Bundesliga 2001/2002, 29. Spieltag, Samstag, 30.03.02, 15:30 Uhr in der Hamburger AOL Arena bei angenehm, frühlingshaften 17 Grad C.

Hamburger SV . FC Bayern München 0:0 (0:0)

Ich erhoffte mir vor dem Spiel, daß wir ein Unentschieden erreichen, denn objektiv gesehen war ja sogar das nach den letzten Leistungen schon fast vermessen. Nun ist mein Wunsch erfüllt worden und es hätte sogar noch mehr werden können.

Das ich im Nachhinein von Uli Hoeneß hören mußte, daß Bayern bestimmt besser stehen würde, wenn Sie die ganze Saison lang eine so gute Leistung gebracht hätten, finde ich dann doch äußerst bemerkenswert.
Dann kann ich nur konstatieren, daß der HSV dann wohl Meister geworden wäre, wenn er die ganze Saison die Leistung des gestrigen Spiels gebracht hätte, denn ich habe den HSV gestern insgesamt schon mit leichten Vorteilen gesehen.

Bemerkenswert schlecht fand ich die bajuwarische Abwehr. Sie war löchriger als sich die HSV-Abwehr oft präsentierte. So hätte der HSV in der 1. Halbzeit durch Meijer und Barbarez erstklassige Einschußchancen. Insbesondere Erik Meijers Chance war dabei eine sogenannte 100 %ige. Er hat eigentlich alles richtig gemacht; nur hat er den Schuss am Ende knapp neben das Tor gesetzt anstatt zu treffen. Aber vielleicht hatte mein Kumpel nach dem Spiel auch recht als er meinte, daß es ganz gut gewesen sein könnte, daß wir nicht früh getroffen haben, denn dann hätten wir uns ja ohnehin wieder zurückgezogen und um Gegentore gebettelt.

So haben wir mit dem Zurückziehen ins Schneckenhaus so ca. 70 – 80 Minuten gewartet. Erst dann haben wir uns wieder zu weit zurückgezogen und dann auch dem Gegner bessere Chancen ermöglicht. Darunter auch die 100%ige von Brazzo, der noch wesentlich kläglicher vergab als Meijer.

Davor hatten die Bayern eigentlich nur eine gute Chance durch einen Schuss von Effenberg, den Pieckenhagen allerdings hielt und auch halten mußte.

Nicht unterschlagen darf man dabei allerdings wohl, daß die Bayern auch einen Elfer hätten bekommen können. 
Santa Cruz wurde im Hamburger Strafraum in einer Szene zweimal attackiert. Einmal von Albertz und danach von Hertzsch. Während Albertz eindeutig nur das Bein des Bayern traf, zog Hertzsch das Bein weg und berührte ihn nicht. Nun machte allerdings Santa Cruz den Fehler, nach Albertz Beinstellen weiterzulaufen und sich erst hinzulegen, nachdem er bei Hertzsch ankam, der ihn ja gar nicht berührte. Es war also ein Foul und eine Schwalbe zugleich. Dazu muß ich auch noch sagen, daß man im TV erst aus der Hintertorperspektive erkennen konnte, daß Hertzsch das Bein wegzog. Von vorne sah es für mich wie die zweite Berührung aus. Verwunderlich, daß der Schiri nicht Elfmeter gab. Wenn ich es mit Objektivität versuche, muß ich wohl sagen, daß ein Elfer berechtigt gewesen wäre, denn der Schwalbe ging ja ein klares Foul voraus und einen Vorteil hatte Santa Cruz ja auch nicht.

Trotzdem denke ich, daß ein Sieg für die Bayern aufgrund des Spiels auch etwas ungerecht gewesen wäre. Aufgrund der Chancen war ein Unentschieden durchaus in Ordnung.  Und es war ein interessantes und kurzweiliges Unentschieden, weil es durchaus gute Spielzüge gab. Für mich war der HSV dabei sogar die bessere Mannschaft, aber das mag auch im Auge des Betrachters liegen.  Zumindest zeigte sich Bayern nie als Spitzenmannschaft, die uns ein Spiel diktierte.

