Bundesliga 2001/2002, 9. Spieltag, Samstag, 13.10.01 um 15:30 Uhr in der AOL Arena bei 20 Grad C

Hamburger SV  - Hertha BSC Berlin 4:0 (2:0)

Der HSV hatte mit Kurt Jara einen neuen Trainer eingestellt und der sollte nun sein erstes Spiel als HSV-Trainer „absolvieren“.

Wenn man ehrlich ist, muß man wohl sagen, daß kaum jemand wirklich den neuen Coach beurteilen kann. Die einen jubeln ihm schon zu, weil er in Österreich sehr erfolgreich war und die anderen meinen, daß er bisher nur internationale No-Name-Klubs trainiert hat.

Ich liege irgendwo dazwischen. Von den allerdings genannten Trainern wie Berger, Neururer oder gar Waldhof-Trainer Rapolder war mir „Kurtl“ auch eindeutig der liebste. Zumindest war er schon in Österreich sehr erfolgreich und manche meinen ja, daß da vielleicht der nächste Österreicher an die Legende Happel anknüpfen könnte.

Ich hoffte jedenfalls, daß es besser würde. Eigentlich konnte es ja auch nur besser werden, denn lediglich in der Tabelle konnten wir uns noch verschlechtern. Spielerisch war eine Verschlechterung nach den letzten Offenbarungseiden nicht mehr möglich.

An der Aufstellung wurde eigentlich kaum etwas geändert. Im Tor blieb Pieckenhagen und davor Hertzsch – Hoogma – Ujfalusi. Im Mittelfeld änderte sich leicht etwas, sodaß Hollerbach, Maltritz, Töfting und Benyamin aufliefen. Im Sturm links Ketelaer, mittig Meijer und dahinter Barbarez.
Der Kader wurde also keineswegs durcheinandergewürfelt.

Und leider fing man auch spielerisch in etwa da an, wo man aufhörte beim letzten Heimspiel gegen Bremen. Hertha war anfangs deutlich überlegen, aber spielte sich nicht viele Torchancen heraus. Allerdings hatte sie dann doch eine Hundertporzentige, die den Nachmittag wesentlich trister hätte enden lassen können. Nach Flanke vom starken Deisler stand Preetz mutterseelenallein vor dem Tor und brachte er fertig die Flanke nichts ins Tor sondern daneben zu befördern.

Dann wurde der HSV jedoch etwas besser und konnte eine Chance zum 1:0 verwerten. Wer anders als Barbarez hätte dieses Tor auch machen können. Eine Flanke in den Strafraum nahm er von Hollerbach direkt ab und drosch ihn ins Tor. Dabei traf er aber die Torstange, sodaß der Ball direkt zurückflog und mein Jubel einen Moment lang stockte. Ich hatte den Ball doch drin gesehen, oder war er doch nur an der Latte ? Aber Babsi jubelte und die Schiris zeigten auch zur Mitte.

Kurze Zeit darauf konnte Ketelaer mit einem wirklich sehenswerten Tor zum 2:0 nachlegen. Dabei lief er von der Mittellinie mit dem Ball und spielte den Hertha-Verteidiger schwindelig.

So konnte man das 2:0 in die Halbzeit bringen und ich fragte mich ein wenig, wie es nun wohl weitergehen würde. Geführt hatten wir ja auch schon unter Pagel oft – aber eben auch noch oft genug dann verspielt.

Ketelaer und insbesondere Meijer ließen aber gleich nach der Pause keine Frage daran aufkommen, daß es mal ein positiver Nachmittag werden sollte. Wieder Hollerbach flankte – diesmal allerdings sehr weit und fast ins Aus. Das dachten sich wohl auch die Hertha-Verteidiger und gingen daher gar nicht mehr zurück. Meijer erwischte den Ball aber noch kurz vor dem Toraus, köpfte zum völlig freistehenden Ketelaer an den 5m-Raum und der hämmerte aus kurzer Distanz unhaltbar rein.

3:0 und eine Hertha, die irgendwie völlig aufhörte, Fußball zu spielen. So durften wir dann auch noch das 4. HSV-Tor bewundern durch Collin Benyamin. Wieder nach einer Flanke (diesmal von rechts) köpfte Barbarez den Ball zurück und Benyamin schoß aus ca. 15 m mit dem linken Fuß ins rechte Eck.

