Bundesliga 2002/2003, 5. Spieltag, Sonntag, 15.09.02 bei sonnigen Wetter und 17 Grad C in der Hamburger AOL Arena

Hamburger SV - 1. FC Kaiserslautern 2:0 (0:0)

Ich ging heute ja schon richtiggehend ohne den Hauch von Vorfreude ins Stadion. Irgendwie wie ein Gang zu einem Arzt. Man muß ja hin und hofft, dass es nicht zu schlimm wird.

Der Trainer hat das Team ziemlich umgekrempelt. Meines Erachtens ist das aber nicht wirklich sein Wille, sondern er beugt sich einfach den Rufen der Mehrheit, damit er nicht davon gespült wird. Wenn er wirklich von sich aus den jungen Spielern eine Chance hätte geben wollen, hätte er das ja auch schon in den Spielen vorher tun können. Aber da wurden die Jungs ja nicht mal in den Profikader genommen sondern zu den Amateuren geschickt. Das sagt doch eigentlich schon alles.

Ich hätte nichts gegen eine Entlassung des Trainers. Andererseits setze ich mich da ja auch nicht hin und hoffe, dass mein Verein verliert. Hätte mir aber jemand versprechen können, dass bei einer Niederlage auch der Trainer gehen muß, wäre ich vermutlich ins Grübeln gekommen.

Das Spiel ging ganz gut los für den HSV. So hatte Roda Antar schon nach wenigen Minuten eine Hundertprozentige, die er allerdings ziemlich schlecht verschoß. 2 Großchancen durch Kling sollten folgen, bevor es zu Ende war mit der HSV-„Herrlichkeit“. Es folgten dann so ca. 60 Minuten, die recht grausam waren. Diesmal nicht, weil die Spieler sich nicht bemüht hätten. Nee, die wollten schon. Aber nun hatten ja plötzlich die ganzen jungen Spieler die Last auf Ihren Schultern. Und damit waren sie eben teilweise überfordert.

Ich habe mich da gleich wieder über Jara geärgert. Er hat so lange mit den Einsätzen der jungen Spieler gewartet, bis die gesamte Mannschaft überhaupt keinen Kredit mehr hat. Aber gerade ein bisschen „Kredit“ benötigen junge Spieler wie Kling, Jakobsen und Co. Da kommt es nicht so geil, wenn die Zuschauer bei einem Fehlpaß gleich pfeifen.

Wie gesagt: Sie waren bemüht, aber mehr kann man auch nicht sagen. Mit einem Fußball-SPIEL hatte das wenig zu tun. Es war überhaupt keine Linie zu erkennen. 

Das wirklich große Glück des HSV: Kaiserslautern war noch harmloser als der HSV. Und irgendwie schlugen sie sich dann auch selbst.
Zweimal ließen sie Bernardo Romeo in der Mitte völlig frei. Der wurde zweimal schön bedient und konnte zweimal (besser als ich gedacht hätte) den Abstand zum Gegner beim Alleingang aufs Tor halten und zweimal doch recht souverän einschieben.

Schön für Romeo. Schön für den HSV.
Ich bete nur, dass man jetzt nicht wieder sofort in diese flauschige „Seht ihr, es geht doch“-Stimmung verfällt. Gegen die meisten Gegner in der Buli hätten wir mit dem heutigen Spiel nämlich nicht mal die goldene Zitrone gewonnen.

Was nebenbei auch eine ganze Menge über den FCK sagt. Da war noch wesentlich weniger Schwung als bei uns. Keine Chance, die ich als richtig super oder gar 100%ig bezeichnen würde. Die werden es schwer haben, wenn da nichts passiert. Irgendjemand muß allerdings in der Tabelle ja auch hinter uns landen....

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: fehlerfrei: Note 2

Hoogma: spielte heute in der Dreierkette Baur-Hoogma-Ujfalusi gegen Lokvenc. Das war endlich mal der richtige Gegner für ihn. In der 1. Halbzeit verlor er zwar noch zu viele Kopfballduelle, doch dann konnte mehr und mehr Zweikämpfe für sich entscheiden: Note 3+

Baur: Habe ich selten gesehen: Note 4

Ujfalusi: wie Baur. Eigentlich habe ich die beiden sogar gar nicht gesehen, was ja auch bei den kaum vorhandenen Lauterer Angriffsbemühungen kein Wunder war: Note 4

Jacobsen: konnte sich m.E: nur zu selten in Szene setzen auf der rechten Seite.