Für die Bayern dürfte damit der Meisterschaftszug endgültig abgefahren sein und das war ja mein wichtigster Wunsch für dieses Spiel. Das Team hat gezeigt, daß es doch in der Lage ist, zu fighten. Wenn sie die restlichen Spiele auch so angehen, ist eine Versöhnung mit den Fans nach dieser bescheidenen Saison gewiß.

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: bekam eigentlich nicht sehr viel auf den Kasten und konnte sich somit wesentlich weniger auszeichnen als in den letzten Partien: Note 3

Hertzsch: einwandfreie Partie. Die Spitzen des Gegners waren in unserer Abwehr sehr gut aufgehoben. Nur selten wurde es richtig brenzlig: Note 2

Hoogma: in der Abwehr sah es wie gesagt gut aus, aber heute zeigte er einige brutale Fehlpässe hinten raus: Note 4

Fukal: viel heute nicht besonders auf, aber leistete seinen Beitrag zur guten Abwehrarbeit. Hatte mit Sergio aber auch wirklich den schlechtesten Bayern-Stürmer auf seiner Abwehrseite: Note 3

Hollerbach: kämpfte sehr gut, aber natürlich wieder nicht so viel im Aufbauspiel. Schrammte knapp an einer gelb/roten Karte vorbei: Note 3-

Ujfalusi: In der Defensive für mich der beste Hamburger auf dem Feld. Immer einen Tick schneller als der Gegner. Super-Unfalluschi! ;-)  Note 1

Maltritz: Ich weiß nicht; ich weiß nicht. Viele um mich herum fanden ihn sehr ordentlich. „Ordentlich“ würde ich ihm auch bescheinigen, aber für einen Mann im Mittelfeld geht von ihm zu wenig nach vorne aus – nämlich gar nichts. Für mich hat er insgesamt kein Bundesliga-Format. Gestern war er aber wirklich sehr ordentlich: Note 3-

Albertz: Heute ohne böse Fehlpässe. Aber trotzdem gibt er m.E. zu wenig Impulse nach vorne. Note 3-

Barbarez: trat heute nicht so häufig mit Dribblings in Erscheinung wie sonst. Ansonsten war er sehr bissig und zeigte kämpferisch eine Topleistung (und das bei einer „Diva“ ;-) ): Note 2

Romeo: spielte sehr unauffällig. Wesentlich weniger im Rampenlicht als seine Sturmpartner Barbarez und Meijer: Note 3-

Meijer: mit Licht und Schatten. Verstolpert hier und da auch mal einen Ball. Insgesamt aber mit Super-Kampfleistung, die für die Mitspieler auch ein Ansporn ist. Hätte seine Leistung nur mit einem Tor krönen MÜSSEN: Note 2

Schiri Fandel: in einigen kleinen Entscheidungen fand ich ihn „typisch“. Es bekamen HSVer fürs Meckern gelb, während es bei Bayern schon mal übersehen wurden. Bei der möglichen Elferentscheidung dann aber zu Gunsten des HSV. Insgesamt machten es beide Mannschaften dem Schiri aber auch nicht zu schwer: Note 2 

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 

TORE    - 

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Bernardo Romeo (30.), Sergej Barbarez (39.), Nico Jan Hoogma (40.), Bernd Hollerbach (79.) 
FC Bayern München: Bixente Lizarazu (32.), Owen Hargreaves (66.), Hasan Salihamidzic (80.), Thomas Linke (89.)

SCHIEDSRICHTER :  Herbert Fandel 
ZUSCHAUER :  55,360 
DATUM :  30.03.02   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Ingo Hertzsch, Nico Jan Hoogma, Milan Fukal, Marcel Maltritz, Tomas Ujfalusi, Bernardo Romeo, Jörg Albertz, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Erik Meijer

FC Bayern München: Oliver Kahn, Thomas Linke, Stefan Effenberg, Thorsten Fink, Robert Kovac, Hasan Salihamidzic, Bixente Lizarazu, Owen Hargreaves, Giovane Elber, Paulo Sergio, Roque Santa Cruz

WECHSEL 
Hamburger SV:
Roy Präger für Erik Meijer (87.)
Kim Christensen für Sergej Barbarez (90.)

