Bundesliga 2001/2002, 15. Spieltag, Samstag, 02.12.01 um 17:30 Uhr in der AOLArena

Hamburger SV - FC St. Pauli  4:3 (3:0)

Nun stand das Derby vor der Tür und damit das wichtigste Saisonspiel für viele HSV-Fans.

Nach dem unbeschreiblich schlechten DFB-Pokal-Spiel gegen Stuttgart, war ich die folgenden Tage eigentlich der Ansicht, daß es absolut unmöglich sei, daß der HSV in diesem Moment irgendein Spiel gewinnen könnte. Ich hatte nur die Hoffnung, daß Pauli vielleicht noch schlechter sei und wir so zu einem Sieg kommen könnten.

Ab Samstag hatte ich dann aber einen seltsamen Stimmungsumschwung und war mir plötzlich doch sicher, daß wir gewinnen würde.

Nachdem wir endlich mal sehr rechtzeitig am Stadion waren, waren wir natürlich auch pünktlich auf unserem Platz und konnten „Hamburg, meine Perle“ genießen. 

Vom Spiel hätte man auch wirklich nichts versäumen dürfen, denn der HSV konnte endlich mal wieder einen Blitzstart hinlegen. 

Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, dann wir das letzte Mal so früh in Führung gingen. Meijer lief plötzlich völlig frei auf den Pauli-Keeper zu und lupfte den Ball geschickt über den Keeper hinweg. 1:0 – was für ein Jubel.

Einen Blitzstart hatte aber auch das Spiel erfahren, als nach allerkürzester Zeit ein Pauli-Spieler Ujfalusi böse und unsinnig in die Beine trat. Sofort gab es ein Gewühl und Tumulte. Da konnte man erahnen, daß sich beide Mannschaften heute nichts schenken wollten.

Die Fouls gingen aber ganz und gar nicht nur von Pauli-Seite aus. Der HSV, insbesondere Töfting, Hollerbach und Barbarez gingen auch ganz schön zur Sache. Ausnahmsweise mal wesentlich mehr einstecken als austeilen mußte Roy Präger, der zunächst keine 5 m mit dem Ball laufen konnte, ohne gefoult zu werden.

Nun führten wir also praktisch sofort 1:0 und dank Paulis gütiger Abwehr-Untätigkeit gelang auch gleich der 2. Streich. Nach nicht mal 10 Minuten erhöhte der erstmals wieder eingesetzte Milan Fukal nach einem Töfting-Freitstoß per Kopf zum 2:0. Wirklich unglaublich. In der Folge ging das teilweise rüde Spiel weiter und meine Freunde und ich gingen davon aus, daß sich früher oder später mehrere Spieler mit gelb/rot oder rot vom Platz verabschieden würde.

Auch weiter ging allerdings die völlige Pauli-Sturmungefährlichkeit und die fast noch desaströsere Abwehrleistung. Der HSV hätte bereits in der 1. Halbzeit den Gegner abschießen können. Die klarste Chance hatte dabei der erfrischend aufspielende Collin Benyamin. Er stand wie Erik Meijer völlig frei vor dem Keeper, zielte, zielte, und zielte viel zu genau – an den Pfosten.

Trotzdem konnte Collin noch vor der Halbzeit wiederrum frei auf den Torwart zulaufen und diesmal durch einen schönen Heber aus 16 m über den heranstürzenden Bulat hinweg das 3:0 machen.

Damit sollte das Ding eigentlich gegessen sein.

Nach der Halbzeit gelang Pauli allerdings genauso schnell wie uns in Halbzeit 1 ein Treffer. Nur noch 3:1 und der Gedanke in mir „Gott sei dank haben wir schon 3 Treffer“. Aber der HSV konnte prompt den alten 3-Tore-Abstand mit dem 4:1 erzielen. Eine schöne Vorarbeit Benjamins konnte die abermals höchst wacklige Abwehr Paulis weder verhindern noch den dann nur noch einschiebenden Barbarez hindern.

