Bundesliga 2001/2002, 20. Spieltag, Samstag, 02.02.02 um 15:30 Uhr in der Hamburger AOL Arena bei frühlingshaften, sonnigen 15 Grad C.

Hamburger SV - TSV 1860 München 2:1 (0:0)

Vor dem Spiel war ich nun wirklich nicht gerade voller Zuversicht, daß ich heute einen Heimsieg, geschweige denn ein schönes Spiel sehen könnte.

Ebenfalls auf der Hinfahrt diskutierte ich bereits mit meinen Freunden, daß es doch unsinnig sei, Cardoso erst in der 2. Halbzeit zu bringen, wenn es vielleicht schon zu spät sei.
Als ich dann meinen Platz im Stadion einnahm, war ich sehr freudig überrascht, daß sich Cardoso richtig warm machte und in der Startformation stand.

Wir bekamen dann ein Spiel zu sehen, das ich insgesamt als durchschnittlich bezeichnen würde. Ich denke auch, daß es mit dem HSV den richtigen Sieger gefunden hat, denn wir hatten schon deutlich mehr Torchancen als der Gegner. Wenn wir dieses Spiel nicht gewonnen hätten, hätten wir uns wirklich reichlichst zu ärgern gehabt. Man darf aber natürlich auch nicht unterschlagen, daß 1860 durch Max hätte in Führung gehen können. Und bei Rückständen bricht bei uns ja schnell alles auseinander....

Jedenfalls lief das Spiel durch den Einsatz Cardosos völlig anders als sonst. Es gab wieder einen Mittelpunkt im Spiel des HSV – eben Cardoso. Nun war natürlich auch nicht alles perfekt, was er machte, aber die ordnende Hand tat dem HSV sehr gut.

Besser als ein HSV-Freund (Danke, Saege!!!) es im HSV-Forum schrieb, vermag ich es auch nicht zu sagen: Endlich haben Ecken und Freistöße beim HSV wieder einen Sinn.

Im Gegensatz zur bisherigen Saison, als unsere Ecken und Freistösse leider (unverständlicherweise!!!) völlig ungefährlich waren, hatten wir heute mehrere Chancen nach diesen Standards, die von Cardoso ausgeführt wurden. So hatte Romeo in der 1. Halbzeit zwei nahezu perfekte Einschußchancen. In der 1. Halbzeit konnte das alles aber noch nicht genutzt werden.

In der 2. Halbzeit sollte es dann aber besser werden. Kurz nach der Halbzeit wurde Romeo elfmeterreif gefoult. Barbarez trat zum fälligen Strafstoß an und ich schaute lieber in die andere Richtung. So blieb mir der Anblick erspart, daß Barbarez nach seinem Elfmeter in der letzten Saison gegen Köln wieder zu genau zielte und erneut das Lattenkreuz traf.

Dann nahm die Chancenhäufigkeit aber doch wieder etwas zu und letztendlich konnten Präger (nach dämlicher 60er-Verteidiger-Arbeit und uneigennützigem Paß von Barbarez) und erstmals Romeo (auch wieder sträflich allein gelassen von der 60-Verteidigung) den HSV zum 2:0 in Führung bringen.

Das wir danach unsere Konter nur unzulänglich nutzten (am schlimmsten Romeo und Präger in EINER Szene mit doppelt 100 %iger Einschußchance) wiegte für mich nicht so schwer wie das HSV-typische totale Zurückdrängen lassen mit dem anschließenden charakteristischen Gegentor kurz vor Schluß.

Ich muß ganz ehrlich eingestehen, daß mir das Gegentor die Freude an diesem Sieg reichlich vermiest hat. Wie man so bescheuert sein kann, sich immer wieder freiwillig so hinten rein zu stellen (selbst wenn der Gegner keinen „unmenschlichen“ Druck ausübt) , wird mir wohl ein ewiges Rätsel bleiben. Wahrscheinlich machen unsere Jungs das, weil es sich ja immer wieder so hervorragend bewährt (Achtung, Ironie!!!).

