Bundesliga 2000/2001, 30. Spieltag, Samstag, 21.04.01 um 15:30 Uhr in der Leverkusener BayArena

Bayer 04 Leverkusen  - Hamburger SV 1:1 (1:1)

Eigentlich fing der Spieltag für mich am Vorabend schon ganz schlecht an als mir mein Mitfahrer erzählte, daß er Samstag vormittag arbeiten müsse und gar nicht weiß, ob er rechtzeitig loskommt.  Außerdem müsse er dann noch einen Kleinlaster nach Bremen bringen... Samstag morgen kam dann für mich die Gewissheit, daß er es nicht schafft, aber er hatte zumindest nachts noch seine Karte an einer Autobahnraststätte hinterlegen lassen. So rief ich dann einen anderen Kumpel an, der sich gar nicht so recht für den HSV interessiert und nachdem er zuerst verneinte, tat er mir nach 5 Minuten dann doch den Gefallen einer Zusage. Also gings dann doch um 10:00 Uhr los gen Leverkusen. „Dank“ Osturlaubsrückreiseverkehr war es bis Hannover recht stockend, aber von da an ging es bis auf einen kurzen Stau sehr zügig nach Leverkusen.

Wir gingen dann schon sehr rechtzeitig ins Stadion und so bot sich mal wieder die Gelegenheit, einige seltsame Gestalten zu beobachten. Was laufen das bloß teilweise für Typen umher?!?! Es wird mir ein ewiges Rätsel bleiben, weshalb man durch halb Deutschland fährt und in ein Stadion geht, wenn man dann so und so schon so hack-voll ist, daß man schon vor dem Spiel nicht mehr gerade stehen kann. Besaufen kann man sich doch auch in der heimischen Kneipe....

Der Prolog konnte heute etwas länger ausfallen, da das Spiel an wirklich schönen Spielzügen und hochkarätigen Chancen ganz besonders in der 2. Halbzeit ziemlich arm war.

Der HSV spielte mit einer Aufstellung, die ich bis zum Schluß nicht so ganz 100%ig sicher begriffen habe. Hinten standen wir mit einer Viererkette Hertzsch – Panadic – Hoogma – Ujfalusi, wobei Ujfalusi dann auch auf  der rechten Seite mit nach vorne ging. Im zentralen Mittelfeld spielten Groth und Kovac. Töfting links davon und vorne dann Präger – Heinz – Mahdavikia, die allerdings sehr viel rochierten.

Leverkusen begann jedenfalls sehr druckvoll und der HSV für meinen Geschmack viel zu defensiv. Ein deutlicher Beleg für diesen m.E. zu hohen Respekt war z.B. daß bei den ersten Freistößen des HSV Hoogma und Panadic gar nicht mit nach vorne gingen, sondern hinten stehen blieben. Und das obwohl die kopfballstarken Meijer und Barbarez ja auch fehlten. Leverkusen kam in der Anfangsphase jedenfalls zu einigen sehr guten Chancen, bei denen ich mich teilweise fragte, wie man die überhaupt nicht danebenschießen konnte. Aber nach 15 – 20 Minuten ließ der Druck der Bayer-Spieler deutlich nach und der HSV konnte sich nun mehr und mehr befreien und selbst gute Offensiv-Szenen zeigen. Dabei hätte man ganz klar zwei Kopfballtore erzielen müssen durch Töfting und Kovac. Beiden wurde der Ball perfekt zugespielt und beide konnten sich durch mangelnde Gegenwehr eigentlich die Ecke aussuchen. Aber der Torwart konnte beide Bälle halten, wobei der Kopfball von Töfting auch direkt in seine Arme flog.
Und trotzdem konnte der HSV dann durch Glück noch in Führung gehen. Der HSV bekam einen Freistoß aus ca. 30 m und Töfting wollte direkt schießen. Diesen Freistoß drosch er in die Mauer und von dort wurde er wunderschön ins Tor befördert. Damit konnte die zuletzt erspielte Überlegenheit in ein Tor umgemünzt werden. Allerdings sollte die Fürhrung leider nicht in die Halbzeit gerettet werden. Direkt vor dem Halbzeipfiff konnte Ulf Kirsten den Ausgleich erzielen. Beosnders geärgert habe ich mich dabei über die Entstehung des Tores. Im Mittelfeld wurde ein HSVer klar gefoult, doch der Schiri wartete zunächst den Vorteil ab. Allerdings wurde der Ball nach 2 Stationen dann doch verloren und daraus entstand der Gegenangriff mit dem Tor. Dem Schiri kann man daraus wohl keinen Vorwurf machen, denn er hatte schon extra noch einige Sekunden gewartet. In dieser zeit spielten sich 2 HSVer den Ball so ungenau zu, daß er letztendlich doch beim Gegner landete. Wahrscheinlich kann man niemandem einen Vorwurf daraus machen, aber die Entstehung war eben doch unglücklich. Wären die HSVer gleich stehen geblieben, wäre es mir Freistoß für uns weiter gegangen. So fiel der ärgerliche, aber die ganze Halbzeit betrachtend, wohl nicht völlig unverdiente Ausgleich.

