Bundesliga 2001/2002, 24. Spieltag, Sonntag, 24.02.02, 17:30 Uhr im Bremer Weserstadion

SV Werder Bremen - Hamburger SV 0:1 (0:0)

Jupp, das war ja endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis für uns bei einem Auswärtsspiel. Auswärtssieg in Bremen kommt ja auch nicht so oft vor. Den letzten Sieg in den 90ern habe ich auch live miterleben dürfen. Nun hat es endlich mal wieder geklappt.

Das Spiel hat mir gut gefallen. Es war sehr interessant. Begonnen hat es allerdings mit einer Aufstellungsüberraschung für  mich, da Cardoso nur auf der Bank saß und Antar seinen Platz einnahm. Das sollte sich aber im Spiel nicht negativ auswirken, denn Antar machte m.E. ein nahezu perfektes Spiel.

Nach nur wenigen Minuten kam aber der erste keine Tiefschlag, da Barbarez sich bei einem Konter vermutlich eine Oberschenkelzerrung o.ä. holte und ausgewechselt werden mußte. Dafür wurde Heinz eingewechselt.

Die mit Abstand beste HSV-Chance in der 1. Halbzeit hatte Roda Antar, der den Ball völlig freistehend vor dem Tor bekam und dann aber leider nur den Torwart anschoß. Werder hatte allerdings auch einige Chancen, die beste wurde an das Lattenkreuz geschossen. 

In der 2. Halbzeit fand ich den HSV dann dominant, wobei Bremen mehr Chancen hatte. Schließlich konnten wir dann aber bei einem Konter durch Romeo das 1:0 erzielen. Allerdings waren da noch 15 Minuten zu spielen und da keimt ja gleich immer die Angst, da wir uns bei so etwas ja gerne etwas doof anstellen. Tatsächlich zogen wir uns auch prompt wieder recht weit zurück und es wurden die Bälle hinten auch zu oft planlos rausgeschlagen.

Aber die Mannschafte überzeugte wirklich durch Kampf. Und dabei fiel auch keiner ab, sondern sie fighteten als homogenes Team. Werder hatte noch einige Chancen, die durchaus zum Ausgleich hätten führen können, aber die konnte ein überragender Pieckenhagen vereiteln.

 So pfiff der Schiri dann nach unendlichen, geschätzten 98,475 Minuten das Spiel endlich ab und wir hatten unseren 2. Auswärtssieg.

Ich denke, daß man wohl von einem glücklichen Auswärtssieg sprechen muß. Trotzdem empfand ich es nicht als unverdient, denn wir haben das Spiel sehr offen gestaltet und waren nach meinem Empfinden sogar über weite Strecken die bessere Mannschaft. Allerdings hatte Bremen mehr gute Chancen.

Jedenfalls durften wir uns zufrieden und glücklich auf den Heimweg machen und waren diesmal sogar schon eine Stunde nach Spielende vom Parkplatz runter. Bremen ist wohl auch der einzige Parkplatz der Bundesliga, auf dem gezielt die Gänge zugeparkt werden, sodaß man auch schön lange auf dem Parkplatz verweilen kann. Aber das kennt man aus Bremen ja schon. Und wenn ich nicht so lauffaul wäre, bräuchte ich da ja auch nicht zu parken.

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: nicht nur fehlerlos, sondern auch ein Klasse-Rückhalt, der durch mindestens 2 3 Klasse-Reaktionen ein Gegentor verhinderte: Note 1

Hoogma: fiel eigentlich so gut wie gar nicht auf. Weder positiv noch negativ. Note 3

Ujfalusi: wie Hoogma: Note 3

Hollerbach: Das war heute mal wieder ein schönes Spiel für Holler. Konnte sich auf seiner linken Seite mit verschiedenen Gegner reiben und überzeugen: Note 2

Fukal: in der Abwehr gefiel er mir sehr gut, aber gerade er drosch in der Schlußviertelstunde die Bälle zu oft blind wieder zum Gegner zurück: Note 3-