Es folgte der für HSV-Fans schönste Torjubel des Spiels. Barbarez schlüpfte aus seinem Trikot und es trat zu Tage, daß er darunter das Trikot von „Marine“ Bester trug. Bester ist ja nun bekanntlich der wahrscheinlich einzige echte HSVer im Kader, der die Raute auch wirklich im Herzen trägt. Und insbesondere mit Pauli-Fans hatte er schon so seine Probleme. So wurde er schon mal „vernagelt“, als er bei einem Amateurspiel (wohlgemerkt nicht für den HSV) nach einem Tor sein untergezogenes HSV-Tshirt dem Pauli-Anhang zu zeigen.

Der HSV nutzte dann aber überhaupt nicht mehr seine Konterchancen und spielte sehr unkonzentriert. Und schließlich kam es, wie es beim HSV leider scheinbar immer kommen muß. Anstatt einem wirklich desolaten Gegner mal den „Todesstoss“ zu verpassen, wird so lange rumgeschlampt, bis St. Pauli dann schließlich das 4:2 machte. Und als dann auch noch Albertz durch ein hohes Bein gegen den Kopf eines Paulianers einen Elfmeter verursachte, sah ich schon langsam alle Fälle davonschwimmen.

St.Pauli konnte aber Gott sei Dank nicht mehr den Ausgleich schießen, der sie dann zu Helden und uns zu den Versagern gemacht hätte. Trotzdem gaben die Gegentore und die ungewollte Spannung (aus HSV-Seite) dem Spiel zum Abschluß noch einen faden Beigeschmack.

Letztendlich zählt aber nur, daß der HSV das Stadtderby gewonnen hat und dies m.E. auch verdient. Allerdings demonstrierten auch wir, daß wir noch längst nicht aus unserem Tal heraus sind. Gegen Dortmund wird man in dieser Verfassung wohl nicht viel zu bestellen haben.

Es wäre aber schön, wenn unsere Jungs wenigstens den Kampfgeist mit ins das nächste Spiel rübernehmen würden.

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: Schuldlos an den Gegentoren und ansonsten mußte er kaum einen Ball halten: Note 3

Hertzsch: wie alle HSV-Abwehrspieler nicht sehr gefordert: Note 3

Ujfalusi: souverän, aber kaum aufgefallen: Note 3

Fukal: nach so langer Pause recht ordentlich. Sein Tor wird ihm gewiß Auftrieb geben: Note 3

Hollerbach: Äußerst rustikal. Toller Einsatz, aber er muß sich besser im Griff haben, um nicht ständig auf der Schwelle zur roten Karte zu stehen: Note 3

Töfting: kämpfte, rackerte und foulte. Leider auch wieder mit sehr vielen Fehlpässen. Note 4-

Albertz: Er spielte eine ganze Reihe schöne Pässe und bereitete Tore vor. Leider sieht man aber trotzdem, daß es ihm grundsätzlich an Schnelligkeit mangelt: Note 3+

Barbarez: Auch er spielte wieder besser, aber längst noch nicht in alter Form: 3-

Präger: Der schwächste der drei Stürmer. Wurde anfangs allerdings auch ständig durch Fouls gebremst. Recht unauffällig: Note 4

Meijer: guter Einsatz und endlich auch mal wieder ein Tor : Note 3

Benyamin: Der beste zuletzt. Er konnte mir in diesem Derby am besten gefallen. Schoss ein Tor, bereitete eines vor und hatte auch sonst noch einige gute Szenen: Note 2+

Schiri Krug: Das ich über den mal was positives schreiben würde, hätte ich auch nicht gedacht. Er beruhigte das teils knüppelharte Spiel und schaffte es sogar, ohne Platzverweis auszukommen. Allerdings muß ich auch konstatieren, daß er eher Pro-HSV als Pro-Pauli pfiff: Note 2 

