Bundesliga 2001/2002, 2. Spieltag, Samstag, 04.08.01 um 15:30 Uhr in der Hamburger AOL Arena bei angenehmen 20 Grad

Hamburger SV - VfB Stuttgart 2:0 (1:0)

Nun liegt also das erste HSV-Heimspiel dieser Saison hinter uns und es wurde mit 2:0 gewonnen. Trotzdem weiß ich nicht so recht, wie sehr ich mich über dieses Spiel freue.

Das Ergebnis ist zufriedenstellend, doch das Spiel war es für mich in weiten Teilen nicht.

Die erste Halbzeit könnte man sehr kurz zusammenfassen: armseelig!!! Und zwar von beiden Seiten. Das der HSV noch 1:0 durch Albertz erzielen durfte, war für mich so etwas zwischen glücklich und unverdient.
Ich möchte allerdings auch klarstellen, daß auch die Stuttgarter keine Chancen hatten in der 1. Halbzeit. Aber auf die hatte ich ja auch nicht mein Augenmerk gerichtet.

Der HSV schaffte es jedenfalls nicht, sich mal wirklich gute Torchancen herauszuspielen. Erstmals wurde quasi 3-3-4 gespielt. Hinten 3 Mann in der Abwehr. Davor Töfting, rechts Groth, links Holler und davor als Stürmer zwei leicht hängende Außen mit Albertz und Mahdavikia sowie zwei Mittelstürmern mit Yeboah und Meijer.

Ich hoffe, daß es diese Aufstellung so nicht mehr all zu oft geben wird. Töfting war für mich der beste Mann des Spiels, aber trotzdem ist er mit der Aufgabe überfordert. Er soll – wie im heutigen Fall Balakov – einen Gegenspieler ausschalten und muß dann bei dieser Formation zwangsweise auch noch als Spielgestalter bzw. Ballverteiler wirken. Daran ist letztes Jahr schon Kovac gescheitert und diese Doppelaufgabe ist auch für Töfting zu viel.

Besonders bescheiden war in der ersten Halbzeit das Spiel über die Außen bzw. die Laufarbeit des gesamten Sturms.  Es nützt eben nichts, wenn man mit 4 poentiellen Stürmern spielt, diese sich aber (besonders die Außen) viel zu wenig bewegen. So wurde sehr oft quer und zurück gespielt.

Nach der 1. Halbzeit, zumindest bis zum Tor, waren meine Gedanken jedenfalls, daß es leider wieder nach einem Jahr im Abstiegskampf aussieht. Das Tor hat die Jungs dann aber offenbar doch etwas aufgemuntert. Vielleicht hatte man vorher auch einfach nur Angst. Zu Beginn der 2. Halbzeit wurde jedenfalls sehr gut gespielt und letztendlich konnte Erik Meijer mit einem wunderschönen Tor nach sehr kluger Vorlage von Albertz das 2:0 erzielen.

Nach dem 2:0 wurde leider wieder ein Gang runter geschaltet. Trotzdem gab es noch mehrere gute Einschußmöglichkeiten, weil die Stuttgarter zwangsweise offensiver wurden. So hatten wir etliche Konterchancen, von denen die meisten schon im Ansatz fast kläglich verspielt wurden. Die dickste Chance zum 3:0 hatte das eingewechselte Geburtstagskind Marek Heinz, der vom heute endlich wieder stärkeren Mehdi Mahdavikia den Ball wirklich mustergültig aufgelegt bekam. Doch Marek verzog den Ball völlig freistehend am Tor vorbei. Den hätte er wirklich nur noch reindrücken müssen.

