Bundesliga 2002/2003, 7. Spieltag, Samstag, 28.09.02 in der Hamburger AOLArena bei 16 Grad 

Hamburger SV - VfB Stuttgart 3:2 (2:2)

Spiel für Spiel immer einen Bericht mit negativem Tenor zu schreiben, ödet mich irgendwie an. Deshalb gleich zu Anfang ein Freudenausbruch: YIPPPPPPIEEEEEEEE! Wir haben gewonnen!

Soweit zum allerbesten des heutigen Nachmittags.

Es war wieder eine eher müde Vorstellung, die wir in der AOLArena zu sehen bekamen. Ich würde allerdings schon sagen, daß die Mannschaft heute gekämpft hat. Nur fußballerisch ging wieder viel zu wenig. Der einzige, der mal einen Impuls gibt, ist Sergej Barbarez. Mehdi hatte in seinem 1. Spiel seit ewiger Zeit auch gute Ansätze. 

Das konnte Mahdavikia auch gleich zu Anfang des Spiels zeigen, als der HSV bereits mit 1:0 in Führung hätte gehen können. Mehdi flankte von rechts und Marek Heinz schoss knapp über das Tor. So eine gute Chance zu einem so frühen Zeitpunkt. Es keimte schon wieder der zarte Samen der Hoffnung – bis nach 9 Minuten das 0:1 fiel. Kurz zuvor hatte Balakov bereits den Pfosten getroffen und nun sah die Abwehr ziemlich alt aus als Seitz doch sehr frei im 16er angespielt werden konnte und einschob.

Aber zumindest fiel bei uns nicht wieder gleich alles auseinander, sondern man versuchte es weiter. Und nach brutalem Abwehrfehler von Stuttgart konnte Romeo frei von links in den Strafraum laufen. Ich kam gerade noch dazu zu sagen „Nun zeig uns mal, daß Du ein echter Knipser bist“ und da bewies er es auch. Aus wirklich spitzem Winkel schoß der den Ball ins Tor. Das bekommt aus der Situation längst nicht jeder hin.

Noch größer natürlich die Freude nur wenige Minuten später, als sich Fukal an der Eckfahne gut durchsetzte und Barbarez seine Flanke zur 2:1-Führung verwandeln konnte.

Da war er wieder – der Keim der Hoffnung....

Und er verfaulte wieder schneller als man es glauben mochte. Stuttgart konnte mit einem der nächsten Angriffe nach Doppelpaß Hleb – Balakov – Hleb durch einen wunderschönen Schuß in den Winkel den Ausgleich erzielen und ich fühlte mich schon wieder wie ein geprügelter Hund.

Ging es bisher Schlag auf Schlag, sollte es nun mau und mauer werden. Zum Pausentee ging es mit einem 2:2 und in der 2. Halbzeit wollte irgendwie auch nicht recht viel passieren.
Beide Mannschaften nicht sehr einfallsreich, aber Stuttgart hatte zumindest einige gute Chancen, die zu Toren hätte führen können. Bei uns passierte leider nicht sehr viel, was den vor mir sitzenden HSVer zu der Frage brachte „Haben die in der Pause ein Lavendel-Bad genommen“. Naja, zumindest einmal im Spiel gab es richtig was zu lachen .....

Seinen jedoch negativen Höhepunkt erlebte das Spiel dann als in der 80. Minute der sichtbar erschöpfte Kling ausgewechselt wurde und Kitzbichler dafür kam. Als der Wechsel an der Seite angezeigt wurde, begann ein Riesen-Pfeifkonzert im Stadion und wurde am lautesten als Kitzbichler den Platz betrat. Bei der Nennung des eingewechselten Spielers durch den Stadionsprecher wurde auch Kitzbichlers Name von kaum einem Fan gerufen, sodaß der Sprecher ausnahmsweise selbst (nach einer kurzen Pause) den Nachnamen verkündete. Auch wenn das Pfeifkonzert vielleicht eher Jara gegolten hat, so frage ich mich doch, wie beschränkt man sein muß, seinen ganzen (berechtigten) Unmut über die Situation dann an einem einzelnen Spieler auszulassen, der bisher nur 2 (zwar eher schlechte) Teileinsätze hatte. Gaaaaanz armes Ding das! Ich hätte in der Situation zwar auch eher Rahn gebracht, aber was kann der arme Kitzbichler dafür ? Ist es das Ziel der Fans, einen einzelnen niederzumachen ? Naja, „der Fans“ ist natürlich nich richtig, denn ich mag es ja auch nicht, wenn man global in einen Topf geworfen wird. Aber es waren eben doch sehr viele, die da gepfiffen haben.

