Bundesliga 2000/2001, 22. Spieltag, Samstag, 17.02.01 um 20:15 im Dortmunder Westfalenstadion bei ca. 3 Grad C.

BVB 09 Dortmund - Hamburger SV 4:2 (1:0)

(Anm.: Den Spielbericht habe ich direkt im Auto nach dem Spiel geschrieben. Einiges würde ich nach den TV-Bildern also vielleicht anders beurteilen)

Hmmm, das weiß ich jetzt gar nicht so recht, was ich schreiben soll... Das Spiel ging denkbar schlecht los.. und es endete auch ebenso. Bereits nach wenigen Minuten lag der HSV zurück. Wieder einmal war es Fredi Bobic, der uns einen einschenkte. Nach einer Ecke köpfte er aus kurzer Entfernung ein.

Da geht die Laune natürlich gleich in den Keller. Die nächsten Minuten spielte Dortmund auch ganz gut und hatte auch noch eine weitere sehr gute Chance durch Reina. 

So ca. ab der 20-25. Minute wurde der HSV dann aber stetig besser und beherrschte letztendlich sogar die Borussen,  die sich gegen Ende der 1. Halbzeit nur noch mit Befreiungsschlägen aus der eigenen Hälfte zu beheflen wußte. Man muß allerdings zugeben, daß für den HSV dabei zu wenig zwingende Chancen herauskamen. Mir fällt da in der Halbzeit nicht sehr viel ein. Fukal hatte einmal eine gute Kopfballchance, die er knapp neben das Tor setzte, aber ansonsten ist mir nun gar nicht mehr in Erinnerung geblieben. 

Außerdem bin ich der Meinung, daß der HSV einen Elfer hätte bekommen müssen. Roy Präger wurde meiner Meinung nach einmal deutlich im Strafraum gehalten. Allerdings liess er sich nicht fallen, sondern verlor nur den Ball. Da wäre es wohl klüger gewesen, sich einfach fallen zu lassen.

Es ging dann mit dem 1:0 für die Borussia ind ie Halbzeit. Da hatte ich aber durchaus noch Hoffnung, daß der HSV noch ausgleichen könnte. Auch in der 2. Halbzeit ging es noch einigermaßen weiter. Allerdings bekamen wir dann innerhalb von wenigen Minuten das 2:0 und 3:0, sodaß das Spiel in der 60. Minute eigentlich schon gegessen war. Da war nun wirklich jede Hoffnung hin und es gab auch praktisch kein Aufbäumen mehr. Ich befürchtet zu diesem Zeitpunkt sogar eine richtige Klatsche.

Aber auch die Borussen steckten dann einige Gänge zurück, sodaß das Spiel so ein wenig dahinplätscherte. So konnte schließlich zumindest Barbarez noch ein klein wenig Rache an den Borussia nehmen, mit der er ja so viele Probleme hatte. Er schoss ein wirklich sehenswertes Tor. Am Strafraum wurde er angebspielt und nicht stark genug attackiert. So schlenzte er den Ball wirklich wunderschön in den linken Winkel. 

Wie gesagt, sehr sehenswert, aber es war eigentlich zu spät, obwohl glaube ich noch 15 Minuten zu spielen waren. So ein klein wenig  Hoffnung keimte schon noch, So hatte Barbarez danach sogar noch eine gute Chance, als der Ball quer vors Tor gespielt wurde. Den Ball verfehlte er aber um ein Haar.

Dann fiel leider durch ein Eigentor von Fukal das 4:1, was nun spätestens der Todesstoss war. Allerdings konnte sogar der eingewechselte Meijer nochmal den sehenswerten Anschlusstreffer zum 2:4 erzielen. Dabai wurde er in ca. 20 m Torentfernung sehr freistehend angespielt. Er nahm den Ball mit der Brust an, drehte sich und schoss ihn ins Tor. Hübsch, wenn auch recht egal.

Das Spiel war dann zu Ende und die wieder einmal sehr zahlreich vertretenen HSV-Fans gingen natürlic allesamt recht traurig. Besonders negativ ist mir noch aufgefallen, daß tatsächlich auf in Dortmund, einem Stadion in dem die Fans nun wirklich für Stimmung sorgen können, man sich nicht entblödet und tatsächlich durch die Lautsprecheranlage das Klatschen aus der Dortmund-Kurve verstärkte. Ganz arm und wie gesagt auch echt unnötig.