Albertz: Braucht vermutlich wieder so einige Spiele,um gut in Form zu kommen: Note 3-

Wicky: Sehr emsig im defensiven Mittelfeld. War überall, wo es Löcher zu stopfen gab: Note 3

Antar: machte heute sein wohl bestes Spiel über die volle Distanz. Wenn ich genau drüber nachdenke, gefiel er mir von unseren Hamburger Feldspielern am besten. Verteilte die Bälle sehr oft sehr gut und hat ein gutes Auge für die Spielsituation. Besonders gefallen mir seine öffnenden Pässe und seine Umsicht. Vielleicht haben wir den geeigneten Nachfolger für Cardoso doch schon in unseren Reihen. Jedenfalls scheint es geschickt, ihn einzusetzen, wenn man Cardoso schonen möchte: Note 2+

Heinz: behauptete viele Bälle, aber sah auch einige Male unglücklich aus bei Ballverlusten, wenn wir gerade komplett im Vorwärtsgang waren. Ihm fehlt leider mal wieder der Mut, richtig aus sich rauszugehen: Note 3-

Präger: gefiel mir heute ebenfalls sehr gut. So ein Kampfspiel ist aber ja auch genau das richtige für ihn. Könnte nach vorne aber auch in der Defensivarbeit überzeugen: Note 2

Romeo: heute gefiel mir seine Chancenverwertung sehr gut. Seine einzig sehr gute Chance, verwandelte er auch zum 1:0. Ein bißchen betrübt bin ich allerdings über seine mangelnde Antrittsgeschwindigkeit. Er konnte leider nicht mal gegen den auch nicht gerade als Sprinter verschrienen Verlaat die Laufduelle gewinnen. Trotzdem zeichnete er sich eben heute durch gute Torausbeute aus. Und dafür haben wir ihn ha geholt: Note 2-

Schiri: Die meisten Entscheidungen in dieser kampfbetonten Partie hätte ich genauso getroffen. Zumindest die, die ich aufgrund der Nähe beurteilen konnte. Wirkte allerdings gegenüber den Spielern beim Karten-Geben manchmal etwas wichtigtuerisch: Note 2

Interessant ist im Nachhinein, daß ich erstmals eine Spiel wohl so ganz anderes gesehen habe als jegliche Presse. Ich fand unser Spiel gestern echt gut und unseren Sieg zwar etwas glücklich aber nicht unverdient. Der Großteil der Presse spricht ja allerdings fast nur von großem Glück...

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 
 
TORE  
0:1 Bernardo Romeo (74.)
 
GELBE KARTEN  
Werder Bremen: Ludovic Magnin (25.) , Fabian Ernst (53.) , Torsten Frings (78.) 

Hamburger SV: Nico Jan Hoogma (37.), Bernd Hollerbach (87.)

SCHIEDSRICHTER :  Michael Weiner  
ZUSCHAUER :  32,250 
DATUM :  24.02.02   17:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Werder Bremen: Frank Rost, Frank Baumann, Krisztian Lisztes, Ivica Banovic, Fabian Ernst, Frank Verlaat, Ailton, Marco Bode, Victor Skripnik, Torsten Frings, Ludovic Magnin

Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Jörg Albertz, Sergej Barbarez, Bernardo Romeo, Nico Jan Hoogma, Milan Fukal, Raphael Wicky, Roda Antar, Bernd Hollerbach, Tomas Ujfalusi, Roy Präger
 
WECHSEL 
Werder Bremen:
Paul Stalteri für Ludovic Magnin (46.)
Ivan Klasnic für Ivica Banovic (61.)
Tim Borowski für Frank Verlaat (77.)

Hamburger SV:
Marek Heinz für Sergej Barbarez (9.)
Martin Groth für Roy Präger (77.)
Rodolfo E. Cardoso für Marek Heinz (90.)
 

