Bundesliga 2000/2001, 31. Spieltag, Sonntag, 29.04.01 um 17:30 Uhr im Hamburger Volkspark bei 17 Grad C

Hamburger SV - FC Hansa Rostock 2:1 (0:1)
 
Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so dermaßen das Gefühl eines glücklichen Sieges hatte. Ich fand den Sieg gegen Rostock zwar insgesamt o.k., aber das wir in der Nachspielzeit den Siegtreffer schießen und danach nicht mal mehr angepfiffen wird.... Da sind mir so einige Steine vom Herzen gefallen. Gewohnt sind wir ansonsten ja nur Gegentore in letzter Minute.

Das erste Mal so richtig bewußt wurde mir der Ernst der Lage am Vorabend beim Anschauen der Tabelle. Wenn wir heute verloren hätten und Haching gewinnt, wären es nur 3 Punkte Abstand zum Abstiegsplatz gewesen und wenn man sich dann mal unsere letzten 3 Spiele ansieht, kommt man schon ins Grübeln. Nächste Woche geht es gegen Lautern, die mit allen Mitteln in den UEFA-CUP wollen, darauf nach Cottbus, die jeden Punkt gegen den Abstieg brauchen und das Saisonfinale gegen Bayern, die vermutlich einen Sieg brauchen, um überhaupt eine Meisterschaftschance zu haben. Ich habe das Gefühl, daß ich erst jetzt nach dem Spiel bzw. so langsam während des Spiels begriffen habe, wie tragisch das heute für den HSV hätte enden können.

Tragisch begann es leider auch. Bereits nach 3 Minuten lagen wir mit 0:1 zurück. Bei einem Rostocker Konter wurde Salou angespielt. Er drang in den Strafraum ein und wurde nur halbherzigst vom Hamburger Verteidiger bedrängt, der schließlich neben ihm grätschte, ohne aber zum Ball zu gehen (was vielleicht auf einen Elfer gekostet hätte). Jedenfalls stand Salou letztendlich vor Butt und murkste den Ball aus kurzer Entfernung irgendwie rein. Dabei sah Butt wieder einmal zumindest unglücklich aus. Er machte einem auch bei mehreren Bällen während des Spiels wieder einmal Angst, weil er sich absolut ängstlich im Strafraum verhält. Da laufen Bälle nur wenige Meter von ihm entfernt durch den Strafraum und er bewegt sich einfach nicht hin. Ganz anders da wieder einmal Pieckenhagen, auf den ich mich spätestens nach dem heutigen Spiel wirklich freue. Im Tor verschlechtern wir uns ganz gewiß nicht. Vielleicht mag er nicht so gut Fußball spielen können, aber in der Strafraumbeherrschung ist er Butt um Welten voraus.

Nach dem 0:1 nahm der HSV das Spiel in die Hand und erspielte sich etliche – teilweise hundertprozentige – Chancen. Aber man muß auch zugeben, daß es ganz böse ins Auge gehen hätten können, denn noch bevor der HSV seine erste sehr gute Chance hatte, hätte die heute unbeschreiblich schlechte HSV-Innenverteidigung Hoogma und Panadic fast noch 2 – 3 Tore zugelassen. Die Rostocker hatten mehrere brandgefährliche Konterchancen, mit denen sie das Spiel hätten früh entscheiden können. Dabei waren insbesondere Salou und Agali sehr gefährlich und ließen Hoogma und Panadic ständig schlecht aussehen.

Dann hatte aber auch der HSV reichlich Chancen zum Ausgleich. Die besten, die mir dabei einfallen, waren 100 %ige Chancen von Präger und Barbarez. Präger avancierte heute etwas zum Buhmann der Fans, weil er wirklich etliche sehr gute Chancen hatte, aber leider keine abschließen konnte. Ich muß zwar zugeben, daß er seinem Spitznamen „Chancentod“ heute alle Ehre gemacht hat, aber eigentlich war ich mit seiner Leistung insgesamt zufrieden. Ja gut, er hätte treffen müssen, aber ich war froh, überhaupt endlich mal wieder den Präger des letzten Jahres zu sehen. Bei seinen bisherigen Einsätzen in dieser Saison zeichnete er sich meistens bestenfalls durch Kampf aus, hatte aber nie Torchancen. Heute hatte er aber wieder richtig Biss und erspielte und errannte sich zig Torchancen. Wie gesagt hätte er dabei auch treffen müssen, aber ich halte es da mal mit dem einstigen Wunderstrümer Andreas Merkle, der nach dem Spiel gegen Saragossa sagte „Es ist doch schön, daß wir uns so viele Torchancen erspielt haben.“ Und genau das hatte Roy nämlich ansonsten in dieser Saison nicht mal geschafft. Für mich ist Roy mit dem heutigen Spiel endlich wieder auf einem sehr guten Weg.