So bleibt als einzig schönes Ereignis dieses Abends für mich nur wieder der Besuch der Stadiongaststätte "Rote Erde" direkt im Innenbereich des Stadions in Erinnerung. teli und Devil hatten es mit dem Wirt abgemacht und teli hat uns sogar offizielle Einladungen zur Tagung "Pointnapping j.w.d. in der Ferne" geschickt, damit wir am Sicherheitspersonal vorbeikommen. Am Sicherheitspersonal ging es aber seeeeehr einfach vorbei. Da stellte sich einer in der Weg und ich sagte nur, daß ich in die Gaststätte möchte und auch eine Einladung habe. Diesen Brief zog ich aber nur aus der Tasche und durfte dann einfach durchmarschieren. Das hätte auch meine letzte Telefonrechnung sein können. ;-)

Umso spießiger nachher der Ordnungsdienst drinnen. Als wir in der Gaststätte waren und dann jeden Moment der HSV-Bus kommen sollte (der hält genau vis-à-vis der Gaststätte) gingen wir raus und entrollten in 15 - 20 m Abstand zum Parkplatz ein Transparent "Legenden sterben nie". So ein Ober-Ordnungsdienst-Guru (der mit seiner Jacke sprach) sagte sofort "Das muß da weg". Das machten wir auch. Dann ordnete er aber auch noch, daß man uns ein Absperrgitter vor die Nase setzt. Lächerlich ....

Tja, nach dem Spiel stellt sich nun wieder für viele die Trainerfrage. Auch ich frage mich natürlich, woran es liegt. Trotzdem habe ich ja oben beschrieben, daß ich den HSV heute nicht sooo schlecht fand. Wir waren nur wieder einige male unaufmerksam und das brach uns das Genick.
Was mir wirklich fast die ganze Saison schon mißfällt, ist die mangelnde Laufbereitschaft der Mannschaft. Wer den Ball hat beim HSV, ist oft eine ganz arme Sau. Das war auch in der Anfangsphase dieses Spiels wieder so.

Ich kann aber trotzdem immer noch nicht sagen, daß ich eine Entlassung Pagelsdorfs fordern würde. Dabei steht für mich vor allem auch das Argument der Konstanz und der fehlenden Alternativen. Die einzig erfolgversprechende Alternative wäre für mich Daum. Aber ich bin sehr sicher, daß der nicht nach Hamburg kommen wird. Zum jetzigen Zeitpunkt will er gar nicht und außerdem hat sich Hackmann auch schon mal sehr negativ über ihn geäußert. Alle anderen möglichen Kandidaten halte ich nicht für Lösungen, die uns auf Dauer etwas bringen. Außerdem würde dann zum Beginn der neuen Saison schon wieder der große Umbruch losgehen, weil ein neuer Trainer i.d.R. ganz andere Vorstellungen von der Mannschaft hat.

Meine Spielerbewertung:

Butt: trotz der vielen Gegentore schuldlos: Note 3

Fukal, Hoogma, Hertzsch, Ujfalusi: Mit unserer Abwehr habe ich diese Saison ein ganz großes Problem. Wenn ich einzelne Spieler beurteile, finde ich die immer gar nicht so schlecht. Im direkten Zweikampf sehe ich gar nicht so viele Fehler. Trotzdem gibt es immer wieder brutale Abstimmungsfehler, die zu zig Gegentoren führen. Auch heute ging es mir wieder so, daß ich gar nicht direkte Fehler  einzelner Spieler gesehen habe, aber trotzdem gab es wieder 4 Gegentreffer. Deshalb für alle: Note 5

Hollerbach: Konstruktiv "riss" er überhaupt nichts, aber war wirklich vorbildlich im Einsatz. Wenn wenigstens alle so viel gerannt wären: Note 3

Kovac: gefiel mir heute ausnahmweise mal gar nicht. Viele Ballverluste durch ungenaue Pässe: Note 5

Barbarez: Wenn er immer so viel laufen und kämpfen würde wie heute, wäre er bei der schon fast unheimlichen Anzahl seiner Beteiligung an gefährlichen Szenen des HSV wahrscheinlich ein Volksheld in Hamburg. Andererseits finde ich es auch traurig, wenn jemand in der Lage ist, auf einmal so viel mehr abzurufen, nur weil es gegen seine alten Kollegen und seine "verhassten" BVB-Fans geht: Note 2+