Kling: Hatte sogar gleich 2 große Torchancen. Zeigte allerdings auch einige Fehlpässe. Gefiel mir aber trotzdem bei seinem Bundesliga-Debüt besser als sein Gegenüber Jacobsen: Note 3

Wicky: in der ersten Halbzeit ziemlich mau. In der zweiten dann aber auffälliger: Note 3

Antar: gefiel mir in der kurzen Zeit seines Einsatzes recht gut: Note 3+

Ledesma (für Antar): begann mit Fehlpässen und ungewohnten Unsicherheiten. Konnte sich aber steigern und legte das 2. Tor vor: Note 3-

Benjamin: nach längerem Überlegen gefiel er mit heute am besten von allen HSV-Akteuren. Trotz seiner Jugend und seinem ersten Einsatz von Beginn an in dieser Saison hatte ich das Gefühl, dass er Verantwortung auf dem Platz übernimmt. Er half überall da aus, wo es nötig war: Note 2

Heinz: Etwas besser als zuletzt. In den ersten 10 Minuten sogar sehr stark. Dann aber doch wieder etwas in seinem Trott untergegangen: Note 4

Romeo: Fußball spielen kann er nun mal nicht. Er muß mit Bällen gefüttert werden, die er aufs Tor bringen kann. Heute hat er das zweimal nutzen können und auch keine 100%ige vergeben: Note 2

Schiri Weiner: super-kleinlich. Gab sich damit schon teilweise der Lächerlichkeit preis. Allerdings hatte er kaum die Chance, tragische Dinge falsch zu entscheiden: Note 3

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1:

TORE  
1:0 Bernardo Romeo (66.)
2:0 Bernardo Romeo (77.)
 
GELBE KARTEN  
Hamburger SV
Lars Jacobsen (40.) 
Michael Baur (45.) 
Collin Benjamin (73.) 

1.FC Kaiserslautern
 
SCHIEDSRICHTER :  Michael Weiner  
ZUSCHAUER :  39,807 
DATUM :  15.09.02   17:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV:  Martin Pieckenhagen, Michael Baur, Lars Jacobsen, Tomas Ujfalusi, Nico Jan Hoogma, Stephan Kling, Marek Heinz, Raphael Wicky, Collin Benjamin, Roda Antar, Bernardo Romeo

1.FC Kaiserslautern: Georg Koch, Thomas Hengen, Ciriaco Sforza, Harry Koch, Herve Nzelo-Lembi, Dimitrios Grammozis, Miroslav Klose, Lincoln, Ratinho, Mario Basler, Vratislav Lokvenc
 
WECHSEL 
Hamburger SV:
Cristian Raul Ledesma für Roda Antar (35.)
Erik Meijer für Stephan Kling (69.)
Ingo Hertzsch für Marek Heinz (74.)

1.FC Kaiserslautern:
Aleksander Knavs für Herve Nzelo-Lembi (51.)
Jose Manuel Dominguez für Mario Basler (65.)
 

Romeo lässt den FCK trauern und den HSV aufatmen  
Die Nachricht schlug in Hamburg wie eine Bombe ein. Kurt Jara, Trainer des Hamburger SV, setzte seine Routiniers Bernd Hollerbach und Kapitän Jörg Albertz gegen den 1. FC Kaiserslautern auf die Tribüne.
Jara zog die Konsequenzen aus den enttäuschenden Resultaten der letzten Wochen und brachte junge Spieler. Es war die jüngste HSV-Elf seit zwei Jahren. Viel riskiert, alles gewonnen.Die Hamburger gewannen 2:0 (0:0). Verdient, auch wenn es mittlerweile kein Kunststück ist gegen diese Pfälzer zu gewinnen.  
 
Vor der Begegnung war HSV-Trainer Jara noch mächtig sauer auf seine Spieler gewesen. Denn unter der Woche hatten die Hanseaten beim VfL Wolfsburg kläglich gespielt und 1:2 verloren. Bei einer weiteren Pleite gegen Kaiserslautern wären Jaras Tage an der Elbe möglicherweise schon vorbei gewesen. 
In der Not berief er Youngster wie Stephan Kling, der sein Debüt in der Bundesliga feierte, Lars Jacobsen, Collin Benjamin oder Rade Antar in die Startelf. Nicht nur Albertz und Hollerbach, sondern auch Nationalspieler Ingo Hertzsch (auf der Bank) waren die Opfer. 