Wir hatten also schon in der 1. Halbzeit zig Torchancen und konnte davon keine einzige nutzen. Die Mannschaft wurde mit dem 0:1 und einem doch leichten Pfeifkonzert in die Kabine geschickt. Dieses Pfeifen kann ich übrigens kaum nachvollziehen, denn mehr Chancen kann man sich kaum erspielen.

Dafür sollte die 2. Halbzeit aber mit einem positiven Paukenschlag für uns beginnen. Nach nicht einmal einer Minute konnte Marek Heinz seine heute gute Leistung als Mann hinter den Spitzen mit einem wunderschönen Tor zum 1:1 krönen. Er wurde an der Strafraumgrenze von Ujfalusi kurz angespielt, drehte sich nur und schoß den Ball direkt auf der Drehung unhaltbar in den Winkel.

Der HSV machte weiter das Spiel und die Rostocker hatten nun nicht einmal mehr richtige Konter. Sie verteidigten den eigenen Strafraum mit Mann und Maus. Dabei konnte der HSV aber nicht mehr die Anzahl der Chancen der 1. Halbzeit erspielen. Trotzdem waren es noch genug Chancen, um endlich den wichtigen Führungstreffer zu erzielen. Aus Haching wurde nämlich die Führung auf der Anzeigetafel angezeigt und das bedeutete, daß der HSV bei einem Unentschieden und Hachinger Sieg nur noch 4 Punkte vom Abstiegsplatz entfernt wäre.

Der HSV hatte z.B. durch Kovac per Kopfball und Heinz per Lattenschuß excellente Einschußchancen, aber ein Tor wollte einfach nicht gelingen. Schließlich erhielt Agali nach 75 Minuten die gelb-rote Karte. Nun ging HSV-Trainer Pagelsdorf volles Risiko und wechselte die Stürmer Bester und Yilmaz für Töfting und den angeschlagenen Hollerbach ein. Doch nun wirkte der HSV irgendwie wie gelähmt. Es wurden jetzt kaum noch Chancen erspielt.

Trotzdem hatte Marinus Bester mit seinem ersten Torschuß gleich eine Superchance. Da war eine Flanke über Freund und Feind hinweg zu ihm an den langen Pfosten gekommen. Er konnte den Ball aber nicht hart genug auf den kurzen Pfosten bringen, sodaß sich einige Rostocker noch in den Weg schmeißen konnten.  Nun waren wir aber schon in der Nachspielzeit und es sollte den letzten Eckball und die letzte Chance geben. Und es passierte wirklich das Unglaubliche: Der HSV machte den eminent wichtigen Siegtreffer zum 2:1. Zuerst hatte ein Hamburger den Ball auf´s Tor gebracht, doch ein Rostocker konnte auf der Linie gerade noch so klären. Der Ball fliegt hoch vom Tor weg und Bester kommt hereingelaufen und köpft den Ball aus kurzer Entfernung in den Kasten.

Damit hat Bester eines der wichtigsten Tore dieser Saison gemacht. Auch wenn ich denke, daß er als Spieler nichts auf dem Feld zu suchen hat, weil er dazu nicht mehr gut genug ist, so freut man sich doch sehr, daß dieses entscheidende Tor von einem bekennenden HSV-Fan erzielt werden konnte.

Ich glaube, ich habe nun erst im Nachhinein so langsam fassen können,  wie wichtig dieses Tor für „meinen“ HSV war. Das erste Mal wurde es mir bewußt als ich nach dem Tor einen Freund weinen sah. Später war dann ja auch im TV noch zu sehen, daß es auch Pagel so erging und auch er seine Tränen der Erlösung nicht aufhalten konnte.

Der Abstieg dürfte nun so gut wie sicher abgewendet sein, denn wir haben 6 Punkte Vorsprung und ein wesentlich besseres Torverhältnis. Da müßten wir jetzt schon jedes Spiel verlieren und der derzeit drittletzte Cottbus müßte 2 mal siegen (darunter gegen uns) und mindestens ein weiteres Unentschieden erreichen. Auch die Mannschaften auf den Rängen 14 und 15 müßten uns erstmal einholen.