FC Bayern München
Claudio Pizarro für Roque Santa Cruz (71.)
Mehmet Scholl für Paulo Sergio (71.)
Niko Kovac für Mehmet Scholl (84.)
 

Bayern nach Nullnummer beim HSV aus dem Titelrennen 

Der Meisterschaftszug ist für den FC Bayern München wohl endgültig abgefahren. Wie schon am 34. Spieltag der vergangenen Saison war der Hamburger SV das Zünglein an der Waage. Reichte damals ein 1:1 zum Titel, so haben die Bayern nach dem 0:0 bereits sieben Punkte Rückstand auf Tabellenführer Bayer Leverkusen. Der HSV blieb zum neunten Mal in Folge in der AOL-Arena ungeschlagen, verlor aber weiter an Boden auf einen UI-Cup-Platz. 

Hamburg vergab selbst beste Chancen
Von der ersten Minute an boten die beiden Rivalen den 55.360 Zuschauern in der Hansestadt ein spannendes und unterhaltsames Spiel. Doch im Gegensatz zu den Hamburgern ließen die vor dem Spiel noch so siegessicheren Bayern letzten Kampf- und Einsatzwillen fehlen. "Wir müssen uns mit dem 0:0 begnügen. Es gab einige Missverständnisse im Abwehrbereich. Da gab es zwei, drei brenzlige Situationen", sagte Trainer Ottmar Hitzfeld ärgerlich.

Ganz anders die Reaktion von Hamburgs Trainer Kurt Jara. "Es war ein sehr gutes Bundesliga-Spiel. Wenn bei uns Ordnung und Disziplin stimmen, können wir gegen jeden Gegner gute Ergebnisse erzielen. Wir haben gezeigt, dass der HSV lebt." Dabei hätten die Gastgeber mehr als einen Punkt holen müssen. Gleich mehrmals scheiterten die Norddeutschen an den eigenen Nerven oder Oliver Kahn - dem einzigen Bayern in Normalform.

Zweckoptimismus bei Oliver Kahn
Und der Nationaltorhüter ließ seinem Frust freien Lauf: "Wahrscheinlich wird Leverkusen hier herkommen und 8:6 gewinnen." Selbst das Wissen, dass seine Bayern seit nunmehr acht Spielen in Serie ohne Niederlage geblieben sind und er zum 17. Mal zu Null spielte, konnte den Perfektionist nicht aufmuntern. "Abhaken soll man etwas immer erst, wenn es rechnerisch nicht mehr möglich ist." Klingt nach Zweckoptimismus.

Langsam aber sicher macht sich Verzweiflung bei den Bayern breit. Eine Trophäe nach der anderen "flutscht" dem Weltpokalsieger durch die Hände. Stichwort Weltpokal: Es könnte der einzige Titel in dieser Saison für die Bayern gewesen sein. So sieht es auch der sonst so selbstbewusste Kahn: "Wir müssen aufpassen, dass wir am Ende nicht fast mit leeren Händen dastehen."

Ziel: Champions League
Sollte Schalke 04 am Sonntag bei Schlusslicht Köln gewinnen, gerät selbst das Unternehmen Champions League in Gefahr. Hasan Salihamidzic, wieder einmal einer der Besten auf dem Platz, sprach aus, was ein ganzer Verein denkt: "Unser Ziel ist es, unter die ersten Drei zu kommen. Das wird schwer genug."

Nun mussten Hitzfelds Mannen einen weiteren herben Rückschlag hinnehmen. Mehmet Scholl fällt erneut verletzt aus. In der 71. Minute eingewechselt verließ der Mittelfeldregisseur nur eine Viertelstunde später wieder den Platz mit einer Oberschenkelverletzung. Der Nationalspieler wird für mindestens zehn Tage ausfallen und somit nicht im Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid antreten können.

