Bundesliga 2001/2002, 18. Spieltag, Dienstag, 18.12.01 um 20:00 Uhr bei 4 Grad C in der AOLArena

Hamburger SV - FC Energie Cottbus 5:2 (0:1)

Nun gingen wir alle zum letzten Mal in diesem Jahr in die AOLArena und irgendwie wurde uns auch wieder alles geboten.

Aber eben nicht nur im positiven Sinne.

Zumindest hatten wir aber diesmal das Glück auf unserer Seite, daß wir uns ausnahmsweise in der 1. Halbzeit die Auszeit nahmen und dann wenigstens in der 2. Halbzeit eine ansprechende Leistung zeigten.

Das Spiel fing jedenfalls sehr durchwachsen an. Der HSV war zwar feldüberlegen, aber kam praktisch überhaupt nicht zu Torchancen. Lediglich ein „Hammer“ von Ali war zu vermelden. Und das mit dem rechten Fuß.....  Aber der Schuss ging genau in die Tormitte auf Piplica.

Dann hatte Cottbus allerdings schon eine Riesenchance. Zunächst hatte Präger (den später wieder alle gaaaaanz lieb hatten) den Ball am gegnerischen 16er statt zum Mit- zumGegenspieler abgegeben und dann konnte in der Folge Hertzsch als letzter Mann nicht richtig klären, sondern schoß den Gegner an. Folge war, daß Feldhoff als ballführender Spieler sowie 2 weitere Cottbuser verfolgt von einem HSVer auf unseren Kasten liefen.

Feldhoff tat uns jedoch jetzt den ersten riesigen Gefallen, in dem er supereigensinnig nicht abspielte sondern selbst den Abschluß suchte. Dabei schoß er über das Tor. Unbeschreiblich eigensinnig und unfähig.

In der Folge wird das HSV-Spiel immer schlechter. Der Grund dafür ist m.E. offensichtlich: Es fehlt absolut an Laufbereitschaft. Es bewegt sich wirklich niemand, wenn er nicht gerade den Ball hat. Und das funktioniert natürlich nicht, wenn der Gegner ohnehin sehr kompakt in der Defensive steht.

Und als ob das Offensivspiel unseres Teams nicht schon schlimm genug wäre, setzt dann auch noch die Defensive total aus. Zunächst spielt Maltritz an der Mittellinie einen schlechten Pass, der zum Gegner geht und als der Gegner dann über links in Richtung unserer Strafraumes läuft, greift ihn Maltritz einfach nicht an, sondern läuft nur vor ihm weg. Er hätte den Gegner schon 30 m vor dem Tor stellen können. Da habe ich mir wirklich schon die Seele aus dem Leib geschrien, daß er ihn doch nicht in den 16er kommen lassen soll. Aber er ließ ihn gewähren. Dann schlug der Cottbuser noch einen kurzen Haken und war damit an Maltritz vorbei, zog ab, ein weiterer Cottbuser sprang über den Ball und so hoppelte der Ball ins Netz. Ganz groß ........

Das Spiel unserer Mannschaft wurde nun noch schlechter, weil Cottbus jetzt ganz weit hinten drin stand und wir es offensichtlich nicht begriffen haben, daß es nichts bringt, immer nur Flanken aus dem Halbfeld zu schlagen (und dann auch noch so schlechte). Das war überhaupt keine Torgefahr mehr.

Stattdessen hätte Cottbus sogar in der 1.Halbzeit den Sack zumachen können. Sie hatten nämlich noch einen weiteren Konter, bei dem Ujfalusi diesmal links übertölpelt wurde. Wenn Piecke nicht so famos gehalten hätte, wäre das Spiel zu diesem Zeitpunkt vermutlich für uns gegessen gewesen. Aber Piecke hielt diesen Unhaltbaren.

Ein riesiger Pfeifkonzert begleitete die Mannschaft in die Halbzeit. Verdient hatten sich die Jungs das wirklich. Allerdings muß ich zugeben, daß ich schon sehr genervt war von vielen Zuschauer, die auch bereits nach 5 Minuten am Pöbeln waren und scheinbar nur auf Fehler warten, über die man dann meckern kann. Da wird alles niedergepöbelt. Selbst wenn das Ansinnen des Spielers richtig, nur die Ausführung schlecht war.

Zur 2. Halbzeit wurde Maltritz rausgenommen und Ketelaer dafür eingewechselt. Kette spielte links, Mehdi rechts und Präger wuselte dafür überall rum.

