Bundesliga 2002/2003, 2. Spieltag, Sonntag, 18.08.02  im Bremer Weserstadion bei 25 Grad und Regen (pünktlich zum Anpfiff begonnen und zum Spielende aufgehört).

SV Werder Bremen - Hamburger SV 2:1 (1:1)

Nun habe ich das Spiel schon über 2 Stunden verdauen dürfen und mir auch schon einige Fanmeinungen im Internet durchgelesen – aber besser geht es mir deshalb trotzdem noch nicht.

Ich bin heute ziemlich enttäuscht. Nicht nur, weil wir verloren haben, sondern auch ganz einfach über das „wie“!

Nur in der ersten Halbzeit konnten wir phasenweise Druck entwickeln. Wir begannen ganz ordentlich; gerieten jedoch schon nach kurzer Zeit durch einen Abwehr“bock“ von Hertzsch in Rückstand.

Danach hatten wir aber sofort Torchancen und spielten druckvoll weiter. Marek Heinz hatte dabei wohl wieder die besten beiden Chancen, die er aber verdaddelte. Doch Ujfalusi gelang mit seinem ersten Tor für den HSV der 1:1-Ausgleich.

Hiermit könnte der HSV-Anteil am Bericht nun praktisch enden, denn nach dem Ausgleich wandelte sich unser Spiel. Der Druck nahm minütlich ab und nach der Halbzeit waren wir bestenfalls noch anwesend auf dem Platz. Dann erlaubte sich nach Hertzsch leider auch noch Piecke einen schweren Aussetzer und schon stand es 2:1 für Bremen.

Diesmal aber ohne das Gefühl, dass es ein Aufbäumen im Team gibt. Typisch natürlich, dass dem HSV in der Nachspielzeit ein reguläres Tor wegen angeblichen Abseits aberkannt wurde. Allerdings wäre das vielleicht auch fast zuviel des Guten gewesen bei dieser Leistung.

Es fing ja schon mit einer etwas seltsamen Aufstellung an. Vor dem Torwart heute eine Viererkette mit (v.l.n.r.) Hollerbach, Ujfalusi, Hertzsch und Groth. Dabei glaubte ich natürlich meinen Augen kaum zu trauen, dass Groth in der Viererkette agiert. Er ist ja nicht gerade einer der Schnellsten. Allerdings finde ich es richtig, Hertzsch lieber in die Innenverteidigung zu nehmen.

Nicht richtig fand ich dann allerdings, dass Baur somit ins Defensive Mittelfeld rückte. Dort spielte er mit Ledesma. Wicky sollte vermutlich so was wie einenverkappten Rechtsaußen spielen; zumindest hielt er sich in HZ1 öfter halbrechts auf. Allerdings nie ganz rechts, was zur Folge hatte, dass Sturmaktionen über die rechte Seite so gut wie gar nicht stattfanden.
Links spielte Ali und vorne Heinz und „Ich kenne die Abseitsregel nicht“-Romeo.

Die rechte Seite war ein ganz großes Manko im HSV-Spiel. Groth könnte ja vielleicht flanken schlagen. Dann müsste er aber zur Absicherung jemanden hinter sich haben und dürfte nicht Teil der Viererkette sein.

In der 2. Halbzeit wurde dann durch Einwechslungen von Antar und später Kitzbichler noch versucht, die rechte Seite zu beleben. Das hat aber überhaupt nicht geklappt.

Was mich am ganzen HSV-Spiel am meisten ärgerte und leider sehr an die letzte Saison erinnerte. Es mangelt im Team unglaublich an Bewegung ohne Ball. Der Ballführende ist die ärmste Sau, weil sich vor ihm einfach kein Schwein bewegt. Da wird keine Gasse geöffnet, geschweige denn mal in eine reingelaufen. 

Es war schon bezeichnend, dass ausgerechnet Erik Meijer nach seiner Einwechslung der einzige war, der vorne mal bei Hamburger Ballbesitz auch ohne Ball nach außen sprintete. So öffneten sich auch prompt Anspielstationen. Aber das war vieeeeel zu wenig vom HSV.
Wenn die Jungs nicht mehr wollen oder können, steht uns vermutlich eine ähnliche Saison wie die letzte bevor. Hoffen wir, dass Kurtl den Jungs ordentlich in den Arsch tritt.