HSV als Spielverderber
Nur einer glaubt noch an das "Wunder Meisterschaft". "Wir geben uns noch nicht geschlagen", meinte Hitzfeld. "Wir wollen noch den vierten Titel in Folge holen. Auch wenn die Chancen durch den Sieg von Leverkusen gesunken sind."

Nach dem Klassiker gegen Madrid folgt am kommenden Wochenende ein weiterer Nord-Süd-Gipfel für den Noch-Meister. Werder Bremen kommt ins Münchner Olympiastadion. Die Hamburger könnten sich beim Auswärtsspiel AufSchalke erneut als Spielverderber auszeichnen.

Trainer Kurt Jara (Hamburger SV):
"Es war ein sehr gutes Bundesliga-Spiel. Wenn bei uns Ordnung und Disziplin stimmen, können wir gegen jeden Gegner gute Ergebnisse erzielen. Wir haben gezeigt, dass der HSV lebt. In zwei Wochen können wir den Bayern mit einem Sieg gegen Leverkusen Schützenhilfe geben." 

Trainer Ottmar Hitzfeld (Bayern München):
"Wenn Hasan Salihamidzic die beste Chance des Spiels genutzt hätte, hätten wir hier gewonnen. Insgesamt war es aber ein gerechtes Ergebnis. Wir waren in der zweiten Halbzeit deutlich besser als in der ersten. Wir geben uns noch nicht geschlagen und wollen noch den vierten Titel in Folge holen. Auch wenn die Chancen durch den Sieg von Leverkusen gesunken sind." 

Topspieler Erik Meijer (Hamburger SV):
In seinem ersten Spiel von Beginn an seit dem 19. Spieltag bedankte sich der 32-Jährige auf seine ganz eigene Art und Weise bei seinem Trainer. Zwei Torschüsse gingen auf sein Konto und fünf Torschüsse bereitete Meijer vor - so viele wie kein anderer Hamburger. Ein ums andere Mal ließ er seinen Gegenspieler Robert Kovac alt aussehen. Meijer gewann fünf von sechs Duellen gegen den Kroaten. Insgesamt bestritt er 40 Zweikämpfe - ebenfalls die meisten aller Spieler. Davon entschied er 50 Prozent für sich. Eine gute Quote für einen Stürmer. 

Spielwertung: 3 Bälle (von 4)

Kommentar:
Der Meisterschaftszug ist so gut wie abgefahren. Und während die Bayern in der Bahnhofsmission auf einen Platz in der Champions League hoffen, kann Lokführer Bayer Leverkusen schon beinahe für die Zieleinfahrt planen. Im Vorjahr entschied sich die Meisterschaft in Hamburg. Für die Bayern scheint das auch 2002 der Fall zu sein. Eine Nullnummer - eine Fahrkarte - vergrößert den Rückstand auf Leverkusen auf nun schon sieben Punkte. Das Remis war zudem äußerst schmeichelhaft. Doch freundlicherweise vergaben die Hanseaten gleich mehrere Großchancen. Hergehört Bundesliga: Die Meisterfeier findet am 4. Mai wohl nicht auf dem Marienplatz statt.
Sebastian Stolz 

Taktik:
Hamburger SV
Martin Pieckenhagen stand im Kasten des HSV. Davor spielte Trainer Kurt Jara mit einer Vierer-Abwehrkette bestehend aus Bernd Hollerbach, Nico Jan Hoogma, Ingo Hertzsch und Milan Fukal (v.l.). Auf den Außenbahnen agierten Tomas Ujfalusi auf links und Marcel Maltritz. Jörg Albertz spielte im zentralen Mittelfeld. Hinter der einzigen echten Spitze, Bernardo Daniel Romeo, liefen Sergej Barbarez und Eric Meijer auf.