Heinz: der dribbelte sich ständig fest. Er gewann zwar auch häufig seine Dribblings, aber dann konnte er damit nicht aufhören, bis ihm endlich jemand den Ball abgenommen hatten. Teilweise ganz hübsch, aber höchst uneffektiv: Note 5

Präger: ihm fehlte heute auch jegliches Glück. Ich muß dazu aber auch anmerken, daß er bei vielen seiner Fehlpässe auch einfach keine Chance hatte, weil sich keiner seiner Mitspieler in den freien Raum bewegte. Trotzdem war es insgesamt wirklich zu wenig: Note 5

Hashemian (kam für Präger): Naja, dank seiner roten Karte werden wir ihn wohl nun auf jeden Fall zum letzten Mal im HSV-Trikot gesehen haben: Note 5

Yeboah: auch wenn ich inzwischen von einigen gelesen habe, daß Yeboah an jeder guten Aktion der ersten HZ beteiligt war, so gefiel er mir überhaupt nicht. Meines Erachtens verlor er im Gegensatz zu sonst viel zu viele Bälle. Ich bin ja nicht oft von Tony enttäuscht, aber heute war ich es: Note 5

Meijer (kam für Yeboah): verdiente sich zumindest noch eine Fleißnote, weil er versuchte zu rackern. Konnte sich selbst zumindest noch mit einem Tor belohnen: Note 3

Schiri: An dem hatte ich mal so gut wie nichts auszusetzen. Ich hatte nur das Gefühl, daß die BVBler die ein oder andere gelbe Karte wegen Promi-Bonus nicht bekommen. Aber das kennt man ja: Note 2

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 
Telegramm 

TORE :   1:0 Fredi Bobic (6.),. 2:0 Otto Addo (54.), 3:0 Fredi Bobic (59.), 3:1 Sergej Barbarez (77.), 4:1 Milan Fukal (82.) Eigentor, 4:2 Erik Meijer (90.)

GELBE KARTEN 
Borussia Dortmund: Fredi Bobic (42.)
Hamburger SV: Sergej Barbarez (35.), Roy Präger (50.)

PLATZVERWEISE 
Borussia Dortmund: -
Hamburger SV: Karte rot für Vahid Hashemian (70.)

SCHIEDSRICHTER :  Dr. Franz-Xaver Wack 
ZUSCHAUER :  64,500 
DATUM :  17.02.01   20:15 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Borussia Dortmund: Philipp Laux, Jürgen Kohler, Jörg Heinrich, Tomas Rosicky, Christian Wörns, Sunday Oliseh, Giuseppe Reina, Dede, Lars Ricken, Otto Addo, Fredi Bobic

Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Nico Jan Hoogma, Tomas Ujfalusi, Milan Fukal, Ingo Hertzsch, Niko Kovac, Roy Präger, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Marek Heinz, Anthony Yeboah

WECHSEL 
Borussia Dortmund: Christian Nerlinger für Giuseppe Reina (52.), Christoph Metzelder für Jürgen Kohler (62.), Alfred Nijhuis für Fredi Bobic (87.)

Hamburger SV: Vahid Hashemian für Roy Präger (52.), Erik Meijer für Anthony Yeboah (62.), Stig Töfting für Sergej Barbarez (87.)
 

Ein Sieg der Sachlichkeit
Matthias Sammer stand da, als würde ihn das alles nichts angehen. Um ihn herum jubelten mehr als 60.000 Menschen, sie klatschten und jubelten und warfen ihre Arme vor Freude in die Luft. Die Spieler von Borussia Dortmund stellten sich in einer Reihe vor ihren Anhängern auf und machten die La-Olà-Welle. 
Sammer, der Trainer stand einfach nur da, verschränkte die Arme auf dem Rücken und sah dem freudigen Treiben zu. 4:2 (1:0) hatte seine Mannschaft den Hamburger SV besiegt und war bis auf zwei Punkte herangerückt an Spitzenreiter Bayern - das ist vor allem ein Erfolg von Sammers Sachlichkeit.

Den Aufwärtstrend fortgesetzt
Zuerst sieht der BVB-Coach immer die Fehler, gerade im Erfolg. Dass seine Spieler, in Überzahl und mit einer 3:0-Führung in Rücken, zwei Gegentore kassierten - "das verstehe ich nicht, das werde ich nie verstehen". Das ärgert ihn, den Perfektionisten, der sagt: "Alles ist relativ im Fußball." Ein Sieg sowieso. 
Kontinuierliches Arbeiten - das ist wichtiger. Die Dortmunder Spieler scheinen Sammer verstanden zu haben, so wie sie reden. "Wir haben uns letzte Woche gegen Bremen schon viele Chancen erarbeitet. Heute haben wir nur unseren Aufwärtstrend fortgesetzt", sagte Fredi Bobic.

