Bundesliga 2001/2002, 5. Spieltag, Sonntag, 09.09.01 um 17:30 Uhr im Müngersdorfer Stadion

1. FC Köln - Hamburger SV 2:1 (0:1)

Dazu will und mag ich wirklich nichts mehr schreiben.
Ich bin einfach bedient.

Der HSV wie leider so oft in den letzten Monaten. In Führung gegangen und dann gedacht, man könne das über die Zeit schaukeln. Es dürfte aber inzwischen wirklich jedem bekannt sein, daß das NIE geklappt.
Nur Spieler und Trainer scheinen das nicht zu schnallen.

Gefallen haben mir Ketelaer, Benyamin und Hertzsch.
Mitläufer gab es so einige. Richtig schlecht fand ich Panadic. Aber auch Leute wie Groth, Meijer etc. waren überhaupt nicht zu sehen.
 

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 

TORE 
0:1 Carsten Cullmann (21.) Eigentor
1:1 Dirk Lottner (67.)
2:1 Dirk Lottner (90.)

GELBE KARTEN 
1.FC Köln: Christian Springer (46.) 
Hamburger SV: Erik Meijer (58.)

ZUSCHAUER :  35,000 
DATUM :  09.09.01   17:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
1.FC Köln: Alexander Bade, Alexander Voigt, Jörg Reeb, Matthias Scherz, Carsten Cullmann, Georgi Donkov, Miroslav Baranek, Markus Kreuz, Janosch Dziwior, Hanno Balitsch, Christian Springer

Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Ingo Hertzsch, Nico Jan Hoogma, Martin Groth, Andrej Panadic, Marcel Ketelaer, Collin Benjamin, Erik Meijer, Stig Töfting, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach

WECHSEL 
1.FC Köln: Jens Keller für Alexander Voigt (42.), Dirk Lottner für Georgi Donkov (53.), Markus Kurth für Hanno Balitsch (74.)
Hamburger SV: Marek Heinz für Marcel Ketelaer (60.), Jörg Albertz für Erik Meijer (71.), Marinus Bester für Sergej Barbarez (75.)
 

Der "Hallo-wach"-Effekt als Kölner Erfolgsrezept 

Es war die 53. Minute im Müngersdorfer Stadion: 35.000 Zuschauer fingen an zu Jubeln und feierten frenetisch. Doch was war der Grund dafür? War es der Ausgleichstreffer der Kölner, nachdem zuvor Carsten Cullmann mit seinem Eigentor (21.) die eigene Mannschaft gegen den Hamburger SV in Rückstand brachte? - Nein! - Freibier? - Auch nicht! - der "Hallo-wach"-Effekt war es. 
"Ich erfuhr einen Tag vor dem Spiel, dass ich zunächst draußen sitzen musste. Ich hatte die ganze Nacht davor Zeit, mir Gedanken darüber zu machen, was passiert, wenn ich ins Spiel komme", sagte Kölns Matchwinner Dirk Lottner.

Lottner verlieh den Mitspielern Flügel
Und seine Lösung: "Ich dachte nur, der 'Hallo-wach'-Effekt muss da sein, wenn ich reinkomme, und der war sofort da." Und wie er da war. Spielten in der ersten Hälfte nur die Hamburger und gingen verdient in Führung, war spätestens ab der 53. Minute Schluss mit dem behäbigen Fußball des FC.
Angetrieben von Lottner fuhren die Kölner einen Angriff nach dem anderen. Es schien, als ob sein Mitwirken auf dem Platz jedem seiner Mitspieler Flügel verlieh. 

Kölner wirkten verunsichert
In der ersten Halbzeit waren seine Mitspieler total verunsichert. Lottner: "Sie haben sich versteckt, keiner forderte den Ball."
Und hätte Hamburgs Stig Töfting in der 45. Minute nicht nur den Pfosten getroffen, wer weiß, ob sich Lottners Effekt mit der Einwechslung noch eingestellt hätte.

Pagelsdorf haderte mit der Chancenauswertung
"Wir hätten das Spiel klipp und klar gewinnen müssen. Wir hätten schon zur Pause mit zwei oder drei Toren führen müssen. Wir haben einfach aus unseren Chancen keinen Nutzen gezogen", haderte ein frustrierter HSV-Trainer Frank Pagelsdorf.
Und die mangelnde Chancenauswertung rächte sich bitter: Nach einem katastrophalen Fehler von Andrej Panadic im eigenen Strafraum war Lottner zur Stelle und traf mit einem Gewaltschuss aus zwölf Metern zum Ausgleichstreffer (63.).