Ironie des Schicksals war natürlich, daß dann in den verbleibenden 10 Minuten tatsächlich noch der Siegtreffer erzielt wurde. Wieder war es Romeo und wieder dachte ich mir, daß den auch nicht jeder reingemacht hätte. So schlecht er auch Fußball spielt, so gut ist eben doch sein Riecher für gefährliche Situationen. Wäre nur fast schöner gewesen, wenn Kitzi das Tor gemacht hätte.

Natürlich erlaubten wir Stuttgart wenigstens noch eine hochkarätigste Chance, aber die konnte Ujfalusi im letzten Moment verhindern. Und da der Schiri heute mal nicht 4 – 5 Minuten nachspielen ließ, reichte es zum 3. Heimsieg und  plötzlich war der Großteil der Fans doch scheinbar wieder befriedigt. Ich war bzw. bin es auch. Wir spielen so Fußball, daß ich leider momentan ausschließlich nach unten schaue. Und daher sind die 3 Punkte sehr wichtig. Wichtiger als es vielleicht gewesen wäre, der Gerechtigkeit halber nicht zu gewinnen und der Mannschaft/Trainer so zu zeigen, daß das einfach zu wenig ist.

Den bisher gehörten Interviews nach, hat das Team aber diesmal durchaus begriffen, daß das viel zu wenig war. Ambitionierter Fußball sieht irgendwie anders aus. Und nächste Woche in Schalke kann ich mich doch jetzt schon wieder auf eine Auswärtsniederlage „freuen“. 

Fazit aus diesem Spiel: Zu Hause wird zumindest ein wenig gekämpft, um die spielerischen Defizite auszugleichen. Ohne Barbarez geht fast gar nichts. Und Mehdi schafft es doch – einen kleinen Keim der Hoffnung ins Leben das Tageslicht erblicken zu lassen.

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: bekam nicht wirklich viele Schüsse aufs Tor. Bei den Toren konnte er nichts machen. Einmal wirkte er danach beim Balakov-Schuss unsicher und ein paar Bälle hielt er. Routine: Note 3

Hoogma: der ist mir nun wirklich absolut überhaupt nicht aufgefallen: Note 4

Hertzsch: ist in der Innenverteidigung eben doch besser aufgehoben. Schade, daß er da gewiß nächste Woche schon wieder nicht spielen darf, weil Baur dann wieder da ist. Trotzdem hat er heute zumindest eine Großchance eingeleitet, weil er nicht entschlossen genug geklärt hat: Note 4

Fukal: Schöne Vorarbeit zum 2:1. Ansonsten war er eher unauffällig. Note 4

Kling: Ich weiß nicht, warum viele den heute offenbar so gut fanden. Ich fand seine Leistung jedenfalls nicht so doll. Und offensiv hat er sich auch so gut wie gar nicht eingeschaltet: Note 4-

Wicky: hing wie eine Klette an Balakov. Trotzdem konnte sich Balla mehrfach in Szene setzen. Mit dem Aufbauspiel des HSV ist er überfordert. Er ist da ja auch ziemlich allein: Note 4

Ujfalusi: Spielte heute im defensiven Mittefeld vor der Abwehr und wurde von mir fast gar nicht wahrgenommen: Note 4

Barbarez: der einzige, von dem man immer wieder gute Pässe sieht und der Gefahr ausstrahlt. Aber einer davon im Team ist etwas zu wenig: Note 3

Mahdavikia: hatte auch lange Pausen im Spiel, in denen man ihn kaum sah. Trotzdem ein ordentliches Comeback nach so langer Zeit. Dürfte nun wieder zum Stammspieler werden. Note 3