Außerdem habe ich mich bereits mit meinen Freunden über Romeo „gestritten“. Im Gegensatz zu den meisten anderen, war ich nämlich nicht so übermäßig überzeugt von Romeo. Er wurde als absoluter Torjäger gekauft. Ganz grundsätzlich hätte ich mich schon mal gefreut, wenn wir einen Stürmer gekauft hätten, der etwas spielstarker wäre. Damit kann ich aber gut leben, wenn er die gestellte Aufgabe des Vollstreckers gut erfüllt. Aber als Vollstrecker gefiel er mir zumindest heute nicht. Natürlich ist es schön, daß er überhaupt vier hochprozentige (um nicht zu sagen 100 %ige Chancen) hatte, aber von einem „Vollstrecker“ hätte ich schon vorher ein Tor erwartet. Letztendlich genutzt hat er erst die vierte seiner Chancen. Die Dinger vorher hat er nicht im Tor untergebracht. Ich will den Mann nicht schlecht reden und ich bete ja auch, daß er gut bei uns einschlägt. Wenn ich mir aber vorstelle, daß Erik Meijer oder Roy Präger diese Chancen gehabt und vergeben hätte, hätte ich das Geschrei von den unfähigen HSV-Stürmern nicht hören mögen....

So bleibt mir von diesem Spiel, daß es schön ist, daß wir uns wieder etwas „Bodenfreiheit“ verschafft haben und daß wir scheinbar nur mit Cardoso stehen und fallen. Ich kann nur hoffen, daß wir nicht schon wieder nach kurzer Zeit hören, daß Cardoso nun wieder Schmerzen hat und nicht spielen kann.
Wir haben doch eigentlich auch schon genug gelitten, oder lieber Fußballgott ?!?!?! ;-)

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: Beim Gegentor sah vielleicht auch er etwas unglücklich aus. Ansonsten war er total sicher und leistete sich keinen Aussetzer. So stelle ich mir den Rückhalt einer Mannschaft vor: Note 2

Hertzsch: Ich verteidige ihn ja gern und oft. Aber heute fehlen mir da nun wirklich die Argumente. Daß er nach vorne oft nicht so die genialen Pässe produziert, mag ich ihm ja noch verzeihen, aber heute sah er Mann-gegen-Mann auch äußerst schlecht aus. Letztendlich ging er (natürlich) auch beim Gegentor nicht sehr beherzt zur Sache. Mit Güte kann ich da noch geben: Note 5-

Hoogma: eher unauffällig. Zumindest in der Abwehrleistung. Seine Pässe waren heute allerdings auch eher grausig: Note 3-

Hollerbach: erinnerte mich heute leider an die lange Zeit, in der ich mich jedes Spiel fragte, warum er auf dem Feld steht: Note 4-

Fukal: auch nicht gerad eine Bank im Abwehrbereich. Läßt seinen Gegenspieler (wie auch die anderen Verteidiger) viel zu oft zu viel Freiraum: Note 4

Ujfalusi: Heute vor der Abwehr. Am Ball ist er zwar sehr sicher, aber für das Aufbauspiel leistete er für diese Position im defensiven Mittelfeld zu wenig. Fühlt sich wohl doch in der Abwehr wohler: Note 4

Wicky: Das war heute sein bisher schwächstes Spiel im HSV-Dress. Verlor sehr oft den Ball und brachte auch nach vorne gar nichts: Note 5

Cardoso: Ach, wäre das schön, wenn er topfit wäre auf Dauer und immer spielen könnte. Es war noch nicht alles toll, aber es lief schon viel besser mit ihm. Er war an vielen gefährlichen Szenen beteiligt: Note 2-

Präger: Er kämpft ja immer sehr viel. Heute hatte er dabei aber auch sehr viele Ballkontakte und Torchancen. Allerdings hat er sich einige Male wieder viel zu eigensinnig gezeigt: Note 3+

Barbarez: war für mich noch einen Tick besser als Cardoso. Er war an den meisten gefährlichen Szenen beteiligt und hat beide Tore vorgelegt. Den Elfer hätte er allerdings nicht wieder auf den Millimeter zielen müssen: Note 2

Romeo: tja, dazu habe ich oben ja schon etwas geschrieben. Letztendlich hat er ja ein Tor gemacht und das ist o.k.: Note 3

Schiri Albrecht: Ich habe mich zwar in einigen Szenen geärgert, aber das ist ja meist so. Eigentlich gaben die Spieler dem Schiri auch kaum Chancen, irgendwo Fehlentscheidungen fällen zu können: Note 3

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 

TORE 
1:0 Roy Präger (60.)
2:0 Bernardo Romeo (81.)
2:1 Markus Weissenberger (89.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Roy Präger (84.) 
TSV 1860 München: Didier Dheedene (28.)

SCHIEDSRICHTER :  Jürgen Jansen 
ZUSCHAUER :  34,026 
DATUM :  02.02.02   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Nico Jan Hoogma, Milan Fukal, Tomas Ujfalusi, Ingo Hertzsch, Sergej Barbarez, Roy Präger, Bernd Hollerbach, Rodolfo E. Cardoso, Raphael Wicky, Bernardo Romeo

TSV 1860 München: Simon Jentzsch, Uwe Ehlers, Roman Tyce, Vidar Riseth, Tomas Votava, Thomas Häßler, Davor Suker, Harald Cerny, Daniel Borimirov, Didier Dheedene,
Martin Max

WECHSEL 
Hamburger SV
Roda Antar für Rodolfo E. Cardoso (70.)
Stig Töfting für Raphael Wicky (76.)
Martin Groth für Roy Präger (86.)

