Bundesliga 2001/2002, 17. Spieltag, Samstag, 15.12.01 um 15:30 Uhr bei 2 - 3 Grad C in der AOLArena

Hamburger SV - SC Freiburg 1:1 (1:0)

Nach einem wieder mal sehr mäßigen Spiel trudelt der HSV nach dem 17. Spieltag als 13. mit nur 4 Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz in die „Herbstmeisterschaft“.

Das nun noch ausstehende Heimspiel gegen Cottbus vor der Winterpause muß unbedingt gewonnen werden, damit wir nicht alle mit akuter Abstiegsangst durch die fußballfreie Zeit gehen müssen.

Im gestrigen Spiel gegen Freiburg war der HSV optisch überlegen; konnte sich aber auch nur mäßig viele Torchancen herausspielen und schenkte den Breisgauern schließlich einen Punkt.

Es ist wirklich nicht so, daß der HSV drückend überlegen war und etliche Tore hätte schießen können, aber Freiburg hatte nun wirklich so gut wie keine drückende Torchance. So sagt z.B. auch die Statistik aus, daß Pieckenhagen in der 1. Halbzeit überhaupt keinen Schuss halten mußte.

Eine der wenigen HSV-Chancen konnte Roy Präger in der 1. Halbzeit prächtig nutzen. Erik Meijer legte ( wie so schätzungsweise 50 mal in diesem Spiel) den Ball per Kopf ab und  Roy Präger drosch ihn per Seitfallzieher-Scherenschlag-Fallrückzieher aus nicht mal 10 m ins Tor. Dabei wäre es durch beherzteres Eingreifen des Freiburger Abwehrspielers meiner Meinung nach ein „Fallrückzieher am Mann“ gewesen. Aber der Freiburger hielt ängstlich Abstand und machte das Tor damit wohl auch regelkonform.

Das Spiel plätscherte eigentlich so vor sich hin und Freiburg war weit davon entfernt, so etwas wie Druck zu entwickeln.

Und dann sage  ich elender abergläubischer Mensch bei der Ecke der Freiburger noch zu meinem Kumpel, daß wir wohl doch langsam mal aufpassen müssen, bevor wir uns doch noch einen „fangen“....
Ecke, kein vorhandenes Abwehrverhalten und 1:1....

Danach warf der HSV nochmal alles nach vorne, wechselte zunächst Mahdavikia und dann – nach monatelanger Pause – auch noch Cardoso ein.
Allerdings wurde es auch nur noch mit hohen Bällen aus dem Halbfeld probiert. Wir waren zwar sehr kopfballüberlegen (vor allem Meijer), aber letztendlich fehlt da natürlich das Überraschungsmoment.

Trotzdem gab es direkt vor Schluß nach mehreren mittelmäßigen noch 2 hundertprozentige Chancen im Doppelpack. Nach Flanke von links kam Fukal plötzlich seitlich am 5m-Raum frei zum Kopfball und köpfte den Keeper an. Von dort sprang der Ball zu Erik Meijer, der seine Füße leider nicht rechtzeitig sortiert bekam und somit den Ball auch nicht verwandeln konnte. Und dann sprang der Ball auch noch zu Maltritz, der ihn auch noch hätte reinschießen könne. Aber seine beiden Vor-Versuchler hatten es da noch einfacher.

So ging das Spiel 1:1 aus und Freiburg war damit offensichtlich sehr zufrieden. Wir können dies aber nicht sein, denn der Gegner war nicht so gut, daß da nicht mehr drin gewesen wäre. Wieder um eine Enttäuschung reicher, müssen wir nun alle beten, daß die Spieler am kommenden Dienstag alles geben und wenigstens einen Sieg aus den beiden Heimspielen vor der Winterpause erzielen. Das ist jetzt aber auch – und gerade gegen die hinter uns stehenden Cottbuser – dringend geboten.

Hoffnung machte gestern fast ausschließlich die vielversprechende Premiere von Raphael Wicky, der insbesondere in der 1. Halbzeit durch Zweikampfstärke und Übersicht auffiel. Die Hoffnung auf einer dauerhaft genesenen Cardoso und einen dahinter absichernden Wicky ist für mich momentan das einzige kleine Licht, das ich am Ende des Tunnels zu sehen glaube.

