic: hat wohl auch mitgespielt. Note 4

Ujfalusi: Anfangs gefiel er mir noch besser als mit zunehmender Spieldauer. Ich denke, daß es ein sehr ballsicherer Spieler ist. Allerdings hat er heute fast ausschließlich Rückpässe gespielt. Das MUSS natürlich noch anders werden: Note 4

Kovac: war für mich wieder der beste Mann auf dem Platz. Egal, wo man ihn hinstellt, er macht fast immer alles richtig und treibt das Spiel des HSV an: Note 2

Töfting: Emsig wie immer, aber heute nicht so durchschlagkräftig. Gab aber die Flanke zum 1:1: Note 3

Barbarez: Als Spielmacher unter aller Sau. Allerdings als Goalgetter und Scorer wieder mal großartig: Note 3

Ketelaer: Es gelang ihm nicht allzu viel, aber trotzdem kämpfte er um jeden Ball: Note 3-

Yilmaz: nachdem er bei den letzten Spielen bei Einwechslungen immer seeehr gut aussah, bekam ihm dieser Einsatz von Beginn an wohl nicht so. Er ging leider nie in die Tiefe, um mal seine Schnelligkeit auszuspielen: Note 4-

Bester: der hat m.E. mal wieder bewiesen, daß seine eigentliche Bestimmung wohl eher die Amateurmannschaft des HSV ist. Er kämpft zwar für einen Stürmer ungewöhnlich viel, aber das ist auch das einzige, was man von ihm sieht: Note 4-

Heinz: spielte eigentlich auch nicht gut auf der rechten Seite. Er rannte sich immer wieder in den Gegner fest. Trotzdem hat er ein ganz wichtiges Tor für den HSV geschossen: Note 4+

Schiri Wack: Hätte einige gelbe Karten mehr auf beiden Seiten zeigen MÜSSEN. Hat aber ansonsten sehr unauffällig gepfiffen: Note 3+ 

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 

Telegramm 
TORE :   0:1 Laurentiu-Aurelian Reghecampf (42.), 1:1 Sergej Barbarez (72.), 2:1 Marek Heinz (78.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Nico Jan Hoogma (55.), Niko Kovac (76.)
FC Energie Cottbus: Janos Matyus (57.), Jörg Scherbe (73.)

SCHIEDSRICHTER :   Dr. Franz-Xaver Wack 
ZUSCHAUER :  39,600 
DATUM :  10.12.00   17:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Ingo Hertzsch, Nico Jan Hoogma, Tomas Ujfalusi, Andrej Panadic, Niko Kovac, Marcel Ketelaer, Stig Töfting, Sergej Barbarez, Mahmut Yilmaz, Marinus Bester

FC Energie Cottbus: Tomislav Piplica, Rudi Vata, Janos Matyus, Jörg Scherbe, Vilmos Sebök, Laurentiu-Aurelian  Reghecampf, Sebastian Helbig, Bruno Akrapovic, Vasile Miriuta, Ronny Thielemann, Andrzej Kobylanski

WECHSEL 
Hamburger SV: Marek Heinz für Mahmut Yilmaz (46.), Roy Präger für Andrej Panadic (65.), Jan Sandmann für Marcel Ketelaer (88.)

FC Energie Cottbus: Toni Micevski für Andrzej Kobylanski (78.), Franklin Bitencourt für Jörg Scherbe (86.), Kevin McKenna für Ronny Thielemann (88.)
 

HSV beendet Niederlagenserie

Die Hamburger können wieder feiern. Durch einen verdienten 2:1-Erfolg gegen Energie Cottbus haben die Hanseaten ihre sechs Spiele andauernde Niederlagenserie beendet.

Von Anfang an zeigten die Hanseaten wo es lang gehen sollte. Ein Angriff folgte dem nächsten. Aber der HSV war nicht in der Lage etwas zählbares zu Stande zu bringen. Nico Jan Hoogma vergab gleich zu Spielbeginn die große Chance zur Führung.

Überraschende Führung für Cottbus
Erst nach 30 Minuten fanden die Cottbuser langsam zu ihrem Spiel. Und in der 42. Minute nutzte Energie gleich den ersten gut vorgetragenen Angriff zur überraschenden 1:0-Führung durch Laurentiu-Aurelian Reghecampf.

In der zweiten Halbzeit begannen beide Mannschaften verlegen, ehe der HSV wieder das Heft in die Hand nahm. Und in der 72. MInute traf Sergej Barbarez per Kopf zum hochverdienten Ausgleich.