Ich denke, daß man den Blick nun doch ENDLICH ein wenig nach oben richten kann und man schauen sollte, ob man es in den verbleibenden 3 Spielen noch in den UI-Cup schaffen kann. 

Zum heutigen Spiel möchte ich noch sagen, daß wirklich viele Hansa-Fans im Stadion waren und auch mächtig Stimmung gemacht haben (leider auch über weite Strecken lauter als wir). Nach dem Spiel gingen aber ausnahmsweise mal nicht alle Zuschauer so schnell wie sonst und die Mannschaft bedankte sich noch brav bei allen Tribünen. Etwas peinlich fand ich es dann trotzdem, daß man „We are the champions“ auflegte, denn letztendlich haben wir nun nach einer furchtbaren Saison bisher nur das minimalste aller Ziele – den Klassenerhalt – geschafft. Trotzdem bin ich unendlich glücklich, daß wir nun nicht mehr bis zum letzten Spiel zittern werden müssen.

Ich denke, daß der heutige Sieg in Ordnung ging, weil der HSV einfach viel mehr für das Spiel getan hat. Die Rostocker hatten allerdings in der ersten Halbzeit auch Chancen, das Spiel für sich zu entscheiden. Unverständlich ist mir bis jetzt, weshalb sich die Rostocker in der zweiten Halbzeit so zurückzogen. Sie hatten doch in der ersten Halbzeit gesehen, welche Probleme sie unserer Innenverteidigung bereiteten.

Meine Spielerbewertung:

Butt: Beim 0:1 sah er auch nicht glücklich aus. Ansonsten bekam er nichts aufs Tor und zeigte in der Strafraum“beherrschung“, wie man das nicht machen sollte:Note 4-

Hoogma: hatte ganz viele Szenen,  in denen er sehr schlecht aussah. Einfach zu langsam: Note 5

Panadic: gefiel mir eigentlich genauso wenig wie Hoogma. Allerdings habe ich schon gelesen, daß er die meisten Zweikämpfe führte auf dem Platz und auch einen sehr hohen Prozentanteil gewann. Deshalb noch: Note 4

Ujfalusi: weiterhin der beständigste Verteidiger des HSV in der Rückrunde. Aber das Flanken sollte er noch reichlich üben, denn es ist schade, wenn er sich so oft und gut in Position bringt, aber die Flanken dann meist beim Gegner landen: Note 3

Hollerbach: Kämpfte gut nach hinten und gab einige schöne Flanken nach vorne: Note 2

Kovac: sah beim 0:1 recht alt aus und konnte auch ansonsten das Spiel nicht sehr positiv beeinflussen: Note 4

Töfting: Der „Rasenmäher“ gefiel mir heute wieder ganz gut. Er scheint sich nun endlich wieder gefangen zu haben: Note 3

Heinz: durfte erstmals hinter den Spitzen in der Position ran, die er nach eigenen Aussagen am liebsten spielt. Das hat er über einen langen Zeitraum sehr gut gemacht. Am Ende ließ er dann nach: Note 2-

Mahdavikia: dafür, daß der HSV ständig nach vorne spielte, war einfach zu wenig von ihm zu sehen. War im Gegensatz zu seinen Sturmkollegen auch fast chancenlos: Note 4

Barbarez: hatte erneut Torchancen, aber heute vergab er sogar die besten. Note 3

Präger: Ich weiß, daß ich mit meiner positiven Meinung über ihn nach dem heutigen Spiel wohl ziemlich allein stehe, aber trotzdem fand ich ihn sehr gut. Er war sehr quirlig und ständig unterwegs. Nur so konnte er sich auch überhaupt die vielen Torchancen erspielen. Hätte er getroffen, wär er für alle wieder der König gewesen. Ich war auch so erfreut über ihn und hoffe, daß er an diese Leistung anknüpfen kann: Note 2

Schiri Heynemann: fiel mir kaum auf und hatte auch das Glück, keine spielentscheidenden Dinge pfeifen zu müssen: Note 3

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 

Telegramm 
TORE :   0:1 Bachirou Salou (3.), 1:1 Marek Heinz (46.), 2:1 Marinus Bester (90.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Bernd Hollerbach (37.), Roy Präger (47.), Sergej Barbarez (81.), Milan Fukal (90.)
Hansa Rostock: Sven Benken (19.), Marco Zallmann (51.), Rayk Schröder (59.), Victor Agali (70.)