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: konnte einem schon Leid tun. Der muß ganz schön gefroren habe, so kalt wie es war und bei den wenigen Bällen, die er aufs Tor bekam. Leider sah auch er beim Gegentor zumindest etwas unbeholfen aus: Note 4

Ujfalusi: gewohnt souverän und leider auch gewohnt unauffällig. Könnte sich viel mehr nach vorne einschalten : Note 3

Maltritz: es war ja eigentlich hinten kaum was zu tun, aber beim Gegentor wirkte er sehr zaghaft auf mich: Note 4

Fukal: der beste der Verteidiger gestern. Er wußte durch Zweikampfstärke und Einschalten in Angriffe zu gefallen. Hätte nicht gedacht, daß der mir nochmal gefallen würde: Note 2

Hollerbach: spielte in Normalform auf der linken Seite. Für meinen Geschmack schlug er die Bälle zu oft aus dem Halbfeld auf Meijer. Das kann aber auch die gewollte Taktik gewesen sein: Note 3

Töfting: war auch gestern wieder nicht besonders. Sehr unauffällig nach hinten und nach vorne vollkommen ohne Wirkung: Note 4

Wicky: gefiel mir, wie schon oben gesagt, insbesondere in der 1. Halbzeit sehr gut. Er zeigte sehr viel Übersicht und kann auch mal auf den Ball treten und ihn halten, bevor er einen schlechten Pass spielt. Ich glaube, da haben wir mal jemanden verpflichtet, der uns weiterbringen kann: Note 2

Albertz: Naja, ihm fehlt eben jegliche Sprintfähigkeit. Ansonsten gefiel er mir gestern – gerade in puncto Spielübersicht – ganz gut: Note 3

Benyamin: wirkte ziemlich durcheinander und hatte kaum eine gelungene Aktion. Der Wechsel mit Mahdavikia hätte m.E. schon früher stattfinden müssen: Note 4

Präger: natürlich mit einem Traumtor, aber auch ansonsten gefiel er mir ganz ordentlich. Note 3-

Meijer: da fällt mir die Bewertung irgendwie schwer. Er hat zwar sehr viele Kopfballduelle gewonnen und fiel auch wieder durch Kampf und Zweikampfstärke auf, aber er hat die Bälle m.E. zu oft abgelegt anstatt mal den direkten Abschluß zu suchen. Da fehlt es einfach an Torgefahr: Note 3-

Schiri Merk: Er hatte nichts dramatisches und spielentscheidendes zu entscheiden. Aber trotzdem habe ich mich über diesen eitlen Fatzke geärgert. Wie theatralisch er teilweise seine Entscheidungen anzeigte, war wirklich lächerlich. So richtig als ob ihm einer abging, wenn er gegen „Volkes Willen“ auf Abstoß, Ecke etc. entschied.
Schiedsrichterleistung: 2
„Verhalten am Arbeitsplatz“: 5

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 

TORE  
1:0 Roy Präger (30.)
1:1 Stefan Müller (69.)
 
GELBE KARTEN  
Hamburger SV: Bernd Hollerbach (8.) , Tomas Ujfalusi (43.) 
SC Freiburg: Tobias Willi (77.), Stefan Müller (89.)
 
SCHIEDSRICHTER :  Dr. Markus Merk  
ZUSCHAUER :  35,012 
DATUM :  15.12.01   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Milan Fukal, Tomas Ujfalusi, Jörg Albertz, Marcel Maltritz, Stig Töfting, Roy Präger, Bernd Hollerbach, Collin Benjamin, Raphael Wicky, Erik Meijer

SC Freiburg: Richard Golz, Stefan Müller, Lars Hermel, Boubacar Diarra, Sebastian Kehl, Andreas Zeyer, Abder Ramdane, Levan Tskitishvili, Levan Kobiashvili, Soumaila Coulibaly, Alexander Iashvili
 
WECHSEL 
Hamburger SV: 
Mehdi Mahdavikia für Collin Benjamin (69.)
Rodolfo E. Cardoso für Stig Töfting (73.)

SC Freiburg
Adel Sellimi für Abder Ramdane (61.)
Tobias Willi für Andreas Zeyer (66.)
Florian Bruns für Alexander Iashvili (83.)
 