"Ich war mit den Leistungen gar nicht zufrieden"
"Es waren keine radikalen Umstellungen. Ich war mit den Leistungen nicht ganz bzw. gar nicht zufrieden", begründete Jara seine Entscheidungen. In neuer Besetzung spielte der HSV dann ungewohnt gut nach vorne. Vor allem Antar sorgte für viel Druck und leitete die ersten Chancen des HSV ein. Ausgerechnet Kling (2.,14.) hat am Anfang die besten Gelgenheiten. 
"Wir haben das Spiel kontrolliert", stellte Jara fest. "Kaiserslautern hatte keine große Torchance." Auch wenn es spielerisch nicht überragend war, was der HSV bot, "hat man gesehen, dass die Mannschaft gekämpft hat", lobte Raphael Wicky. Der Schweizer konnte seine Stärken ohne Albertz und Hollerbach wesentlich besser entfalten. 

"Es ist ein Anfang"
"Vom Ergebnis her, war es sicherlich sehr gut", so Jara. "Es ist ein Anfang." Und da ist ja noch Bernardo Romeo, der seit Februar in der AOL-Arena nicht getroffen hatte. Am Sonntagabend schlug er gleich zweimal zu. "Für einen Stürmer zählen nur die Tore", erklärte der Argentinier danach. Bis zum 1:0 gab es für ihn auch nichts zu zählen. 
Gleiches galt für die komplette Mannschaft des 1.FC Kaiserslautern - allerdings über die gesamten 90 Minuten. "Wir haben nicht gut begonnen. Wir haben versucht, Fußball zu spielen. Wir waren gleich gut oder gleich schlecht wie unser Gegner", analysierte FCK-Trainer Eric Gerets. 

Lautern spielte auf 0:0
Das war fast schon ein Lob für seine schwache Truppe. Symbolisch für die Mannschaftsleistung stand Ciriaco Sforza, der als Führungsspieler geholt worden war.
Doch stattdessen sorgt er mit seinem lukrativen Anschlussvertrag als Sportdirektor beim FCK für große Unruhe und auch auf dem Platz brachte er keine Sicherheit in den Lauterer Hühnerhaufen. Passend sein katastrophaler Schnitzer, der das entscheidende 0:2 einleitete.

Gerets vermisst Hingabe
Aber auch andere Akteure wie Mario Basler oder Thomas Hengen, die Führungspositionen beanspruchen, enttäuschten. "Die Mannschaft braucht ein Erfolgserlebnis", lautete Hengens wenig überzeugender Erklärungsversuch. 
Dafür bedarf es allerdings einer Leistungssteigerung und einer klareren Linie. Der HSV ging erst in der 66. Spielminute in Führung. Da wollte Lautern schon das Ergebnis sichern. "Wenn du ein 0:0 retten willst, dann muss jeder Spieler alles geben. Das habe ich bei einigen Spielern vermisst", so Gerets. 
So kommt Kaiserslautern, das den schlechtesten Saisonstart (zwei Remis, drei Niederlagen) der Vereinsgeschichte perfekt machte, nur schwer aus dem Abstiegskampf heraus. Denn darum geht es für den FCK, spätestens seit Sonntagabend.
 
Fakten:
 
Seltenes Erfolgserlebnis
Es war erst der dritte Sieg für die Hanseaten im letzten halben Jahr. Im gleichen Zeitraum wurden sieben Niederlagen kassiert. 

Schlechtester FCK-Start
Kein Sieg und nur zwei Punkte aus den ersten fünf Spielen bedeuten für Kaiserslautern den schlechtesten Start in der Bundesliga-Geschichte. 

Auswärts harmlos
Der FCK setzte seine Auswärts-Negativserie fort und hat seit über sieben Monaten nicht mehr in der Fremde gewonnen. Zehn Auswärtsspiele ohne Sieg – das gab es für die Pfälzer zuletzt vor über zwölf Jahren. 