Aus der zweiten Halbzeit gibt es eigentlich kaum noch was zu berichten. Der HSV zog sich für meinen Geschmack zu sehr in die eigene Hälfte zurück und beraubte sich damit selbst seiner Stärke – der Offensive. Leverkusen spielte allerdings auch nicht sehr konstruktiv. Ich hatte zwar einige Male etwas Angst, aber letztendlich mußte Butt, wenn ich mich recht erinnere, nicht eine Glanzparade zeigen.

Auf der anderen Seite fiel mir auf, daß der Schiri scheinbar etwas gegen den nach langer Zeit wieder eingesetzten Präger hatte. Jedenfalls pfiff er ständig und immer wieder gegen ihn. Nun ist Roy Präger bestimmt kein Waisenknabe und zieht und kämpft mit Haken und Ösen. Es waren aber doch teilweise schon lächerliche Entscheidungen, als Präger ganz eindeutig der Gefoulte war.

Für den HSV gab es noch zwei sehr auffällige Szenen. Einmal war der Torwart nach einer Flanke sehr weit draußen  und der Ball kam zu Marek Heinz, der es leider nicht fertig brachte, einen guten Heber anzubringen. Und dann war ziemlich gegen Ende der Begegnung bei einem Konter plötzlich ein Hamburger durch und wurde direkt vorm Strafraum von den Beinen geholt. Der Leverkusener wurde vom Platz gestellt, aber der HSV konnte aus dem Freitstoß nichts machen.

So ging das Spiel sehr pünktlich zu Ende, ohne daß ich mir diesmal so viel Sorgen wie sonst um ein spätes Gegentor gemacht habe. Ich denke, daß ein Unentschieden ganz gerecht ist für die gezeigten Leistungen. Vielleicht hätte der HSV heute sogar mehr erreichen können, aber dann hätte man auch das ganze Spiel über mutig nach vorne spielen müssen.

Für Leverkusen war das eigentlich auch zu wenig. So werden sie wohl nicht wirklich um die Meisterschaft spielen können. 

Ich hatte vor dem Spiel schon auf einen Punkt gehofft und dieses Ziel wurde ja auch erreicht. Da Unterhaching und  Frankfurt verloren haben, war das auch ganz o.k. so. Hoffentlich kann der HSV durch einen Heimsieg gegen Rostock nun endgültig alles klar machen.

Meine Spielerbewertung:

Butt: Hatte wirklich so gut wie gar nichts zu tun. Das Tor war auf der anderen Seite und das kann ich nicht so gut beurteilen: Note 3

Hertzsch: spielte einen soliden Abwehrpart auf der für ihn eher ungewohnten linken Abwehrseite: Note 3

Panadic: von Kirsten war nicht viel zu sehen und vom Gegentor habe ich zu wenig gesehen, als das ich Pana daraus jetzt einen Vorwurf machen könnte: Note 3

Hoogma: wie die anderen solide: Note 3

Ujfalusi: Auch zu ihm fällt mir nicht viel zu sagen ein, weil Leverkusen unsere Abwehr nun auch nicht gerade schwindlig spielte: Note 3

Kovac: War für mich zusammen mit Stig Töfting bester HSVer. Kämpfte und versuchte, das Spiel anzukurbeln. Wurde wirklich oft gefoult: Note 3+

Töfting: Endlich mal wieder ein gutes Spiel von ihm. Der „Rasenmäher“ ackerte ordentlich auf der linken Seite und konnte erstmals in der Rückrunde wieder an die Leistungen der Hinrunde anknüpfen. Note 2-

Groth: Tja, der ist mir eigentlich überhaupt nicht aufgefallen. Hat keine groben Fehler gemacht, aber auch nicht viel positives bewirkt.: Note 4

Präger: auch, wenn ich ihn als Typen wirklich mag, so schlagen heute fast keine gewonnen Zweikämpfe und null Torgefahr zu Buche. Vielleicht bekommt er ja wegen der vielen Verletzten noch eine Chance. Ich denke, daß er mehrere Spiele brauchen würde, um wieder etwas in Tritt zu kommen. Aber wahrscheinlich bekommt er diese Chance diese Saison nicht mehr: Note 5