TSV 1860 München
Torben Hoffmann für Vidar Riseth (57.)
Markus Weissenberger für Tomas Votava (76.)
Marcus Pürk für Daniel Borimirov (76.) 
 

Romeo trifft jetzt auch offiziell - und lässt den HSV jubeln 

Eigentlich war es schon nach 150 Sekunden im Bundesligaspiel gegen Stuttgart geschehen. Doch Romeo musste länger warten, ehe er sein erstes offizielles Tor bejubeln durfte. Der Neuzugang des HSV steuerte einen Treffer zum 2:1 (0:0) gegen den TSV 1860 München bei, nachdem seinem Treffer in Stuttgart noch die Anerkennung verwehrt geblieben war. Wie schon in der Vorwoche bewies der Argentinier, dass er durchaus eine Bereicherung für den HSV und die gesamte Liga werden kann.
Sehr vielversprechend, wie das Zusammenspiel mit seinen Offensivpartnern Roy Präger und Sergej Barbarez funktionierte. Allein dieses Trio gab während der 90 Minuten 18 Torschüsse auf das Tor von Simon Jentzsch ab (Präger acht, Barbarez und Romeo jeweils fünf).

Präger bricht den Bann
Imponierend: Barbarez als zweifacher Vorbereiter, Romeo und Präger als Vollstrecker. Letzterer hatte bereits in den vergangenen zwei Heimspielen insgesamt drei Mal getroffen, gegen 1860 brachte Prägers Führungstreffer (60.) den HSV auf die Siegerstraße. 
Romeo wuselte und rackerte, schaffte Räume für seine Mitspieler und bestätigte die guten Ansätze aus der Vorwoche. Sein 2:0 neun Minuten vor Schluss war entscheidend.

Jara zufrieden
Barbarez schließlich bewies, dass er nicht nur als Torjäger wertvoll für seine Mannschaft sein kann. Der Bosnier wurde endlich einmal wieder seiner Führungsrolle gerecht und ließ sich auch durch seinen vergebenen Elfmeter (48.) nicht demoralisieren.
HSV-Trainer Kurt Jara sprach hinterher von einem "hochverdienten Sieg" seiner Mannschaft. An die Adresse seines neuen Torjägers richtete Jara nur nüchterne Worte. "Romeo hat heute das Tor gemacht, das wir von ihm als Torjäger erwartet haben." 

Spielmacherqualitäten bei Cardoso
Komplimente gab’s nicht, auch nicht für Rodolfo Esteban Cardoso. Dabei hätte sich dieser zumindest ein paar lobende Worte verdient. 
Bei seinem ersten Einsatz von Beginn an seit elf Monaten zeigte Cardoso genau jene Tugenden, die dem HSV in den vergangenen Monaten so abgingen: Spielmacherqualitäten. 

Bald ein Erfolgs-Quartett?
Zumindest in der ersten Halbzeit riss der Argentinier das Spiel an sich, war bei allen Standardsituationen präsent und bewies auch das eine oder andere Mal das nötige "Auge", um seine Kollegen in Szene zu setzen.
Bis zu seiner Auswechslung in der 70. Minute ließen zwar Cardosos Kräfte immer mehr nach, dennoch macht sein Comeback Hoffnung, dass aus dem vielversprechenden Offensiv-Trio ein Quartett werden könnte.

Max an den Pfosten
Die Münchner "Löwen" hätten gerne ihr siebtes Spiel in Folge ungeschlagen überstanden, doch dazu agierten die "60er" vor allem in der zweiten Halbzeit zu mutlos.
In der ersten Halbzeit noch hatten die Gäste die besseren Chancen, beispielweise ein Pfostenschuss durch Martin Max. Dem ehemaligen Schalker gelang zudem ein Treffer aus passiver Abseitsstellung.

Zweite Niederlage für Pacult
"Aus unerklärlichen Gründen haben wir nach dem Abseitstor aufgehört zu spielen. Mir ist unerklärlich, wie wir diese Gegentore bekommen konnten", kommentierte Trainer Peter Pacult die zweite Niederlage unter seiner Ägide.
 

