Bundesliga 2001/2002, 28. Spieltag, Samstag, 23.03.02, 15:30 Uhr im Rostocker Ostseestadion

FC Hansa Rostock - Hamburger SV 1:1 (0:0)

Heute wäre auswärts wohl auch mal wieder mehr drin gewesen. Trotz eines 0:1-Rückstandes waren wir dann nach dem Ausgleich eine ganze Zeit lang näher an einem Sieg dran als Rostock.

Nun war ich also erstmals im komplett fertiggestellten Rostocker Ostseestadion. Es ist ja sehr schön, daß man jetzt auf der Autobahn direkt bis nach Rostock fahren kann. Schade ist es allerdings, daß dann ab Autobahnabfahrt bis zum Stadion eine einzige km-lange Schlange. Und dann habe ich mich letztes Jahr ja schon reichlich über den Fußweg für die Auswärts-Fans geärgert, weil man da einen irren Umweg laufen muß, nur weil da ein Tor nicht geöffnet wird. So hat man einen schönen Fußmarsch hinter sich, was gerade mich natürlich freut. Und dieses Elend haben sie tatsächlich bis heute nicht behoben. Und am Eingang (obwohl es schon nach Anpfiff war) stehen dann 20 Ordner, von denen aber nur 3 – 4 in der Lage sind, einen zu durchsuchen, sodaß man nochmal warten muß, bis man endlich durchsucht werden „darf.“ Naja, über den Rostocker Ordnungsdienst habe ich mich ja nicht zum ersten Mal gewundert.

Das Stadion ist insgesamt natürlich um Klassen besser als vor dem Um/Neubau, aber trotzdem um Klassen schlechter als z.B. das Leverkusener Stadion, das ja ähnlich groß ist. Das Wellblech-Dach und z.B. nur eine Anzeigetafel, die nicht einsehbar ist für alle Zuschauer hinter dem einen Tor, lassen das ganze auch nicht sehr viel besser aussehen. Irgendwie schade. Aber dafür kostet es ja auch nur einen Bruchteil anderer neuer Stadien.

In der 1. Halbzeit fand ich Hansa spielbestimmend und auch mit einigen guten Chancen, die sie teilweise dusselig vergeben haben oder bei denen sich unser Torwart auszeichnen konnte. Wir selbst hatten auch einige Chancen. Wenn ich recht überlege, war es fast immer Romeo, der den Schuß abgab. Dabei waren einige knappe Schüsse, die den Torwart teilweise auch zu Glanzparaden zwangen.

Besonders „angetan“ haben es mir heute aber wieder mal unsere Fans. Sprechchöre wie „ Nur auf der Tasche. Ihr liegt uns nur auf der Tasche“ lassen mich dann doch mal wieder am geistigen Zustand meiner „gleichgesinnten“ zweifeln. Auch ein „Westdeutschland, Westdeutschland“ gibt mir da eher weniger, denn ich fühle mich eher als Norddeutscher. Spätestens bei „Alles aus Hamburg ist scheiße“ mußte ich dann aber wenigstens mal etwas lächeln. Das kam irgendwie so kindermäßig rüber; da könnte man auch rufen „Ihr seid alle doof.“

In der zweiten Halbzeit bekamen wir dann das 0:1 und ich fand es zumindest in dieser Situation eher überraschend. In der Folge nahmen wir das Spiel aber mehr und mehr in die Hand und kamen schließlich durch einen sehenswerten Barbarez-Treffer zum Ausgleich. Der Treffer verwunderte mich übrigens, da Barbarez mit dem schwachen rechten Fuß abziehen mußte. Kurz darauf hatten wir dann sogar noch eine hundertprozentige Chance durch Roda Antar, die er aus ca. 5 – 10 m ziemlich kläglich auf den Torwart schoß. In der Folge waren wir zwar feldüberlegen, ließen aber zu viele gefährliche Konter der Rostocker zu und fanden selbst zu selten den Abschluß.