Die 2. Halbzeit wird wahrscheinlich auf die meisten Zuschauer so positiv gewirkt haben, daß doch wieder viel Optimismus da ist. Ich hoffe natürlich auch. Allerdings finde ich, daß der HSV zumindest nicht wie eine Mannschaft aufgetreten ist, die den UEFA-Cup vor Augen hat. Und ob der Sieg so sehr auf unsere Spiekklasse zurückzuführen ist, weiß ich auch nicht. Die Stuttgarter waren nämlich ganz erschreckend und erbärmlich schlecht. Ich denke, da wird Felix Magath sehr viel Arbeit haben, um mit diesem Team nicht abzusteigen. Ich hatte ja schon wieder Angst vor einem Gegentor und dann ängstlichen Schlußminuten. Aber obwohl der HSV die Stürmer viel zu oft den Ball annehmen ließ, ohne sie zu stören, ging fast null Torgefahr von den Stuttgartern aus. Ich kann mir nicht vorstellen, daß dieses Team die Klasse halten wird (was aber auch nicht meine Sorge ist).

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: Hat glaube ich keine einzige Parade zeigen müssen. Sehr ruhiger Nachmittag: Note 3

Hoogma: Die Abwehr ist unsere Achillesverse. Ich habe bei jedem Gegenangriff mächtig Angst, weil Nico seine mangelnde Grundgeschwindigkeit nicht durch sein Stellungsspiel wettmachen kann. Heute wurde er allerdings auch nicht wirklich viel gefordert: Note 3-

Panadic: fast wie immer der gleiche Kommentar wie zu Hoogma. Allerdings fällt mir bei ihm die fehlende Schnelligkeit noch mehr auf: Note 3-

Hertzsch: Lichtblick in der Abwehr und heute einer der besten HSVer. Hat in vielen Situationen super gerklärt, bevor es brenzlig werden konnte. So ist Ingo wieder auf dem Weg, sich in mein Herz zu spielen ;-) : Note 2

Töfting: Bester Mann des HSV. Viele Bälle liefen über ihn, obwohl er mit der Rolle des Ballverteilers klar überfordert ist. Super aber im Rückwärtsgang. Sehr bissig und gewinnt viele Zweikämpfe. Sein Gegenspieler Balakov konnte sich jedenfalls nie richtig in Szene setzen: Note 2+

Groth: seeeehr unauffällig: Note 4

Hollerbach: In der ersten Halbzeit kaum zu sehen, aber in der 2. Halbzeit dann mit deutlicher Steigerung: Note 3

Albertz: Heute erstmals als Linksaußen. Wenn das heute seine konstante Form war, dann habe ich ein echtes Problem mit ihm. Er war heute zwar entscheidend an beiden Toren beteiligt und hat das in beiden Fällen auch sehr gut gemacht, aber insgesamt bin ich mit seiner Leistung nicht zufrieden. Ali muß wieder das Kämpfen lernen und vor allem, daß man in Zweikämpfe nicht so mimosenhaft reingeht. Die pomadigen, leicht durchschaubaren Pässe kann er sich ebenfalls sparen. Ich war richtig froh, daß er direkt vor der Halbzeit von Töfting und Hoogma dafür ordentlich angeschnauzt wurde. Wenn er heute nicht an beiden Toren ganz entscheidend als Torschütze und überlegter Vorlagengeber beteiligt gewesen wäre, wäre das für mich eine klare 5 gewesen. So will ich es mal „hochdrücken“ auf: Note 3-

Mahdavikia: Endlich mal wieder in ansteigender Verfassung. Note 3

Meijer: Ein wunderschönes Tor und viel Kampf. Ich frage mich nur, ob das für einen Stürmer alles ist. Denn wirkliche Torgefahr strahlt Erik ja nicht aus. Ach, Erik, ich habe echt ein kleines Problem mit Dir. Ich finde Deine Einstellung super und Du bist zusammen mit Stig der netteste HSV-Profi für mich. Nur auf dem Feld ist mir jemand wie Yeboah dann letztendlich doch lieber.: Note 3

Yeboah: Seit langer Zeit sein erster richtiger Einsatz und was für einer. Viele werden wahrscheinlich wieder genug zu meckern haben über ihn. Aber für mich war Yeboah einer der Matchwinner. Zusammen mit Töfting und Hertzsch bester HSVer. Sofort war mein „Ich liebe Yeboah“-Gefühl wieder da. Ich finde es einfach geil, wie er im Sturm als Anspielstation dient und das die Bälle dann auch in aller Regel in unseren Reihen bleiben. Er hätte vielleicht ein Kopfballtor in der 2. Halbzeit machen können/müssen, aber für die lange Verletztenzeit und die Frage, ob er überhaupt noch mal spielen würde, fand ich seinen Einsatz begeisternd: Note 2