Heinz: ich denke, daß das heute erstmal sein letzter Auftritt in der Startformation war. Ich habe nämlich so gut wie nichts von ihm gesehen. Zwar auch nicht viel Negatives. Aber eben auch nichts Positives. Und da sollte ein Stürmer schon mal auffallen: Note 4-

Romeo: bewies heute wieder zwei Mal, daß er ein Torjäger ist. Mein Kumpel Jörg bemerkte, daß er die letzten 4 Spiele, wenn er getroffen hat, immer doppelt getroffen hat. Stark.: Note 2

Schiri: fiel wirklich so gut wie gar nicht auf. Im Gegensatz zu den Spielern ist das bei einem Schiri ja aber eher ein Kompliment: Note 2

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1:
TORE  
0:1 Jochen Seitz (9.)
1:1 Bernardo Romeo (14.)
2:1 Sergej Barbarez (23.)
2:2 Alexander Hleb (26.)
3:2 Bernardo Romeo (86.)
 
GELBE KARTEN  
Hamburger SV: Milan Fukal (37.) , Stephan Kling (65.) , Tomas Ujfalusi (74.) 
VfB Stuttgart: Bradley Carnell (61.), Kevin Kuranyi (63.)

SCHIEDSRICHTER :  Uwe Kemmling  
ZUSCHAUER :  36,740 
DATUM :  28.09.02   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Nico Jan Hoogma, Milan Fukal, Tomas Ujfalusi, Ingo Hertzsch, Stephan Kling, Marek Heinz, Raphael Wicky, Sergej Barbarez, Bernardo Romeo, Mehdi Mahdavikia

VfB Stuttgart: Thomas Ernst, Rui Marques, Marcelo Jose Bordon, Fernando Meira, Andreas Hinkel, Krassimir Balakov, Kevin Kuranyi, Alexander Hleb, Bradley Carnell, Jochen Seitz, Zvonimir Soldo
 
WECHSEL 
Hamburger SV:
Erik Meijer für Marek Heinz (66.)
Richard Kitzbichler für Stephan Kling (80.)
Cristian Raul Ledesma für Sergej Barbarez (87.)

VfB Stuttgart:
Silvio Meißner für Rui Marques (46.)
Ioannis Amanatidis für Jochen Seitz (46.)
Timo Wenzel für Bradley Carnell (67.)

 
Bernardo Romeo rettet erneut seinen Trainer Kurt Jara  

"Jara raus" und "wir haben die Schnauze voll" riefen die 38.000 Zuschauer ab der 75. Minute in der AOL-Arena. Aber dann erlöste Bernardo Romeo in der 86. Minute mit seinem zweiten Treffer gegen den VfB Stuttgart die enttäuschten Fans und vor allem seinen Trainer Kurt Jara - und das am 115. Geburtstag des Klubs. 
Bis dahin hatten die Hanseaten in der zweiten Hälfte gerade zwei Mal aufs Tor geschossen. Den ersten Versuch gab es erst in der 82. Minute durch Milan Fukal.   
Trotz des Sieges enttäuschte der HSV auf ganzer Linie. "Man sieht, dass die Mannschaft eine Nummer zehn oder einen Cardoso-Ersatz braucht und sucht. Und das wird hier schon seit drei Jahren diskutiert - und trotzdem ist keiner da", stellte Raphael Wicky nach dem Erfolg fest.
Romeo scheint sich mittlerweile in Hamburg pudelwohl zu fühlen. Gegen die Schwaben schoss er zwei Mal aufs Tor und traf zwei Mal - Effizienz pur. Übrigens war das der vierte Doppelpack in Folge von der ersten Neuverpflichtung die unter dem österreichischen Trainer kam.
Damit rettete der Argentinier schon zum zweiten Mal seinen Trainer. Schon vor dem Heimspiel gegen Kaiserslautern wurde Stimmmen laut, die die Entlassung von Jara forderten. HSV-Vorstandsvorsitzender Werner Hackmann stellte nach dem Sieg klar, dass er weiter voll und ganz hinter dem Coach steht.