Mit der "Piecke" zum Erfolg  
Werder Bremen verliert im Kampf um die Uefa-Cup-Plätze drei wichtige Punkte. Gegen den Hamburger SV verlor die Schaaf-Elf vor heimischer Kulisse mit 0:1. Bis zur 74. Minute plätscherte die Partie so dahin. Dann gelang Romeo das Tor des Tages. Werder drückte danach aufs Tempo, scheiterte aber immer wieder am überragenden Martin Pieckenhagen. So entführte der HSV glücklich drei Punkte aus dem Weserstadion.  
Glücklich? Einerseits ja, andererseits nein. Denn das Glück hat bekanntlicherweise nur der Tüchtige. Und der hieß an diesem Abend Martin Pieckenhagen.
Zwei Mal rettete zwar der Pfosten, aber "Piecke" zeigte sechs tolle Paraden und brachte die Bremer schier zur Verzweifelung.
"Pieckenhagen ist heute einfach über sich hinaus gewachsen", meinte Torsten Frings nach dem Spiel.
Torhüter gelingt Assist
In der ersten Hälfte bewahrte der HSV-Schlussmann sein Team vor einem Rückstand. Einen von Hoogma abgefälschten Frings-Schuss holte er mit einem Blitzreflex noch von der Linie. 
In den zweiten 45 Minuten tauchte Ailton freistehend vor ihm auf, aber auch diesen Versuch machte er zunichte.
In der 74. Minute leitete er mit seinem Abschlag den Siegtreffer von Romeo ein. Über Skripnik kam die Kugel zum HSV-Stürmer, und der erzielte das "goldene Tor".
"Piecke" sucht noch die Hansa-Form
Bei Hansa Rostock war Pieckenhagen der meistbeschäftigte Torhüter der Liga. Und neben Richard Golz wehrte er die meisten Schüsse aller Torleute ab (78 Prozent).Zudem vereitelte der 30-Jährige 26 Großchancen.
Beim HSV läuft es noch nicht so gut. Schon 37 Gegentore kassierte "Piecke". 15 davon nach Flankensituatioen - das ist der drittschlechteste Wert der Bundesliga. Vielleicht war das Spiel in Bremen jetzt die Wende.
Bescheidener Torhüter
"Die Mannschaft hat heute Moral gezeigt und die richtige Antwort auf die Kritik der letzten Woche gegeben", sagte der Held des Abends. "Über 90 Minuten haben wir dagegen gehalten und sind mit dem 1:0-Erfolg belohnt worden."
Und auch HSV-Trainer Kurt Jara lobte seine Mannschaft: "Wir haben mit Herz gespielt und das nötige Glück gehabt. Wir haben geduldig auf unsere Chance gewartet, und dann hat Romeo zugeschlagen."
Durch denm Erfolg haben die Hamburger nun 30 Punkte und bleiben auf Tabellenplatz elf.
Schaaf sauer
"Die Vorlage zum Gegentor haben wir selbst gegeben. Eigentlich haben wir auf ein Tor gespielt, aber wieder konnten wir unsere Chancen nicht nutzen", ärgerte sich Werder-Trainer Thomas Schaaf.
In den letzten fünf Spielen gelangen den Bremern nur vier Treffer. Durch die Niederlage rutschte die Schaaf-Elf auf den siebten Tabellenplatz ab. 
"Wir brauchen uns nicht zu beschweren, wenn wir weiter abrutschen. Wenn wir nach oben wollen, dürfen wir uns solche Ausrutscher nicht erlauben", meinte Torsten Frings. "Wir sind maßlos enttäuscht."
 

Fakten:
Fehlstart für Werder
Werder, die erfolgreichste Mannschaft 2001, hat in diesem Jahr erst vier Punkte geholt und vier der sechs Spiele verloren. Nur der 1. FC Köln hat eine noch schlechtere Bilanz. Zwei Spiele in Folge ohne Tor gab es für Werder zuletzt vor knapp zwei Jahren. Im April 2000 verlor Bremen 0:1 in Frankfurt und spielte beim HSV 0:0. 