Die nächsten Spiele gegen Bayern und danach Wolfsburg lassen mich nach der heutigen Leistung jedenfalls eher erschaudern als mit Vorfreude auf die nächsten Wochen blicken....

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: Hat einige Male toll reagiert, aber sich eben auch einen dicken Klops geleistet, der zum Siegtor der Bremer führte: Note 4

Hertzsch: ich fand ihn heute eigentlich sehr gut. Allerdings hat er (wie Piecke) ein Gegentor klar verschuldet. Schade: Note 4

Ujfalusi: in der Abwehr wie immer unauffällig souverän. Schoss nun endlich sein erstes Bundesliga-Tor (bzw. köpfte es). Schade nur, dass es nicht zu einem Punkt reichte: Note 3

Groth: fiel mir eigentlich so gut wie gar nicht auf: Note 4

Hollerbach: fast genauso wie Groth. In der 1. Halbzeit kam zumindest über die linke Seite noch etwas: Note 4

Baur: jetzt bemerke ich gerade, dass ich zu fast jedem Spieler schreiben möchte, dass er mir kaum aufgefallen ist..... Bei Baur wars jedenfalls auch so: Note 4

Wicky: Falls er die Aufgabe hatte, die rechte Außenbahn zu besetzen, würde ich ihm glatt eine 5 oder 6 geben.  Da ich das aber nicht weiß, bekommt er auch die Unauffälligkeitsnote 4

Ledesma: Der ist mir zumindest aufgefallen. Teils positiv, teils negativ. Er schlägt halt leider nie einen richtigen Paß nach vorne. Und einmal hat er im eigenen Strafraum fast ein Gegentor verschuldet durch Tändelei. : Note 4

Albertz: Wenn ich drüber nachdenke, gefiel er mir heute eigentlich fast noch am besten. Er war aber auch eine der besagten armen Säue, die oft den Ball hatten und dann nicht wussten, was sie damit anfangen sollen, weil sich einfach keiner bewegte: Note 3

Heinz: auch er versteckte sich heute sehr. Es war nichts mehr von seinen Sprints und Dribblings zu sehen. Ich habe mich während des Spiels ernsthaft gefragt, ob das an Romeos Anwesenheit liegen kann, weil der ihm u.U. die Räume  in der Mitte nimmt. Weiß nicht: Note 4

Romeo: Mann, Mann, Mann. Sein nicht gegebenes Tor hätte seine beschissene Leistung irgendwie erträglich gemacht. Ich weiß gar nicht, wie oft der heute Abseits stand. Vermutlich heben die Linienrichter schon prinzipiell die Hand, wenn sie ihn sehen. Wenn mein Kumpel Kuno ihn nicht immer so verteidigen würde, hätte ich ihm noch eine Note schlechter gegeben ;-)   Note 5

Schiri: Pfiff schon einige Male seltsam. Insgesamt würde ich ihm aber eine ordentliche Leistung bescheinigen. Note 3
Seine Linienrichter waren allerdings teilweise wirklich unter jeglicher Kanone ***grrrrr***

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: 

TORE  
1:0 Angelos Charisteas (9.)
1:1 Tomas Ujfalusi (20.)
2:1 Holger Wehlage (50.)
 
GELBE KARTEN  
Werder Bremen: 
Hamburger SV: Raphael Wicky (77.), Erik Meijer (92.)
 
SCHIEDSRICHTER :  Edgar Steinborn  
ZUSCHAUER :  32,000 
DATUM :  18.08.02   17:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Werder Bremen: Pascal Borel, Mladen Krstajic, Victor Skripnik, Paul Stalteri, Frank Verlaat, Krisztian Lisztes, Markus Daun, Ivica Banovic, Holger Wehlage, Tim Borowski, Angelos Charisteas

Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Michael Baur, Tomas Ujfalusi, Raphael Wicky, Ingo Hertzsch, Martin Groth, Marek Heinz, Jörg Albertz, Bernd Hollerbach, Cristian Raul Ledesma, Bernardo Romeo

WECHSEL 
Werder Bremen:
Marco Reich für Ivica Banovic (68.)
Ailton für Markus Daun (76.)
Ivan Klasnic für Angelos Charisteas (87.)

