Bundesliga 2001/2002, 27. Spieltag, Samstag, 16.03.02, 15:30 Uhr in der Hamburger AOL Arena bei 5 Grad C

Hamburger SV - VfL Wolfsburg 1:1 (0:1)

Es wäre natürlich sehr schön gewesen, wenn man das Spiel gegen Wolfsburg gewonnen hätte, aber das wurde mal wieder nichts. Trotzdem dürften wir nach diesem Spieltag und Niederlagen der Abstiegskandidaten die Sicherheit haben, keine „Chance“ mehr auf den Abstieg zu haben. 9 bzw. 10 Punkte Vorsprung (ein Spiel findet ja noch statt) auf den Abstiegsrang bei noch 7 ausstehenden Partien. Das dürfte uneinholbar sein. 

Trotzdem genügte dieses Spiel nicht als Rehabilitation für die 0:6 – Klatsche aus Berlin. Ich denke, daß es für den objektiven Zuschauer (so es denn sowas gibt) ein interessantes Spiel war mit Chancen auf beiden Seiten. Ich nehme aber an, daß Wolfsburg zumindest mehr hochprozentige Chancen hatte als wir. Das wir nicht verloren haben, haben wir ausschließlich Martin Pieckenhagen zu verdanken, der uns insbesondere in den ersten 20 Minuten durch Glanzparaden mehrfach vor dem Rückstand rettete. Nach 20 Minuten hatten wir dann die beste Chance auf ein Tor. Bezeichnenderweise wäre es ein Eigentor gewesen durch einen saugeilen Flugkopfball eines WOB-Verteidigers. Allerdings parierte Reitmaier glänzend. Fortan hatten auch wir gute Chancen z.B. durch Lattenkopfball von Romeo. Kurz vor der Halbzeit erzielte Klimowicz allerdings die Führung der Wölfe. Vorausgegangen war ein Ballverlust durch Ujfalusi an der Mittellinie. Rechts lief ein Wolfsburger frei durch und in der Mitte stand ausschließlich das Pärchen Fukal/Klimowicz. Leider patzte Fukal das einzige Mal in der Partie und ließ durch schlechtes Stellungsspiel Klimowicz zum 0:1 einköpfen.

Das war ein schönes Geschenk direkt vor der Halbzeit....

In der zweiten Halbzeit nahm das Spiel durch den Platzverweis für den VW-Städter Fanz eine Wendung. Romeo lief frei aufs Tor zu, Fanz hinterher und Romeo stürzte. Der Schiri pfiff. Noch bevor er am Tatort war, sagte ich schon zu meinem Kumpel, daß Romeo lieber hätte versuchen sollen weiterzulaufen und ein Tor zu machen als bei der ersten leichten Berührung zu fallen. Fanz erhielt jedenfalls Rot. Was anderes wäre ja auch nicht möglich gewesen, wenn man ein Foul gibt. Die TV-Bilder lassen allerdings den Schluss zu, daß Fanz Romeo vielleicht gar nicht berührt hat. Zumindest nicht mit den Füßen. Vielleicht hat er ihn mit dem Bein touchiert, aber das war nicht zu sehen. Eine Schwalbe war es allerdings nicht, denn Romeo stellte sich nach der (Nicht-?)-Berührung quasi selbst ein Bein.

Fortan spielte Wolfsburg in Unterzahl. Das ist mir allerdings nur aufgefallen, weil sie sich nun total einmauerten. Ich denke, daß sie das gar nicht nötig gehabt hätten. Bei weiterhin offensivem Spiel wäre vielleicht auch ein Sieg möglich gewesen.