Präger sollte dann auch zum Mann der 2. Halbzeit avancieren und konnte durch 2 Tore das Spiel drehen. Interessant war aber für mich, daß die Leute, die beim 1. Fehlschuss Prägers in der 2. Halbzeit noch lauthals pöbelten, wie man so beschissen schießen kann, ihn dann später als Helden empfanden. Wie gesagt, ich hätte vielen meiner Nachbarn am liebsten persönlich aus dem Stadion geholfen.

Jedenfalls konnte der HSV bereits in der 52. Minute den Ausgleich durch ein Tor von Präger erzielen. Bezeichnend war allerdings, daß die Cottbuser sofort beim nächsten Angriff widerrum eine 100 %ige Chance hatten, erneut in Führung zu gehen. Hier tat uns aber der Cottbuser Neuzugang Markus Feldhoff zum 2. Mal in diesem Spiel einen Gefallen und versemmelte den Ball direkt vorm Torwart.

So durfte Roy dann zu seinem 2. Tor kommen, das den Cottbusern bereits das Genick brach. Überhaupt wurde jetzt wesentlich besser gespielt auf HSV-Seiten, was natürlich auch damit zusammenhing, daß Cottbus nun nicht mehr mit allen Spielern hinten drin stand.

Und ENDLICH wurden die Angriffe über Außen auch mal bis zur Grundlinie gespielt und dann erst nach innen geflankt. So fiel dann auch das entscheidende 3:1. Nach Flanke von rechts von der Grundlinie köpfte Meijer an die Latte und den Abpraller versenkte Fukal schließlich per Kopf.

Nun gab sich Cottbus auch vollkommen auf und ergab sich in sein Schicksal. So durfte der HSV dann auch endlich mal wieder kombinieren und konnte schöne Angriffe zeigen, bei denen schließlich Mahdavikia das 4:1 und Barbarez das 5:1 markieren können.

Das 5:2 durch Cottbus war reine Ergebnsikosmetik, wobei ich anmerken muß, daß ich wahrscheinlich nicht der Einzige war, der mal schnell zur Uhr schaute. Cottbus biß aber nicht mehr und so mußten wir uns auch nicht mehr sorgen, ob 7 Minuten wohl ausreichen könnten, uns noch 3 Tore einzuschenken.

So beschissen die 1. Halbzeit war, so schön war die 2.. Und da man ja meist eher das Ende in Erinnerung behält als den Anfang, können wir nun auch alle versuchen, eine schöne Winterpause zu verleben und hoffen einfach darauf, daß es in der Rückrunde öfter so läuft wie in der 2. Halbzeit. Dazu muß man aber wahrscheinlich auch immer den richtigen Gegner haben....

Meine Spielerbewertung:
Pieckenhagen: Statistisch gesehen wahrscheinlich sehr schlecht, weil 2 von 3 – 5 Torschüssen im Netz landeten. Aber wenn er nicht das 0:2 so bravourös verhindert hätte, wäre das heute nicht so gut ausgegangen. Für mich fast mehr der Matchwinner als irgendein anderer Spieler: Note 2

Hertzsch: ungewohnt auf der linken Seite der Viererkette. In der 2. Halbzeit in der 3er-Kette besser: Note 3-

Ujfalusi: Ließ sich in der 1. Halbzeit einmal bös ausspielen, was uns dann den Todesstoss versetzt hätte. Ansonsten o.k.: Note 3-

Fukal: In der Defensive selten gefordert, dafür bewies er in der Offensive erneut seinen Torriecher. Hat sich wirklich ins Team gespielt und wird dort vermutlich auch bleiben.: Note 3

Maltritz: sonst ist er ja meist unauffällig. Heute war er aber wirklich grottenschlecht und brachte uns durch ganz beschissenes Abwehrverhalten zumächst auf die Verliererstrasse: Note 6

Wicky: fiel heute nicht so viel auf wie im letzten Heimspiel, aber am Ball weiterhin souverän: Note 4

Albertz: leitete durch seine Pässe sehr viele gute Szenen ein. Wenn er doch nur schneller wäre, könnte er tatsächlich wieder zum Superstar des HSV werden. Jedenfalls spielt er inzwischen zigfach besser als zu Beginn der Saison: Note 2