Mahdavikia: bemühte sich nach vorne, aber hat auch zu wenig Zug zum Tor. Allerdings fehlte dem Angriff heute auch häufig die Unterstützung aus dem Mittelfeld: Note 4

Heinz: blieb ebenfalls sehr blass. Es ist aber auch nicht sehr geschickt, ihn immer und immer wieder hoch anzuspielen. Das kann man mit Meijer, Yeboah oder Barbarez machen, aber Heinz ist dafür „körperlich ungeeignet“. Verdaddelte aber auch zu viele Bälle:  Note 4-

Schiri: Naja, der hatte Glück, daß es kaum knifflige Situationen gab. Abgesehen davon, daß er es mit Roy Präger m.E. zu schlecht meinte, habe ich nichts auszusetzen: Note 2

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 

Telegramm 
TORE :   0:1 Stig Töfting (41.), 1:1 Ulf Kirsten (45.)

GELBE KARTEN
Bayer 04 Leverkusen: Frankie Hejduk (48.), Robert Kovac (65.)
Hamburger SV

 PLATZVERWEISE 
Bayer 04 Leverkusen: Karte gelb/rot für Frankie Hejduk (88.)
Hamburger SV: -

SCHIEDSRICHTER :  Lutz Wagner 
ZUSCHAUER :  22,500 
DATUM :  21.04.01   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Bayer 04 Leverkusen: Frank Juric, Lucio, Diego Rodolfo Placente, Ze Roberto, Robert Kovac, Michael Ballack, Oliver Neuville, Jurica Vranjes, Frankie Hejduk, Ulf Kirsten, Paulo Rink, 
Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Ingo Hertzsch, Nico Jan Hoogma, Tomas Ujfalusi, Andrej Panadic, Martin Groth, Roy Präger, Niko Kovac, Stig Töfting, Marek Heinz, Mehdi Mahdavikia

WECHSEL 
Bayer 04 Leverkusen: Bernd Schneider für Oliver Neuville (62.), Dimitar Berbatov für Paulo Rink (67.)
Hamburger SV: Milan Fukal für Martin Groth (79.)
 

"Mit Berti Vogts in die dritte Liga"

Die Zuschauer in der Leverkusener BayArena formulierten ihren Unmut über die miserable Leistung ihre Mannschaft seit Dienstbeginn von Berti Vogts auf ganz besondere Art. "Mit Berti in die 3. Liga" war auf Transparenten zu lesen.
Zwar steht Bayer Leverkusen noch lange nicht vor einem Abstieg, doch was die Mannschaft gegen den Hamburger SV zeigte, lässt nicht viel Gutes erhoffen.
Kurios ging es in Leverkusen schon während der Woche her. Denn Vogts bot seinen Rücktritt an. Die Spieler sprachen sich jedoch für ihren Trainer aus.

Leistungsgerechtes Unentschieden
Viel wichtiger war allerdings die darauffolgende Aussprache zwischen Spieler, Trainer und Management. "So eine offene Aussprache habe ich in meiner aktiven Zeit als Spieler beziehungsweise Trainer noch nie erlebt", sagte Vogts.
Gegen den Hamburger SV sollten den Worten Taten folgen. Doch daraus wurde nichts. Robert Kovac analysiert: "Das größte Problem war, dass der eine bei Ballverlust des anderen nicht nachsetzt." Folge: Nach 90 Minuten stand es 1:1. Viel zu wenig für Bayer...

Ballack enttäuschte erneut
In kämpferischer Hinsicht lief es bei der Werks-Elf in der mit 22.500 Zuschauern ausverkauften BayArena besser als zuvor. Doch in spielerischer Hinsicht enttäuschten Michael Ballack und Co. auf ganzer Linie.
Das so hochgelobte Mittelfeldtalent war wenig kreativ, impulsiv, geschweige denn initiativ. Den einzig nennenswerten Spielzug vollendete Ulf Kirsten (45.) in typischer Torjägermanier. Zuvor hatte der gut aufgelegte Stig Töfting in der 41. Minute die Gäste aus dem Norden mit einem direkt verwandelten Freistoß aus 32 Metern in Führung gebracht.

Töfting ein Aktivposten
Die Gäste spielten gut mit und warteten zunächst auf Konter. Angetrieben von Töfting und Mehdi Mahdavikia erarbeiteten sie sich gute Chancen. Doch entweder scheiterten sie an Torwart Frank Juric oder an der Abschluss-Schwäche von Marek Heinz oder Roy Präger, der den gesperrten Sergej Barbarez vertrat.
In der zweiten Hälfte boten beide Mannschaften Magerkost, ohne nennenswerte Möglichkeiten. Der Hamburger SV ist damit seit acht Spielen ungeschlagen und spielte das sechste Mal in Folge Remis.