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 

TORE 
1:0 Erik Meijer (4.)
2:0 Milan Fukal (8.)
3:0 Collin Benjamin (45.)
3:1 Thomas Meggle (47.)
4:1 Sergej Barbarez (52.)
4:2 Andre Trulsen (79.)
4:3 Andre Trulsen (82.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Jörg Albertz (1.) , Stig Töfting (6.) , Sergej Barbarez (34.) , Bernd Hollerbach (39.) , Marcel Maltritz (83.) 
FC St. Pauli: Thomas Meggle (1.), Andre Trulsen (18.), Holger Stanislawski (43.), 

SCHIEDSRICHTER :  Hellmut Krug 
ZUSCHAUER :  54,800 
DATUM :  02.12.01   17:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Milan Fukal, Tomas Ujfalusi, Jörg Albertz, Ingo Hertzsch, Stig Töfting, Roy Präger, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Collin Benjamin, Erik Meijer

FC St. Pauli: Tihomir Bulat, Cory Gibbs, Holger Stanislawski, Christian Rahn, Andre Trulsen, Thomas Meggle, Marcao, Morten Berre, Ugur Inceman, Oliver Held, Marcel Rath

WECHSEL 
Hamburger SV
Mehdi Mahdavikia für Stig Töfting (73.)
Marcel Maltritz für Collin Benjamin (82.)
Andrej Panadic für Erik Meijer (85.)

FC St. Pauli
Matias Cenci für Marcao (46.)
Deniz Baris für Cory Gibbs (55.)
Toralf Konetzke für Morten Berre (60.)
 

HSV erzitterte sich drei Punkte 

Der Hamburger SV besiegt im 127. Derby den FC St. Pauli glücklich, aber am Ende verdient mit 4:3 (3:0). Das es um viel ging, wurde von vorneherein deutlich. In der ersten Hälfte gab es sieben Gelbe Karten. Damit wurde der Bundesliga-Rekord eingestellt. Mit diesem Erfolg verbessern sich die Hanseaten auf den elften Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga. "Vor allem in den ersten 70 Minuten war ein spielerische und kämpferische Verbesserung meiner Mannschaft zu erkennen", meinte HSV-Coach Kurt Jara. Für St. Pauli hingegen sieht es düster aus. Der Hamburger Underdog ziert weiterhin das Tabellenende. 

In einem spannenden, aber nicht hochklassigem Spiel erwischte der HSV einen Start nach Maß. Erik Meijer (4.) und Milan Fukal (8.) brachte die Hausherren vor 54.800 Zuschauern in Führung. Collin Benjamin erhöhte mit dem Halbzeitpfiff auf 3:0.

St. Pauli mit Willen aus der Kabine
In der 47. Minute gelang Thomas Meggle der Anschlusstreffer. Aber nur fünf Minuten später stellte Sergej Barbarez den alten Vorsprung wieder her. 

Der Doppelpack von Andre Trulsen (79. und 82.) kam zu spät. St. Pauli rannte noch einmal an, und hatte durch Trulsen noch die Ausgleichschance, aber der HSV zitterte sich über die Zeit.

HSV auf dem Weg aus der Talsohle?
Es war noch nicht alles Sonnenschein beim HSV, aber eine Steigerung zu den Vorwochen war klar erkennbar. Aus den vorangegangenen Partien holten die Hanseaten gerade einen mageren Punkt. "Aber heute können wir endlich mal zufrieden mit den Fans nach Hause gehen", freute sich Jörg Albertz.

Aber es fehlt vor allem noch die Abgeklärtheit bei den Hamburgern. "Wir haben nach dem 4:1 einfach zurückgeschaltet und Fehler gemacht", resümierte Coach Jara, "und nach dem 4:2 ging das Zittern los."

HSV im Niemandsland
"Diese drei Punkte waren ganz wichtig für uns", stellte Torschütze Bejamin fest. Der HSV verbessert sich mit nun 16 Punkten auf Rang elf der Tabelle und hat auf einen Abstiegsplatz fünf Punkte Vorsprung.

Nach oben geht aber auch nichts. Der Abstand auf Rang sechs, auf dem die Hertha steht, beträgt schon elf Zähler.

War es das für St. Pauli?
Für den FC St. Pauli sieht es jetzt ganz düster aus. Dabei "...wollten wir für eine Sensation sorgen und das Derby gewinnen, aber das ist uns leider nicht gelungen", meinte Abwehrspieler Trulsen.

