Saisonausblick 2001/2002


Eigentlich schreibt man einen Saisonausblick natürlich VOR dem 1. Spieltag. Das habe ich aber leider verpasst und nunmehr schon das 1. Spiel gesehen. Positiver wird der Saisonausblick dadurch nicht.

Von offizieller Seite wurde als notwendiges Ziel Platz 1 – 5 ausgegeben, damit man zumindest für den UEFA-CUP qualifiziert ist (dafür reicht aber dieser Saison ja nur noch der 5. statt wie bisher der 6. Platz).

Ich halte dieses Ziel für möglich. Allerdings brauchen wir dazu Glück und eine topkonzentrierte Mannschaft. Danach sah es am 1. Spieltag in Cottbus schon mal ganz und gar nicht aus.

Auch ohne dieses äußerst bescheidene 1. Spiel wäre ich aber persönlich auch schon zufrieden, wenn wir nach der letzten Saison diesmal wieder einen einstelligen Platz belegen würden. Unser Kader wurde schließlich nur ergänzt. Der teuerste Neueinkauf der bisherigen Geschichte – Zurückkehrer Albertz für ca. 9 Mio DEM – hat schon in den Testspielen keine Bindung zum Team gehabt und agierte nun auch in der 1. Bundesligapartie äußerst unglücklich. Da kann man nur hoffen, daß es noch an mangelnder Abstimmung liegt und kein Dauerproblem wird.

Auf der Torhüterposition haben wir uns m.E. verstärkt. Pieckenhagen macht einen sehr guten Eindruck und auch der neue 2. Mann Wächter scheint sehr hoffnungsvoll.

Ansonsten gibt es kaum Veränderungen. 

Richtig schlecht für den Saisonstart ist die Verletzung von Barbarez, die er sich beim letzten Testspiel vorm 1. Spieltag zuzog. Mindestens 5 Wochen wird es fehlen und es ist zu befürchten, daß sich das sehr bemerkbar macht.

Cardoso scheint nie mehr zurückzukehren, aber zumindest Yeboah macht Hoffnung auf eine Rückkehr ins Team. Ob er auch nochmal eine Chance hat, wieder Stammspieler zu werden, vermag ich nicht zu sagen. Da ich ihn sehr mag, würde ich es aber hoffen.

Enttäuschend und schlecht gefallen mir weiterhin Panadic und Hoogma. War ja auch kein Wunder, denn es war wohl kaum zu erwarten, daß sie in der Sommerpause plötzlich an Schnelligkeit dazugewinnen. Hier sehe ich echte Probleme. Hertzsch scheint zwar wieder an alte Stärke anzuknüpfen, aber 2 „Lahme“ in der Abwehr sind ein nicht zu lösendes Problem.

Ujfalusi könnte zumindest Panadic ersetzen. Aber da sind wir bei einem Problem, daß den HSV schon vor der Saison wieder verfolgt: Die Verletztenmisere.

Was da beim HSV alles an Spielermaterial verletzt ist, geht auf keine Kuhhaut: Ujfalusi, Fukal, Präger, Barbarez, Cardoso => um nur mal die zu nennen, die ansonsten beste Chancen auf die Stammformation hätten. Nebenbei „natürlich noch einige“ aus der 2. Garde wie Sandmann, Wehlmann & Co.

Man kann nur hoffen, daß das endlich mal aufhört.

Wenn alle an Bord sind, halte ich einen UEFA-CUP-Platz nicht für unmöglich, aber trotzdem zumindest für sehr schwer erreichbar. Es gibt ja mindestens 10 Bundesligisten, die in den internationalen Wettbewerb wollen. Ich denke, wir werden irgendwo zwischen Platz 5 – 10 einlaufen, wobei ich Rang 7 – 10 für am wahrscheinlichsten halte.

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Dr. Nils-Oliver Höppner mailte mir folgenden Saisonausblick:
Saisonausblick 2001 / 2002

Bei meinem Saisonausblick möchte ich neben meinen Gedanken zum HSV auch kurz auf die anderen Bundesligisten eingehen !

Beginnen möchte ich natürlich mit unserem HSV:

Hamburger SV:

Läuft die Saison so, wie die Saisonvorbereitung verlaufen ist, dann wird der HSV zum Saisonende sicher auf den Abstiegsplätzen zu finden sein. Nichtmal gegen Zweitligisten kann gewonnen werden und die Anzahl der Verletzten hat sich zeitweise schon wieder im zweistelligen Bereich bewegt ! 

Gott sei Dank bewerte ich die Vorbereitungsspiele nicht besonders hoch und glaube immer noch an den Spruch „schlechte Generalprobe - sehr gute Prämie...“

Die ersten Vorbereitungsspiele machten ja auch noch Mut: Nach hohen Siegen gegen Hamburger Vorstadtclubs kam der Turniersieg beim Trainingslager in Österreich (4:1 gegen Wüstenrot Salzburg, Sieg im Turnierfinale gegen Werder Bremen nach Elfmeterschießen) Danach dann allerdings die Niederlagen gegen die Zweitligisten (Reutlingen 1:2 und Hannover 96 1:2). Ganz ordentlich war dazwischen noch das Spiel in Kropp gegen Sigmar Olmütz (2:1)!

Wie das Spiel gegen Bayern zu bewerten ist, weiß ich nicht. Eigentlich hat der HSV ordentlich gespielt und das Ergebnis von 1:1 ist auch akzeptabel, andererseits ist die Verletzung von Barbarez natürlich ein absoluter Rückschlag. 

Gespielt wurde in der Vorbereitung meist mit der Viererabwehrkette. Ich würde schon behaupten, daß die Abwehr an Stabilität gewonnen hat, aber dennoch sind in der Abwehrkette immer noch große Löcher vorhanden gewesen. Besonders gut hat mir das variable Spiel auf der rechten Seite von Mehdi gefallen, der teilweise sogar Defensivaufgaben übernommen hat.

Die Chancenauswertung im Sturm war auch in der Vorbereitung wieder zufriedenstellend, beängstigend war allerdings, daß vorwiegend nur Sergej Barbarez, der nun auch noch zu Saisonbeginn ausfällt,  in der Lage war, Tore zu erzielen. Der HSV wird zu leicht ausrechenbar, wenn die Verteidiger sich nur auf Sergej konzentrieren müssen. Die Leistungen von Marinus Bester waren ordentlich, von Eric Meijer erhoffe ich mehr während der Saison noch mehr Impulse in der Offensive. Auch die linke Seite muß mit Heinz und / oder Ketelaer noch aktiver werden.

Der neue Star der Mannschaft wird Jörg Albertz werden, auch wenn er in der Vorbereitung noch nicht sonderlich in Erscheinung getreten ist. Er ist mit fast zehn Millionen Mark der teuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte. Die HSV- Kollegen haben ihn sehr gut aufgenommen, was aber wenig verwundert, denn Jörg ist schließlich immer ein HSVer geblieben !

Schon jetzt als Ausfälle haben sich Cardoso und Yeboah hervorgetan. So Leid es mir tut, der HSV wird gut daran tun, auf diese beiden ehemaligen Leistungsträger nicht weiter zu bauen !

Schade natürlich, daß der Transfer von Jardel nicht geklappt hat, aber ich habe eigentlich nie daran geglaubt, daß der wirklich nach Hamburg kommt.

