Bundesliga 2001/2002, 33. Spieltag, Samstag, 27.04.02, 15:30 Uhr in der Hamburger AOL Arena bei teils Sonnenschein und teilweise Regenschauern.

Hamburger SV - BVB 09 Dortmund 3:4 (1:2)

Wieder einmal ein unglaubliches Spiel in der AOL Arena. Wenn wir insgesamt auch eine bescheidene Saison hatten, so hatten insbesondere unsere Heimspiele (und gerade zum Ende der Saison) einen hohen Unterhaltungswert.

Während des Spiels habe ich mich allerdings unglaublich aufgeregt. Was sich dieser Pianisten-Heini in Gelb da zusammengepfiffen hat, ging wirklich auf keine Kuhhaut. Eine widerliche Hörigkeit der Schiedsrichter in Bezug auf die vermeintlich „großen“ deutschen Mannschaften war heute mehr als deutlich zu spüren. Da erste einige Stunden seit Spielende vergangen sind, wäre ich momentan sogar noch der Meinung, dass lieber Bayern München Meister werden könnte als die schwarz-gelben Ratten aus Lüdenscheid-Nord. Das Team trat in einer einzigen Mecker- und Protestwelle auf. Wirklich widerlich. Und das der Schiri denen dann auch noch den Hof macht und brav in Ihre Richtung entscheidet – ohne Worte.

Ich versuche dann aber doch mal etwas vor der Schlüsselszene des Spiels anzufangen.

Die Dortmunder legten los wie die Feuerwehr. Schon nach wenigen Minuten hatten sie die erste hochprozentige Chance, die Amoroso vergab. Die ersten 10 Minuten war Dortmund spielbestimmend und der HSV ließ sich wesentlich mehr hinten reindrängen als in den vergangenen Spitzenspielen gegen Bayern und Bayer. Grund dafür ist vielleicht die nicht gerade sehr offensive Aufstellung des HSV. Außer den Stürmern Meijer, Romeo und Barbarez sind fast nur defensive Spieler auf dem Platz. Zumindest keine weitere Kreativspieler. Und trotzdem kommt der HSV dann zu seinen ersten beiden Großchancen. Jeweils Romeo kommt recht freistehend zum Kopfball und versiebt zweimal. Einmal würde ich es sogar als kläglich betrachten. Zumindest der erste Kopfball hätte auf das Tor gemusst. Der HSV bemerkt aber, dass man eben auch selbst Chancen haben kann und spielt fortan immer besser. Nur ein Tor will leider nicht gelingen.

Nachdem das Spiel schon hier und da giftig war, gewinnt es seinen ersten Gifthöhepunkt nach einem vermeintlichen Foul von Barbarez direkt vor der Dortmunder Bank. Nach einem Verbalaustausch zwischen Sammer und Barbarez, schießt Sammer dem davongehenden Barbarez den Ball in den Rücken. Nun gibt es natürlich richtige Tumulte und schließlich wird Sammer von Schiri Fandel aus dem Innenraum verwiesen. Zumindest hier zeigte sich Fandels Borussen-Hörigkeit noch nicht.

Dafür aber in der dann m.E. spielentscheidenden Szene in der 36. Minute. Ich glaube, dass es das ganze Stadion gesehen hat, dass ein Dortmunder im Mittelfeld den ballführenden Hamburger Wicky zu Fall bringt. Der Ball wird dann in den Strafraum gespielt. Hertzsch bringt Amoroso zu Fall und der Schiri zeigt nicht nur auf den Elfmeterpunkt; nein, er gibt Hertzsch auch noch die Rote Karte. Da ich die Szene noch nicht im TV gesehen habe, kann ich nur sagen, dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass es ein Foul von Hertzsch war. Und ICH kann dann sogar eine Rote Karte o.k. finden, obwohl in Medienberichten bereits davon gesprochen wird, dass die Rote Karte zu hart war. Ich finde es aber unglaublich, dass ich bisher nirgends einen Satz über das einleitende Foul des Dortmunders gelesen habe. Das wird einfach totgeschwiegen. DAS WAR UNGLAUBLICH! Ich könnte jetzt noch ausflippen. 

Leider sorgte der Fußballgott dann nicht dafür, dass der Elfmeter nicht zum Erfolg erführt – Borussia führte durch Amoroso-Elfer 1:0. Und der HSV war durch die Rote Karte und die ganze Aufregung so konfus in der Abwehr, dass Rosicky nur 2 Minuten später völlig freistehend zum 2:0 einlochen konnte.