Schiri: ist kaum aufgefallen. Eigentlich gar nicht. Zumindest nicht störend; im Gegensatz zu seinen beiden Linienrichtern, die teilweise zu meiner Verblüffung mit Ihren Fähnchen umherwedelten: Note 2

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet:

TORE 
1:0 Jörg Albertz (40.)
2:0 Erik Meijer (50.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Ingo Hertzsch (84.)
VfB Stuttgart

SCHIEDSRICHTER :  Lutz Wagner 
ZUSCHAUER :  39,026 
DATUM :  04.08.01   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Ingo Hertzsch, Nico Jan Hoogma, Martin Groth, Andrej Panadic, Jörg Albertz, Anthony Yeboah, Stig Töfting, Bernd Hollerbach, Erik Meijer, Mehdi Mahdavikia, 

VfB Stuttgart: Timo Hildebrand, Timo Wenzel, Rui Manuel Marques, Marcelo Jose Bordon, Andreas Hinkel, Jens Todt, Christian Tiffert, Krassimir Balakov, Jochen Seitz, Zvonimir Soldo, Ioan Viorel Ganea

WECHSEL 
Hamburger SV: Marcel Maltritz für Martin Groth (63.), Marek Heinz für Jörg Albertz (70.), Collin Benjamin für Erik Meijer (86.)
VfB Stuttgart: Kevin Kuranyi für Jens Todt (53.), Adhemar für Ioan Viorel Ganea (75.), Robert Vujevic für Zvonimir Soldo (75.)
 

Albertz und die neue Hoffnung 
Die Erleichterung war spürbar. Tonnenschwere Brocken fielen den Hamburger Spielern nach dem 2:0-Erfolg gegen den VfB Stuttgart vom Herzen.
Nach der Pleitensaison 2000/01 sollte alles besser werden. Doch der verpatzte Saisonstart in Cottbus dämpfte die Hoffnungen auf einen oberen Tabellenplatz enorm.

Albertz spielte angeschlagen
Und auch die ersten schwachen 35 Minuten der Partie gegen den VfB waren besorgniserregend. "Der Druck war riesengroß", bestätigte Jörg Albertz. "Doch ich bin überglücklich über den Einstand."
Dazu hat er auch allen Grund. Nach einer Schrecksekunde in der 22. Minute, als er nach einem Zweikampf verletzt behandelt werden musste, führte der Mittelfeldspieler den Hamburger SV zum ersten Saisonsieg.

Die Führung durch "The hammer"
In der 40. Minute setzten ihn Erik Meijer und Bernd Hollerbach schön in Szene und "The hammer" markierte das erste Hamburger Saisontor. "Ich freue mich riesig für Jörg Albertz, der mit seinem Tor und dem Rückpass zum 2:0 einen guten Einstand hatte", meinte HSV-Trainer Frank Pagelsdorf.
Der Spielzug zur Führung hatte Klasse und zeigte, dass die Norddeutschen auch ohne die verletzten Sergej Barbarez und Rodolpho Cardoso schönen Fußball spielen können. "Vor dem 1:0 wirkten wir verkrampft", erklärte Hollerbach. Doch Albertz' erster Treffer seit dem 24. April 1996 wirkte wie ein Weckruf.

Meijer mit der Entscheidung
Die Hamburger stürmten nach der Halbzeitpause aus der Kabine und drängten auf die Entscheidung. Anthony Yeboah (46.) und Mehdi Mahdavikia (48.) hätten per Kopf schon früh für weitere Freude sorgen können, scheiterten jedoch an den eigenen Nerven.
Für die Entscheidung sorgte Meijer in der 50. Minute. Erneut war es Albertz, der die entscheidende Vorarbeit leistete. "Wir wollen nach oben und deshalb musste unbedingt ein Sieg her", sagte Hollerbach.