Mitten hinein in die schwierige Vorbereitung platzte zu allem Überfluss die Nachricht von der Umbenennung des Volksparkstadions in AOL-Arena, für eine entsprechende Prämie von 30 Millionen Mark. "Hackmanns Seelen -Verkauf“ - beschäftigte die HSV-Fans mehr, als die durchwachsenen Leistungen zu Saisonbeginn. Selbst bei den Vorbereitungsspielen fern der Heimat wurde dem Unmut auf Plakaten Luft gemacht. 

Ich werde weiterhin ins Volksparksstadion gehen, halte den Coup mit AOL aber immer noch für gut. Obwohl der HSV diese Saison nicht international spielen wird, ist er mit einem Saisonetat von 112 Millionen Mark in der Bundesliga - Topgruppe  zu finden ! Auch die Finanzierung unseres neuen Stadions sollte dabei nicht vergessen werden !

Meine Prognose:

Das Fundament steht, die Abgänge von Hans-Jörg Butt und Niko Kovac konnten mit Jörg Albertz und Martin Pieckenhagen ersetzt werden. Obwohl der Kader nicht verstärkt wurde, sollte der HSV - gesunde Spieler vorausgesetzt -  Substanz genug für die nächste Bundesligasaison haben.

Die Verteidigung um Neukapitän Nico-Jan Hoogma und mit dem starken Stig Töfting wird sich in den ersten Spielen weiter stabilisieren, da der HSV zu Saisonbeginn über ein eher leichtes Programm verfügt. Zur besseren Verteidigung wird auch die neue Offensivkraft aus dem Mittelfeld mit dem letztjährigen Torschützenkönig Sergej Barbarez beitragen, mit dem sich Jörg Albertz bereits gut versteht und ergänzt. Mit einer variablen, offensiven Spielweise von Martin Groth und Mehdi Mahdavikia, die beide dazu in der Lage sind, gefährlich zu flanken, sind wir dort taktisch schwerer ausrechenbar. 

Als weiteren Vorteil sehe ich, daß der HSV (zumindest zu Saisonbeginn) nicht unbedingt zu den Favoriten gehören wird und das der Spielweise des HSV zugute kommen wird.

Es sollte möglich sein, unter die ersten Fünf zu kommen. Und das hieße UEFA-Cup !!
 

Hertha BSC Berlin:
Manager Hoeneß hat tief in die Tasche gegriffen, allein Goor und Marcelinho haben. 26 Mio. gekostet. In der Vorbereitung haben die Berliner überzeugt, nicht zuletzt durch den Liga-Pokal Gewinn. Für mich ein Meisterkandidat

Werder Bremen:
Der Abgang von Pizzaro wird sich bemerkbar machen. Herzog wird mit Lisztes Probleme bekommen. Roberto Silva allein reicht nicht aus: Nur Mitläufer

Energie Cottbus:
Der Verein macht nur Schlagzeilen durch den Einsatz der Multikulturellen Ausländertruppe. Als Erfolgsgeheimnis für mich nicht ausreichend. Die Heimniederlage am erstren Spieltag wird richtungsweisend sein...

Borussia Dortmund:
Kein Verein hat soviel investiert wie der BVB. Amoroso ist der teuerste Transfer der Bundesligageschichte. Der Druck und die Erwartungen sind enorm hoch. Das Team kann um den Titel mitspielen, wird dem Druck am Ende aber nicht standhalten.

SC Freiburg:
Freiburg hat kein Geld in die Mannschaft investiert. Obwohl ich den Trainer Finke sehr schätze, eine Überraschung traue ich den Freiburgern nicht noch einmal zu. Die Zusatzbelastung UEFA-Cup wird sich ebenfalls bemerkbar machen.

1. FC Kaiserslautern:
Dieser Verein ist eher mit sich selbst beschäftigt (Stichwort: Brehme, Djorkaeff), als mit dem Bundesligageschäft. Die Harmonie in dem Verein ist kaputt, der Super-GAU erscheint nur noch eine Frage der Zeit. Der FCK wird sich eher unten wiederfinden.

1. FC Köln:
Die Kölner haben mit Reich, Baltisch und Reeb wertvolle Spieler bekommen. Aufgrund des guten Ergebnisses der Vorsaison gelten sie nicht mehr als Außenseiter und haben damit einen wertvollen Vorteil verloren. Ein Mitläufer

Bayer Leverkusen:
Im Vergleich zu den anderen Großen der Liga hat Leverkusen eher bescheinden investiert, dafür aber effektiv: Sebscen und Bastürck werden Leverkusen helfen, Hans-Jörg Butt wird (leider ?) wieder eine bessere Saison spielen, eine Titelkandidat sind sie aber trotzdem nicht, UEFA ist sicher drin.

Borussia Mönchengladbach:
Meyer und Hochstätter haben am Bökelberg gute arbeit geleistet. Der Kader für die Saison 2001/2002 steht. Mit dem Angriffsfußball der letzten Saison werden sie sich auch in der 1. Liga halten können.

TSV München 1860:
Die Löwen haben im Mittelfeld aufgerüstet und werden sich daher stabilisieren. Aufgrund der mäßigen Vorbereitung mit der Zusatzbelastung UI-Cup werden am Ende aber die Kräfte ausgehen. Für den UEFA-Cup wird es nicht reichen.

FC Bayern München:
Beckenbauer mahnt schon jetzt zur Konzentration auf die Meisterschaft: Die Bayern sind satt und werden sich in dieser Saison eine kleine Auszeit nehmen, am Ende sollte es aber - wahrscheinlich mit einem Donnerwetter des Kaisers - für die CL reichen.

1. FC Nürnberg:
Große Namen fehlen beim 1. FC Nürnberg, der Abgang von Andreas Köpke wird weitere Unsicherheit bringen. Für mich ein Abstiegskandidat.

Hansa Rostock:
Durch den Verkauf von Agali ist Hansa sicher nicht stärker geworden. Das neue Stadion wird dafür aber für einen Motivationsschub sorgen. Hansa wird erneut die Klasse halten.

FC Schalke 04:
Schalke hat das Mittelfeld verstärkt (Wilmots, Verment, Djordjevic), hinzu kommt der erste Südamerikaner (Matellan). Die neue Arena wird zusätzlich für Euphorie und Punkte sorgen. Dennoch wäre Schalke die erste Mannschaft, die mit der Zusatzbelastung Champions-League keine Probleme hat. Hinzu kommt das schwere Startprogramm und die Tatsache, daß die Schalker als Favorit im Spiel immer schlecht gespielt haben. Für mich daher kein Titelaspirant.

FC St. Pauli:
Der Stadtteilclub wird als Abstiegskandidat Nr.1 gehandelt. Ich denke, sie werden die Euphorie der Vorsaison mit in die Bundesliga nehmen und können sich im ersten Jahr knapp in der Bundesliga halten.

VFB Stuttgart:
Namhafte Abgänge (Liztes, Thiam, Pinto, Djordjevic) haben den VFB weiter geschwächt, die letzte Saison hat der Stabilität des Vereins auch eher geschadet. Keine echten Neuzugänge (Marques hat schon beim VFB gespielt). Trotz Felix Magath un hohem Saisonetat für einen Abstiegskandidaten wird es dies Jahr nicht mehr reichen.

VFL Wolfsburg:
Die Wolfsburger sind (glaube ich) der Verein mit den meisten Zu- und Abgängen. Durch die hohe Fluktuation wird die Mannschaft sich erst finden müssen. Da nützt auch die Vorbereitung UI-Cup nichts. Dennoch: Den Kampf um die UEFA-Cup-Plätze trauen ich den Wölfen zu.
 