Jara machte jedenfalls bei den Einwechslungen m.E. alles richtig. Er brachte eine Kopfballstürmer mit Meijer, einen Flügelspieler mit Ketelaer und mit Antar für den nach wochenlanger Verletzung wahrscheinlich noch nicht topfitten Barbarez einen weiteren Offensivmann. Allerdings stellte sich die Mannschaft saudumm an. Man versuchte praktisch nie, den unterzähligen Gegner über die Flügel zu knacken. Der Ball wurde ständig aus dem Halbfeld hoch reingedroschen. Das ist Fußball aus dem letzten Jahrtausend und einfach unbrauchbar. Natürlich hätten wir auch noch gewinnen können, aber es geschickter kann man sich schon gegen 10 Mann anstellen.

So reichte es nur noch zum 1:1 durch Barbarez nach schönem Doppelpaß mit Meijer.

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: Sensationell, was er in der 1. Halbzeit alles hielt. 3 Hundertprozentige habe ich ausgemacht, die er pariert hat. Mehr kann ich nicht erwarten von einem TW: Note 1

Hoogma: unauffällig und selten gefordert: Note 3

Fukal: Heute hätte ich ihm glatt eine 1 verpaßt. Er war erstmals von der rechten Position der 4-er Kette in die Mitte gerutsch. Vermutlich, weil er der perfekte Gegenspieler für Klimovic war und er auf der rechten Seite von Petrov ohnehin nur überlaufen worden wäre. Gegen Klimovic spielte er allerdings perfekt – bis auf den bösen Stellungsfehler beim 0:1. Allerdings wurde das Tor nur mittelbar von ihm verschuldet. Schlimmer war der Ballverlust im Mittelfeld. Heute war er jedenfalls sehr gut. Allerdings bekommt der HSV auch nur selten solche riesenhaften und bulligen Gegner wie Klimowicz – bei denen Fukal dann gut aussieht: Note 2

Hertzsch: wurde einige Male vom starken Petrov überlaufen. Wurde nach 60 Minuten in Überzahl zugunsten eines Offensivspielers geopfert: Note 4

Hollerbach: Was war denn mit dem heute los ? Der lief ja wie von der Tarantel gestochen. Als hätte man ihm vor Spiel gesagt, daß sich heute entscheidet, ob er noch 43 Jahren beim HSV spielen darf. Jedenfalls mit sehr viel höherem Laufpensum als zuvor. Wurde nach 53 Minuten – wohl auch leicht angeschlagen – gegen Meijer ausgewechselt: Note 3+

Ujfalusi: war mehr am Ball als sonst, verspielte aber auch leider den Ball im Mittelfeld vor der Führung der Wolfsburger: Note 3-

Cardoso: blieb heute wirklich sehr blaß und schlug teilweise grauenhafte Ecke/Freitsöße: Note 4-

Wicky: war nicht sehr auffällig, aber mit hohem Laufpensum: Note 4

Barbarez: Erstmals nach einigen Verletzungswochen wieder dabei. Schönes Tor und auch sonst bei einigen gefährlichen Szenen dabei: Note 3

Präger: war heute fast gar nicht zu sehen. Konnte den Ball nur selten behaupten: Note 4

Romeo: war an einigen Chancen beteiligt und sonst eher unauffällig: Note 3-

Meijer (ab 53.): Konnte sich selten in Szene setzen. Allerdings mit sehr schöner Vorlage zu Barbarez Ausgleichstreffer: Note 3-

Ketelaer (ab 61.): Heute hatte er mal wieder einen guten Tag. Brachte zumindest mal etwas Schwung auf die linke Seite: Note 3

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 
TORE  
0:1 Diego Fernando Klimowicz (45.)
1:1 Sergej Barbarez (67.)
 
GELBE KARTEN  
Hamburger SV: Bernardo Romeo (47.), Rodolfo E. Cardoso (51.) 
VfL Wolfsburg: Charles Akonnor (89.)
 
PLATZVERWEISE  
Hamburger SV: -
VfL Wolfsburg: Karte rot für Maik Franz (55.)
 