Hamburger SV:
Erik Meijer für Martin Groth (56.)
Roda Antar für Bernd Hollerbach (68.)
Richard Kitzbichler für Raphael Wicky (80.)
 

Werder gewinnt Derby gegen den HSV und verhindert Fehlstart  
Werder Bremen konnte einen Fehlstart in die neue Saison verhindern. Im ersten Heimspiel dieser Spielzeit besiegten die Hansestädter im 77. Nord-Derby ihren Erzrivalen vom Hamburger SV verdient 2:1.
"Ich bin froh, dass wir drei Punkte geholt haben. Jetzt können wir beruhigt in die nähere Zukunft schauen", erklärte Werders neuer Stamm-Keeper Pascal Borel. Torschütze Wehlage konnte dem Sieg sogar noch mehr abgewinnen: "Gegen den HSV zu gewinnen, ist doppelt schön."  
In einer Partie, in der beide Teams auf Schadensbegrenzung bedacht waren und es daher an der Derby-üblichen Brisanz weitestgehend fehlte, war Werder die wesentlich homogenere Mannschaft. Neuzugang Angelos Charisteas (9.) und Holger Wehlage (50.) brachten die Gastgeber zweimal in Führung. Den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte Tomas Ujfalusi (20.).

Wenig aufreibende erste Hälfte
Vor nur 32.000 Zuschauern war Werder zu Beginn die tonangebende Mannschaft. Nach dem überraschenden Ausgleich plätscherte die Begegnung nicht nur aufgrund des starken Regens bis zur Pause vor sich hin. Im zweiten Durchgang nahmen die Bremer das Heft wieder in die Hand und waren einfach konsequenter im Abschluss.
Da fragte auch niemand mehr nach "Streithahn" Ailton. Noch unter der Woche hatte er mit einem Vereinswechsel gedroht, sollte er nicht von Beginn an spielen dürfen. Der kleine Brasilianer spielte, wenn auch nur eine Viertelstunde. "Die ganze Geschichte wurde heißer gekocht, als sie gegessen wurde", meinte Markus Daun, der an Ailtons Stelle spielte. Dem stimmte auch Wehlage zu: "Wenn er wieder fit ist und wieder trifft, ist er wieder der König von Bremen."

"König von Bremen
Die Bremer ließen sich von dem Trubel um den "Kugelblitz" nicht anstecken. Sie wirkten wesentlich entschlossener als der Erzrivale. Auffällig war, wie gut die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf trotz der vielen Ausfälle harmonierte. An die 0:3-Auftaktpleite gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld erinnerte nichts mehr.
Ganz anders der HSV: Hier trifft das alte Sprichwort "Es ist nicht alles Gold, was glänzt" momentan den Nagel genau auf den Kopf. Nach einer fabelhaften und erfolgreichen Saisonvorbereitung mussten die Hanseaten der Realität bereits beim Saisonauftakt gegen Hannover 96 ins Auge schauen: Selbst der Aufsteiger hatte wenig mit einer Sylter Auswahlmannschaft (9:0), dem FSV Wyk (16:1) oder dem SV Westerrade (15:0) zu tun.

Es ist nicht alles Gold beim HSV
"Wir müssen an unserer Chancenverwertung arbeiten", sagte sich Kapitän Jörg Albertz verärgert. Er selbst hatte noch vor einer Woche doppelt getroffen, blieb aber ebenso wie die Stürmer Marek Heinz und Bernardo Romeo blass. Letzterer kam nur zu einem Torschuss - unfreiwillig aufgelegt von seinem Bremer Pendant Charisteas.
Zwar wurde Romeo und den Hamburgern ein Tor aufgrund einer fragwürdigen Abseitsentscheidung nicht anerkannt. Doch auch dieser Treffer hätte nicht über durchschnittliche Leistung des HSV hinwegtäuschen können. Am nächsten Wochenende folgt bereits der nächste Knaller. Hamburg empfängt Bayern München. "Wir werden gegen die Bayern drei Punkte holen", so Albertz. Wenigstens ist das Selbstbewusstsein noch intakt.
 
