Bundesliga 2001/2002, 6. Spieltag, Samstag, 15.09.01 um 15:30 Uhr in der Hamburger AOLArena bei 15 Grad C:

Hamburger SV - VfL Borussia Mönchengladbach 3:3 (2:1)

Nach den unglaublichen Terroranschlägen in den USA, die nur 4 Tage vor diesem Bundesliga-Spieltag stattfanden und das Word Trade Center zum Einsturz brachten, ging man an diesem Wochenende nun erstmals wieder zu so etwas wie der „Tagesordnung“ über.

Die Bundesliga wurde nicht abgesagt. Statt dessen fand vor allen Spielen eine Trauerminute statt, bei der sich Heim- und Gastmannschaften im Kreis aufstellen und teilweise sogar bei der Hand nahmen. Ich will das nicht weiter kommentieren. Grundsätzlich gibt es für mich aber jede Menge Heuchelei in diesen Tagen.

Für mich war es jedenfalls doch eher ein Spiel wie jedes andere. Ich habe während des Spiels auch nicht an die Ereignisse der letzten Woche gedacht. Das mag aber natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

Für den HSV war es jedenfalls ein „Schicksalsspiel“ (ich weiß, dieser und andere Ausdrücke hören sich in diesen Tagen unpassend an). Vor dem Spiel hatte der HSV-Vorsitzende Hackmann die Parole ausgegeben, daß nun aus diesem und dem nächsten Heimspiel 6 Punkte eingefahren werden müssen.

Der HSV spielte 92 Minuten lang ein ganz bescheidenes Spiel. Von Beginn an war man ungefährlich und zeigte keinerlei positiven Spielansätze. Doch diesmal sollte dem HSV zunächst mal das Glück zur Seite stehen. Nach einem Befreiungsschlag von Groth (den man mit sehr viel gutem Willen auch als Traumpaß bezeichnen könnte) lief Collin Benyamin in seinem 2. Bundesligaspiel auf das Tor der Gladbacher zu. Kurz vor dem Strafraum konnte er den Gladbacher Witeczek noch (fair!) abschütteln und umkurvte dann noch geschickt den Torwart und schob den Ball ein. Das war die erste Chance für den HSV und gleich drin. Da keimt natürlich Hoffnung. Zumal der HSV mit seiner 2. Chance auch direkt danach das 2:0 erzielte. Albertz kam im Strafraum in Schussposition, doch bevor er den Ball erwischen konnte, fuhr im ein Gladbacher in die Parade und Albertz flog in hohem Bogen drüber. Elfer – klare Entscheidung. Und der Gefoulte war mutig genug, selbst anzutreten. 2:0.

Aber danach wurde der HSV noch schlechter als er es vorher schon war. Man zog sich wieder total zurück und ließ die wahrlich nicht überragenden Gladbacher agieren. Nach einem tölpelhaften Zweikampf von Töfting, der heute leider völlig indisponiert war, bekamen die Gladbacher am 16er einen Freistoß. Die Mauer war mit 5 Mann wohl zu schmal und fälschte den Ball dann auch noch ab, sodaß der Ball in der Tormitte einschlug, ohne daß Pieckenhagen ihn bekam. Da hätte er nach TV-Bildern m.E. die Mauer besser stellen müssen.

So ging es mit 2:1 in die Halbzeit und es war nach den gezeigten Leistungen wohl jedem klar, daß es wieder ein Zittern geben würde. Es kam natürlich wie es kommen mußte und es fiel das durchaus verdiente 2:2. Nachdem die Gladbacher vorher schon Chancen hatten und Pieckenhagen teilweise durch unglaubliche Reflexe die Führung bewahren konnte, zeigten beim 2:2 gleich mehrere HSVer sehr bescheidene Leistungen. Zunächst bekam Töfting einen Ball nicht geklärt im Mittelfeld. Dann stand Hertzsch nicht auf dem Flügel bei seinem Gegner, der reinflankte. In der Mitte lief dann weder Pickenhagen entschlossen raus noch konnte Ujfalusi rechtzeitig vorm Gegner am Ball sein – 2:2.