Zusammenfassung:

Meine Saisonprognose 2001/2002:

1. Hertha BSC Berlin
2. Borussia Dortmund
3. FC Bayern München
4. Bayer Leverkusen
5. Hamburger SV
6. VFL Wolfsburg
7. TSV 1860 München
8. FC Schalke 04
9. SC Freiburg
10. Werder Bremen
11. 1. FC Köln
12. Borussia Mönchengladbach
13. 1. FC Kaiserslautern
14. Hansa Rostock
15. FC St. Pauli
16. VFB Stuttgart
17. 1. FC Nürnberg
18. Energie Cottbus


 
der "kicker" schreibt:

Mit "Ali" im Aufwind:

Die vergangene Saison möchten die Hamburger am liebsten einfach abhaken. Nach einem Boom folgte an der Elbe ein peinlicher Absturz ins Mittelmaß. Mit Offensivmann Jörg Albertz und Torwart Martin Pieckenhagen wurden zwei neue Schlüsselspieler verpflichtet, die den HSV vor allem eins bescheren sollen: Die Rückkehr ins internationale Geschäft.

Mit einem irdischen Beispiel und einem biblischen Begriff umschreibt Holger Hieronymus seine Saisonvorschau. Der sportliche Leiter beim Hamburger SV erinnert an das Exempel der Dortmunder Borussia, der das Kunststück gelang, sich binnen zwölf Monaten von einem Abstiegskandidaten zu einem Anwärter für die Champions League zu wandeln. Ein famoser Aufschwung des Revier-Klubs, dem die Hanseaten in dieser Saison nacheifern wollen. "Warum sollte uns nicht die Wiederauferstehung gelingen?", fragt Hieronymus rhetorisch. Und wie er dies sagt, lässt vermuten, dass er eine ähnliche Wundertat an der Elbe auch für möglich hält.

Es muss ja nicht gleich wieder die europäische Königsklasse sein, die dem HSV in der letzten Serie Ruhm und Reichtum mit dem Umsatzrekord von 157 Millionen Mark und der Bestmarke eines mit 20 Millionen Mark bezifferten Gewinns bescherte. So vermessen ist nach dem "Frust-Jahr", dem verflixten vierten Jahr in der Ära unter Frank Pagelsdorf, das alle als Betriebsunfall werten, niemand, dies als Perspektive auszumalen. "Doch einen Platz im internationalen Wettbewerb wollen wir schon erreichen", legt sich Werner Hackmann, der Vorsitzende des Vorstands, fest. Die Abstinenz vom lukrativen Europacup-Geschäft, die bedingte, dass das Jahresbudget auf 112 Millionen Mark heruntergesehraubt worden ist, soll nur eine einjährige Episode bleiben.
Dass die Mannschaft das Zeug dazu hat, wieder im Vorderfeld der nationalen Eliteliga mitzumischen, steht für die Macher an der Waterkant außer Frage. Vereinsboss Hackmann sieht "genügend Substanz im Team". Und Sportchef Hieronymus, gemeinsam mit Cheftrainer Frank Pagelsdorf verantwortlich für die Zusammenstellung des Personals, spricht von "einem guten Kader, der zuletzt weit unter seinen Möglichkeiten geblieben ist". Eine Wertung, die durchaus zutreffend ist.
Die Fluktuation bei der Belegschaft ist traditionell groß bei den Norddeutschen. Wie in jedem Jahr gibt es bei dem Aufbauprozess, den Pagelsdorf seit 1997 betreibt, einige Veränderungen. Mit der seit einem Jahr feststehenden Abwanderung von Torwart Jörg Butt nach Leverkusen und mit dem ebenso erwarteten Wechsel von Niko Kovac zu Bayern München verliert der HSV wiederum zwei Schlüsselspieler. Und Pagelsdorf musste somit neben dem tabellarischen Fehlresultat mit dem unbefriedigenden 13. Rang in der Endabrechnung einen weiteren Rückschlag bei seinem Bemühungen konstatieren, den HSV ganz nach oben zu lotsen,

Ersatz für dieses Duo musste her. Die "Ersatzleute" können sich sehen lassen. Einer aus dem Inland, einer aus dem Ausland: Martin Pieckenhagen wird zugetraut, rasch aus dem langen Schatten zu treten, den Butt hinterlassen hat als einer, der den Rang eines Kult-Keepers emgenommen hat. Mit dem ablösefrei aus Rostock gekommenen Torwart setzt Pagelsdorf im Übrigen die von ihm praktizierte Methode fort, ehemalige Spieler nach Hamburg zu locken. Eine Praxis, die sich zuletzt im Fall Sergej Barbarez bewährt hat. Noch spektakulärer ist indes die Rückholaktion von Jörg Albertz. Vor sechs Jahren nach Schottland ausgewandert, wo er bei den Glasgow Rangers sein Geld verdiente und zuletzt bei der starken holländischen Fraktion um Trainer Dick Advocaat unzufrieden wirkte, kehrte der frühere Gladbacher nunmehr an die Stätte zurück, wo er einst sich einen Namen machte. Kostenpunkt für den teuersten Transfer in der 114-jährigen Vereinsgeschichte des Traditionsklubs: gut zehn Millionen Mark, womit der überwiegende Teil der für Kovac kassierten Ablöse von elf Millionen Mark reinvestiert wurde.

"Ali" ist zurück. Der verlorene Sohn, mit dem die Wiederauferstehung des HSV gelingen soll!
"Unser Ziel kann nur sein", versprühte Albertz gleich bei seiner Vorstellung große Zuversicht, "wieder international zu spielen. Mit diesem Stadion und diesen Fans ist dies ganz einfach Pflicht. " Albertz weiß sich zu verkaufen und weiß vor allein, was der Anhang hören will. So übernahm der Rückkehrer gleich den Part des Mutmachers. In eine andere Rolle soll der Mittelfeldmann mit dem strammen Linksschuss noch hineinwachsen. Hieronymus nennt den teuren Newcomer eine "Galionsfigur" und deutet damit die Richtung an: Albertz soll zu einer Leitfigur werden, für eine ausgeprägtere Hierachie in der Elf sorgen als zuletzt. Ihm wie auch Keeper Pieckenhagen, ein ganz anderer Typ als der eher ruhige und introvertierte Butt, traut dies auch Coach Pagelsdorf zu, der sich auf diese beiden neuen Vorarbeiter freut.

Den Rostocker Piekenhagen ("Einer der überragenden Torleute in der letzten Saison") hat Pagelsdorf schon vor dem ersten Trainingstag als klare Nummer eins bestimmt. Auch Albertz nimmt in den Planspielen des Trainers eine herausragende Rolle ein: "Wir werden versuchen, seine Stärken am besten zu nutzen."
Dieser hat schon betont, was Kennern ohnehin klar war. "Ich bin kein neuer Kovac", hat der 30Jährige festgehalten und erläutert, dass "meine Stärken in der Offensive hegen". Also wird Pagelsdorf, ohnehin schon nicht mehr so eingeschworen auf sein 3-4-3-Rautensystem, eine neue Strategie entwickeln müssen. Zumal ihn kurz nach dem Start ein "Schock" (Originalton Pagelsdorf) ereilte: Der chronischen Knieschmerzen leidende Regisseur Rodolfo Esteban Cardoso muss weiter pausieren. Saisonstart ohne den Argentinier, bei dem die "Angst um die Karriere" mitspielt, wie er sagt.