Barbarez: ihm fehlte m.E. das Selbstvertrauen. Früher lief er auch auf 2 Gegner zu, tanzte die aus und suchte den direkten Abschluß. Das fehlt ihm noch. Gerade deshalb habe ich mich sehr über sein Tor gefreut, das ihm hoffentlich Auftrieb gibt: Note 3-

Präger: rackerte und schoß 2 Tore. Viel mehr kann man von einem Stürmer nicht erwarten: Note 2

Meijer: rackerte und versprühte leider fast gar keine Torgefahr. Ich glaube, daß er selbst absolut nicht zufrieden war mit sich, was sich auch zeigte, als er selbst anzeigte, daß er ausgewechselt werden wollte: Note 5

Mahdavikia: Eine echte Bereicherung. Spielte sehr gut auf dem rechten Flügel. Er kann den Ball eben auch mal halten und setzt sich durch seine Geschwindigkeit sehr gut durch. Einer der Besten heute: Note 2+

Schiri Aust: Ist mir eigentlich fast gar nicht aufgefallen. Hatte auch nicht zu viele knifflige Situationen zu entscheidenden. Allerdings habe ich (und fast unsere gesamte Tribüne) einen Handelfer für uns gesehen, den er nicht gegeben hat: Note 2

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 

TORE 
0:1 Silvio Schröter (26.)
1:1 Roy Präger (52.)
2:1 Roy Präger (60.)
3:1 Milan Fukal (63.)
4:1 Mehdi Mahdavikia (74.)
5:1 Sergej Barbarez (82.)
5:2 Laurentiu-Aurelian Reghecampf (84.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Raphael Wicky (39.), Jörg Albertz (42.),  Sergej Barbarez (56.) 
FC Energie Cottbus: Vilmos Sebök (10.), Christian Beeck (56.)

SCHIEDSRICHTER :  Jürgen Aust 
ZUSCHAUER :  32,445 
DATUM :  18.12.01   20:00 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Ingo Hertzsch, Milan Fukal, Tomas Ujfalusi, Marcel Maltritz, Jörg Albertz, Roy Präger, Sergej Barbarez, Raphael Wicky, Erik Meijer, Mehdi Mahdavikia

FC Energie Cottbus: Tomislav Piplica, Christian Beeck, Radoslav Kaluzny, Jörg Scherbe, Vilmos Sebök, Laurentiu-Aurelian Reghecampf, Markus Feldhoff, Bruno Akrapovic, Otto Vincze, Witold Wawrzyczek, Silvio Schröter

WECHSEL 
Hamburger SV:
Marcel Ketelaer für Marcel Maltritz (46.)
Stig Töfting für Erik Meijer (82.)
Martin Groth für Roy Präger (87.)

FC Energie Cottbus
Brasilia für Bruno Akrapovic (67.)
Antun Labak für Markus Feldhoff (67.)
 

Präger schießt den HSV auf die richtige Bahn 
Mit Traumfußball und fünf Toren verabschiedet sich der Hamburger SV letztlich doch noch versöhnlich in die Winterpause. Dabei sah es noch zur Halbzeit nach einem Trauerspiel der Hanseaten aus. 
Mit dem 0:1 durch Silvio Schröter (26.) war die Mannschaft von Trainer Kurt Jara in der Tat zur Pause noch gut bedient. Entsprechend unzufrieden war der Österreicher und forderte von seinen Spielern "10 bis 20 Prozent mehr Lauf- und Einsatzvermögen" für die zweiten 45 Minuten.
Das das Team seine Worte so gut umsetzt hätte Jara wohl auch nicht geglaubt. Begeistert sah er seine Mannschaft endlich einmal "den Fußball spielen, den sie spielen kann"! "Aber das 1:1 fiel auch genau zum richtigen Zeitpunkt", bremste er ein wenig die Euphorie.

"Wieder heiß auf Fußball"
Eben dieses 1:1 schoss der bis dato auffälligste Hamburger Spieler: Roy Präger. Durch sein Traumtor vom letzten Spieltag gegen Freiburg scheint der gebürtige Berliner wieder so richtig Geschmack am Toreschießen gefunden zu haben. "Ich bin wieder richtig heiß auf Fußball", gab er nach dem Spiel dann auch zu verstehen. Durch das 2:1 (60.) krönte der 30-Jährige schließlich seine Leistung und brach jegliche Cottbuser Gegenwehr.
Danach ging es dann sehr schnell. Auch die anderen Hamburger Offensivspieler zeigten, dass sie wieder da sind. Die schön herausgespielten Tore zum 3:1 (Fukal, 63.), 4:1 (Mahdavikia, 74.) und 5:1 (Barbarez, 82.) ließen die Fans die Wochen der Zweifel an der Qualität des einstig so erfolgreichen HSV-Sturms vergessen. Auch Marcel Ketelaer war an zwei Toren direkt beteiligt und rundete die gute Leistung der gesamten Offensiv-Abteilung ab.