Vogts bleibt "...bis zum Saisonende"
Leverkusens Talfahrt unter Vogts hält an und der Trainer steht nach wie vor im Kreuzfeuer der Kritik. "Wir wollen Meister werden und ihr nicht", war auf einem weiteren Plakat der Leverkusener Fans zu lesen. Nach dieser Leistung muss der Bayer-Anhang sogar um die Teilnahme an der Champions-League zittern.
Zur Situation nach der Aussprache meinte Robert Kovac nach dem Spiel: "Berti Vogts bleibt unser Trainer." Und nach einer ganz kleinen Pause ergänzt er: "Bis zum Saisonende..."
 

Daten
Fakten:
Bertis erstes Unentschieden 
Zum ersten Mal spielte Leverkusen unter Vogts in der Bundesliga unentschieden. Zuvor gab es in 19 BL-Spielen (17 mit Vogts, zwei mit Völler) nicht eine Punkteteilung.

HSV nicht zu besiegen 
Der HSV ist nun acht Spiele ungeschlagen. Eine derartige Serie gab es 1998/99, als der HSV vom 23. bis 33. Spieltag ungeschlagen blieb - auch die aktuelle Serie begann am 23. Spieltag...

HSV mit Standardergebnis 
Zum sechsten Mal in Folge teilte der HSV die Punkte. Sechs Remis in Serie gab es für die Hamburger nur einmal in der Bundesligageschichte (vor über fünf Jahren). 

Hejduks Premiere 
Frankie Hejduk kam zu seinem dritten Einsatz in dieser Saison. Zuvor spielte er am 14. Spieltag gegen Kaiserslautern (4:2 für Bayer). Zumindest nächste Woche wird es nicht zu einem weiteren Einsatz kommen. Hejduk wurde erstmals in seiner Bundesligakarriere per Gelb-Rot des Feldes verwiesen.

Schlaglichter:
Erfolglos überlegen 
Bayer Leverkusen dominierte zwar über weite Strecken das Spiel und kam auch mit 17 zu mehr Torschüssen als der HSV (elf). Vor allem über die Flügel machten die Leverkusener deutlich mehr Druck. 15 Flanken der Bayer-Elf stehen nur fünf der Hamburger gegenüber. Sieben zu eins Ecken aus Bayer-Sicht runden das Bild der Leverkusener Überlegenheit ab.

Neuville rechts ohne Wirkung 
Wieder einmal musste sich Oliver Neuville auf dem ungeliebten rechten Flügel versuchen. Nachdem er im Sturmzentrum seine Gefährlichkeit in dieser Saison immer wieder unter Beweis stellte, blieb er außen wirkungslos. Ohne Torschuss und ohne Torschussvorlage wurde Neuville nach 62 Minuten ausgewechselt.

Präger beendet glücklos seine Negativserie 
Neuvilles Pendant beim HSV hieß Roy Präger. Auch der kam (ständig mit Mehdi Mahdavikia rochierend) über die Flügel, gewann nur 16% seiner Zweikämpfe und blieb wie Neuville ohne Torschuss. Wenigstens verlor der HSV nicht wie in den sieben Spielen, bei denen Roy Präger in der Starformation der Hamburger stand.

Ballack tauchte ab 
An sieben Leverkusener Torschüssen war Michael Ballack beteiligt. Dennoch "tanzte" der Nationalspieler eigentlich nur eine Spielhälfte lang. Gab er vor der Pause noch zwei Torschüsse ab und legte viermal zu einem Torschuss seiner Kollegen auf (darunter zum Treffer von Kirsten), blieb es nach dem Seitenwechsel bei einem einzigen Torschuss – seine Mitspieler warteten vergebens auf effektive Zuspiele.

Töfting mit Gefühl im Fuß 
Als Schütze der Standardsituationen fiel es Stig Töfting nicht schwer, mit fünf auf die meisten Torschüsse aller Spieler zu kommen. Mit seinem direkten Freistoßtor bewies der Däne allerdings seine Qualitäten als Schütze – seine vier Bundesligatore erzielte er auf diesem Wege. 

Familiäre Veranlagung? 
Die meisten Fouls seitens der Hamburger beging Niko Kovac (sieben wie auch Präger). Da war es wohl so etwas wie Ehrensache, dass Bruder Robert bei Leverkusen am häufigsten foulte (sechsmal). Komisch nur, dass der Leverkusener Gelb sah, während sein Bruder ohne Verwarnung nach Hamburg zurück fuhr.