Ausländerrekord
Neun Ausländer in der Anfangself - das gab es beim HSV nie zuvor! 

Schlaglichter:
Schwacher Beginn und viele Fehler
Das Heimspiel der Hamburger in der AOL-Arena kam in der ersten Spielhälfte nur schwer in Gang. Beide Teams geizten mit Torschüssen. Die Hamburger gaben vier Torschüsse ab, die Pfälzer nur drei. Nach der Pause traten beide Mannschaften bemühter auf. Der HSV erspielte sich nach dem Seitenwechsel eine Torschussbilanz von 8:5 - folgerichtig fielen auch beide Tore von Romeo in der zweiten Spielhälfte. 

Ein Abend für Romeo
Vor der Pause war Romeo im Sturm der Hanseaten ein Totalausfall - nur ein Torschuss gab der Argentinier ab und hatte von allen 22 Akteuren auf dem Feld die wenigsten Ballkontakte (zwölf). Der Angreifer steckte nicht auf und gab knapp die Hälfte aller HSV-Torschüsse ab (fünf von zwölf) und belohnte sich mit dem Doppelpack, der die Partie entschied. 

Sforza stand neben sich
Ciriaco Sforza leistete sich vor dem 0:2 durch Romeo einen groben Patzer und spielte dem Gegner den Ball in der Fuß. Seine negative Zweikampfbilanz von nur 48 gewonnenen Duellen - als zentraler Abwehrspieler - machte seine schwache Leistung komplett. 

Kling mit gutem Debüt
Stephan Kling, der im Heimspiel gegen den FCK sein Bundesligadebüt gab, machte seine Sache auf der linken Seite der Hamburger ordentlich. Zwar vergab Kling gleich zu Beginn der Partie die große Möglichkeit seinen HSV in Führung zu bringen, aber dennoch war er zweikampfstärkster Spieler der Partie (75 Prozent gewonnen). 

Topspieler: Bernardo Romeo (Hamburger SV)
Lange Zeit war von Bernardo Romeo einfach nichts zu sehen. Eine gute Chance in der ersten Halbzeit, das war das einzige Mal, als man gemerkt hat, dass Romeo auf dem Platz steht. In der zweiten Halbzeit wurde der Argentinier aber gefährlicher und sorgte dann mit seinen beiden Toren im Alleigang für die Entscheidung. Insgesamt gab er fünf Torschüsse ab und erzielte dabei zwei Treffer - eine starke Ausbeute. Es war der dritte Bundesliga-Doppelpack für Romeo.  

Spielwertung: 2 Bälle (von 4)

Kommentar:
Erst waren es die Querelen im Vorstand. Dieser wurde entmachtet bzw. trat zurück. Dann war es der Teammanager. Auch dieser, Andreas Brehme, wurde ausgewechselt. Doch das eigentlich Problem an der Lauterer Krise liegt ganz offensichtlich nicht in der Führung oder am Trainer, nein! Schuld sind die Spieler. Hochbezahlte Bundesliga-Profis weigern sich, ihrem Job professionell nachzugehen. Ein Ciriaco Sforza wurde verpflichtet, damit die sportliche Kurve wieder nach oben zeigt. Der Schweizer stellte auch selber diesen Anspruch. Dass er sich bislang unter Wert verkauft, ist schon untertrieben. Nicht nur Sforza, sondern die gesamte Mannschaft enttäuschte. Es ist zu hoffen, dass in der Pfalz der Ernst der Lage erkannt wird, sonst droht der ungemütliche Abstiegskampf. Davon hat sich der Hamburger SV vorerst verabschiedet. Trainer Jara hat viel riskiert, indem er Albertz und Hollerbach auf die Tribüne und einen Spieler wie Hertzsch auf die Bank verbannte. Der Erfolg gibt ihm recht.
Fatih Demireli  

Taktik:
Hamburg:
Trainer Jara stellt auf vielen Positionen um. So rückten Spieler wie Kling, Jacobsen, Antar und Benjamin in die Startelf. Dafür mussten Spieler wie Albertz, Hollerbach oder Hertzsch draußen bleiben. In der Abwehr spielten Kling (links) und Jacobsen (rechts) auf den Außenpositionen. Ujfalusi und Hoogma bildeten das Duo in der Innenverteidigung. Im Mittefeld zog Wicky aus der Defensive die Fäden und wurde durch Baur unterstützt. Im offensiven Mittelfeld sollten Antar und Benjamin für Druck sorgen. Heinz und Romeo spielten im Sturm. 