Harte Arbeit in der Winterpause
Bei all der Euphorie vergaßen die Hamburger aber nicht die erste Halbzeit. "Da haben wir katastrophal gespielt", so Präger und Jara meinte: "Die fünf Tore geben uns zwar Mumm, wir müssen in der Winterpause aber trotzdem sehr hart arbeiten."
Hart arbeiten müssen auch die Cottbuser, wollen sie am Saisonende in der Liga verbleiben. Vor allem war es allen Cottbusern ein Rätsel, wie es zu so einer zweiten Halbzeit kommen konnte. "So die Linie zu verlieren ist enttäuschend. Da muss man sich wirklich Gedanken machen", äußerte sich Eduard Geyer entsetzt.

Zum ersten Mal fünf Gegentore
Aufgrund dieser zweiten Halbzeit erlitt der Klub aus der Lausitz zum ersten Mal nach 153 Spielen im Profifußball fünf Gegentore. Auch der Treffer von Reghecampf zum 2:5 in der 84. Minute macht diese Schmach nicht wieder wett. Hinzu kommt das Energie jetzt seit sage und schreibe 14 Spielen sieglos ist und immer tiefer in den Tabellenkeller blickt.
Grund genug für Eduard Geyer sein Konzept einmal gründlich zu überdenken und vielleicht auch über einige Personalien nachzudenken. Miriuta spielte zum ersten Mal unter Geyer nicht von Anfang an und saß das ganze Spiel auf der Bank. Wirklich viel Glück hatte der Trainer mit dieser Entscheidung nicht!
 

Fakten:
HSV feiert wieder zum Jahresabschluss
Wie vor zwei Jahren geht der HSV mit einem Kantersieg in die Winterpause, im Dezember 99 besiegten die Hamburger den MSV Duisburg mit 6:1 im letzten Spiel vor Weihnachten. Im Vorjahr war übrigens auch die Partie gegen Cottbus (2:1) das letzte Heimspiel vor der Winterpause. 

Serie gehalten, Torflaute beendet
Energie nimmt die Negativserie mit in die Winterpause – seit mittlerweile 14 Spielen ist das Team ohne Sieg. Zumindest die Torflaute wurde beendet, Schröter erzielte nach 523 torlosen Minuten wieder einen Treffer für die Lausitzer - und war nach Helbig der zweite deutsche Torschütze für Cottbus in der Bundesliga. 

Fünf Stück für Cottbus
Im 154. Spiel im Profifußball kassiert Energie zum ersten Mal mehr als vier Gegentore. 

Jara gleicht aus
Kurt Jara gleicht mit dem Erfolg seine Bilanz als HSV-Coach aus, nach zehn Spielen stehen je vier Siege und Niederlagen sowie zwei Remis zu Buche. 

Schlaglichter:
Die Wende nach der Pause
Bis zum Halbzeitpfiff hatte Energie die Partie gut im Griff, die aggressiven Gäste zwangen den HSV zu Fehlern und hätten bei konsequenter Chancenauswertung 3:0 führen müssen. Nach der Pause stellte Hamburg um und brachte mit Ketelaer einen zusätzlichen Offensivmann, Präger drehte die Partie mit zwei Toren. Knackpunkt wohl die 53. Minute, als Feldhoff direkt nach dem Ausgleichstor durch Präger völlig frei vor Pieckenhagen die erneute Führung vergab. Sieben Minuten später fiel das 2:1 für den Gastgeber, der sich danach gegen eine sich auflösende FCE-Defensive in einen Rausch spielte. Energie warf alles nach vorn und wurde eiskalt ausgekontert, 17:4 Torschüsse nach dem Seitenwechsel sprechen eine deutliche Sprache. 

Präger überragend
Roy Präger war für den HSV der Sieggarant gegen Cottbus. Innerhalb von acht Minuten drehte er nach der Pause den Rückstand in eine HSV-Führung, es war Prägers vierter Doppelpack in der Bundesliga (zuletzt im September 99). Insgesamt gab Präger acht Torschüsse ab und legte noch zu vier Torschüssen auf, darunter auch die Vorlage zum 5:1 durch Barbarez. 

