Bundesliga 2002/2003, 8. Spieltag, Samstag, 05.10.02 im Gelsenkirchener Festzelt "Auf Schalke". Temperaturen: ? ,war recht war - wie es in einer Halle so ist. Draußen regnete es; drinnen durfte es das aus mir unerfindlichen Gründen nicht.

FC Schalke 04 - Hamburger SV 3:0 (3:0)

Vorwort: Hallo Michael! Es freut mich, daß Du auch heute wieder meinen Spielbericht lesen wirst. Natürlich freut es mich nicht, daß es Dir wieder mal einen besonderen Spaß machen wird. Aber ich habe mich als HSV-Fan über die Jahre hinweg ja ans Verlieren gewöhnen können.
Anmerkung: Michael ist Schalke-Fan und liest meine Spielberichte immer dann gerne, wenn der HSV verloren hat. Diesmal wird es ihm also eine besondere Freude sein.

Nun aber zum Spiel ... bzw. das, was man so langläufig Spiel nennt.

Ich fuhr ja schon mit eigentlich null Hoffnung auf einen Punkt zum Spiel nach Schalke. Vermutlich wäre ich auch nicht gefahren, wenn mich nicht ein Freund mitgenommen hätte. „Natürlich“ ist der auch noch Schalke-Fan, aber das konnte mich heute ja nicht berühren. Wer keine Hoffnung hat, kann sie auch nicht verlieren.

Und da half der HSV heute ja auch ganz schnell wieder. Sollte wenigstens doch ein winziger Hoffnungsschimmer an einen Auswärtspunkt irgendwo tief in meinem Unterbewußtsein geschlummert haben, so war dieser Gedanke nach 10 Minuten passé. Da hatte sich der HSV nämlich das 1:0 gefangen und eigentlich hätte man als HSV-Fan nun bereits sofort gehen können.

Bei diesem Gegentor versagte Baur leider in ganz besonderer Weise. Wie man den gegnerischen Stürmer da einfach so durchlaufen lassen kann, ist mir ein Rätsel. Aber es ist mir ja auch schon ein Rätsel, wie man Baur heute noch zusätzlich zu den ganzen anderen defensiven Spielern bringen konnte. Da hat Kurtl wohl die defensivere Variante gewählt – ha ha ha. Nachdem wir im letzten Spiel „nur“ mit 7 defensiven Spielern aufwartete, konnte er heute mit 8 defensiven Spielern unterbringen. Ich habe auch gar nicht so richtig mitbekommen wie er all diese defensiven Leute taktisch aufgestellt hat. Ich glaube, wir haben hinten mit einer Dreierkette gespielt. Links davor Kling, rechts Fukal und im defensiven Mittelfeld Ujfalusi und Baur. Kann mich aber auch irren. Zumindest haben wir immerhin mit drei Leuten gespielt, die man der Offensive zurechnen darf: Barbarez, Mahdavikia und Romeo. Ich finde das gelinde gesagt unglaublich. Wenn man schon Woche für Woche so einen defensiven Schrott-Fußball spielt, dann jetzt noch einen defensiven Spieler mehr ???? Beim nächsten Auswärtsspiel sollten wir noch wahlweise 1 – 2 offensive Spieler streichen und 2 Verteidiger einbauen. Irgendwann wird die Null schon stehen......

Nach diesem schnellen 1:0 hatten wir immerhin sogar die Chance zum Ausgleich. Und die Chance würde ich sogar als gut bis sehr gut bezeichnen. Barbarez leitete einen Pass direkt zu Romeo weiter, der leider am Tor vorbei schoss. Das hätte der Ausgleich sein können. Aber so konnten wir uns jedenfalls – wie zumindest auswärts üblich – in unser Schicksal ergeben. Pieckenhagen konnte einen Kopfball von Schalke nicht festhalten; Hoogma sah auch keine Veranlassung, Ebbe Sand am Einschieben zu behindern und damit hatten wir vor der 20. Minute bereits das 2:0. Ach, wie kann das Leben eines HSV-Fans doch schön sein.....

Ach ja, was ich ganz vergaß zu schreiben: Ich hatte eine Stehplatzkarte heute und der Steehplatzblock war im Eingangsbereich dermaßen voll, daß nicht mal ich mit meinen 1,99 m darüber hinweggucken konnte. So genoß ich die erste halbe Stunde des Spiels im Gang beim Schauen von premiere auf einem der vielen aufgehängten Monitore. Paßte irgendwie ins Bild.