Eine neue Taktik für das Kreativzentrum muss her, zumal Wunschkandidat Yildiray Bastürk, ein idealer Cardoso-Ersatz, Leverkusen dem HSV vorgezogen hat. "Drei Varianten", so Pagelsdorf, bleiben ihm: Einmal das Wechselspiel zwischen Torschützenkönig Sergej Barbarez, dem Gewinner des "verlorenen letzten Jahres", und Sturmführer Erik Meijer - wie bereits erprobt. Oder aber "Pagel" lässt den ebenfalls schon getesteten Marek Heinz oder gar Neuzugang Jörg Albertz als Regisseur wirbeln.

Eine Änderung deutet sich auf jeden Fall in der Deckung an: Pagelsdorf scheint nach leidvollen Erfahrungen eine Abkehr von der risikoreichen Dreierkette vollzogen zu haben, plädiert eher für eine Art Viererkette, in der Chef Nico Jan Hoogma als freier Mann für die Absicherung sorgen soll.
"Wir müssen schnell zu einer Einheit finden", wünscht sich der Holländer Hoogma das Einrichten und Festhalten einer eingespielten Formation, was zuletzt nicht immer der Fall war. Bei dem um sechs Mann abgespeckten Kader, der nur noch vier Torhüter und 22 Feldspieler umfasst, könnte dies gelingen.

Was Hamburgs Hoffnung ausmacht, ist diese Tatsache: Steigerungsmöglichkeiten bestehen bei einigen Kandidaten. Bei Marcel Ketelaer und Milan Fukal wird ein Leistungsschub erwartet. Auch Marek Heinz werden Fortschritte zugetraut, wie sie Landsmann Tomas Ujfalusi, die Entdeckung der Rückserie, im Eilverfahren durchlaufen hat. Unter Wert gespielt haben auch Ingo Hertzsch (nicht souverän nach seiner Berufung zum Nationalspieler) und Mehdi Mahdavikia (nicht so überzeugend in der Rückrunde).

Optimismus ist angebracht vor einem wichtigen Spieljahr, nicht nur weil Konkurrenz vor der Haustür droht. Obwohl HSV-Chef Hackmann "bis auf die Derbys" keine Berührungspunkte mit dem Aufsteiger St. Pauli sieht, sitzt die Angst im Nacken. Sollte der HSV wie im Vorjahr nicht die Kurve kriegen, so droht, dass ihn der kleine Nachbar überholt. Der HSV in Hamburg nur die Nummer zwei? Es wäre ein weiterer Nackenschlag.
Hans-Günter Klemm

Das muss besser werden:
In erster Linie muss der HSV wieder Stabilität in die Deckung bekommen. Zudem sollte Pagelsdorf schnell eine eingespielte Elf und die richtige Abstimmung im Offensivspiel um die neue Leitfigur Albertz finden.

kicker-Prognose:
Der HSV wird sich steigern, das schlechte Jahr vergessen machen und um einen Platz im UEFACup mitmischen.


 
kicker-Interview mit Frank Pagelsdorf. "Ich will noch flexibler spielen":

kicker: Wie würden Sie die neue Spielzeit einstufen, Herr Pagelsdorf? Als Neuanfang? Als Aufbaujahr? Oder als Übergangsjahr?
Frank Pagelsdorf: Ich würde keinen dieser Begriffe als Überschrift wählen. Für mich ist es eine Saison, in der wir um einen internationalen Platz kämpfen und in der wir unseren Kader reduziert haben.

kicker: Ist dieses Aufgebot dazu im Stande, dieses Ziel zu erreichen? Anders gefragt: Sind Sie mit der Einkaufspolitik zufrieden?
Pagelsdorf: Wir besitzen nun mal finanzielle Nachteile gegenüber den Großen. So haben wir die Einnahmen aus der Champions League nicht in Spieler, sondern in unser Stadion investiert. Doch ich bin jemand, der die wirtschaftlichen Gegebenheiten akzeptiert und keine utopischen Dinge vom Klub fordert. Daher bin ich mit unserer Personalpolitik zufrieden. Wir haben weiter ein gutes Fundament, haben die Abgänge Butt und Kovac durch Pieckenhagen und Albertz gut ersetzt, dazu mit Maltritz und Wächter zwei Talente geholt.

kicker: Welche Defizite der letzten Saison müssen Sie unbedingt ausmerzen? Warum ist Ihre Mannschaft in diesem Jahr besser?
Pagelsdorf: Wir hatten viele Konzentrationsmängel gegen Spielende. Dies müssen wir abstellen. Ich glaube, dass wir uns verbessern können, weil wir das Manko des letzten Jahres abstellen können: Damals hatten wir viele Verletzte und ich war ständig zu Umstellungen gezwungen. Ich hoffe, dass mir dies erspart bleibt und ich schnell eine eingespielte Formation finde.

kicker: Planen Sie Änderungen in der Taktik?
Pagelsdorf: Ich will noch flexibler spielen. In der Abwehr auch mit einer Viererkette neben dem erprobten 3-4-3. Festhalten will ich an drei Spitzen, weil wir die Typen dazu haben. In der Offensive werde ich versuchen, dass wir die Stärken von Jörg Albertz ausnutzen.

kicker: : Wer wird Meister? Und wo landet Ihr Klub?
Pagelsdorf: Ich tippe auf die Großen Vier: Bayern, Leverkusen, Dortmund und Schalke. Der HSV wird unter die ersten Fünf kommen


 
kicker:  Ditmar Jakobs, von 1979 bis 1990 Abwehrspieler beim Hamburger SV:

"Ich bin zuversichtlich, vertraue auf das vorhandene spielerische Potenzial und gehe davon aus, dass der HSV unter den ersten Fünf landet. Mit Pieckenhagen und Albertz hat der HSV die Ausfälle gut kompensiert. Vor allem der offensivstarke Albertz wird sich als Gewinn erweisen. Sollte Cardoso fit sein, ist die Elf kaum noch auszurechnen." 


 
Saisonprognose 2001/2002 der T-Online Sportredaktion (zugemailt von Nils):

1. Borussia Dortmund
2. Bayer Leverkusen
3. FC Bayern München
4. FC Schalke 04
5. SC Freiburg
6. Hamburger SV
7. Hertha BSC Berlin
8. VfL Wolfsburg
9. 1. FC Kaiserslautern
10. Werder Bremen
11. 1860 München
12. 1. FC Köln
13. VfB Stuttgart
14. 1. FC Nürnberg
15. Hansa Rostock
16. Borussia Mönchengladbach
17. FC St. Pauli
18. Energie Cottbus


 
Sportbild (Torsten Rumpf): Diese Fans haben Erfolg verdient!:
Nach Platz drei nur noch Platz 13. So stark fiel keine andere Mannschaft ab. Jetzt hat sie sich zur Wiedergutmachung verpflichtet. Was die Fans mindestens erwarten dürfen
Carsten Cramer kann es selbst kaum glauben. Da spielte der Hamburger SV eine so bescheidene Saison 2000/ 2001, und dennoch sind die Fans und Sponsoren heiß wie noch nie auf den Bundesliga-Dino. "Die Bestmarke von 21089 Dauerkarten aus der vorigen Saison haben wir locker überboten", sagt Cramer. bei Vermarkter Ufa für den HSV zuständig. Und darüber hinaus hat der HSV alle 50 Logen und 1650 Business-Seats im endlich fertig gestellten Schmuckkästchen Volksparkstadion (jetzt AOL-Arena) verkauft.