"Comebacker" stechen
Im Kader der Hamburger fehlten Jörg Albertz und Bernd Hollerbach. Die beiden hatte Jara auf die Tribüne verbannt. Wieder in der Mannschaft waren dafür aber Sergej Barbarez und Mehdi Mahdavikia - und das zu Recht.
Der Bosnier machte im vierten Spiel gegen den VfB Stuttgart sein fünftes Tor (23.) und bringt es jetzt auf 49 Bundesligatreffer. Barbarez wusste zu überzeugen. 81 Ballkontakte und 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe sprechen eine deutliche Sprache.
Und der Iraner bereitete das Siegtor herrlich vor, indem er vier schwäbische Abwehrspieler wie Slalomstangen stehen ließ und Romeo mustergültig bediente. Außerdem legte er zur Hälfte aller HSV-Torschüssen auf (sechs Mal).

Ernst der Lage bewusst
Der glückliche Sieg täuschte aber nicht über die vielen Mängel im Hamburger Spiel hinweg. Die Pfiffe der Fans kamen zu Recht. "Es kann so nicht weitergehen. Es war aber auch das erste Mal im eigenen Stadion, dass die Zuschauer nicht zufrieden gewesen sind", so Hackmann.
Weiter spielt der HSV-Boss auf Zeit. "Wir müssen jetzt in Ruhe weiterarbeiten und dann bessere Leistungen zeigen, als wir es zuletzt getan haben."

"Müssen auswärts nachlegen"
Durch den Sieg verbesserte sich der HSV auf den elften Tabellenplatz. "Jetzt müssen wir auswärts einmal nachlegen", sagte Jara, "denn man sieht ja, dass man dann in der Tabelle weit klettern kann. Dann wird sich die Stimmung auch sehr schnell ändern."

Ratloser Magath
Die Schwaben können in Hamburg einfach nicht gewinnen. 0:2, 2:2, 0:3, 1:3 und jetzt 2:3 - das sind die letzten Ergebnisse des VfB in der Hansestadt.
"Ich hatte nicht geglaubt, dass man so ein Spiel übehaupt verlieren kann", meinte ein sichtlich ratloser Felix Magath. "Wir haben unsere Möglichkeiten in der zweiten Hälfte nicht genutzt und kriegen dann durch einen unnötige Fehler noch ein Tor."
Nach der zweiten Saisonniederlage sackten die Schwaben auf Rang 14 in der Tabelle ab. "Wir stehen nun beim kommenden Heimspiel mächtig unter Druck", so der VfB-Coach.

Schwacher Marques - starker Hleb
Bis zum 1:1 hatten die Stuttgarter das Geschehen klar im Griff. Dann patzte Rui Manuel Marques. Der Portugiese verschätzte sich bei einem Kofball und Romeo hatte in der 14. Minute freie Bahn.
In der neunten Minute hatte Jochen Seitz die Gäste nach herrlicher Vorarbeit von Alexander Hleb in Führung gebracht. Den Ausgleich in der 26. Minute machte Hleb dann nach einem schönen Doppelpass mit Krassimir Balakov selbst. 
Der designierte Balakov-Nachfolger Hleb lieferte ein tolles Spiel. Zu fünf der zehn VfB-Torschüssen legte der Weißrusse auf. Dazu bestritt der schmächtige Mittelfeldspieler 40 Zweikämpfe und gewann davon 20 - ein gute Bilanz für einen Offensivspieler. Gebracht hat es am Ende aber nichts für den VfB.

Fakten:
Kleine Steigerung
Neun Punkte nach sieben Spielen sind zwar alles andere als berauschend, aber immerhin sammelten die Hamburger vier Punkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. 

Schon wieder Führung verspielt
Zum vierten Mal im siebten Spiel hat der VfB trotz einer 1:0-Führung nicht gewonnen (drei Remis, eine Niederlage). 

Keine Reise wert
Seit über sechs Jahren ist der VfB beim HSV ohne Sieg, holte in dieser Zeit nur zwei Punkte. Bei keinem anderen Bundesligisten verloren die Schwaben insgesamt öfter (22 Mal). 