Das alles resultierte aus Herrn Fandels Fehlentscheidung im Mittelfeld!

Aber das war ja nicht alles. Herr Fandel pfiff jede Lächerlichkeit für die Dortmunder. Und die haben wirklich einige Flugkünstler in Ihren Reihen. Leute wie Rosicky, Addo etc. liegen bei jeder Körperberührung auf dem Boden. Aber sogar ein Hüne wie Koller fliegt da durch die Gegend wir ein Rehkitz vor der ersten Brunft.

So sehr das Spiel zu diesem Zeitpunkt schon entschieden wirkte, so nahm es doch noch in der 1. Halbzeit eine interessante Wendung. Bei einer Flanke in den Borussenstrafraum brachte Wörns Barbarez zu Fall und der Schiri entschied auf Elfmeter. Für mich war das ein klares Foul. Nachdem beide Spieler behandelt wurden, erhielt der aufstehende Wörns die gelbe Karte. Da er schon eine hatte, bekam er gelb-rot. Barbarez musste ausgewechselt werden. Spätestens nachdem in der Halbzeit vermeldet wurde, dass Barbarez einen Jochbeinbruch davonzog, dürfte wohl klar sein, dass dieser Elfmeter berechtigt war.

Wicky konnte Gott sei Dank den Elfer verwandeln und so ging es mit einem 1:2 und nur noch 10 gegen 10 in die zweite Halbzeit.

Und auch hier sollte es interessant weitergehen. 

Nachdem der HSV weiterhin gut spielt und das Spiel auch dominiert, erhält Dortmund nach einem Faller von Koller einen m.E. eher fragwürdigen Freistoß an der Strafraumgrenze. Diesen drischt Amoroso zunächst in die Mauer; doch den Nachschuß kann er dann leider im Tor versenken. 1:3

Schließlich kann Hoogma dann noch zum 2:3 verkürzen. Doch leider schafft Koller einige Minuten später bei einem Konter das 2:4. Da ist eigentlich spätestens alles aus.

Doch tatsächlich schafft der HSV immerhin noch durch Meijer das 3:4. Da der Schiri aber natürlich nicht sehr lange nachspielen lässt, und das obwohl z.B. Lehmann nach einer scheinbaren Ohnmacht minutenlang behandelt wurde, können die Dortmunder das Spiel mit einem 4:3-Sieg nach Hause schaukeln. Unglaublich.

Da Leverkusen in Nürnberg verlor, ist Dortmund nun tatsächlich Tabellenführer vor dem letzten Spieltag und kann durch einen Heimsieg gegen Werder am letzten Spieltag alles klar machen. Ich will das nicht, ich will das nicht, ich will das nicht!!!

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: Heute hielt er nicht sehr viel. Allerdings waren die Treffer auch nicht so, dass man das Gefühl hatte, er hätte davon einen verhindern müssen: Note 4

Hertzsch: Hat ja nicht sehr lange gespielt. Da ich keine TV-Szenen gesehen habe bisher, weiß ich nicht, ob er wirklich gefoult hat. Aber zumindest hat er sich nicht geschickt angestellt: Note 4

Hoogma: Bestand sehr oft recht gut im defensiven Luftkampf gegen Koller: Note 3

Ujfalusi: Heute mal wieder als Manndecker. Eher unauffällig: Note 3

Hollerbach: war mal wieder nicht weit entfernt von einer gelb-roten Karte. Konnte aber leider auch nur durch Härte überzeugen. Ansonsten gefiel er mir nicht gerade gut: Note 4

Groth: es ist natürlich schon recht mau, wenn Groth so etwas wie den Spielmacher gibt. Er hat das aber ganz anständig gemacht. Geärgert habe ich mich darüber, dass er bei seinen vielen Flanken nicht mal drauf geachtet hat, nicht genau in den Pulk zu flanken, in dem auch Koller stand. Der konnte so wirklich unglaublich viele Bälle hinten klären: Note 3-

Fukal: sehr unauffällig: Note 4

Barbarez: versprühte bis zu seiner Verletzung auch mehr Gift als Gefahr. Trotzdem ist er für die gegnerische Abwehr eben immer ein Unruheherd und sehr wichtig für den HSV: Note 4