Topspieler: Stig Töfting (Hamburger SV)
Das dänische Kraftpaket im Hamburger Mittelfeld war an diesem Tage nicht nur in kämpferischer Hinsicht ein Vorbild. Auch im offensiven Mittelfeld, das er sich mit Groth teilte, setzte der 31-jährige Töfting Akzente. Von den elf Torschüssen seiner Mannschaft gab der dänische Nationalspieler alleine fünf ab, zu immerhin zwei gab er die Vorlage. Damit war er an über der Hälfte aller Torschüsse seiner Mannschaft beteiligt. Lohn der guten Leistung war sein Führungstreffer, als er einen direkten Freistoß verwandelte. 
 

Spielwertung: 2 Bälle (von 4 möglichen)

Kommentar:
Die Leverkusener haben eine turbulente Woche hinter sich. Nach dem Rücktrittsangebot des Trainers Berti Vogts, das die Mannschaft jedoch ablehnte, kam es zur "großen" Aussprache. Gegen den Hamburger SV wollten sie den Worten Taten folgen lassen, doch das allerdings misslang. Zwar kämpfte Bayer, doch was das Team spielerisch ablieferte, knüpfte nahtlos an die schlechten Leistungen der vergangenen Partien an. Michael Ballack war zu keiner Zeit in der Lage, Ideen zu entwickeln und enttäuschte erneut. Es scheint, dass die Mannschaft sich zwar für Vogts ausgesprochen hat, doch was am Ende der Saison passieren wird, steht wohl in den Sternen. 
Nach dem sechsten Remis in Folge und dem achten Spiel ohne Niederlage sammelt der Hamburger SV Punkt um Punkt, um die magische 40 zu erreichen. Es sieht beinahe so aus, als ob die Hamburger verlernt haben zu gewinnen. Dennoch: Auch in der BayArena gab es für die Mannschaft von Frank Pagelsdorf die Möglichkeit zu gewinnen. In dieser Form steigt Hamburg sicher nicht ab.
Andre Elsner 

Taktik:
Bayer Leverkusen:
Vor Torwart Juric vertraute Vogts einer Viererabwehrkette mit Placente links, Lucio und Kovac zentral und Hejduk auf rechts. Davor sicherte Vranjes in der Ramelow-Rolle zentral defensiv ab. Links offensiv sollte Ze Roberto für Schwung sorgen und Ballack, der im zenralen offensiven Mittelfeld agierte, unterstützen. Neuville kam rechts offensiv und spielte eine hängende Spitze. An vorderster Front liefen Kirsten und Rink auf.
Im Verlauf der zweiten Hälfte ersetzte Schneider den schwachen Neuville auf der rechten Offensivseite, Berbatov ging etwas später für Rink in den Sturm.

Hamburger SV:
Vor Torwart Butt agierte eine "verkappte" Viererkette: Hertzsch auf links, Panadic und Hoogma in der Zentrale und Ujfalusi auf der rechten Seite. Ujfalusi agierte dabei allerdings offensiver und sorgte für Entlastung über seine Seite. Zentral defensiv sicherte Kovac ab. Töfting im halblinken und Kapitän Groth im halbrechten Mittelfeld sollten die Stürmer Heinz zentral, Präger auf links und Mahdavikia über die rechte Seite mit Vorlagen füttern. Mahdavikia und Präger rochierten oft ihre Seiten.
Fukal ersetzte den angeschlagenen Groth und besetzte seine Position im Mittelfeld, eher defensiv ausgerichtet. 

Stimmen
Trainer Berti Vogts (Bayer Leverkusen): 
"Ich kann der Mannschaft bezüglich der Einstellung und des Willens keinen Vorwurf machen. Allerdings waren wir spielerisch nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Man hat außerdem gesehen, dass viel Nervosität im Spiel war. Ich glaube, dass wir auswärts befreiter aufspielen." 

Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburger SV):
"Es ist schade, dass wir die 1:0-Führung nicht in die Pause mitnehmen konnten. In der zweiten Hälfte war es ein verteiltes Spiel. Ich denke, der Punkt entspricht dem Spielverlauf." 


 
dpa meldet: Kein Befreiungsschlag für Bayer-Elf

Leverkusen (dpa) - Bayer 04 Leverkusen hat mit dem 1:1 (1:1) gegen den Hamburger SV nach einer Woche der Konfliktbewältigung sportlich noch keinen wirklichen Ausweg aus der Krise gefunden und im Titelrennen an Boden verloren.