PLATZVERWEISE 
Hamburger SV:-
Hansa Rostock: Karte gelb/rot für Victor Agali (75.)

SCHIEDSRICHTER : Bernd Heynemann 
ZUSCHAUER :  51,551 
DATUM :  29.04.01   17:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Nico Jan Hoogma, Tomas Ujfalusi, Niko Kovac, Andrej Panadic, Stig Töfting, Roy Präger, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Marek Heinz, Mehdi Mahdavikia

Hansa Rostock: Martin Pieckenhagen, Andreas Jakobsson, Rayk Schröder, Timo Lange, Sven Benken, Mohamed Emara, Victor Agali, Marcus Lantz, Slawomir Majak, Peter Wibran, Bachirou Salou

WECHSEL 
Hamburger SV: Mahmut Yilmaz für Bernd Hollerbach (79.), Marinus Bester für Roy Präger (79.), Milan Fukal für Stig Töfting (82.)
Hansa Rostock: Marco Zallmann für Sven Benken (46.), Kai Oswald für Peter Wibran (82.), Magnus Arvidsson für Bachirou Salou (90.)
 

Joker" Bester bringt Trainer Pagelsdorf zum Weinen

Roy Präger sollte Wahrsager werden: "Ich habe es gewusst. Vor dem letzten Angriff habe ich gesagt, wir machen noch eins", sagte der kleine Stürmer und genauso sollte es kommen. Beim Stand von 1:1 erlöste der eingewechselte Teilzeit-Profi Marinus Bester den HSV mit dem 2:1 in der dritten Minute der Nachspielzeit.
Die HSV-Fans unter den gut 50.000 Zuschauern im Hamburger Volksparkstadion waren aus dem Häuschen, Trainer Frank Pagelsdorf ließ seinen Freudentränen freien Lauf.

Pagelsdorfs Tränen
"Eigentlich wollte ich lachen, aber ich konnte die Tränen einfach nicht aufhalten, ich bin so glücklich", sagte ein strahlender HSV-Coach nach dem Schlusspfiff.
Tränen der Erleichterung, die den Druck, der auf dem HSV lag, mehr als deutlich dokumentierten. Mit 36 Punkten standen die Elbestädter vor der Partie mitten im Abstiegskampf und lange Zeit sah es so aus, als ob sich das auch nach dem Spiel nicht ändern sollte.

Salou traf früh
Schiedsrichter Bernd Heynemann hatte kaum angepfiffen, da lagen die Hamburger schon 0:1 zurück. Einen Konter über Victor Agali und Bachirou Salou schloss letzterer mit einem Schuss aus acht Metern zur Rostocker Führung ab (3.). 
Danach entwickelte sich ein tolles Fußballspiel mit Torchancen im Minutentakt auf beiden Seiten. Roy Präger sündigte dabei am meisten. Dreimal stand der Ex-Wolfsburger allein vor dem Tor, scheiterte aber entweder an Martin Pieckenhagen oder an seinen Nerven.

Barbarez ohne Glück
Auch Sergej Barbarez hatte gute Möglichkeiten, sein 20. Saisontor zu erzielen. Der Goalgetter blieb aber erfolglos.
Die Rostocker versteckten sich keineswegs, waren immer in Bewegung und durch Konter stets gefährlich. Agali und Salou gaben der Hamburger Defensive immer wieder Rätsel auf.

Heinz mit dem Ausgleich
Kurz nach dem Wechsel war es dann Marek Heinz, der mit einem schönen 20-Meter-Schuss den Ausgleich für den HSV erzielte (46.). 
Anschließend spielte nur noch Hamburg. Ein Angriff nach dem anderen fuhren sie in Richtung Rostocker Tor, aber im Abschluss war blieben die HSV-Profis zu unkonzentriert.

Platzverweis für Agali
Victor Agali sah dann in der 75. Minute die Gelb-Rote Karte. Nach einem nicht geahndeten Foul beschwerte sich der Nigerianer zu heftig beim Linienrichter, der petzte bei Heynemann und Agali flog vom Platz.
Pagelsdorf brachte dann mit Yilmaz und Bester noch zwei weitere Stürmer - ohne Erfolg.
Bis zur 93. Spielminute, als Roy Präger Wahrsager spielte...