HSV-Revanche geglückt
Der HSV hat erfolgreich Revanche für das 0:4 im Hinspiel genommen und zum ersten Mal seit siebeneinhalb Jahren wieder in Bremen gewonnen. 

Jubiläum von Wicky
Raphael Wicky bestritt heute sein 100. Bundesligaspiel. 92 Einsätze bestritt er für Gegner Bremen, für seinen aktuellen Klub, den HSV erst acht. 

Albertz begann erstmals 2002
Zum ersten Mal im Jahr 2002 spielte der Hamburger Jörg Albertz von Beginn an. Vor einer Woche gegen Gladbach wurde er für die letzten acht Minuten eingewechselt, zuvor war er (vor seiner Verletzung) am 18. Dezember 2001 gegen Cottbus letztmals 90 Minuten am Ball. 

Schlaglichter:
Spielverlauf auf den Kopf gestellt
Werder dominierte über weite Strecken, hatte 55 Prozent der Ballkontakte, 19:9 Torschüsse (dabei zwei Pfostentreffer), 11:2 Eckbälle und 24:7 Flanken, scheiterte aber immer wieder an Pieckenhagen. Bitter, dass dann einer der wenigen Fehler in der Abwehr auch noch zum entscheidenden 0:1 führte. 

Pieckenhagen überragend
Martin Pieckenhagen war der einzige Keeper an diesem Spieltag, der in der Fremde ohne Gegentor blieb alle anderen Torsteher der Gäste mussten zumindest einmal hinter sich greifen. Mit Glück (zwei Aluminium-Treffer) und großen Geschick (sechs Torschüsse abgewehrt und sehr sicher bei Flanken) war er der Sieggarant seines HSV. Mit einem weiten Abschlag leitete er zudem noch das einzige Tor von Romeo ein. 

Skripnik unglücklich
Trotz der besten Zweikampfbilanz aller Spieler auf dem Platz (77 Prozent der Duelle gewonnen), den meisten Ballkontakten (87) und ansehnlichen Szenen in der Offensive (zwei Torschüsse, zwei Torschussvorlagen) war der Ukrainer Victor Skripnik einer der unglücklichsten Spieler. Beim entscheidenden Tor verlängerte er einen Abschlag von Pieckenhagen unglücklich per Kopf weiter zu Romeo, der sich die Chance nicht entgehen ließ. 

Romeo traf wieder
Romeo erzielte in seinem sechsten Bundesligaspiel bereits sein viertes Tor. Er traf mit seinem ersten Torschuss im Spiel. Für den HSV war es erst das achte Auswärtstor dieser Saison (im zwölften Spiel): nur Köln hat da weniger. 

Mit der "Piecke" zum Erfolg  
Trainer Thomas Schaaf (Werder Bremen): 
Die Vorlage zum Gegentor haben wir selbst gegeben. Eigentlich haben wir nur auf ein Tor gespielt, aber wieder unsere Chancen nicht nutzen können. In der zweiten Halbzeit hat man deutlich gesehen, dass die Mannschaft wollte. Zum Schluss hat uns das Glück gefehlt. Wir müssen uns im Abschluss verbessern und die Fehler abstellen.    
 
Trainer Kurt Jara (Hamburger SV): 
In der ersten Halbzeit haben wir sehr gut nach vorne gespielt und hatten eine Riesenchance durch Antar. In der zweiten Hälfte hat Bremen viel Druck gemacht. Wir haben mit Herz gespielt und das nötige Glück gehabt. Wir haben geduldig auf unsere Chance gewartet und dann hat Romeo zugeschlagen. Nur diszipliniert kann man 1:0 gewinnen.  
 