Fakten:
Miniserie
Nach ihrem Heimerfolg direkt vor der Winterpause gegen Cottbus feierte der HSV auch gegen die Löwen einen Heimsieg. Damit gewannen die Hamburger erstmals seit fast einem Jahr wieder zwei Heimpartien in Folge. 

Torfabrik AOL-Arena
Wo stünde der HSV bloß ohne seine Heimspiele. Fünf der sechs Saisonsiege feierte der HSV in der AOL-Arena. Daheim erzielten die Hamburger auch 23 ihrer 27 Tore – nur Leverkusen und Kaiserslautern trafen in den Heimspielen öfter. 

Serie gerissen
Nach vier Auswärtssiegen in Folge (Vereinsrekord) verloren die Löwen wieder in der Fremde. Gegen den HSV tat sich 1860 schon in letzter Zeit oft sehr schwer. Nur eines der letzten neun Partien konnten die Löwen gegen das Urgestein der Liga gewinnen. 

Topvorbereiter Häßler
Thomas Häßler bekam über weite Strecken die Partie nicht in den Griff. Der Spielmacher wurde von Hamburgs Ujfalusi weitgehend abgemeldet. Der Tscheche hinderte den 35-Jährigen aber nicht kurz Schluss Torschütze Weissenberger mit einem schönen Steilpass einzusetzen. Für Häßler war es schon die zehnte Torvorlage, damit ist er gemeinsam mit Dortmunds Rosicky der Topvorbereiter der Liga. 

Schlaglichter:
Verdienter HSV-Erfolg
In einer in der ersten Halbzeit noch ausgeglichenen Partie verließen die Hanseaten aufgrund der engagierteren Leistung nach dem Seitenwechsel verdient den Platz als Sieger. Zweikampfstärker (51 Prozent gewonnen) und abschlussfreudiger (20 Torschüsse) präsentierte sich der HSV, der neben dem verschossenen Elfmeter in der zweiten Spielhälfte noch weitere gute Möglichkeiten besaß. 

Präger on fire
Wie schon in den letzten beiden Heimspielen war Roy Präger auch gegen die Löwen wieder erfolgreich. Mit vier Treffer in den letzten vier Begegnungen scheint er wieder auf dem Weg zur alten Form. Gegen die Löwen war der 30-Jährige deutlich der abschlussfreudigste Akteur (acht Torschüsse) und war immer in Bewegung. 54 Prozent gewonnne Zweikämpfe beweisen zudem seine Durchsetzungsfähigkeit. 

Gutes Cardoso-Comeback
Erstmals in dieser Saison stand Hoffnungsträger Rodolfo Esteban Cardoso in der Startelf. Zuletzt begann der Argentinier am 25. Spieltag der Vorsaison (11. März 2001 beim 2:2 daheim gegen Stuttgart). Gegen die Löwen war der Argentinier gleich wieder das Herz des HSV-Spiels. Trotz Auswechslung hatte er die meisten Ballkontakte auf dem Platz und leitete viele gefährliche Szenen der Hanseaten ein (vier Torschussvorlagen). 

Heimdebüt gelungen
Am letzten Wochenende in Stuttgart wurde Bernardo Romeo noch ein reguläres Tor aberkannt. Vor heimischer Kulisse erzielte er hingegen seinen ersten Treffer im HSV-Dress. Der Mittelstürmer holte zudem den verschossenen Elfmeter heraus und war insgesamt an der Hälfte der Hamburger Torschüsse beteiligt (zehn von 20). Da schmerzt es auch wenig das er nur einen seiner 19 Zweikämpfe gewann. 

Max abgemeldet
Der zuletzt so treffsichere Martin Max (fünf Tore in fünf Spielen) scheiterte in der 17. Minute nur am Pfosten des HSV. Dies blieb allerdings auch der einzige Torschuss des Torschützenkönigs von 1999, der ansonsten vom HSV abgemeldet wurde. Gegen Hoogma gewann Max kein einziges der fünf direkten Duelle. 

Fehlschuss bereinigt
Seinen verschossenen Elfmeter in der 48. Minute werden die Hamburger Fans dem Bosnier sicherlich verzeihen. Mustergültig bereitete Barbarez die beiden Treffer vor und führte die Hanseaten damit doch noch auf die Siegerstrasse. Kein Spieler führte zudem so viele Zweikämpfe wie der leichtfüßig wirkende Bosnier, der sich dabei in guten 49 Prozent der Duelle durchsetze. 

Trainer Kurt Jara (Hamburger SV):
"Ein hochverdienter Sieg für den HSV. Der Erfolg geht wegen der größeren Chancen völlig in Ordnung. Romeo hat das Tor gemacht, das wir von ihm als Torjäger erwartet haben. Jeder hat heute in der Mannschaft seine Aufgabe hundertprozentig erfüllt." 