Hamburg im HSV-Fieber. Woran liegt's? 
"Offenbar haben die Zuschauer in der vergangenen Saison trotz allem eben doch viele beeindruckende Spiele gesehen", erklärt Cramer. Wie zum Beispiel jenes 4:4 in der Champions League im September 2000 gegen den italienischen Rekordmeister Juventus Turin. Fachleute wie Fans sprechen noch heute von einem "Jahrhundert-Spiel".

Leider müssen die HSV-Fans auf derartige internationale Auftritte vorerst einmal verzichten. Denn zu schlecht waren die Leistungen des HSV in der Bundesliga, im Alltagsgeschäft. Lediglich als Tabellen-Dreizehnter schlossen die Hamburger die Saison ab. Und lange Zeit musste der einstige Europapokal-Sieger sogar um den Klassenerhalt zittern.
Die Gründe für den Leistungsknick waren vielfältig. Trainer Frank Pagelsdorf entschuldigt rückblickend: "Inhaltlich taktisches Arbeiten war durch die Doppelbelastung, Bundesliga und Champions League, gar nicht möglich. Da war nur Regenerieren angesagt." Hinzu kam großes Verletzungspech. Und zudem spielten einige Leistungsträger wochenlang unter Normalform. Allerdings gab es im Team auch einige Akteure, die nach den großen Europacup-Auftritten vollkommen den Boden unter den Füßen zu verlieren schienen...

Vorbei! Das alles ist Vergangenheit. Der HSV will seine treuen Fans mit konstant guten Leistungen wieder versöhnen und so schnell wie möglich auf die europäische Bühne zurückkehren. Sportchef Holger Hieronymus: "Der Kader ist gut besetzt. Unser Ziel ist ein internationaler Wettbewerb." 
Mit anderen Worten: Diese Fans haben Erfolge verdient!

Auch HSV-Idol Uwe Seeler traut seinem HSV erstklassige Ziele zu: "In der Mannschaft steckt so viel Potenzial. Die Spieler werden darauf brennen, die verkorkste letzte Saison vergessen zu machen. Seeler weiter: "Erfahrene Leute wie Hoogma, Hollerbach, Töfting oder Panadic werden es allen zeigen wollen. "
Ob dem HSV tatsächlich wieder ein großer Wurf gelingt. Immerhin musste der Klub mit Torhüter Jörg Butt und Mittelfeldspieler Niko Kovac zwei seiner Leistungsträger gehen lassen. Butt wechselte ablösefrei nach Leverkusen, Kovac zog es für 11,5 Millionen Mark (vorzeitig) zu Bayern München. Zudem kehrten mit Andreas Fischer, Thomas Doll, Ronald Maul, Jacek Dernbinski, Vahid Hashemian, Jochen Kientz und Soner Uysal sieben weitere Spieler dem HSV entweder den Rücken oder wurden aussortiert. Aber nur vier neue Leute wurden geholt.

Bekanntester Zugang neben den Torhütern Martin Pieckenhagen, Stefan Wächter sowie Mittelfeldspieler Marcel Maltritz ist Heimkehrer Jörg Albertz (30). Für die Rekord-Ablösesumme von 9,7 Millionen Mark kehrte "Ali" an seine frühere Wirkungsstätte zurück. Beim HSV, wo er bereits von 1993 bis 1996 spielte, hat er einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Rund vier Millionen Mark soll er pro Jahr kassieren. Damit ist der Mittelfeldspieler neuer Spitzenverdiener beim HSV. Albertz ist in Hamburg aber auch so etwas wie der ganz große Hoffnungsträger. Boss Werner Hackmann: "Bei diesem Investitions-Volumen haben wir natürlich große Erwartungen in ihn." Ob er denen auch wirklich gerecht werden kann? Schließlich hat Albertz fünf Jahre in der schottischen Premier League gespielt, die in Europa nicht den allerstärksten Ruf hat. Davon will der Rotschopf freilich nichts wissen: "Das in Schottland ist keine Mickey-Mouse-Liga. Vereine wie Celtic oder Rangers würden auch in der Bundesliga ganz oben stehen. Deutschlands Ehrenspielführer Seeler ist jedenfalls fest davon überzeugt, dass Albertz den HSV nach vorne bringen wird: "Ali kann ein Glücksfall für den HSV werden. Er ist in der Lage, eine Mannschaft zu führen. Ein Pfundskerl, der auch außerhalb des Platzes durch seine positive Ausstrahlung für jede Truppe Gold wert ist."

Ein zweiter Star - für dessen Ablöse Sportchef Hieronymus die Fantasiesumme von 137,5 Millionen Mark in die Welt gesetzt hat - heißt Sergej Barbarez. Der Bosnier, vor einem Jahr für 3,5 Millionen Mark aus Dortmund zum HSV gekommen, rettete den HSV beinahe im Alleingang vor dem Abstieg. 22 Tore erzielte der bosnische Nationalspieler für den HSV und wurde damit neben Schalkes Stürmer Ebbe Sand Torschützenkönig der Liga. "Es macht mich sehr, sehr stolz, diesen Triumph errungen zu haben. Umso mehr, als mir das in einem schwierigen Umfeld gelungen ist", sagt Barbarez ehrlich.
Durch seine Super-Saison hat sich Barbarez natürlich auch ins Blickfeld europäischer Top-Vereine gespielt. Bayern München, La Coruna und auch Arsenal London haben zuletzt Interesse an Barbarez bekundet. Doch von seinem Arbeitgeber bekommt der Bosnier (Vertrag bis 2003) keine Freigabe. Deshalb gilt jetzt seine ganze Konzentration dem HSV. Und dort will er, bis auf weiteres, an sein großartiges erstes Jahr anknüpfen - und das ganze Team mitziehen.

Wäre ja auch zu dumm, so viele Kartenkäufer auf Dauer zu verprellen.
Torsten Rumpf

Sport-Bild-Prognose
Wir werden noch stärker! Das war wohl ein Schlag ins Wasser, von dem Jahrhundert-4:4 gegen Juventus Turin mal abgesehen. Und watt nu? Jetzt zittern sie von Spiel zu Spiel, ob sie das Saisonziel erreichen: Nichtabstieg, Cup-Wettbewerb und so weiter. Ach, ihr armen Fans 


 
Sport1 - Teamcheck von Martin Sonnleitner:

Ausblick: Die Rothosen wollen nach oben
Wie in jedem Jahr drehte sich auch in diesem wieder das Personalkarussell beim Hamburger SV. Trainer Frank Pagelsdorf war 1997 an die Elbe gekommen, um das Team für die Zukunft zu formieren.
Mittlerweile trägt er es mit Fassung. Die Gesetze der Branche verursachen einen regelmäßigen personellen Aderlass. Glücklicherweise konnten die Abgänge von Hans-Jörg Butt und Nico Kovac kompensiert werden. Für die beiden Leistungsträger wurde mit Jörg Albertz und Martin Pieckenhagen adäquater Ersatz verpflichtet. 
Barbarez und Albertz alleine reichen nicht aus
In den acht Testspielen konnte sechsmal gewonnen werden. Dabei machte wieder einmal der Bosnier Sergej Barbarez von sich reden. Insgesamt 13 Tore gelangen dem Torschützenkönig der vorigen Saison in der Vorbereitung.
Auf Barbarez und Rückkehrer Jörg Albertz lasten die größten Hoffnungen. "Hammer-Ali" ist ein Mann mit Zug zum Tor und verfügt, wie es sein Name sagt, über einen kraftvollen Linksschuss. Über Barbarez braucht man nach 22 Saisontoren und seiner Leistung in der Vorbereitung eigentlich keine Worte mehr verlieren.
Die Konstanz fehlt
Mit dem neuen Kapitän Nico Jan Hoogma ist in der Abwehr als feste Größe ebenso zu rechnen wie mit Ingo Hertzsch, der sich in seiner letzten Saison für den HSV (geht nach Leverkusen) befindet. Auch Tomas Ujfalusi ist gesetzt, Andre Panadic wird es schwer haben. 
Milan Fukal litt unter Verletzungen oder Formschwankungen, gilt aber als Hoffnungsträger in der Defensive. Im defensiven Mittelfeld überzeugten in den Testspielen Martin Groth und als Abräumer Stig Töfting. 
Mittelfeld einst Prunkstück, nun Schwachpunkt
Das Mittelfeld, einst mit Kovac und Rudolfo Cardoso das Prunkstück, ist die Archillesferse. Cardoso ist immer noch nicht einsatzfähig, Albertz in der Offensive ausgelastet.
Mit Hollerbach und Töfting sind zwei Kämpfer wichtig für das Pressing im Spiel der Rothosen. Allerdings könnte es Probleme in der eigentlichen Offensive geben. 
Eine Mannschaft ist zu wenig
Eric Meier ist die einzige nominelle Spitze, Barbarez wird wohl ins zentrale Mittelfeld weichen. Viel hängt von den Außen Marcel Ketelaer und Marek Heinz ab, die häufig verletzt oder außer Form sind. Roy Präger rennt seiner Form hinterher, auch wenn er fit ist.
Anthony Yeboah gibt Rätsel bezüglich seiner Zukunft auf. Ob dieser Unsicherheitsfaktoren lastet auf Mehdi Mahdavikia als hängende Spitze eine große Verantwortung. 
Sport-1-Tipp: Spielt der HSV in Bestbesetzung, kann er oben angreifen, heißt Platz 3 bis 6 wäre drin. Allerdings: Der Kader kann die erste Elf nicht annähernd ersetzen. Durch dieses Manko findet sich der HSV eher im Mittelfeld wieder. 
 
 

Trainer: Pagelsdorf will zurück ins obere Tabellendrittel 
Innerhalb einer Branche, in der Exzentriker und Marktschreier Konjunktur haben, ist Bundesligatrainer Frank Pagelsdorf eher ein ruhiger und besonnener Protagonist. Der einstige Profi (Hannover 96, Arminia Bielefeld und Borussia Dortmund) machte sich zunächst als Trainer bei den Ostvereinen 1. FC Union Berlin und FC Hansa Rostock einen Namen.
Nachdem er Rostock 1995 in die Bundesliga geführt hatte, war das Schwergewicht - Vorliebe Gummibärchen - aus der Szene nicht mehr wegzudenken. 1997 wechselte der 43-Jährige zum Hamburger SV, wo er mit dem Ziel antrat, eine neue Mannschaft zu formieren. Größter Erfolg: In der Saison 1999/2000 wurden die Hanseaten Dritter und qualifizierten sich für die Champions League. 
Drei Meistertitel in Folge
In den Spielzeiten 1992/93 und 1993/94 gewann Pagelsdorf mit Union den Meistertitel der Oberliga Nordost, der Aufstieg scheiterte jeweils an der DFB-Lizenz. Pagelsdorf wollte mehr und wechselte zur Saison 1994/95 nach Rostock, wo er prompt Zweitligameister wurde. 
In seiner ersten Bundesligasaison errang er mit den Rostockern einen spektakulären sechsten Rang. Es war sein "Meisterstück".

Weinender Koloss
In der folgenden Spielzeit kämpfte Hansa zwar gegen den Abstieg, doch Pagelsdorfs Renommee war zweifelsfrei.
Zum einen hatte er die Herzen der Fußball-Nation erobert, als er nach einem Sieg seines Klubs hemmungslos weinte (was ihm beim Hamburger SV, als dieser vom Abstieg bedroht war später noch zweimal passieren sollte). Zum anderen war den Kennern und Kritikern der Branche klar: "Pagel" hat das Zeug, einen großen Klub zu übernehmen. 

Hochs und Tiefs an der Elbe
So kam der introvertierte Coach im Sommer 1997 an die Elbe. Seine Mission lautete, ein neues Team zu formieren. Pagelsdorf strukturierte die Mannschaft dann auch gänzlich neu, was ihm nicht immer positive Kritiken einbrachte. Zuviele Spieler kamen und gingen unter seiner Ägide.
Nach Auseinandersetzungen mit Sportdirektor Hieronymus wegen anhaltenden Misserfolgs flirtete Pagelsdorf mit Borussia Dortmund und Tennis Borussia Berlin, was seinen Status letztlich festigte und sein Gehalt in die Höhe schießen ließ. 

Talente entdecken ist seine Stärke
Den Beweis, mit einer großen Elf etwas zu erreichen, ist der Gemütsmensch bisher schuldig geblieben. Auch wenn es nie richtig deklariert wurde: "Pagel" wurde zum HSV geholt, damit die Rothosen an legendäre Zeiten anschließen. 
Eines hat er hingegen mehrfach bewiesen: Junge, unverbrauchte Spieler sind bei ihm in den richtigen Händen. Sergej Barbarez, Stefan Beinlich, Martin Pieckenhagen, Jonathan Akpoborie durchliefen seine Talentschmiede, um nur einige zu nennen. Auf die Frage, was er wäre, wenn nicht Trainer, antwortete Pagelsdorf einmal: "Talentspäher".

Interview: "Unser Ziel ist ein internationaler Wettbewerb"
Hamburgs Trainer Frank Pagelsdorf spricht im Sport1-Interview über die Führungsspieler seiner Mannschaft, gibt das Saisonziel aus und nennt seinen Meisterschaftskandidaten. 
Sport1: Wie lautet das sportliche Ziel des Hamburger SV für die kommende Saison? Wo erwarten Sie Ihr Team am Ende der Saison?
Frank Pagelsdorf: Unser Ziel ist ein internationaler Wettbewerb.
Sport1: Wo liegen im Team die Stärken, wo die Schwächen?
Pagelsdorf: Ich glaube, dass unsere ganz große Stärke der Zusammenhalt in der Mannschaft ist. Unsere Schwäche ist momentan die große Anzahl an Verletzten
Sport1: Wem trauen Sie eine tragende Rolle in der Mannschaft zu, wer zählt zu den Führungsspielern?
Pagelsdorf: Wir haben versucht, dass auf mehrere Schultern zu verteilen. Ich halte es nicht für sinnvoll, da nur einen Spieler herauszuholen. Zu den Führungsspielern zählen Nico Hoogma, Stig Töfting, Martin Groth, Erik Meijer und Sergej Barbarez. Ich denke, dass mit den Neuzugängen Martin Pieckenhagen und Jörg Albertz noch weitere Führungsspieler dazu gekommen sind. 
Sport1: Welchen Spielern trauen Sie den Durchbruch zu?
Pagelsdorf: Wir hoffen, dass sich Marek Heinz und Marcel Ketelaer im Vergleich zur letzten Saison verbessern.
Sport1: Wie wurden bisher die Neuzugänge integriert?
Pagelsdorf: Wir sind da sehr zufrieden. Wir haben drei erfahrene Spieler geholt (Jörg Albertz, Martin Pieckenhagen, René Schneider; d. Red.) und zwei Talente (Marcel Maltritz, Stefan Wächter). Insofern sind wir da auch mit der Mischung zufrieden
Sport1: Wie wichtig sind die Fans, welche Eigenheit besitzt das Stadion? 
Pagelsdorf: Wir haben ja schon aufgrund der Zuschauerresonanz gesehen, welch großen Stellenwert der HSV hat. Natürlich spielen das Stadion und die Fans eine große Rolle für unseren Erfolg.
Sport1: Wer wird in Ihren Augen nächste Saison Deutscher Meister, wer wird es schwer haben die Klasse zu halten?
Pagelsdorf: Ich hoffe, dass Borussia Dortmund eine große Rolle spielen wird. Wer gegen den Abstieg spielt, kann man noch nicht sehen.
 