FC Bayern München:
Oliver Kahn hütete wie üblich das Tor der Gäste. In der Vierer-Abwehrkette standen Bixente Lizarazu, Robert Kovac, Thomas Linke und Hasan Salihamidzic (v.l.). Thortsen Fink agierte im defensiven Mittelfeld und Owen Hargreaves spielte vor ihm. Lenker und Denker war Stefan Effenberg. Vor ihm stellte Trainer Ottmar Hitzfeld mit Paulo Sergio, Giovane Elber und Roque Santa Cruz gleich drei Stürmer auf. 


 
kicker meldet: 

Spielbericht 
Beim HSV gab es nach dem 1:1 in Rostock aus der Vorwoche folgende personellen Veränderungen: Fukal kam rechts für Benjamin, der offensive Meijer stand in der Startelf, Mittelfeldspieler Antar musste weichen. Bayerns Trainer Ottmar Hitzfeld stellte im Vergleich zum 3:0-Sieg gegen Köln folgendermaßen um: Der zuletzt Gelb-gesperrte Linke kehrte für Sforza in die Vierer-Kette zurück. Salihamidzic stand zum ersten Mal nach seinem Kreuzbandriss wieder in der Anfangsformation, Jeremies war außen vor. Hargreaves rückte ins Mittelfeld nach vorne, seinen Part auf der rechten Seite in der Abwehr übernahm Salihamidzic.

Die Rückkehr des FC Bayern an die Stätte des Herzschlagfinales der vergangenen Saison, als Andersson den Münchnern mit seinem Freistoßtor in der Nachspielzeit den dritten Meistertitel in Folge bescherte, war einmal mehr von großen Emotionen geprägt. Entsprechend nervös und zerfahren begann die Partie. Die Bayern versuchten, Linie ins Spiel zu bringen, was ihnen jedoch kaum gelang. Immer wieder wurde der Spielfluss durch viele Fouls (häufig taktischer Natur) gestört. Der HSV überbrückte das Mittelfeld schnell, agierte mit hohen, weiten Bällen in die Spitze, wobei die Bayern-Abwehr nicht den sichersten Eindruck hinterließ. Freilich, abgesehen von einem Effenberg-Schuss aus 13 Metern, den Pieckenhagen zur Ecke lenkte, waren klare Einschussmöglichkeiten hüben wie drüben nicht zu verzeichnen. Bis zur 21. Minute: Meijer setzte sich nach Hollerbachs Flanke im Strafraum gegen Linke durch, schoss aber alleinstehend vor Kahn aus halblinker Position aus sieben Metern knapp rechts vorbei. Eine "Hundertprozentige".

Immer wieder offenbarten die Münchner bei Flanken Abstimmungsprobleme, vor allem zwischen Kahn und Robert Kovac gab's Missverständnisse. Doch die Hanseaten konnten kein Kapital daraus schlagen. Nach 33 Minuten hätten die Bayern in Führung gehen können, bezeichnenderweise nach einer tollen Einzelleistung: Lizarazu setzte auf links zum Solo an, zog nach innen, spielte im Strafraum mit Santa Cruz Doppelpass und kam dann allein vor Pieckenhagen aber ins Straucheln, der Keeper konnte klären.

Die Hamburger entfachten vor allem Gefahr, wenn sie über links kamen. So auch nach 36 Minuten. Meijer konnte unbedrängt von links flanken, Barbarez übersprang alle, köpfte aber aus sechs Metern knapp rechts vorbei. Kahn wäre machtlos gewesen. Auffallend, wie anfällig die Innenverteidigung des FCB war.

Die Münchner konnten sich in der Offensive nicht entscheidend durchsetzen, der HSV markierte eng, war zweikampfstärker, fast alle Hamburger beteiligten sich an Deckungsaufgaben. Es gelang dem Deutschen Meister nicht, in den Rücken der HSV-Abwehr durchzudringen. Darüber hinaus wurden die Bayern immer wieder gefoult, die resultierenden Freistöße waren aber allesamt zu harmlos.

Beide Teams kamen unverändert aus der Kabine. Den ersten Aufreger in Halbzeit zwei gab's nach 52 Minuten: Albertz traf Santa Cruz im Strafraum hart am Knie, der Bayern-Stürmer fiel, doch Fandels Pfiff blieb aus.