Romeo: Och, Mann, was hatte der Junge heute wieder alles für Chancen. Davon MUSS einfach mal eine rein. Er braucht definitiv zu viele Chancen; auch wenn er immer da steht, wo es brennt: Note 4

Meijer: Gerade für „meinen“ Erich freut es mich, dass er endlich mal wieder getroffen hat; auch wenn es nur noch ein Tropfen auf den heißen Stein war. Note 3

Schiri Fandel: Darüber könnte ich mich jetzt noch richtig auskotzen!!! Aber ich habe oben ja schon genug geschrieben. Es ist widerlich, wie immer sooo viel zu Gunsten der Topteams entschieden wird. Und vor allem ist es ekelhaft, dass das ständige Lamentieren einiger Spieler noch belohnt wird. Ein Reuter oder Heinrich hätten wegen des ständigen Forderns nach gelben Karten für den Gegner bei jedem beschissenen kleinen Foul eigentlich vom Platz gestellt gehört. Jedenfalls hat der Schiri dieses Spiel maßgeblich entschieden: Note 6

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 

TORE 
0:1 Marcio Amoroso (36.)
0:2 Tomas Rosicky (38.)
1:2 Raphael Wicky (42.)
1:3 Marcio Amoroso (63.)
2:3 Nico Jan Hoogma (80.)
2:4 Jan Koller (87.)
3:4 Erik Meijer (90.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Sergej Barbarez (13.) , Bernd Hollerbach (21.) , Tomas Ujfalusi (62.) , Erik Meijer (78.) 
Borussia Dortmund: Christian Wörns (5.), Otto Addo (46.), Marcio Amoroso (64.)

PLATZVERWEISE 
Hamburger SV: Karte rot für Ingo Hertzsch (34.)
Borussia Dortmund: Karte gelb/rot für Christian Wörns (41.)

SCHIEDSRICHTER :  Herbert Fandel 
ZUSCHAUER :  55,340 
DATUM :  27.04.02   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Nico Jan Hoogma, Milan Fukal, Tomas Ujfalusi, Ingo Hertzsch, Martin Groth, 
Bernardo Romeo, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Raphael Wicky, Erik Meijer

Borussia Dortmund: Jens Lehmann, Stefan Reuter, Christoph Metzelder, Sebastian Kehl, Christian Wörns, Jörg Heinrich, Marcio Amoroso, Tomas Rosicky, Lars Ricken, Otto Addo, Jan Koller

WECHSEL 
Hamburger SV:
Roda Antar für Sergej Barbarez (43.)
Collin Benjamin für Milan Fukal (69.)
Marcel Ketelaer für Raphael Wicky (82.)

Borussia Dortmund:
Jürgen Kohler für Lars Ricken (43.)
Sunday Oliseh für Sebastian Kehl (89.)
Ewerthon für Marcio Amoroso (92.)
 

Dortmund gewinnt beim HSV und ist Tabellenführer 

"Wir wollen unsere Pflichtaufgabe erfüllen", sagte Dortmunds Trainer Matthias Sammer vor der Partie beim seit zehn Heimspielen unbesiegten Hamburger SV. Die Vorgabe wurde durch einen 4:3-Sieg erfüllt, durch die gleichzeitige Niederlage vom Konkurrenten Leverkusen in Nürnberg steht die Elf nun sogar auf Platz eins. 
Der Titelgewinn klopft nach dem Erfolg beim HSV überraschend an die Tür der Dortmunder. Doch bis dahin war es ein steiniger Weg, musste Sammer durch ein Wechselbad der Gefühle, ein Alfred Hitchcock hätte das Drehbuch nicht besser schreiben können.