So ca. 5 – 10 Minuten vor Spielende ging dann wohl leider wieder der Gedanke durch die Mannschaft, daß man das Ergebnis sichern müßte und daher stellte man sich wieder viel zu weit hinten rein. Das hätte dann auch fast wieder einmal zum Gegentor gereicht, aber dank Piecke und etwas Glück blieb es schließlich beim 1:1. Damit bin ich auch ganz zufrieden. Damit ist unsere Position im Tabellen-Niemandsland.gefestigt. Der Abstieg ist demnächst aber sogar rechnerisch nicht mehr möglich. Wir haben jetzt 11 Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz und es sind nur noch 18 Punkte zu vergeben.

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: Einmal mehr tadellos: Note 2

Hollerbach: unauffällig bis er verletzt runter mußte: Note 3

Ujfalusi: hat leider wieder einen Konter durch einen Fehlpaß eingeleitet, der fast zu einem Gegentor geführt hätte: Note 4

Hoogma: recht souverän hinten und mit einigen guten Pässen auf die Flügel: Note 3

Hertzsch: spielte hinten souverän: Note 3

Maltritz: ganz grauselig. Schlechtes Zweikampfverhalten und Stellungsspiel. Ich hatte wirklich immer Angst, wenn er am Ball war: Note 5

Albertz: Von ihm kam leider auch ganz selten etwas vernünftiges. Leider auch wieder eine ganze Reihe Ballverluste: Note 4-

Benyamin: recht unauffällig: Note 4

Antar: der einzige Aufbauspieler, der aber auch oft darunter litt, daß sich seine Mitspieler nicht in die Lücken bewegen. Viele Ballkontakte: Note 3

Barbarez: war an vielen gefährlichen Situationen beteiligt und machte ein schönes Tor: Note 3+

Romeo: hatte gewiß die meisten Torschüsse des HSV. Leider ohne fortune: Note 3

Schiri Janßen: Das Spiel war zu fair und unspektakulär als das er viele Fehlentscheidungen hätte treffen können: Note 2

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 

TORE 
1:0 Andreas Jakobsson (51.)
1:1 Sergej Barbarez (66.)

GELBE KARTEN 
Hansa Rostock: 
Hamburger SV: Collin Benjamin (25.)

SCHIEDSRICHTER :  Jürgen Jansen 
ZUSCHAUER :  20,200 
DATUM :  23.03.02   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hansa Rostock: Daniel Klewer, Delano Hill, Mohamed Emara, Ronald Maul, Andreas Jakobsson, Rene Rydlewicz, Antonio Di Salvo, Yasser, Marcus Lantz, Dietmar Hirsch, Magnus Arvidsson
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Ingo Hertzsch, Nico Jan Hoogma, Tomas Ujfalusi, Marcel Maltritz, Jörg Albertz, Bernardo Romeo, Sergej Barbarez, Roda Antar, Bernd Hollerbach, Collin Benjamin

WECHSEL 
Hansa Rostock:
Markus Beierle für Antonio Di Salvo (77.)

Hamburger SV:
Roy Präger für Collin Benjamin (53.)
Jan Sandmann für Bernd Hollerbach (84.)
Erik Meijer für Bernardo Romeo (90.)
 
 

Ex-Rostocker Barbarez beschert HSV gegen Hansa einen Punkt 

1:1 im Nordderby. Zu wenig zum Überleben, zuviel zum Sterben. So zumindest muss man das Remis aus Sicht der Rostocker sehen. Andreas Jakobssons Führungstreffer (51.) egalisierte ausgerechnet der Ex-Rostocker Sergej Barbarez mit einem sehenswerten Schuss in den linken Winkel. Erst gegen Ende der Partie machten die Gastgeber den lange vermissten Druck, blieben im Abschluss jedoch ohne Fortune. "Ich kann mich über den Punkt nicht freuen. Es waren genug Chancen da. Wir haben vor allem in der zweiten Halbzeit alles versucht, sind aber nicht belohnt worden", sagte Trainer Armin Veh und haderte mit der Chancenverwertung seiner Elf.