Dann hatte Fortuna wohl kurzzeitig doch ein Einsehen mit dem HSV und ließ Albertz in der letzten Minute durch einen Distanzschuß das 3:2 erzielen.
Doch die Reaktion von einigen meiner Nachbarn und mir war schon wieder bezeichnend: Wir sprangen gar nicht auf beim 3:2 und jubelten gar nicht. Hinter mir meinte einer (der mir allerdings ansonsten auch viel zu viel nörgelt), daß man sich gar nicht mehr freuen könnte.
Da hatte er allerdings Recht. Der HSV spielte so bescheiden, daß ein Sieg auch nicht gerecht gewesen wäre. Da hat sich wahrscheinlich auch Fortuna überlegt und erlaubte den Gladbachern daher in der 92. Minute doch noch den Ausgleich zum 3:3.

Das war natürlich absolut typisch und paßt super zum HSV.

Wir blieben dann noch einige Minuten schockiert und deprimiert im Stadion sitzen und hätte nicht einer von uns unbedingt los wollen, hätte ich da wahrscheinlich mindestens 15 Minuten regungslos gesessen.
Ich nehme stark an, daß dies das letzte Spiel von Frank Pagelsdorf als HSV-Trainer war, obwohl Hackmann am Abend sagte, der Trainer würde nicht zur Diskussion stehen. Das ist mir unverständlich.
Nicht wegen des Ergebnisses sondern wegen einer m.E. desolaten Leistung. Als Pagelsdorf dann auch noch wieder den viel laufenden Ketelaer auswechselte, brach auch erstmals laut im Stadion der Unmut über den Trainer aus. Das wirkte auf mich schon so, als wolle er sich nun selbst sein Grab schaufeln.

Nach wie vor habe ich Angst vor dem, was den HSV als nächsten Trainer erwartet, aber nach dem heutigen Spiel bin nun auch ich soweit, daß ich glaube, daß ein Trainerwechsel wohl sinnvoll wäre. Bester von Anfang und Ketelaer ausgewechselt. Dafür die megaschlechten Töfting durch und Groth sehr lange spielen lassen – das geht nicht. Und ich habe auch nicht das Gefühl gehabt, daß sich die Mannschaft zerreißt, um für den HSV und auch den Trainer zu siegen.

Ich werde nicht „Pagel raus“ schreien, wenn es trotzdem nicht passiert, aber nachdem nun auch diese Saison absolut keine Wende zum Besseren eintreten will, muß wohl mal gehandelt werden.
Möge der Vorstand in Sachen Entlassung und Einstellung eines neuen Trainers eine weise Entscheidung treffen!

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: stellte sich beim 2:1 die Mauer schlecht und hätte beim 2:2 vielleicht auch rauslaufen können. Trotzdem hat er hervorragend gehalten und mit tollen Reflexen einen früheren Ausgleich verhindert: Note 2-

Hertzsch: fiel kaum auf: Note 4

Hoogma: s. Hertzsch: Note 4

Ujfalusi: auf seiner Seite kamen kaum Angriffe. Trotzdem stellte er sich vorm 2:2 sehr ungeschickt an und ließ seinen Gegner gewähren: Note 4

Töfting: heute grottenschlecht: Note 5

Groth: war auch auf dem Feld: Note 5

Albertz: auch den hab ich mal gesehen. Trotz 2er Tore bestenfalls: Note 4-

Mejer: warum spielt er hinter der Spitze. Dort war er völlig wertlos: Note 5

Ketelaer: war zumindest bemüht und lief fiel. Kam aber auch nichts bei rum: 3-

Bester: wozu der gespielt hat, erschließt sich mir nicht. Da hätte man gleich auf Yeboah setzen können: Note 5

Benyamin: zumindest bemüht er sich sehr und wurde heute mit einem Tor belohnt. Ich glaube aber nicht, daß er mal ein Überflieger wird: Note 3-

Die Eingewechselten Maltritz, Yeboah und Präger richteten aus allesamt nichts aus: Note 4

Schiri Krug: ausnahmsweise fiel der eitle Pfau mal nicht so auf... Note 2 

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 

TORE 
1:0 Collin Benjamin (14.)
2:0 Jörg Albertz (17.)
2:1 Markus Münch (22.)
2:2 Peter van Houdt (56.)
3:2 Jörg Albertz (90.)
3:3 Marcin Mieciel (90.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Ingo Hertzsch (60.) , Erik Meijer (69.) , Jörg Albertz (85.) 
Borussia M'gladbach: Marcel Witeczek (63.)