Hamburger SV versinkt auch nach Traumtor im Mittelmaß  

Der Torschütze des Tages flüchtete sich nach der Partie in Sarkasmus. "Jedes blinde Huhn findet mal ein Korn", brachte HSV-Stürmer Roy Präger die aktuelle Situation beim Hamburger SV auf den Punkt. Mit 1:1 trennte sich die Jara-Elf vom SC Freiburg und versinkt damit weiter im Mittelmaß.
Dabei schien Roy Präger mit seinem "Tor des Jahres" die Spieler des HSV endgültig wachzurütteln. In der 30. Minute hämmerte der Stürmer nach einer Kopfballvorlage von Erik Meijer den Ball per Seitfallzieher zur Führung in die Maschen des Freiburger Gehäuses.
Doch wer danach gedacht hatte, der HSV würde sich nun endgültig freischwimmen, sah sich getäuscht. Haarsträubende Fehler in der Abwehr verhalfen Stefan Müller in der 69. Minute zum glücklichen Ausgleich für die Breisgauer.
Weiter viel Stückwerk
Wie schon in den letzten Wochen ließ der Tabellen-13. aus Hamburg spielerische Klasse vermissen. Das Spiel war eher auf Zufälle aufgebaut als auf gut durchdachte Aktionen.
"Wenn man unten steht, hat man eben Pech. Aber wenn die Mannschaft so weitermacht, kommt das Glück zurück", erging sich HSV-Trainer Kurt Jara nach der Partie in Fußball-Floskeln.
Jara-Effekt längst verpufft
Nach drei Siegen zu Beginn seiner Amtszeit ist längst wieder der Alltag an der Alster eingekehrt. Einen Sieg aus den letzten sieben Spielen sprechen eine deutliche Sprache.
Doch der Trainer geht auf Schmusekurs mit seinem Team: "Man hat gesehen, dass die Moral in Ordnung ist. Noch vor Wochen hätte sie so ein Spiel verloren."
Hoffnungsträger Cardoso
Jetzt ruhen alle Augen auf den Argentinier Rudolfo Cardoso. Der schmerzlich vermisste Spielmacher feierte nach 279 Tage sein umjubeltes Comeback bei den Hanseaten.
Aber ob der Argentinier der schwächelnden Mannschaft endlich wieder spielerische Klasse einhauchen kann, bleibt abzuwarten. Zu verunsichert wirkt der HSV, bringt sich mit haarsträubenden Fehlern in der Defensive selbst um den Lohn seiner Arbeit.
Auch Freiburg von der Rolle
Erschreckend schwach präsentierte sich aber auch der SC Freiburg. Das sonst so gefürchtete Kurzpassspiel der Breisgauer blieb nur Stückwerk. Der Sturm war nicht mehr als ein laues Lüftchen.
Doch SC-Trainer Volker Finke hatte ein gutes Spiel seiner Elf gesehen. "Wir hatten das Spiel in der ersten Hälfte gut im Griff. Der Rückstand kam aus heiterem Himmel", stand Finke mit seiner Meinung aber alleine da.
Mittelmaß im Breisgau
Auch in Freiburg laufen die Uhren in dieser Saison eher rückwärts. Statt spielerisch zu überzeugen, wurschtelt sich die Mannschaft durch die Saison. Hinzu kommt das Wechseltheater um Sebastian Kehl.
Der FC Bayern und Borussia Dortmund buhlen um die Gunst des Nationalspielers. Kehl zeigte sich anschließend wortkarg. "Ich werde zu der ganzen Sache nichts sagen, sondern konzentriere mich nur aufs Fußballspielen." Wenn er sich da mal nicht täuscht.
Das Mittelmaß der Bundesliga - Kaum ein Verein personifiziert in dieser Saison den Durchschnitt so treffend wie der Hamburger SV und der SC Freiburg. Bei beiden klaffen Realität und Wunschdenken weit auseinander.
Hoffentlich erleben beide nicht am Ende der Saison eine böse Überraschung...

Fakten:
Quo vadis, HSV?
Nur einmal in seiner 39-jährigen Bundesligageschichte spielte der HSV eine schlechtere Hinrunde: In der Saison 72/73, als die Hanseaten (umgerechnet auf die Drei-Punkte-Regel) lediglich elf Zähler holten und sogar Tabellenletzter waren. 
Selbst gegen Freiburg kein Sieg
Selbst gegen seinen bisherigen Lieblingsgegner Freiburg brachte der HSV keinen dreifachen Punktgewinn zustande. Nach vier Heimsiegen in Folge gegen die Breisgauer reicht es dieses Mal nur zu einem mageren Unentschieden. 
Nichts Neues für den SC
Bereits zum zweiten Mal in dieser Saison bleibt der SC Freiburg fünf Spiele in Folge ohne Sieg. Zuvor war dies den Breisgauern vom zweiten bis zum sechsten Spieltag passiert (auch damals zwei Remis und drei Niederlagen). 
Schlecht wie lange nicht
Freiburg spielte seine schlechteste Hinrunde seit dem Wiederaufstieg 1998. Der SC gewann lediglich vier Spiele – so wenige wie zuletzt in der Abstiegssaison 96/97. 

