Bundesliga 2002/2003, 10. Spieltag, Samstag, 27.10.02 auf der Bielefelder Alm bei ca. 10 Grad C, teilweise böigem Regensturm und teilweise Sonnenschein

DSV Arminia Bielefeld  - Hamburger SV 2:1 (1:0)

Irgendwie war es ja ein HSV-Auswärtsspiel wie immer in dieser Sasion. Immerhin haben wir wie gewohnt verloren. Aber es war auch trotzdem ein bißchen anders als in den bisherigen Auswärtsspielen dieser Saison. Während ich bisher jedesmal total unzufrieden war mit der Leistung der Mannschaft, kann ich das heute zumindest nicht ganz so schlecht sehen. Ich würde zumindest sagen, daß sich alle Spieler bemüht haben und das Spiel auch umbiegen wollte. Von der kämpferischen Seite her bin ich also ganz zufrieden. Und das ist mir schon mal sehr wichtig. Leider muß man aber auch sagen, daß es spielerisch sehr mau war. 

Nun hatte der HSV auch den großen Nachteil, daß er sich es sich selbst schwer machte, indem man zu Beginn beider Halbzeiten den Gegner recht einfache Tore machen ließ. Beim1:0 der Arminen könnte es sogar sein, daß ein Handspiel eines Bielefelders dem Tor vorausging. Ohne TV-Bilder würde ich aber eher tippen, daß er mehr die Schulter als der Arm war.

Der HSV fortan bemüht, aber ohne spielerische Highlights und auch kaum mit echten Torchancen, die allerdings auch die Arminen nicht hatten. Erwähnenswert war noch, daß Barbarez in der ersten Halbzeit bereits seinen Platzverweis „vorbereitete“. Nach einem angeblichen Foul von Fukal (das auch für mich keines war) meckerte er so aufgebracht und lange mit dem Schiedsrichter,  bis dieser ihm gelb zeigte. Als er das dann auch noch mit einem Klatschen quittierte, wäre er schon fast direkt mit gelb-rot vom Feld geflogen. Das „vollendete“ er dann schließlich in der 2. Halbzeit, als er nach dem 2:1 bei einem Angriff vollkommen unsinnig den Torwart ansprang und sich gelb-rot abholte. Vielleicht ist der Torwart da auch etwas theatralisch zu Boden gegangen.  Aber natürlich darf man sich nicht so dämlich verhalten in dieser Situation. Es war vollkommen klar, daß Barbarez dafür vom Platz fliegen würde.

Der Teamleistung hat er damit nicht sonderlich geschadet, denn die Mannschaft hat trotzdem in der Tat weitergekämpft. Leider reichte es aber nicht mehr zum Ausgleich gegen die wirklich alles andere als starken Arminen. Was mich dabei in der Schlußphase fast auf die Palme brachte: Die Außenpositionen wurden da überhaupt nicht mehr besetzt. Jeder Angriff ging durch die Mitte und so konnte man überhaupt nicht zu gefährlichen Situationen kommen. Wir versuchten es dann wieder mit ausschließlich hohen Bällen, was zum Scheitern verdammt war. Leider verloren wir das Spiel 2:1, aber diesmal bin ich zumindest nicht mit so tief gesenktem Haupt aus dem Stadion geschlichen wie bisher meistens nach Auswärtsspielen.

Schön war für mich heute auch, daß ich mal nicht selbst fahren mußte sondern mitgenommen wurden. Auf dem Rückweg haben wir dann noch in einem neu entdeckten Autohof an der A2-Ausfahrt 37 Bad Münder halt gemacht. Da gibt es neben Burger King auch ein Restaurant mit ganz annehmbaren Preisen und tollem Essen. Wir hatten dort auf dem Hinweg kurz Toilettenpause gemacht und gesehen, daß es dort Samstags „Spare Ribbs satt“ für 8,35 EUR gab. Die haben wir uns dann nach der Niederlage und einem endlosen Getuckere duch das wirklich unglaublich langweilig anmutende Bielefeld gegönnt. Ich dachte mir heute so, daß Bielefeld eigentlich noch wesentlich häßlicher ist als Wolfsburg. Das sieht alles so aus wie auf dem Reissbrett geplant. Beim Essen auf dem Autohof hatten wir dann auch noch die Peinlichkeit, daß wir uns schon eine 2. Lage Rippchen bestellten hatten, während uns am Ende der 1. Lage auffiel, daß wir doch schon pappsatt waren. Vom Nachschub konnten wir dann auch kaum etwas runterkriegen und mein Kumpel entschied sich, ein Taschentuch auf sein Messer zu ziehen und damit die „weiße Fahne“ zu schwenken. Immerhin hat uns der nette Kellner den Rest tatsächlich eingepackt, als ich ihm beim Bezahlen sagte:“ 13 EUR oder 14, wenn Sie mir den Rest einpacken“.  Naja, genug der tiefgeistigen Ausflüge. Es folgt traditionell:

Meine Spielerbewertung:
Pieckenhagen: Bekam so gut wie gar nichts auf den Kasten und trotzdem zwei Gegentoe. An denen würde ich ihm keine Schuld geben, aber gut aussehen konnte er trotzdem nicht: Note 4

Fukal: Heute deutlich schlechter als im letzten Heimspiel. Grund: Er hatte einen kleinen, quirligen Gegenspieler und da sieht er ja immer schlecht aus. Konnte sich oft nur mit Fouls behelfen und stand auch recht dicht vor gelb-rot: Note 4

Hoogma: war wohl dabei. Ist mir aber nicht aufgefallen, weil die Abwehr auch kaum zu tun hatte: Note 4

Ujfalusi: Der ist mir teilweise gut, aber auch bei einigen schlechten Pässen aufgefallen. Note 4

Hollerbach: Durfte durch Klings Verletzung erstmals wieder ran nach seiner „Verbannung“ und machte seine Sache o.k. Die linke Seite wurde allerdings schon früh geschwächt, weil Rahn ausgewechselt werden mußte. Note 3

Ledesma: er ist nach wie vor geschickt am Ball. Allerdings kommt von ihm nach vorne leider wenig bis gar nichts: Note 4

Baur: Ich hoffe mal, daß Wicky verletzt war und Baur nur deshalb spielen durfte. Auch er fiel mir kaum auf, während mein Kumpel allerdings meinte, daß er am ersten Gegentor schuld sei: Note 4

Rahn: zu kurz gespielt, um benotet zu werden. Ist mir nur durch einige Nickligkeiten aufgefallen.

Benjamin: war sehr eifrig und bemüht, aber oft überfordert. Mir schien es so, als würde es ihm teilweise auch an Unterstützung fehlen.  Note 3-

Barbarez: war heute, auch ohne seine Dummheit, sehr unauffällig. Eigentlich gebührt ihm dafür eine 6. Da er der Mannschaftsleistung aber kaum schadete und ich ihn zu gern mag: Note 4-

Romeo: anwesend: Note 4

Kitzbichler: Einige fingen tatsächlich wieder an zu pfeifen, als er eingewechselt wurde. Das fand ich unter aller Sau. Sooo schlecht ist er nicht, daß er diese negative Sonderbehandlung verdient hätte. Mich nervt er allerdings trotzdem ein wenig, weil er nie außen bleibt, sondern immer zur Mitte zieht:

Meijer: Auch Erik war heute eher unauffällig. Konnte aber zumindest im 2. Spiel hintereinander ein Tor erzielen: Note 3

Schiri Fleischer: wirkte auf mich teilweise etwas arrogant. Zumindest inszenierte er sich selbst etwas: Note 3-

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
sport1: 
TORE 
1:0 Momo Diabang (14.)
2:0 Momo Diabang (57.)
2:1 Erik Meijer (66.)

GELBE KARTEN 
DSC Arminia Bielefeld: Rüdiger Kauf (77.) 
Hamburger SV: Sergej Barbarez (33.), Milan Fukal (35.), Bernd Hollerbach (54.), Richard Kitzbichler (60.)

PLATZVERWEISE 
DSC Arminia Bielefeld: - 
Hamburger SV: Karte gelb/rot für Sergej Barbarez (70.)

SCHIEDSRICHTER :  Dr. Helmut Fleischer 
ZUSCHAUER :  25,200 
DATUM :  26.10.02   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
DSC Arminia Bielefeld: Mathias Hain, Bastian Reinhardt, Daniel Bogusz, Christoph Dabrowski, Torjus Hansen, Detlev Dammeier, Artur Wichniarek, Fatmir Vata, Rüdiger Kauf, Erhan Albayrak, Ansgar Brinkmann
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Michael Baur, Milan Fukal, Tomas Ujfalusi, Nico Jan Hoogma, Christian Rahn, Bernardo Romeo, Sergej Barbarez, Collin Benjamin, Bernd Hollerbach, Cristian Raul Ledesma

WECHSEL 
DSC Arminia Bielefeld
Momo Diabang für Ansgar Brinkmann (11.)
Doo-Ri Cha für Artur Wichniarek (69.)
Massimiliano Porcello für Momo Diabang (91.)