Daten
Fakten:
Remis-Serie beendet 
Die unheimliche Remis-Serie des HSV ist beendet. Erstmals nach über zwei Monaten – am 24. Februar gab es ein 3:2 gegen Wolfsburg - durften die Fans sich wieder über einen Sieg im Volksparkstadion freuen. 

Hansa hat "Führungsqualität" verloren 
Zum zehnten Mal in dieser Saison ging Hansa mit 1:0 in Führung. Erstmals mündete diese Führung nicht in einen Sieg nach 90 Minuten. 

Angriff fand nicht mehr statt 
In der zweiten Halbzeit konzentrierte sich Hansa Rostock nur noch aufs Tore verhindern. Der FC Hansa brachte keinen Torschuss mehr zu Stande. Null Torschüsse in einer Halbzeit boten in dieser Saison zuvor nur Stuttgart und Unterhaching. 

Rotsünder aus Rostock 
In jeder seiner drei Bundesliga-Spielzeiten flog Agali bisher einmal vom Platz. In dieser Saison musste schon zum neunten Mal ein Rostocker vorzeitig zum Duschen - Negativrekord in der Liga. Bereits in der Saison 98/99 kassierte Hansa die meisten, 99/2000 die zweitmeisten Platzverweise. 

Schlaglichter:
Frühe Schocks zeigten Wirkung 
Mit Entschlossenheit im Zweikampf und einem frühen Tor schockten die Rostocker den HSV in der ersten Halbzeit. Das Team von Friedhelm Funkel erarbeitete sich durch gutes Konterspiel ein Torschussverhältnis von 10:7 bis zur Pause. Nach dem Seitenwechsel sorgten die Hamburger mit dem Ausgleich noch schneller für einen Schock, der Wirkung hinterließ. Rostock war nur noch auf Verteidigung bedacht und brachte keinen Torschuss mehr zu Stande, ließ aber deren 15 durch HSV-Spieler zu. 

Panadic war Hamburgs Fleißigster 
Das war Schwerstarbeit. 39 Zweikämpfe führte Andrej Panadic in 90 Minuten gegen die Rostocker Angreifer, so viele wie noch nie in dieser Saison. Dass er dabei in 74% der Duelle als Sieger hervorging, krönte seine Leistung. Bachirou Salou und Victor Agali hatten besonders in der Luft das Nachsehen, gewannen zusammen nur drei – alle durch Agali – von 20 Kopfballduellen gegen den nimmermüden Kroaten. 

Kampflustiger Agali überzog 
50 Zweikämpfe absolvierte Victor Agali in 75 Minuten. Es lief auf einen neuen Zweikampfrekord eines Spielers in einer Partie hinaus – den Saisonrekord hält der Cottbuser Helbig mit 58. Doch dann kochte Agalis Temperament über, und er musste mit Gelb-Rote vom Platz. Sein Engagement verdient dennoch Erwähnung. In der ersten Halbzeit hatte er die meisten Ballkontakte aller Rostocker Spieler. Äußerst ungewöhnlich für einen Stürmer. Zudem bereitete er die 1:0-Führung der Rostocker mustergültig vor. 

Präger eifrig, Bester effektiv 
Roy Präger und Sergej Barbarez versuchten es oft – und trafen am Ende doch nicht. Die Hamburger schienen ihrem Ruf des effektivsten Teams der Liga – sie brauchen die wenigsten Torschüsse für ein Tor - lange nicht gerecht zu werden. Doch dann schlugen Marek Heinz und Marinus Bester zu. Heinz traf mit seinem ersten Torschuss im Spiel, Bester neun Minuten nach seiner Einwechslung. Letzterer hatte am Ende Traumwerte für einen "Joker": Vier Ballkontakte, zwei Torschüsse, Siegtreffer in letzter Sekunde.

Topspieler: Marinus Bester (Hamburger SV)
Er spielte nur gut zehn Minuten. Aber in dieser kurzen Zeit wurde Marinus Bester zum Held. In der dritten Minute der Nachspielzeit erzielte der Stürmer, der eigentlich in der zweiten Mannschaft des HSV zum Einsatz kommt, das entscheidene 2:1. Bester sicherte seinem Team damit nicht nur den Sieg, sondern wahrscheinlich auch den Klassenerhalt. "Das ist das wichtigste Tor meiner Karriere", sagte Bester. Seinen Trainer Frank Pagelsdorf rührte er damit jedenfalls zu Tränen. 