Nur ein Sieg, magere sieben Punkte bedeuten abgeschlagen den letzten Tabellenplatz. Da muss wohl schon ein kleines Wunder her. Besser gesagt, es muss etwas in der Abwehr bei den Kiez-Kickern passieren, denn die war über die geamten 90 Minuten nie auf der Höhe des Geschehens. Mit 31 Gegentreffern ist es die schlechteste Deckung der Liga.

"Schon wieder muss ich eine Niederlage kommentieren. Das geht mir langsam auf den Keks", so St. Paulis Trainer Dietmar Demuth, "die Moral stimmt. aber es hat sich gezeigt, dass wir zu unerfahren sind..." 

Dem ist wohl nichts mehr hinzu zufügen.
 

Fakten:
Übermächtiger großer „ Bruder“
Nach vier sieglosen Partien kam St. Pauli gerade recht um den Abwärtstrend des HSV zu stoppen. Der HSV verlor nur das erste von 13 Derbys gegen den Stadtteilverein vom Kiez, seit der Saison 77/78 ist der Dinosaurier der Liga selbst in Freundschaftsbegegnungen gegen St. Pauli ungeschlagen. 

Schwacher Aufsteiger
Nur sieben Punkte nach 15 Spieltagen hat der FC. St. Pauli, damit sind die Kiezkicker in der Bundesligageschichte der schlechteste Aufsteiger nach dem legendären Tasmania Berlin (65/66 – vier Punkte) und 1860 (77/78 – sechs Punkte) – beide Teams stiegen am Saisonende (umgerechnet auf die Drei-Punkteregel) 

Torreichstes Stadtderby
Ließ die Spielkultur in vielen Teilen der überwiegend kampfbetonten Partie sehr zu wünschen übrig, wurden die vielen Zuschauer immerhin mit Toren verwöhnt. Noch nie zuvor fielen in einem Hamburger Stadtderby so viele Treffer (sieben). In dieser Spielzeit war es zudem die bislang torreichste Bundesligabegegnung. 

Überragender Start – nervöses Ende
Wie die Feuerwehr begann der HSV die Anfangsphase gegen St. Pauli und erzielte zwei Treffer in den ersten zehn Minuten, dies gelang dem HSV zuletzt 01.06.91. Auch damals war der Gegner der Stadtrivale St. Pauli. Das es am Ende noch einmal spannend wurde hatte sich der Dinosaurier der Liga selbst zu zuschreiben: Wieder kassierte der Hamburger SV zwei Gegentore in der Schlussviertelstunde - die jetzt insgesamt neun Gegentreffer in der Schlussphase werden ligaweit nur von 1860 überboten. 

Schlaglichter:
Agiler Benjamin
Collin Benjamin zeigte in seinem ersten Stadtderby bei den Profis eine sehr engagierte Leistung. Der 23-Jährige war der abschlussfreudigste Hamburger. Scheiterte er zunächst noch am Pfosten, gelang ihm quasi mit dem Pausenpfiff doch noch sein drittes Saisontor. Der Namibier bereitete zudem mustergültig den 4:1 Treffer von Barbarez mit einem Querpass vor. 

Topscorer Albertz
Jörg Albertz präsentierte im Stadtderby eine seiner besseren Saisonleistungen. Mit zwei schönen Steilpässen bereitete der 30-Jährige die Treffer von Meijer und Benjamin vor. Mit jetzt sieben Scorerpunkten (vier Tore, drei Assist) ist der zehn Millionenmann nun Hamburgs Topscorer. Gegen St. Pauli gab Ersatzkapitän Albertz zudem die zweitmeisten Torschussvorlagen und hatte die drittmeisten Ballkontakte. 