Stuttgart muss kämpfen
Nach oben kann der HSV auch wieder blicken. Die Stuttgarter, die nun seit 18 Bundesligaspielen ohne Auswärtssieg sind, müssen hingegen schon früh wieder nach unten schauen.
"Fußball ist ein Kampfsport", so Trainer Felix Magath. "Unsere Mannschaft hat in der zweiten Hälfte aufgesteckt". Das extrem junge Team musste Lehrgeld bezahlen. Krassimir Balakov, der nur wenige Akzente setzen konnte, blieb nur die Erkenntnis, dass sich der VfB "von Spiel zu Spiel steigern muss". Recht hat er.
 

Fakten:
Beängstigende Negativserie des VfB
Der VfB ist asuwärts seit 18. Spielen sieglos – eine längere Durststrecke auf fremden Plätzen erlebte zuletzt Eintracht Frankfurt vor über fünf Jahren in der Bundesliga. Bis zum Negativrekord des VfB von 28 Auswärtspartien ohne Sieg ist es allerdings noch ein langer Weg. 

Torgarantie in Hamburg
Seit 19 Heimspielen haben die Pagelsdorf-Schützlinge daheim den Platz nicht mehr torlos verlassen – keine andere Mannschaft trifft momentan daheim so regelmäßig 

Hamburger Serie
Die Schwaben entwickeln sich zum Lieblingsgegner der Hanseaten. Von den letzten sechs Partien verlor der HSV keine einzige und ging sogar viermal als Sieger vom Platz. Dabei schoss der HSV in jeder dieser sechs Partien mindestens zwei Tore. 

Schlaglichter:
Albertz meldete sich zurück
Ein Raunen ging durch die AOL-Arena als Ali Albertz in der ersten Spielhälfte verletzungsbedingt vom Platz musste. Doch Ali meldeten sich nach kurzer Zeit wieder Einsatzbereit und wurde zum spielentscheidenden Mann. Mit seinem ersten Bundesligator seit dem 24.04.96 (2:2 gegen Leverkusen) brachte er den HSV noch vor dem Seitenwechsel in Führung. Nach der Pause war er mit einer präzisen Flanke auf Eric Meijer auch am zweiten Hamburger Treffer direkt beteiligt. Mit insgesamt 5 Torschussvorlagen setzte "The hammer" seine Mitspieler beim HSV am häufigsten in Szene. 

"Kampfschwein" Meijer
Eric Meijer präsentierte sich gegen den VfB nicht nur gewohnt einsatzfreudig, sondern strahlte von allen Stürmer auf dem Platz auch die meiste Torgefahr aus. Kein Spieler bestritt so viele Zweikämpfe wie der Holländer, zudem war kein Hamburger an mehr Torschüsse beteiligt als Meijer, dem mit seinem 31. Bundesligator der 2:0 Endstand gelang. 

Schwacher Auftritt von Seitz
Der Einsatz von Jochen Seitz für den Brasilianer Adhemar hat sich nicht gelohnt. Seitz gab in 90 Minuten keinen einzigen Torschuss ab und gewann an alter Wirkungsstätte nur 28% seiner Zweikämpfe. Der eingewechselte Adhemar gab bei seinem 15 Minuteneinsatz immerhin drei Torschüsse ab. 

Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburger SV):
"Insgesamt bin ich zufrieden. Die Mannschaft hat couragiert nach vorn gespielt. Zum Ende haben wir das Spiel allerdings ein wenig aus der Hand gegeben. Ich freue mich riesig für Jörg Albertz, der mit seinem Tor und dem Rückpass zum 2:0 einen guten Einstand hatte." 

Trainer Felix Magath (VfB Stuttgart):
"Wir haben gut begonnen und waren in den ersten 20 Minuten ebenbürtig. Anschließend haben wir dem HSV durch einfache Fehler und Ballverluste das 1:0 ermöglicht. Nach dem zweiten Aussetzer nach der Halbzeit war das Spiel für uns gelaufen." 
 