Star: Albertz zurück an alter Wirkungsstätte
Ein verlorener Sohn ist zurück an der Elbe. Beim Hamburger SV damals Kapitän und zur absoluten Führungspersönlichkeit gereift, stand der gebürtige Rheinländer aus Mönchengladbach auch vor einer erfolgreichen Karriere in der Nationalelf, als er ein lukratives Angebot des schottischen Spitzenklubs Glasgow Rangers annahm.
Obwohl er danach auch bei den Rangers sportlich von sich reden machte und teilweise erstklassige Leistungen bot, war Albertz aus dem Blickfeld der DFB-Trainer verschwunden und fortan für die Auswahl kaum mehr ein Thema.

Der Mann mit dem Hammer
Die enorme Schußkraft (bei den Anhängern des Hamburger SV wurde er nur "Hammer-Ali" gerufen, in Glasgow erhielt er den Spitznamen "The Hammer") ist die herausragende Eigenschaft von Jörg Albertz.
Der 1,84 m große und 83 kg schwere Albertz ist ein sehr kraftvoller und dynamischer Fußballer, der seine Stärken in der Offensive hat, in der Defensive dagegen nicht immer überzeugt. Albertz sorgt ständig für Druck nach vorne, ist dribbelstark und kann aus dem Lauf heraus gefährliche Flanken schlagen. 
Das große Ding
Nun landeten die Vereinsoberen des HSV den großen Coup und holten Albertz für zehn Millionen Mark zurück an die Elbe. Dort ist der mittlerweile 30-Jährige mit einem geschätzten Jahressalär von vier Millionen Mark Topverdiener, was ihm die Missgunst des anderen HSV-Stars Sergej Barbarez einbrachte. 
Albertz lebt für seinen Sport und bringt auch die notwendige Einstellung zu seinem Beruf mit. "Wenn ich auf den Platz gehe, kann ich nicht versprechen, dass mir ab jetzt alles gelingt. Es muß aber zu erkennen sein, daß ich alles gegeben habe", lautet sein Credo. 
 

Torjäger: Auf den Spuren von Horst Hrubesch
Topstürmer haben Tradition beim Hamburger SV. Auf einen richtigen "Knipser", wie Uwe Seeler und Horst Hrubesch, mussten die Fans der Rothosen aber lange warten. 
Als Sergej Barbarez vor gut einem Jahr von Dortmund an die Elbe wechselte, waren die Kritiker skeptisch. Barbarez hatte sich bei den Westfalen den Ruf eines schwierigen Eigenbrötlers eingehandelt. Auch die Fans begegneten dem launischen Bosnier lange Zeit mit Skepsis.

Eine irre Saison
Aber Barbarez bekehrte mit einer unglaublich guten Spielzeit 2000/2001 alle. Er war "der Spieler" bei den Hanseaten. In einer allerdings verkorksten Saison. Die Mannschaft spielte lange gegen den Abstieg, Barbarez schoss 22 Treffer und wurde zusammen mit dem Schalker Ebbe Sand Torschützenkönig.
Die Konsequenz: Internationale Top-Mannschaften, darunter Arsenal London und Deportivo La Coruna, buhlten um den Angreifer mit der Spezialität Kopfball. Der Hamburger SV hielt dagegen und besserte sein Gehalt auf. Weil dieses aber unter dem des Topverdieners beim HSV, Jörg Albertz, liegt, lehnte Barbarez eine Verlängerung seines bis 2003 laufende Vertrags um weitere zwei Jahre ab.

Ziehvater und Zögling
Vor knapp zehn Jahren wurde Barbarez von seinem jetzigen Trainer Frank Pagelsdorf entdeckt. 
Zunächst arbeiteten die beiden bei Hannover 96 und Union Berlin zusammen, später dann bei Hansa Rostock, wo der Stürmer zum ersten mal große Vereine auf sich aufmerksam machte.

Verschenktes und gewonnenes Jahr
Das Jahr in Dortmund in der Saison 1999/2000 war für den bosnischen Nationalstürmer, der auch variabel hinter den Spitzen eingesetzt werden kann, eher verschenkt. Beim HSV kehrte der 29-Jährige zu alter Blüte zurück.
 

Hoffnungsträger:Flitzer Ketelaer vor der Bewährungsprobe
Marcel Ketelaer (23) ist der Hoffnungsträger beim Hamburger SV. Anfang Juni 2000 wurde der Stürmer von Borussia Mönchengladbach für eine Ablösesumme von 5,5 Mio. DM verpflichtet. Er war für die Hamburger der bis dahin teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte.
Für Frank Pagelsdorf, der Ketelaer unbedingt haben wollte, war es keine Frage, dass der HSV einen dicken Fisch an Land gezogen hatte. Bevor sein Neuzugang, der einen Vertrag bis 2004 unterzeichnete, überhaupt einmal ein Bundesligaspiel für den HSV bestritten hatte, meinte der Trainer im "Hamburger Abendblatt": "Mit ihm haben wir einen weiteren Spieler bekommen, der mit Herz spielt. Er ist ein echter Straßenfußballer."

Schnell und hektisch
Mönchengladbachs Trainer Hans Meyer urteilte über seinen damaligen Schützling im "kicker": "Er besitzt die individuelle Stärke, auch mal zwei Mann auszuspielen, ist sehr schnell und verfügt über eine solide Technik. Er muss noch lernen, in manchen Situationen nicht so hektisch zu reagieren, dann wird er noch effektiver."
Ketelaer kann auf der linken Außenbahn eigentlich alles spielen. Er wurde in Gladbach gelegentlich als linker Außenverteidiger (eine Rolle, die er nicht sonderlich schätzt), aber hauptsächlich im linken Mittelfeld eingesetzt.

Drei auf einem Streich
Wenn der pfeilschnelle Linksfüßer mit dem Ball am Fuß losstürmt, dann ist er kaum aufzuhalten. Besonders gut zu beobachten war das beim legendären 4:4 in der Champions League gegen Juventus Turin, als er auf dem linken Flügel drei Leute auf einmal überlief.
Die Schwächen Ketelaers liegen vor allem in der Defensive. Außerdem muss der Youngster noch routinierter werden, zu unbeholfen wirken seine Aktionen meist. Ist er fit, kann der zehnfache U-21-Nationalspieler den HSV auf alle Fälle nach vorne bringen. Sein Hauptkonkurrent auf der linken Außenbahn ist Kämpfernatur Bernd Hollerbach, der sich ob seiner Defensivqualitäten schwer verdrängen lassen wird. 
 