Trainer Peter Pacult (1860 München):
"Das war eine unnötige Niederlage. Aus unerklärlichen Gründen haben wir nach dem Abseitstor aufgehört zu spielen. Mir ist unerklärlich, wie wir diese Gegentore bekommen konnten." 

Topspieler: Sergej Barbarez (Hamburger SV):
Lange Zeit war das Spiel für Sergej Barbarez so gelaufen, wie in so vielen Partien in dieser Saison: Trotz Engagement und Einsatzwillen gelang dem Bosnier nur wenig. Negativer Höhepunkt: Sein verschossener Elfmeter zu Beginn der zweiten Halbzeit. Doch Barbarez riss sich zusammen, fand ins Spiel zurück und legte beide Treffer für Präger und für Romeo auf. Zudem gewann Barbarez 49 Prozent seiner Zweikämpfe, ein ordentlicher Wert. Der Torschützenkönig aus der Saison 2000/2001 zeigte einmal mehr, dass er sehr wertvoll für den HSV ist, auch wenn er nicht ins gegnerische Tor traf. 

Spielwertung: 2 Bälle (von 4)

Kommentar:
Hoffnung - das ist das Schlagwort schlechthin beim Hamburger SV. Die Leistung beim 2:1 gegen 1860 München macht Hoffnung, das erste Tor des neuverpflichteten Stürmers Romeo macht Hoffnung, das Comeback von Spielmacher Rodolfo Cardoso macht Hoffnung und schließlich ist es die Hoffnung, die zuletzt stirbt. So erlebt bei Barbarez' verschossenem Foulelfmeter. Die Mannschaft gab sich nicht auf und kämpfte sich zum Sieg. Die "Löwen" dagegen müssen hoffen, dass ihnen die Pleiten im Pokal bei Bayer Leverkusen und anschließend beim HSV nicht sämtliche Hoffnungen auf einen internationalen Wettbewerb rauben.
Gregory Straub 
 

Taktik:
Hamburger SV:
Im Tor Pieckenhagen, davor vertraute Trainer Kurt Jara einer Viererkette mit Fukal (rechts), Hertzsch, Hoogma und Hollerbach. Wicky, Ujfalusi spielten im defensiven Mittelfeld, offensiv agierten Cardoso und Barbarez. Präger und Romeo bildeten die Sturmspitze.

TSV 1860 München:
Das Tor der "Löwen" hütete Jentzsch. Ehlers, Votava und Riseth bildeten das Abwehr-Trio, das Mittelfeld bildeten Cerny, Borimirov, Dheedene, Tyce und vorgeschoben Häßler. Den "Seniorsturm" bildeten Max und Suker. 


 
kicker meldet: 

Chancenverhältnis: 9:7 
Eckenverhältnis: 6:6 
Schiedsrichter: Jansen (Essen), Note 3,5 - unsicher bei der Zweikampfbeurteilung, hätte Präger nie Gelb zeigen dürfen, keine spielentscheidenden Fehler 
Zuschauer: 34026 
Gelbe Karten: Präger - Dheedene 
Bes. Vorkommnisse: Barbarez schießt Foulelfmeter an die Latte (48.)
 
Spielnote: 3 
Spieler des Spiels: Romeo - Überragender Offensivspieler mit gutem Spielverständnis, immer torgefährlich, wie auch beim an ihm verursachten Elfmeter. 
 
Analyse 
  
Personal: Hamburg mit zwei Änderungen: Für die verletzten Meijer (Leistenbruch) und Mahdavikia (Muskelprobleme) feierten Hoogma und überraschend auch Cardoso ihr Comeback. Die Löwen nahmen sogar vier Umstellungen vor: Pürk, Wiesinger, Stranzl und Tapalovic draußen, dafür Dheedene, Ehlers, Suker und Riseth im Team.

Taktik: HSV-Coach Jara entwarf eine neue Strategie. Anstatt mit der Viererkette operierte er diesmal mit einer Dreierreihe, wobei Fukal und Hertzsch auf ihrer Seite gegen den Mann spielten, Hoogma als freier Mann fungierte. Hollerbach rückte vor ins linke Mittelfeld. Ujfalusi erhielt eine Sonderaufgabe gegen Häßler. Im Offensivquartett waren die Rollen so verteilt: Cardoso als Spielmacher, Präger als hängender Rechtsaußen, dazu die Doppelspitze Romeo und Barbarez. Auch die Löwen agierten verändert. Hinten eine fast klassische Viererkette, wobei Votava oft den freien Mann gab. Riseth bewachte Cardoso. Auf den Flanken interpretierte Borimirov (rechts) seine Rolle offensiver als Tyce (links). Häßler wie gehabt als zentraler Offensivmann hinter der Doppelspitze.