Der Jubel war groß – insbesondere der von Collin, der uns dann auch noch ein Super-Tänzchen zeigte.

Der Spiel lief dann ziemlich sang- und klanglos durch. Man hätte auch viel früher abpfeifen können, denn es passierte kaum noch etwas.

Beim HSV fiel mir insgesamt eigentlich keine so wesentliche Änderung auf. Mir war aber so, als wurde doch merklich öfter der flache Kurzpaß genutzt.

Die Spieler möchte ich jetzt nicht mehr beurteilen, weil das Spiel schon 5 Tage her ist und mein Erinnerungsvermögen an einzelne Szenen nicht so berauschend ist.

Mir gefielen insbesondere Ketelaer und Benyamin. Barbarez war anfangs der einzige, der sowas wie Gefahr ausstrahlte. 

Natürlich wird dieses Spiel dem Team Selbstbewußtsein geben und für den Trainer war es ein Traumstart. Das ist auch gut so, weil er so erstmal ein wenig Kredit bei Presse und Fans hat.
Die ersten Minuten bereiteten mir allerdings doch arge Sorgen, denn da war für mich keine Besserung zu erkennen im Vergleich zu vorher. Vor allem bewegte sich die ganze Mannschaft zu wenig, sodaß es an Anspielstationen mangelte.

Es wäre schön, wenn sich das Team nun wieder fängt, wenngleich ich auch sagen muß, daß ich das schon verwunderlich finde. Es gab keinen neuen Spieler und plötzlich läuft es wieder.
Naja, Hauptsache, es war nicht nur ein Strohfeuer....

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 

TORE 
1:0 Sergej Barbarez (37.)
2:0 Marcel Ketelaer (41.)
3:0 Marcel Ketelaer (47.)
4:0 Collin Benjamin (58.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Erik Meijer (20.) 
Hertha BSC Berlin: Rene Tretschok (44.)

SCHIEDSRICHTER :  Edgar Steinborn 
ZUSCHAUER :  43,129 
DATUM :  13.10.01   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Ingo Hertzsch, Nico Jan Hoogma, Tomas Ujfalusi, Marcel Maltritz, Stig Töfting, Erik Meijer, ergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Collin Benjamin, Marcel Ketelaer

Hertha BSC Berlin: Gabor Kiraly, Eyjölfur Sverrisson, Marko Rehmer, Kostas Konstantinidis, Dick van Burik, Bart Goor, Marcelinho, Michael Hartmann, Rene Tretschok, Sebastian Deisler, Michael Preetz

WECHSEL 
Hamburger SV: Roda Antar für Erik Meijer (59.), Marek Heinz für Marcel Ketelaer (70.), Roy Präger für Sergej Barbarez (81.)

Hertha BSC Berlin: Rob Maas für Michael Preetz (63.), Joel Tchami für Michael Hartmann (63.), Pal Dardai für Sebastian Deisler (66.)
 
 

Jaras Traumeinstand wird für Röber zum Albtraum 

Der neue Mann auf der Trainerbank des Hamburger SV feierte einen Einstand nach Maß. Mit einer eindrucksvollen Leistung besiegten die Hanseaten beim Debüt von Kurt Jara eine ganz schwache Berliner Hertha auch in der Höhe verdient mit 4:0. Zuvor war der HSV sechs Spiele sieglos geblieben. 

Mann des Tages war zweifellos Marcel Ketelaer. Unter Ex-Coach Frank Pagelsdorf kam der 23-Jährige zuletzt nicht mehr zum Einsatz. Jaras Schachzug, Ketelaer von allen Defensivaufgaben zu befreien und damit Bernd Hollerbach zu betrauen, ging voll auf.

Vorzeitiges Geburtstagsgeschenk
"Was früher war, interessiert mich nicht. Wir hatten das vor der Partie so besprochen, dass Hollerbach Ketelaer den Rücken frei halten soll. Und das hat ja gut geklappt", sagte Jara.