Der HSV blieb vor 22 500 Zuschauern in der ausverkauften BayArena im achten Spiel in Folge ohne Niederlage und konnte sich im Kampf um den Verbleib im Fußball-Oberhaus mit dem sechsten Remis in Serie aber nicht entscheidend vom Tabellenende absetzen. Für die Hanseaten erzielte Stig Töfting (41.) den Führungstreffer, den Ausgleich schaffte kurz vor der Pause Ulf Kirsten (45.). Nach dem 1:1 dürfte die Diskussion um Bayer-Chefcoach Berti Vogts noch nicht vom Tisch sein. Neben der Punkteteilung musste Leverkusen in der 88. Minute auch noch den Platzverweis von Frank Hejduk verkraften.

«Wir wollen Meister werden - ihr auch???» stand auf einem Transparent, mit dem die Bayer-Fans ihre Mannschaft vor dem Spiel anspornen wollten. Tatsächlich gingen die Leverkusener Kicker auch mit großem Engagement und motiviert die Rehabilitation nach zuletzt enttäuschenden Leistungen an. Die Aussprache zwischen Spielern und Trainer Vogts, dem sie danach das Vertrauen ausgesprochen haben, zeigte Wirkung. Guter Wille allein reichte gegen einen in der Anfangsphase recht harmlosen HSV, der ohne Torjäger Sergej Barbarez, Erik Meijer und Bernd Hollerbach antrat, jedoch nicht.

Der vor allem von Vogts kritisierte Nationalspieler Michael Ballack hatte die erste große Möglichkeit für die Bayer-Elf: Ein schöner Pass von Jurica Vranjes nahm er schulmäßig mit der Brust an, doch als er schießen wollte, spitzelte ein HSV-Abwehrspieler ihm den Ball noch vom Fuß. Diese Szene war für ihn symptomatisch, agierte er doch engagiert, aber glücklos. Nach einer Phase, in der gut eine Viertelstunde wenig passierte, kam vor allem der Hamburger SV stärker auf. Ein Kopfball von Jan Hoogma (31.) aus fünf Metern konnte Bayer- Schlussmann Frank Juric glänzend parieren. In der 41. Minute war er jedoch gegen einen 27-m-Freistoß des Dänen Stig Töfting, der noch abgefälscht wurde, machtlos. Doch Sekunden vor der Halbzeitpause gelang Ulf Kirsten mit seinem zwölften Saisontor aus kurzer Distanz noch der Ausgleich.

Die Remis-Spezialisten von der Elbe wirkten nach der Halbzeitpause entschlossener und konzentrierter. Dagegen schien der Erfolgsdruck bei den Gastgebern eine Last zu sein. Sie hatten in der 65. Minute zudem Glück, dass ein erneuter Freistoß des hervorragenden Dänen Töfting durch eine Glanzparade von Juric nicht in die Maschen ging. Die Leverkusener, zeitweise mit Pfiffen vom eigenen Publikum bedacht, hatten dagegen kaum noch zwingende Möglichkeiten zum Siegtreffer. Zudem verlor Bayer Leverkusen in der 88. Minute auch noch Frank Hejduk, der Tomas Ujfaluji von hinten die Beine wegzog. 


 
kicker meldet:

Kurzbericht 

Nach der 1:3-Heimschlappe gegen Freiburg änderte der in dieser Woche in die Schlagzeilen geratene Bayer-Coach Berti Vogts seine Elf auf vier Positionen. Die wegen Gelb-Sperre pausierenden Nowotny und Ramelow wurden durch Robert Kovac und Hejduk ersetzt. Für Zivkovic und Schneider durften Placente und Rink von Anfang an ran. Ebenfalls auf zwei Gelb-Sünder musste Hamburgs Trainer Frank Pagelsdorf verzichten (Barbarez, Hollerbach). Für sie rückten Hertzsch und Präger ins Team. Im Vergleich zum 1:1-Heimremis gegen Köln entschied sich der HSV-Coach obendrein für Töfting, der für Meijer (Bänderriss) in die Anfangsformation rutschte.