Spielverlauf: Guter Beginn der Gäste, Großchancen durch Max (Pfosten) und Suker, die signalisierten, dass die neu formierte Deckung der Gastgeber nicht lückenlos stand. Doch 1860 setzte nicht nach. Mit einem eifrigen Cardoso, später geschwächt ausgewechselt, kamen der HSV auf. Imponierend die gute Angriffsreihe, die die Löwen zu Fehlern zwang: Hoffmann vor dem 0:1, Dheedene beim 0:2. Am Ende Zittern, als Pieckenhagens Zuspätkommen Weissenberger das Tor gestattete. Pürk verstolperte noch die Ausgleichschance. 

Fazit: Verdienter Erfolg des spielerisch erstarkten, in der Defensive jedoch oft unsicheren HSV gegen eine kompakte und nicht chancenlose Münchner Elf, der höher hätte ausfallen können, um den indes zuletzt auch noch gezittert werden musste. 
 

Spielbericht 
HSV-Coach Kurt Jara musste auf Stürmer Meijer verzichten, der in dieser Woche in München an der Leiste operiert worden war. Mahdavikia bekam nach enttäuschender Leistung in Stuttgart (0:3) eine Denkpause. Dagegen feierte Spielmacher Cardoso nach langer Abstinenz sein Comeback, und auch der wiedergenesene Abwehrchef Hoogma konnte wieder eingreifen. Im Sturm begannen Präger, Romeo und etwas dahinter Barbarez.

Peter Pacult veränderte sein Team im Vergleich zum Pokalspiel in Leverkusen (0:3) auf vier Positionen. Im Angriff spielte neben Max wieder Suker an Stelle von Pürk, in der Abwehrreihe kamen Ehlers und Riseth für Stranzl und Tapalovic zum Zug. Dheedene rückte für den verletzten Wiesinger in die Startelf.

Rückkehrer Cardoso nahm das Ruder gleich zu Beginn in die Hand. Nach seiner Freistoßflanke in der 2. Minute verfehlte Neuzugang Romeo per Kopf nur um Zentimeter das Ziel. Die Zuschauer in der AOL-Arena spürten, dass die Jara-Elf Wiedergutmachung betreiben wollte nach dem Fehlstart beim VfB. Schnell versuchten die Hanseaten, das Mittelfeld zu überbrücken und die drei Spitzen in Szene zu setzen. Die zuletzt in der Liga auswärts vier Mal siegreichen „Löwen“ hielten aggressiv dagegen und konnten die Partie nach gut zehn Minuten dann ausgeglichener gestalten. In Minute 17 stockte den HSV-Fans zum ersten Mal der Atem. Borimirov hatte Max in Szene gesetzt, der sich geschickt von Hertzsch löste und aus zwölf Metern den rechten Pfosten traf. Drei Minuten später folgte ein brandgefährlicher Kopfstoß Sukers. Pieckenhagen holte das Leder gerade noch aus dem rechten unteren Eck. Auf der Gegenseite konnte sich Simon Jentzsch in einem in dieser Phase ansehnlichen Spiel bei einem Barbarez-Kopfstoß ebenso auszeichnen (23.). Nach einer halben Stunde verflachte die Begegnung zusehends, erst Sekunden vor der Pause bot der HSV seinem Anhang nochmals einen sehenswerten Konter. Über die linke Seite überbrückte der Ligazwölfte zügig das Spielfeld, Präger kam im Strafraum an den Ball, scheiterte mit seinem Flachschuss am aufmerksamen Jentzsch (45.).