Der Österreicher konnte mit seinem ersten Spiel als HSV-Coach zufrieden sein und sich zudem über ein vorzeitiges Geschenk zum 51. Geburtstag am Sonntag freuen.

"Ein guter Anfang"
"Das war ein guter Anfang, der Mut macht für die kommenden Wochen."

Trotz des klaren Erfolgs blieb Jara aber nüchtern: "Wir waren am Anfang verunsichert, erst mit den Toren kam das Selbstvertrauen."

Hertha desolat
Sein Pendant Jürgen Röber sah es ähnlich: "Das hätte auch anders ausgehen können, wenn wir unsere Chancen genutzt hätten. So haben wir aber in zehn Minuten drei Tore bekommen." In der Tat ging nach dem 1:0 durch Barbarez (37. Minute) alles ganz schnell. Ketelaer (41. und 47.) und Benjamin (58.) stellten innerhalb kürzester Zeit das Endergebnis her.

Die 43.000 Zuschauer sahen vor allem in der zweiten Hälfte eine desolate Hertha. In der Abwehr leisteten sich die Berliner haarsträubende Fehler, das Spiel nach vorne fand nicht mehr statt. Einzig Sebastian Deisler zeigte Normalform, schied jedoch verletzt aus.

Röber unter Druck
Somit geht Hertha-Coach Jürgen Röber schweren Zeiten entgegen. Die Leistungen seiner Elf in der Bundesliga sind zu schwankend. Es ist keine Konstanz in der Mannschaft zu erkennen. Und sollte Deisler die Hauptstädter Ende der Saison gen München verlassen, droht die Hertha womöglich auseinander zu fallen.

"Ich werde mich zu meiner Zukunft erst in der Winterpause äußern", erklärte der Nationalspieler. Manager Dieter Hoeneß bestätigte hingegen: "Man kann davon ausgehen, dass Deisler wechselt." Dagegen verwies sein Bruder und Bayern-Manager Uli Hoeneß das Gerücht über ein Handgeld von 20 Millionen Mark an Deisler ins Reich der Fabel.
 

Fakten:
Jaras Einstand nach Maß
Der HSV beendete nach sechs erfolglosen Spielen seinen Negativ-Trend und landet den zweiten Saisonsieg. Glückwunsch an Kurt Jara, der Einstand ist gelungen - Geburtstag (51.) morgen gerettet! Für Hamburg war es der höchste Erfolg seit dem 5:0-Sieg gegen den SC Freiburg am 04.11.00. 

Wieder Hertha-Niederlage
Das 0:4 in Hamburg ist schon die vierte Pleite in dieser Saison für die Berliner. So viele Niederlagen hatte die Hertha nach neun Spieltagen zuletzt in der Saison nach dem Wiederaufstieg hinnehmen müssen (97/98 – damals sogar sechs). 

Ketelaer wie befreit
Der Ex-Gladbacher war mit seinen zwei Toren der Matchwinner beim gelungenen Jara-Debüt. Glänzend sein Dribbling vor dem 2:0 – wie in besten Tagen. Ketelaer legte noch viermal für seine Mitspieler zum Torschuss auf und erwies sich zudem als starker Zweikämpfer – 57% seiner Duelle entschied er für sich. 

Doppelvierer
Die Berliner Hertha kassierte zum ersten Mal seit September 1990 wieder zweimal in Folge bei einem Auswärtsspiel vier Gegentore. Damals gab es sogar dreimal in Folge vier Gegentore. Dem HSV gelingen seit dem 04.11.00 (5:0-Sieg gegen Freiburg) zum ersten Mal wieder vier Tore in einem BL-Spiel. 

Schlaglichter:
Hamburg steigerte sich
Die Jara-Elf begann gehemmt, beinahe pomadig (gewann nur 46% der Zweikämpfe) und hatte Glück nicht in Rückstand zu geraten. Doch sie steigerten sich enorm und gewannen bis zur 60. Spielminute 55% der Zweikämpfe. Beinahe Folgerichtig erzielten sie in dieser Phase ihre vier Tore und schaukelten anschließend den Vorsprung souverän über die Zeit. 