Schlaglichter:

Es müllert wieder
Stefan Müller bestritt in Hamburg sein 100. Bundesligaspiel (alle für den SC) und erzielte zur Feier des Tages Freiburgs Treffer zum 1:1. Es war sein insgesamt sechstes Tor in der höchsten deutschen Spielklasse. Seinen zuvor letzten Treffer hatte der Abwehrspieler am 22.09.00 bei der 1:3-Niederlage bei 1860 München markiert. Darüber hinaus hatte Müller die beste Passquote der Freiburger (90 Prozent der Pässe zum eigenen Mann) und beging während der 90 Minuten nur ein Foulspiel. 

HSV-Debüt für Wicky
Raphael Wicky bestritt gegen Freiburg sein erstes Bundesligaspiel seit fast genau einem Jahr. Zuvor war er letztmals am 17.12.00, damals noch für Werder Bremen bei der 1:3-Niederlage in Cottbus, in der höchsten deutschen Spielklasse zum Einsatz gekommen. Der Schweizer fand sich schnell im Spiel des HSV zurecht und war vor allem in der ersten Hälfte ein Aktivposten. Insgesamt führte Wicky nach Erik Meijer die meisten Zweikämpfe in seinem Team (30, davon 21 vor der Pause). Nach dem Seitenwechsel baute der von Atlético Madrid gekommene Mittelfeldspieler jedoch merklich ab und hatte am Ende der Partie nur durchschnittliche 50 Prozent seiner Duelle für sich entschieden. 

HSV scheiterte an Abschlussschwäche
Nach einer von beiden Seiten mäßigen Anfangsviertelstunde war es der HSV, der zuerst zu seinem Spiel fand. Die Hamburger beherrschten den SC Freiburg in der Folge klar und lagen zur Halbzeit verdient in Front, wie auch das Torschussverhältnis von 9:2 zur Pause belegt. Nach dem Seitenwechsel ließen die Hanseaten jedoch etwas nach und versäumten es, bei ihren nun seltener werdenden Möglichkeiten das 2:0 zu erzielen. Mitte der zweiten Hälfte wurde der SC etwas mutiger und kam zum zu diesem Zeitpunkt überraschenden Ausgleich. Danach war das Spiel offen, beide Parteien besaßen Chancen, um das Spiel zu gewinnen, scheiterten allerdings an ihrer Abschlussschwäche. Da es der HSV versäumte, den Sack zuzumachen, und die Breisgauer in der Offensive deutlich zulegten, entführte die Finke-Elf trotz eines Torschussverhältnisses von 23:9 zugunsten der Hamburger nicht unverdient einen Punkt aus der Hansestadt. 

Kehl zeigte Charakter
Trotz des Hickhacks um seine weitere Zukunft lieferte Sebastian Kehl in Hamburg eine ordentliche Partie ab. Der Nationalspieler war gewohnt fleißig und hatte die meisten Ballkontakte aller Akteure (100). Auch den Zweikämpfen ging er nicht aus dem Weg: 34 Duelle führte er, die meisten bei Freiburg, wovon er allerdings nur durchschnittliche 50 Prozent zu seinen Gunsten entschied. Dennoch bewies Sebastian Kehl, dass er Charakter hat. 

Hollerbach trieb an
Bernd Hollerbach lieferte auf der linken Seite in Hamburgs Viererkette eine gute Partie. Er hatte die meisten Ballkontakte in seinem Team (77), gewann starke 65 Prozent seiner Zweikämpfe und war an vier HSV-Torschüssen direkt beteiligt. Einziger Wermutstropfen neben dem unbefriedigenden Resultat: Hollerbach sah seine fünfte Gelbe Karte und ist somit für die nächste Partie gegen Cottbus gesperrt. 