Lottner und die 90. Minute
Mit zunehmender Spieldauer spitzte sich die Lage zu. Lottner versuchte alles, doch spätestens bei Martin Pieckenhagen war Endstation.
Dann die 90. Minute: Freistoß für Köln, 20 Meter vor dem Hamburger Gehäuse. Mit fest entschlossener Miene schreitet Lottner zum Ort des Geschehens. Die Massen jubeln. Mit beiden Händen führt der Kapitän den Ball zum Mund. Fast liebevoll küsst er ihn und legt die Kugel behutsam auf den Freistoßpunkt.

Passender Schlusspunkt zum "Hallo-wach"-Effekt
Kurzer Blick auf das Hamburger Tor, Anlauf, gefühlvoller Schlenzer, der Ball geht über die Mauer und senkt sich unhaltbar für Pieckenhagen in die rechte untere Ecke (90.).Was für ein Tor! Wie tragisch für Hamburg, wie wundervoll für die Kölner an diesem Abend.
Trainer Ewald Lienen wird den "Hallo wach"-Effekt wohl als taktisches Mittel in sein Notizbuch aufnehmen.
 

Fakten:
HSV weiter auswärtsschwach
Die Hamburger haben nur eins ihrer letzten 18 Auswärtsspiele gewonnen. 

Kölner Serie gegen den HSV hält
Der 1. FC Köln hat nur zwei der letzten 13 Spiele gegen die Hamburger verloren. 

26. Niederlage gegen Köln
Der HSV verliert zum 26. Mal gegen den FC - nur gegen die Bayern kassierten die Norddeutschen mehr Niederlagen. 

Lienen mit fünf Änderungen
Ewald Lienen setzte auf die Elf, die im DFB-Pokal 5:2 in Chemnitz gewonnen hat - damit gab es gegenüber der letzten Bundesligapartie gleich fünf Umstellungen. So viele Spieler hat Lienen seit dem Wiederaufstieg in der Vorsaison nie zuvor ausgetauscht! 

Schlaglichter:
Nach 53 Minuten kam die Wende
Bis zur 53. Minute hatte der HSV das Spiel gut im Griff und führte völlig verdient die Gäste hatten die besseren Torchancen und kontrollierten die Kölner. Die Hausherren hatten zwar fast 60% der Ballkontakte, brachten aber nichts Zwingendes zustande. Dann kam jedoch Lottner ins Spiel und mit ihm die Wende die Kölner entfachten einen Sturmlauf und verbuchten allein nach der Pause 19:5 Torschüsse. 58% gewonnener Zweikämpfe und 21:2 Flanken sprechen für einen am Ende verdienten Erfolg der Gastgeber. 

Lottner überragend
Erst nach 53 Minuten kam er ins Spiel und wurde trotzdem zum überragenden Akteur auf dem Platz: Dirk Lottner. Wie in der Vorsaison beim 4:2 gegen den HSV gelang ihm auch diesmal wieder ein Doppelpack, insgesamt war er in seiner kurzen Einsatzzeit an zwölf (!) Torschüssen des FC direkt beteiligt. Dazu kommen noch 71% gewonnene Zweikämpfe ein toller Joker! 

Gute Partie von Balitsch
Hanno Balitsch zeigte bei seinem ersten Bundesligaeinsatz von Beginn an eine gute Leistung, mit 73% gewonnenen Duellen war er der zweikampfstärkste Kölner. Neben seiner Abräumertätigkeit im defensiven Mittelfeld setzte Balitsch auch in der Offensive Akzente, an immerhin vier Torschüssen war er direkt beteiligt. 

Unglückliches Comeback von Barbarez
Das langersehnte Comeback von Sergej Barbarez verlief nicht wie geplant, dem Torschützenkönig der Vorsaison war die lange Pause deutlich anzumerken. Einige Male verzettelte er sich in aussichtsreichen Positionen, kein einziger Torschuss stand für ihn zu Buche. Auch in den Zweikämpfen setzte er sich nur selten durch, schwache 23% seiner Duelle entschied er für sich. Schmerzlich sein Abgang, als Barbarez verletzt vom Platz musste. 