Nur noch zwei Heimspiele
Hansa blieb vor 28.000 Zuschauern zwar unter Trainer Veh im heimischen Ostseestadion weiter ungeschlagen, konnte sich aber nicht entscheidend von der Abstiegszone absetzen. Noch ärgerlicher im Hinblick auf die Ergebnisse der direkten Konkurrenz im Abstiegskampf.
30 Punkte weisen die Hanseaten nun auf. Bei sechs noch ausstehenden Saisonspielen. Eigentlich kein Grund zur Besorgnis. Eigentlich. Doch die Truppe von Armin Veh hat nur noch zwei Heimspiele. Das wird ganz eng werden.

Manko ist die Auswärtsschwäche
Denn Hansa kann in der Fremde offensichtlich nicht mehr gewinnen. Zumindest nicht mit Armin Veh. Seit dem 08. Dezember 2001, damals mit 2:0 in Mönchengladbach, hat Rostock auswärts nicht mehr gewinnen können.
Seitdem setzte es fünf Niederlagen in Folge, zuletzt das peinlich 2:4 beim 1.FC Köln. Sollte Hansa seine Auswärtsschwäche nicht schnellstens ablegen, müssen sich die Verantwortlichen wohl doch Gedanken über die Zweite Liga machen.

Saison gelaufen
Beim HSV dagegen scheint die Saison gelaufen. 35 Punkte, zehnter Tabellenplatz. Keine Chance auf den Uefa-Cup und selbst der UI-Cup ist in weite Ferne gerückt. Dabei sind die Hamburger mit ganz anderen Erwartungen in die Saison gestartet.
Ein Platz im internationalen Wettbewerb sollte es schon sein. Doch beim HSV liegen Wunschdenken und Realität weit auseinander. Symptomatisch dafür ist Trainer Kurt Jaras Aussage nach der Partie im Ostseestadion. 

Barbarez will bleiben
"Wir waren hier 80, 85 Minuten spielbestimmend. Wir haben im Mittelfeld schön kombiniert, nur leider fehlte der letzte Pass." Bleibt die Frage, welches Spiel der Österreicher denn nun wirklich gesehen hat...
Kleines Trostpflaster für den HSV: Torjäger Sergej Barbarez will bei den Hanseaten bleiben. Nach seinem Treffer riss er sich das Trikot vom Leib und küsste das Vereinsemblem.
"Der Kuss zeigt, dass ich gerne bleiben möchte", sagte Barbarez, "ich beweise nicht nur durch Tore, sondern durch meine Einstellung auf dem Platz und im Training, wie ich zum HSV stehe."
 

Fakten:
Hansa effektiv gegen die Hamburger
Aus den vier Derbys gegen die Hamburger Vereine HSV und St. Pauli holte Hansa mit nur vier Toren zehn Punkte. 

Hansa muss zittern
Es war Hansas 75. Remis in der Bundesliga, nach nur fünf Punkten aus den letzten sechs Spielen belegt Rostock in der Rückrundentabelle einen Abstiegsplatz und muss wohl wieder bis zum Ende zittern. 

Nur neun Auswärtstore vom HSV
Barbarez’ Treffer war erst das neunte Auswärtstor der Hamburger in dieser Saison – Negativrekord für den HSV. 

Jüngste HSV-Elf
Der HSV schickte seine jüngste Startformation dieser Saison ins Rennen (im Schnitt 27,2 Jahre). 

Schlaglichter:
Ausgeglichenes Spiel
17:17 Torschüsse, jeweils 50 Prozent gewonnene Zweikämpfe – nicht nur das Ergebnis von 1:1 war am Ende ausgeglichen. Zwar legten die Hausherren in der Schlussphase noch einmal zu, insgesamt war die Punkteteilung angesichts der Möglichkeiten auf beiden aber Seiten gerecht. Ein vor der Pause langweiliges Spiel wurde nach dem Seitenwechsel doch noch ansehnlich, weil der HSV nach dem 0:1 kommen musste und so Rostock Konterräume bot. Die nutzten die Gastgeber jedoch nicht konsequent genug aus, bei einigen guten Chancen fehlte es an der letzten Entschlossenheit. 