Topspieler: Martin Pieckenhagen (Hamburger SV)
Martin Pieckenhagen war im Weserstadion einfach nicht zu überwinden. In der ersten Hälfte pariert er einen abgefälschten Schuss von Frings. In der zweiten Hälfte legte "Piecke" mit einem Abschlag zu Romeo auf - und der schoss das 1:0. Der erste Assist für den 30-Jährigen. Danach drückte Werder, aber den Kopfball von Klasnic und mehrere Schüsse der Bremer entschärfte der Hamburger Schlussmann. Pieckenhagen pariert sechs Mal glänzend. Nur Fukal, Antar und Hollerbach hatten mehr Ballkontakte beim HSV als Pieckenhagen - und das als Torwart!  

Spielwertung: 2 Bälle (von 4)
 
Kommentar:
Mit viel, viel Glück fährt der HSV mit drei Punkten im Gepäck zurück auf die A1 in Richtung Hamburg. Bis zur 74. Minute sah es in Bremen nach einer Nullnummer aus. Dann unterschätzte Skripnik einen Abschlag von Pieckenhagen. Die Kugel kam zu Romeo und der traf. Danach drückte Werder. Aber der SVW-Sturm ist in diesem Jahr nur ein laues Lüftchen. Vier Tore in sechs Spielen ist einfach zu dürftig. Daher dürfen sich die Bremer auch über die verlorenen Punkte nicht beschweren.
Frihtjof Bublitz  

Taktik
Bremen:
Rost im Tor. Davor eine Dreierkette mit Baumann, Verlaat und Magnin (v.l.). Frings im defensiven Mittelfeld. Skripnik über links, Ernst über rechts. Banovic und Lisztes wechselten sich im zentralen Mittelfeld ab. Die Spitzen waren Bode und Ailton.
Die Einwechselungen von Stalteri für Magnin (46.) und Klasnic für Banovic sollten die Offensive beleben.

Hamburg:
Im Tor Pieckenhagen. Die Viererkette bildeten Fukal, Hoogma, Ujfalusi und Hollerbach (v.r.). Albertz kam über links, Wicky über rechts. Antar war Spielmacher. Im Angriff rochierten Barbarez und Präger. Vorderste Spitze war Romeo.
Durch die Einwechselungen von Heinz für Barbarez (8.), Groth für Präger (77.) und Cardoso für Heinz (90.) änderte sich an der Taktik nichts.  


 
kicker meldet: 

Chancenverhältnis: 8:3 
Eckenverhältnis: 10:2 
Schiedsrichter: Weiner (Hildesheim), Note 1,5 - souveräne Leistung, gut in der Vorteilsauslegung und in der Beurteilung von Zweikämpfen 
Spielnote: 3 
Spieler des Spiels:  
Pieckenhagen - Lieferte seine stärkste Vorstellung im HSV-Dress ab. Zeigte tolle Paraden und strahle diesmal auch Ruhe aus. 
 
Analyse 
Personal: Zwei Änderungen gab es auf beiden Seiten im Vergleich zur Vorwoche. Bei Werder kamen nach dem 0:0 von Köln Ernst und Magnin für Wehlage (gesperrt) und Krstajic (Bänderdehnung im Sprunggelenk). Auf Hamburger Seite hieß es im Gegensatz zum 1:2 in Mönchengladbach Antar und Albertz für Hertzsch (gesperrt) und Cardoso.

Taktik: Werder agierte in seiner gewohnten 3-5-2-Grundformation, Krstajics Platz in der Dreier-Abwehr nahm Skripnik ein. Banovic, sonst im zentralen Mittelfeld eingesetzt, erhielt auf rechts den Vorzug vor Tjikuzu. Der HSV ging von seiner Vierer-Abwehr ab, wie er es gegen einen mit zwei Stürmern beginnenden Gegner schon öfter praktiziert hat. Hoogma organisierte als freier Mann die Defensive. Hinter den Spitzen sollte Antar wirbeln.