SCHIEDSRICHTER :  Wolfgang Stark  
ZUSCHAUER :  37,517 
DATUM :  16.03.02   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Nico Jan Hoogma, Milan Fukal, Tomas Ujfalusi, Ingo Hertzsch, Sergej Barbarez, Roy Präger, Bernd Hollerbach, Rodolfo E. Cardoso, Raphael Wicky, Bernardo Romeo

VfL Wolfsburg: Claus Reitmaier, Stefan Schnoor, Maik Franz, Dorinel Munteanu, Frank Greiner, Tobias Rau, Martin Petrov, Charles Akonnor, Robson Ponte, Miroslav Karhan, Diego Fernando Klimowicz

WECHSEL 
Hamburger SV:
Erik Meijer für Bernd Hollerbach (53.)
Marcel Ketelaer für Ingo Hertzsch (61.)
Roda Antar für Sergej Barbarez (75.)

VfL Wolfsburg
Waldemar Kryger für Martin Petrov (58.)
Dietmar Kühbauer für Dorinel Munteanu (76.)
Hans Sarpei für Robson Ponte (76.)

 
1:1 beim HSV Nebensache - Wolf will klare Absprache  
Seit Monaten wird Wolfsburgs Trainer Wolfgang Wolf nach jeder Niederlage mit der Ansicht einiger Leute aus dem Klubumfeld konfrontiert, dass der VfL mit einem anderen Coach womöglich besser dastehen würde. Immer wieder ist zu hören, dass sowohl dem Verein als auch dem VW-Konzern ein charismatischer Trainer an Wolfs Stelle lieber wäre, der die "Wölfe" vom Image der "grauen Maus" befreit und sie auch international hoffähig macht.  
Wolf selbst ist genervt von der andauernden Kritik. Er sieht seine vierjährige Arbeit bei den Niedersachsen nicht genügend gewürdigt. "Was hier in den letzten Monaten abgelaufen ist, kann so nicht weiter gehen", meinte er vor dem 1:1-Unentschieden beim Hamburger SV. 
Deshalb möchte er am kommenden Dienstag Nägel mit Köpfen machen, was seine persönliche Zukunft angeht. "Ich werde mich mit Manager Peter Pander zusammen setzen. Und dann muss eine klare Entscheidung fallen", so Wolf. 

Pander will Wolf  in Wolfsburg halten
Pander indes ist nicht nur der starke Mann beim VfL, sondern auch Wolfs größter Fürsprecher. Deshalb wird er auch sein Möglichstes versuchen, die Zusammenarbeit mit dem Trainer allen Unkenrufen zum Trotz zu verlängern.
Wolfgang Wolf werde es "sehr schwer haben, mich überzeugen zu können, dass er nicht mehr der richtige Mann für Wolfsburg ist", so Pander. "Ich glaube, dass eine Trennung zum Saisonende noch zu verhindern ist." 

Röber und Götz als Nachfolger im Gespräch
Dennoch halten sich Spekulationen um Wolfs mögliche Nachfolger. Jürgen Röber und auch auch Herthas erfolgreicher Interimscoach Falko Götz gelten als Alternativen für die Zukunft. Das liegt auch an der Gegenwart. Denn die brachte den Wolfsburgern trotz vielversprechenden Beginns nur ein tristes Remis beim Hamburger SV ein.
Das vierte Tor von Diego Klimowicz in den jüngsten vier Spielen schien den VfL in der 45. Minute auf die Siegerstraße zu bringen. Doch der Platzverweis für Maik Franz nach einer Notbremse an HSV-Torjäger Romeo (55.) ließ die vom Vorwochendebakel in Berlin noch sichtlich angeschlagenen Hanseaten ins Spiel zurück finden.

Ausgleichstreffer magere HSV-Ausbeute
Der Treffer von Sergej Barbarez (67.) zum 1:1-Endstand war allerdings alles, was der HSV an Zählbarem aus der Überzahl heraus holte. "Es war ein gerechtes Unentschieden", musste Hamburgs Trainer Kurt Jara zerknirscht bekennen.
Dabei durfte er noch froh sein, dass er in der Schlussminute nicht noch Spielmacher Rudolfo Cardoso per Platzverweis verlor. Der Argentinier ließ sich zu einem hässlichen Tritt gegen Akonnor hinreißen, kam aber ungestraft davon.
 