SCHIEDSRICHTER :  Hellmut Krug 
ZUSCHAUER :  54,092 
DATUM :  15.09.01   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Nico Jan Hoogma, Tomas Ujfalusi, Martin Groth, Ingo Hertzsch, Jörg Albertz, 
Marinus Bester, Stig Töfting, Collin Benjamin, Marcel Ketelaer, Erik Meijer

Borussia M'gladbach: Jörg Stiel, Steffen Korell, Marcel Witeczek, Marcelo Pletsch, Markus Münch, Igor Demo, Bernd Korzynietz, Peter Nielsen, Markus Hausweiler, Arie van Lent, Peter van Houdt

WECHSEL 
Hamburger SV: Roy Präger für Marcel Ketelaer (63.), Anthony Yeboah für Marinus Bester (71.), Marcel Maltritz für Martin Groth (72.)
Borussia M'gladbach: Sladan Asanin für Markus Hausweiler (36.), Marcin Mieciel für Bernd Korzynietz (78.), Ivo Ulich für Peter van Houdt (83.)
 

Druck auf Pagelsdorf wird größer 
Die Luft für Trainer Frank Pagelsdorf beim Hamburger SV wird immer dünner. Sechs Punkte hatte HSV-Boss Werner Hackmann aus den beiden Heimspielen gegen Gladbach und Werder gefordert. Daraus wird nichts mehr. Lediglich ein 3:3 (2:1) schafften die Hanseaten am Samstag gegen Aufsteiger Mönchengladbach. 

Der Abschied des Trainers kündigte sich hinterher mehr als deutlich an. Direkt nach dem Abpfiff trafen sich der Vorstandsvorsitzende Werner Hackmann und Sportchef Holger Hieronymus sowie Teile des Aufsichtsrates zu Beratungen.

Mannschaftskapitän Nico-Jan Hoogma dürfte schon den richtigen Eindruck haben: "Wir haben alle gehört, dass der Präsident aus den nächsten zwei Spielen sechs Punkte gefordert hat. Jetzt ist klar, was passiert."

Ende einer Ära naht
Pagelsdorf hatte am 3. August 1997 seinen ersten Einsatz als Bundesligatrainer des HSV. Mehrmals stand er dabei kurz vor dem Rauswurf, doch seine Mannschaft gewann stehts die nächsten richtungweisenden Spiele. 

Jeder erinnert sich noch an die Tränen des Trainers, als Anthony Yeboah in der Schlussminute gegen Bremen den Sieg herausschoss.

Erneutes "Last-Minute-Tor"
Doch das Glück hat Pagelsdorf verlassen, der den Verein noch 2000 in die Champions League geführt hatte. Auch das Tor in der 90. Minute von Jörg Albertz zur 3:2-Führung reichte nicht.

Der Pole Marcin Miecel erzeilte zwei Minuten in der Nachspielzeit mit einem Fallrückzieher aus 16 Metern noch den verdienten Ausgleich. Zum dritten Mal in dieser Saison kassierte der HSV einen entscheidenden Gegentreffer in der Nachspielzeit.

Fans haben die Schnauze voll
"Wir haben die Schnauze voll", riefen die Fans. "So viel Pech habe ich bei noch keinem Verein erlebt", klagte indes Stürmer Erik Meijer. Der stark angeschlagene HSV-Trainer gibt sich unterdessen trotzig: "Ich gehe nicht von Konsequenzen aus."

Nicht der verpasste Sieg dürfte das Problem werden. Sondern die schwache Leistung der Mannschaft insgesamt. Die Gladbacher waren deutlich überlegen in ihrer Spielanlage und hatten die besseren Chancen. "Ein Sieg wäre sehr glücklich gewesen", gab HSV-Stürmer Marinus Bester zu.

2:0 Führung verschenkt
Nicht einmal eine schnelle 2:0-Führung durch Collin Benyamin (14.) und den Foulelfmeter von Albertz (17.) brachte Ruhe und Sicherheit. 