Trulsen ab in den Angriff
Im 199. Bundesligaspiel gelangen Andre Trulsen erstmals zwei Treffer in einer Bundesligapartie. Vielleicht sollte Trainer Demuth den 36-Jährigen zukünftig von Beginn an als Stürmer nominieren, denn für einen Defensivakteur gewann Trulsen nur schwache 47% seiner Zweikämpfe, er gab allerdings alleine fast so viele Torschüsse ab (drei) wie die nominellen Angreifer Marcao, Rath, Cenci und Konetzke zusammen (vier). 

Fukal nutzte seine Chance
Millionenmann Milan Fukal kam erst zu seinem zweiten Saisoneinsatz. Dem kopfballstarken Tschechen gelang dabei nicht nur sein erster Saisontreffer, er gab nach Benjamin und Barbarez auch die meisten Torschüsse ab und entschied ordentliche 61% seiner Zweikämpfe für sich. Vielleicht bleibt der Nationalspieler nun doch beim HSV. 

Kartenflut vor dem Wechsel
Siebenmal musste Schiedsrichter Krug die Akteure des von Beginn an kampfbetonten Stadtderbys vor dem Seitenwechsel mit Gelben Karten verwarnen. Noch nie in der Bundesliga wurden in der erten Halbzeit mehr Gelbe Karten verteilt. Alleine zweimal zückte Krug schon in der ersten Minute den gelben Karton, dies gab es in der Liga zuletzt vor 4 1/2 Jahren bei der stets brisanten Begegnung Dortmund-Bayern. 
 

Trainer Kurt Jara (Hamburger SV): 
"Als neutraler Zuschauer hätte ich mich über dieses Spiel sehr gefreut. Mit den ersten 70 Minuten war ich sehr zufrieden, da hätten wir höher führen müssen. Nach dem Anschlusstor und nach dem Elfmeter wurden wir dann wieder unruhig. St. Pauli hat dann alles riskiert. Wir haben verpasst, einen Konter zu nutzen. Man hat gesehen, dass in Hamburg guter Fußball gespielt wird." 

Trainer Dietmar Demuth (FC St. Pauli): 
"Schon wieder muss ich eine Niederlage kommentieren. Das geht mir langsam auf den Keks. Der HSV hat uns in den ersten zehn Minuten kalt erwischt, da waren wir noch nicht auf dem Platz. Nach dem 1:4 muss ich meiner Mannschaft ein Kompliment machen, dass sie Moral gezeigt hat. Aber es hat sich gezeigt, dass wir zu unerfahren sind, solche Spiele zu gewinnen." 

Topspieler Collin Benjamin (Hamburger SV):
Collin Benjamin traf im Hamburger-Derby zum 3:0 und legte den Treffer für Barbarez zum 4:1 auf. Dazu hatte der Mann aus Namibia noch drei hochkarätige Chancen, die der 23-Jährige sich toll erarbeitete. Insgesamt schoss Benjamin fünf Mal auf den St. Pauli-Kasten. Mehr Torschüsse gab kein anderer Akteur in der AOL-Arena ab. Nebenbei legte er noch zwei Mal zu Torschüssen auf, und ihm unterliefen nur wenige Fehlpässe. 
 

Spielwertung: 2 Bälle (von 4 möglichen)

Kommentar:
Das war ein Derby, wie man es sich vorstellt. Spielerisch zwar nicht überzeugend, dafür Spannung, viele Zweikämpfe und sieben Tore. Der HSV erwischte einen Traumstart. Meijer (4.) und Fukal (8.) brachten die Hausherren früh in Front. St. Pauli kam gar nicht ins Spiel. Mit dem Halbzeitpfiff erhöhte Benjamin sogar auf 3:0. Alles schien gelaufen. Trainer Demuth muss seine Mannen in der Pause wachgerüttelt haben. Meggle verkürzte in der 47. Minute auf 1:3. Diese Hoffnung erhielt aber fünf Minuten später durch Barbarez einen Dämpfer. Nun war der HSV auf der Siegerstraße. Denkste! St. Pauli packte die alten Tugenden aus und kam durch Trulsens Doppelpack (79. und 82.) noch einmal heran. Aber zu spät. Insgesamt muss festgestellt werden, dass die Deckung der Kiez-Kicker während der gesamten Spielzeit so gut wie gar nicht vorhanden war. Der HSV siegte am Ende glücklich, aber verdient. Gegen einen anderen Bundesligisten hätte diese Leistung aber wohl nicht gereicht. 
Frihtjof Bublitz 
 