Jakobsson hüben und drüben
Andreas Jakobsson war als Chef der erstmals komplett internationalen Viererkette Hansas wie so oft der zweikampfstärkste Rostocker (65 Prozent der Duelle gewonnen) – einmal stand er aber zu weit weg. Vor dem Ausgleichstor störte er Barbarez nicht entschlossen genug. Auch auf der anderen Seite war am Tor beteiligt: Jakobsson erzielte seinen zweiten Saisontreffer (zuletzt im September in Stuttgart), zum ersten Mal in der Bundesliga war er dabei aus dem Spiel heraus erfolgreich. 

Klewer ein sicherer Rückhalt
Die ganze Woche über wurde in den Medien diskutiert, ob Daniel Klewer bei seinem ersten Einsatz von Beginn an in der Bundesliga die Nerven bewahren würde. Nach 90 Minuten bleibt festzuhalten: Klewer hat alle Pessimisten eines besseren belehrt. Nur eine einzige kleine Unsicherheit beim Herauslaufen, ansonsten strahlte er Ruhe und Souveränität aus. Der beim Gegentor machtlose Klewer wurde von den Fans gefeiert, und das zurecht: Neun Torschüsse wehrte er ab, klärte auch bei vielen Flankenbällen sicher. 

Nicht das Spiel von Rydlewicz
Ein ungewohntes Bild: 17 Torschüsse von Hansa, und keinen einzigen davon bereitete Rene Rydlewicz – ansonsten Topvorbereiter bei Rostock - vor. Der Kapitän blieb lange Zeit blass, vor allem vor der Pause (nur 22 Prozent gewonnen) gewann er kaum einen Zweikampf. Mit Hollerbach lieferte er sich heiße Duelle, allein fünfmal wurde er vom HSVer gefoult. Weiterer Beleg dafür, dass Rydlewicz nicht wie gewohnt im Spiel war: Er hatte nur die sechstmeisten Ballkontakte in seinem Team, Lantz war 32-mal häufiger am Ball als Rydlewicz. 

Aktivposten Barbarez 
Das Tor zum Ausgleich gemacht, an den meisten Torschüssen beteiligt, die meisten Zweikämpfe bestritten – Sergej Barbarez war wie so oft der auffälligste Hamburger. Trotz seiner langen Verletzungspause ist er mit je sechs Toren und Torvorlagen ganz klar der Topscorer des HSV. 

Gute Partie von Maltritz 
Zum ersten Mal nach der Winterpause gehörte Marcel Maltritz zur Anfangself des HSV, der 23-Jährige machte seine Sache im zentralen defensiven Mittelfeld gut. Vor allem für die Offensive gab er viele Impulse: Vier Torschüsse und zwei Torschussvorlagen hatte er zu verzeichnen. Unter anderem konnte er sich die Torvorlage für Barbarez’ 1:1 gutschreiben lassen – für Maltritz der erste Scorerpunkt im 67. Bundesligaspiel. 

Trainer Armin Veh (Hansa Rostock): 
"Wir haben heute zwei Punkte verloren. Wir haben die besseren Möglichkeiten gehabt und leider in der Schlussphase das Tor nicht gemacht. Die erste Halbzeit war ausgeglichen mit verteilten Chancen. Der Führungstreffer in der zweiten Halbzeit hat uns geholfen. Leider hat Barbarez durch eine tolle Einzelaktion noch den Ausgleich gemacht." 

Trainer Kurt Jara (Hamburger SV): 
"Im Moment weiß ich noch nicht, ob ich mich ärgern oder mit dem Punkt zufrieden sein soll. Gegen eine verunsicherte Rostocker Mannschaft wäre mehr drin gewesen. Leider sind wir wieder mit 0:1 in Rückstand geraten und müssen so mit dem Unentschieden zufrieden sein. Wir haben die Partie 80 Minuten kontrolliert, nur in der Schlussphase haben wir etwas die Ordnung verloren." 