Nicht auf andere schauen
Die Westfalen wissen, was sie können. Dass Stunden vor ihrem Spiel gegen den HSV die drei Spitzenteams verloren, kümmerte sie kaum. "Wenn man auf Einflüsse von außen reagieren muss, ist man nicht gut", sagte Sammer. Lars Ricken ergänzte: "Wir wollten uns nicht von unserer Linie abbringen lassen."
Den Kollegen aus Hamburg kommen derzeit andere Sätze über die Lippen. "Wir haben uns ergeben", gab Niko Kovac zu. Recht hatte er; die Gäste kämpften zu wenig, sie liefen zu wenig. Sie verloren ihr achtes Auswärtsspiel in Folge - und stecken tief im Abstiegskampf. Bobic (6./59.), Otto Addo (54.) und Milan Fukal (82., Eigentor) erzielten die Tore für die Borussen. 
BVB-Neuzugang Tomas Rosicky zeigte erneut eine starke Leistung, ordnete das Spiel, schlug schöne Pässe. Bei den Hamburgern sah der eingewechselte Vahid Hashemian nach einem groben Foul an Rosicky (70.) die Rote Karte. Nur Sergej Barbarez (77.) und Erik Meijer (90.) gestalteten die Partie mit ihren Treffern etwas erträglicher für den HSV. Dem siegreichen Dortmunder Trainer Sammer verdarben sie ein bisschen den Abend. 
 

Daten
Fakten:
HSV-Auswärtsfiasko 
Die Hamburger verloren ihr achtes Auswärtsspiel in Folge - eine solche Negativserie gab es für den HSV zuletzt vor über 33 Jahren (Saison 66/67).

BVB mit Heimrekord 
Die Dortmunder schossen erstmals in dieser Saison vier Tore im Westfalenstadion.

Doppelter Bobic 
Zum ersten Mal schnürte Fredi Bobic für die Borussen ein Doppelpack - zum letzten Mal zwei Treffer in einem Spiel gab es für ihn zuletzt vor über drei Jahren (22.11.97) - damals noch im Trikot des VfB Stuttgart. Im 13. Spiel gegen den HSV markierte Fredi Bobic seine Treffer elf und zwölf.

Gegentorflut beim HSV 
Die Hamburger haben bereits 43 Gegentreffer in dieser Saison kassiert - gemeinsam mit Schlusslicht Bochum ligaweit die meisten. In ihrer Bundesliga-Historie hatte der HSV nur zweimal zuvor nach 22 Spieltagen mehr Gegentore auf dem Konto (1972/73 und 1987/88).

Schlaglichter:
BVB mit Torschuss-Übergewicht 
Auch das Torschussverhältnis unterstreicht den verdienten Sieg der Borussen: Der BVB gab 16 Torschüsse ab, die Hanseaten lediglich elf (nur vier davon in der zweiten Halbzeit). Kleiner Trost für die Hamburger: Sie waren dem zweikampfstärksten Team der Liga wenigsten kämpferisch überlegen - gewannen 53% aller Duelle.

Aufsteigende Tendenz bei Ricken 
Lars Rickens Formkurve steigt steil nach oben: Er sammelte gegen den HSV seine Assists Nummer acht und neun - nie zuvor gab er in einer Saison mehr Torvorlagen. Gemeinsam mit Horst Heldt ist er damit momentan der Top-Vorbereiter der Liga. 

Einziger HSV-Lichtblick 
Sergej Barbarez zeigte an seiner alten Wirkungsstätte nicht nur wegen seines Treffers eine ordentliche Leistung. An fünf der elf HSV-Torschüsse war er direkt beteiligt (zwei Torschüsse, drei Assists). Aber auch kämpferisch war der 29-Jährige gegen den BVB gut drauf - er gewann starke 58 Prozent seiner Zweikämpfe.

Brillanter Brasilianer 
Dede zeigte auf der linken BVB-Abwehrseite eine starke Partie. Er gewann hervorragende 75 Prozent seiner Duelle und war damit zweikampfstärkster Spieler auf dem Platz. Außerdem hatte er bei den Borussen auch die meisten Ballkontakte (72). 