Bayer Leverkusen präsentierte sich in der ersten Hälfte mit einer erschreckend schwachen Vorstellung. Die Werkself ließ den notwendigen Einsatz vermissen, der von einer Elf erwartet werden kann, die um die Meisterschaft spielt. Aus dem Mittelfeld, in dem der glücklos und einfach überfordert wirkende Ballack sich zwar bemühte und auch stets anspielbar zeigte, kamen zu wenig Impulse, um die tief in der eigenen Hälfte stehenden Norddeutschen ernsthaft in Gefahr zu bringen. Gute Tormöglichkeiten blieben für die Bayer-Elf aber auch deshalb Mangelware, weil die Sturmspitzen bei ihren jeweiligen Gegenspielern in guten Händen waren bzw. sich zu wenig bewegten, um als echte Anspielstation zu fungieren. Der HSV beschränkte sich in der ersten halben Stunde zunächst auf die Defensive, wurde danach aber immer mutiger und war ab diesem Zeitpunkt die Spiel bestimmende Mannschaft und stürzte die neuformierte Bayer-Abwehr von einer Verlegenheit in die andere. Hoogma scheiterte mit einem Kopfball aus fünf Metern zwar noch an dem glänzend parierenden Juric, folgerichtig erzielten die Gäste aber die Führung (41.), die zwar, weil der Freistoßtreffer von Töfting aus 30 Metern von Kirsten noch abgefälscht wurde, etwas glücklich zustandekam, doch das Ergebnis der durchdachteren und reiferen Spielanlage war. Unmittelbar vor dem Pausenpfiff verspielte der HSV dann noch die nicht unverdiente Führung. Sie verloren unbedrängt im Mittelfeld den Ball, Ze Roberto konnte sich endlich einmal durchsetzen und eine Flanke von der linken Seite nach innen ziehen, die Ujfalusi auf den Kopf von Ballack ablenkte, der wiederum Kirsten fand. Der Torjäger köpfte mit seinem 13. Saisontreffer aus kurzer Entfernung zum Ausgleich ein.

Wer gedacht hatte, dass dieser zu einem psychologisch wichtigen Zeitpunkt gefallene Ausgleichstreffer bei den Leverkusenern für eine Initialzündung sorgen würde, sah sich getäuscht. Im weiteren Verlauf entwickelte sich eine emotionslos wirkende Partie, bei der sich keine der beiden Teams größere Vorteile erspielen konnte. Bayer bleib zwar optisch überlegen, scheute aber das Risiko und konnte so das Tor der sicher stehenden Gäste nicht entscheidend gefährden. Überhaupt blieben Torchancen auf beiden Seiten in den zweiten 45 Minuten Mangelware. Beim HSV erwies sich die Hereinnahme von Töfting als kluger Schachzug, denn der Däne zeigte über die gesamten 90 Minuten eine hervorragende Partie und war bester Mann auf dem Platz.

Leverkusen wirkte während der gesamten Begegnung konzeptlos und muss in dieser Verfassung seine Meisterschaftshoffnungen begraben. Gegen die schwache Bayer-Elf verpasste der HSV mit dem sechsten Unentschieden in Folge zwar den entscheidenden Befreiungsschlag im Abstiegskampf, kann aber durch die solide Vorstellung optimistisch in die Zukunft schauen.
 

Chancenverhältnis: 5:3 
Eckenverhältnis: 7:1 
Schiedsrichter: Wagner (Hofheim), Note 4,5 - Nervte mit seinem kleinlichen Gepfeife Zuschauer und Spieler, große Probleme im Bewerten von Zweikämpfen. 
Spielnote: 4 
Spieler des Spiels: Töfting - Torschütze und auffälligster Spieler auf dem Platz. Effektiv und laufstark, immer im Dienst der Mannschaft. 

Analyse 
  
Personal: Bayer mit vier Änderungen gegenüber der Vorwoche: Die gesperrten Nowotny und Ramelow wurden durch Robert Kovac und Placente ersetzt, Hejduk kam für Zivkovic, Rink für Schneider. Frank Pagelsdorf ersetzte die gesperrten Hollerbach und Barbarez sowie den verletzten Meijer durch Hertzsch, Töfting und Präger.

Taktik: Bei beiden Mannschaften bewirkten die personellen Umbesetzungen auch Änderungen der Spielanlage: Bayer agierte mit zwei Deckern im Zentrum, die unterstützt wurden von Hejduk und Placente auf den defensiven Außenpositionen. Bei Hamburger Angriffen bildete sich so eine Viererkette. Vranjes übernahm die Position von Ramelow zentral defensiv, Neuville (rechts) und Zé Roberto sollten als hängende Außenstürmer die Angriffsspitzen Rink und Kirsten bedienen. Der HSV begegnete dem mit einer Dreier-Kette, in der Hertzsch leicht vorgeschoben auf Neuville spielte. Ujfalusi nahm sich auf der anderen Seite Zé Robertos an. So konnte Töfting von der halblinken Position häufig in die Zentrale rücken, wo er mit Groth und Niko Kovac ein engmaschiges Netz spannte, in dem sich die Leverkusener Aufbaubemühungen verfangen sollten. Präger und Mahdavikia versuchten von den offensiven Außenpositionen Heinz im Zentrum zu unterstützen.