Spielwertung: 3 Bälle (von 4 möglichen) 

Kommentar:
Unglaublich, aber wahr. Da spielten zwei Abstiegskandidaten. Vor allem die erste Halbzeit war geprägt von Tempo, rassigen Zweikämpfen und zahlreichen Torchancen. So spielen keine Absteiger.
Der HSV-Sieg war aufgrund des zweiten Abschnitts verdient. 13:0 Torchancen verbuchte der HSV und nagelte die Rostocker teilweise minutenlang im Strafraum fest. Beide Mannschaften haben jetzt 39 Punkte. Die reichten seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel immer zum Klassenerhalt. 
Robert Burkhardt 

Taktik:
Hamburger SV
Vor Butt bildeten Hollerbach, Panadic, Hoogma und Ujfalusi eine Viererkette. Im defensiven Mittelfeld agierte Kovac zentral, rechts sicherte Töfting ab. Sehr offensiv spielte Goalgetter Barbarez, der die drei Spitzen Mahdavikia, Heinz und Präger immer wieder unterstützte. 
Nach dem Wechsel kam Fukal für Töfting und übernahm seine Position. Für "Joker" Bester ging Präger. Yilmaz ersetzte Hollerbach. Ein glückliches Händchen von Pagelsdorf.

Hansa Rostock
Pieckenhagen stand im Tor. Jakobsson war Libero hinter der Abwehr. Aufgrund der geballten Angriffskraft der Hamburger stellte Funkel mit Emara, Benken und Lange drei Manndecker auf. Schröder kümmerte sich zusätzlich um Barbarez. Im Mittelfeld sorgten vor allem vor der Pause Majak, Lantz und Wibran für Entlastung. 
Agali und Salou sorgten für Unruhe - so lange die Kraft reichte . Für Salou kam später Arvidsson, Oswald ersetzte Wibran und Zallmann kam nach dem Wechsel für Benken

Stimmen
Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburger SV):
"Das war Dramatik pur. Ich freue mich, dass die Mannschaft endlich einmal für einen Sturmlauf belohnt wurde. Ich glaube, dass der Sieg verdient war. In der letzten Viertelstunde haben wir noch zusätzlich Stürmer und kopfballstarke Spieler gebracht, um alles zu versuchen. Und es hat sich gelohnt." 

Trainer Friedhelm Funkel (Hansa Rostock):
"Meine Mannschaft hat vor allem in den ersten 45 Minuten hervorragend gespielt. Nach dem Ausgleich sind wir aus dem Rhythmus gekommen, dann hatten wir uns aber von dem Druck erholt. Ärgerlich ist dann natürlich das Tor in der Nachspielzeit. Zur Gelb-Roten Karte gegen Victor Agali meine ich: Da muss ein Linienrichter auch mal weghören können." 


 
dpa meldet:  HSV mit Sieg gegen Rostock - 2:1 im Nordderby

Hamburg (dpa) - Der Hamburger SV hat das Abstiegsgespenst mit einem 2:1 (0:1)-Sieg im Nordderby gegen Hansa Rostock verscheucht. Der kurz zuvor eingewechselte Joker Marinus Bester sicherte dem HSV in der Nachspielzeit mit einem Kopfballtreffer die wichtigen drei Punkte. Mit nunmehr 39 Zählern sind die Hanseaten die Sorgen um den Verbleib in der Fußball-Bundesliga los.

«Das war Dramatik pur heute. Ich freue mich, dass die Mannschaft für ihren Sturmlauf am Ende noch belohnt wurde», meinte HSV-Coach Frank Pagelsdorf, der nach dem Schlusspfiff Freudentränen vergoss.

Den Führungstreffer für die Gäste markierte Bachirou Salou vor 51 551 Besuchern im Volksparkstadion bereits in der dritten Minute. Marek Heinz gelang Sekunden nach der Halbzeit der Ausgleich für den HSV. 15 Minuten vor Schluss verlor Rostock Stürmer Victor Agali, der wegen Meckerns die Gelb-Rote Karte sah. «Das waren 90 Prozent für den Klassenerhalt», sagte ein strahlender Bester, den Pagelsdorf immer wieder für Kurzeinsätze von den Amateuren holt.