Dann überlegte, daß nun doch ein kleines Frustfutterchen angemessen erschien. Also rasch eine Knappenkarte gekauft und Pommes kaufen. Pommes ? Wie kann mir jemand mit Pommes entgegenkommen, wenn der einzige Stand im Gäste-Stehbereich gar keine Pommes hat ? Die gab es lt. Ordner nur nebenan. Und, man glaubt es kaum, man ließ mich sogar durch die Absperrung, um mir dort etwas zu kaufen. Ich holte mir einen schicken Döner (ach nee: chicken döner – was bin ich heute witzig.. ;-) ) und dachte mir, wie doof die Ordner doch sind, daß sie mich da durchgelassen haben. Denn nun hatte ich ja die ganzen Sitzplatzblöcke vor mir und konnte mich da in den Eingangsbereich stellen. Das klappte auch in etwa 37 Sekunden lang, bis dann ein Ordner kam und mich fragte, ob ich eine Karte für diesen Block habe. Mein „nein“ wurde mit einem zärtlichen „dann verlassen Sie bitte diesen Block“ beantwortet. Grausame Welt.... Im nächsten Eingang hielt ich es zumindest geschätzte 1:23 Min. aus, da ich sehr beschäftigt mit einem schicken Döber wirkte (ha ha, es kalauert wieder). So ging ich dann doch zurück meine mir angestammte Gefangenenburg – so in etwa kann mich sich auf Schalke nämlich im Gäste-Stehplatzbereich vorkommen. Das sind glaube ich die einzigen Plätze im Stadion, die hermetisch von den anderen abgeriegelt sind. In meinen Augen vollkommen übertrieben. Man ist da wirklich eingekesselt. Schon der Eingang ist völlig separat von den anderen und man muß dann einen lang Gang dort hinlaufen und auch innen sind die Plätze vollkommen mit hohem Plexiglas umzäunt.  Es erinnerte mich irgendwie an ein Gefangenenlager oder zumindest n den Zoo.

Oh, jetzt bin ich wieder ganz davon abgekommen, über das Spiel zu schreiben. Nachdem ich mir also ein Chicken-Döner (Schluss mit den Kalauern – ich habe schlechte Laune zu haben!!!) und eine Frikadelle im Brötchen reingepfiffen hatte, war es an der Zeit, eine weiteres Gegentor hinzunehmen. Immerhin konnte ich dieses Tor live und in Farbe IM Stadion sehen. Mit dem Pausenpfiff erledigte Asamoah das 3:0 und damit auch den ohnehin bereits erledigten HSV.

Nach der Pausenbrühe ging es weiter – natürlich ohne irgendeinen Wechsel. Wieso sollte man auch vielleicht zumindest versuchen, noch einmal „Eier zu zeigen“ ? Nee, nee, der Kurtl dachte sich wohl, daß es dann unter Umständen auch in einem 5:0 oder 6:0 enden könnte und das ist ja noch peinlicher als es ohnehin schon ist. Also agierte der HSV ohne Spielerwechsel verhalten offensiv und Schalke eigentlich gar nicht mehr. Schalke hatte wohl einfach genug mit dem 3:0 und den meisten HSV-Fans ging es da wohl nicht anders. Wir hatten sogar noch ansatzweise ein paar Chancen, aber ein Tor sollte nicht gelingen. Romeo hätte aber durchaus wieder eines machen können (fast müssen). Wäre aber auch scheißegal gewesen.

Kurz vor Schluß hatte Kurtl dann doch noch die tolle Idee, Christensen mal eine Chance zu geben..... Grandiose Idee. Konnte dem Spiel in dieser Phase natürlich sofort seinen Stempel aufdrücken (Achtung: Ironie!). Zumal er als Linksaußgen agieren durfte. Genau seine Position....... Zumindest DAS fiel Kurtl auch noch auf und so durfte sogar noch Rahn sein Comeback feiern und hatte die dankbaren Aufgabe, für nicht mal 10 Minuten beim 0:3 im linken Mittelfeld zu agieren... Ich finde es toll, daß Kurtl den Leuten so eine dankbare Chance gibt....

Das Spiel endete 3:0 für Schalke und außerhalb der Halle regnete es inzwischen auch schön (passend zur Leistung des HSV). War übrigens das erste Hallen-Bundesligaspiel, das ich erlebt habe.