Spielverlauf: Viel Hektik, viel Kampf - von Beginn an wurde das Nordderby verbissen geführt. Aus Übereifer schlichen sich auf beiden Seiten Fehler ein, spielerische Glanzlicher blieben rar. Im Mittelfeld neutralisierten sich zunächst die Pärchen, die meist Frings gegen Albertz, Ernst gegen Antar und Wicky gegen Lisztes hießen. Nachteilig wirkte sich für den HSV das frühe Ausscheiden von Barbarez (Muskelverletzung im Oberschenkel) aus, Heinz sorgte nicht gerade für Belebung. Verlief die erste Hälfte noch ausgeglichen, wurde Werder nach der Pause überlegen. Allen voran Frings tat viel für den Spielaufbau. Der nun stärker werdende Lisztes (59., Pfosten) und Ailton vergaben binnen 60 Sekunden zwei Großchancen. Dann stärkte Werder-Coach Schaaf nochmals die Offensive: Klasnic ging in die Spitze, Bode auf die linke, Stalteri von dort auf die rechte Außenbahn. Der Druck wurde immer großer, doch Pieckenhagen verhinderte einen Treffer. Der fiel völlig überraschend auf der anderen Seite: Nach Skripnik-Fehler nutzte Romeo die einzige Hamburger Chance in der zweiten Hälfte.

Fazit: Glücklicher Erfolg der Hamburger, die im Gegensatz zu den Ton angebenden Bremern ihre Chancen effektiv nutzten.

Höhepunkte des Spiels:
Schlusspfiff
80. Minute: Fast der Ausgleich. Schuss von Lisztes, Hollerbach lenkt den Ball mit dem Kopf ab, Pieckenhagen ist bereits geschlagen, doch der Ball geht knapp am linken Pfosten vorbei.
74. Minute: Die Führung für den HSV. Abschlag von Pieckenhagen, Skripnik verlängert den Ball per Kopf genau in den Lauf von Romeo. Der Argentinier läßt sich die Chance nicht entgehen und schiebt den Ball mit links an Rost vorbei ins Netz.
72. Minute: Frings schießt auf das HSV-Tor, doch Pieckenhagen ist wieder auf dem Posten.
71. Minute: Klasnic schickt Ailton steil, doch Pieckenhagen kann den Schuss des Werder-Stürmers aus rund zehn Metern parieren.
59. Minute: Doppelchance für Werder: Zunächst trifft Lisztes nur den Pfosten, Sekunden später pariert Pieckenhagen mit einem Fußreflex gegen Ailton.
58. Minute: Schöne Aktion von Heinz, der sich an der linken Grundlinie durchsetzen kann. Doch anstatt den Ball auf den freistehenden Romeo zurückzulegen, versuchts der Tscheche aus spitzem Winkel selbst, doch sein Schuss geht ans Außennetz.
49. Minute: Konterchance für den HSV über Antar und Romeo, doch die Flanke Antars ist für den argentinischen Stürmer zu lang.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
43. Minute: Banovic klärt an der Strafraumgrenze in höchster Not gegen Albertz.
33. Minute: Eine Glanztat von Pieckenhagen bewahrt den HSV vor dem 0:1. Frings schießt aus rund 22 Metern, Bode fälscht den Ball aus kurzer Distanz zufällig ab, doch der HSV-Keeper reagiert blitzschnell und kann den Ball um den Pfosten lenken.
27. Minute: Nun hat auch Bremen die erste Möglichkeit. Fehler des Ex-Werderaners Wicky, Ernst legt für Frings ab, doch dessen Schuss geht vom linken Pfosten ins Aus.
24. Minute: Erste dicke Chance des Spiels. Wicky passt auf Antar, der den Ball gekonnt annimmt und aus der Drehung abzieht, doch Rost klärt mit einer Glanzparade.
23. Minute: Frings setzt sich mit einem energischen Spurt auf der rechten Seite gegen drei Gegenspieler durch, seine Hereingabe wird zum Eckball geklärt, der nichts einbringt.
10. Minute: Der HSV muss früh wechseln. Bei einem Sprintduell mit Skripnik greift sich Barbarez an den rechten Oberschenkel. Der Torschützenkönig der vergangenen Saison muss mit Verdacht auf Muskelfaserriss raus, für ihn kommt Heinz.
9. Minute: Nochmal der HSV. Antar kann sich auf der rechten Seite durchsetzen, seine Hereingabe kommt zu Präger, doch Verlaat kann den Schuss abblocken.
6. Minute: Der HSV setzt ein erstes Ausrufezeichen. Eckball durch Hollerbach, der aufgerückte Fukal kommt vor SV-Keeper Rost zum Kopfstoß, doch der Ball geht über die Querlatte.
Anpfiff