Topspieler: Sergej Barbarez (Hamburger SV)
Der Ex-Rostocker vermieste Hansa die Party! Bereits in der ersten Hälfte wirbelte der Bosnier - vor allem im Zusammenspiel mit Sturmkollege Romeo - die Abwehr der Hausherren gehörig durcheinander. In der 66. Minute klappte es dann endlich. Sein erstes Auswärtstor in dieser Saison. Insgesamt versuchte sich der Bosnier drei Mal beim Torschuss. Und legte seinen Kollegen fünf Mal den Ball auf. Acht Mal beteiligt bei 17 HSV-Torschüssen - bemerkenswert. 

Spielwertung: 2 Bälle (von 4 möglichen)

Kommentar:
Hansa wachte viel zu spät auf. Im ersten Durchgang Rostocks Abwehr einige Male zu sorglos, aber ohne Konsequenzen. Nach vorne zunächst auch nicht viel Zwingendes. Nach der Führung machte Hansa eigentlich alles richtig und spielte weiter offensiv. Komischerweise brachte der Ausgleich die Truppe von Armin Veh völlig aus dem Tritt. Erst in den letzten zehn Minuten warfen die Ostseekicker alles nach vorne. Zu spät. Zwei wichtige Zähler im Abstiegskampf verschenkt.
Stefan Rommel 

Taktik:
FC Hansa Rostock
Hansa mit dem bewährten 4-3-3System. Klewer im Tor. Davor in der Viererkette von links Emara, Jakobsson, Hill und Yasser. Im defensiven Mittelfeld Hirsch, auf der linken Außenbahn Maul, rechts Rydlewicz. Im Sturm Lantz, di Salvo und Arvidsson.

Hamburger SV
Der HSV mit 4-4-2. Pieckenhagen im Tor. Die Viererkette mit Hoogma und Ujfalusi in der Innenverteidigung, Hollerbach links und Hertzsch rechts. Maltritz im defensiven Mittelfeld, Albertz links und Benjamin rechts. In der Spielmacherrolle Antar. Im Sturm das Duo Barbarez und Romeo. 


 
kicker meldet: 

Spielbericht 
Nicht zum ersten Mal stellte HSV-Trainer Kurt Jara seine Mannschaft auf etlichen Positionen um: Albertz und Antar kehrten nach einem Spiel „Denkpause“ in die Anfangsaufstellung zurück, Maltritz bekam nach langer Zeit eine Bewährungschance als Staubsauger vor der Abwehr, und Benjamin rückte für Präger ins Team. Neben dem Noch-Hamburger fehlten Wicky, Cardoso und Fukal (alle leicht angeschlagen). Die Anfangself war mit einem Durchschnittsalter von 27,2 Jahren die jüngste im bisherigen Saisonverlauf beim HSV. 

Nachdem der Rostocker Einspruch gegen die Sperre von Bräutigam abgewiesen wurde, durfte Daniel Klewer, etatmäßige Nummer drei, sein Bundesliga-Debüt von Beginn an feiern. Im Angriff setzte Hansas Trainer Armin Veh erneut auf drei Sturmspitzen, di Salvo kam links neu ins Team. Yasser, der diese Position in der Vorwoche beim 2:4 in Köln enttäuschend ausgefüllt hatte, fand sich diesmal in der Verteidigung wieder. Emara komplettierte auf links die ägyptische Zange, Hirsch spielte vor der Abwehr im defensiven Mittelfeld. Oswald, Lange und Wibran saßen dafür nur auf der Bank.

Das Spiel in Rostock stellte Teil zwei der norddeutschen Derby-Wochen für den HSV dar. Und wie gegen Wolfsburg vor einer Woche (1:1) ging es auch in Rostock gegen ein Team, das, wie man selbst, im Niemandsland der Tabelle steht. Vom guten Niveau der Partie der Vorwoche war man im Ostseestadion aber weit entfernt.