Taktik
Hamburger SV:
Im Tor Pieckenhagen. Davor eine Viererkette mit Hollerbach, Ujfalusi, Hertzsch und Fukal (von links). Defensiv zentral im Mittelfeld agierte Töfting. Albertz kam über links und in der Mitte Barbarez hinter den Spitzen. Im Sturm Präger, Meijer und Benjamin (von links).
Mahdavikia kam für Töfting (74.) und sollte das Offensivspiel ankurbeln. Die Einwechselungen von Maltritz für Benjamin (83.) und Panadic für Meijer (85.) sollten die Deckung stärken.

St. Pauli:
Bulat im Tor. Die Abwehr mit einer Dreierkette. Gibbs, Stanislawski und Held (von links). Auch das defensive Mittelfeld war zu Dritt. Rahn über links, Trulsen zentral und Berre über rechts. Davor Incemann. Spielmacher war Meggle. Im Sturm spielten Rath und Marcao.
Für Marcao kam in der zweiten Hälfte Cenci. Die Einwechselungen von Baris für Gibbs (56.) und Konetzke für Berre (60.) sollten helfen, das Spiel noch zu drehen. 


 
kicker meldet: 
Chancenverhältnis: 10:5 
Eckenverhältnis: 5:5 
Schiedsrichter: Krug (Gelsenkirchen), Note 3 - griff in dem hektischen Derby von Beginn an durch. Umstritten, dass er vor dem 1:0 ein Foul von Barbarez an Held nicht geahndet hat sowie die Elfmeterentscheidung 
Zuschauer: 54800 
Spielnote: 2 
Spieler des Spiels: 
Benjamin - Der Youngster war ein steter Unruheherd auf der rechten Bahn. Bereitete ein Tor vor und schoss eines selbst. 
 

Analyse 

Personal: Zwei Änderungen beim HSV im Vergleich zur 0:2-Pokalpleite gegen Stuttgart. Für Barbarez und den eigentlich schon aussortierten Fukal musste Ketelaer auf die Bank, Schneider stand gar nicht im Aufgebot. Pauli-Coach Demuth stellte nach dem 1:2 gegen Köln auf drei Positionen um. Trulsen, Inceman und Rath ersetzten Amadou, Cenci, Bürger.

Taktik: HSV-Coach Jara wartete mit einer Neuerung auf. Erstmals in seiner Ära ließ er eine Viererkette auflaufen. Davor operierte der HSV sehr variabel: mal mit 4-2-4, wenn Benjamin (rechts) und Präger Meijer/Barbarez unterstützten, mal mit 4-4-2, wenn die Außen bei Ballbesitz der Paulianer Töfting und Albertz ergänzten. Die Gäste vom Millerntor spielten wie zuletzt ohne Absicherung (Stanislawski gegen Meijer, Trulsen gegen Barbarez). Im Mittelfeld genoss Meggle alle Freiheiten.

Analyse: Ein Derby mit hohem Unterhaltungwert, temporeich und voller Emotionen. Der HSV war in der Spielanlage und auch was die Solisten anbelangt klar überlegen, die rustikalen Paulianer konnten nur in punkto Härte mithalten. Mit der neuen Taktik brillierten die Gastgeber und zeigten zuletzt verschüttete Tugenden: spielerische Eleganz und Kombinationen, geprägt von Albertz' Ideen, Barbarez Geniestreichen, und der Dynamik der Außen Benjamin und Präger. Schon zur Pause hätte der HSV durch Benjamin (27., 42.) und Barbarez (43.) höher führen müssen.

Bei St. Pauli rächte sich die Harakiri-Taktik. Der zu langsame Trulsen sowie die indisponierten Gibbs und Inceman rissen immer wieder Lücken in die eigene Defensive. Nach vorne lief lange überhaupt nichts zusammen.