Romeo wieder im Doppelpack
Seine letzten acht Tore erzielte Romeo nun im Doppelpack. Der Argentinier war für vier der letzten fünf HSV-Tore verantwortlich. 

Schlaglichter:
Viel Dusel für Jara & Co.
Kurt Jara kann sich über den Erfolg der Hamburger glücklich schätzen. In der ersten Spielhälfte gab es für die Fans vier Tore und eine gute Leistung der Hamburger zu sehen. Vor der Pause gaben die Hamburger doppelt so viele Torschüsse ab wie Stuttgart (10:5). Nach der Pause spielte der HSV teilweise wie ein Absteiger und gab nur zwei Torschüsse in der zweiten Spielhälfte ab (Saisonminusrekord für den HSV). Es war Glück für den HSV, das einer der beiden Torschüsse den Sieg brachte und Pech für Felix Magath, der auch weiterhin noch auf einen Bundesligasieg als Trainer in seiner alten Heimat Hamburg wartet. 

Trauriger Held Hleb 
Ein glänzend aufgelegter Alexander Hleb gab in der AOL-Arena gegen den Hamburger SV die Torvorlage zum 1:0 durch Jochen Seitz und erzielte das 2:2 mit einem tollen Distanzschuss. Damit gelang dem Weißrussen erstmals in einem Bundesligaspiel ein Tor und eine Torvorlage. Hleb half auch in der Defensive mit aus und bestritt von allen Spielern der Partie die meisten Zweikämpfe (40) von denen er für einen offensiv ausgerichteten Spieler gute 50 Prozent gewann. 

Tolles Heim-Comeback von Barbarez
Sergej Barbarez brachte seinen HSV nach einer tollen Flanke von Milan Fukal zwischenzeitlich mit 2:1 in Führung. Der Bosnier hatte trotz seiner Auswechslung und Schmerzen aufgrund seiner Verletzung von allen Spielern der Partie die zweitmeisten Ballkontakte (81) und bestritt auf Seiten der Hamburger die meisten Zweikämpfe (36), von denen er für einen offensiven Mittelfeldspieler gute 56 Prozent gewann. 

Effektiver Gaucho 
Bernardo Romeo, der gegen den VfB mit seinem zweiten Doppelpack in dieser Saison einmal mehr der Matchwinner war, zeigte sich wie auch zuvor im Heimspiel gegen Kaiserslautern sehr kaltschnäuzig und erzielte seine zwei Treffer mit nur zwei Torschüssen. 

Trainer Kurt Jara (Hamburger SV): 
Das war ein sehr gutes Spiel in der ersten Halbzeit mit viel Abwechslung. Wir haben uns nach dem frühen 0:1 gefangen. Leider hat es dann mit dem 2:2 einen weiteren Nackenschlag gegeben, von dem wir uns lange Zeit nicht erholt haben. In der letzten Viertelstunde war es dann wieder etwas besser und Romeo hat seine einzige Chance genutzt. Aber wichtig ist, dass wir jetzt auch auswärts einmal nachlegen.    
 
Trainer Felix Magath (VfB Stuttgart):
Wir haben uns wieder als sehr guter Gast erwiesen und dem HSV drei Punkte geschenkt. Hier war heute deutlich mehr drin. Jetzt stehen wir unter großem Druck vor unserem nächsten Heimspiel. Die Niederlage schmerzt, weil sie so unnötig war.  

Topspieler: Bernardo Romeo (Hamburger SV)
Vier Minuten vom Ende erlöste Bernardo Romeo den Hamburger SV: Mit seinem zweiten Torschuss erzielte der Argentinier seinen zweiten Treffer und sicherte damit den Sieg. Das ist wohl als effizient zu bezeichnen. Und damit rettete der Angreifer den Posten seines Trainers Kurt Jara. Für Romeo war es bereits der vierte Doppelpack im Trikot der Hamburger. Der quirlige Stürmer hat für die Hanseaten in 22 Einsätzen zwölf Tore erzielt.  
 