Topspieler: Erik Meijer (Hamburger SV)
Der HSV-Stürmer zeigte einen überragenden Einsatz. Der Holländer war an elf von 23 Torschüssen des HSV beteiligt. Er bereitete das Tor von Roy Präger vor und schoss insgesamt fünf Mal auf den Freiburger Kasten. Nach Hollerbach hatte Meijer die meisten Ballkontakte auf dem Platz. Eine beeindruckende Vorstellung für einen Stürmer. Mit seiner engagierten Spielweise riss der HSV-Profi seine Kollegen auf dem Platz mit und zeigte auch in punkto Einsatz eine vorbildliche Leistung. Insgesamt 47 Zweikampfe bestritt Meijer, von denen er 24 für sich entscheiden konnte.  

Spielwertung: 2 Bälle (von 4)
 
Kommentar:
Ein eher durchwachsenes Spiel zweier Mannschaften aus dem unteren Tabellen-Mittelfeld. Man merkte den HSV-Spielern zwar ihr Bemühen an, doch reichten selbst gegen schwache Freiburger die spielerischen Mittel nicht aus. So wurde Rodolfo Cardoso bei seinem Comeback nach 279 Tagen fast wie ein Messias gefeiert. Doch ob der Spielmacher wieder Licht ins spielerische Dunkel des HSV-Spiels bringen kann, darf bezweifelt werden. Die Freiburger können sich zwar über den Auswärtspunkt freuen, insgesamt zeigt ihre Tendenz im Vergleich zur Vorsaison aber nach unten.
Stefan Picht  
 
Taktik
Hamburger SV:
Vor Pieckenhagen im Tor spielten Hollerbach, Ujfalusi, Maltritz und Fukal auf einer Linie in der Viererkette. Wicky und Töfting bildeten die Defensiv-Abteilung im Mittelfeld, schalteten sich aber immer wieder ins Angriffsspiel mit ein. Hinter den Spitzen agierte Albertz im offensiven Mittelfeld. Vorne spielte der HSV mit Präger, Mejier und Benjamin.

SC Freiburg:
Die Freiburger spielten mit Golz im Tor. Müller und Diarra bildeten die Innenverteidigung. Davor agierte der Sportclub mit einer Viererkette aus Kobiashvili, Hemel, Kehl und Tskitishvili. Zeyer und Coulibaly bildeten die Offensiv-Abteilung im Mittelfeld. Vorne bildeten Ramdane und Iashvili den Sturm.  