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Sie handelt von zwei Mannschaften, die manchmal wollten, aber nicht mal dann richtig konnten. Nur in wenigen Phasen waren die Bemühungen beider Teams ansehnlich, über weite Strecken herrschte - dem Tabellenstand entsprechend – biederes Mittelmaß. Weder Arvidsson, noch Barbarez (vom Tor abgesehen) oder Romeo konnten sich aussichtsreich in Szene setzen. Die wenigen Bewährungsproben, die Klewer, der am Gegentor schuldlos war, zu bestehen hatte, meisterte er zumeist problemlos. Für Impulse bei den Gastgebern sorgten häufig die Vorstöße von Emara und Yasser, den beiden neu ins Team gerückten Außenspielern der Viererabwehrkette, sowie Maul.

Das planlose Spiel schien sich auch in Durchgang zwei fortzusetzen, aus dem Nichts aber kam Hansa zur Führung: Eine Flanke von Maul, die mehr für den in der Mitte mitgelaufenen di Salvo bestimmt zu sein schien, köpfte Abwehrchef Jakobsson per Bogenlampe unhaltbar für Pieckenhagen in den Winkel. Es war dies das erste Bundesliga-Tor des Schweden seit September, damals in Stuttgart. Hamburg präsentierte sich weiter ähnlich auswärtsschwach, wie sonst Hansa bei seinen Auftritten in fremden Stadien. Der Rückstand sorgte beim zahlreich mitgereisten Hamburger Anhang für wenig Zuversicht, zuletzt konnte der HSV vor fast drei Jahren, 1999 in Ulm, einen Rückstand in der Fremde noch in einen Sieg umwandeln. Erst der Ausgleich von Barbarez, bei dem der zuvor noch gefeierte Jakobsson eine schlechte Figur machte, belebte die Partie kurzzeitig; allerdings waren da schon 66 Minuten gespielt. Selbst mit der Umsetzung der bescheiden gewordenen Ziele des HSV („Wir wollen die Saison anständig zu Ende spielen“, HSV-Boss Werner Hackmann) hatten die Spieler so ihre Probleme. Ein ums andere Mal spielte man den komplizierten Pass, anstatt den direkten Abschluss zu suchen. Auf der anderen Seite versäumte es Hansa in der Schlussphase, den möglichen Siegtreffer zu erzielen.

Wie gegen Wolfsburg trennte sich Hamburg auch von Rostock mit 1:1, im Niemandsland der Tabelle bleibt damit alles beim Alten.
 

Analyse 
  
Personal: Auf beiden Seiten gab es jeweils vier Umstellungen. Bei Hansa wanderten nach dem 2:4 in Köln Wibran und Lange auf die Bank, Bräutigam (Rot-Sperre) und Oswald (verletzt) fehlten ganz. Klewer (Tor), Emara, Hirsch und Di Salvo begannen dafür. Der HSV musste gegenüber dem 1:1 gegen Wolfsburg Cardoso, Wicky (beide verletzt) und Fukal (krank) ersetzen, außerdem nahm Präger auf der Bank Platz. Neu dabei: Benjamin, Maltritz, Antar und Albertz. 

Taktik: Im Rostocker 4-3-3 besetzten die Ägypter Yasser (rechts) und Emara (links) in der Viererkette die Außenpositionen neben den zentralen Verteidigern Jakobsson und Hill. Hirsch übernahm zwischen den ebenfalls offensiv ausgerichteten Lantz und Maul die zentrale Mittelposition, davor agierte der oft kreuzende Rydlewicz etwas tiefer als Arvidsson (Mitte) und Di Salvo (links). Der HSV trat mit einer Dreierkette Hertzsch-Hoogma-Ujfalusi an, die bei Bedarf links mit Hollerbach erweitert wurde. Im völlig neu formierten Mittelfeld besetzten Maltritz und Albertz die Halbpositionen, zentral davor orientierte sich Antar wie auch rechts Benjamin verstärkt in die Offensive. Barbarez postierte sich häufig als Bindeglied zum in vorderster Linie spielenden Romeo. 