HSV immer besser
Hamburg jetzt drückend überlegen. Cottbus kam nur noch selten aus der eigenen Hälfte. Schließlich war es der eingewechselte Marek Heinz, der nach schönem Doppelpass mit Sergej Barbarez, den 2:1-Siegtreffer erzielte.

Danach behielten die Hanseaten geschickt den Ball in den eigenen Reihen. Cottbus hatte nie eine reelle Chance ins Spiel zurückzukommen und gab sich dann auch zu schnell auf. Die Fans des HSV bedankten lautstark für das verfrühte Weihnachtsgeschenk.

Cottbus weiter unten
Durch den souveränen Sieg im letzten Heimspiel des Jahres 2000 kann der HSV die Talfahrt stoppen und festigt sich im Mittelfeld der Tabelle. Cottbus hingegen bleibt weiter auf einem Abstiegsplatz und musss nun unbedingt in den beiden verbleibenden Heimpartien gegen 1860 München und Werder Bremen punkten.
 

Daten
Fakten:
Endlich wieder gewonnen 
Der HSV beendete gegen Cottbus seinen unheimlichen Negativlauf von vier Bundesliganiederlagen in Folge. Damit verhinderten die Hamburger die Einstellung des historischen Rekords von fünf Niederlagen in Folge aus den Jahren 67/68 unter der Ägide von Kurt Koch und aus der Saison 70/71 unter der Leitung von Trainer Klaus-Dieter Ochs. 

Trotz Führung wieder verloren 
Bis zur 72. Minute führten die Lausitzer im Hamburger Volksparkstadion. Bis Sergej Barbarez und später Marek Heinz doch noch einen Hamburger Sieg herausschossen. Insgesamt hat Cottbus nun schon viermal nach eigener Führung das Spiel noch verloren. Keine Bundesligamannschaft gab so oft eine Führung aus der Hand. 

In der Fremde nichts zu holen 
Wie sonst nur der VfB Stuttgart wartet Energie Cottbus weiterhin auf den ersten Auswärtssieg in dieser Saison. Da sie in diesem Jahr nur noch die beiden Heimspiele gegen 1860 und Bremen haben, müssen die Lausitzer wohl auf das nächste Jahr hoffen. Da starten sie gleich nach der Winterpause im Dortmunder Westfalenstadion.

HSV brandgefährlich mit dem Kopf 
Der HSV erzielte gegen Cottbus schon sein elftes Kopfballtor, nur die Knappen von Schalke 04 waren mit mit dem Kopf genauso erfolgreich. Besonders tut sich bei den Hamburgern Sergej Barbarez hervor, der Bosnier erzielte gegen Cottbus schon sein sechstes Tor mit dem Kopf - das schaffte in dieser Saison kein anderer Bundesligaspieler.

Schlaglichter:
Zweikampfstarke Neuverpflichtung 
Tomas Ujfalusi agierte erstmals im Dress des Hamburger SV. Im zentralen defensiven Mittelfeld gewann der tschechische U21-Nationalspieler starke 69% seiner Zweikämpfe. Extrem sicher am Ball präsentierte sich der Neuzugang, der erst letzte Woche von Sigma Olmütz zum HSV gekommen war. Starke 92% seiner Pässe kamen zum eigenen Mann.

Vata überzeugte 
Ein Grund für die lange Zeit gute Defensivarbeit der Cottbuser war die Zweikampfstärke von Rudi Vata, der starke 74% seiner Duelle gewann. Auch in der Offensive setzte sich der Albaner in Szene. Lediglich Stürmer Helbig gab mehr Torschüsse ab als der Cottbusser Libero, der zweimal zum Abschluss kam.

Topscorer Barbarez 
Sergej Barbarez hatte wieder einmal großen Anteil am Hamburger Sieg. Er erzielte nicht nur den Ausgleich, sondern bereitete auch den Siegtreffer durch Marek Heinz mit einem schönen Pass vor. Damit kommt der Bosnier in dieser Saison schon auf zwölf Scorerpunkte (zehn Tore, zwei Assist) und ist an über einem Drittel der Hamburger Tore beteiligt.

Kovac wie immer aktiv 
Lange mussste der HSV auf Niko Kovac verzichten. Erst seit dem letzten Spiel in Kaiserslautern steht der Kroate den Hanseaten wieder zur Verfügung. Wie wichtig er für den HSV ist, zeigte sich gegen Cottbus. In Abwesenheit von Spielmacher Cardoso war es Kovac, der immer wieder probierte das Hamburger Spiel zu ordnen und dabei sehr weite Wege ging. Sensationelle 113 Ballkontakte hatte Kovac und gewann dabei auch noch über die Hälfte seiner Zweikämpfe.