 
kicker meldet: 
In den vergangenen vier Auftritten beim HSV gab es für den Sportclub Freiburg nichts zu erben. Um so erfreuter war SCF-Coach Finke daher, dass ihm Jung-Nationalspieler Sebastian Kehl wieder zur Verfügung stand, nachdem er beim 0:0 gegen Köln leicht angeschlagen hatte pausieren müssen. Sieben Spiele ohne Sieg in Bundesliga, DFB-Pokal und UEFA-Cup veranlassten Finke zu insgesamt drei Umstellungen. Für Kehl musste But weichen, für Sellimi rückte Ramdane in die vorderste Spitze. Youngster Tobias Willi bekam ebenfalls eine Pause verordnet, für ihn rückte Zeyer auf die rechte Seite. Der Georgier Zkitischwili spielte im defensiven Mittelfeld. Coulibaly, obwohl nicht hundert Prozent fit, stellte sich in den Dienst der Mannschaft und lief auf. 
HSV-Coach Jara vertraute trotz der 0:1-Pleite letzten Samstag beim BVB, bis auf eine Änderung, auf die selbe Anfangself. Albertz übernahm die Spielmacherposition vom Gelb-gesperrten Barbarez, Neuzugang Raphael Wicky agierte dahinter an der Seite des Dänen Töfting. In der Abwehr fehlten den Gastgebern weiterhin die etatmäßigen Verteidiger Hoogma (Sehnenriss) und Hertzsch (Adduktorenprobleme). 
AOL-Arena: Das stand beim Spiel zwischen Hamburg und Freiburg für "Alle Ohne Leistung". Vor der Minuskulisse von nur 35.000 Zuschauern quälte sich der HSV zu einem 1:1 gegen den Sportclub aus dem Breisgau.
Beiden Teams war der große Druck anzumerken, der auf Grund ihrer enttäuschenden Tabellenposition auf ihnen lastete. Ähnlich wie Freiburg war auch den Hamburgern in den letzten sechs Spielen nur ein Sieg gelungen. Von Selbstvertrauen somit keine Spur, jeder war darauf bedacht, keinen Fehler zu machen. 
Erst nach einer guten halben Stunde legten die Gastgeber den Vorwärtsgang ein, bezeichnenderweise war es immer wieder Wicky, in Madrid seit Sommer ohne Spielpraxis, der Vorstöße der Hanseaten initiierte. Aus heiterem Himmel erzielte dann Präger auf spektakuläre Weise die HSV-Führung: Einen weiten Flankenball von Hollerbach legte Meijer per Kopf ab auf Präger, der den Ball mit einem sehenswerten Seitfallzieher ins Tor beförderte. Damit ging nicht nur die Taktik des HSV auf, mit hohen Bällen zum Erfolg kommen zu wollen. Auch Präger verwirklichte sein unter der Woche getätigtes Vorhaben, noch in diesem Jahr sein erstes Saisontor zu erzielen. Bezeichnend für den schwachen Auftritt der Gäste war, dass HSV-Keeper Pieckenhagen im ersten Durchgang keinen einzigen Ball halten musste.
Unverändert das Bild in Durchgang zwei: Freiburg völlig ideenlos, ohne Zug zum Tor des HSV, in dem Pickenhagen einen weitgehend beschäftigungslosen Nachmittag verlebte. Doch auch die Hamburger schien der Geniestreich von Präger nicht beflügelt zu haben. Ereignislos plätscherte das Spiel vor sich hin, nur selten kamen die Norddeutschen zu Torgelegenheiten. Präger dank seiner Kreativität, Meijer ob seines Einsatzwillens und Benjamin mit seiner Technik verdienten sich beim HSV die besten Noten. Auf Seiten der Freiburger war vom umworbenen Kehl absolut nichts zu sehen, doch auch keiner seiner Teamkollegen erreichte an diesem Tag auch nur annähernd Normalform. Dass Freiburg doch zum Ausgleich kam, hatte die Finke-Elf weniger eigener Spielkunst denn katastrophalen Abwehrfehlern des HSV zu verdanken. Nach einer Kobiaschwili-Ecke fühlten sich weder Ujfalusi, noch Maltritz oder Meijer für Verteidiger Müller zuständig, der mit dem ersten Schuss auf das Tor von Pieckenhagen für den glücklichen Ausgleich sorgte.
Der Punktverlust dürfte für den Hamburger SV einer Niederlage gleichkommen, die Freiburger Defensiv- und Destruktivtaktik dagegen wurde unverdient belohnt. Die Norddeutschen versäumten es, ein zweites Tor nachzulegen, in der Nachspielzeit rettete Golz den Punkt bei einem Kopfball von Fukal.

Das Spiel im Ticker:
Schlusspfiff
90.+2. Minute: Fukal mit einem Kopfball und Meijer, der über den Ball schlägt, vergeben den möglichen Sieg für den HSV.
84. Minute: Golz rettet dem SCF das Remis. Diarra fälscht einen Schuss von Präger ab, doch das Leder kommt zum Glück für den Keeper zentral auf das Tor, so dass Golz zur Ecke klären kann.
73. Minute: Nach neun Monaten Verletzungspause kehrt Cardoso erstmals seit dem 11. März wieder auf die Bühne Bundesliga zurück!
69. Minute: Ecke von Kobiaschwili, der Ball kommt zu Müller, der sich in seinem 100. BL-Spiel von drei HSV-ern nicht beeindrucken lässt. Allerdings hat er Glück, das sein Schüsschen die Linie überquert.
64. Minute: Endlich mal ein durchdachter Angriff: Albertz spielt zu Benjamin, der von rechts flankt. Meijer dreht sich beweglich um seinen Gegenspieler, doch sein Kopfball geht vorbei.
59. Minute: Auch nach 60 Minuten muss Pieckenhagen noch keinen Ball auf sein Tor halten. Präger versucht es dafür mit einem schönen Distanzschuss, der knapp über die Latte streicht.
49. Minute: Chance für Benjamin, doch sein erster Schuss wird geblockt, sein Nachschuss verunglückt dann völlig.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
40. Minute: Erneut eine schöne Flanke von Hollerbach, Meijer gerät in Rücklage, sein Schuss geht über das Tor.
39. Minute: Erster Vorstoß der Breisgauer, Ujfalusi kann eine Flanke von links klären. Die anschließende Ecke bringt nichts ein.
30. Minute: 30 Minuten Leerlauf, plötzlich ein Paukenschlag! Hollerbach schlägt einen weiten Ball von links, Meijer legt per Kopf ab auf Präger, und der haut den Ball per spektakulärem Seitfallzieher ins Netz!
28. Minute: Ein Freistoß vön Töfting geht fünf Meter am Tor vorbei. Die bislang beste Torgelegenheit des Spiels.
23. Minute: Das Spiel entspricht der Tabellensituation beider Teams: Graues Mittelmaß, von Torraumszenen keine Spur.
16. Minute: Die erste Viertelstunde ist rum, getan hat sich nichts!
8. Minute: Hollerbach sieht früh Gelb, seine fünfte in dieser Saison - damit muss er im letzten Spiel des Jahres gegen Cottbus pausieren.
Anpfiff