Desolat hatte sich der HSV einmal mehr präsentiert. Und wie auch schon beispielsweise in Berlin, war nicht mal ansatzweise ein Aufbäumen zu spüren. Gott sei Dank haben andere Abstiegskandidaten wie Cottbus und Nürnberg auch verloren. Denn wir weiterhin diesen Schrottfussball spielen, kann man ja nur beten, daß wir zumindest genügend Heimspiele gewinnen. Auswärts werden wir so nie einen Punkt erzielen. Da demnächst zwei Auswärtsspiele hintereinander anstehen, kann man nur Stossgebete gen Himmel senden, daß wir zumindest das Heimspiel gegen Gladbach gewinnen. Sonst sieht es bald richtig rabenschwarz aus.

Ich habe aber leider auch keine Idee, was uns derzeit helfen würde. Ich wäre zwar nicht unglücklich, wenn Jara nicht mehr lange HSV-Trainer ist, aber ich hätte auch nicht mal eine gute Idee für einen Nachfolger. Jedenfalls kann es so nicht weiter gehen. Aber das wissen wir ja nicht erst seit heute.

Meine Spielerbewertung: 

Pieckenhagen: Mir ist bis jetzt nicht eingefallen, ob er überhaupt mehr als diese 3 Schüsse aufs Tor bekam.Beim 2. sah er sehr unglücklich aus: Note 4-

Hoogma: Das Abwehrelend kann ich gar nicht recht bewerten für jeden Spieler, da ich doch zu oft zu unaufmerksam war. Gut ist aber etwas anderes: Note 5

Hertzsch: Habe ich auch nicht gesehen: Note 4-

Baur: dicker Bock vorm 0:1. Später spielte er offensiver und gab sogar 2 Torschüsse ab: Note 5

Fukal: war auch dabei: Note 4

Kling: gewann glaube ich eine ganze Menge Zweikämpfe. Offensiv allerdings nicht: Note 4

Ujfalusi: spielte zumeist im Mittelfeld und wurde zumindest in der 2. Hälfte dabei (ENDLICH) öfter nach vorne getrieben. Er ist dabei recht ballsicher, aber gefährliche Situationen löst er leider auch nicht aus: Note 4

Wicky: bemüht: Note 4

So, jetzt kommen die wenigen offensiven Spieler:

Barbarez: Der einzige, der mal einen gescheiten Pass schlägt, der auch direkt Gefahr erzeugt. War allerdings heute auch nicht so doll: Note 4+

Romeo: hatte doch zumindest einige Möglichkeiten, von denen er aber keine nutzen konnte: Note 4

Mahdavikia: gefiel mir heute am besten beim HSV. Ich war wirklich verwundert, wie wenig man nur noch von seiner Verletzungspause bemerkt. Er ist neben Barbarez auch einer der wenigen, die mal einen Gegner 1:1 ausspielen können. Note 3+

Schiri Stark: Ist mir nicht aufefallen. War mir auch egal: Note 2

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1:

TORE  
1:0 Victor Agali (9.)
2:0 Ebbe Sand (15.)
3:0 Gerald Asamoah (45.)
 
GELBE KARTEN  
FC Schalke 04:
Hamburger SV: Raphael Wicky (62.)
 
SCHIEDSRICHTER :  Wolfgang Stark  
ZUSCHAUER :  60,601 
DATUM :  05.10.02   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
FC Schalke 04: Frank Rost, Tomasz Hajto, Marco van Hoogdalem, Niels Oude Kamphuis, 
Dario Rodriguez, Andreas Möller, Victor Agali, Gustavo Varela, Christian Poulsen, Ebbe Sand, Gerald Asamoah

Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, , Nico Jan Hoogma, Michael Baur, Milan Fukal, Ingo Hertzsch, Tomas Ujfalusi, Mehdi Mahdavikia, Stephan Kling, Raphael Wicky, Sergej Barbarez, Bernardo Romeo
 
WECHSEL 
FC Schalke 04: 
Mike Hanke für Victor Agali (63.)
Anibal Matellan für Gustavo Varela (82.)

Hamburger SV
Kim Christensen für Ingo Hertzsch (77.)
Christian Rahn für Sergej Barbarez (82.)
 

Auswärtspleite auf Schalke bringt HSV-Führung in Erklärungsnot  

Es war als Kritik an seiner eigenen Mannschaft gemeint, aber es kam als vernichtendes Urteil über die dürftige Vorstellung des Hamburger SV herüber. "Der Gegner war nach dem 3:0 total fertig", meinte Schalkes Trainer Frank Neubarth nach dem ungefährdeten Erfolg der Königsblauen. "Da hätten wir vier, fünf oder sechs zu null gewinnen und unsere Überlegenheit einfach besser ausspielen müssen. Super-überzeugend war unsere Leistung heute also auch nicht."  