Fazit: Ein verdienter Sieg in einem heißumkämpften Derby. Der HSV versäumte es, die große Überlegenheit rechtzeitig auszuspielen und kam am Ende noch in Gefahr.

Schlusspfiff
89. Minute: Trulsen hätte zum Held werden können, doch der Abwehrspieler kommt in Rücklage und schießt aus rund neun Metern über das Tor.
82. Minute: Jetzt wirds nochmal spannend! Albertz foult Meggle im Strafraum, Schiedsrichter Krug zeigt auf den Elfmeterpunkt. Den Strafstoß verwandelt Trulsen sicher.
79. Minute: Tor für St. Pauli. Fast eine Kopie des 2:0 für den HSV. Diesmal Freistoß an der rechten Grundlinie durch Rahn, in der Mitte steigt Trulsen höher als Hertzsch und erzielt per Kopf den zweiten Treffer für die St. Paulianer.
77. Minute: Wieder Rahn mit einer gefährlichen Hereingabe, in der Mitte jedoch klärt Hollerbach in höchster Not gegen Baris.
71. Minute: Guter Angriff der "Kiez-Kicker". Inceman passt steil auf Meggle, der direkt auf Rath weiter leitet. Der Stürmer schießt aus halbrechter Position, doch Pieckenhagen ist auf dem Posten und lenkt den Ball ab.
68. Minute: Gute Flanke von Rahn, doch diesmal hat Ujfalusi besser aufgepasst und klärt vor Rath.
52. Minute: Der HSV gibt prompt die Antwort. Gibbs lässt Benjamin zu viel Raum, der Torschütze zum 3:0 schlägt eine eigentlich verunglückte Hereingabe, die aber an Keeper Bulat vorbei zu Barbarez kommt, der noch noch einzuschieben braucht.
47. Minute: St. Pauli macht das erste Tor. Inceman erkämpft sich im Duell gegen Benjamin den Ball, Rahn mit einer gut getimten Flanke, Meggle ist einen Schritt schneller als Ujfalusi und köpft den Ball ins linke untere Toreck.
 Anpfiff 2. Halbzeit
 Halbzeit
45. Minute: Das 3:0 kurz vor der Pause. Albertz spielt fast von der Mittellinie den Ball genau in den Lauf von Benjamin. Der junge Offensivspieler ist schneller als Bulat und hebt den Ball gekonnt über den St. Pauli-Keeper ins Tor.
44. Minute: Nach Töfting-Freistoß kommt Barbarez frei zum Schuss, doch der Bosnier verzieht aus aussichtsreicher Position.
42. Minute: Auf der Gegenseite hat Benjamin nach Zuspiel von Barbarez die Chance zum 3:0, doch sein Schuss streicht um Zentimeter am linken Pfosten vorbei.
41. Minute: Die Möglichkeit zum Anschlusstreffer für ST. Pauli. Freistoß von Rahn, Stanislawski legt per Kopf auf Gibbs zurück, doch der Verteidiger köpft knapp über das Tor.
39. Minute: Fast schon Szenen wie beim Eishockey. Nach einem rüden Foul von Hollerbach kommt es zu einem Handgemenge zwischen den Spielern, Schiedsrichter Krug muss energisch dazwischen gehen. Hollerbach bekommt Gelb.
38. Minute: Chance für St. Pauli. Kurz vor dem Strafraum zieht Marcao aus der Drehung ab, HSV-Keeper Pieckenhagen macht sich lang und kann den Schuss im Nachfassen entschärfen.
27. Minute: Schöner Spielzug des HSV über Albertz, Präger und Benjamin. Benjamin wird im Strafraum frei gespielt, der 23-Jährige will es aber zu genau machen und trifft mit seinem Schuss aus rund zwölf Metern nur den rechten Pfosten.
24. Minute: Konterchance für den FC St. Pauli, doch Meggle bleibt an Hertzsch hängen.
17. Minute: Der Aufsteiger kommt zu einer ersten Gelegenheit. Eckball von der linken Seite durch Rahn, der aufgerückte Gibbs steigt hoch und köpft aufs Tor, doch der Ball geht über die Querlatte des HSV-Gehäuses.
8. Minute: Doppelschlag in der AOLArena. Freistoß an der rechten Grundlinie durch Töfting, in der Mitte steigt Fukal am höchsten und trifft mit einem platzierten Kopfball zum 2:0.
4. Minute: Die frühe Führung für den HSV. Albertz kommt im Mittelfeld an den Ball und schickt Meijer steil. Der Niederländer hat freie Bahn und überwindet St-Pauli-Keeper Bulat mit einem Lupfer.
1. Minute: Keine halbe Minute ist gespielt und die beiden Kontrahenten geraten das erste Mal aneinader. Nach einem Foul an der rechten Außenbahn kommt es zu einem Gerangel, Schiedsrichter Krug zeigt Meggle (St. Pauli) und Albertz (HSV) Gelb.
Anpfiff