Topspieler Jörg Albertz (Hamurger SV):
Nach einem harten Zweikampf sah es fast so aus, als ob Albertz schon früh ausgewechselt werden müsste. Doch "The hammer" biß die Zähne zusammen und kämpfte seine Hamburger zum Sieg. Er erzielte das erlösende 1:0 kurz vor der Halbzeit. Danach war der HSV nicht mehr zu bremsen. Albertz, der noch vier weitere Torschüsse abgab, bereitete auch das 2:0 vor, ehe er sich in der 70. Minute unter dem Applaus der Fans auswechseln ließ.

Spielwertung: 2 Bälle (von 4 möglichen)

Kommentar:
Nach den ersten 35 Minuten mussten die Fans des HSV Schlimmes befürchten. Doch zum Glück haben die Hamburger Jörg Albertz. Sein Treffer in der 40. Minute beflügelte die komplette Mannschaft. Trotz der verletzten Barbarez und Cardoso hatten die Norddeutschen massenweise Großchancen. Die Hamburger versprühten endlich wieder Spiellaune, hatten Spaß am Fußballspielen.
Sebastian Stolz

Taktik:
Hamburger SV:
Torwart Pieckenhagen verlebte einen ruhigen Nachmittag. Ein Grund: die dicht gestaffelte Abwehr mit Panadic (links), Hoogma (zentral) und Hertzsch. Davor stand Töfting. Hollerbach und Groth verteilten die Bälle im Mittelfeld. Etwas offensiver ausgerichtet agierten Albertz auf dem linken und Mahdavikia auf dem rechten Flügel. Die Stürmer Meijer und Yeboah sorgten ständig für Gefahr.

VfB Stuttgart:
Besonders in der zweiten Hälfte wurde Torwart Hildebrand von seiner Vierer-Abwehrkette mit Wenzel, Bordon, Marques und Hinkel im Stich gelassen. Das defensive Mittelfeld mit Soldo und Todt wusste auch nur in der ersten Halbzeit zu überzeugen. Tiffert spielte im offensiven Mittelfeld zusammen mit Balakov. Der Sturm mit Ganea und Seitz blieb harmlos. Daran konnte auch Kuranyi (53./für Todt) nichts ändern. Auch die in der 75. Minute eingewechselten Adhemar (für Ganea) und Vujevic (für Soldo) konnten keine neuen Impulse geben. 


 
dpa meldet:HSV besiegt Stuttgarter mit 2:0

Hamburg (dpa) - Mit einem 2:0 (1:0)-Sieg hat der Hamburger SV die schwarze Auswärtsserie des VfB Stuttgart in der Fußball-Bundesliga verlängert.

Seit nunmehr 18 Spielen sind die Schwaben auf des Gegners Platz ohne einen Drei-Punkte-Erfolg. Beim HSV feierte 10-Millionen- Einkauf Jörg Albertz am Samstag nach fünf Jahren eine grandiose Rückkehr. Im ersten Heimspiel in der AOL-Arena erzielte der Mittelfeldspieler das Führungstor in der 40. Minute und gab die Vorlage zum 2:0 durch Eric Meijer (50.).

HSV-Coach Frank Pagelsdorf hatte sein Team, das erneut durch sieben Verletzte geschwächt war, mit Anthony Yeboah und Meijer in der Spitze offensiv ausgerichtet. Sehr engagiert, aber zeitweise ohne Konzept, rissen die Gastgeber das Spiel vor 39 026 Zuschauern an sich. Gegen die massive Abwehr der Stuttgarter Viererkette versuchte es der HSV immer wieder über die Flügel. Nach einem Distanzschuss von Meijer (19.) hätten die Hamburger bereits in Führung gehen können, und auch Stig Töfting (37.) glänzte mit einem Freistoß, den Keeper Timo Hildebrand gut parierte.