Spielwertung: 1 Ball (von 4)
 
Kommentar:
Was waren das für tolle erste 45 Minuten! Vier Tore und viele Chancen. Aber in der zweiten Hälfte schalteten beide Teams gleich mehrere Gänge zurück. Es entwickelte sich ein Trauerspiel und es lief alles auf eine Punkteteilung hinaus, bis Romeo die 38.000 Zuschauer in der AOL-Arena mit dem schmeichelhaften Siegtreffer erlöste (86.). Stuttgart war eigentlich das bessere Team, vergass aber in der zweiten Halbzeit in Führung zu gehen und damit die Vorentscheidung herbeizuführen.
Frihtjof Bublitz  

Taktik
Hamburg:
Pieckenhagen im Tor. Die Viererkette bildeten Fukal, Hertzsch, Hoogma und Ujfalusi (v.r.). Im defensiven Mittelfeld agierten Wicky und Kling. Barbarez und Mahdavikia spielten hinter den beiden Spitzen Romeo und Heinz.
Durch die Einwechselungen von Meijer für Heinz (67.) und Kitzbichler für Kling änderte sich an der Taktik nichts. Ledesma kam für Barbarez (88.) und sollte die Defensive stärken.

Stuttgart:
Im Tor Ernst. Davor Hinkel, Marques, Bordon und Carnell (v.r.). Soldo und Meira sicherten im Mittelfeld Balakov und Hleb ab. Seitz und Kuranyi waren die Spitzen. Meißner und Amanatidis ersetzten Marques und Seitz (46.). Wenzel kam für Carnell (67.). Am System änderte sich dadurch nichts.  


 
kicker:
 Spielbericht 
  
Rund 36.000 Zuschauer fanden den Weg in die AOL-Arena zum Gastspiel des VfB Stuttgart beim Hamburger SV. HSV-Trainer Kurt Jara musste in der Abwehr auf den Gelb-Rot-gesperrten Baur verzichten, der von Fukal vertreten wurde. Im Mittelfeld baute er auf Mahdavikia und Kling, die im Vergleich zur 2:0-Niederlage in Berlin am vergangenen Spieltag Ledesma und Benjamin ersetzten. Felix Magath auf Seiten des VfB Stuttgart musste verletzungsbedingt auf Torwart Hildebrand verzichten. Für ihn hütete Ernst das VfB-Tor. Außerdem kam Hleb für Amanatidis in die Mannschaft.

Nach einer eher zerfahrenen Anfangsphase ging es Schlag auf Schlag in Hamburg. Zunächst brachte Seitz den VfB in Führung. Hleb hatte in halblinker Position Seitz mit einem „tödlichen“ Pass freigespielt, und dieser keine Probleme, Pieckenhagen im HSV-Tor aus acht Metern zu überwinden. Noch ehe sich die Stuttgarter richtig über die Führung freuen konnten, unterlief Marques eine Kopfballverlängerung von Heinz, die bei Romeo landete. Dieser lief alleine auf Torwart Ernst zu und ließ diesem mit einem Schuss unter die Latte keine Chance. Der HSV setzte sofort nach und kam auch wenige Minuten später zum Führungstreffer. Fukal setzte sich an der Eckfahne gegen Carnell durch und zog eine gute Flanke in Richtung Elfmeterpunkt, wo Barbarez zum Kopfball hochstieg. Gegen den platzierten Kopfstoß hatte Ernst keine Abwehrchance. Doch Stuttgart zeigte sich keineswegs geschockt. Bereits drei Minuten später glichen die Schwaben aus. Hleb und Balakov spielten vor dem Strafraum Doppelpass, und Hleb zog von der Strafraumgrenze ab. Der Rechtsschuss schlug unhaltbar für Pieckenhagen im linken oberen Torwinkel ein – ein Traumtor. Scheinbar erschrocken von den vier Toren, steckten beide Mannschaften in der Folgezeit etwas zurück. Chancen ergaben sich vor der Pause nur noch durch Weitschüsse und Freistöße, doch alle wurden vergeben.