Markus Münch (22.) und Peter van Houdt (56.) glichen schon vor dem Thriller in der Schlussphase aus.

10:2 gegen Pagelsdorf
Das dürfte auch den Herren im Aufsichtsrat nicht entgangen sein, die bereits am Mittwoch Pagelsdorf zum Rapport antreten ließen.

Angeblich ist in dem Gremium bereits mit 10:2 Stimmen gegen den Trainer abgestimmt worden. Selbst die 4,1 Millionen Mark Abfindung, die Pagelsdorf bei einer vorzeitigen Kündigung seines bis 2004 laufenden Vertrages zustehen, sollen kein Hinderungsgrund sein. 
 

Fakten:
Die Remisspezialisten von der Alster
Die Hamburger entwickeln sich immer mehr zu den Remiskönigen der Liga. Zehn der letzten 16 Bundesligaspiele des HSV endeten ohne Sieger, darunter sechs in den vergangenen neun Heimspielen. Wohin dies führen kann, zeigt der noch immer gültige Saisonrekord des 1.FC Kaiserslautern: In der Spielzeit 95/96 spielten die Pfälzer 18-mal in 34 Partien unentschieden - am Ende waren sie abgestiegen. 

Wieder die Nachspielzeit
Zum dritten Mal in dieser Saison kassierte der HSV in der Nachspielzeit einen Gegentreffer. Und wie schon in Cottbus (0:1) und vergangene Woche in Köln (1:2) verloren die Hamburger dadurch wertvolle Punkte, insgesamt nun schon vier. Trösten mag da allenfalls die Tatsache, dass das Tor zur 3:2-Führung gegen Mönchengladbach ebenfalls erst in der 90. Minute gefallen war. 

Lange nicht mehr erlebt
Zum ersten Mal in diesem Jahrtausend erzielten die Mönchengladbacher mehr als zwei Auswärtstore in einem Bundesligaspiel. Zuletzt war ihnen dies am 07. März 1998 beim 5:2-Sieg in Karlsruhe gelungen. Im Gegensatz zu damals reichte es beim HSV jedoch nicht zum Sieg. 

Dieses Mal (fast) anders herum
Die Gladbacher sind in dieser Saison bisher die einzige Mannschaft, die nach einem 0:2-Rückstand noch ein Spiel verloren hat (am zweiten Spieltag in Kaiserslautern 2:3). In Hamburg gelang den Borussen nun zumindest das Kunststück, nach 0:2-Rückstand noch ein Remis zu retten. 

Schlaglichter:
Doppelpack von Albertz
Jörg Albertz hätte der Mann des Tages in Hamburg werden können. In der ersten Halbzeit holte der Schottland-Heimkehrer einen Elfmeter heraus, den er auch selbst zum 2:0 für seinen HSV verwandelte. Gleichzeitig war dies das 25. Bundesligator seiner Karriere. In der 90. Minute packte der Linksfuß den berühmt-berüchtigten Hammer aus und sorgte mit dem zweiten Doppelpack seiner Bundesliga-Karriere (zuvor war ihm dies am 21.10.95 beim 3:0-Sieg in Freiburg gelungen) für den vermeintlichen Sieg der Hamburger. Darüber hinaus gewann er starke 62% seiner Zweikämpfe. 

Kein Glück für Ketelaer
Hamburgs Marcel Ketelaer durfte im Spiel gegen seinen Ex-Club zum dritten Mal in dieser Saison von Beginn an ran, konnte aber erneut nicht überzeugen. Nur ein Torschuss, keine Torschussvorlage und nur 35% gewonnene Zweikämpfe standen für den im Vorjahr vom Bökelberg gekommen Linksfuß zu Buche. Verständlich, dass Frank Pagelsdorf ihn auch dieses Mal wieder nicht über 90 Minuten durchspielen ließ. 

Pletsch dieses Mal schwach
Der in dieser Saison bisher so stark auftrumpfende Deutsch-Brasilianer hatte beim HSV einen schwarzen Tag erwischt. Nur schwache 37% seiner Zweikämpfe gewann der Abwehrspieler, bei Duellen in der Luft gar nur 29%: Ob gegen Bester oder Meijer, Pletsch zog meistens den Kürzeren und konnte der Gladbacher Verteidigung zu keiner Zeit die gewohnte Sicherheit verleihen. 