Mahdavikia wieder ganz groß
Der kleine Iraner machte gegen Energie ein riesiges Spiel: Zum ersten Mal seit dem vierten Spieltag durfte er von Beginn an ran, mit einem Tor und einer Torvorlage hatte er entscheidenden Anteil am Sieg. Das Tor zum 4:1 war Mahdavikias erster Treffer seit Februar, zuvor hatte er den wichtigen Ausgleich vorbereitet. Insgesamt war der Iraner an neun HSV-Torschüssen direkt beteiligt und meldete sich damit eindrucksvoll in der Stammformation zurück. 

Reghecampf überzeugt
Laurentiu-Aurelian Reghecampf agierte als hängende Spitze, mit riesigem Laufaufwand kämpfte er bis zur 90. Minute um jeden Ball. Vor der Pause hatte er die Riesenchance zum 2:0 vergeben, beim aussichtslosen Rückstand von 1:5 belohnte er sich für seine engagierte Leistung mit seinem ersten Saisontor – kein Zufall, dass ausgerechnet er in dieser Situation das Tor erzielte. Insgesamt war der Rumäne an der Hälfte aller Energie-Torschüsse direkt beteiligt (fünf von zehn) und erreichte mit gewonnenen 53% auch eine gute Zweikampfbilanz. 

Feldhoff kämpft, aber trifft nicht
Mit Markus Feldhoff hoffte man bei Energie einen Stürmer gefunden zu haben, der die Torflaute beendet – in Hamburg klappte das wie schon in Köln nicht. Der Blondschopf war sehr eifrig und arbeitete gut nach hinten, trotz seiner Auswechslung bestritt er von allen Cottbussern deutlich die meisten Zweikämpfe. Geholt wurde er aber vor allem zum Toreschießen – und da stand am Ende trotz zweier hochkarätiger Gelegenheiten die Null. Vor der Pause erarbeitete sich Feldhoff durch guten Einsatz eine Möglichkeit, statt bei einem Angriff drei gegen eins abzuspielen versuchte er es jedoch auf eigene Faust. Kurz nach dem 1:1 hatte er dann frei vor Pieckenhagen die Riesenchance zum 2:1 für Energie, scheiterte aber erneut – zu wenig für einen Torjäger. 

Sebök Chef eines Hühnerhaufens
Trotz der abgelaufenen Sperre von da Silva, bekam Vilmos Sebök den Vorzug als Libero, eine Halbzeit lang erledigte er seinen Job auch gut. Nach der Pause jedoch geriet seine Abwehr völlig aus den Fugen, fünf Gegentore in 45 Minuten sprechen eine deutliche Sprache. Sebök war wie so oft im entscheidenden Moment einen Schritt zu langsam und kam nur selten in die Zweikämpfe, ganze zehn Duelle bestritt er in 90 Minuten. Nach dem Rückstand schaltete er sich erfolglos in die Offensive ein (an keinem Torschuss beteiligt) und blieb bei den vielen Kontern meist gleich in der HSV-Hälfte stehen. Der wieder spielberechtigte da Silva sah das alles 90 Minuten von der Bank aus, Vorjahreslibero Vata gehörte erst gar nicht zum Kader... 

Trainer Kurt Jara (Hamburger SV):
"Allen beim HSV ist ein großer Stein vom Herzen gefallen. Wir haben die erste Halbzeit kontrolliert, mit zwei, drei Aktionen Cottbus aber stark gemacht. Durch das Gegentor ist die Mannschaft dann wieder sehr nervös geworden. Durch den Ausgleich ging ein Ruck durch das Team. In der zweiten Halbzeit haben wir mit viel Leidenschaft und Tempo den Fußball gezeigt, den wir im Jahr 2002 bieten müssen." 

Trainer Eduard Geyer (Energie Cottbus):
"Nach diesem 2:5 sind wir natürlich nicht gerade glücklich. Gegen diesen HSV war heute mehr drin, das hat die erste Halbzeit gezeigt. Wir waren in der Lage, das 2:0 nachzulegen. Aber leider ist es das große Übel, dass wir vor dem Tor oft die falschen Entscheidungen treffen. Nach dem Rückstand waren wir sehr disziplinlos. So darf man sich nicht abschlachten lassen." 