Wie schon im ersten Abschnitt startete die Jara-Elf auch nach Wiederanpfiff besser. Bereits in der 48. Minute konnte Votava den durchgebrochenen Romeo nur per Foul stoppen - Elfmeter. Sergej Barbarez trat an und vergab kläglich. Vom Lattenkreuz prallte der Ball ins Toraus. Weiter der HSV: Präger steuerte bei einem Konter auf halbrechts in Richtung Jentzsch. An Stelle eines Abspiels versuchte es der Ex-Wolfsburger mit einem Lupfer, der dem langen Löwen-Schlussmann nur ein müdes Lächeln abringen konnte (53.). Von den Münchnern war zu Beginn der zweiten Hälfte nicht viel zu sehen. Parallel zum ersten Durchgang wussten sich die „Löwen“ jedoch wieder zu steigern. Dheedene hatte bei seinem Direktschuss aus 18 Metern Pech (59.). Im Gegenzug ging der HSV in Führung. Romeos Flanke lenkte Cerny an den eigenen Pfosten, Barbarez schaltete am schnellsten und legte ab auf Präger. Diesmal machte der Torschütze des letzten „Tor des Monats“ alles richtig und staubte zum 1:0 ab. Hamburg verdiente sich danach die Führung, spielte weiter nach vorne. Nach 66 Minuten vergaben sowohl Romeo als auch Präger aus aussichtsreicher Position und verpassten die Vorentscheidung. Die Münchner kamen noch einmal zurück ins Spiel. Pacult brachte mit Weißenberger und Pürk zwei frische Offensivkräfte (76.). Pürk hatte aus spitzem Winkel auch gleich eine gute Einschussmöglichkeit, Pieckenhagen verhinderte den Ausgleich. Kurz darauf wurden die HSV-Fans erlöst. Barbarez flankte von links nach innen, Dheedene verpasste und Romeo schoss mit links ins linke Eck – 2:0 (81.). Als Hoogma wenig später bei einem Suker-Schuss auf der Torlinie retten konnte (84.), schien das Spiel dann gelaufen. Weißenbergers Anschlusstreffer kam zu spät (89.), wenngleich Pürk im Anschluss sogar noch das 2:2 auf dem Fuß hatte.

Verdient konnte der HSV den fünften Heimsieg in dieser Saison landen und den Abstand zu den Abstiegsplätzen halten. Die Pacult-Elf spielte zwar phasenweise frech mit und hätte auch in Führung gehen können, war jedoch schlussendlich einfach nicht durchschlagskräftig genug, um auch punkten zu können. Nach sechs Spielen ohne Niederlage erwischte es 1860 also wieder mal. 

Schlusspfiff
89. Minute: 2:1! Wird's hier noch mal eng? Weißenberger ist nach einem Steilpass allein vor Pieckenhagen und trifft. Sekunden später vergibt Pürk freistehend.
84. Minute: Turbulenzen im HSV-Strafraum. Suker umkurvt Pieckenhagen, schießt aufs Tor. Hoogma klärt auf der Linie.
81. Minute: 2:0! Die Entscheidung!? Barbarez flankt von links nach innen. Dheedene verpasst, Romeo steht plötzlich frei. Und diesmal trifft der Argentinier, und der Treffer zählt.
79. Minute: Pürk führt sich gleich gut ein. Aus halbrechter Position kommt er vor dem herausstürzenden Jentzsch zum Schuss. Der Keeper pariert, der Nachschuss verpufft. Hamburg wackelt.
75. Minute: Die Löwen melden sich zurück. Ehlers auf Max, der legt zurück auf Hoffmann. Aus 16 Metern jagt dieser den Ball übers Gebälk.
66. Minute: Doppelchance für die Hanseaten. Romeo zentral vor Jentzsch, scheitert aus 17 Metern, Präger will abstauben, schießt den Ball übers leere Tor.
61. Minute: 1:0! Cerny hatte bei seinem Abwehrversuch den eigenen Pfosten getroffen. Barbarez schaltet am schnellsten und legt ab auf Präger. Der muss ihn nur noch reinmachen.
59. Minute: Direktschuss Dheedene. Pieckenhagen sicher.
53. Minute: Konter über Präger. Der Blondschopf ist in dieser Szene viel zu eigensinnig. Anstatt auf den frei stehenden Romeo zu passen, probiert er es mit einem peinlichen Lupfer.
49. Minute: Barbarez vergibt die beste Chance des HSV kläglich. Sein Strafstoß knallt ans Lattenkreuz. Votava hatte Romeo zuvor gelegt.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
45. Minute: Schneller Konter des HSV, eingeleitet von Barbarez. Präger setzt sich im Strafraum durch, schießt flach aufs Tor. Jentzsch im Nachfassen.
43. Minute: Steilpass auf Romeo, Missverständnis zwischen Jentzsch und Cerny. Romeo kann den Fehler in der Löwen-Abwehr nicht nutzen.
29. Minute: Barbarez auf Romeo, spitzer Winkel, Jentzsch klärt zur Ecke.
27. Minute: Barbarez setzt sich auf rechts energisch durch, passt zurück auf den mitgelaufenen Hoogma. Dessen Kopfball ist jedoch zu schwach, um für Gefahr zu sorgen.
23. Minute: Gutes Spiel mittlerweile. Cardoso flankt auf Barbarez, der aus acht Metern scharf aufs Tor köpft. Keeper Jentzsch steht Pieckenhagen in nichts nach, boxt den Ball zur Ecke.
20. Minute: 1860 mittlerweile klar besser. Freistoßflanke Häßler, Suker köpft aufs Tor. Pieckenhagen muss sich ganz lang machen, kann den Ball gerade noch aus dem rechten unteren Eck fischen.
17. Minute: Sehenswerter Angriff der Pacult-Elf. Borimirov von rechts nach innen zu Max, der sich geschickt um Hertzsch dreht und sofort abzieht. Sein Flachschuss aus zwölf Metern klatscht an den rechten Pfosten. Riesenglück für Hamburg!
15. Minute: Riseth hat Platz, versucht es aus 23 Metern mit einem Heber. Zu schwach, zu ungenau - kein Problem für Pieckenhagen.
14. Minute: Die Löwen können die Partie mittlerweile ausgeglichener gestalten. Münchner Torchancen sind noch nicht zu verzeichnen.
6. Minute: Die Jara-Elf auf Wiedergutmachungskurs. Präger fasst sich ein Herz, zieht aus 18 Metern ab - Jentzsch ist da.
2. Minute: Erste gute Chance für den HSV. Freistoßflanke Cardoso, Romeo kommt frei zum Kopfball. Der Ball segelt knapp am rechten Pfosten vorbei, Jentzsch wäre wohl nicht dran gekommen.
Anpfiff