Fakten:
Kleine Enttäuschung für den HSV
Der Hamburger SV kassierte in diesem Jahr den ersten Punktverlust daheim. Nach vier Siegen mit 14:4 Toren in der AOL-Arena seit Mitte Dezember verpassten es die Hanseaten, ihre längste Heim-Siegesserie seit 11 Jahren (Saison 1990/91) aufzustellen. 

Im Derby nichts Neues
Zum sechsten Mal hintereinander blieb der VfL Wolfsburg im Nord-Duell ohne Sieg (vier Unentschieden, zwei Niederlagen), nachdem man in den ersten vier Derbys nie verlor (zwei Siege, zwei Remis). Dennoch bleiben die Niedersachsen dank dieses Unentschiedens und aufgrund des besseren Torverhältnisses zumindest die Nummer zwei im Norden – vor dem HSV und hinter Bremen. 

Glatt Rot für Franz
Maik Franz handelte sich in seinem 21. Bundesligaspiel seine erste Rote Karte ein. Zuvor hatte er im Heimspiel gegen 1860 München am 23. Februar 2002 schon einmal Gelb-Rot gesehen. 

Viele Rotsünder unter den Wölfen
Die Wolfsburger kassierten bereits den sechsten Platzverweis in dieser Saison – lediglich Energie Cottbus liegt in dieser Sünderkartei gleichauf mit den Niedersachsen. 

Schlaglichter:
Den Wölfen ging die Puste aus
Turbulent starteten die Niedersachsen in die ersten zwanzig Minuten des Spiels. Sechs Torschüsse rauschten aufs Tor von Martin Pieckenhagen oder daran vorbei, während die Gastgeber lediglich deren zwei abgaben. Doch mit der Zeit ließ der Tordrang der Gäste deutlich nach. Die letzte halbe Stunde verstrich vollkommen ohne VfL-Torschuss. Die Hanseaten sicherten sich mit 21 Torschüssen (sieben mehr als Wolfsburg) den verdienten Punkt. 

Barbarez trifft im Fünfzigsten
Der Hamburger Torjäger Sergej Barbarez schlug wieder zu. Der Führende der Scorerliste der Hanseaten (elf Punkte – fünf Tore, sechs Assists) war trotz seiner verletzungsbedingten Abstinenz von zwei Spielen an genau der Hälfte der letzten 16 HSV-Tore beteiligt. Als zweikampfstärkster Feldspieler wurde er in der 75. Minute ausgewechselt und brillierte in seinem 50. Bundesligaspiel für den HSV neben seinem Tor mit drei Torschüssen und drei Torschussvorlagen. 

Fukal fast perfekt
Überraschend als Innenverteidiger der Viererkette aufgestellt zeigte Milan Fukal eine gute Partie. Seine Aufgabe löste er bis auf die Unachtsamkeit, die zum Gegentor führte, hervorragend. Er suchte mit großem Abstand die meisten Kopfballduelle (18 - zweitbester war Klimowicz mit neun) und kam sogar zu zwei Torschüssen. Mit Wolfsburgs Argentinier lieferte er sich packende Zweikämpfe: 19 von 26 Duellen gewann der Tscheche. Wenn er bloß diesen entscheidenden Luftkampf nicht verloren hätte... 

Klimowicz kann’s auch per Kopf
Diego Klimowicz erzielte in seinem elften Spiel mit dem vierten Bundesligatreffer gleichzeitig sein erstes Kopfballtor. Dabei hatte er diesmal keinen leichten Stand, denn Milan Fukal behielt weitestgehend die Lufthoheit im AOL-Stadion. Von 28 Kopfballduellen, meistens zwischen dem Argentinier und dem Tschechen geführt, konnte er lediglich neun gewinnen. Doch eines davon führte zum Führungstreffer. 