Die Probleme des Schalker Trainer-Neulings hätte sein Hamburger Kollege Kurt Jara sicher auch gerne. Die Realität sieht aber so aus, dass die Hanseaten auch im vierten Auswärtsspiel der Saison den Kürzeren gezogen haben.
Schlimmer noch: Die Art und Weise lässt wenig Hoffnung auf baldige Besserung. "Wir haben uns nicht gewehrt. Einmal mehr", fasste Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer die sportliche Bankrotterklärung in Worte. "Das ist zu wenig. So werden wir auswärts keinen Punkt holen." Sergej Barbarez, der wegen einer Prellung des linken Fußes für das Länderspiel Bosnien-Herzegowinas am kommenden Freitag gegen Deutschland absagen musste, wurde noch deutlicher: "Wir müssen froh sein, wenn wir in der Bundesliga bleiben."

Kein Fortschritt unter Jara
Seit rund einem Jahr ist Jara nun Trainer des HSV. Von den 17 Auswärtsspielen unter seiner Regie gewann das Bundesliga-Gründungsmitglied gerade einmal drei. Die Bilanz eines echten Fortschritts sieht anders aus. 
"Wir müssen uns etwas einfallen lassen", schloss Beiersdorfer. Einen Trainerwechsel als Allheilmittel wollte der ehemalige Profi nach längerem Zögern aber erst einmal nicht in Erwägung ziehen.

Demonstrative Rückendeckung von Hackmann
Auch HSV-Präsident Werner Hackmann stellte sich hinter Jara. Allerdings musste er zugeben, dass die Hamburger "auswärts sicherlich einen gewissen Tiefpunkt erreicht" haben. Es stellt sich also die Frage, ob die Klubführung wirklich an eine sportliche Wende unter dem Österreicher glaubt oder sich nur eine erneute Abfindung nicht leisten kann. 
Wollten die Hamburger ihrer Vorliebe für Trainer aus dem Alpenland allerdings weiter fröhnen, böte sich mit dem von Christoph Daum bei Austria Wien beerbten Walter Schachner derzeit sogar eine passende Alternative. 

Hoogma steht für seine Fehler gerade
Für die Niederlage auf Schalke bekannte sich in Abwehrspieler Nico-Jan Hoogma zumindest ein weiterer Schuldiger. "Die ersten zwei Tore gehen auf meine Kappe", meinte der Hamburger Niederländer, der bei den Schalker Treffern von Victor Agali (9. Minute) und Ebbe Sand (15.) wahrlich nicht gut aussah. 
Auch beim 3:0 durch Gerald Asamoah (45.) gab die Hamburger Deckung eine schlechte Figur ab. "Das waren alles individuelle Fehler", kritisierte Beiersdorfer. "Es ist ernüchternd, solch eine Niederlage mitansehen zu müssen." 

Neubarth sieht noch viel Arbeit
Die Schalker Perspektive sieht natürlich ganz anders aus. "Sicherlich haben wir verdient gewonnen. Und wir haben auch noch Potenzial in der Hinterhand. Aber es gibt noch jede Menge zu tun", trat Neubarth auf die Euphoriebremse.
Agali, der zum zehnten Mal an der Seite von Sand stürmen durfte und dabei noch nie verloren hat, wollte dagegen nicht tiefstapeln. "Wenn alle fit sind, haben wir eine Super-Truppe. Dann ist alles möglich." Damit hatte bei Neubarths Dienstantritt in Gelsenkirchen nicht unbedingt jeder gerechnet.

Frank Neubarth (Schalke 04): Unsere beiden Stürmer Agali und Sand haben uns heute sehr viel Freude bereitet. Ich will nicht unzufrieden sein, doch es gibt trotz des Sieges noch einiges zu tun. Wir wollten nach dem 3:0 nur noch das Ergebnis verwalten, waren nicht so zielstrebig. Wir hätten dem HSV gerne noch ein oder zwei Tore mehr eingeschenkt.    

Kurt Jara (Hamburger SV): Wir haben in den ersten 20 Minuten die entscheiden Zweikämpfe naiv verloren und damit das Spiel. Bei 0:2 auf Schalke ist es schwierig zurückzukommen. Wir sind einfach zu naiv in der Defensive, um mal zu Null zu spielen, und das ist die Basis, um auswärts zu punkten.  