Fakten:
Guter Heimauftakt
Wie schon in den letzten beiden Spielzeiten gewinnt Werder wieder das erste Saisonspiel vor heimischer Kulisse. Saisonübergreifend war es immerhin schon der vierte Heimsieg in Folge für Werder. 

Hamburg wartet weiter
Immer wieder fahren die Hamburger Fans mit großer Vorfreude zum ersten Auswärtsspiel der Saison. Mit einem Sieg im Gepäck traten sie die Heimreise allerdings schon lange nicht mehr an. Der letzte Sieg beim ersten Auswärtsspiel der Saison liegt nun schon 16 Jahre zurück (86/87 gewann der HSV 3:0 in Gladbach). 

Premierenball in Bremen
Drei Treffer fielen im Bremer Weserstadion. Für alle Akteure war es ihr erstes Bundesligator. Tomas Ujfalusi traf in seinem 50. Bundesligaspiel, Holger Wehlage benötigte nur neun Partien und Neuzugang Charisteas feierte bereits im zweiten Spiel seine Torpremiere. Zudem gelang Markus Daun mit der Flanke auf Wehlage seine erste Torvorlage in der Liga. 

Gefährliche HSV-Ecken
Auch wenn der HSV mit einer Niederlage die Heimreise antreten musste, zeigten die Hanseaten wieder ihre Gefährlichkeit bei Ecken. Ujfalusi traf zum zwischenzeitlichen Ausgleich nach einem Groth-Eckball. Schon letzte Saison waren die Hamburger nach Leverkusen das gefährlichste Team nach Ecken (acht Treffer). 

Schlaglichter:
Stabilisator Krstajic
Beim Saisonauftakt fehlte der Jugoslawe noch wegen eine Sperre aus der Vorsaison. Gegen den HSV zeigte der Manndecker seine Wertigkeit. Er gewann starke 70 Prozent seiner Zweikämpfe und meldete insbesondere HSV-Goalgetter Romeo ab. Gegen den Argentinier setzte sich Krstajic in sechs von acht Duellen durch. 

Harmloser Romeo
Erstmals standen Marek Heinz und Bernardo Romeo gemeinsam in der Anfangsaufstellung der Hamburger. Jedoch gerade der Argentinier zeigte selten seine Gefährlichkeit. Seinen ersten und einzigen Torschuss gab Romeo in der 85. Minute ab, zudem setzte er sich in ganzen 24 Prozent seiner Zweikämpfe durch (schlechteste Zweikampfbilanz des Spiels). Neben dieser schwachen Leistung hatte er jedoch noch Pech, als ihm in der Schlussphase ein reguläres Tor wegen einer angeblichen Abseitsstellung aberkannt wurde. 

Ujfalusi belohnte sich
In seinem 50. Bundesligaspiel erzielte Tomas Ujfalusi seinen ersten Bundesligatreffer. Der Tscheche erzielte nicht nur den einzigen Hamburger Treffer, sondern war auch zweikampfstärkster Spieler seines Teams (62 Prozent gewonnen). Schon letzte Saison gehörte er zu den zehn zweikampstärksten Abwehrspielern der Liga. 

Charisteas als Sturmführer 
Mit seinem ersten Treffer im zweiten Bundesligaspiel brachte Angelos Charisteas die Bremer in Führung. Der Grieche zeigte bei seinem Heimdebüt eine gute Leistung und war mit fünf Torschüssen deutlich der abschlussfreudigste Spieler auf dem Platz. Auch seine Zweikampfbilanz war mit 45 Prozent für einen Angreifer ordentlich. 

Lisztes, ein zweikampfstarker Spielmacher
Nachdem Krisztian am ersten Spieltag zunächst nur auf der Bank Platz nehmen musste, ließ Trainer Schaaf den Ungarn wieder von Beginn an auflaufen. Lisztes rechtfertigte das Vertrauen mit enormen Einsatzwillen. Starke 72 Prozent seiner Zweikämpfe – bester Bremer - gewann der schmächtige Rechtsfuß, zudem war kein Bremer an mehr Torschüssen beteiligt als Lisztes (5). 