Trauriger Tscheche 
Zum ersten Mal seit dem siebten Spieltag (2:0-Heimsieg gegen Schalke) stand Milan Fukal wieder in der Anfangsformation des HSV. Den Abend im Westfalenstadion wird er so schnell nicht vergessen: Ein Eigentor erzielt und nur schwache 50 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen. 

Stimmen
Trainer Matthias Sammer (Borussia Dortmund)
"In der ersten Halbzeit haben wir grausam gespielt. Dass wir nach dem 3:0 und der Roten Karte gegen den HSV noch zwei Gegentore kassiert haben, ärgert mich." 

Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburger SV)
"In der ersten Halbzeit haben wir recht gut gespielt und hatten auch einige Torchancen. In der zweiten Halbzeit sind wir für unsere Fehler böse bestraft worden. Dass wir in Unterzahl noch zwei Tore erzielt haben, spricht für diese Mannschaft. Im Abwehrverhalten hat sie aber etliche Schwächen gezeigt." 
 

Topspieler: Fredi Bobic (Borussia Dortmund)
Drei Tore erst hatte Fredi Bobic in dieser Saison erzielt. In der vergangenen Woche, beim 0:0 gegen Werder Bremen, hatte er etliche gute Chancen vergeben. Dortmunds Trainer Matthias Sammer hielt trotzdem an ihm fest - und wurde belohnt. Gegen den HSV erzielte Bobic zwei Tore. Und zeigte auch verbal sein wieder gewonnenes Selbstvertrauen. Ob der HSV sein Lieblingsgegner sei, wurde er gefragt - wo er doch in 13 Spielen gegen die Hamburger schon zwölf Tore erzielt habe? "Das", sagte Bobic, "ist schön für die Statistik. Ich kann damit wenig anfangen." Wichtiger sei das Vertrauen von Sammer gewesen. "Wenn der Trainer hinter einem steht, ist das entscheidend. So musste ich mir keine Gedanken machen." Nur Tore. 

Spielwertung: 3 Bälle (von 4 möglichen)

Kommentar:
Mit einer fulminanten Leistung in der zweiten Hälfte haben sich die Dortmunder den Erfolg über den HSV verdient und sind eng an die Tabellenspitze herangerückt. Entscheidend wird in den nächsten Wochen sein, ob der zurzeit überragende Neuzugang, der 20-jährige Tomas Rosicky, dem wachsenden Druck stand halten und seine Leistung konservieren kann. Gelingt ihm das, und kombiniert er weiter so herrlich mit Lars Ricken, dann können die Dortmunder im Titelkampf mitmischen. Die Hamburger wehrten sich zu wenig für eine Mannschaft, die so tief im Keller steht. Eben noch in der Champions League, jetzt schon im Abstiegskampf - einige Spieler scheinen diese rasante Abwärts-Entwicklung noch nicht so recht begriffen zu haben. 
Andreas Lesch

Taktik:
Borussia Dortmund
Die Gastgeber spielten vor Torhüter Laux mit einer Viererkette: von links nach rechts Dede, Kohler, Oliseh und Wörns. Im Mittelfeld agierten halblinks Ricken und halbrechts Heinrich. Hinter den Spitzen wirbelte Rosicky. Im Sturm standen links Reina, zentral Bobic und rechts Addo. Im Laufe der Partie kam Nerlinger für Reina und rückte ins Mittelfeld. Metzelder übernahm Kohlers Position, und Nijhuis löste Bobic ab. 

Hamburger SV
Auch die Hamburger liefen vor Keeper Butt mit einer Viererkette in der Abwehr auf: Ujfalusi links, Hoogma und Fukal in der Mitte, Hertzsch rechts. Im linken Mittelfed spielte Hollerbach, rechts Kovac. Barbarez agierte zentral offensiv, hinter den Spitzen Heinz (links), Yeboah (zentral) und Präger (rechts). Meijer, Hashemian und Töfting wurden für Yeboah, Präger und Barbarez eingewechselt und übernahmen die Positionen ihrer Vorgänger. 


 
dpa meldet: Dortmund schließt mit 4:2 über HSV zur Spitze auf
Von Heinz Büse, dpa