Ohne Ketelaer keine Gefahr
Marcel Ketelaer nutzte seine Chance von Beginn an mit einer couragierten Leistung, er war bis zu seiner Auswechslung der auffälligste Hamburger. Und das nicht nur, weil er den Freistoß zum Eigentor durch Cullmann getreten hatte Ketelaer war bis zu seinem Wechsel an sieben von acht HSV-Torschüssen direkt beteiligt. Als er den Platz verlassen hatte, ging beim HSV fast nichts mehr nach vorn... 

Topspieler: Dirk Lottner (1. FC Köln)

Was für ein Auftritt. Nach seiner Einwechslung in der 53. Minute bog der 29-Jährige mit zwei Toren das Spiel im Alleingang um. Besonders sein direkt verwandelter Freistoßtreffer in der 90. Minute war ein Augenschmaus. Lottner war in seinen 37 Spielminuten die bestimmende Figur: Sechs Torschüsse gab der 29-Jährige in dieser Zeit ab, sechs legte er auf. Und mit 71 Prozent gewonnener Zweikämpfe, überzeugte er auch in kämpferischer Hinsicht. 
 

Spielwertung: 2 Bälle (von 4 möglichen)

Kommentar:
Mit internationalen Ansprüchen in die Saison gestartet, sind die Hamburger spätestens nach dieser Niederlage auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Mit nur vier Punkten aus fünf Spielen findet sich die Mannschaft von Trainer Frank Pagelsdorf auf einem enttäuschenden 13. Rang wieder. Anstelle sich an Schalke, Dortmund oder Leverkusen zu orientieren, müssen die Hanseaten aufpassen, dass sie nicht von St. Pauli, Nürnberg oder Rostock überholt werden. Eine Hoffnung besteht: Die nächsten beiden Spiele sind zu Hause, zunächst kommt Gladbach und dann sind die Bremer zu Gast in der AOL-Arena. Die Kölner - "Lottner sei Dank" - können sich nach diesem Last-Minute-Sieg als Achter wieder an obere Tabellenregionen orientieren.
André Elsner 
 

Taktik:
1. FC Köln:
Vor Bade im Tor vertraute Lienen einer Viererkette von links nach rechts mit: Voigt, Dziwior, Cullmann und Reeb. Davor sicherten im halblinken Mittelfeld Springer und halbrechts Balitsch ab. Zentral offensiv zog Kreuz die Fäden im Mittelfeld. Im Sturm setzte Lienen links auf Donkov, zentral auf Baranek und auf der rechten Seite auf Scherz.
Keller ersetzt kurz vor der Pause Voigt in der Abwehr. Mit der Einwechslung von Lottner für Donkov wechselte Kreuz auf die linke Offensivposition und Lottner agierte als zentraler Mittelfeldmann. Kurth kam später noch für Balitsch. Der Stürmer sollte für noch mehr Torgefahr sorgen.

Hamburger SV:
Vor Pieckenhagen im Tor spielte die vertraute Dreierabwehr mit Panadic links, Hoogma in der Zentrale und Hertzsch auf der rechten Seite. Hollerbach besetzte die linke, Groth die rechte Mittelfeldposition. Bei gegnerischen Angriffen verstärkten sie die Defensive, bei eigenem Ballbesitz rückten sie mit nach vorne. Defensiv zentral sicherte Töfting ab. Hinter den Spitzen sollte Barbarez die Angriffe einleiten. Unterstützung bekam er von Ketelaer über links. Im Sturm vertraute Pagelsdorf zentral Meijer und rochierend neben ihm Youngster Benjamin.
Heinz ersetzte ab der 60. Minute den zuvor gut aufgelegten Ketelaer. Albertz kam für Meijer, Barbarez rückte in die Spitze, "Ali" agierte hinter ihm. Nur vier Minuten dauerte diese Konstellation an. Mit der Verletzung von Barbarez kam Bester ins Spiel, der nun die vorderste Sturmspitze bildete. 

Der "Hallo-wach"-Effekt als Kölner Erfolgsrezept 
Trainer Ewald Lienen (1. FC Köln):
Wir haben in der zweiten Halbzeit alles gegeben, um dieses Spiel zu gewinnen. Wir waren aggressiver als vor der Pause und haben mehr investiert. Es war der verdiente Lohn, dass wir gewonnen haben. Dirk Lottner hat den Freistoß wunderbar reingemacht, den muss man erst mal reinschießen. 

Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburger SV): 
Wir hätten das Spiel klipp und klar gewinnen müssen. Wir haben zwar zu lange gebraucht, um ins Spiel zu kommen, hätten aber schon zur Pause mit zwei oder drei Toren führen müssen. Wir haben einfach aus unseren Chancen keinen Nutzen gezogen. Wie der Schiedsrichter dazu kommt, in der Schlussminute diesen Freistoß zu pfeifen, ist mir schleierhaft. 


 
kicker meldet: 
Chancenverhältnis: 8:3 
Eckenverhältnis: 9:3 
Schiedsrichter: Fandel (Kyllburg), Note 2,5 - Souverän in einem kampfbetonten Spiel. 
Spielnote: 3,5 
Spieler des Spiels: Lottner - Seine Einwechselung brachte die Wende: Er ordnete das Kölner Offensivspiel, übernahm die Initiative und traf zwei Mal. 

Analyse 

Personal: Ewald Lienen ließ exakt jene Kölner Startelf beginnen, der er schon im letzten Pflichtspiel - dem 5:2 im Pokal gegen den Chemnitzer FC - vertraut hatte. HSV-Trainer Pagelsdorf nahm nach dem 5:2 gegen den FC Homburg drei Änderungen vor: Hollerbach, der wieder genesene Barbarez und Benyamin begannen an Stelle von Bester, Heinz und Maltritz.

Taktik: Gegen den Hamburger Drei- Mann-Angriff - verstärkt durch Barbarez in zentraler Position dahinter - formierten die Kölner eine Vierer-Abwehrkette, in der sich die Außen um Ketelaer (Reeb) und HSV-Amateur Ben- yamin (Voigt) kümmerten. Die selbe Aufgabe übernahmen auf der anderen Seite Hollerbach (Scherz) und Hertzsch (Donkov). Auch das zentrale Mittelfeld war hier wie dort mit einem offensiven und zwei defensiveren Spielern dahinter ähnlich organisiert.

Analyse: Köln leistete sich viele Fehler im Spielaufbau, war zu selten in der Lage, den Ball im Angriff zu halten und ließ die Spitze häufig unbesetzt, weil Baranek nach rechts rochierte und keiner an seine Stelle rückte. Auf der anderen Seite spielten die Hamburger ruhiger und effektiver. Groth und Töfting leisteten vor der Deckung wirkungsvolle Dienste als "Abfangjäger", zudem wurden die Außen besser eingesetzt. Die Mannschaft kam - vor allem nach Standardsituationen - wesentlich gefährlicher vor das Tor des Gegners. Mit der Einwechselung von Lottner ordnete Lienen das Kölner Offensivspiel neu; Kreuz rückte auf die linke Außenbahn. Die Folge: mehr Ballbesitz, mehr Spielkontrolle, mehr Druck nach vorn gegen einen (wieder einmal) immer stärker nachlassenden Gegner - und das 1:1 durch den neuen Spielgestalter nach grobem Fehler von Panadic. Der späte Siegtreffer setzte der "Lottner-Wende" die Krone auf.

Fazit: Die erste Halbzeit ging an den HSV, dem erneut die Konstanz über neunzig Minuten fehlte, die zweite an Köln, das zunächst nicht ins Spiel fand. Dank des besseren Finales mit großen Chancen ein dennoch verdienter Erfolg der Gastgeber. 