Erster Treffer für van Houdt
Dem Belgier im Trikot von Borussia Mönchengladbach gelang in Hamburg sein erster Bundesligatreffer. Doch nicht nur deswegen überzeugte der 2000 von Roda Kerkrade gekommene Stürmer. Wenn die Borussen gefährlich wurden, war meistens van Houdt beteiligt. An fast der Hälfte aller Gladbacher Torschüsse war der Linksaußen direkt beteiligt (neun von 20) – vier gab er selbst ab, zu fünf weiteren lieferte er die Vorarbeit. 

Nach der Pause kam Gladbach
In der ersten Halbzeit gewann der HSV 62% der Zweikämpfe, nach dem Seitenwechsel änderte sich dieses Bild. Die Gladbacher erhöhten den Druck und gewannen in der zweiten Hälfte 54% der Duelle. Dass die Elf von Hans Meyer sich das Remis redlich verdient hat, zeigt auch der Blick auf das Torschussverhältnis: 20:14 zugunsten der Borussia. 

Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburger SV):
Wir haben gut angefangen mit den zwei Toren, leider ein schnelles Anschlusstor kassiert. Wir haben den Gladbachern danach zu viel Spielraum gelassen. Das war in der zweiten Halbzeit besser, dass so ein Gegentor zum 3:3 noch fällt, ist einfach Wahnsinn. Ich gehe davon aus, dass ich weiter Trainer bin. Man hat gesehen, dass die Mannschaft alles gegeben hat, man kann ihr keinen Vorwurf machen. 

Trainer Hans Meyer (Borussia Mönchengladbach)
Für die neutralen Zuschauer war das ein tolles Spiel: sechs Tore und die Dramatik in der Schlussphase. Für uns Trainer ist es natürlich nicht so erfreulich, da gab es einiges zu bemängeln. Ich habe gedacht, wir haben das Spiel wieder einmal in der Schlussphase verloren. Der Ausgleich war zu einem glücklichen Zeitpunkt, aber leistungsgerecht und korrekt. 

Topspieler: Markus Münch (Borussia Mönchengladbach)
Vor wenigen Wochen stand noch nicht einmal fest, ob Markus Münch noch einmal das Trikot von Borussia Mönchengladbach überstreifen würde. Nach einem Streit mit Trainer Hans Meyer stand er kurz vor dem Rauswurf. Aber Münch und Meyer rauften sich zusammen - zum Glück für die Borussia. In Hamburg überzeugte der Ex-Münchner auf der linken Seite, hatte auf Gladbacher Seite die meisten Ballkontakte. Das 1:2 erzielte er selbst, das 2:2 bereitete er mustergültig vor. 

Spielwertung: 3 Bälle (von 4 möglichen)

Kommentar:
Ein gutes Fußballspiel kann manchmal mehr sein als nur ein Sportereignis. So geschehen beim Gladbacher Gastspiel in Hamburg. Wenigstens für 90 Minuten rückten die schrecklichen Terror-Bilder etwas in den Hintergrund - vor allem dank der beherzt aufspielenden Borussia. Das herrliche Ausgleichstor des jungen Marcin Mieciel in allerletzter Sekunde war dann noch das I-Tüpfelchen.
Alexander Kuhl 

Taktik:
Hamburger SV:
Vor Torwart Pieckenhagen spielte mit Töfting ein waschechter Libero. Als Manndecker agierten Hertzsch, Hoogma und Ujfalusi. Halblinks räumte Groth ab, halblinks mit Drang nach vorne Albertz. Hinter den Spitzen Benjamin, Bester und Ketelaer versuchte Meijer auf ungewohnter Position das Spiel zu lenken.