Spielverlauf: Bayer versuchte von Beginn an, das Geschehen in die Hamburger Hälfte zu verlagern, nutzte dabei die gesamte Breite des Platzes. Das führte zu einer optischen Überlegenheit, die allerdings nicht effektiv genutzt wurde. Zu harmlos, zu wenig druckvoll ging es Richtung Butt. Nach und nach befreite sich der HSV, schaffte Überzahl im zentralen Mittelfeld mit den fleißigen Groth, Niko Kovac und Töfting, die Ballacks (ließ in der zweiten Hälfte deutlich nach) und Vranjes' (der zu häufig das Tempo verschleppte) Aufbaubemühungen nicht zur Entfaltung kommen ließen. Mit zunehmender Spieldauer ließ Bayer Nerven erkennen, ein konsequenter Hamburger SV hätte an diesem Nachmittag sicherlich für die dritte Heimniederlage der Vogts-Truppe sorgen können. So blieb es bei den beiden schnell auf einander folgenden Toren, die nicht für das enttäuschende Spiel entschädigten.

Fazit: Bayer kämpfte, Bayer wollte - aber Bayer konnte nicht. Und auch der HSV bekleckerte sich nicht mit Ruhm. 
 

Höhepunte des Spiels:
Schlusspfiff
89. Minute: Nach Foul an dem durchgebrochenen Ujfalusi erhält Hejduk zurecht die Gelb-Rote Karte. Den anschließenden Freistoß setzt Töfting aus 18 Metern in die Leverkusener Mauer.
85. Minute: Hejduk verfehlt mit einem Fernschuss das Tor von Butt um sechs Meter.
66. Minute: Juric hält einen Töfting-Freistoß aus 25 Metern sicher.
61. Minute: Nach längerer Pause endlich wieder eine Aktion in der Bayarena. Rink setzt zum Alleingang an, läßt drei Hamburger stehen, schießt aber über das Tor. Gleich danach Flanke von Placente, Kopfball von Kirsten, doch der geht über das Tor.
52. Minute: Kirsten passt von der rechten Seite auf Rink, der in mittlerer Position aus 16 Metern zum Schuss kommt, aber genau auf Butt zielt, der den Ball unter sich begräbt.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
45. Minute: Der Ausgleich! Ze Roberto flankt von links, Ujfalusi lenkt den Ball ab, so dass Ballack mit einer Kopfballvorlage Kirsten bedienen kann, der aus kurzer Entfernung zum Ausgleich einköpft.
41. Minute: Freistoß von Töfting. Aus 25 Metern zieht der Däne ab, Kirsten lenkt den Ball noch unglücklich ab, so dass sich der Ball zur HSV-Führung ins rechte obere Toreck senkt. Juric ist ohne Abwehrchance.
38. Minute: Alleingang von Mahdavikia, der drei Leverkusener stehen lässt und gerade noch von Robert Kovac gebremst werden kann, der zur Ecke ablenkt.
37. Minute: Schöner Angriff des HSV über links. Heinz zieht den Ball nach innen, wo Nico Kovac frei zum Kopfstoß kommt, das Tor aber knapp verfehlt.
33. Minute: Rink bringt die Kugel im Anschluss an einen Eckball nicht unter Kontrolle. Butt kann klären.
32. Minute: Glanzparade von Juric! Hoogma kommt nach einem Freistoß von Mahdavikia aus fünf Metern frei zum Kopfball, doch der Bayer-Keeper rettet mit Blitzreaktion.
31. Minute: Heinz köpft nach Groth-Freistoß neben das Tor.
30. Minute: Nach einem Einwurf kommt Nico Kovac an den Ball, schießt sofort, setzt aber den Ball weit über das Leverkusener Tor.
26. Minute: Lucio lässt Nico Kovac auf der linken Seite mit Übersteiger schlecht aussehen, verzieht aber den anschließenden Schuss neben das Tor.
22. Minute: Ballack erhält das Leder von Rink und schießt aus 16 Metern, doch er trifft den Ball nicht richtig, so dass Butt nicht einzugreifen braucht. Im Gegenzug Kopfball von Töfting, der jedoch auch zu schwach ist, um Juric zu gefährden.
15. Minute: Vranjes passt mit dem Außenrist auf Ballack, der den Ball an der Strafraumgrenze mitnimmt, aber im letzten Moment noch von Hoogma gestört wird, der zur Ecke rettet.
8. Minute: Nach Foul an Ballack zirkelt Ze Roberto den Freistoß aus 20 Metern über die Mauer, aber auch knapp über das Tor.
3. Minute: Brasilianische Kombination auf der rechten Seite. Ze Roberto tanzt zwei Hamburger aus, legt auf Rink zurück, der einen wuchtigen Schuss aber über den Kasten setzt.
Anpfiff