Während das Spiel in der ersten Hälfte noch durchaus unterhaltsam war, so verflachte die Partie in der zweiten Halbzeit völlig. Der HSV brachte im Spiel nach vorne nichts Zählbares zu Stande. Alle Angriffe der Hamburger wurden von der Stuttgarter Abwehr im Keim erstickt. Auch in der Abwehr standen die Hamburger nicht sicher, doch muss sich der VfB den Vorwurf gefallen lassen, die Hamburger Schwächen nicht konsequent ausgenutzt zu haben. Als wäre es die gerechte Strafe für den VfB, erzielte der HSV mit seiner einzigen Torchance in der zweiten Halbzeit den Siegtreffer. Mahdavikia wurde von der Stuttgarter Abwehr nicht entschlossen genug angegriffen und brachte den Ball zu Romeo, der freistehend aus ungefähr neun Metern mit seinem Flachschuss Torhüter Ernst keine Chance ließ. Stuttgart versuchte dann in der Schlussphase noch einmal alles, doch Ujfalusi rettete in der Schlussminute den HSV-Sieg, als er einen Schuss von Amanatidis von der Torlinie kratzte.

Ein glücklicher Sieg für den HSV, der damit auf Distanz zur Abstiegszone bleibt, ohne dabei im Spiel zu überzeugen. Stuttgart hatte es wohl noch nie so leicht, in Hamburg zu gewinnen, doch die Schwaben setzten gegen unsichere und nervöse Hamburger nicht konsequent nach und schienen zu früh mit dem Unentschieden zufrieden zu sein.

Spielereignisse im Detail 
Schlusspfiff 
 
90     Ujfalusi rettet gegen Amanatidis für seinen bereits geschlagenen Torwart auf der Linie. 
 
87     Völlig überraschend die Führung für den HSV. Mahdavikia kann sich an der Strafraumgrenze gegen Hleb durchsetzen und den Ball irgendwie zu Romeo im Strafraum mogeln. Der steht frei und lässt Ernst mit einen Flachschuss keine Chance. 
 
86     Die erste Chance für den HSV in der zweiten Halbzeit !! Kitzbichler legt an der Strafraumgrenze ab auf Fukal. Doch der scheitert an Torwart Ernst. 
 
72     Kuranyi kann sich gegen Hertzsch in halblinker Position durchsetzen und schiesst auf das kurze Eck, doch Pieckenhagen taucht reaktionsschnell ab und klärt zur Ecke. 
 
56     Hleb legt den Ball zurück auf Balakov, der aus zwanzig Metern mit Links abzieht. Pieckenhagen kann den Ball nicht richtig festhalten, doch er tröpfelt über die Torauslinie. 
 
 Anpfiff 2. Halbzeit 
 
 Halbzeit 
 
45     Wieder Gefahr durch einen Mahdavikia-Freistoss, doch zunächst wird Ujfalusis Kopfball abgeblockt, dann scheitert Fukal mit einem Nachschuss an der vielbeinigen Stuttgarter Abwehr. 
 
42     Einen Mahdavikia-Freistoss köpft Fukal nur knapp über das VfB-Tor. 
 
33     Balakov versucht Pieckenhagen aus über 30 Metern zu überlisten, doch der Distanzschuss geht knapp über das Tor. 
 
28     Es geht Schlag auf Schlag in Hamburg ! Balakov legt an der Strafraumgrenze mit der Hacke auf für Hleb, der sofort abzieht und den Ball unhaltbar in den linken oberen Torwinkel hämmert 
 
25     Der HSV geht in Führung. Fukal gewinnt an der rechten Eckfahne den Zweikampf und flankt in die Nähe des Eöfmeterpunkts. Dort köpft Barbarez völlig unbedrängt auf das Tor. Ernst hat gegen den platzierten Kopfball keine Chance. 
 
17     Barbarez dreht einen Freistoß knapp am rechten Pfosten des Stuttgarter Tores vorbei. 
 
16     Auch der Ausgleich fällt aus dem Nichts. Eine weite Flanke verlängert Heinz zu Romeo, der von einem Stellungsfehler von Marques profitiert. Völlig frei lässt Romeo Ernst im Stuttgarter Tor aus zehn Metern keine Chance. 
 