Borussia Mönchengladbach:
Im Tor stand Stiel, Trainer Hans Meyer vertraute wieder seiner Viererkette: Münch, Pletsch, Korell und Witeczek (v.l.). Demo (links) und Hausweiler (rechts) besetzten die Außenbahnen, Nielsen dirigierte im zentralen Mittelfeld. Und wie in den vergangenen Spielen stürmten die Fohlen mit drei Spitzen: van Houdt, van Lent und Korzynietz. 


 
kicker meldet: 

Spielbericht 
Rund 54.000 Zuschauer wollten die Partie in der AOL-Arena zu Hamburg zwischen dem Hamburger SV und Aufsteiger Borussia Mönchengladbach sehen. HSV-Trainer Frank Pagelsdorf veränderte seine Startelf gegenüber der 1:2 Niederlage am letzten Spieltag gegen Köln auf drei Positionen. Für Panadic rückte Ujfalusi in die Abwehrformation, der erneut verletzte Barbarez wurde von Bester ersetzt und Albertz durfte wieder von Beginn an ran. Für ihn musste Hollerbach seinen Platz räumen. Mönchengladbachs Trainer Hans Meyer schickte die gleiche Elf auf das Feld, die letzte Woche 0:1 gegen Leverkusen verloren, dabei jedoch gut gespielt hatte.

Beide Mannschaften kamen nur langsam in die Partie. Die ersten zehn Minuten waren von vorsichtigem Abtasten gekennzeichnet. Witeczek eröffnete nach 13 Minuten dann praktisch das Spiel mit einem Freistoß aus 35 Metern. Pieckenhagen konnte den Ball zur Ecke lenken, aus der sich das Führungstor für den HSV ergab. Die Ecke landete bei Groth, der den Ball mit voller Wucht aus dem eigenen Strafraum drosch. Nur noch Witeczek und Benjamin standen an der Mittellinie. Benjamin konnte den Befreiungsschlag aufnehmen und sowohl Witeczek als auch Torhüter Stiel umspielen und dann aus kurzer Distanz den Ball ins leere Tor schieben. Daraufhin blieb der HSV dran und versuchte die Verunsicherung in der Gladbacher Mannschaft zu nutzen. Dies gelang auch vier Minuten später. Albertz konnte völlig allein in den Gladbacher Strafraum laufen, und Hausweiler versuchte mit einer gewagten Grätsche zu retten. Dabei Räumte er Albertz um, und Schiedsrichter Krug entschied auf Elfmeter. Der gefoulte Albertz trat selbst an und verwandelte den Strafstoß sicher, auch wenn Torhüter Stiel die Ecke geahnt hatte. Die Hamburger versuchten den Druck auf Mönchengladbach hoch zu halten, doch die Westdeutschen konnten sich befreien und kamen bereits in der 23. Minute zum Anschlusstreffer. Münch hämmerte einen Freistoß aus 17 Metern auf das HSV-Tor. Benjamin fälschte den Ball in der Mauer noch leicht ab, so dass Pieckenhagen im Tor zwar schlecht aussah, aber keine echte Abwehrchance hatte. Keine Minute später hatte Hausweiler bereits die Chance zum Ausgleich, doch Pieckenhagen verhinderte das Tor mit einer Glanzparade. Daraufhin zog sich der HSV mehr in die Defensive zurück und das Spiel verlor an Klasse. Weitere Torchancen hatten bis zur Pause Seltenheitswert und wurden allesamt vergeben.

In der zweiten Hälfte versuchte der HSV den Gegner durch verstärktes Fore-Checking am konzentrierten Spielaufbau zu hindern. Dies ging auch einige Zeit gut. In der 56. Minute war der HSV jedoch zu stark aufgerückt, und Münch wurde an der rechten Auslinie der Hamburger förmlich vergessen. Prompt wurde dere Gladbacher angespielt und konnte unbedrängt auf Van Houdt flanken, der aus sechs Metern keine Mühe hatte, Pieckenhagen im Hamburger Tor zu überwinden. In der Folgezeit glänzte der HSV durch große Nervosität. Einige Male erweckte die HSV-Abwehr den Eindruck eines Hühnerhaufens, doch die Gladbacher Offensivkräfte schafften es nicht, diese Schwächen in einen Vorteil umzusetzen. Erst nach knapp 70 Minuten bekamen die Hamburger ihre Nerven und auch das Spiel besser in den Griff. In der 72. Minute verstärkte Frank Pagelsdorf noch einmal die Offensive, indem er Yeboah für Bester einwechselte. Doch auch diese Maßnahme verbesserte die Offensivbemühungen der Hamburger nicht. Erst in der 89. Minute schien sich die Schlussoffensive des HSV auszuzahlen. Einen Freistoß von Töfting wehrte die Mönchengladbacher Deckung zu kurz ab, und Albertz nahm das Leder direkt mit dem linken Fuß. Gegen den tückischen Aufsetzer hatte Torhüter Stiel keine Chance. Nur noch 120 Sekunden hätten die Hamburger das Ergebnis halten müssen, doch vom Anstoß weg warfen die Gladbacher alles nach vorne. Die Hamburger Abwehr brachte den Ball nicht weg und Miciel riskierte aus 15 Metern einen Seitfallzieher, der unhaltbar im Hamburger Tor einschlug. Schiedsrichter Krug pfiff unmittelbar danach die Partie ab.