Topspieler Angelos Charisteas (Werder Bremen):
In seinem zweiten Einsatz für seinen neuen Arbeitgeber stellte der erst 22-jährige Grieche bereits sein ganzes Können unter Beweis. Nur neun Minuten brauchte Charisteas im Derby gegen den HSV für sein erstes Bundesliga-Tor. Auch anschließend wusste er zu überzeugen. Charisteas schoss fünfmal - so oft wie kein anderer - aufs Tor. Er bestritt 29 Zweikämpfe, von denen er 45 Prozent gewann. Das ist ein guter Wert für einen Stürmer (Durchschnitt liegt bei 41 Prozent).  

Spielwertung: 2 Bälle (von 4)
 
Kommentar:
Bremen gegen Hamburg - ein echter Klassiker. Doch was dem 77. Nord-Derby über weite Strecken fehlte, war das Feuer, der Biss. Beides Dinge, die diese Begegnung für gewöhnlich auszeichneten. Zu sehr waren die Kontrahenten darauf bedacht, den Saisonstart nicht zu verpatzen. Nach dem 1:1 durch Ujfalusi standen sich die Spieler oft selbst im Weg. Erst Werders erneute Führung sorgte für frischen Wind an der Weser. Bremen wirkte trotz der jungen und aufgrund vieler Ausfälle zusammengewürfelten Mannschaft wesentlich homogener als der HSV. Das galt in allen Bereichen: Pieckenhagen patzte beim 2:1, die HSV-Abwehr schwamm nicht nur aufgrund des vielen Regens, Albertz und Co. wirkten ratlos und Romeos einziger Torschuss kam nach Vorlage seines Werder-Pendants Charisteas. Gegen die Bayern am dritten Spieltag ist eine enorme Leistungssteigerung nötig, will der HSV nicht den kompletten Saisonauftakt verschlafen.
Sebastian Stolz  
 
Taktik:
SV Werder Bremen:
Im Tor stand Werders neue Nummer eins Borel. Davor formierte sich eine Dreier-Abwehrkette mit Krstajic, Verlaat und Stalteri. Skripnik und Borowski agierten davor im defensiven Mittelfeld. Banovic wirbelte auf der linken, Wehlage auf der rechten Außenbahn. Lisztes verteilte die Bälle im offensiven Mittelfeld an die beiden Stürmer Charisteas und Daun.

Hamburger SV:
Pieckenhagen hütete das Hamburger Tor. In der Vierer-Abwehrkette standen wie in der Vorwoche Hollerbach, Ujfalusi, Baur und Hertzsch (v.l.). Groth (rechts) und Neuzugang Ledesma (links) spielten auf den Außenbahnen. In der Mitte agierte Wicky eher defensiv. Albertz verteilte die Bälle an die beiden Spitzen Heinz und Romeo.  
 
Trainer Thomas Schaaf (Werder Bremen): 
"Nach dem 0:3 in Bielefeld, bei dem wir sicherlich nicht alles falsch gemacht haben, denke ich, dass wir heute ein ordentliches Spiel hingelegt haben, auch wenn das Eine oder andere noch hakt."    
 
Trainer Kurt Jara (Hamburger SV): 
"Wir wollten mehr Druck machen. Aber wir haben nicht die Torchancen herausgespielt, die wir uns vorgestellt hatten. Wir sind quasi zweimal schnell in Rückstand geraten und mussten sehr viel gegen die guten Konterspieler der Bremer riskieren. Ich denke, Romeo hat ein reguläres Tore erzielt, so dass ein Punkt verdient gewesen wäre."  


 
kicker meldet: 
Chancenverhältnis: 9:4 
Eckenverhältnis: 5:5 
Schiedsrichter: Steinborn (Sinzig), Note 2 - souveräne Leistung, gute Zweikampfbeurteilung 
Gelbe Karten: Wicky, Meijer 
Spielnote: 3 
Spieler des Spiels:  
 
Krstajic - Sicherer Rückhalt in der Bremer Abwehr, sehr zweikampf- und kopfballstark. Zudem auch gut im Spielaufbau. 
 