Trainer Kurt Jara (Hamburger SV): 
"Wir haben uns einen Sieg vorgenommen, sind aber zu Beginn nicht ins Spiel gekommen. Wolfsburg hatte Chancen und wir mussten kämpfen. Wie so oft haben wir durch einen unnötigen Fehler den Rückstand kassiert. Erst als wir gegen Ende alles auf eine Karte gesetzt haben, sind wir belohnt worden."    
 
Trainer Wolfgang Wolf (VfL Wolfsburg): 
"Die Mannschaft hat sich ein großes Kompliment verdient. Wir hatten uns vorgenommen, nach dem Spiel weiter vor dem HSV zu liegen - das ist uns gelungen. Die entscheidende Szene war der Platzverweis gegen Maik Franz. Danach haben wir uns sehr schwer getan und leider noch den Ausgleich kassieren müssen."  

Topspieler: Sergej Barbarez (Hamburger SV)
Der Bosnier krönte sein 50. Bundesligaspiel für den HSV mit seinem 27. Treffer. Eine stolze Quote, auch wenn der letztjährige Torschützenkönig in dieser Saison erst fünfmal erfolgreich war. Gegen Wolfsburg machte der 30-Jährige aber nicht nur durch das Ausgleichstor auf sich aufmerksam, auch sein Schlenzer an den Pfosten war sehenswert. Dazu legte Barbarez noch dreimal für seine Teamkollegen auf. Am eindrucksvollsten war allerdings seine Zweikampfbilanz. Nicht weniger als 80 Prozent der direkten Duelle gewann der Angreifer - für einen Offensivmann eine fantastische Bilanz.  

Spielwertung: 2 Bälle ( von 4)
 
Kommentar:
Das Remis in der AOL-Arena bringt beide Teams nicht wirklich weiter. Der HSV war vom Desaster in Berlin noch deutlich angeschlagen und wäre für die "Wölfe" ein gefundenes Fressen gewesen. Doch der Platzverweis für Franz brachte die Hanseaten wieder ins Spiel. Mehr als die sehenswerte Co-Produktion von Meijer und Barbarez sprang jedoch nicht mehr für das Team von Kurt Jara heraus. Das Spiel machte deutlich, warum beide Mannschaften im Tabellen-Niemandsland stehen. Daran wird sich bis zum Saisonende wohl auch nichts mehr ändern.
Martin van de Flierdt  
 
Taktik
Hamburger SV:
Vor Torwart Pieckenhagen stand eine Viererkette aus (von links) Ujfalusi, Hoogma, Fukal und Hertsch. Hollerbach und Wicky sicherten im defensiven Mittelfeld Spielmacher Cardoso ab. Als Spitzen liefen (von links) Barbarez, Romeo und Präger auf. Meijer und Ketelaer (53. bzw. 61. Minute) kamen als weitere Offensivkräfte für Hollerbach und Hertzsch. Antar ersetzte Barbarez (75.).
VfL Wolfsburg:
Die Abwehrformation bestand aus (von links) Rau, Schnoor, Franz und Greiner auf einer Höhe vor Keeper Reitmaier. Akonnor und Karhan besetzten die Mittelfeld-Halbpositionen hinter dem zentralen Antreiber Munteanu. Petrov (links) und Ponte unterstützten leicht zurück hängend von den Flügeln aus Mittelstürmer Klimowicz. Nach Franz' Platzverweis sollten Kryger und Sarpei an Stelle von Petrov und Ponte (58. bzw. 76.) die Defensive stärken. Kühbauer nahm die Position von Munteanu ein (76.).  