Spielverlauf: Rostock besaß in der Anfangsphase im Mittelfeld ein Übergewicht. Dort musste sich der HSV erst finden, Zuspiele von Lantz und Hirsch in die Spitze wurden zunächst zu wenig unterbunden. Mit Maul und dem geschickt aufrückenden Emara entstand Druck auf das Tor der Hamburger, die erst allmählich mit einigen gefährlichen Aktionen über Barbarez und Romeo ins Spiel fanden. Mit zunehmender Dauer allerdings glichen sich beide Seiten an, neutralisierten sich auf einem spielerisch eher schwachen Level. Der HSV, bei dem Antar gegen Klewer die beste Chance auf den Sieg vergab, kontrollierte im zweiten Durchgang das Geschehen. Hansa wirkte optisch leicht überlegen, ging aber im Strafraum stümperhaft mit seinen Gelegenheiten um. 

Fazit: Beiden Teams gelang vor dem Tor zu wenig. Drei Punkte als Ausbeute wären daher zu viel des Guten gewesen.
 

Höhepunkte des Spiels:
Schlusspfiff
89. Minute: Hansa bläst zur Schlussoffensive! Eine Vielzahl von guten Gelegenheiten bietet sich den Spielern, mit etwas Glück scheint der HSV die Schlussphase zu überstehen.
66. Minute: Der Ausgleich! Eben noch der Held beim Führungstor, lässt Jakobsson Barbarez zu viel Zeit bei der Ballannahme. Der Bosnier hat Zeit, sich den Ball maßgerecht zurecht zu legen und vollendet mit einem strammen Schuss in den Winkel.
56. Minute: Langer Ball Richtung Hansa-Tor, einen Moment zögert Klewer, ob er seinen Kasten verlassen soll. Letztlich entscheidet der Keeper das Laufduell gegen Barbarez aber zu seinen Gunsten.
51. Minute: Aus dem Nichts das Tor für Hansa! Eine Flanke von Maul befördert Jakobsson per Kopfball-Bogenlampe über den Torhüter hinweg genau in den Winkel.
50. Minute: Der Umstand, dass man einen Kopfball von di Salvo, der knapp fünf Meter am Tor vorbeigeht, als Chance bewertet, lässt Rückschlüsse auf das Niveau des Spiels zu.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
45.+1. Minute: Ein flach getretener Freistoß von Albertz hoppelt am Tor vorbei, keine Gefahr für Klewer.
34. Minute: Rydlewicz zieht eine Flanke zu nah an das Tor des HSV, Pieckenhagen pflückt den Ball sicher runter, bevor Maul dran kommt.
27. Minute: Mit viel Wohlwollen kann man nun auch beim HSV von der ersten Gelegenheit sprechen: Einen Schuss von Romeo, der wohl ohnehin vorbei wäre, fälscht Klewer zur Ecke ab. Die Ecke ist sichere Beute des 25-jährigen.
23. Minute: Yasser prüft Pieckenhagen aus spitzem Winkel mit einem direkt aufs Tor gezogenen Freistoß. Der Keeper kann den Ball mit dem Fuß klären, der Abpraller kann von Hansa nicht genutzt werden.
21. Minute: Nach zwanzig Minuten haben die Fans wenig Grund zur Freude: wenig Spielfluss, wenig Kreativität, hoffentlich erinnert das stürmische Wetter die Profis an ihre Aufgabe.
16. Minute: Maul bedient di Salvo, der lässt Hertzsch stehen und zieht ab. Den Schuss kann Pieckenhagen abwehren.
12. Minute: Erster Versuch der Gastgeber: di Salvo legt am Sechzehner ab auf Arvidsson, der den Ball aber weit über das Tor jagt.
Anpfiff