Fakten:
 
 Weitere Paarungen 8. Spieltag 
Wolfsburg
FC Bayern
Schalke
Hertha BSC
Hannover
K'lautern
M'gladbach
Bremen
Stuttgart
 -
-
-
-
-
-
-
-
-
 Leverkusen
Bochum
Hamburg
Nürnberg
Dortmund
Cottbus
Bielefeld
Rostock
1860 München
 2:0 (1:0) 
4:1 (2:0) 
3:0 (3:0) 
2:1 (0:1) 
0:3 (0:1) 
4:0 (1:0) 
3:0 (2:0) 
Vorschau 
Vorschau 
 
 
 
Heimstarke Schalker
Schalke gewann im Jahre 2002 elf seiner 13 Heimspiele und bleibt damit in der Spitzengruppe. 

Traurige Premiere
Zum ersten Mal in seiner Geschichte verlor der HSV die ersten vier Auswärtsspiele einer Saison und bleibt weiterhin das einzige Team ohne Auswärtspunkt. 

Schlafmützige Hamburger
Nach 15 Minuten lag der HSV bereits mit 0:2 zurück. Das passierte den Hanseaten in einem Auswärtsspiel zuletzt am 5. November 1999 in Rostock (damals hatte es schon nach fünf Minuten 0:2 gestanden, Endstand 3:3). Die Schlafmützigkeit zu Beginn einer Partie ist bei der Elf von Kurt Jara in dieser Saison fast schon Normalität: Fünf Gegentore kassierten die Hamburger bereits in der Anfangsviertelstunde, so viele wie kein anderes Team. 

Hohe Schalker Pausenführung
Erstmals seit dem 23. Februar 2002 ging Schalke mit einer Drei-Tore-Führung in die Halbzeitpause. Auch seinerzeit stand es sowohl nach der ersten Hälfte als auch am Ende 3:0. Gegner war der spätere Absteiger Freiburg. Ein Schicksal, das dem HSV in dieser Form auch droht... 

Schlaglichter:
 
Einseitige Angelegenheit
Schalke dominierte die Partie in der ersten Hälfte nach Belieben (11:4 Torschüsse) und war dem HSV vor allem in Punkto Zweikampfstärke überlegen: 55 Prozent der Duelle gewann das Heimteam. Die Hamburger, die mit dem 0:3 zur Pause noch gut bedient waren, kamen häufig einen Schritt zu spät und wussten sich so oftmals nur mit Fouls zu helfen (insgesamt 21-mal, Schalke beging nur elf Fouls). Nach dem Seitenwechsel ließen es die Königsblauen etwas ruhiger angehen, so dass der HSV zu 10:9 Torschüssen kam, ohne jedoch wirklich gefährlich zu werden. 

Lichtblick Barbarez
Einer der wenigen Lichtblicke beim schwachen HSV war Sergej Barbarez: Der Bosnier hatte nach Fukal die meisten Ballkontakte bei den Hanseaten und bereitete vier Hamburger Torschüsse vor (keiner seines Teams sorgte für mehr Vorlagen). Der Hauptunterschied zu vielen seiner Mitspieler war jedoch, dass Barbarez Engagement an den Tag legte und auch kämpferisch zu überzeugen wusste. Starke 63 Prozent der Zweikämpfe gewann der 31-Jährige, eine tolle Quote für einen Mittelfeldspieler. Hätten sich seine Teamkollegen doch nur ein Beispiel an ihm genommen... 

Erfolgversprechendes Sturmduo
Das Sturmduo Sand/Agali verspricht Erfolg: Zum zehnten Mal standen die beiden gemeinsam in der Startelf, noch nie verlor Schalke (acht Siege, zwei Remis). In diesen zehn Partien erzielte Sand sechs und Agali vier Treffer. Auch vom HSV waren die beiden nie unter Kontrolle zu bekommen. Agali brachte sein Team mit seinem 25. Bundesligator früh auf die Siegerstraße und gab insgesamt drei Torschüsse ab. Sand kam sogar sechsmal zum Abschluss, traf zum 2:0 selbst und bereitete Asamoahs Treffer vor. Es war das erste Mal seit November 2001, dass der Däne in einem Spiel sowohl als Torschütze als auch als Vorlagengeber in Erscheinung trat. 

Schwache HSV-Abwehr
Hamburgs Dreier-Abwehrkette bot vor der Pause eine katastrophale Leistung. Keiner der Herren Baur (50 Prozent), Hertzsch und Hoogma (je 40 Prozent) gewann mehr als die Hälfte seiner Zweikämpfe. Baur und Hoogma verhielten sich vor Agalis 1:0 wie Slalomstangen. Hoogmas Zweikampfverhalten gegen Sand vor dem 2:0 grenzte an Arbeitsverweigerung. Erst nach dem Seitenwechsel kamen die HSV-Verteidiger besser zum Zuge, was jedoch weniger an der eigenen Stärke als vielmehr an nachlassenden Schalkern lag. 