Nach dem frühen Gästetor brauchten die Hamburger, die sieben Verletzte zu verkraften hatten, einige Schreckminuten, um sich zu sammeln. Salou setzte sich nach einem Pass von Agali in einem couragierten Alleingang gegen zwei Gegenspieler durch. Auch der herausgelaufene Hans-Jörg Butt konnte den Mann aus Togo auf dem Weg zu seinem sechsten Saisontor nicht aufhalten.

Erst in der zwölften Minute zeigte Sergej Barbarez, dass die Hausherren wild entschlossen waren, zu Hause zu punkten. Das 20. Saisontor des Bosniers war greifbar, nachdem er als Sieger aus dem Luftduell mit Hansa-Keeper Martin Pieckenhagen hervorging. Sein Kopfball ging knapp über das Gehäuse. Der HSV machte weiter mobil und hätte mehrmals ausgleichen können. Doch besonders Roy Präger avancierte zum Pechvogel: Der Ex-Wolfsburger hatte vier dicke Möglichkeiten, doch das Rostocker Tor war für ihn zu klein. Insgesamt wirkten die Gäste spritziger und eingespielter gegen die zu einfach kombinierenden Hamburger.

Die Zuschauer hatten sich nach der Halbzeit gerade wieder hingesetzt, da überraschte der HSV mit einer gelungenen tschechischen Kombination. Nach Zuspiel von Tomas Ujfalusi erzielte Heinz nach kurzer Drehung das 1:1. Die Chance zum Doppelpack hatte Heinz in der 50. Minute, als sein Schuss aus kurzer Distanz an der Latte abprallte. Dabei sah Pieckenhagen, der zur kommenden Saison im HSV- Tor steht, unglücklich aus. Nico Kovac hatte die beste Möglichkeit zur Führung für die stärker aufspielenden Hamburger nach einem Freistoß von Barbarez, doch ging sein Kopfball (70.) über die Latte. Mit Agali musste in der 75. Minute der beste Rostocker wegen Meckerns den Platz verlassen. Als die Kräfte der Rostocker nachließen, nutzte Bester in letzter Sekunde die Chance zum Sieg. «Das war mehr als ärgerlich, denn wir haben heute hervorragend gespielt», analysierte Hansas Trainer Friedhelm Funkel.


 
kicker meldet:
Chancenverhältnis: 9:4 
Eckenverhältnis: 7:5 
Schiedsrichter: Heynemann (Magdeburg), Note 4,5 - unsicher in der Bewertung von Zweikämpfen, von seinen Assistenten bei einigen Abseitsentscheidungen im Stich gelassen 
Zuschauer: 51551 
Spielnote: 3 
Spieler des Spiels: Bester - Der Joker entschied die Partie in allerletzter Sekunde. 

Analyse 

Personal: HSV-Coach Frank Pagelsdorf nahm nach dem 1:1 in Leverkusen zwei Änderungen vor: Für Groth (Muskelbündelriss im Oberschenkel) und Hertzsch spielten die zuletzt Gelb-gesperrten Barbarez und Hollerbach. Rostocks Trainer Friedhelm Funkel besetzte im Vergleich zum 2:1-Sieg gegen den 1. FC Köln nur eine Planstelle neu: Für Rydlewicz (Zwangspause wegen der zehnten Gelbe Karte) stand Agali in der Anfangsformation.

Taktik: Mit der Hereinnahme Agalis trat Rostock mutig mit drei Spitzen auf. Im defensiven Bereich agierte Jakobsson hinter einer Dreierreihe, die sich der drei HSV-Spitzen annahm. Zudem bekam Benken die Sonderaufgabe, Heinz zu beschatten.

Gegenüber dem Match bei Bayer veränderte der HSV seine Grundordnung: Gegen den Drei-Mann- Sturm verteidigte eine Viererkette, wobei Hoogma situationsbedingt als freier Mann hinter die Decker rückte. Durch die Umstellung agierten Töfting und Kovac auf den Halbpositionen im defensiven Mittelfeld. Barbarez gab den Mittelstürmer, Heinz schlüpfte in die Spielmacherrolle.

Spielverlauf: Rostock schockte den HSV mit einem frühen Führungstreffer: Kovac patzte, Salou traf nach Agalis Musterpass. Doch die Hausherren erholten sich davon recht schnell, setzten Hansa unter Druck. Kovac leitete viele Angriffe ein, der HSV erarbeitete sich zahlreiche Chancen. Allen voran Präger nutzte diese nicht, hatte aber auch Pech, als ihm ein korrektes Tor wegen angeblicher Abseitsstellung aberkannt wurde (20.). Die Gäste bemühten sich um kompaktes Auftreten, doch Barbarez riss so geschickt die Löcher, dass Hansa doch viele Möglichkeiten zuließ. Zudem machte Pieckenhagen nicht immer den sichersten Eindruck. Gefährlich waren die Konter der Gäste über Agali gegen eine anfällige HSV-Abwehr.