Kaiserslautern:
Trainer Gerets setzte im Tor erneut auf Koch und ließ den formstarken Wiese auf der Bank. Die Abwehr bildeten Koch, Lembi und Sforza als Libero. Im Mittelfeld zog Lincoln die Fäden, Ratinho hielt ihm halbrechts den Rücken frei. Auf den Außenbahnen setzte Gerets auf Grammozis (links) und Basler (rechts). Den Sturm bildeten wie gewohnt Klose und Lokvenc.

Kurt Jara (Hamburger SV):
"Wir haben sehr gut begonnen und schnell drei, vier Chancen erarbeitet. Wir haben das Spiel kontrolliert. Kaiserslautern hatte keinen großen Torchancen. Dann hat Romeo zwei Mal zugeschlagen. Das Ergebnis ist sehr gut für uns."    

Eric Gerets (1. FC Kaiserslautern):
"Wenn die Jungs ein Tor reinkriegen, verlieren sie den Kopf und es ist vorbei. Ich muss ihnen ein gutes Vorbild sein und darf nicht den Kopf in den Sand stecken. Für mich ist eine neue Situation, erstmals im Leben als Trainer mit einer Mannschaft Schlusslicht zu sein."  


 
kicker:
Chancenverhältnis: 7:2 
Eckenverhältnis: 4:3 
Schiedsrichter: Weiner (Hildesheim), Note 3,5 - etwas zu kleinlich, vereinzelte falsche Abseitsentscheidungen, insgesamt aber ohne gravierende Fehler 
Zuschauer: 39807 
Gelbe Karten: Jacobsen, Baur, Benjamin 
Spielnote: 4,5 
Spieler des Spiels:  
 
Romeo - Bis zum 1:0 eine Enttäuschung, doch dann blieb er allein vor Georg Koch zwei Mal ganz cool. Seine ersten beiden Saisontore. 
 
Analyse 
Gegenüber der 1:2-Niederlage in Wolfsburg nahm HSV-Trainer Kurt Jara zwei personelle Änderungen vor: Die beiden etablierten Kräfte Hollerbach und Albertz mussten weichen, dafür spielte Kling in der Abwehr und Benjamin im Mittelfeld. Ebenfalls zwei Wechsel nahm FCK-Coach Eric Gerets nach dem 1:1 gegen Bielefeld vor: Grammozis durfte an alter Wirkungsstätte an Stelle von Riedl antreten. Zudem blieb Knavs auf der Bank, Sforza rückte dafür in die Abwehr, den freien Mittelfeldplatz nahm Ratinho ein.

Das Duell der beiden Kellerkinder war von Beginn an durch die Nervosität beider Teams geprägt. Die Folge waren viele technische Fehler und fehlender Spielfluß hüben wie drüben. Alle 22 Akteure auf dem Rasen in der mit rund 40000 Zuschauern gefüllten AOL-Arena waren zwar bemüht, aber Konstruktives wollte bei den Bemühungen nur selten gelingen.

Trotzdem hatte der HSV in der Anfangsphase mehrere hochkarätige Möglichkeiten, die aber eher aus Fehlern der unsicheren FCK-Deckung resultierten. Bereits nach zwei Minuten hatte Kling, der zu seinen ersten Bundesliga-Minuten kam, die Führung auf dem Fuß, aber der 21-Jährige verzog von der Strafraumgrenze ebenso wie bei einem Kopfball nach einer knappen Viertelstunde. Die größte Chance für die Hanseaten vergab aber der Libanese Antar, dem aus rund 17 Metern freistehend vor FCK-Torhüter Georg Koch die Nerven versagten (11.).

Von den Gästen aus der Pfalz war im ersten Abschnitt ganz wenig zu sehen. Meistens wurde de Ball und damit die Verantwortung dem Nebenmann zugeschoben, ein konstruktiver Spielaufbau war unter diesen Umständen nicht möglich. Zudem brachten sich die „Roten Teufel“ mit leichtfertigen Ballverlusten im Mittelfeld immer wieder selbst in Gefahr. Unter dem Strich konnte der FCK nur einmal für Gefahr sorgen, als Lincoln nach Lokvenc-Ablage abzog, aber HSV-Torhüter Pieckenhagen war auf dem Posten. Insgesamt entsprachen die dargebotenen Leistungen im ersten Abschnitt dem aktuellen Tabellenstand beider Teams.