Asamoah war vor den Länderspielen in Topform 
Wie eng Glück und Pech beieinander liegen, erlebte Gerald Asamoah binnen einer Woche: Am letzten Spieltag in Bielefeld verursachte der Nationalspieler einen Strafstoß und musste später verletzt vom Platz, gegen den HSV wirbelte er wie in besten Zeiten und präsentierte sich rechtzeitig vor den beiden anstehenden Länderspielen in Topform. Vor allem in Schalkes starker erster Hälfte machte der vor zwei Tagen 24 Jahre alt gewordene Mittelfeldspieler viel Druck über die rechte Seite und war von den schwachen Hamburgern kaum unter Kontrolle zu bekommen. Asamoah erzielte sein erstes Saisontor und war an genau der Hälfte der 20 Torschüsse seines Teams beteiligt. Sechsmal legte er einem Mitspieler zum Torschuss auf, so häufig wie kein anderer Spieler auf dem Platz. 

Topspieler: Gerald Asamoah (FC Schalke 04)
Der Nationalspieler wirbelte die linke Abwehrseite des HSV gehörig durcheinander. Asamoah war an der Hälfte aller Torschüsse der Knappen beteiligt. Sechs Mal legte er für seine Teamkameraden auf. Damit war er in dieser Kategorie bester Mann auf dem Platz. Viermal zog er selbst ab. Mit dem Treffer zum 3:0 krönte Asamoah seine hervorragende Vorstellung. Besonders Tomas Ujfalusi und Ingo Hertzsch zogen gegen den 24-Jährigen meist den Kürzeren. Von jeweils sieben Zweikämpfen gegen die HSV-Defensivspieler gewann Asamoah fünf.  
 

Spielwertung: 3 Bälle (von 4)
 
Kommentar:
Der HSV kann von Glück reden, dass die Schalker die Partie nach der furiosen ersten Halbzeit auf Sparflamme zu Ende spielten. Ansonsten wäre die vierte Hamburger Schlappe im vierten Auswärtsspiel noch derber ausgefallen. Trotz der ängstlichen Aufstellung von sieben eher defensiv orientierten Akteuren war besonders das Abwehr- und Zweikampfverhalten der Hamburger katastrophal. So war es für Schalke ein Leichtes, nur 48 Stunden nach dem Uefa-Pokal-Erfolg gegen Gomel kraftsparend drei weitere Liga-Punkte einzufahren. Die Art und Weise - wenn auch vom HSV arg begünstigt - dürfte den Fans der Königsblauen Lust auf mehr machen. Schlichtweg überzeugend.
Martin van de Flierdt  

Taktik:
FC Schalke 04:
Vor Torwart Rost stand eine Vierkette aus (von links) Rodriguez, van Hoogdalem, Hajto und Oude Kamphuis. Poulsen sicherte im zentralen defensiven Mittelfeld Möller ab. Varela (links) und Asamoah (rechts) agierten auf den Halbpositionen ebenfalls eher offensiv. In der Spitze spielten Sand und Agali. Letzterer machte in der 62. Minute Platz für Hanke. Matellan kam später für Varela (82.).

Hamburger SV:
Pieckenhagen hatte ein Abwehrtrio aus (von links) Hertzsch, Baur und Hoogma vor sich. Davor schirmten gleich vier defensive Mittelfeldspieler die offensiveren Barbarez (zentral) und Mahdavikia (halbrechts) ab. Das waren (von links) Kling, Ujfalusi, Wicky und Fukal. Romeo hieß die einzige Spitze. Nach 77 Minuten brachte Trainer Jara mit Christensen für Hertzsch einen zusätzlichen Kreativspieler. Wenig später kam Rahn für Barbarez und besetzte die linke Außenbahn.  


 
kicker:
Spielbericht 
  
Schalke-Trainer Neubarth krempelte nach dem erfolgreichen 4:0-Auftritt im UEFA-Cup gegen Gomel am Donnerstag sein Team wieder um. Matellan, Büskens, Kmetsch, Vermant, Trojan, Wilmots und Youngster Hanke mussten wieder auf der Bank Platz nehmen. Wie beim 1:2 in Bielefeld standen van Hoogdalem, Rodriguez, Poulsen, Möller, Varela und Sand in der Anfangself, die einzige Änderung war die Hereinnahme von Agali für Wilmots. Kurt Jara ließ auf Seiten des HSV bis auf einen Wechsel die gleiche Anfangsformation vom 3:2-Heimsieg gegen Stuttgart auflaufen. Baur kam für Heinz in die Mannschaft.