Jara änderte nur wenig
Der neue HSV-Trainer Kurt Jara hatte nur zwei Änderungen in der ersten Elf vorgenommen - Ketelaer und Benjamin liefen für die verletzten Albertz und Groth ein. Diese Änderungen machten sich jedoch beim Durchschnittsalter bemerkbar: Es war die jüngste Hamburger Anfangsformation in dieser Saison (27,9 Jahre). 

Hertha mit Erfahrung
Hertha-Trainer Röber schickte die älteste Anfangself seit dem 03.03.01 (0:1-Niederlage in Köln) auf das Feld. Das Durchschnittsalter lag bei 28,7 Jahren. Genutzt hat es allerdings wenig... 

Hartmann ganz schwach
Der Mann auf der linken defensiven Seite lieferte bei der Pleite in Hamburg eine indiskutable Leistung ab. Michael Hartmann bereite keinen einzigen Torschuss eines Mitspielers vor und gab selbst auch keinen Torschuss ab. Unglaublich schwach seine Zweikampfbilanz: Nur 21% seiner Zweikämpfe gewann er. 

Pieckenhagen souverän
Zum zweiten Mal in Folge hielt der HSV-Schlußmann seinen Kasten sauber und legte so den Grundstein für den klaren Sieg. Alle fünf Hertha-Torschüsse auf sein Tor hielt Pieckenhagen sicher. 

Jaras Traumeinstand wird für Röber zum Albtraum 
Trainer Kurt Jara (Hamburger SV):
"Für dieses 4:0 haben wir viel gearbeitet. Nach den ersten beiden Toren ist eine wahre Last von der Mannschaft gefallen. Das war ein guter Anfang, der Mut macht für die kommenden Wochen." 

Trainer Jürgen Röber (Hertha BSC Berlin):
"Wir haben gut begonnen, sind aber nach dem 0:2 in alte Fehler zurückgefallen. Binnen zehn Minuten ist die Entscheidung komplett gegen uns gefallen. Wären wir in Führung gegangen, hätte es ganz anders aussehen können." 
 

Topspieler: Marcel Ketelaer (Hamburger SV)
18 Spiele lang traf der 23-Jährige nicht mehr für den HSV. Und gegen die Hertha dann gleich doppelt. Toll sein Solo von der Mittellinie aus. Noch toller, wie er van Burik dabei vernaschte und zum 2:0 traf. Dagegen war sein zweiter Treffer reine Routine. Überragend die Bilanz von Ketelaer: Zwei Torschüsse, zwei Tore - eine hundertprozentige Ausbeute. Und auch seine Zweikampfwerte können sich sehen lassen. 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe sind für einen Offensivspieler überdurchschnittlich. 
 

Spielwertung: 3 Bälle (von 4)

Kommentar:
Was für eine desolate Hertha! Der HSV wirkte verunsichert, ohne Mumm. Doch Hertha konnte dies in der passablen Anfangsphase nicht nutzen. Wie aus heiterem Himmel die Führung der Hanseaten. Danach verlor der Gast völlig den Faden und Hamburg nutzte seine Chancen eiskalt. Ketelaer wurde mit zwei Trefern zum Mann des Tages, Benjamin besorgte bereits nach einer Stunde das 4:0. Von der Hertha war nach der Pause nichts mehr zu sehen. Kein Einsatz, keine Moral, kein Afbäumen war zu erkennen. Eine indiskutable Vorstellung des selbst ernannten Meisterschaftsfavoriten. Der HSV dagegen kann erstmal aufatmen.
Stefan Rommel 

Taktik:
Hamburger SV
Vor Pieckenhagen hielt Hoogma die Abwehr um Hertzsch und Ujfalusi zusammen. Töfting agierte im defensiven Mittelfeld, Maltritz rechts und Hollerbach links hielten den offensiven Benjamin und Ketelaer den Rücken frei. Im Sturmzentrum spielten Meijer und Barbarez.