 
kicker meldet: 
Spielbericht 
Ohne „Berlin-Versager“ Jörg Albertz und den Gelb-Rot-gesperrten Benjamin nahm HSV-Trainer Kurt Jara das Projekt Wiedergutmachung in Angriff. Vergessen sei nicht möglich, das 0:6 von Berlin „in den Hintergrund rücken“ lautete daher Jaras Forderung an seine Mannschaft. Zwar nur auf zwei Positionen verändert (Cardoso für Antar, Barbarez für Albertz), nahm Jara dennoch einige taktische Umstellungen vor. Ujfalusi rückte in die Abwehrkette, Hollerbach übernahm dafür seinen Part im defensiven linken Mittelfeld. Hertzsch rückte von halbrechts auf rechts in der Viererkette und tauschte so die Position mit Milan Fukal. Der Grund hierfür lag in der größeren Kopfballstärke des Tschechen gegenüber Hertzsch. Im Angriff rückte Präger auf die rechte Seite.

Sorgen dieser Art waren VfL-Coach Wolfgang Wolf völlig fremd, nach dem 5:1-Sieg gegen Köln am vergangenen Samstag sah er naturgemäß keinen Grund für Umstellungen. Auch Dietmar Kühbauer konnte Dorinel Munteanu nicht verdrängen. Der gegen Köln überragende Diego Klimowicz agierte erneut als Stoßstürmer in vorderster Front. 

Die Hansestadt erwies sich in dieser Spielzeit als unglückliches Pflaster für den VfL Wolfsburg. Wie schon vor einigen Wochen beim Gastspiel der „Wölfe“ beim FC St. Pauli (1:3-Niederlage) hatten daran erneut der Unparteiische und ein fragwürdiger Platzverweis maßgeblichen Anteil. 

Nach anfänglichen Problemen in der eigenen Hälfte kamen die „Wölfe“ nach zehn Minuten gut ins Spiel und immer öfter gefährlich vor das Tor von Martin Pieckenhagen. Je zwei Mal Ponte und Petrow hätten schon in der Anfangsphase für eine VfL-Führung sorgen müssen. Dem HSV war anfangs das infolge der jüngsten Pleite fehlende Vertrauen in das eigene Können in fast jeder Szene anzumerken. Um ein Haar wäre es Frank Greiner gewesen, der für die HSV-Führung sorgte: Einen Kopfball des eigenen Verteidigers von der Fünf-Meter-Linie konnte Reitmaier im VfL-Tor nur mit Mühe am Überqueren der Torlinie hindern. Der HSV verlagerte das Geschehen nach einer halben Stunde zwar häufig in die Hälfte der Gäste, ohne diese jedoch entscheidend in Bedrängnis bringen zu können. Romeo vergab nach einer Ecke von der rechten Seite die beste eigene Chance zur Führung. Klimowicz sorgte unmittelbar vor der Halbzeit für die nicht unverdiente Führung der Gäste, nach einer Flanke von Ponte setzte er sich im Luftkampf gegen Fukal durch und köpfte zum 1:0 ein.

Cardoso, mit fünf Toren aus fünf Spielen gegen die VW-Städter der VfL-Experte auf Seiten der Gastgeber, gelang es zu keinem Zeitpunkt, das Heft auf dem Feld in die Hand zu nehmen.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs rückte der bis dahin erfreulich unauffällige Schiedsrichter Stark in den Blickpunkt. Nach einem langen Ball von Präger stürmte Romeo auf und davon. Franz verfolgte ihn, bei diesem Laufduell trat sich der Argentinier, freiwillig oder unfreiwillig, selbst in die Kniekehle und fiel – und Stark auf diese Einlage herein: Rot für Franz. Eine Parallele zum Spiel der „Wölfe“ beim FC St. Pauli vor wenigen Wochen. Auch da hatte der VfL in der ersten Halbzeit dominiert und zu Beginn der zweiten Halbzeit einen unberechtigten Platzverweis (Gelb-Rot für Karhan) hinnehmen müssen. Und wie im Spiel am Millerntor blieb die numerische Unterlegenheit auch diesmal nicht ohne Folgen. Barbarez traf mit einem listigen Außenristschuss von der Strafraumgrenze zunächst nur den rechten Außenpfosten, wenige Minuten später war es dann aber soweit: Nach einem schönen Doppelpass mit dem eingewechselten Meijer schob der Bosnier zum Ausgleich ein.