Analyse 
  
Bremens Coach Thomas Schaaf reagierte nach dem enttäuschenden 0:3 zum Auftakt in Bielefeld. Torjäger Ailton musste nach seinem schwachen Auftritt auf der Alm zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen. Lisztes rückte ins Team hinter die Spitzen Daun und Charisteas, die den Zwei-Mann-Sturm bildeten. Außerdem fehlten die gesperrten Ernst (Gelb-Rot) und Tjikuzu (Rot) sowie Magnin. Dafür kamen Krstajic, Wehlage und Borowski von Anfang an zum Zug.

Auch HSV-Trainer Kurt Jara änderte sein Team. Trotz des 2:1-Erfolges gegen Hannover mussten drei Akteure aus der Startformation weichen. Rahn blieb verletzungsbedingt draußen (Kahnbein-Operation), Kitzbichler und Meijer saßen auf der Bank. Ledesma, Groth und Romeo schlossen die Lücken.

Die Zuschauer im Bremer Weserstadion sahen von Beginn an ein flottes Nordderby. Bremen versuchte nach der Auftaktpleite ein Zeichen zu setzen und ging aggresiv zu Werke. Nachdem Lisztes nach fünf Minuten einen ersten Warnschuss abgegeben hatte, machte es Charisteas vier Minuten später besser. Der Bremer Neuzugang nahm einen Pass auf der linken Außenbahn geschickt mit, drang in den Strafraum ein, versetzte Hertzsch und schlenzte das Leder unhaltbar für HSV-Keeper Pieckenhagen ins lange rechte Eck.

Hamburg wachte danach auf und forcierte seine Offensivbemühungen. Zwei Mal hatte der bis dahin agile Heinz die Möglichkeit zum Ausgleich (15./19.), doch erst brachte er bedrängt von Stalteri das Leder nicht unter, dann rutschte er um Zentimeter an einer Albertz-Flanke vorbei. Bremen zu diesem Zeitpunkt zu nachlässig in der Defensive, die Jara-Elf mit mehr Zug zum Tor. Dies wurde dann nach 20 Minuten auch mit dem 1:1 belohnt. Nach einer Ecke kam Ujfalusi unbedrängt zum Kopfball und ließ Borel im Bremer Tor keine Chance. 

Das Spiel verlor in der Folge an Fahrt. Der SV Werder war geschockt, der HSV zeigte zwar gute Ansätze in seinem Spiel nach vorne, doch meist war am Strafraum Endstation. Bremen zog vor der Pause noch einmal das Tempo an, aber auch die Schaaf-Elf brachte nichts Konstruktives vor dem HSV-Tor zustande.

Das Spiel plätscherte in Durchgang zwei zunächst vor sich hin, doch dann schlug Bremen in Form von Wehlage eiskalt zu. Nach einem weiten Flankenwechsel von der linken Seite von Daun nahm Wehlage den Ball am rechten Strafraumeck direkt. Pieckenhagen, dem die Sicht durch einen eigenen Abwehrspieler verdeckt war, bekam das Leder, das der Ex-Paulianer nicht richtig getroffen hat, durch die Beine (50.). 

Auch mit dem 2:1 im Rücken kehrte nicht die nötige Sicherheit in die Aktionen der Heimelf ein, viele unnötige Fehler ließen den Hamburger SV ins Spiel kommen. Allerdings strahlte die Jara-Elf kaum Torgefahr aus, so dass die Unkonzentriertheiten in der Bremer Defensive unbestraft blieben.

HSV-Coach Kurt Jara reagierte und brachte mit Mejier einen weiteren Stürmer. Die Chancen hatten aber die Werderaner. Erst scheiterte Charisteas mit einem ansatzlosen Schuss an einem tollen Reflex von Pieckenhagen, dann nutzte der SV Werder eine Konfusion im Hamburger Strafraum nicht aus. Verlaat und abermals Charisteas verpassten aus kurzer Distanz das mögliche 3:1.