Dieses Unentschieden in letzter Sekunde verbessert auch die Lage von Trainer Frank Pagelsdorf in Hamburg nicht.

Das Spiel im Live-Ticker:
Schlusspfiff
90. Minute: Die unkonzentrierte Hamburger Abwehr bekommt den Ball nicht weg. Mieciel versucht es mit vollem Risiko aus 15 Metern. Sein Seitfallzieher schlägt unhaltbar für Pieckenhagen im HSV-Tor ein.
90. Minute: Einen Freistoss von Töfting köpft die Gladbacher Deckung zu kurz weg. Albertz zieht aus 23 Metern ab und trifft mit einem Aufsetzer ins lange Eck.
82. Minute: Präger versucht es mit einem Schuss aus 25 Metern, der jedoch über das Tor streicht.
78. Minute: Der HSV vertendelt den Ball vor dem eigenen Strafraum. Witeczek nimmt das Leder auf und zieht sofort ab. Doch Hoogma kann den Schuss zur Ecke ablenken.
69. Minute: Die Gladbacher Abwehr lässt Groth von rechts flanken. Am zweiten Pfosten kommt Hertzsch zum Kopfball, doch Torhüter Stiel kann den Ball aus der kurzen Ecke fischen.
64. Minute: van Lent bekommt den Ball kurz vor dem HSV-Tor auf den Kopf. Doch Pieckenhagen rettet mit einem unglaublichen Reflex.
56. Minute: Münch steht mutterseelenallein auf der linken Seite und wird prompt angespielt. Er kann unbedrängt bis zur Torauslinie laufen und flanken. Vor dem HSV-Tor hat van Houdt dann keine Mühe den Ball aus sechs Metern ins Tor zu schieben.
47. Minute: Asanin verlängert eine Ecke zu Korrell, der den Ball direkt nimmt. Doch über das Tor.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
35. Minute: Albertz spielt Ketelaer vor dem Gladbacher Strafraum frei. Dieser taucht allein vor Torhüter Stiel auf. Doch dieser kann Ketelaers Schuss aus kurzer Distanz parieren.
27. Minute: Hohe Flanke von Töfting in den Gladbacher Strafraum. Bester kommt zum Kopball, verfehlt das Tor aber knapp.
24. Minute: Hausweiler steht völlig frei im Strafraum der Hamburger und zieht aus 12 m ab. Pieckenhagen rettet mit einer Glanzparade.
23. Minute: Markus Münch hämmert einen Freistoss aus 17 m auf das HSV - Tor. Benjamin fälscht den Ball in der Mauer leicht ab, so dass Pieckenhagen schlecht aussieht.
18. Minute: Der gefoulte Albertz verwandelt den Strafstoss sicher, auch wenn Stiel die Ecke geahnt hatte.
17. Minute: Albertz dringt mit dem Ball am Fuß in halblinker Position in den Gladbacher Strafraum ein. Hausweiler grätscht in den Laufweg und räumt Albertz weg. Elfmeter !
14. Minute: Einen Befreiungsschlag von Groth aus dem eigenen 16m-Raum kann Benjamin aufnehmen. Er umspielt Witeczek und Torhüter Stiel und kann dann unbedrängt aus 12 m in das leere Tor einschieben.
14. Minute: Witeczek mit einem Freistoss aus ungefähr 35 Metern. Doch Pieckenhagen kann klären.
10. Minute: Sehr ruhiger Beginn in der AOL-Arena. Beide Mannschaften kommen über die Phase des Abtastens nicht hinaus.
Anpfiff