Dortmund (dpa) - Borussia Dortmund hat die Gunst der Stunde genutzt und sich in den Kampf um die Tabellenspitze in der Fußball- Bundesliga zurückgemeldet. Die Mannschaft von Trainer Matthias Sammer besiegte am Samstagabend den Hamburger SV mit 4:2 (1:0) und schloss damit zum wenige Stunden zuvor unterlegenen Spitzentrio aus München, Leverkusen und Gelsenkirchen auf. 
Vor 64 500 Zuschauern im Westfalenstadion sorgten die Torschützen Fredi Bobic (6./58. Minute) und Otto Addo (54.) sowie die Hamburger Milan Fukal (82.) mit einem Eigentor für den 7. Heimsieg der Borussia. Der Gast aus Norddeutschland, der nach seiner bereits 9. Auswärts- Schlappe weiter um den Klassenverbleib fürchten muss, kam durch Sergej Barbarez (77.) und Erik Meijer (90.) zu zwei Toren. Zudem sah Auswechselspieler Vahid Hashemian nach einem groben Foul BVB- Jungstar Tomas Rosicky in der 70. Minute die Rote Karte.

Auch ohne die Ausfälle Evanilsson, Miroslav Stevic und Jens Lehmann startete der BVB furios in die Partie: Bereits in der 6. Minute leitete Rekord- Neuzugang Tomas Rosicky mit einem Eckball die frühe Führung für sein Team ein. Dessen Flanke beförderte der zuletzt stark kritisierte Dortmunder Torjäger Bobic per Kopf ins gegnerische Tor. Nur zwei Minuten später vergab Guiseppe Reina frei vor HSV- Keeper Jörg Butt das mögliche 2:0. Doch nach dieser ansehnlichen Anfangsphase schien die Borussia ihr Pulver bereits verschossen zu haben.

Der HSV befreite sich vom Druck, kam immer besser ins Spiel und erspielte sich seinerseits Chancen. Die wohl größte Möglichkeit der Gäste vergab Anthony Yeboah, der in der 13. Minute von der Strafraumgrenze nur knapp das BVB- Gehäuse verfehlte. Der bis dahin hohe Unterhaltungswert der Partie nahm nun rapide ab: Vor allem die Borussia produzierte Fehlpässe en masse und lief kurz vor der Pause Gefahr, die 1:0- Führung gegen die ebenbürtigen Hamburger zu verlieren. Deren Abwehrspieler Milan Fukal blieb bei einem Kopfball (42.) jedoch glücklos.

Mit einem ähnlichen Blitzstart wie in der 1. Halbzeit stellte der BVB nach Wiederanpfiff die Weichen auf Sieg. Nach Zuspiel des starken Bobic sorgte Angreifer Addo mit einem Abstaubertor aus 4 Metern für das vorentscheidende 2:0. Nur 4 Minuten später war erneut Bobic mit seinem insgesamt 5. Treffer zum 3:0 zur Stelle. Für einen kurzfristigen Hoffnungsschimmer der Hamburger sorgte der ehemalige Dortmunder Barbarez, der seine gute Leistung mit einem sehenswerten Schuss aus 16 Metern zum 3:1 krönte. Doch HSV- Abwehrspieler Milan Fukal stellte mit einem Eigentor in der 82. Minute den alten Torabstand wieder her. 


 
kicker meldet: 

Chancenverhältnis: 9:4 
Eckenverhältnis: 3:2 
Schiedsrichter: Wack, Dr. (Biberbach), Note 2,5 - Konsequent beim Platzverweis, kleine Schwächen bei der Vorteilsauslegung. 
Spielnote: 2,5 
Spieler des Spiels: Bobic - War an allen vier Toren beteiligt. Kaltschnäuzig und kampfstark. 
 
Analyse 
Personal: Für den erkrankten Evanilson kam bei den Dortmundern Ricken ins Team. Hamburg musste auf die verletzten Groth und Mahdavikia verzichten; Präger und Fukal kamen stattdessen zum Zug.

Taktik: Beide Teams operierten mit der selben Deckungsstrategie: In der Abwehr des BVB (mit Wörns in Evanilsons Rolle als rechter Verteidiger) spielte Oliseh den freien Mann; sein Antipode beim HSV war Hoogma, dem Fukal (gegen Bobic) als zentraler Zerstörer zur Seite stand. Als Verbindungsmann zwischen Dortmunds Vierer-Reihe und dem Mittelfeld hatte sich Heinrich mit Barbarez auseinander zu setzen. Ricken versah seinen Dienst von der halblinken Grundposition aus - ein Stück hinter Rosicky, der hinter den Spitzen wirbelte (und sich für keinen Weg nach hinten zu schade war). Einen Sonderbewacher für den Tschechen stellten die Hamburger nicht ab; Hollerbach, der am häufigsten das (zweifelhafte) Vergnügen mit ihm hatte, verpflanzte Trainer Pagelsdorf von seinem angestammten Posten auf der linken Seite in die Mitte. Kovac, dort sonst zu Hause, rutschte deshalb als Pendant von Ricken nach halbrechts.