Topspieler: Roy Präger (Hamburger SV)
Der Stürmer war der überragende Mann auf dem Platz. Er war ständiger Unruheherd und war ununterbrochen in Bewegung. Seine beiden schönen und wichtigen Tore brachten die Wende im Spiel. Es war der insgesamt vierte Doppelpack für ihn in der Bundesliga. Zudem bereitete er ein Tor vor und gab acht Torschüsse ab. Vier Torschussvorlagen runden seine hervorragenden Werte ab. 

Spielwertung: 4 Bälle (von 4)

Kommentar
Genau zur richtigen Zeit hat der HSV wieder zu alter Stärke zurückgefunden. Auf eine schwache erste Halbzeit folgte eine furiose zweite Hälfte in der die so gescholtenen Offensiv-Spieler ein wahres Feuerwerk abbrannten. Diese Leistung kann nur Mut machen. Sollten sie diesen Schwung über die Winterpause retten, sind durchaus auch wieder höhere Tabellen-Regionen im Bereich des Möglichen. Für Cottbus hingegen sieht es düster aus. Von Woche zu Woche brechen sie einen Negativ-Rekord der Vereinsgeschichte nach dem Anderen. Wie man nach einer ordentlichen ersten Hälfte so den Faden verlieren kann ist unerklärlich. Die einzige Rettung für die Lausitzer ist im Moment die Winterpause. Sollte sich in dieser Zeit nichts ändern wird der Abstieg nicht mehr zu verhindern sein.
Daniel Knop 

Taktik:
Hamburger SV:
Hamburg spielte ein 4:3:3. Pieckenhagen stand im Tor. Die Vierer-Abwehrkette bildeten von rechts nach links Hertzsch, Ujfalusi, Maltritz und Fukal. Im defensiven Mittelfeld agierten Albertz und Wicky. Offensiver ausgerichtet war Barbarez. Die drei Sturmspitzen, die ständig Positionswechsel betrieben, spielten Präger, Meijer und Mahdavikia.

Energie Cottbus:
Piplica stand im Tor. Als Libero agierte Sebök. Davor ließ Trainer Geyer drei Verteidiger spielen: links Wawrzyczek, zentral Beeck und rechts Scherbe. Kaluzny spielte im linken Mittelfeld, Reghecampf im Rechten, Akrapovic zentral vor der Abwehr. Dazu besetzte Vincze die linke Außenbahn, Schröter die Rechte. Einzige echte Sturmspitze war Feldhoff. 


 
kicker meldet: 
Beim HSV musste Trainer Kurt Jara auf den im Heimspiel gegen den SC Freiburg (1:1) mit der fünften Gelben Karte versehenen Hollerbach in der Viererkette verzichten. Für ihn rückte der wiedergenesene Hertzsch nach Außen. Zudem kamen Mahdavikia und Barbarez (nach Gelb-Sperre) für Töfting und Benjamin in die Mannschaft. Energie setzte bis auf eine Änderung im Angriff auf die gleiche Elf, die am Wochenende beim 0:0 beim 1. FC Köln auf dem Spielfeld stand. Für Kobylanski kam Vincze ins Team.

Ein recht ansehnliches Spiel entwickelte sich in der AOL-Arena zu Hamburg, denn die Gäste aus Cottbus spielten, nach schwachen ersten zehn Minuten, sehr gut mit. Die Hamburger agierten mit fünf offensiven Kräften. Meijer spielte zentral in der Spitze, Mahdavikia und Präger sollten rechts und links über außen für Druck sorgen und von Barbarez und Albertz in der Mitte unterstützt werden. Dies gelang gegen die gut gestaffelte Abwehr um Energie-Libero Sebök in der ersten Hälfte jedoch kaum. Zu statisch wirkte der Aufbau aus der Defensive heraus, obwohl vor allem Fukal über rechts immer wieder versuchte mit nach vorne zu gehen. Energie Cottbus dagegen hatte die deutlich besseren Möglichkeiten. Feldhoff hätte bereits durch ein Abspiel die Führung einleiten können, wenn er nicht eigensinnig bei einer Drei-gegen-Eins-Situation selbst abgeschlossen hätte (11. Minute). Die Gäste blieben auch in der Folge gefährlicher und verwirrten die Hamburger Defensivabteilung immer wieder durch Positionswechsel im Angriff. Obwohl der HSV deutlich mehr Ballbesitz hatte, fiel die Führung für die Lausitzer nicht unverdient. Mit einem wunderbaren Flachpass von Wawrzyczek freigespielt, konnte sich Schröter in der 26. Minute auf der linken Seite gegen die Hamburger Abwehr durchsetzen, nach innen in den Strafraum ziehen und mit rechts abschließen. Auch wenn das Spiel für einen objektiven Betrachter gut anzusehen war, waren die Fans der Hanseaten natürlich wenig begeistert und schickten ihr Team mit einem Pfeifkonzert in die Kabine.