Hartes Einsteigen beider Teams
Blende auf: 15.30 Uhr - AOL-Arena, ausverkauft mit 55.340 Zuschauer, Anpfiff Herbert Fandel.
15.32 Uhr - Bernd Hollerbach steigt gegen Otto Addo ein. Der Dortmunder krümmt sich auf dem Boden, muss behandelt werden. Sammer springt auf, lässt eine Schimpfkanone ab. Pulsschlag 160.
Sammer musste auf die Tribüne
15.39 Uhr - Bernardo Romeo, freistehend vor dem Dortmunder Tor. Kopfball - vorbei. Sammer gestikuliert an der Seitenlinie. Pulsschlag 170.
15.47 Uhr - Sergej Barbarez bringt Tomas Rosicky vor der BVB-Trainerbank unsanft zu Fall. Sammer springt wie ein Berserker von der Bank, hochroter Kopf, nimmt den Ball und wirft ihn Barbarez in den Rücken. Der Ex-Borusse lässt sich das nicht bieten, geht auf Sammer los. Handgemenge. Folge: Sammer muss auf die Tribüne (bereits das zweite Mal in dieser Saison). Pulsschlag 220.
"Mannschaft hat bessere Nerven als ihr Trainer"
Sammer entschuldigte sich nach der Partie für sein Verhalten: "Die Mannschaft hat bessere Nerven gezeigt als ihr Trainer. Es tut mir auch leid für den Schiedsrichter, dadurch kam unnötige Hektik ins Spiel."
Und die turbulente Partie nahm ihren Lauf. Nach Notbremse an Marcio Amoroso sah Ingo Hertzsch die Rote Karte (36.), die "Schwarz-Gelben" bekamen einen Elfmeter zugesprochen. Der Gefoulte verwandelte selber, die Führung.
Wörns sah die Ampelkarte
Die Hamburger wirkten kurzzeitig geschockt, Rosicky nutzte die Unsicherheit und traf nur zwei Minuten später zum 2:0. Zufriedenheit bei Sammer auf der Tribüne. Der nächste Aufreger folgte aber in der 42. Minute. Zweikampf zwischen Christian Wörns und Barbarez im Dortmunder Strafraum.
Der zuvor schon verwarnte Wörns sah Gelb-Rot, Raphael Wicky verwandelte den fälligen Elfmeter, der Hamburger Anschlusstreffer (42.). Ein roter Kopf ist auf der Tribüne zu sehen.
"Wir wollten unbedingt gewinnen"
Nach der Pause führten beide Teams fort, was sie davor schon taten. Hektik, Kampf um jeden Zentimeter. Sebastian Kehl meinte nach der Partie: "Wir haben ein starkes Spiel gezeigt. Wir waren bissig und man hat gesehen, dass wir unbedingt gewinnen wollten."
Amoroso gab die Antwort in der 63. Minute und stellte mit seinem zweiten Tor (dritter Doppelpack der Saison) den alten Vorsprung wieder her. Damit rangiert er mit 18 Toren, gemeinsam mit Martin Max, auf Platz eins der Torjägerliste. Beruhigung auf der Tribüne bei Sammer.
Jens Lehmann patzte
Aber erneut kam der HSV heran, da die Dortmunder Unsicherheiten in der Abwehr offenbarte. Nach einem kapitalen Fehler von Jens Lehmann verkürzte Jan Nico Hoogma auf 2:3 - und das zehn Minuten vor Schluss. Aufregung auf der Tribüne, Kopfschütteln bei Sammer.
Jan Koller erlöste dann in der 87. Minute seinen Trainer, der nahe am "Herzkaspar" war. Erik Meijers Tor zum 3:4 in der letzten Minute war dann nur noch Ergebniskosmetik.
Meier sieht den BVB vorm "finalen Blattschuss"
Der Sieg stand fest, die Tabellenführung war perfekt. Beides erkauft mit jeder Menge Nerven. "Jetzt werden wir Meister", meinte dann auch Urgestein Jürgen Kohler. Christoph Metzelder sagte: "Wir haben immer an unsere Chance geglaubt."
Sollte Dortmund am letzten Spieltag tatsächlich die "hässlichste Salatschüssel der Welt" gewinnen, wird sich die "Investition" vom Trainer gelohnt haben. Und das wäre für Manager Michael Meier der "finale Blattschuss" für den bisherigen Jäger.
 

Fakten:
Liebling HSV
Der vierte Sieg in Folge gegen den HSV bringt Dortmund erstmals seit dem 23. Spieltag wieder die Tabellenführung. 

Ungewohnter Abschied
Nachdem in den letzten sieben Jahren nie das letzte Heimspiel einer Saison verloren ging, verabschiedete sich der HSV wieder mit einer Heimniederlage von seinen Fans. 

Einen "Titel" sicher
Der neunte Auswärtssieg (Vereinsrekord in einer Saison) machte Dortmund definitiv zur besten Auswärtsmannschaft dieser Saison - die Grundlage für den Meistertitel? 

Ende der Heimserie
Nach zehn Heimspielen ohne Niederlage (jeweils fünf Siege und Remis) kassierte der HSV erstmals seit Oktober 2001 wieder eine Pleite in der AOL-Arena. 