Spielverlauf: Dortmunds Elan, der nach Bobics Führungstreffer fast noch in einem zweiten Tor (Reina) zum Ausdruck gekommen wäre, verebbte früh. Pass-Ungenauigkeiten und Ballverluste schlichen sich ein, von denen die Gäste prompt profitierten. Dank eines glänzend aufgelegten Barbarez, dem Heinz als Ankurbler unter die Arme griff, dominierten die Hamburger. Mit scharfen Pässen in die Tiefe schlitzten sie Borussias Bröckel-Abwehr auf, vermochten aber nur selten Gefahrenmomente vor Laux herauf zu beschwören. Borussia mit Edel-Techniker und Ball-Beschleuniger Rosicky konterte im eigenen Stadion. Erst nach dem Wechsel riss der BVB das Heft wieder entschlossen an sich, hielt das Tempo hoch, entwickelte Druck und Ideen (Rosicky, Nerlinger, Ricken) und zerlegte die in ihre Einzelteile zerfallende Defensiv-Abteilung des HSV.

Fazit: Es war nicht alles Gold, was beim Sieger glänzte. Nachlässigkeiten in der Schlussphase (zwei Gegentore in Überzahl) störten.
 

BVB-Coach Matthias Sammer änderte seine Mannschaft gegenüber dem 0:0 gegen Bremen nur auf einer Position. Für den grippekranken Evanilson durfte Ricken nach seiner Gelb-Rot-Sperre wieder in der Startelf auflaufen. Oliseh rückte für Evanilson in die Viererkette zurück, Ricken wechselte sich auf der Position hinter den Spitzen mit Rosicky ab.

Der Hamburger SV musste auf die verletzten Groth und Mahdavikia verzichten. Trainer Frank Pagelsdorf brachte dafür in der Anfangsformation Präger und den Tschechen Fukal, der sich um Bobic kümmern sollte.

Die Partie im Westfalenstadion begann mit einem Paukenschlag. Fredi Bobic beendete in der 6. Minute mit dem Treffer zum 1:0 seine Torflaute. Nach einer Ecke von Rosicky verlängerte Reina den Ball und der Dortmunder Torjäger war mit dem Kopf zur Stelle. Mit der frühen Führung im Rücken versuchte die Elf von Matthias Sammer aus einem verstärkten Mittelfeld die Spitzen Bobic und Reina in Szene zu setzen. Heinrich (20.) und Reina (29.) hatten die Möglichkeit für die Borussia zu erhöhen. Aber auch der Gast aus Hamburg versteckte sich keineswegs und suchte sein Heil in der Offensive, doch die Dortmunder Abwehr hatte in der Folge wenig Mühe mit dem wenig durchdachten Angriffsspiel der Hanseaten. Nach einer halben Stunde verflachte die anfangs flotte Partie, bis zum Pausentee hatten beide Mannschaften einen kleinen Durchhänger. Kurz vor der Halbzeit dann die Riesenchance für die Pagelsdorf-Elf zum Ausgleich, doch nach einer gelungenen Aktion köpft Fukal nach einem weiten Flankenball aus fünf Metern freistehend links am Tor vorbei.

In der zweiten Halbzeit ließen es beide Mannschaften gemächlich angehen, ehe ein Dortmunder Doppelschlag die Partie vorzeitig entschied. In der 54. Minute spielte Bobic im Strafraum quer an Ricken und Fukal vorbei, Addo hatte am hinteren Fünfmetereck wenig Mühe das Leder in die Maschen des Hamburger Tores zu bugsieren. Vier Minuten später besorgte Bobic mit seinem zweiten Treffer das 3:0. Einen Traumpass von Rosicky brachte Ricken in Position, doch der scheiterte knapp an Butt. Bobic nahm den Abpraller auf und vollendete souverän. Als dann der eingewechselte Hashemian nach einer rüden Attacke gegen Rosicky die Rote Karte sah, war die Begegnung endgültig zu Ungunsten des HSV gelaufen.