Die Stuttgarter nutzten ihre Konter nicht konsequent genug aus, obwohl auch sie durch Viorel Ganea (29./33.) gute Möglichkeiten hatten. In einer Drangphase der Schwaben gelang Albertz, der von den Glasgow Rangers zurückgeholt worden war, überraschend der erste Saisontreffer. Wie ein Befreiungsschlag wirkte das 1:0, das Albertz nach Vorlage von Bernd Hollerbach zielstrebig verwertet hatte. «Leider haben wir vor der Halbzeit wieder einmal gepennt», lautete der trockene Kommentar von Gäste-Coach Felix Magath in der Halbzeit.

Auch nach der Pause spielten die Hanseaten flüssiger, Yeboah vergab Sekunden nach dem Anpfiff eine gute Kopfballchance. Erneut war es Linksfuß Albertz, der in der 50. Minute auf Meijer vors Tor flankte. Der Holländer nutzte die Möglichkeit und traf erstmals wieder seit dem 4. März. Der VfB wirkte geschockt und agierte nur noch harmlos, die meisten Zweikämpfe gingen verloren. Bernd Hollerbach (54.) mit einem Pfostenschuss, Mehdi Mahdavikia (69.) und Marek Heinz (79.) hätten das Ergebnis fast noch erhöht. 


 
kicker meldet: 
Spielnote: 3 
Spieler des Spiels: Töfting - Der Däne imponierte einmal mehr als Laufwunder und Arbeiter. Schaltete Stuttgarts Hirn Balakov aus und kurbelte an. 

Kurzbericht 

Beim Hamburger SV nominierte Trainer Frank Pagelsdorf bis auf eine Ausnahme die gleiche Elf wie bei der Auftaktniederlage in Cottbus (0:1): Yeboah kam für Ketelaer im Sturm zum Zuge. Stuttgarts Trainer Felix Magath schenkte im Gegensatz zum 0:0 gegen den 1. FC Köln Seitz (Mittelfeld) und Ganea (Sturm) von Beginn an das Vertrauen. Für die beiden saßen Adhemar und Nachwuchs-Stürmer Kuranyi zunächst auf der Bank.

Der HSV agierte mit zwei nominellen Spitzen (Yeboah, Meijer), aber sämtliche Mittelfeldspieler stießen, vor allem über die Flügel, immer wieder mit nach vorn. Mit dem Spiel über die Außen sowie mit schnellem Passspiel versuchten die Hamburger die beiden Viererketten des VfB zu knacken. Von der Grundaufstellung wirkten die Stuttgarter sehr defensiv - nur eine echte Spitze (Ganea) und Balakov dahinter - aber wenn sie nach vorne kamen, dann stets gefährlich. So zum Beispiel nach einer halben Stunde, als ihnen beim Spielaufbau nichts einzufallen schien und sie den Ball in der Abwehrkette hin- und herschoben, Soldo aber blitzschnell die Lücke erkannte. Sein langer Ball fand Ganea in der Spitze, dessen Flanke um ein Haar den Kopf des sich herangeschlichenen Seitz fand. Aber Panadic rettete im letzten Moment.

Bis auf eine Ausnahme stand die Abwehr des VfB in der ersten Halbzeit sehr sicher. Aber die rechte Defensivseite passte fünf Minuten vor dem Pausenpfiff für einen Moment nicht auf, und die beiden Routiniers Hollerbach und Albertz spielten sich sehr schön durch, bis Albertz in halblinker Position frei vor Hildebrand auftauchte und diesem mit einem kräftigen Linksschuss keine Chance ließ. Direkt nach dem Seitenwechsel machte der HSV Druck und drängte auf die Entscheidung. Und das 2:0 ließ auch nicht allzu lange auf sich warten. Wieder war es Albertz, der sich auf der linken Seite durchtankte, diesmal aber nicht selbst schoss, sondern mustergültig auf Meijer zurückpasste. Gegen dessen Direktabnahme hatte Hildebrand im VfB-Tor keinerlei Abwehrchance. In der Folge drängte der HSV eher auf das 3:0, als dass die Schwaben die Chance gehabt hätten, den Anschlusstreffer zu erzielen. Aber Mahdavikia und Heinz vergaben beste Möglichkeiten. Bei den Gästen brachten auch die Einwechslungen keinen neuen Schwung. Die Hamburger brachten ihre Führung routiniert über die Zeit. Einzig die beiden erfahrenen Akteure Balakov und Bordon schienen mental in der Lage, den VfB zurück ins Spiel zu bringen. Aber sie alleine konnten das Blatt nicht mehr wenden.