Das große Aufbäumen des HSV vermisste man in der Schlussphase. Bremen stand sicher in der Abwehr, kontrollierte weitesgehend die Partie und ließ die Jara-Elf in der Offensive nicht mehr zur Entfaltung kommen. Lediglich ein Fehler des ansonsten starken Charisteas ermöglichte dem HSV die Chance zum Ausgleich, doch Romeo vergab die Möglichkeit fünf Minuten vor dem Ende kläglich. Der Argentinier traf dann in der Schlussminute doch noch ins Tor, allerdings wurde dem Treffer wegen angeblicher Abseitsstellung die Anerkennung versagt.

Der SV Werder Bremen setzt sich im Nordderby am Ende verdient gegen den Hamburger SV durch und vermeidet so einen klassischen Fehlstart in die neue Saison. 

Höhepunkte des Spiels:
Schlusspfiff 
 
90     Ailton setzt sich auf der linken Seite durch, doch sein Schuss aus zwölf Metern geht knapp am rechten Pfosten vorbei. Im Gegenzug trifft Romeo für den HSV, doch der Schiedsrichter-Assistent zeigt Abseits an. 
 
85     Nach einem Fehler von Charisteas kommt Romeo an der Strafraumlinie an den Ball. Der Argentinier versucht Borel mit einem Lupfer zu überwinden, doch der Abschluss ist zu schwach. 
 
79     Reich versetzt Wicky im Strafraum, doch der Bremer Neuzugang trifft das Tor des HSV nicht - der Ball geht weit links vorbei. 
 
77     Charisteas nimmt einen hohen Ball am hinetern Fünfmetereck bedrängt von Ujfalusi volley aus der Drehung - das Leder geht an das Außennetz. 
 
74     Auf der Gegenseite scheitert Albertz mit einem Freistoß am aufmerksamen Borel im Bremer Tor. 
 
73     Krstajic drischt einen Freistoß aus aussichtsreicher Position weit über das HSV-Tor. 
 
71     Lisztes zirkelt einen Freistoß von der linken Außenbahn auf den ersten Pfosten, doch Pieckenhagen hat aufgepasst und wehrt den Ball ab. 
 
60     Borowski bringt Charisteas in Schussposition, doch Pieckenhagen glänzt mit einem schnellen Reflex. Nach der anschließenden Ecke herrscht Konfusion im HSV-Strafraum, doch Verlaat und Charisteas bringen den Ball nich im Tor unter. 
 
50     Bremen führt! Nach einem weiten Flankenwechsel von Daun nimmt Wehlage den Ball am rechten Strafraumeck direkt. Pieckenhagen bekommt den Ball, den der Ex-Paulianer nicht richtig getroffen hat, durch die Beine. 
 
49     HSV-Kapitän Albertz donnert einen Freistoß aus halbrechter Position knapp am linken Pfosten vorbei. 
 
 Anpfiff 2. Halbzeit 
 
 Halbzeit 
 
43     Banovic erhält 20 Meter vor dem Tor den Ball und fackelt nicht lange. Sein Schuss streicht ganz knapp am rechten Pfosten vorbei. 
 
36     Charisteas umspielt im Mittelfeld zwei Hamburger, doch Daun erreicht das Zuspiel in den Strafraum nicht, ein Hamburger Abwehrspieler kann klären. 
 
33     Bremen scheint immer noch geschockt vom Ausgleich. Der HSV hat das Kommando übernommen, doch die meist gut vorgetragenen Angriffe der Jara-Elf enden am Strafraum. 
 
20     Ecke von der rechten Seite, in der Mitte steigt Ujfalusi unbedrängt hoch und vollendet per Kopf zum 1:1. 
 
19     Riesenchance zum Ausgleich für den HSV, doch Heinz rutscht nach einer Albertz-Flanke fünf Meter vor dem Tor um Zentimeter am Ball vorbei. 
 
16     Wehlage spielt am rechten Strafraumeck auf Daun, doch der Bremer Stürmer zielt ganz knapp am rechten oberen Winkel vorbei. 
 
15     Nach einem tollen Pass von Groth marschiert Heinz Richtung Bremer Tor, doch bedrängt von Stalteri kommt der Ball nicht zum mitgelaufenen Romeo - Chance vertan. 
 