Die Bayern waren nun deutlich feldüberlegen, das Tempo hoch. Der HSV kam nur zu seltenen Kontern, die aber gefährlich waren: Albertz spielte in die Gasse auf Romeo, der Robert Kovac alt aussehen ließ und aus 16 Metern aufs rechte Eck schlenzte. Kahn konnte den Ball mit den Fingerspitzen zur Ecke lenken (60.). Die Angriffe der Münchner waren zu durchschaubar, es fehlte das Überraschungsmoment, so dass sich die aufopferungsvoll verteidigenden Hamburger immer wieder befreien konnten. Hinten war der FCB weiterhin verwundbar, oft allzu sorglos und unkonzentriert. Der HSV verbuchte ein Chancenplus - auch, weil Robert Kovac nicht seinen besten Tag erwischt hatte, um es gnädig auszudrücken.

Die beste Möglichkeit hatte nach 78 Minuten aber Salihamidzic, der nach Doppelpass mit Pizarro völlig frei vor Pieckenhagen am linken Pfosten vorbeischoss. 

Dem FCB fehlte das letzte Quäntchen an Aggressivität und am Willen, unbedingt zu siegen. Der HSV spielte konzentriert und zweikampfstark zu Ende.

Vergangenes Jahr holten die Bayern mit einem Remis in Hamburg die Meisterschaft - mit dem diesjährigen Unentschieden verabschieden sie sich wohl aus dem Titelrennen.

Höhepunkte des Spiels: 
Schlusspfiff
86. Minute: Nach nur zwölf Minuten muss Scholl wieder vom Platz, weil wohl die alte Verletzung aufbrach.
78. Minute: Salihamidzic taucht nach Doppelpass mit Pizarro ganz allein vor Pieckenhagen auf, schießt aber am linken Pfosten vorbei.
76. Minute: Romeo köpft nach Hollerbach-Flanke aus sechs Metern knapp links vorbei.
74. Minute: Meijer setzt aus 18 (!) Metern zum Fallrückzieher an, trifft den Ball voll, doch das Leder streicht über den rechten Torwinkel.
72. Minute: Barbarez setzt sich im Dribbling in der rechten Strafraumhälfte gegen Robert Kovac durch, schießt aber aus zwölf Metern ans Außennetz.
59. Minute: Albertz spielt in die Gasse auf Romeo, der Robert Kovac alt aussehen lässt und aus 16 Metern ins rechte Eck schlenzt. Kahn kann den Ball mit den Fingerspitzen zur Ecke lenken.
54. Minute: Albertz trifft Santa Cruz im Strafraum hart am Knie, der Bayern-Stürmer fällt, doch Fandels Pfiff bleibt aus. Fehlentscheidung.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
36. Minute: Meijer kann unbedrängt von links flanken, Barbarez überspringt alle, köpft aber aus sechs Metern knapp rechts vorbei. Kahn wäre machtlos gewesen.
33. Minute: Lizarazu setzte auf links zum Solo an, zog nach innen, spielte im Strafraum mit Santa Cruz Doppelpass und kam dann allein vor Pieckenhagen ins Straucheln, der Keeper konnte klären.
28. Minute: Elber spielte Sergio im Strafraum frei, doch der Brasilianer trifft aus 13 Metern den Ball nicht richtig, schießt weit rechts vorbei.
22. Minute: Meijer setzt sich nach Hollerbachs Flanke im Strafraum gegen Linke durch, schießt aber alleinstehend vor Kahn aus halblinker Position knapp rechts vorbei.
17. Minute: Hargreaves zieht aus 19 Metern zentraler Position mit rechts ab, doch sein Flachschuss geht knapp links vorbei.
15. Minute: Lizarazu spielt Sergio auf Linksaußen frei, der legt flach zurück auf Effenberg, dessen Direktschuss aus 13 Metern Pieckenhagen aber zur Ecke klären kann.
12. Minute: Zerfahrener und hektischer Beginn in der von großen Emotionen geprägten Partie in der ausverkauften AOL-Arena. Chancen für beide Teams Fehlanzeige.
Anpfiff


 
dpa meldet: Bayern verlieren nach 0:0 beim HSV an Boden 

Hamburg (dpa) - Der FC Bayern München hat im Kampf um die deutsche Meisterschaft an Boden verloren. Der Weltpokalsieger kam im Nord-Süd-Duell der Bundesliga beim Hamburger SV nicht über ein mageres 0:0 hinaus. 