Topspieler: Sergej Barbarez
Der vor der Saison von Borussia Dortmund gekommene Sergej Barbarez war an vielen Offensivaktionen der Hamburger beteiligt. Schon in der ersten Halbzeit vergab er einige Chancen. In der 72. Minute gelang dem gebürtigen Bosnier das hochverdiente Ausgleichstor. Das war bereits sein zehnter Saisontreffer. Das heißt, dass er schon jetzt mehr Tore gemacht hat, als in den letzten beiden Jahren für den BVB. Auch danach gehörte Barbarez zu den Aktivposten seiner Mannschaft. Beim 2:1-Siegtreffer durch Marek Heinz (78.) leistete er entscheidende Vorarbeit mit seinem Pass auf den Torschützen. Barbarez war somit an beiden Treffern beteiligt. 

Spielwertung:
3 Bälle (von 4 möglichen)

Kommentar:
Der Hamburger SV hat endlich wieder drei Punkte einfahren können. Im letzten Heimspiel vor der Winterpause besiegten die Hanseaten Energie Cottbus vollkommen verdient. Die Spieler von Trainer Frank Pagelsdorf begannen konsequent offensiv und kamen zu zahlreichen Tormöglichkeiten. Nach der überraschenden Führung der Cottbuser durch Laurentiu-Aurelian Reghecampf wirkten die Hanseaten nur kurz angeschlagen. Spätestens der Ausgleichstreffer durch Sergej Barbarez erweckte den HSV zu neuem Leben. Von da an tauchte Energie komplett unter und kassierte zurecht das 2:1 durch Marek Heinz. Hamburg spielte engagierter und cleverer als die Lausitzer.
Sebastian Stolz 

Taktik
Hamburger SV:
Hans-Jörg Butt stand bei den Hanseaten im Tor. In der Abwehr spielten Andrzej Panadic auf links, Nico Jan Hoogma in der Mitte und rechts arbeitete Ingo Hertzsch. Davor spielte Neuzugang Tomas Ujfalusi im defensiven Mittelfeld. Stig Töfting (links) und Nico Kovac (rechts) agierten im Mittelfeld und Sergej Barbarez war als offensiver Mittelfeldspieler aufgestellt. Er spielte allerdings eher Sürmer. Echte STürmer waren Marcel Ketelaer auf der linken Seite und Mahmut Yilmaz auf der anderen Seite. Als Mittelstürmer stand Marinus Bester auf dem Feld. Marek Heinz ersetzte Yilmaz als Stürmer. Zudem kam Roy Präger für Andrzej Panadic, um die Offensive zu beleben. Zum Schluß wurde noch taktisch gewechselt. Jan Sandmann kam für Ketelaer.

FC Energie Cottbus:
Tomislav Piplica spielte im Tor der Lausitzer. Rudi Vata war Libero. Davor ließ Energie-Trainer Eduard Geyer mit drei Manndeckern spielen. Janos Matyus auf links, Vilmos Sebök in der Mitte und auf rechts agierte Ronny Thielemann. Bruno Akrapovic spielte im zentraldefensiven Mittelfeld. Vorne standen Jörg Scherbe (links) und Laurentiu-Aurelian Reghecampf (rechts) im Mittelfeld und Kapitän Vasile Miriuta spielte im offensiven Mittelfeld. Als Stürmer trat Cottbus mit Andrzej Kobylanski auf links und Sebastian Helbig auf rechts an. Eingewechselt wurden Toni Micevski für Kobylanski, Franklin kam für Scherbe, um die Offensive zu stärken. Aus dem selben Grund wurde Kevin McKenna für Thielemann eingewechselt. 

Stimmen
Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburger SV):
"Wir standen auf Grund der letzten Spiele enorm unter Druck. Cottbus hat ein gutes Auswärtsspiel geliefert. Wir hatten aber zu Beginn sehr gute Chancen. Leider haben wir diese aber nicht genutzt. Nach dem Rückstand war das Nervenkostüm der Spieler natürlich angeschlagen, daher muss ich meiner Mannschaft ein Kompliment für die zweite Halbzeit machen. Da haben wir 45 Minuten Druck gemacht, somit ist der Sieg auch verdient." 