Schlaglichter:
Mit Biss und Glück
Mit 58 Prozent gewonnenen Zweikämpfen kämpfte Dortmund beim HSV um die Meisterschaft - der Einsatz sollte sich am Ende lohnen, obwohl der HSV zu mehr Torschüssen (17) als der BVB kam (14). Besonders im gegnerischen Strafraum jedoch versagten den Hamburgern die Nerven - sie kamen dort 14-mal zum Abschluss, Dortmund lediglich sechsmal. 

Mit Biss und über die Flügel
Der HSV wollte seine Ankündigung wahrmachen und zum Meistermacher werden: 26 zu 16 Fouls sprechen für die nötige Aggressivität und 15 Flanken für viele Angriffe über die Flügel. Zum Vergleich: Dortmund schlug ganze vier Flanken. 

Amoroso nicht zu stoppen
Sowohl im Kampf um die Meisterschaft als auch in dem um die Torjägerkanone ließ Amoroso nicht locker. Mit den meisten Torschüssen aller Spieler (sechs) kam der Brasilianer zu seinem dritten Doppelpack in der Bundesliga und zu den Saisontreffern Nr. 17 und 18 (gleichauf mit Martin Max). Mit einer weiteren Torvorlage avancierte er nebenbei zum Matchwinner. 

Erik Meijer und die "Vier"
An acht der 17 Hamburger Torschüsse war Erik Meijer beteiligt. Der Niederländer arbeitete dabei sowohl im Abschluss (viermal) und als auch als Vorbereiter (vier Torschussvorlagen) emsig und wurde spät - zu spät - mit seinem vierten Saisontor belohnt. 

Trainer Kurt Jara (Hamburger SV): 
"Ein sehr aufregendes Bundesliga-Spiel. Beide Mannschaften wollten absolut den Sieg. Dortmund hat eine hervorragende Leistung gezeigt und hat es jetzt selbst in der Hand, Meister zu werden. Als Mannschaft waren wir nicht schlechter, aber die Dortmunder haben hervorragende Einzelspieler. Das war vielleicht der kleine Unterschied." 

Trainer Matthias Sammer (Borussia Dortmund): 
"Wir befinden uns jetzt zum ersten Mal in der Rolle, ganz oben zu stehen. Die Meisterschaft wird jedoch erst in der nächsten Woche entschieden. Die Mannschaft hat heute Charakter und Moral bewiesen und sich von den Nerven her besser angestellt als ihr Trainer." 

Topspieler: Marcio Amoroso (Borussia Dortmund)
Mit seinem dritten Doppelpack war der Brasilianer Erfolgsgarant beim 4:3-Auswärts-Sieg seiner Mannschaft in der AOL-Arena. Zudem leistete er zu einem Tor die Vorarbeit. Mit sechs Torschüssen gab er die meisten aller Spieler auf dem Platz ab, zu zwei weiteren leistete er die Vorarbeit. Zudem gewann er 53 Prozent seiner Zweikämpfe, keiner der drei Hamburger Abwehrspieler konnte ihn in dieser Disziplin schlagen. Eine Super-Leistung, der Lohn: Mit 18 Toren gemeinsam mit Martin Max an der Spitze der Torjägerliste und die Eroberung der Tabbellenspitze - und das ein Spieltag vor Saisonende! 

Spielwertung: 4 Bälle (von 4)

Kommentar:
Borussia Dortmund erobert den Platz an der Sonne. Jetzt haben sie es selbst in der Hand, die Deutsche Meisterschaft zu packen. Aber bis zum Abpfiff mussten sie zittern, der Hamburger SV steckte nicht auf und zeigte eine gute Leistung, obwohl es für die Hanseaten nur um die "Goldene Ananas" ging. Um so erstaunlicher war es, dass um jeden Zentimeter gekämpft wurde. Jede Menge Tore, zwei Elfmeter, Rote Karten und Kampf, das Spiel hatte alles, was man sich wünschen konnte. Schließlich gewann Dortmund etwas glücklich und Dank der besseren Nerven - wobei das nicht auf Trainer Matthias Sammer zutraf. Dank der "Dummheit" von Leverkusen sind die Schwarz-Gelben nun vor dem Titelgewinn.
André Elsner 
 

Taktik
Hamburger SV:
Im Tor Pieckenhagen. Davor eine Dreierkette mit Ujfalusi, Hoogma und Hertzsch. Halblinks sicherte Wicky ab, halbrechts Groth. Im rechten Mittelfeld agierte Fukal defensiver orientiert als Hollerbach auf der Gegenseite. Hinter den Spitzen Meijer und Romeo spielte Barbarez zentral offensiv.
Nach der roten Karte für Hertzsch ging Fukal zurück in die Defensive und Groth wechselte auf die rechte Außenseite. Antar ersetzte vor der Pause den verletzten Barbarez, Benjamin ersetzte Fukal und Ketelaer kam für Wicky.