Da Bayer Leverkusen seine Partie beim 1. FC Kaiserslautern mit 4:2 gewann, haben die Münchner nun schon sieben Punkte Rückstand auf den Tabellenführer. Drei Tage vor dem ersten Viertelfinalspiel in der Champions League gegen Real Madrid ließen die Bayern vor 55 360 Zuschauern in der ausverkauften AOL-Arena den letzten kämpferischen Einsatz vermissen, um das Ruder im Kampf um den Titel noch herumzureißen. «Das bedeutet für uns einen Rückschlag», sagte Bayern-Torwart Oliver Kahn. «Aber abhaken soll man die Meisterschaft erst, wenn es rechnerisch nicht mehr möglich ist.»

Der HSV setzte seine frustrierende Serie der Erfolglosigkeit gegen die Münchner fort. In nunmehr zwölf Spielen seit 1996 sind die Norddeutschen ohne Sieg gegen den Rekordmeister. «Nach Hamburg fahren wir immer gern», hatte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld vor der Partie gesagt. Die Worte seines Kollegen hängte HSV-Coach Kurt Jara schwarz auf weiß als zusätzliche Motivationsspritze in der Kabine seiner Mannschaft auf. Immerhin konnten die Gastgeber ihren Heimnimbus wahren. Seit nunmehr neun Spielen sind sie vor heimischem Publikum ohne Niederlage.

«Wenn wir verlieren, wird es schwierig mit der Meisterschaft. Wenn wir gewinnen, sind wir wieder voll dabei», lautete die Einschätzung von Bayern-Manager Uli Hoeneß vor der Partie. Die Bayern müssen sich nun wohl damit abfinden, dass sie in dieser Saison nur die zweite Geige in der Bundesliga spielen. «Die Lage hat sich verschlechtert», gab Hitzfeld unumwunden zu. «Aber ich hoffe immer noch, dass wir Meister werden können.» Diesmal habe seiner Mannschaft das nötige Quäntchen Glück gefehlt, meinte der Coach.

In einer interessanten, aber keineswegs hochklassigen Partie hatten die Hamburger die besseren Torchancen. Erik Meijer zog am rechten Pfosten vorbei (21.), dann verfehlte der gut aufgelegte Sergej Barbarez (36.) per Kopf äußerst knapp das Bayern-Gehäuse. Auf der Gegenseite prüfte Stefan Effenberg mit einem Distanzschuss HSV-Torwart Martin Pieckenhagen (15.), Bixente Lizarazu scheiterte nach klugem Doppelpassspiel mit Roque Santa Cruz an Pieckenhagen (28.). «Es ist ärgerlich, dass es gerade gegen die Bayern wieder nicht geklappt hat, denn wir hatten gute Chancen», meinte Barbarez.

Die Bayern schienen mit ihren Gedanken schon in der Königsklasse bei Real Madrid zu sein. Immer wenn der HSV schnell über die Flügel spielte, kam die als stellungssicher bekannte Hintermannschaft der Münchner ins Wanken. Insbesondere Robert Kovac hatte einige Male Mühe, die Übersicht zu behalten. Als Romeo den Kroaten versetzte, musste Bayern-Torwart Kahn mit einer sehenswerten Parade den Rückstand verhindern (59.). Später hatten Jörg Albertz (60./67.) und Barbarez (71.) weitere gute Möglichkeiten.

«Es gab einige Missverständnisse im Abwehrbereich, so dass Oliver Kahn rauskommen musste», gestand Trainer Hitzfeld, sah darin aber kein Warnsignal für das Spiel gegen Madrid. Die beste Chance zum Siegtor für die Bayern vergab der Ex-Hamburger Hasan Salihamidzic, der nach einem Doppelpass mit dem eingewechselten Claudio Pizarro den Ball aus bester Position am Tor vorbeischob (77.). «Wenn ich getroffen hätte, hätten wir gewonnen», meinte der Bosnier.