Das Spiel Liveticker:
Schlusspfiff
90.+1. Minute: Unfassbar!!! In der Nachspielzeit erzielt Lottner mit einem Freistoß das vielumjubelte Siegtor für die überglücklichen Kölner.
90. Minute: Wie viele Chancen brauchen die Kölner denn noch? Scherz vergibt per Kopf eine Superchance!
81. Minute: Der FC immer wieder vor Pieckenhagens Tor: Reeb verzieht jedoch aus guter Distanz.
67. Minute: Endlich der Ausgleich! Lottner trifft aus kurzer Distanz und erlöst die Kölner.
64. Minute: Der Ball will einfach nicht ins HSV-Tor: Balitsch setzt einen wuchtigen Kopfball im Anschluss an eine Ecke über die Latte. Die Hanseaten müssen jetzt aufpassen.
59. Minute: Lottner scheitert mit gewaltigem Freistoßknaller! Auch der Nachschuss bringt nicht den erhofften Ausgleich.
55. Minute: Köln erhöht den Druck und taucht mehrmals hintereinander gefährlich im Strafraum der Gäste auf!
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
45.+1. Minute: Ein Freistoß von Töfting wird immer länger und streift nur ganz knapp am Kölner Tor vorbei!
36. Minute: Ketelaer auf Groth, der dann aus 20 Metern knapp über das Tor schießt.
30. Minute: Köln bemüht sich weiterhin, bleibt aber im Abschluss ohne Glück: Nach Balitsch-Zuspiel vergibt Baranek aus aussichtsreicher Position.
21. Minute: Cullmann wehrt einen Ketelaer-Freistoß unglücklich ins eigene Tor ab.
16. Minute: Kopfballchance für Panadic! Der HSVler scheitert jedoch aus kurzer Distanz mit einem Kopfball nach Freistoß Ketelaer.
15. Minute: Großchance für den HSV! Benjamin lupft den Ball jedoch am Kölner Tor vorbei.
14. Minute: Köln ist weiter am Drücker, doch es fehlen die zündenden Ideen.
4. Minute: Donkow setzt erstes Angriffssignal durch Kopfball im Anschluss an eine Ecke.
Anpfiff


 
dpa meldet: Lottner rettet Kölner 2:1 gegen HSV:
«Joker» Dirk Lottner hat den 1. FC Köln vor einer weiteren Heimpleite bewahrt. Beim 2:1 gegen den Hamburger SV musste der etatmäßige Kapitän bis zur 53. Minute auf der Auswechselbank schmoren. Dann wandelte er mit zwei Toren in der 67. und 92. Minute den Rückstand noch in den zweiten Saisonsieg um. «Die Mannschaft hat alles für den Sieg getan, deshalb war es ein verdienter Erfolg», jubelte FCK-Trainer Ewald Lienen.

Für den Hamburger SV, der durch ein Eigentor von Carsten Cullmann (21.) in Führung gegangen waren, war es in doppelter Hinsicht ein bitterer Abend. Sergej Barbarez, Bundesliga-Torschützenkönig der vergangenen Saison, der kurz vor Rundenstart einen Innenbandriss im rechten Sprunggelenk erlitten hatte, zog sich in der 75. Minute eine erneute Bänderverletzung am anderen Fuß zu. «Wir hätten das Spiel nie verlieren dürfen», rätselte Coach Frank Pagelsdorf, dessen Team bereits zum vierten Mal in dieser Saison eine Partie in der Schlussphase aus der Hand gab: «Dieses Rätsel müssen wir bald lösen», forderte Verteidiger Ingo Hertzsch.

Als Konsequenz aus der 0:2-Heimpleite vor zwei Wochen gegen Borussia Mönchengladbach veränderte Kölns Trainer Ewald Lienen seine Formation gleich auf fünf Positionen. Doch brachten die Umstellungen zunächst nicht den erhofften Erfolg. Im Gegenteil. Den Kölnern fehlte jede Linie, hilflos und geradezu wirr war ihr Aufbauspiel bis zur Einwechslung von Lottner.

Der HSV, bei dem Rekonvaleszent Jörg Albertz lange nur auf der Bank saß, präsentierte sich in der ersten Halbzeit reifer in der Spielanlage und torgefährlicher. Bezeichnend für Kölns Verwirrung in der ersten Hälfte war das 0:1, als Verteidiger Cullmann eine Freistoßflanke von Ketelaer in Stürmer- Manier im eigenen Tor unterbrachte.

Erst mit der Hereinnahme von Lottner kehrte die Spielkultur bei den Kölner zurück. Der 29-Jährige nahm sofort den Taktstock in die Hand, sorgte auf Anhieb für Gefahr und für den erlösenden Ausgleich. Vorangegangen war allerdings ein kapitale Fehler von HSV-Verteidiger Andrej Panadic, der Lottner den Ball quasi mustergültig auflegte.

Am Ende hatten die Kölner gegen die in der zweiten Hälfte zu passiven Hamburger auch Glück, dass Schiedsrichter Fandel nach einem harmlosen Duell zwischen Hollerbach und Baranek auf Freistoß entschied. Lottner ließ sich die Chance aus 18 Metern nicht entgehen und sorgte für großen Frust bei HSV-Verteidiger Hertzsch: «Das war kein Freistoß. Wenn jetzt jeder Mist gepfiffen wird, kann ich bald Schach spielen.»