Nach der Pause veränderte sich das Bild gänzlich: Zwar hatte der HSV auch jetzt mehr Spielanteile, nun allerdings kam man auch gefährlich vor das Tor. Immer wieder wurden die Cottbuser nach Belieben ausgespielt, überlaufen, und die sich bietenden Chancen zudem zu fünf Treffern genutzt. Bereits in der 52. Minute konnten die Hamburger ausgleichen, nachdem Präger wunderbar von Mahdavikia bedient worden war und mustergültig abschloss. Erneut Präger war es knapp zehn Minuten später, der den HSV auf die Siegerstraße brachte. Diesmal wurde er vom eingewechselten Ketelaer über links bedient und hatte erneut keine Mühe zu vollenden (61. Minute). Weitere zwei Minuten später fiel die Vorentscheidung. Nach einem Meijer-Kopfball an die Latte konnte Fukal ungehindert per Kopf abstauben. Die Abwehr der Gäste, die noch in den ersten 45 Minuten so gut stand, fand plötzlich kein Mittel mehr gegen die wie verwandelten Hanseaten, belegt durch die weiteren Treffer von Mahdavikia und Barbarez. Energie konnte sich erst nach dem 1:5 wieder befreien und am Ende noch durch Reghecampf den Ehrentreffer erzielen (84. Minute). 

Am Ende gab es sogar stehende Ovationen für die Gastgeber, die ihre Fans dank des Sturmlaufs der zweiten Hälfte für die schwache erste Halbzeit versöhnen konnte. Energie gelang es nicht, die gute Defensivleistung über die vollen 90 Minuten zu bringen, brachte sich so selbst um die Saat der ersten Hälfte und verlor folglich verdient. 

Das Spiel im Ticker:
Schlusspfiff
83. Minute: Hertzsch verliert den Ball leichtfertig auf der linken Abwehrseite und Reghecampf kann die daraus resultierende Hereingabe zur Ergebniskosmetik vollenden.
82. Minute: Die Demontage setzt sich fort. Barbarez wird mit einem Querpass durch den Strafraum von Präger bedient und trifft mühelos zum 5:1.
75. Minute: Es wird bitter für die Gäste: Piplica kann einen Barbarez-Schuss noch halten, der Ball fällt aber genau vor die Füße von Mahdavikia, der völlig freistehend mit rechts im Fallen einnetzt.
69. Minute: Weiterhin Einbahnstraßenfußball in der zweiten Hälfte: Meijer prüft Piplica mit einem Linksschuss.
63. Minute: Der Sturmlauf des HSV geht weiter!! Fukal kann nach einer Ecke per Kopf abstauben, nachdem der Ball von der Latte zurück ins Feld prallte.
61. Minute: 2:1-Führung für die Hamburger!! Wieder ist es Präger, diesmal über links von Ketelaer freigespielt, der mit in der Mitte freistehend per Linksschuss vollenden kann.
53. Minute: Dicke Möglichkeit für Feldhoff sofort wieder in Führung zu gehen, doch er vergibt.
52. Minute: Ausgleich für den HSV! Mahdavikia setzt sich toll auf rechts durch und spielt schön in den Lauf von Präger. Der zieht aus ca. 6 Metern mit rechts ab und lässt Piplica keine Abwehrchance.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
45. Minute: Direkt vor dem Halbzeitpfiff hat der HSV durch Barbarez noch eine gute Möglichkeit, der aber aus halbrechter Position an Piplica scheitert.
41. Minute: Mal eine schöne Kombination des HSV. Präger kommt aber nach Zuspiel von Barbarez nicht mehr an den Ball. Im direkten Gegenzug kann Reghecampf beinahe für Cottbus erhöhen, Pieckenhagen aber noch klären.
34. Minute: Der HSV wirkt geschockt. Nach der Führung für die Gäste gelingt kaum etwas nach vorne. Symptomatisch: Ein Mahdavikia-Freistoss bleibt in der Mauer hängen.
26. Minute: Wawrzyczek schickt mit einem schönen Pass Schröter über links steil. Der kann die Hamburger Abwehr überlaufen, von links in den Strafraum eindringen und mit rechts am verdutzten Pieckenhagen vorbei abschließen.
24. Minute: Die Hamburger sind weiterhin feldüberlegen, aber kommen noch nicht zu klaren Einschussgelegenheiten. Cottbus kann sich nun aber ab und an befreien, sodass sich ein munteres Spiel entwickelt hat.
11. Minute: Riesenmöglichkeit für Energie: Nach glücklichem Ballgewinn an der Mittellinie kann Feldhoff mit zwei Teamkollegen gegen nur einen Hamburger Abwehrspieler alleine Richtung Pieckenhagen laufen, doch Feldhoff vergibt eigensinnig.
8. Minute: Der HSV von Anfang an mit viel Druck auf das Tor von Piplica. Albertz hat die erste "echte" Chance mit einem strammen Rechtsschuss, den der Gästetorwart aber sicher halten kann.
Anpfiff