Ohne personelle Veränderungen ging es nach dem Seitenwechsel weiter. Doch auch am Geschehen auf dem Rasen änderte sich zunächst wenig. Krampf und Kampf waren Trumpf, spielerische Elemente dagegen Mangelware. Von einem konstruktiven Aufbauspiel war bei beiden Teams wenig zu sehen, es fehlte an Ideen und Kreativität.

Trotzdem ging der HSV in Führung. Ausgangspunkt war ein gewonnenes Duell von Wicky im Mittelfeld. Der Ex-Bremer schickte Romeo steil. Der Argentinier umspielte Georg Koch und vollendete aus kurzer Distanz zum 1:0 (66.).

Auch das 2:0 durch Romeo elf Minuten später entsprang einem Fehler eines FCK-Spielers. Diesmal war es Sforza, der unbedrängt den Ball im Mittelfeld Ledesma in die Füße spielte. Der Argentinier schickte seinen Landsmann Romeo steil. Der Schütze zum 1:0 ließ sich nicht zwei Mal bitten und erzielte gegen einen machtlosen Georg Koch mit einem überlegten Schieber ins linke untere Toreck das 2:0.

Damit war die Entscheidung gefallen. Kaiserslautern glaubte nicht mehr an sich selbst und fand sich mit der Niederlage ab. Die Hanseaten taten nicht mehr als nötig und brachten den Erfolg sicher über die Zeit.

In einem ganz schwachen Bundesligaspiel gewann der Hamburger SV dank katastrophaler individueller Fehler des 1. FC Kaiserslautern mit 2:0 (0:0). Matchwinner bei den Hanseaten war der Argentinier Romeo, der beide Treffer für sein Team erzielte. 

Spielereignisse im Detail 
 
Schlusspfiff 
 
88     Georg Koch verhindert im Herauslaufen ein weiteres Tor von Romeo, der von Meijer per Kopfballvorlage in Szene gesetzt wurde. 
 
77     Der HSV erhöht auf 2:0!! Fehlpass von Sforza im Mittelfeld. Ledesma schickt seinen Landsmann Romeo steil. Der Schütze des Führungstores schiebt den Ball von der Strafraumgrenze überlegt an Koch vorbei ins linke Toreck. 
 
73     Gute Aktion nun der Hamburger über mehrere Stationen. Ledesma scheitert aber mit seinem Schuss an einem Lauterer Abwehrspieler. 
 
66     Die Führung für den HSV!! Wicky gewinnt im Mittelfeld ein Duell gegen Grammozis. Der Ex-Bremer schickt Romeo steil. Der argentinische Torjäger umkurvt Georg Koch und schiebt den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. 
 
58     Energischer Antritt von Hoogma, der das Mittelfeld schnell überbrückt. Aber der Schuss des Verteidigers geht am linken Pfosten vorbei. 
 
50     Der 1. FC Kaiserslautern setzt im zweiten Durchgang ein erstes Ausrufezeichen. Freistoß-Flanke von Basler, Lokvenc steigt hoch und köpft auf das Tor, aber Pieckenehagen taucht schnell runter und klärt die Situation. 
 
 Anpfiff 2. Halbzeit 
 
 Halbzeit 
 
36     Endlich einmal Kaiserslautern. Lokvenc legt für Lincoln ab. Der Brasilianer schießt aus rund 18 Metern aufs Tor, aber HSV-Keeper Pieckenhagen besteht diese erste Prüfung. 
 
30     Nach einem erneuten Ballverlust des FCK im Mittelfeld muss Georg Koch Kopf und Kragen riskieren, um einen Treffer von Romeo zu verhindern. 
 
14     Und nochmal die Hanseaten: Benjamin schlägt eine präzise Flanke von der rechten Grundlinie, Kling ist per Kopf zur Stelle, aber der Ball streicht knapp am rechten Pfosten vorbei. 
 