Für Wolfsburg ging es in der Folgezeit nur noch darum, den Schaden in Grenzen zu halten. Der HSV erhöhte durch die Einwechslung weiterer Offensivkräfte die Schlagzahl. Das Anrennen der Hamburger blieb aber ohne Lohn, die letzte große Chance vergab erneut Romeo, dessen Schlenzer von der Strafraumlinie sichere Beute von Reitmaier wurde. 

Dass es für die Gäste in einer durchweg unterhaltsamen Partie letztlich nur zu einer Punkteteilung in der AOL-Arena reichte, hatten sie weniger eigenem Verschulden als der Roten Karte gegen Franz zu „verdanken“. Beide Teams bleiben so im Niemandsland der Tabelle.
 
Höhepunkte des Spiels:
Schlusspfiff
90.+1. Minute: Noch einmal Aufregung im Wolfsburger Strafraum. Nach einem Gewühl kommt schließlich Romeo aus spitzem Winkel zum Schuss, zielt aber über das Gehäuse.
84. Minute: Präger schickt Romeo, der wieder alleine auf Reitmaier zuläuft. Der Hamburger entscheidet sich für einen Heber, doch Reitmaier ist auf dem Posten und verhindert die Hamburger Führung.
78. Minute: Reitmaier gewinnt einen Luftkampf gegen Meijer, den Abpraller jagt Fukal von der Strafraumgrenze über das Wolfsburger Gebälk.
67. Minute: Ausgleich! Nach einem tollen Doppelpass mit Meijer taucht Barbarez alleine vor Reitmaier auf und schiebt den Ball eiskalt am herauseilenden Wolfsburger Torhüter vorbei ins rechte Eck.
61. Minute: Präger schickt Romeo, der alleine gen Wolfsburger Tor marschieren kann. Franz kommt von hinten, Romeo fällt und Schiri Stark zieht die Rote Karte - eine mehr als zweifelhafte Entscheidung.
57. Minute: Barbarez wagt einen Schlenzer mit dem Außenrist, trifft aber nur den Außenpfosten.
54. Minute: Munteanu kann von rechts flanken, legt ab auf Akonnor, dessen Schuss wird abgefälscht und fliegt knapp am linken Pfosten vorbei.
49. Minute: Präger mit einem ersten Versuch aus 16 Metern - ein allerdings ungefährlicher Versuch.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
45. Minute: Da ist die verdiente Führung für die Wölfe: Ponte fährt einen schönen Konter und kann seelenruhig flanken. In der Mitte steht Klimowicz und kann mit einem Kopfball unhaltbar ins linke Eck vollenden.
43. Minute: Romeo verlängert eine Flanke geschickt auf Barbarez, der versucht Reitmaier auszutanzen, doch der Wolfsburger Torhüter bekommt seine Finger noch an die Kugel.
42. Minute: Cardoso nimmt sich ein Herz und versucht es mit einem Fernschuss - der Ball trudelt am rechten Pfosten vorbei.
30. Minute: Romeo kommt nach einer Ecke zum Kopfstoß, der Aufsetzer segelt in Richtung linkes Tordreieck, doch Reitmaier bekommt seine Hand noch dazwischen.
28. Minute: Schöner Doppelpass von Ponte und Klimowicz, doch Ponte kann Reitmaier aus 11 Metern nicht überwinden.
23. Minute: Schon wieder der HSV: Romeo köpft den Ball aus zwei Metern an die Latte, den Nachschuss bugsiert dann Hoogma über den Wolfsburger Kasten.
22. Minute: Erste Chance für den HSV durch den Wolfsburger Greiner, der mit einem Kopfball nach einer Fukal-Flanke seinen Torhüter prüft.
17. Minute: Klimowicz mit einem Hammer aus etwa 16 Metern, der Pieckenhagen alles abverlangt.
11. Minute: Wieder die Wölfe. Ponte passt schön auf Klimowicz, aber der scheitert alleine vor Pieckenhagen.
9. Minute: Wieder Petrow über links, er findet Karhan. In dessen ersten Schussversuch wirft sich ein Hamburger, dann versucht er es mit einem Heber über Pieckenhagen, doch Hoogma kann per Kopf klären.
6. Minute: Erste Vorstöße in der AOL-Arena: Zunächst ist es Petrow, der sich auf links schön durchsetzt, doch seine Hereingabe ist zu ungenau. Im Gegenzug prüft Präger Reitmaier, der ohne größere Probleme parieren kann.
Anpfiff