 
dpa meldet:
Aufräumen beim HSV - Ratlosigkeit in Cottbus 
  
Hamburg (dpa) - Noch vor Weihnachten soll beim Hamburger SV aufgeräumt werden. Trainer Kurt Jara kündigte nach dem 5:2 gegen Energie Cottbus im letzten Bundesliga-Spiel des Jahres ein Großreinemachen an: «Vor den Festtagen werden wir die Weichen für die Zukunft stellen.» 

Sicher ist, dass fast ein halbes Dutzend Spieler spätestens zum Saisonende den Verein verlassen muss. «Aber an Spekulationen werde ich mich nicht beteiligen», kündigte der Pagelsdorf-Nachfolger an. Selbst der zuletzt überragende Stürmer Roy Präger tappt in Sachen Vertragsverlängerung noch im Dunklen: «Nach dem Urlaub schauen wir mal.»

Während Präger, der mit seinen beiden Toren nach dem 0:1- Pausenrückstand die Wende einläutete, nach seiner neuerlichen Gala-Vorstellung bleiben darf, sieht es für die Routiniers Martin Groth und Andrej Panadic sowie Mahmut Yilmaz eher schlecht aus. Der frühere Mannschaftskapitän Groth und Abwehrrecke Panadic müssen sich genau wie U-21-Nationalspieler Yilmaz wohl einen neuen Verein suchen. Auch die Verträge von Torhüter Thomas Hillenbrand sowie den Stürmern Marinus Bester und Roda Antar laufen zum Saisonende aus - Verlängerung unwahrscheinlich. Der Tscheche Marek Heinz ist bereits auf der Suche nach einem neuen Club. Der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Anthony Yeboah wurde ausgemustert und in die Wüste nach Dubai geschickt.

Jara, der schon den Schweizer Raphael Wicky und den Däne Kim Christensen verpflichtet hat, will eine Mannschaft nach seinen Vorstellungen aufbauen. Nach dem vierten Sieg bei vier Niedelagen und zwei Unentschieden unter seiner Regie hofft der Österreicher weiter auf die Verpflichtung seines Wunschstürmer Bernardo Romeo aus Argentinien. Dabei stürmte der HSV vor 32 423 Zuschauern in der AOL-Arena eine Halbzeit lang begeisternd.

Präger erlöste mit seinem Doppelschlag (52./60.) nach «einer grottenschlechten ersten Halbzeit» die Hausherren. Milan Fukal (63.), Mehdi Mahdavikia (74.) und der letztjährige Bundesliga-Torschützenkönig Sergej Barbarez (81.) sorgten danach für eine schöne Bescherung. «Das war ein sehr wichtiger Erfolg, denn nun kann man mit einem ganz anderen Gefühl in die Winterpause gehen», sagte Jara und war glücklich.

Der Cottbuser Trainer Eduard Geyer war dagegen traurig. Obwohl Silvio Schröter (26.) mit seinem ersten Bundesliga-Tor die Torflaute der Lausitzer nach 523 Minuten beendete und Lauretin-Aurelian Reghecampf (83.) kurz vor Schluss traf, stand am Ende zum 14. Mal in Serie kein Sieg in der Cottbuser Bilanz. «Mit solch einem schwachen Zweikampfverhalten können wir im Abstiegskampf nicht bestehen», schimpfte Geyer. «In der Winterpause müssen wir viele Dinge angehen.»