Borussia Dortmund
Das Tor hütete Lehmann. In der Innenverteidigung Wörns und Metzelder. Links Heinrich, rechts Reuter. Halblinks kurbelte Kehl, halbrechts Ricken an. Rosicky im offensiven Mittelfeld hinter dem Dreiersturm Addo (links), Koller (zentral) und Amoroso (rechts).
Nach der Ampelkarte für Wörns musste Ricken raus, Kohler kam. Oliseh ersetzte Kehl, Ewerthon seinen Landsmann Amoroso. 


 
kicker meldet: 

Spielbericht 

Besonders Vorkommnis: Dortmunds Trainer Matthias Sammer wird nach einer Unsportlichkeit von Schiedsrichter Fandel auf die Tribüne verwiesen (17.)
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Im Vergleich zum 4:0-Erfolg gegen den FC St. Pauli im Stadtderby brachte HSV-Trainer Kurt Jara gegen Dortmund Fukal und Barbarez (nach Gelbsperre) für Antar und Cardoso. Gegenüber dem 2:1-Heimsieg gegen den 1. FC Köln stellte Matthias Sammer drei Mal um. Für Kohler, Evanilson und Ewerthon schickte der BVB-Trainer Heinrich, Addo und Ricken aufs Feld.

Dortmund begann dank seiner fünf Offensivkräfte sehr stürmisch. Doch fehlte es bei den Borussen zunächst an Zielgenauigkeit. Allerdings fehlte der Sammer-Elf durch seine offensive Ausrichtung etwas die Linie im Defensivspiel. Vor allem Romeo stellte die BVB-Abwehr vor Probleme, weil er sowohl in der Mitte als Vollstrecker lauerte als auch als Vorbereiter auf die Flügel auswich.

Vor der Pause kamen die Borussen wieder etwas besser ins Spiel, wenn auch über Konter. Einen davon konnte Hertzsch gegen Amoroso nur per Foul stoppen und der Brasilianer machte per Elfmeter sein 17. Saisontor. Da bei der Attacke Hertzsch mit Rot vom Feld musste, war die HSV-Abwehr für einige Minuten ohne Orientierung. Das wiederum nutzten Amoroso und Rosicky eiskalt aus - der Tscheche machte das 2:0. Doch wer gedacht hätte, dass der BVB die Partie nun locker nach Hause spielen könnte, sah sich getäuscht. Hollerbachs Knaller leitete die Aufholjagd ein, die Wicky per Elfmeter zum 1:2 fortsetzte. 

Da bei der Elfmeter-Situation von Wörns gegen Barbarez (erlitt dabei einen Jochbein-Bruch) der Dortmunder mit der Ampelkarte vom Feld musste, startete die zweite Halbzeit mit Zehn gegen Zehn. Dabei gab die dezimierte Hamburger Elf nach dem Seitenwechsel richtig Gas und zog ein wahres Powerplay auf. Die Dortmunder Defensive wirkte in dieser Phase erneut nicht sonderlich sattelfest. Doch weil der HSV dies nicht konsequent ausnutzte, kam die Borussia ähnlich überraschend wie im ersten Durchgang zum Torerfolg. Wieder war es Amoroso, der nach einem von ihm schlecht geschossenen Freistoß eine zweite Chance bekam und Tor Nummer 18 markierte. 

Der Hamburger SV wirkte trotz des dritten Gegentores nicht geschockt und lieferte der Sammer-Elf einen offenen Schlagabtausch. Hoogma brachte seine Farben mit einem Abstauber nochmals heran, doch für mehr reichte es gegen die in der Schlussphase sehr defensiven Dortmunder nicht.

Die Dortmunder verdienten sich die weiterhin bestehende Chance auf den deutschen Meistertitel durch eine eiskalte Chancenverwertung. Vor allem Amoroso, der doppelt traf und Rosickys Treffer vorbereite. Der Hamburger SV, für den es in der Tabelle um nichts mehr ging, forderte Dortmund bis in die Schlussminuten hinein, wurde aber für sein Engagement nicht belohnt. 
 