9     Nach zerfahrenem Beginn ein tödlicher Konter ! - Hleb versetzt zwei Hamburger Verteidiger und setzt Seitz in Szene, der aus acht Metern Pieckenhagen keine Chance lässt und rechts unten einnetzt. 
 
Anpfiff 


 
dpa meldet: 
Romeo rettet HSV das 3:2 gegen Stuttgart 
  
Hamburg (dpa) - Mit seinem zweiten Doppelpack hat der Argentinier Bernardo Romeo den Hamburger SV beim 3:2 (2:2) gegen den VfB Stuttgart vor einem weiteren Rückschlag bewahrt. Nur vier Minuten vor Ende der Partie traf der Torjäger für die Hausherren, die nun vorerst aus dem Abstiegskampf heraus sind. 

Neben Romeo (14./86.) traf Barbarez (23.) für den HSV, Jochen Seitz (9.) und Alexander Hleb (26.) für die Schwaben. Einen Tag vor seinem 115. Vereinsjubiläum enttäuschten die Norddeutschen trotz des Sieges ihre Anhänger, die die schlechte Leistung der Profis zum Schluss mit Pfiffen quittierten. Der VfB verpasste am Samstag den zweiten Saisonsieg.

HSV-Trainer Kurt Jara fiel am Ende ein Stein vom Herzen: «Natürlich lassen mich die Pfiffe nicht kalt. Aber das Team ist so verunsichert, dass es immer wieder schlechte Phasen gibt.» Immerhin hätten die Spieler mit dem Schlussspurt bewiesen, dass sie konditionell gut in Form seien. Nach dem dritten Heimsieg müsse nun auswärts eine Steigerung folgen.

Der Österreicher blieb bei seiner harten Linie und verzichtete neben Jörg Albertz und Bernd Hollerbach auf den Vier-Millionen- Einkauf Cristian Ledesma. Dafür rückte der sieben Monate verletzte Mehdi Mahdavikia (Bandscheiben-OP) in die offensiv ausgerichtete Formation. Bei den Gästen stand Keeper Thomas Ernst erstmals in der Saison für den verletzten Timo Hildebrand im Tor, Gäste-Coach Felix Magath brachte zudem den Weißrussen Alexander Hleb wieder von Anfang an.

In der wenig hochklassigen, aber im ersten Durchgang unterhaltsamen Partie kam der Tscheche Marek Heinz schon nach 38 Sekunden zu einer Topchance für den HSV. Im Gegenzug scheiterte VfB- Spielmacher Krassimir Balakow am Pfosten. Der ehemalige HSV-Spieler Seitz (9.) nutzte dann einen schnellen Angriff, den Hleb eingeleitet hatte, zum Führungstor. Mit seinem dritten Saisontor bewies Bernardo Romeo (14.) seine Torgefährlichkeit. Der Argentinier verwertete aus sieben Metern einen Kopfball von Heinz.

Den zweiten Treffer erarbeiteten sich die Gastgeber mit zwischenzeitlich engagierten Zweikämpfen: Mit Saisontor Nummer eins meldete sich der Bosnier Barbarez wieder zurück. Nach einer Vorlage von Milan Fukal köpfte der Torschützenkönig der Saison 2000/2001 ohne Zögern ein. Die couragierte junge Mannschaft aus Stuttgart nutzte jedoch jede Unsicherheit der HSV-Abwehr aus und kam durch den starken Hleb (26.) zum 2:2. Balakow hatte ihn exzellent bedient.

Nach dem offenen Schlagabtausch in den ersten 45 Minuten offenbarten die angeschlagenen Hanseaten in Halbzeit zwei erschreckende Mängel im Passspiel. Der für den aussortierten Hollerbach eingesetzte Stephan Kling war offensichtlich überfordert, wurde aber erst spät ausgewechselt. Einzig Barbarez kämpfte an allen Ecken und Enden. Erst vier Minuten vor Ende rettete Romeo den HSV vor einer weiteren Enttäuschung. «Wir verschenken zu viele Punkte. Diese Niederlage war wieder völlig unnötig», sagte der enttäuschte Ex- Hamburger Magath.