 
dpa meldet: SV Werder fällt ins Mittelmaß. HSV nach Sieg im Nordderby obenauf

Bremen (dpa) - Der Werbeslogan "100 Prozent Werder" hat in Bremen seine Wirkung verfehlt. 

Spätestens nach dem 0:1 am Sonntag im Nordderby gegen den Hamburger SV ist der SV Werder nur noch die Hälfte wert. "Wir haben unseren Vorteil durch haarsträubende Fehler verspielt", gab Sportdirektor Klaus Allofs nach dem Sturz vom 3. auf den 7. Tabellenplatz in der Fußball-Bundesliga zu. 

Vom Europapokal spricht an der Weser niemand mehr. "Unsere erfolgreiche Serie war nicht normal. Jetzt sind bei uns alle erschrocken, dass nicht mehr gewonnen wird", versuchte Werder- Trainer Thomas Schaaf das Abrutschen ins Mittelmaß zu erklären. Im gleichen Atemzug beruhigte der Coach aber die Fans: "Ich glaube, dass wir auch wieder erfolgreich sein werden." 

Beim Hamburger SV waren Trainer und Spieler obenauf. "Wir haben hinten gut gestanden. Die Mannschaft hat taktisch klug, gut organisiert und diszipliniert gespielt. Außerdem hat unser Torwart Pieckenhagen eine Weltklasseleistung geboten", analysierte Kurt Jara. Der Trainer lobte besonders seinen Torschützen Romeo (74.), der das Spiel nach einem Fehler des Werder-Abwehrspielers Viktor Skripnik entschied. 

"Er hat sich nicht entmutigen lassen. Romeo hat auf seine Chance gelauert und zum richtigen Zeitpunkt zugeschlagen", freute sich der Österreicher und fügte hinzu: "Wir haben ihn schließlich auch zum Toreschießen verpflichtet." 

Das Manko der Bremer liegt derzeit im Auslassen der Torchancen. "Ja, wir vergeben die Möglichkeiten leichtfertig. Da liegt unser Problem. Wenn wir keine Tore erzielen, können wir auch unsere Ziele nicht erreichen", meinte Nationalspieler Marco Bode. Er und der Brasilianer Ailton stecken seit Wochen in einem Formtief. Klaus Allofs hat die Stürmer der zweiten Reihe zu mehr Aktivitäten aufgefordert: "Sie müssen sich im Training anbieten. Dann erhalten sie auch ihre Chance." Bislang genügten aber Ivan Klasnic und der Peruaner Robert Silva nicht den Ansprüchen von Trainer Schaaf. 

Der Hamburger SV geht mit gestärkter Moral in die kommenden Spiele gegen den 1. FC Nürnberg, bei Hertha BSC und gegen den VfL Wolfsburg. "In diesen Begegnungen wird sich zeigen, was der Erfolg beim SV Werder wert ist", meinte Kurt Jara. Gegen den "Club" wird der HSV aber auf Nico-Jan Hoogma (Gelbsperre) und wahrscheinlich auch auf Sergej Barbarez (verletzt) verzichten müssen. 

Der Trainer hatte für den Sieg an der Weser auch eine lustige Erklärung: "Wir reisen nach Wolfsburg und Bremen mit den Bus an und schon gewinnen wir. Der HSV sollte künftig zu Auswärtsspielen immer so verfahren."