11     Nächste Großchance für den HSV. Heinz erobert im Mittelfeld den Ball, Antar hat freie Bahn Richtung Tor. Doch der Libanese schießt aus rund 17 Metern weit über das von Georg Koch gehütete FCK-Tor. 
 
2     Gleich die erste große Möglichkeit für den Hamburger SV. Nach einem Stellungsfehler in der FCK-Deckung kommt Debütant Kling von der Strafraumgrenze frei zum Schuss, doch der junge Verteidiger verzieht. 
 
 Anpfiff 


 
dpa meldet: HSV schlägt Kaiserslautern mit 2:0 

Hamburg (dpa) - Wenigstens nach dem Abpfiff spielte Ciriaco Sforza seine ihm zugedachte Rolle als Führungspersönlichkeit beim Bundesliga-Letzten 1. FC Kaiserslautern in souveräner Manier. «Gebt mir die Schuld, aber lasst die anderen in Ruhe», forderte der Schweizer nach der 0:2-Pleite beim Hamburger SV von den Journalisten. 

Ungewohnt selbstkritisch gestand der Altstar, der seinen neuen Coach Eric Gerets zuvor auf dem Feld mit bösen Patzern geschockt hatte, sein Versagen ein: «Diese Niederlage nehme ich auf meine Kappe.» Von seinem belgischen Coach kam derweil der Weckruf: «Unsere wichtigen Spieler müssen aufstehen. Sie müssen Vorbild sein. Wenn wir jetzt nicht kämpfen, dann haben wir schwere Wochen vor uns.»

Nach dem Wirbel um seine Person versuchte Sforza den Ball flach zu halten. «In den letzten Tagen war es auch für mich nicht einfach. Ich bin auch nur ein Mensch. Das tut mir weh. Das habe ich nicht verdient, das hat die Mannschaft nicht verdient», warb der 32-Jährige gewohnt eloquent in eigener Sache. Nach seinem für 2004 vorgesehenen Karriere-Ende als Profi hat der Schweizer Ex-Nationalspieler den Posten des Sportdirektors bei den Pfälzern vom ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Friedrich schriftlich zugesichert bekommen. Andernfalls dürfte eine Abfindung in Höhe von einer Million Euro fällig sein. Nachdem die Details der Abmachung in der Vorwoche durchsickerten, war der Kapitän der FCK-Meistermannschaft von 1998 für sein Verhandlungsgeschick kritisiert worden.

Schließlich bringt der Heimkehrer keine Leistung auf dem Platz. «Es fehlt mir Spielpraxis», klagte Sforza, der sich beim peinlichen Auftritt der «Roten Teufel» in der Hansestadt als Libero versuchte und bei Romeos beiden Toren nicht im Bilde war. «Natürlich bin ich momentan nicht zufrieden. Aber ich gebe mein Bestes», stellte Sforza, der bei den Münchner Bayern in der vorigen Saison nicht zum Zug kam, kleinlaut fest. Nach dem schlechtesten Saisonstart der Pfälzer in der Vereinsgeschichte bat er um einen Vertrauensvorschuss: «Negativ- Stimmung bringt nichts. Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen. Wir wollen in Ruhe arbeiten. Wir müssen alle zusammen da rauskommen.»

«Ich weiß auch nicht, warum die Mannschaft so schlecht spielt», rätselte Gerets nach dem zweiten Bundesliga-Spiel mit der neuen Mannschaft. Trotzdem wird der Brehme-Nachfolger wohl auch am Samstag auf dem Betzenberg gegen die Münchner Löwen auf seinen Altmeister vertrauen. «Wenn ich das noch ein drittes Mal sehe, wird die Geduld am Ende sein», kündigte der Belgier allerdings an.

Bei seinem Kollegen Kurt Jara war der Geduldsfaden bereits gerissen. Jörg Albertz und Bernd Hollerbach waren im Keller-Duell vom Österreicher auf die Tribüne verbannt worden. «Ich war enttäuscht von ihrer Leistung. Ich wollte ein Zeichen setzen. Sie sind aber nicht suspendiert», stellte der HSV-Trainer klar. Jara setzte auf die Jugend - und wurde belohnt. «Wenn es umgekehrt gewesen wäre, wären wir die Deppen gewesen.» Doch dank Bernardo Romeos Doppelpack kann der in die Kritik geratene HSV-Coach vorerst wieder ruhiger arbeiten.