Ein verdienter Erfolg für den Hamburger SV, der nach guten Chancen in der zweiten Halbzeit auch hätte höher ausfallen können. Letztlich gab auch die größere Routine den Ausschlag für die Norddeutschen. Insbesondere bei Albertz, dessen weiteres Mitwirken Mitte der ersten Hälfte nach einer Knieverletzung gefährdet war, lohnte es sich, dass er auf die Zähne biss. Seine individuelle Stärke bescherte dem HSV die beiden Sieg bringenden Treffer. Für den VfB, der weiterhin auf sein erstes Tor in dieser Saison wartet, geht der Blick eindeutig in Richtung Abstiegskampf. Seit 13. Mai 2000 haben die Schwaben auswärts nicht mehr gewinnen können. 

Spielnote: 3 
Spieler des Spiels: Töfting - Der Däne imponierte einmal mehr als Laufwunder und Arbeiter. Schaltete Stuttgarts Hirn Balakov aus und kurbelte an. 
 

Analyse 

Personal: Nur ein Wechsel beim HSV: Pagelsdorf brachte Yeboah für Ketelaer. Sein Kollege Magath nahm zwei Umstellungen in der Spitze vor: Ganea und Seitz an Stelle von Adhemar und Kuranyi. Bis zum Anpfiff bangte der VfB um Kapitän Soldo (Wadenverletzung), der dann doch auflaufen konnte.

Taktik: Der HSV mit einer neuen Grundordnung: Ein verkapptes 3-5-2-System mit Meijer und Yeboah als Doppelspitze. Mahdavikia rückte auf der rechten Außenbahn immer vor, Albertz tat dies auf der Gegenseite nicht, machte den Flügel frei und ließ sich auf die Halbposition im linken Mittelfeld fallen. Hoogma agierte als Chef der Dreierkette sehr variabel, mal als Absicherung hinter, mal vor der Deckung. Stuttgart operierte mit einem klassischen 4-4-2 um Abwehrchef Bordon, wobei Balakov (zentral offensiv) durch Soldo abgesichert wurde.

Analyse: Zu Beginn entwickelte sich eine mäßige Begegnung: Stuttgart war sehr auf Sicherheit bedacht, Hamburg spielte ohne notwendige Inspiration, um ein vernünftiges Angriffsspiel aufzuziehen. Beim VfB fielen die beiden Spitzen Ganea und Seitz als Anspielstation aus, verfingen sich im dichten hanseatischen Abwehrnetz. Im Duell mit dem quirligen Töfting blieb der bemühte und engagierte Balakov der Verlierer.

Nach der Pause wurde die Überlegenheit der Norddeutschen erdrückend. Ausschlaggebend dafür: Meijer ließ sich aus der Spitze zurückfallen, Albertz hielt nun die linke Außenbahn und bildete mit Mahdavikia (rechts) eine echte Flügelzange; der HSV also erfolgreich mit einer 3-4-3-Taktik. Der Erfolg wurde überdies durch schwäbische Fehler begünstigt, die die beiden Tore einleiteten: Balakovs riskanter Pass in der eigenen Hälfte vor dem 1:0, Hinkels verlorener Zweikampf gegen Albertz vor dem 2:0.

Fazit: Dank einer Leistungssteigerung nach der Pause ein hochverdienter Sieg cleverer Hamburger gegen eine zu hausbackene VfB-Elf. Das Albertz-Tor brach den Bann bei den anfangs nervösen Norddeutschen. Der VfB ohne Mumm in der Offensive, der HSV kompakter und mit den entscheidenden Einzelfiguren Töfting, Hollerbach und Matchwinner Albertz.
 