Hertha BSC Berlin
Kiraly stand wie gewohnt im Tor. Davor verteidigten Hartmann, van Burik, Sverrisson und Rehmer in einer Viererkette. Kostantinidis und Tretschok agierten im defensiven Mittelfeld. Goor und Deisler sollten das Spiel machen und die Spitzen Preetz und Marcelinho mit Vorlagen füttern. 


 
kicker meldet: 

Kurt Jara nahm bei seiner Premiere in der ausverkauften AOL-Arena nur zwei Änderungen vor. Für den beim 0:0 in Nürnberg schwach spielenden Fukal setzte der neue Coach auf der rechten Seite im Mittelfeld Benjamin ein. Auch die Berliner stellten nach ihrem 3:0-Sieg gegen den 1. FC Köln das Team leicht um. Schmidt musste in der Abwehr für Sverrisson weichen, im linken Mittelfeld ließ Hertha-Coach Röber den Belgier Goor für den verletzten Beinlich ran. Barbarez spielte beim HSV leicht zurückgezogen hinter den Spitzen. Dafür sollte Ketelaer, der für den verletzten Albertz ins Team rückte, im Sturm über links für Gefahr sorgen. Hertha spielte in der Abwehr wie gewohnt mit der Viererkette. Deisler nahm seine Position hinter den Spitzen Marcelinho und Preetz ein.

Die Berliner erwischten den besseren Start und bestimmten in der Anfangsphase das Spiel. Vor allem über links erzeugte die Hertha mit Hartmann Druck. Marcelinho ließ sich aus dem Sturm zurückfallen und bot sich ebenfalls auf der linken Seite als Anspielstation an. Der HSV war bemüht, Linie in sein Spiel zu bringen und das Tempo aus der Partie zu nehmen. Über die linke Flanke entstand auch die erste Riesenchance für die offensive Hertha, doch diese vergab der freistehende Preetz leichtfertig. Einziger Aktivposten bei den Hamburgern war Benjamin, der sich bemühte, die Spitzen über Flanken und Steilpässe ins Spiel zu bringen. In der Mitte der ersten Halbzeit verflachte das Spiel zunehmend. Beide Mannschaften rieben sich in unnötigen Zweikämpfen auf, die Folge war eine zerfahrene Partie ohne spielerische Höhepunkte. Fast aus dem Nichts kam dann die Führung durch Barbarez für den HSV (39. Minute), die den Umschwung zugunsten der Jara-Truppe brachte. Die Hertha hatte sich kaum erholt, da fasste sich Ketelaer ein Herz und erhöhte nach einem Solo über den halben Platz mit einem Linksschuss zum 2:0 für die Gastgeber (43. Minute). Auch die letzten Minuten der ersten Halbzeit gehörten den Hanseaten, die auf Grund ihrer starken Schlussphase verdient mit diesem Ergebnis in die Kabine gingen.

Der HSV kam hellwach aus der Kabine, die Hertha dagegen war wohl noch beim Pausentee. Nach Flanke von der linken Seite kam Meijer ungehindert zum Kopfball und konnte den Ball dem in der Mitte frei stehenden Ketelaer auflegen, der mit links nur noch abtropfen lassen musste (47. Minute). Die Hertha spielte in der Folge zwar etwas bemühter, ohne jedoch zwingender werden zu können. Anders die Hamburger: Barbarez konnte ein Kopfballduell im Strafraum der Gäste gewinnen und das Leder vor die Füße des agilen Benjamin legen. Der ließ Kiraly mit einem trockenen Linksschuss ins rechte Toreck keine Chance (59. Minute). Auch danach änderte sich nichts Wesentliches am Gesamtbild: Die Hertha war zwar zaghaft bemüht, ohne aber wirklich Gefahr für die Gastgeber zu erzeugen, der HSV dagegen immer mit schnellem direkten Spiel gefährlich. Zudem musste Röber ab der 67. Minute auf den angeschlagenen Deisler verzichten, für den Pal Dardai ins Spiel kam. So kam es, dass die Gastgeber einem fünften Tor deutlich näher waren als die Hertha einer Ergebniskosmetik zu ihren Gunsten.

Auch wenn in der ersten halben Stunde der Partie keine der beiden Mannschaften einen Sieg verdient gehabt hätte, war der HSV-Erfolg am Ende auch in der Höhe nicht unverdient. Während die Hamburger nach dem Führungstreffer auch spielerisch gewaltig aufdrehten, ließen die Berliner jegliche Gegenwehr vermissen.