 
dpa meldet: 
HSV vertreibt Abstiegsgespent: 4:3-Zittersieg gegen St. Pauli
Hamburg (dpa) - Mit einem Zittersieg im 127. Stadt-Derby hat der Hamburger SV das Abstiegsgespenst vorerst vertrieben und die Not beim Rivalen FC St. Pauli drastisch verschärft. Vor 54 800 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften AOL-Arena gewann der HSV mit 4:3 (3:0) und verbesserte sich auf den 11. Platz in der Fußball-Bundesliga. 

Zwei Blitztore von Erik Meijer (4. Minute) und Milan Fukal (8.) sowie der Treffer von Collin Benyamin vor der Pause (45.) brachten den HSV bereits klar in Führung. Sergej Barbarez (52.) beantwortete den Anschlusstreffer von Thomas Meggle (47.) zudem mit dem 4:1, doch André Trulsen weckte mit einem Doppelpack (79./82./Foulelfmeter) noch einmal die Hoffnungen des Schlusslichts. 

«Nach dem 3:0 müssen wir normalerweise zu Hause ruhig spielen, aber wie so oft sind wir dann ins Schwimmen geraten», sagte HSV-Spielführer Jörg Albertz über das «verrückte Spiel» und forderte: «Das muss abgestellt werden.» Dagegen meinte St. Paulis Oliver Held: «Wir sind durch unnötige Fehler in Rückstand geraten.» 

Tatsächlich wirkten die Paulianer trotz dreitägigem Trainingslager an der Ostsee zu Beginn alles andere als ausgeschlafen und konzentriert. Trainer Dietmar Demuth brachte in Jens Rath und Trulsen zwar zwei erfahrene Derby-Recken. Doch nur mit kämpferischem Einsatz allein konnten die Gäste dem HSV kein Paroli bieten. 

Zumal die Vierer-Abwehrkette des HSV keine großen Lücken bot und die Truppe von Coach Kurt Jara zumindest einen Start nach Maß erwischte. Durch einen überlegten Lupfer von Meijer über den herausstürmenden Pauli-Torwart Tihomir Bulat ging der HSV in Führung. Kapitän Albertz, der das HSV-Spiel geschickt lenkte, hatte mit einem sehenswerten Steilpass den dritten Saisontreffer des Niederländers vorbereitet. Mit einem Kopfballtor aus kurzer Distanz rechtfertigte anschließend der zweitteuerste HSV-Einkauf (5,7 Millionen Mark/2,9 Millionen Euro) in seinem zweiten Saisonspiel nach neunwöchiger Pause seinen Einsatz. Der quirlige Benyamin markierte nach drei vergebenen Chancen (28./29./42.) das 3:0. 

Die nach Meggles Kopfballtor für kurze Zeit aufkeimende Hoffnung auf einen Punktgewinn schien Barbarez auf Vorlage von Benyamin im Keim zu ersticken. Bemüht, aber beschränkt in den spielerischen Mitteln ging von St. Pauli trotz der Hereinnahme des argentinischen Stürmers Cenci eigentlich keine große Gefahr mehr aus, bis Trulsen die zunehmenden HSV-Unkonzentriertheiten nutzte.