Das Spiel im Ticker:
Schlusspfiff
90.+1. Minute: Balakov gibt sich nicht geschlagen. Er und Bordon scheinen die Einzigen, die sich gegen die drohende Niederlage aufbäumen.
78. Minute: Der eingewechselte Heinz vergibt nach Mahdavikias Vorlage frei stehend die endgültige Entscheidung.
73. Minute: Bei den Schwaben versuchen die Routiniers das Heft in die Hand zu bekommen. Balakovs Freistoß findet erneut Bordon, der aber verzieht.
69. Minute: Mahdavikias Flachschuss wehrt Hildebrand zur Ecke ab.
66. Minute: Der HSV lässt sich nun etwas weiter zurückfallen, setzt verstärkt auf Konter. Aber vom VfB, insbesondere von Balakov, kommt zu wenig.
54. Minute: Fast das 3:0: Ein Hollerbach-Schuss streift den Pfosten des VfB-Tors.
53. Minute: Ein Freistoß von Balakov aus 30 Metern fliegt auf den rechten oberen Winkel des HSV-Tors zu, aber Pieckenhagen ohne Probleme.
50. Minute: 2:0 für den HSV! Und wieder war Albertz beteiligt. Er tankt sich auf der linken Seite durch, passt genau auf Meijer, dessen Direktabnahme unhaltbar für Hildebrand einschlägt.
48. Minute: Der HSV drängt auf das 2:0. Mahdavikia scheitert an Hildebrand.
46. Minute: Riesenchance für den HSV: Nach einer Ecke von rechts bekommt Yeboah nicht genug Kraft hinter seinen Kopfball, der Ball geht am langen Eck vorbei.
46. Minute: Beide Teams gehen unverändert in die zweite Hälfte.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
45. Minute: Balakov passt auf Ganea, aber mit dessen Schuss hat Pieckenhagen keine Mühe.
40. Minute: Albertz kommt nach Zusammenspiel mit Hollerbach auf der linken Seite durch und lässt Hildebrand mit einem Linksschuss in die linke Ecke keine Chance.
39. Minute: Balakovs Ecke findet den Kopf von Bordon. Aber der Ball geht übers HSV-Tor.
37. Minute: Töfting zieht einen Freistoß aus halblinker Position direkt aufs Tor. Hildebrand kann den Ball nicht aus der Gefahrenzone fausten. Aber Yeboah attackiert im Fünf-Meter-Raum den Torhüter: Freistoß für den VfB.
33. Minute: Nach einem Fehler von Hollerbach wird Ganeas Schuss in letzter Sekunde abgeblockt.
30. Minute: Erst Ballgeschiebe in der VfB-Abwehr, dann der schnelle Pass von Soldo in die Spitze, aber Ganeas Flanke auf Seitz klärt Panadic auf Kosten eines Eckballs.
26. Minute: Hackentrick von Yeboah auf Groth. Dessen Hereingabe wird von der VfB-Abwehr geklärt.
23. Minute: Albertz verletzt sich bei einem Zweikampf das linke Knie und muss außerhalb des Feldes behandelt werden. Aber er beißt auf die Zähne und kehrt zurück auf den Rasen.
20. Minute: Die Hamburger versuchen durch Spiel über die Flügel und schnelles Passspiel im Mittelfeld die VfB-Defensive zu knacken.
17. Minute: Aufregung nach einer Meijer-Flanke im VfB-Strafraum. Aber Wenzel klärt für Hildebrand.
15. Minute: Der HSV bemüht sich, das Spiel in den Griff zu bekommen. Bislang fehlt es dem Mittelfeld an zündenden Ideen.
10. Minute: Der VfB agiert mit zwei Viererketten, davor Balakov. Ganea ist die einzige Spitze. Eine reine Kontertaktik.
5. Minute: VfB-Keeper Hildebrand mit kleinen Unsicherheiten beim Fangen einer Flanke von Groth.
Anpfiff