Der FC Schalke startete mit viel Engagement in die Begegnung. Gegen die neuformierte Deckung des HSV, der mit Baur in der Mitte einer Dreierkette agierte, gelangen sofort gefährliche Aktionen. Vor allem Hoogma schien die Umstellung größere Probleme zu bereiten. Erst konnte sich Agali gegen den Niederländer durchsetzen und die frühe Führung erzielen (9.). Nur kurze Zeit später ließ der 33-Jährige Sand im direkten Kopfballduell erst ungehindert köpfen und war dann auch im Nachschuss zweiter Sieger gegen den Dänen, so dass es bereits in der 15. Minute 2:0 stand. Auch nach den beiden Treffer blieben die Gelsenkirchener tonangebend. Zwar spielten die Neubarth-Schützlinge nun mit nicht mehr ganz so viel Zug zum Tor wie zu Beginn der Partie, dennoch war man den nur sporadisch nach vorne drängenden Hanseaten weiterhin überlegen. Besonders Asamoah und Agali bekam die Innenverteidiung des HSV nicht in den Griff. Der deutsche Nationalspieler war es dann auch, der praktisch mit dem Halbzeitpfiff den Vorsprung noch erhöhte (45.).

In einer ereignisarmen zweiten Hälfte zeigten sich die Hanseaten etwas bemühter im Spiel nach vorne, allerdings auch nur, weil Schalke 04 nun nicht mehr tat, als die Führung zu verwalten. Einige Male bot man dem HSV durch kleinere Leichtsinnigkeiten im Abwehrverhalten Chancen an zu verkürzen, die jedoch samt und sonders ungenutzt blieben. Dennoch hatte man trotz der veränderten Spielanteile nie das Gefühl, dass S04 in ärgere Schwierigkeiten kommen würde, zu wenig konsequent und durchdacht wirkte das Angriffsspiel der Hamburger. 

Von der ersten Minute an waren die Gelsenkirchener ihren Opponenten aus Hamburg in allen Belangen überlegen. Die Umstellung von Vierer- auf Dreierkette von HSV-Coach Kurt Jara misslang gründlich. Die eklatanten Probleme der Verteidiger gegen die spritzigen Schalker Offensivakteure entschieden die Partie früh. 

Spielereignisse im Detail 
 
Schlusspfiff 
 
87     Beinahe kann Wicky Rost mit einem Heber aus ungefähr 30 Metern überwinden, doch das Leder senkt sich erst hinter der Querlatte ins Tornetz. 
 
82     Van Hoogdalem kann gegen den einschussbereiten Romeo zur Ecke klären. 
 
78     Baur prüft Rost mit einem Distanzschuss, der aber keine Abwehrprobleme hat. 
 
68     Die Partie plätschert vor sich hin. Die Hamburger scheinen sich weitgehend aufgegeben zu haben, die Schalker machen nicht mehr als nötig, um den Vorsprung zu verwalten. 
 
52     Kleine Möglichkeit für den HSV. Nach einem Zuspiel von Fukal kommt der Argentinier Romeo frei vor Rost einen Schritt zu spät. 
 
 Anpfiff 2. Halbzeit 
 
 Halbzeit 
 
45     3:0 mit dem Pausenpfiff! Symptomatisch für die erste Halbzeit, profitiert Sand von einem Zusammenprall zweier Hamburger. Er passt auf Asamoah, der aus halbrechter Position ins lange Eck vollendet. 
 
37     Asamoah und Agali düpieren mit direktem Spiel die Hamburger Abwehr. Der Nigerianer schießt aber mit einem Schuss aus der Drehung knapp übers Gehäuse der Hansestädter. 
 
33     Die Gelsenkirchener ziehen sich nun etwas zurück, obgleich sie das Spiel noch immer kontrollieren. Dennoch startet nun auch der HSV Offensivbemühungen, belegt durch einen strammen Schuss von Mahdavikia, nur knapp am Tor vorbei. 
 
23     Erneut hat Sand eine Chance aus circa 16 Metern, doch Pieckenhagen kann den platziert, aber nicht scharf genug abgegebenen Schuss sicher halten. 
 
15     S04 baut die Führung aus! Erneut hat Hoogma Probleme mit einem königsblauen Stürmer. Diesmal kann Sand ungehindert köpfen. Pieckenhagen rettet zwar noch, aber der Däne ist auch beim Nachschuss schneller am Ball und netzt ein. 
 