 
dpa meldet:Hamburger SV nur 1:1 gegen zehn Wolfsburger 

Hamburg (dpa) - Sechs Tage nach dem Debakel von Berlin kam der Hamburger SV im Bundesliga-Nordderby gegen den VfL Wolfsburg trotz einer 35-minütigen Überzahl nicht über ein 1:1 (0:1) hinaus. 

Diego Klimowicz (45.) erzielte das Führungstor für die über weite Strecken überlegenen Gäste. Sergej Barbarez (67.) gelang vor 37 517 Zuschauern der glückliche Ausgleich, nachdem Maik Franz (55.) die Rote Karte gesehen hatte. «Es wäre mehr drin gewesen, aber wir haben uns auch so gut und teuer verkauft», stellte Wolfsburgs Trainer Wolfgang Wolf nicht unzufrieden fest. «Es war ein gerechtes Unentschieden», sagte sein Kollege Kurt Jara und schaute traurig in die Runde.

Nach vier Heimsiegen verpasste der HSV den fünften Erfolg in Serie, blieb aber zum achten Mal hintereinander vor eigenem Publikum ohne Niederlage. Die taktisch von Wolf hervorragend eingestellten Gäste waren bis zum Platzverweis gegen Franz, der Bernardo Romeo kurz vor dem Strafraum mit einer Notbremse gestoppt hatte, die dominierende Mannschaft. «Den Platzverweis kann man geben. Franz musste seiner Jugend Tribut zollen», fand Wolf.

Der HSV wirkte verunsichert, konnte sich nicht wie erhofft rehablitieren. «Wir wollten einen Sieg, das haben wir nicht erreicht», kritisierte Jara. Nach dem «halben Dutzend» bei Hertha BSC Berlin hatte der Österreicher seinen formschwachen Millionen-Einkauf Jörg Albertz auf die Bank gesetzt und ihn damit zum Sündenbock gestempelt. Für Roy Präger, der seinen Wechsel zu den «Wölfen» verkündet hatte, gab es überraschend keine Pfiffe von den Fans. Der kleine Angreifer hatte nach sechs Minuten auch die erste Chance für den HSV, doch Reitmaier klärte souverän gegen seinen künftigen Teamkollegen. «Wir haben nicht verloren, das ist wichtig», sagte Präger.

Kurz vor der Pause gelang Klimowicz nach einer mustergültigen Flanke von Robson Ponte die hochverdiente Führung. Aus sieben Metern verwandelte der Angreifer völlig freistehend und bejubelte seinen vierten Saisontreffer im elften Spiel. «Das war ein katastrophaler Fehler», schimpfte Jara. Doch das Hochgefühl der Gäste hielt nicht lange an: Franz holte zehn Minuten nach dem Wechsel den allein auf Torwart Claus Reitmaier zulaufenden Romeo von den Beinen und wurde von Schiedsrichter Wolfgang Stark (Landshut) vom Platz gestellt.

Zwei Minuten später traf Barbarez den Pfosten, ehe er in der 67. Minute die HSV-Anhänger mit seinem fünften Saisontreffer erlöste. Sechs Minuten vor dem Abpfiff vergab Romeo, der mit 5,65 Millionen Euro teuerste HSV-Einkauf aller Zeiten, eine sehr gute Gelegenheit kläglich.