Daran änderte auch der Anschlusstreffer des Ex-Dortmunders Barbarez, der mit einem gefühlvollen Schlenzer BVB-Keeper Laux überwinden konnte, in der 77. Minute nichts mehr. Im Gegenteil: Dortmund kam durch ein Eigentor von Fukal in der 82. Minute noch zu seinem vierten Tor, ehe Meijer in der letzten Minute mit dem 2:4 den Schlusspunkt setzte.

In einem sehenswerten Bundesliga-Spiel gewann die Dortmunder Borussia verdient mit 4:2 gegen den Hamburger SV. Dortmund hat die Ausrutscher der Konkurrenz genutzt und sich im Kampf um den Titel eindrucksvoll zurückgemeldet, für den HSV wird es nach der Pleite im Westfalenstadion im Abstiegskampf wieder eng. 
 

Die Höhepunkte des Spiels:
Schlusspfiff
90. Minute: Meijer trifft in der Schlussminute noch zum 2:4 für seine Farben. Einen weiten Pass von Ujfalusi nimmt Meijer mit der Brust mit, dreht sich und jagt den Ball aus 16 Metern ins rechte obere Toreck.
82. Minute: Jetzt kommt es knüppeldick für den HSV. Bobic setzt sich im Strafraum durch seinen Schuss faustet Butt auf den Fuß von Fukal, von dort springt der Ball ins Tor.
77. Minute: Der Ex-Dortmunder Barbarez trifft für den HSV zum 1:3! Gegen seinen gefühlvollen Schlenzer aus 18 Metern ins linke obere Toreck ist Laux chancenlos.
75. Minute: Nach einem Sololauf von der Mittellinie schießt Ricken den ball aus 16 Metern über das Tor.
58. Minute: Bobic sorgt mit seinem zweiten Treffer in diesem Spiel für eine kleine Vorentscheidung. Ein Traumpass von Rosicky bringt Ricken in Position, doch der scheitert knapp an Butt. Bobic nimmt den Abpraller auf und vollendet souverän.
54. Minute: Ein Hamburger vertändelt den Ball im Mittelfeld. Dortmund macht das Spiel schnell. Über Ricken und Bobic, der spielt quer auf Addo, der hat keine Mühe das Leder ins leere Tor zu schieben.
51. Minute: Beide Teams kamen unverändert aus der Kabine, auch das Spiel ist wie in der letzten Viertelstunde von Hälfte eins unverändert zerfahren.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
43. Minute: Gelungene Aktion des HSV. Einen Eckball von Präger verlängert Yeboah zu Barbarez, der legt zurück auf Hertzsch, dessen Flankenball bei Fukal landet. Doch der Tscheche köpft aus fünf Metern freistehend neben das Tor.
41. Minute: Die Partie ist im Moment von Zweikämpfen und Fehlpässen im Mittelfeld geprägt.
29. Minute: Kohler schickt Reina mit einem schönen Pass in den Strafraum, der zieht aus halblinker Position den Ball knapp am rechten Pfosten vorbei.
28. Minute: Das Spiel hat etwas an Fahrt verloren. Dortmund versucht immer wieder Bobic in Szene zu setzen, der HSV verzettelt sich zu sehr im Kurzpassspiel im Mittelfeld.
20. Minute: Nach einer Ecke kommt Heinrich an den Ball, doch er verzieht den Schuss, der rechts am Tor vorbei geht.
19. Minute: Die Gäste aus Hamburg machen Druck. Yeboah schickt Präger in die Tiefe, doch der zögert mit seinem Abschluss alleine vor BVB-Keeper Laux zu lange, Kohler kann klären.
17. Minute: Der HSV zeigt sich durch den frühen Rückstand nicht geschockt. Hollerbach legt quer auf Kovac, dessen 20-Meter-Schuss geht links am BVB-Gehäuse vorbei.
10. Minute: Glück für Dortmund! Einen weiten Flankenball verfehlt der einköpfbereite Yeboah nur ganz knapp.
6. Minute: Der BVB führt 1:0! Die Ecke von Rosicky verlängert Reina und Bobic ist mit dem Kopf zur Stelle.
6. Minute: Erste Möglichkeit für Dortmund. Bei einem Flankenball von Rosicky kann Fukal gerade noch für den einschussbereiten Reina zur Ecke klären.
5. Minute: Das Spiel im Westfalenstadion beginnt schwungvoll. Dortmund macht sofort Druck, aber auch der HSV versteckt sich nicht.
Anpfiff