Das SPiel im Liveticker:
Schlusspfiff
90. Minute: Fast das 5:0 durch den eingewechselten Antar. Doch Herthas Kiraly kann den Rechtsschuss aus 17 Metern zur Ecke klären.
86. Minute: Die Hamburger spielen mit der Hertha Katz und Maus. Haarsträubende Fehler der Berliner, die sich nicht mehr zu wehren wissen, begünstigen die Fußball-Show der Hanseaten.
74. Minute: Auch die nächste Gelegenheit hat die Jara-Elf. Eine Ecke von Hollerbach köpft der eingewechselte Heinz über das Gehäuse. Die Hertha ergibt sich immer mehr ihrem Schicksal.
58. Minute: Gibt das eine Klatsche für die Hertha? Diesmal legt Barbarez für Benjamin auf, gegen seinen satten Linksschuss hat Kiraly keine Chance. Die Hamburger jetzt wie im Rausch.
52. Minute: Gleich die nächste Chance für die Hanseaten. Hollerbach setzt sich auf der linken Seite durch, seinen Rechtsschuss kann Kiraly aber entschärfen.
47. Minute: Der HSV gleich voll da! Nach einer hohen Flanke von halblinks legt Meijer per Kopf für Ketelaer auf, der braucht den Ball nur noch ins leere Tor zu schießen.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
41. Minute: Doppelschlag für den HSV!! Ketelaer krönt ein tolles Solo durch die Hertha-Abwehr mit einem strammen Schuss durch die Beine von Kiraly.
38. Minute: Benjamin wird plötzlich im 16er freigespielt, doch sein Schuss ist zu unplaziert und landet in den Armen von Gabor Kiraly.
37. Minute: Führung für den HSV aus heiterem Himmel: Hollerbach kommt über links zum Flanken, seine Hereingabe findet Barbarez, der keine Mühe zu vollenden hat. 
36. Minute: Chancen nur bei Standardsituationen: Hollerbach verfehlt das Berliner Gehäuse mit einem 35-Meter-Hammer nur um Haaresbreite, der Ball streicht rechts am Pfosten vorbei.
33. Minute: Das Spiel verflacht zusehends. Beide Mannschaften neutralisieren sich im Mittelfeld. Kaum einmal entwickeln sich gelungene Angriffszüge.
20. Minute: Im Gegenzug Freistoss für den HSV. Töfting setzt den Ball mit einem schönen Schlenzer aus ca. 23 Metern knapp am Tor von Kiraly vorbei.
18. Minute: Deisler setzt sich schön auf der linken Seite durch und kann flach nach innen passen. Dort steht Preetz völlig allein, bringt den Ball aber nicht unter Kontrolle und bugsiert das Leder aus 3 Metern rechts am Tor vorbei.
10. Minute: Die Berliner in der Anfangsphase mit mehr Zug zum Tor. Der HSV tut sich im Spielaufbau schwer, kommt aber zu gelegentlichen gefährlichen Kontern.
2. Minute: Gleich die erste Chance für die Hertha. Marcelinho flankt von links zum frei stehenden Preetz in den Strafraum. Der kann nur mit Mühe von Ujfalusi und Pieckenhagen am Torschuss gehindert werden.
Anpfiff


 
dpa meldet: Jaras Traum-Einstand beim HSV beschert Röber Albträume 

Hamburg (dpa) - Für Kurt Jara war es eine rundum gelungene Premiere, für Jürgen Röber vielleicht der Anfang vom Ende in Berlin. Während der Österreicher mit dem fulminanten 4:0 seinen großen Landsmann Ernst Happel beim Debüt auf der Trainerbank des Hamburger SV glatt übertraf, wird die Luft für den umstrittenen Hertha-Coach immer dünner. 

Berlins Manager Dieter Hoeneß gab Röber trotzdem Rückendeckung, richtete stattdessen vor dem UEFA-Cup-Duell am Dienstag bei Viking Stavanger eine «klare Botschaft» an seine lustlosen Fußball-Profis: «Ich bin jederzeit bereit, Veränderungen vorzunehmen.»