 
dpa meldet: 
HSV-Trainer Pagelsdorf nach Remis in arger Bedrängnis 
Von Volker Gundrum, dpa 
Hamburg(dpa) - Die Luft für Trainer Frank Pagelsdorf beim Hamburger SV wird immer dünner. Lediglich ein 3:3 (2:1) schafften die Hanseaten am Samstag gegen Aufsteiger Borussia Mönchengladbach und versinken in der Fußball-Bundesliga damit endgültig im Mittelmaß. Collin Benyamin brachte die Gastgeber bei einem Konter in der 14. Minute in Führung, Jörg Albertz erhöhte per Foulelfmeter auf 2:0 (17.). 

 Den Anschlusstreffer erzielte Markus Münch (22.). Nach der Pause glich Peter van Houdt (56.) zum verdienten 2:2 aus. Erneut Albertz brachte die Hamburger in der letzten Minute zum vermeintlichen Sieg in Führung, doch der eingewechselte Marcin Mieciel sorgte per Fallrückzieher in der Nachspielzeit für das 3:3. 

Der Arbeitsplatz von Pagelsdorf ist damit in höchster Gefahr. Vereinschef Werner Hackmann hatte vor wenigen Tagen sechs Punkte aus den beiden Heimspielen in Folge gegen Mönchengladbach und Werder Bremen am kommenden Samstag gefordert. «Mittelmaß wollen und dürfen wir unserem treuen Anhang nicht bieten», lautete die Ansage von Sportchef Holger Hieronymus an Mannschaft und Trainer. 

In die zuvor als «Endspiel für Pagelsdorf» apostrophierte Begegnung gingen die Hamburger sehr nervös. Der 43 Jahre alte Coach, der am Mittwoch vor dem Aufsichtsrat des Vereins Rechenschaft über die magere Saisonbilanz ablegen musste, hatte als Reaktion auf die Kritik mit den beiden 23 Jahre alten Benyamin und Marcel Ketelaer jüngeren Spielern vertraut. Der sonst bei den Amateuren spielende «Edel-Joker» Marinus Bester durfte erstmals von Beginn an ran. Ketelaer und Bester mussten in der zweiten Halbzeit weichen. Pagelsdorf setzte mit der Einwechslung von Roy Präger und Anthony Yeboah alles auf eine Sturm-Karte. 

Mit einem Doppelschlag binnen drei Minuten zur überraschenden 2:0- Führung schien das Konzept von Pagelsdorf schon früh aufzugehen. Benyamin nutzte einen Befreiungsschlag von Martin Groth und setzte sich gegen Marcel Witeczek und Torwart Jörg Stiel souverän durch. Danach wurde Jörg Albertz von Markus Hausweiler im Strafraum gelegt. Der Gefoulte trat zum Elfmeter selbst an und erzielte sein zweites Tor. Doch dann war es mit der Herrlichkeit des HSV vorbei. 

Die reifere Spielanlage mit den durchdachteren Angriffszügen demonstrierten trotz des Rückstandes die Mönchengladbacher. Ihre Bemühungen wurden belohnt, als Münch den Ball per Freistoß von der Strafraumgrenze ins Tor zirkelte. Benyamin lenkte das Leder leicht ab. Beim Ausgleich nach dem Seitenwechsel führten die Gäste die HSV- Hintermannschaft geradezu vor. Münch passte unbedrängt von der linken Seite in den Strafraum und van Houdt schob den Ball eiskalt ins Tor. 

Danach zerfiel das Spiel der Hamburger völlig. Der Verzweiflungsschuss von Albertz in der letzten Minute traf völlig überraschend zum 3:2. Doch Pagelsdorfs Freude über den vermeintlichen Sieg wurde noch verdorben, als Mieciel den Ball im HSV-Kasten unterbrachte. Erneut musste der HSV ein «Last-Minute-Tor» wie in Köln und in Cottbus hinnehmen.