12     Die Hamburger scheinen aufgewacht zu sein. Ledesma bedient Hollerbach, doch dessen Flanke kann ein Bremer vor dem heranstürmenden Romeo klären. 
 
9     Ein Klasse-Tor durch Charisteas! Mit dem Rücken zum Tor erhält der SVW-Neuzugang auf der linken Außenbahn den Ball, nimmt ihn geschickt mit, dringt in den Strafraum ein und schlenzt das Leder ins lange rechte Eck. 
 
5     Bremen versucht von Beginn an Druck auf das HSV-Gehäuse auszuüben. Lisztes setzt sich im Mittelfeld durch und probiert es mit einem Schuss aus 20 Metern, der aber knapp am Tor des HSV vorbeigeht. 
 
Anpfiff 


 
dpa meldet: 
Werder mit Glück und Geschick 2:1 gegen HSV 

Bremen (dpa) - Mit einem Arbeitssieg hat sich der SV Werder Bremen im 77. Nordderby gegen den Hamburger SV für den verkorksten Saisonauftakt rehabilitiert. 

Eine Woche nach dem 0:3 bei Aufsteiger Bielefeld kamen die jungen Hanseaten vor 31 000 Zuschauern im Weserstadion zu einem nicht unverdienten 2:1 (1:1)- Erfolg, den der 22-jährige Grieche Angelos Charisteas in der 9. Minute mit seinem ersten Tor im zweiten Spiel der Fußball-Bundesliga einleitete. Den 18. Sieg im 39. Bundesliga-Heimspiel gegen den HSV machte der frühere St. Paulianer Holger Wehlage (50.) perfekt. Der Tscheche Tomas Ujfalusi hatte mit dem Ausgleich (20.) für Hoffnungen bei den Hamburgern gesorgt.

«Heute ist uns ein ganz ordentliches Spiel gelungen», sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf, der den Brasilianer Ailton 75 Minuten auf der Bank schmoren ließ. Die Verbannung schien sich positiv auszuwirken. Schon nach neun Minuten tanzte Charisteas in seiner Heimpremiere die Hamburger Abwehr aus und zirkelte den Ball von der linken Strafraumecke aus ins HSV-Tor.

«Wir haben glänzend begonnen», freute sich Bremens Sportdirektor Allofs und musste unversehens mitansehen, wie seine ohne den an der Nase operierten Vizeweltmeister Frank Baumann sowie die gesperrten Fabian Ernst und Razundara Tjikuzu angetretene Mannschaft den Vorsprung verspielte. Maßgeblich beteiligt war wiederum Charisteas, der Ujfalusi im Kopfballduell nicht wirkungsvoll stören konnte.

Drei Minuten zuvor hatte Markus Daun das 2:0 (17.) auf dem Fuß gehabt. Auch Ivica Banovic, der erstmals neben Krisztian Lisztes die Fäden im Bremer Mittelfeld ziehen sollte, konnte den Ball nicht an Martin Pieckenhagen vorbei bringen. Der HSV-Keeper stand fünf Minuten nach dem Wechsel im Mittelpunkt des Geschehens, als er einen Wehlage- Schuss unter dem Körper durchrutschen ließ.

Die Hamburger lagen wieder zurück, obwohl sie auch ohne die verletzten Sergej Barbarez, Rodolfo Cardoso und Christian Rahn spielerisch leichte Vorteile gehabt hatten. Vor allem die Bremer Not- Verteidigung offenbarte Probleme, welche die teils umständlichen Hanseaten von der Elbe aber nicht nutzen konnten. «Wie wollten mehr Druck entwickeln», sagte HSV-Trainer Kurt Jara, der sich ärgerte, dass seine Mannschaft in beiden Halbzeiten frühe Gegentore kassierte.

«Das war nicht der HSV, den wir erwartet haben», sagte Club-Chef Werner Hackmann. Zwar kämpfte das Team von Trainer Kurt Jara bis zum Ende, erzielte aber nur ein strittiges Abseitstor durch Bernardo Romeo. Mit Glück und Geschick brachten die Bremer das 2:1 über die Zeit. 15 Minuten durfte auch Ailton mitspielen. Er ersetzte Daun, konnte sich aber nicht mehr nachdrücklich in Szene setzen.