 

Neuzugänge: Der Hamburger SV ersetzte zwei Leistungsträger
Zwei neue Torhüter wurden vom Hamburger SV verpflichtet. Neben der gesetzten Nummer eins, Martin Pieckenhagen vom FC Hansa Rostock, kam Stefan Wächter vom KFC Uerdingen, der sich wohl hinter Carsten Wehlmann ins dritte Glied einreihen muss. 
Mittelfeldmann Marcel Maltritz wurde vom VfL Wolfsburg verpflichtet. Am ehemaligen U-20-Nationalspieler waren die Hanseaten schon 1999 interessiert. 

Mittlerer Osten an der Waterkant
Der libanesische Nationalspieler Roda Antar vom FC Tadom Sur Club wurde zudem für zwei Jahre ausgeliehen. Sportchef Holger Hieronymus: "Antar hat uns in den Testspielen überzeugt. Wir glauben, dass er uns weiterhelfen kann." 
Spektakulär war ein auch ein geplatzter Wechsel. Der Hamburger SV interessierte sich für den brasilianischen Topstürmer Mario Jardel, was letztlich wegen horrender Gehaltsforderungen im Sande verlief. 

Nägel mit Köpfen
Doch anderweitig schlugen die Hanseaten richtig zu. Für die Rekordablösesumme von 9,7 Millionen Mark kehrte Jörg Albertz an seine alte Wirkungsstätte zurück. Bereits von 1993-1996 kickte "Ali" für die Rothosen. Nun unterschrieb er für drei Jahre. 
Neben Albertz ist von Pieckenhagen am meisten zu erwarten. Schade nur, dass der HSV durch diese beiden Topleute lediglich Ersatz für Nico Kovac und Hans-Jörg Butt gefunden hat - zugegebenermaßen einen würdigen, aber die anderen beiden sind weg. 
 

Stadion: Das Volksparkstadion heißt jetzt AOL-Arena
Der Hamburger SV hat neben Schalke 04 die modernste Fußballarena in Deutschland. Das alte marode Volksparkstadion wurde für 159 Millionen Mark komplett erneuert.
Die Geschichte des in den zwanziger Jahren errichteten ersten Stadions ist ein wenig skurril. Als es im Krieg zerbombt wurde, bauten es die Hanseaten aus Kriegsschutt neu auf. 

Die Rothosen wollten nicht in den Volkspark
Das Stadion wurde dann im Jahre 1953 eingeweiht, der HSV spielte aber zunächst noch am Rothenbaum weiter.
Erst Ende der fünfziger Jahre zogen die Rothosen wegen Auflagen des DFB ins ungeliebte Stadion draußen vor der Stadt, wie es damals hieß.

Keine guten Erinnerungen der Nationalelf
Die Betonschüssel war, wegen der schlechten Infrastruktur um das Stadion herum, eines der unbeliebtesten der Liga. Als sportliche Tiefpunkte galten das 0:1 bei der Weltmeisterschaft 1974 gegen die DDR und das 1:2 gegen die Niederlande bei der EM 1988.
In den Neunzigern mutierte das Stadion zum Grauen aller Fans, war absolut nicht mehr zeitgemäß. So entschlossen sich die Vereinsoberen unter der Ägide des damaligen Präsidenten Uwe Seeler zum Neubau. 

Prunkstück AOL-Arena
Baubeginn war im Juni 1998. Fertig gestellt wurde es zu Beginn der letzten Spielzeit. Vorläufige Höhepunkte: Das EM-Qualifikationsspiel gegen Griechenland (2:0) und die Champions-League-Spiele in der letzten Saison. 
Das Stadion, das nun für 30 Millionen Mark in AOL-Arena umgetauft wurde, hat eine Kapazität von 52.000 Zuschauern, davon sind 10.000 Stehplätze. Es besitzt zudem eine komplette Überdachung. Es gilt als Prunkstück. 


 
sports.com: Die sports.com Bundesliga-Lupe Hamburger SV: Wiedergutmachung 
Von Oliver Altgelt 

Vorsaison: Die vergangene Serie war für die Hanseaten eine einzige Pleite. Den Fans wurde oft nur fußballerische Magerkost geboten und mit Platz 13 verpasste man die Qualifikation für den Europacup um Längen. Grund dafür war vor allem die unerklärliche Unkonzentriertheit, die zu zahlreichen Gegentoren in den letzten Spielminuten führte. 

Zudem war bei einigen Leistungsträgern entweder ein starker Formabfall zu verzeichnen (z.B. Butt, Kovac) oder aber sie fielen langfristig durch Verletzungen aus (z.B. Cardoso, Groth). Doch nun soll alles besser werden. Zunächst einmal wurde der aufgeblähte Kader, der einen vernünftigen Trainingsbetrieb zuletzt kaum noch zuließ, ausgedünnt. Desweiteren soll das Spielsystem flexibler ausgelegt werden. 

Fortan ist also nicht mehr nur stures 3-4-3, mit dem man den Gegner in der Saison 1999/2000 noch überraschen konnte (Platz 3), angesagt. Künftig wird man häufiger mit einer Vierer-Abwehrkette agieren, mit der man der anfälligen Defensive Stabilität verleihen möchte. 

Zündstoff Barbarez: Der Bosnier weigerte sich unlängst, seinen Vertrag zu stark verbesserten Konditionen zu verlängern und kündigte gar an, seine noch verbleibenen zwei Jahre beim HSV nun "abzusitzen" zu wollen. Beide Seiten sollten sich im gegenseitigen Interesse schnellstens zusammen setzen, damit der Streit nicht eskaliert und auf die Mannschaft übergreift.

'Pagel' hat hohe Ziele. Aus alt mach neu 

Mit Niko Kovac und Hans-Jörg Butt verließen zwar zwei immens wichtige Kicker den Klub, doch da beide eine äußerst durchwachsene Saison spielten, läßt sich ihr Verlust wohl verschmerzen. Zumal der Ersatz erstklassig ist: Mit Jörg Albertz kehrte der "verlorene Sohn" nach Hamburg zurück. Mit seiner dynamischen Spielweise soll der offensivstarke 30-Jährige für neue Impulse im linken Mittelfeld sorgen. 

Martin Pieckenhagen gehört zweifellos zu den fünf besten Torhütern Deutschlands und dürfte einen Butt schnell vergessen machen. Sowohl Albertz als auch "Piecke" sollten keine Probleme haben, sich schnell zu absoluten Führungsspielern zu entwickeln. Und auch für die Rolle des Publikumslieblings sind beide geradezu prädestiniert. Ob der gerade verpflichtete Libanese Roda Antar einen Cardoso in Bestform auch nur annähernd ersetzen kann, ist indes mehr als fraglich. 

Trainer: Frank Pagelsdorf steht unter enormem Druck. Er weiß, dass er vor der schwierigsten Spielzeit seiner Karriere steht. Sein Motto kann nur lauten: "In den Europacup siegen oder fliegen". Denn eines ist klar. Noch eine derartige Pleiten-Saison wird sich die HSV-Führung mit Sicherheit nicht bieten lassen. Und der Mann ist optimistisch: Platz fünf hält der "Dicke" für realistisch. 

Prognose: Von Platz 6 bis 10 ist für den Hamburger SV alles möglich. Der Sprung in den internationalen Wettbewerb gelingt jedoch nur, wenn sich die Mannschaft schnell findet und die Leistungsträger nicht wieder langfristig ausfallen.