In der zweiten Halbzeit drängte Hamburg unvermindert weiter, der schnelle Ausgleich durch Heinz gab einen zusätzlichen Schub. Schröder hatte seine Bewachung übernommen, Zallmann konzentrierte sich auf Barbarez. Rostock konnte sich selten aus der Umklammerung lösen. Bester belohnte schließlich den Dauer-Druck der Hamburger.

Fazit: Der deutlich überlegene HSV feierte einen hochverdienten Sieg nach sechs Remis in Folge.
 

Schlusspfiff
90. Minute: Der Siegtreffer für den HSV!!!! Eckball, Kopfball Hoogma, Lange klärt auf der Linie, Bester setzt energisch nach und köpft aus kurzer Distanz das 2:1.
75. Minute: Agali beschwert sich lautstark beim Schiri-Assistenen, Heynemann stellt den Rostocker mit Gelb-Rot vom Platz.
69. Minute: Unglaublich!! Nach Hollerbach-Freistoß schafft es Kovac, den Ball unbedrängt aus vier Metern über das Tor zu köpfen.
54. Minute: Ein Schlenzer von Kovac aus 16 Metern geht über die Querlatte.
50. Minute: Nach Hollerbach-Freistoß trifft Heinz im zweiten Versuch nur die Latte des Hansa-Tores. Das wärs gewesen für den Tschechen.
46. Minute: Paukenschlag zur zweiten Halbzeit!! Ujfalusi passt auf Heinz, der von der Strafraumgrenze aus der Drehung abzieht, der Ball schlägt unhaltbar für Pieckenhagen ins obere linke Toreck ein.
 Anpfiff 2. Halbzeit
 Halbzeit
43. Minute: Innerhalb kürzester Zeit haben Barbarez auf HSV-Seite und Salou auf Hansa-Seite Tormöglichkeiten.
38. Minute: Wibrans Knaller aus dem Nichts trifft das rechte Außengestänge. Glück für den HSV!
34. Minute: Nach Heinz-Flanke springt Präger in den Ball, doch der HSV-Stürmer trifft das Tor nicht.
30. Minute: Majak tankt sich gegen zwei HSV-Abwehrspieler auf der linken Seite durch, seine Hereingabe findet Slaou, doch Butt kann klären.
25. Minute: Nochmal Präger, der diesmal schön von Kovac steil geschickt wird, doch der HSV-Stürmer zielt aus halblinker Position am Tor vorbei.
22. Minute: Nach Fehler in der HSV-Deckung zieht Agali von der Strafraumgrenze ab, sein Schuss geht knapp links vorbei.
21. Minute: Präger wird hervorragend von Barbarez in Szene gesetzt, der HSV-Stürmer macht eigentlich alles richtig, doch sein Schuss mit dem Außenrist geht gegen die Latte.
17. Minute: Nun kann Hoogma gegen den aufgerückten Lange im letzten Moment klären. Hamburg rückt nach dem Rückstand auf, Rostock kann kontern....
14. Minute: Panadic klärt in höchster Not gegen Agali. Das Spiel wogt hin und her.
12. Minute: Große Chance für den HSV: Lange Flanke in den Strafraum, Barbarez springt höher als Hansa-Keeper Pieckenhagen, doch der Kopfball des Bosniers geht knapp über die Latte. Da muss Pieckenhagen energischer eingreifen!!
11. Minute: Barbarez auf Ujfalusi, der im Zweikampf im Rostocker Strafraum fällt, doch Schiri Heynemann pfeift Freistoß für Rostock.
3. Minute: Salou mit der frühen Führung für Rostock!!! Salou spielt auf Agali, der mit einem langen Ball nochmals Salou einsetzt. Der Togolese kann sich gegen Ujfalusi und Kovac durchsetzen und tunnelt auch noch HSV-Keeper-Butt zum 0:1.
1. Minute: Erstes Foul von Panadic an Agali an der Strafraumgrenze. Es gibt Freistoß für Rostock aus aussichtsreicher Position, doch Emara vergibt.
Anpfiff