Höhepunkte des Spiels:
Schlusspfiff
90. Minute: Der HSV gibt nicht auf. Meijer zirkelt mit links den Ball in den Torwinkel - nur noch 3:4.
80. Minute: Lehmann unterläuft eine Groth-Ecke, Antar köpft und Hoogma staubt zum 2:3 ab.
71. Minute: Sensationeller Freistoß von Rosicky. Der Tscheche schlenzt die Kugel mit dem Außenrist Richtung Torwinkel, doch Pieckenhagen wischt das Leder über die Latte.
69. Minute: Nun wogt das Spiel völlig offen hin und her. Erst prüft Romeo Lehmann mit einem Rechtschuss, dann kam Kehl alleine vor Pieckenhagen zum Abschluss, doch der Ex-Freiburger verzieht hauchdünn.
63. Minute: Nach der Hamburger Drangperiode schlägt der BVB zu. Erst drischt Amoroso einen Freistoß aus 20 Metern in die HSV-Mauer, doch im Nachschuss überrascht er Pieckenhagen mit einem satten Linksschuss zum 3:1 für die Gelb-Schwarzen.
62. Minute: Hamburg dominiert nach der Pause, doch die großen Chancen blieben bislang aus.
Anpfiff 2. Halbzeit
Halbzeit
44. Minute: Bei dem Zusammenprall zwischen Wörns und Barbarez erlitt der Bosnier einen Joochbein-Bruch.
42. Minute: Nachdem Hollerbach mit einem Knaller die Aufholjagd des HSV eingeläutet hatte, pfeift Fandel nach einem Foul von Wörns an Barbarez Elfmeter. Wicky verwandelt sicher und Wörns muss mit der Ampelkarte vom Platz.
38. Minute: Die Borussia eiskalt. Amoroso erkennt die Lücke, die Hertzsch hinterlassen hat. Rosicky taucht alleine vor Pieckenhagen auf und macht überlegt das 2:0 für Dortmund.
36. Minute: Amoroso verwandelt den von ihm selbst herausgeholten Elfmeter eiskalt zum 1:0 für die Dortmunder. Hertzsch, der den Brasilianer gefoult hatte, musste mit Rot vom Platz. Es war Amorosos 17. Saisontor.
30. Minute: Wieder mal der BVB. Addo flankt auf Koller, doch der Tscheche bekommt die Stirn nicht richtig hinter die Kugel, so dass der Ball am langen Eck vorbeitrudelt.
24. Minute: Die rechte Abwehrseite des BVB ist löchrig. Diesmal feuert Hollerbach aus zehn Metern auf das Tor von Lehmann und Metzelder kann in letzter Sekunde auf der Linie klären.
21. Minute: Meijer kann eine Hereingabe von Romeo nicht verwerten. Der Niederländer musste mit seinem schwachen rechten Fuß abschließen, Wörrns kann den Schuss blocken.
17. Minute: Handgemenge nach einer Aktion von Barbarez gegen Rosicky. BVB-Trainer Sammer beschimpft den Bosnier, Hollerbach mischt sich ein und schlussendlich wird Sammer von Schiedsrichter Fandel auf die Tribüne verbannt.
13. Minute: Zweite Kopfballchance für Romeo gegen eine nicht sonderlich gut postierte BVB-Abwehr. Wicky hatte sich auf dem linken Flügel durchgespielt und den Argentinier in Position gebracht, doch dieser köpfte knapp drüber.
9. Minute: Schrecksekunde für Dortmund. Nach einer Ecke verschätzt sich Koller kolossal und Romeo kommt aus sieben Metern frei zum Kopfball. Allerdings streift das Leder um Zentimeter am kurzen Pfosten vorbei.
7. Minute: Addo erobert sich den Ball gegen Ujfalusi und schickt Rosicky steil, doch der Tscheche probiert es mit einem erneuten Zuspiel, anstatt aus zehn Metern draufzuhalten.
2. Minute: Der BVB deutet gleich an, dass er in Hamburg gewinnen will. Rosicky bedient Amoroso, doch der Brasilianer zielt aus elf Metern am langen Eck vorbei.
Anpfiff