11     Nach schöner Vorlage von Barbarez hat Romeo ein gute Gelegenheit, doch er verzieht frei vor Rost. 
 
9     1:0 für Schalke!! Agali setzt sich toll gegen Hoogma durch, kann allein auf Pieckenhagen zulaufen und läßt diesem mit einem satten Linksschuss in den rechten Winkel keine Abwehrchance. 
 
6     Schalke beginnt die Partie dominant. Der HSV kann das hohe Tempo oft nur mit Fouls bremsen. 
 
Anpfiff 


 
dpa meldet: Schalke setzt sich mit 3:0 gegen den HSV in der Spitze fest 
 
Gelsenkirchen (dpa) - Mit dem höchsten Saisonsieg hat sich der FC Schalke 04 in der Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga festgesetzt. Der deutsche Pokalsieger kam zu einem mühelos herausgespielten 3:0 (3:0)-Sieg über den Hamburger SV. 

Vor 60 601 Zuschauern in der ausverkauften Arena erzielten Victor Agali (9.), Ebbe Sand (15.) und Gerald Asamoah (45.) die Tore gegen die schwachen Norddeutschen. Während sich Schalke mit dem dritten Heimsieg im Verfolgerfeld etablierte, bestätigte der HSV seinen Ruf als schwächste Auswärtsmannschaft der Liga und kassierte im vierten Spiel in der Fremde die vierte Niederlage.

HSV-Trainer Kurt Jara war anschließend sehr enttäuscht. «Wir haben in den ersten 20 Minuten die entscheidenden Zweikämpfe sehr naiv verloren. Da stand es schon 0:2. Danach wird es natürlich schwierig», sagte der Österreicher. Bei den Norddeutschen kehrte der Österreicher Michael Baur nach abgelaufener Gelb-Rot-Sperre in die Mannschaft zurück, dafür verzichtete Kurt Jara auf Stürmer Marek Heinz.

Nach dem souveränen Einzug in die zweite Runde des UEFA-Pokals durch das 4:0 der Schalker «B-Elf» über den FC Gomel konnte Trainer Frank Neubarth nur 48 Stunden später wieder auf zahlreiche Stammspieler zurückgreifen. Und seine «erste Elf» ließ ihn nicht im Stich. «Wir sind froh, 3:0 gewonnen zu haben. Unsere drei Stürmer haben uns heute viel Freude gemacht», so Neubarth.

Die «Königsblauen» übernahmen von Beginn an die Initiative und kamen gegen die massierte Hamburger Abwehr schon vor der Pause zu zahlreichen guten Tormöglichkeiten. Gleich die erste Chance nutzte Rückkehrer Agali, der nach einem Rückpass von Dario Rodriguez zwei HSV-Abwehrspieler wie Slalomstangen umkurvte und zur Führung einschoss. Für den Nigerianer war es bereits das vierte Saisontor.

Auch nach dem Rückstand gab der HSV seine defensive Grundhaltung nicht auf. Dies verhinderte jedoch nicht das 2:0 durch Sand. Der Däne sprang nach einer Flanke von Nils Oude Kamphuis höher als Nico-Jan Hoogma. Zwar konnte HSV-Keeper Martin Pieckenhagen Sands Kopfball noch vor der Linie abwehren, doch im Nachsetzen hatte der Torjäger keine Mühe.

Bei gelegentlichen Vorstößen blieben die Hamburger viel zu zaghaft und gaben das Mittelfeld weitgehend Preis. So ergaben sich für die lauf- und spielfreudig auftretenden Schalker weitere hochkarätige Möglichkeiten durch Christian Poulsen (19.), Sand (23.) und Agali (37.). Sekunden vor dem Halbzeitpfiff sorgte Asamoah, der kurz zuvor aus ähnlicher Position noch gescheitert war, nach einer Sand-Vorlage für das vorentscheidende 3:0.

Auch nach dem Wechsel änderte sich das Bild kaum. Angesichts der harmlosen Angriffe des HSV, bei dem auch Sergej Barbarez im Mittelfeld kaum Akzente setzte, konnte Schalke sogar einen Gang zurück schalten. Lediglich Milan Fukal sorgte mit zwei Kopfbällen für ein wenig Gefahr vor dem Tor von Frank Rost. Auf der Gegenseite vergaben Asamoah und Gustavo Varela die Möglichkeit, den Sieg noch deutlicher zu gestalten. In der Schlussphase beschränkte der in allen Belangen überlegene Pokalsieger darauf, das Spiel zu kontrollieren und den Sieg locker über die Zeit zu bringen.