 
dpa meldet: Rostock nur 1:1 gegen HSV - Hansa 6 Punkte vor den Abstiegsrängen 

Rostock (dpa) - Hansa Rostock hat mit einem mageren 1:1 (0:0)-Unentschieden gegen den Hamburger SV den erhofften Sprung in das gesicherte Mittelfeld der Fußball-Bundesliga verpasst. Abwehrchef Andreas Jakobsson erzielte vor 22 200 Zuschauern im Rostocker Ostseestadion das einzige Tor für die Mecklenburger, die auch in ihrem fünften Heimspiel unter Trainer Armin Veh ungeschlagen blieben. 

«Nach ausgeglichener erster Halbzeit wollten wir mehr Druck machen. Das ist uns vor allem in der Schlussphase gelungen, aber leider haben wir aus unseren Möglichkeiten nichts gemacht», sagte der 41 Jahre alte Hansa-Coach. Trotz des verpassten Sieges haben die Rostocker sechs Spieltage vor Saisonabschluss fast beruhigende sechs Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang.

Für die Hamburger, die vergeblich auf ihren dritten Auswärtssieg hofften, traf der Ex-Rostocker Sergej Barbarez nach 66 Minuten zum insgesamt glücklichen Ausgleich aus Sicht der Gäste. «Ich weiß nicht, ob ich mich über den Punkt ärgern oder freuen soll. Gegen einen verunsicherten Kontrahenten wäre sicher mehr möglich gewesen», haderte HSV-Trainer Kurt Jara.

Ein Sieg der Gäste wäre allerdings nicht verdient gewesen. Bei fünf Grad und frostigem Nordwind kamen die Rostocker, die neben den gesperrten Torhüter Perry Bräutigam kurzfristig auch noch den verletzten Verteidiger Kai Oswald ersetzen mussten, erstaunlich schnell auf Betriebstemperatur. Schon nach zwölf Minuten hatte Magnus Arvidsson, der drei der vier letzten Hansa-Tore erzielte, die Chance zum 1:0, aber sein Direktschuss aus 14 Metern strich knapp am HSV- Gehäuse vorbei. Nur drei Minuten später war HSV-Torhüter Martin Pieckenhagen an seiner alten Wirkungsstätte zu einer ersten Glanztat gezwungen, als er einen Flachschuss von Antonio Di Salvo gerade noch um den rechten Pfosten lenken konnte.

«Piecke» war auch nach 23 Minuten auf der Höhe und klärte bei einem Freistoß von Radwan Yasser mit einer riskanten Fußabwehr. Diese Szene hatte seine Mannschaftskameraden offensichtlich wachgerüttelt, denn nun versuchten auch sie endlich engagierter, das von Vertragsamateur Daniel Klewer gehütete Rostocker Tor in Gefahr zu bringen. Namentlich Bernardo Romeo machte sich verdient, aber Klewer zeigte sich bei seinem platzierten Flachschuss ebenso auf der Hut (27.) wie bei einem Kopfball von Barbarez (38.). Da auch ein 25-Meter-Freistoß von Jörg Albertz nichts einbrachte, verabschiedeten sich die Nordrivalen letztlich torlos in die Halbzeitkabine.

Auch nach dem Wechsel ergriffen die Rostocker zuerst die Initiative und wurden dafür belohnt. Jakobsson verlängerte eine Flanke von Ronald Maul von der Strafraumgrenze per Kopf unhaltbar für Pieckenhagen ins rechte Dreiangel. «Das war wirklich ein schönes Tor», befand Hansa-Coach Veh. Die Führung machte seine Elf aber keineswegs sicherer. Im Gegenteil, sie schaute tatenlos zu, als Barbarez die erste und beinahe einzige HSV-Chance der zweiten Halbzeit zum Ausgleich nutzte. Danach versuchte Hansa zwar alles, um noch einmal in Führung zu gehen, agierte aber im Abschluss zu unkonzentriert und zu ungenau.