 
dpa meldet: Borussia Dortmund winkt nach 4:3 beim HSV der Meistertitel 

Hamburg (dpa) - Borussia Dortmund hat im Foto-Finish um die deutsche Fußball-Meisterschaft die besten Karten. Nach einem 4:3 (2:1) beim Hamburger SV eroberte der BVB die Tabellenspitze und hat nach der gleichzeitigen Niederlage des bisherigen Spitzenreiters Bayer Leverkusen in Nürnberg (0:1) vor dem letzten Spieltag einen Punkt Vorsprung. Der überragende Marcio Amoroso mit zwei Toren (36./Foulelfmeter, 63.), Tomas Rosicky (42.) und Jan Koller (87.) haben die Schwarz-Gelben mit ihren Toren vor 55 340 Zuschauern in der ausverkauften AOL-Arena dem Gewinn der Meisterschale einen Riesenschritt näher gebracht. Für die nie aufgebenden Hamburger trafen Raphael Wicky per Foulelfmeter (42.), Nico Jan Hoogma (80.) und Erik Meijer (90.).

«Ein tolles Spiel, da war alles drin», schwärmte Routinier Jürgen Kohler. «Jetzt werden wir Meister.» Sein als Tiefstapler bekannter Trainer Matthias Sammer konnte sich diesem Urteil natürlich nicht anschließen. «Es wird am nächsten Samstag entschieden, wer Meister wird. Das ist nicht heute entschieden worden», meinte der Coach und dozierte: «Meister wird, wer am Ende die meisten Punkte hat.»

In einer sehr hitzig geführten Partie standen beiden Teams unter Starkstrom. Platzverweise gegen HSV-Abwehrspieler Ingo Hertzsch nach einer Notbremse gegen Amoroso (Rot/34.) und BVB-Verteidiger Christian Wörns nach einem unglücklichen Zweikampf mit Sergej Barbarez (Gelb- Rot/41.) sowie die Verbannung von Trainer Sammer auf die Tribüne (16.), nachdem er Barbarez den Ball in den Rücken geworfen und sich anschließend ein heftiges Wortgefecht mit dem Bosnier geliefert hatte, waren Ausdruck von Übermotivation. «Es tut mir leid», entschuldiget sich Sammer für seinen Ausraster. «Das hat unnötige Hektik reingebracht.» Seine Mannschaft habe nicht nur Charakter und Moral bewiesen, meinte der Coach, sondern sich auch «von der Nervenstärke her besser angestellt als ihr Trainer».

Insbesondere Barbarez, der vor seinem Wechsel nach Hamburg zwei Jahre in Dortmund gespielt und - wie er beklagte - gelitten hatte, sprühte geradezu vor Ehrgeiz. Doch nach dem Zusammenprall mit Wörns musste er mit Jochbeinbruch aus dem Spiel. «Ich gatuliere Dortmund zu dem Sieg. Sie haben hervorragende Einzelspieler», sagte HSV-Trainer Kurt Jara anerkennend.

Die Dortmunder setzten alles auf eine Karte und boten zunächst fünf Offensiv-Kräfte auf. Neben Rosicky, Koller und Amoroso sorgten auch Addo und Ricken, der später ausgewechselt wurde, für Schwung. Schon in der 2. Minute hätte die Gäste in Führung gehen können, doch Amoroso verpasste knapp. Als der Brasilianer von Hertzsch im Strafraum zu Fall gebracht wurde, ließ er sich die Gelegenheit aber nicht entgehen und verwandelte seinen siebenten Elfmeter in dieser Spielserie sicher. Nicht nur, dass er dann die Vorlage zum 2:0 durch den völlig freistehenden Rosicky gab, im zweiten Durchgang baute der Torjäger seine Saisonbilanz gar auf 18 Treffer aus, als er den abgeprallten Ball nach einem Freistoß in die Maschen hämmerte.

Der BVB bestätigte seinen Ruf, die beste Auswärtsmannschaft der Bundesliga (31 Punkte) zu sein. Nach dem dritten Tor hatten sie den Ehrgeiz der ebenfalls stark spielenden Gastgeber gedrosselt. Bernardo Romeo, der in der ersten Halbzeit zwei herausragende Kopfball-Chancen nicht nutzen konnte (9., 13.) sowie Bernd Hollerbach mit zwei Möglichkeiten (23., 39.) versäumten es, den HSV auf die Siegerstraße zu bringen. Zwar kämpften die Hamburger unverdrossen weiter und schafften den Anschluss, doch der BVB brachte den vielleicht für die Meisterschaft entscheidenden Sieg über die Runden.