Eine Veränderung ergibt sich zwangsläufig von selbst. Ausgerechnet Sebastian Deisler, durch seine Wechselgerüchte zum FC Bayern seit Tagen Gesprächsthema Nummer eins, verließ verletzungsbedingt vorzeitig das Feld. Die niederschmetternde Diagnose für den Mittelfeldspieler, der sich erst in der Winterpause zu seiner Zukunft äußern will, folgte: Wegen eines Kapselriss im rechten Kniegelenk wird der Jung-Nationalspieler vier bis sechs Wochen ausfallen und damit höchstwahrscheinlich auch in den Relegationsspielen der DFB-Auswahl am 10. und 14. November gegen die Ukraine nicht auflaufen können.

«Das ist wie im Märchen, aber es ist Wirklichkeit», freute sich unterdessen Jara, dem die Fans vor seinem Einstand ein riesiges Glücksschwein aus Lübecker Marzipan schenkten. Vor 20 Jahren war Ernst Happel mit einem 4:2 über Eintracht Braunschweig gestartet und hatte so den Grundstein zu den großen HSV-Erfolgen gelegt. «Das war ein Einstand nach Maß. Auf dem Spiel kann man aufbauen», freute sich Sportchef Holger Hieronymus.

«Jara hat der Mannschaft mit einer einzigen taktischen Variante gezeigt, dass er was vom Fußball versteht. Bei Pagelsdorf hatte Marcel Ketelaer keine Chance mehr, gegen Hertha konnte er seine ganze Offensivkraft zeigen, weil Hollerbach dahinter absicherte», lobte «Altmeister» Udo Lattek den österreichischen Meistertrainer. «Ketelaer braucht das, er kann nicht so weite Wege gehen», begründete Jara, der in den acht Arbeitstagen Tagen vor dem Spiel nach dem Motto vorging: «Spaß mit Ball.»

Der zur Symbolfigur für Pagelsdorfsche Unfähigkeit gemachte Ketelaer spielte in seinem 74. Bundesligaspiel vor 43 129 Zuschauern in der AOL-Arena wie befreit auf. Mit seinem ersten Doppelpack (41./47.) im Oberhaus sorgte der 23-Jährige für den erfolgreichen Neuanfang nach sechs sieglosen Punktspielen. Den Auftakt besorgte Torschützenkönig Sergej Barbarez (37.) mit seinem ersten Saisontreffer, den Schlusspunkt setzte der junge Collin Benjamin (59.). «Nun haben wir wieder Selbstvertrauen», freute sich Kapitän Nico-Jan Hoogma.

Im ZDF-Sportstudio bekam Jara in der Nacht nach dem Spiel sein erstes Geschenk zum 51. Geburtstag - eine Golfstunde mit Sven Strüver. «Viel Zeit für mein Hobby werde ich nicht haben», mutmaßte er. Nach dem Sonntags-Training schaute sich das Geburtstagskind mit Ehefrau Jolanda ein Haus in der Hansestadt an. Danach saß der Tiroler, der in seiner Bundesliga-Zeit in Duisburg vor laufenden Kameras im Konflikt mit dem damaligen Trainer Heinz Höher einmal die Frage stellte «Er oder ich» bis zum Abend in Radio- und TV-Studios. «Er ist locker nach Außen, aber wenn es darauf ankommt, dann weiß er schon, was er will», sagte Torhüter Martin Pieckenhagen über den neuen Trainer.

Für seinen Berliner Kollegen wird es nach der Pleite eng: «Röber raus», forderten die Hertha-Fans bereits lautstark. Der 46-Jährige, seit fünf Jahren beim Hauptstadt-Club auf der Bank, rätselte über die «unerklärlichen» Pleite nach 35 starken Anfangsminuten, in denen Michael Preetz eine glasklare Chance kläglich vergab. Röber, genervt vom millionenschweren Wechsel-Theater um Deisler («Eiertanz»), scheint sich keine Illusionen mehr zu machen. Als sein Nachfolger wird der in Hamburg gefeuerte Frank Pagelsdorf gehandelt.

Noch vor vier Wochen spielte die HSV-Elf ähnlich lustlos wie die Hertha. Die Treueschwüre von Spielern und Funktionären klangen ähnlich, doch der Trainer war einmal mehr schwächstes Glied.