Trainer Eduard Geyer (Energie Cottbus):
"Wir haben gedacht, den HSV und uns trennen Welten. Wir wussten aber auch, dass der HSV angeschlagen ist. Nachdem wir dann sogar in Führung gegangen sind, haben wir uns hier natürlich etwas ausgerechnet und hätten auch mindestens einen Punkt holen müssen. Wir hatten aber einige Spieler in unseren Reihen, die ihr Nervenkostüm nicht im Griff hatten. Ich denke, wir haben Frank Pagelsdorf und dem HSV ein schönes Weihnachtgeschenk gemacht." 


 
dpa meldet: Hamburger SV - Energie Cottbus 2:1 (0:1)

HSV stoppte freien Fall

Hamburg (dpa). Der Hamburger SV hat seine Talfahrt gestoppt. Gegen Aufsteiger Energie Cottbus kamen die Hanseaten am Sonntagabend zu einem glücklichen 2:1 (0:1)-Arbeitssieg. Vor 39 600 Zuschauern erzielte Aurelius Reghecampf (41.) nach einem schweren Hamburger Abwehrfehler das Führungstor der Gäste.
Mit seinem zehnten Saisontreffer glich Sergej Barbarez (72.) aus, Marek Heinz (78.) sorgte nach sechs Niederlagen in Folge für das ersehnte Erfolgserlebnis. Drei Tage nach dem Abschied von der europäischen Fußball-Bühne konnte der HSV erneut nicht überzeugen. Der HSV war schwach, Cottbus im Pech. Die Lausitzer bleiben nach dem verpassten ersten Auswärtssieg auf einem Abstiegsplatz.

Premiere für Tomas Ujfalusi

Obwohl Trainer Frank Pagelsdorf gegenüber dem 0:3-Debakel im UEFA- Pokal gegen den AS Rom seine Mannschaft auf vier Positionen änderte und sogar Neuzugang Tomas Ujfalusi zur Premiere verhalf, knüpften die Gastgeber zunächst nahtlos an die schwachen Leistungen der letzten Spiele an. Der Aufsteiger stand lange Zeit sicher in der Deckung, war gefährlich bei Kontern und dann auch noch nervenstark. Gleich die erste Torchance nutze Reghecampf. Der rumänische Nationalspieler ließ nach einem Pass von Ronny Thielemann dem HSV-Torhüter Hans-Jörg Butt keine Chance. Seine Vorderleute sahen in der Szene alt aus.

"Das zeigt unsere Situation. Wir können keine Tore machen und aus einer Chance kriegen wir ein Tor", meinte Barbarez, der nach der Halbzeit die Wende einleitete. Selbst zwei einhundertprozentige Chancen im Sekundentakt konnte der HSV vor der Pause nicht nutzen. Zunächst scheiterte Marinus Bester mit einem platzierten Kopfball am starken Energie-Torhüter Tomislav Piplica, dann vergab Jan-Nico Hoogma den Abpraller kläglich. Auch nach dem Wechsel scheiterte Yeboah-Ersatz Bester freistehend mit einem Volleyschuss aus zwölf Metern.

Cardoso nur auf der Tribüne

Neben Anthony Yeboah saß beim HSV auch Spielmacher Rodolfo Esteban Cardoso nur auf der Tribüne. Der leicht angeschlagene Argentinier soll für die schweren Aufgaben in München bei Bayern und beim TSV 1860 geschont werden. Beim HSV blieb fast alles Stückwerk, auf den Rängen forderten die Fans "Wir wollen euch kämpfen sehen." Doch die Gastgeber blieben ideen- und harmlos. Immerhin bewahrte Barbarez die Nerven und Heinz sorgte mit seinem zweiten Saisontor für Versöhnung mit den verärgerten Fans. Beim HSV feierte der 22-jährige Tscheche Ujfalusi, der für 3,1 Millionen Mark aus Olmmütz kam, ein ansprechendes Debüt und hatte am Ende auch noch Grund zur Freude. 


 
kicker meldet: 

Chancenverhältnis: 9:3 
Eckenverhältnis: 8:4 
Schiedsrichter: Wack, Dr. (Biberbach), Note 1,5 - Ausgezeichnet, nur unbedeutende Fehler seiner Assistenten. 
Zuschauer: 39600 
Gelbe Karten: Hoogma, N. Kovac - Matyus, Scherbe 
Spielnote: 3,5 
Spieler des Spiels: Thielemann - Überragend in der Defensive, dazu noch Vorbereiter. 
 

Analyse 

Personal: Überraschende Änderungen beim HSV im Vergleich zum 0:3 gegen Rom: Pagelsdorf formierte einen neuen Sturm mit Yilmaz, Bester und dem genesenen Ketelaer (nach Wadenprellung). Zudem kam Ujfalusi zu seinem Bundesliga-Debüt. Hollerbach (Gelb-Rote Karte) und die verletzten Cardoso (Oberschenkel und Mahdavikia (Knie) fehlten; Präger musste auf die Bank. Die Wechsel bei Cottbus nach dem 1:0 über Rostock: Sebök und Matyus kamen für Hujrudovic (Gelb-Rote Karte) und Beeck (acht Wochen Sperre). Thielemann spielte für Franklin, allerdings defensiv.