 
dpa meldet:  HSV trotz guter Chancen nur 1:1 gegen Freiburg:
Hamburg (dpa) - Der Gabentisch war reich gedeckt, doch der Hamburger SV nahm selbst die besten Geschenke des SC Freiburg nicht an. «Es gab Szenen, wo wir gleich zwei Mal Tore hätten machen können, doch es fiel nicht mal eins», sagte der enttäuschte HSV-Trainer Kurt Jara nach dem 1:1 (1:0) gegen den SC Freiburg. 
Sein Team muss nun gegen Energie Cottbus gewinnen, damit wenigstens 20 Punkte unter dem Tannenbaum liegen und das Weihnachtsfest nicht im Tabellenkeller gefeiert wird.
Gegen Freiburg entpuppten sich weder der 24 Jahre alte Schweizer Neuzugang Raphael Wicky noch der nach neun Monaten Verletzungspause zurückgekehrte Argentinier Rodolfo Cardoso als Weihnachtsmänner für den HSV. Wicky zeigte zwar gute Ansätze, doch entscheidend in Szene setzte sich der Defensivspieler nicht. Auch Cardoso, der von den 35 012 Fans in der eiskalten AOL-Arena bei seiner Einwechslung in der 72. Minute mit großem Applaus gefeiert wurde, konnte trotz viel Engagement und einer Riesenchance zehn Minuten vor Schluss die Zuschauer nicht mehr erwärmen.
«Wäre er doch ein paar Zentimeter größer», seufzte Kurt Jara, angesichts der verpassten Kopfballmöglichkeit. So blieb es bei dem Traumtor vom besten Hamburger Roy Präger, der den HSV nach 30 Minuten per Fallrückzieher in Führung gebracht hatte und sich nach seinem ersten Saisontreffer ein paar Freudentränen wegwischen musste.
Fast hätte der Treffer trotz der zahlreichen vergebenen Chancen sogar gereicht, doch den Freiburgern gelang nach einer Unachtsamkeit der gesamten HSV-Abwehr das überraschende 1:1 durch Stefan Müller (69.). «Das 1:1 geht in Ordnung», befand Freiburgs Trainer Volker Finke, «die Mannschaft hat nicht all zuviel falsch gemacht.»
Für den «Cover-Boy» Sebastian Kehl (Finke) erbat der Coach eine «Auszeit». Freiburgs Manager Andreas Rettig sagte in Anspielung auf das Wechsel-Theater des Jung-Nationalspielers: «Mir ist lieber, er macht am Verhandlungstisch einen Fehler als auf dem Rasen.» Kehl wollte zum Tauziehen um ihn zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund nur so viel sagen: «Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.»
Ebenso wie die Freiburger ist auch HSV-Trainer Jara froh, «wenn nun bald die Winterpause kommt. Da kann man sich wieder fangen.» Doch der Coach sah auch Lichtblicke: «Vor einigen Wochen wären wir nach dem Gegentreffer zusammengebrochen, jetzt hängt die Mannschaft sich bis zuletzt rein. Wenn sie so weitermacht, wird das Glück auch zurückkommen.»
Vielleicht kommt es ja mit einem neuen Stürmer, den Holger Hieronymus gerade in Argentinien sucht. Angreifer Erik Meijer hat Verständnis für die Einkaufstour des Sportchefs: «Wenn ich als Stürmer bisher nur drei Tore erziele, dann ist es ganz normal, dass der Verein auf Suche geht. Mal sehen, was die Suchmaschine so mitbringt.»