 
dpa meldet:
HSV beendet Abwärtstrend mit 2:1-Sieg gegen 1860

Hamburg (dpa) - Der Hamburger SV hat seinen Abwärtstrend in der Fußball-Bundesliga mit einem 2:1-Sieg gegen den TSV München 1860 gestoppt. Im ersten Heimspiel des Jahres zeigten sich die Hanseaten entschlossener als bei ihrer 0:3-Niederlage zum Rückrundenstart in Stuttgart.

Überraschend führte der Argentinier Rodolfo Cardoso von Anfang an Regie und setzte frühzeitig Akzente. Roy Präger erzielte in der 60. Minute das 1:0, Neuzugang Bernado Romeo legt in der 81. Minute nach. Markus Weissenbergers Tor eine Minute vor Ende brachte nicht mehr die Wende. Damit beendete der HSV die «Löwen»-Serie von sieben Spielen ohne Niederlage.

HSV-Trainer Kurt Jara hatte vor der Partie nur von einem Teileinsatz Cardosos gesprochen, denn der 33-Jährige sollte nach seiner langen Knieverletzung behutsam aufgebaut werden. Der letzte Einsatz des Regisseurs von Beginn an lag mehr als zehn Monate zurück (11. März 2001). Doch wegen der vielen Verletzten wie Eric Meijer, Mehdi Mahdavikia und Jörg Albertz warf Jara den Südamerikaner ins kalte Wasser.

Die 34 026 Besucher in der AOL-Arena feierten den genialen Techniker mit Sprechchören. Schon nach zwei Minuten bediente Cardoso seinen Landsmann Bernardo Romeo, der nur haarscharf neben das Gehäuse von Simon Jentzsch köpfte. In seinem ersten Heimspiel zeigte der 24-Jährige gute Ansätze, im Abschluss haperte es manches Mal.

Die beste Möglichkeit der ersten Halbzeit hatten jedoch die «Löwen», die ohne Martin Stranzl und Michael Wiesinger an die Elbe gereist waren. Nach Vorlage von Daniel Borimirow setzte Martin Max in der 17. Minute einen Drehschuss an den Pfosten. Drei Minuten später hätte auch Sturmkollege Davor Suker die Gäste in Führung bringen können, doch Keeper Martin Pieckenhagen parierte.

Trotz höherer Spielanteile konnten sich die Hausherren gegen die zweikampfstarken Münchner in entscheidenden Situationen nicht durchsetzen. So vergab der engagierte Sergej Barbarez eine Riesenmöglichkeit in der 23. Minute. Der zu eigensinnige Torschützenkönig der Vorsaison setzte auch einen Foulelfmeter in der 48. Minute an die Latte. Zuvor hatte 1860-Libero Thomas Votava Romeo zu Fall gebracht. Zum 1:0 gab Barbarez dann den Pass in den Fünf- Meter-Raum, den Präger nur noch einschieben musste.

Wieder war es Neuzugang Romeo, der in der 65. Minute an Jentzsch scheiterte. Dem 24-Jährigen glückte jedoch neun Minuten vor Schluss das erste Tor für seinen neuen Arbeitgeber. Sekunden vor Schluss markierte Weissenberger nach einem Missverständnis zwischen Ingo Hertzsch und Pieckenhagen den zu späten Anschlusstreffer.