Taktik: Bei seiner Premiere spielte der Tscheche Ujfalusi (gegen Miriuta) den Abräumer vor der Dreier-Kette, defensiver als gewöhnlich Kovac. Dieser operierte rechts, Töfting links auf den Halbpositionen - mit dem Auftrag, Barbarez zu unterstützen. Der Angriff mit bekannter Aufgabenverteilung: Bester als der zentrale Stoßstürmer, Yilmaz und Ketelaer kamen über die Flügel.

Cottbus nahm sowohl einen personellen als auch einen taktischen Wechsel vor: Vor Libero Vata baute sich eine Dreier-Reihe auf, wobei der überraschend nominierte Thielemann den rechten Außenposten bekleidete. Akrapovic kümmerte sich um Barbarez. Mit Helbig bot Geyer nur einen nominellen Angreifer auf. Auf der linken Seite stieß Kobylanski zuweilen in die Spitze.

Spielverlauf: Von Beginn an waren die Gastgeber tonangebend. Doch der erhoffte Sturmwirbel fand vor der Pause nicht statt, weil von Ketelaer und Yilmaz sowie auch von Barbarez kaum Impulse ausgingen. Viel lief über Kovac; Ujfalusi setzte phasenweise gute Akzente.

Pech für den HSV, dass Piplica zwei Glanztaten bei Chancen von Bester und Hoogma (jeweils 13.) zeigte. Cottbus agierte diszipliniert. Nach vorn lief allerdings wenig, insofern war die Führung durch Reghecampf nach Barbarez-Patzer recht glücklich.

Nach dem Wechsel nahm der Druck des HSV zu. Es war ein Spiel auf ein Tor, es gab ungenutzte Chancen durch Barbarez (48.), Ketelaer (50.) und Präger (66.), ehe Barbarez der Ausgleich und Heinz der umjubelte Siegtreffer gelangen.

Fazit: Verdienter Sieg des HSV, der gegen eine lange Zeit das Spiel gut kontrollierende Cottbuser Elf ein Chancenplus besaß. 

Höhepunkte des Spiels:
Schlusspfiff
78. Minute: 2:1! Das Spiel ist gekippt. Marek Heinz steht nach Doppelpass mit Barbarez frei vor Piplica und trifft flach ins rechte Eck.
72. Minute: 1:1! Wie aus heiterem Himmel fällt der Ausgleich. Nach Töfting-Flanke steht Barbarez wieder völlig ungedeckt und köpft aus acht Metern ein.
66. Minute: Zehn Sekunden nach seiner Einwechslung läßt Roy Präger die Riesenmöglichkeit aus. Nach Kopfballvorlage von Hoogma kommt der Ex-Wolfsburger sechs Meter vor dem Tor frei zum Kopfball, setzt das Leder aber über die Latte.
63. Minute: Helbig hat die große Chance zum 0:2, trifft jedoch aus elf Metern den Ball nicht richtig.
50. Minute: Gefährlicher 25-Meter-Freistoß von Ketelaer. Piplica klärt zur Ecke.
48. Minute: Barbarez steht nach einer Kovac-Flanke mutterseelenallein vor Piplica. Der Schlussmann kann den Volleyschuss jedoch per Faustabwehr entschärfen.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
42. Minute: 0:1! Das hat sich abgezeichnet, nachdem der HSV zu passiv agierte. Thielemann tankt sich auf rechts durch. Rückpass - Reghecampf - Tor.
32. Minute: Cottbus immer frecher. Kobylanski dringt von links in den Strafraum ein. Sein Schuss aus zwölf Metern geht am langen Pfosten vorbei.
23. Minute: Energie hat nun mehr Spielanteile. Ein erster Schuss von Reghecampf nach Thielemann-Pass ist jedoch keine ernsthafte Prüfung für Butt.
13. Minute: Das hätte das 1:0 sein müssen. Nach Besters Kopfball kann Piplica gerade noch abwehren. Hoogma bringt das Leder aus fünf Metern nicht am liegenden Gäste-Keeper vorbei.
9. Minute: Der HSV dominiert klar auf dem schlecht bespielbaren Geläuf. Bester, Töfting und Barbarez vergeben in der Anfangsphase gute Torchancen. Energie kommt nicht über die Mittellinie.
Anpfiff