Hamburger SV
Erik Meijer für Christian Rahn (18.)
Richard Kitzbichler für Michael Baur (58.)
Marek Heinz für Nico Jan Hoogma (82.)
 

Hamburg bleibt auch in Bielefeld ohne Punkt 
Von Enttäuschung war kaum etwas zu sehen, fast schon zufrieden schienen die Spieler des Hamburger SV zu sein. Dabei war die 1:2-Pleite beim Aufsteiger Arminia Bielefeld die fünfte Auswärtsniederlage in Folge. 
Doch der Hamburger Befund sah anders aus. "Das war unser bestes Auswärtsspiel in der Saison", sagte Sergej Barbarez. Das Beste reichte aber auch auf der "Alm" nicht zu einem Auswärtspunkt. Hervorragend sieht dagegen die Heimbilanz der Bielefelder aus, die sich Luft nach unten verschafften. 
Dabei lief bei den Ostwestfalen an diesem Samstagnachmittag wenig zusammen. Das Tor von Momo Diabang (14. Minute) war die einzige Offensiv-Aktion in der ersten Spielhälfte. Danach spielte nur der HSV. Gleiches Bild auch in der zweiten Halbzeit, als Diabang in der 57. Minute auf 2:0 erhöhte. 
"Wir sind natürlich sehr enttäuscht. Das war ein gutes Spiel von uns, das wir bestimmt haben", erklärte Trainer Kurt Jara. 

Barbarez ärgert sich über Referee

Tatsache ist, dass die Hamburger nicht in der Lage waren, gegen schwache Bielefelder gefährlich zu werden, auch wenn Barbarez hinterher meinte: "Wir hatten vier fünf Riesenchancen und haben unser bestes Auswärtsspiel gemacht. Aber leider haben wir keinen Punkt geholt."
Barbarez, der in der 70. Spielminute mit der Gelb-Roten-Karte vom Platz gestellt wurde, sah einen anderen "Schuldigen" an der HSV-Niederlage: Schiedsrichter Helmut Fleischer. "Wir spielen gegen 12 oder 15 Leute. Das ist total ungerechnet, was da passiert ist. So haben wir heute verloren", beschwerte sich der Bosnier lautstark. 

Erneute Diskussionen um Jara
Dabei war sein Platzverweis vertretbar. Zunächst beschwerte sich der Hamburger über einen Foulpfiff Fleischers gegen Milan Fukal. "Das war nie ein Foul", so das Barbarez-Urteil. Später ging er übermütig in einen Luftzweikampf gegen Bielefelds Matthias Hain. Der Platzverweis als Konsequenz erschien Barbarez ungerecht: "Das ist doch ein Männersport." 
Das soll der Bosnier nach Spiel auch einem Journalisten gezeigt haben, auf den er angeblich nach einem Wortgefecht losging.

Beiersdorfer beschwichtigt
Trotz allem, HSV-Trainer Kurt Jara gerät wieder in den Mittelpunkt der Kritik. "Da kann der Trainer nichts machen. Wir stehen auf dem Platz und sind dafür verantwortlich", versuchte Barbarez seinen Trainer zu schützen, doch dass die Hanseaten seit 218 Tagen auf einen Auswärtspunkt warten, ist eine vielsagende Tatsache. 
HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer versuchte zu beschwichtigen. "Wir müssen positiv in die Zukunft schauen", sagte der Ex-Profi. Nun geht es zum Deutschen Meister nach Dortmund. Wie man bei der Borussia aufzutreten hat, zeigte Arminia Bielefeld in der Vorwoche. Da holte der Aufsteiger beim 0:0 einen Punkt. 

Diabang: "Ich bin kein Star"
Nach den drei Punkten gegen den HSV ist Bielefeld plötzlich Zweiter der Bundesliga-Heimtabelle. Auch dank eines Diabang, der seinen ersten Bundesliga-Doppelpack bejubeln durfte. Abgehoben ist der fünffache Torschütze allerdings nicht. 
"Ich bin nicht der Star. Ich bin nur ein Teil der Mannschaft, und die steht hinter mir", so Diabang, der erst in der zehnten Minute für den verletzten Ansgar Brinkmann kam.

Fakten:
Alm wird zur Festung
Bielefeld feierte im fünften Heimspiel den vierten Sieg – nie holte die Arminia aus den ersten fünf Spielen vor eigenem Publikum in einer Spielzeit mehr Punkte. 

HSV auswärts harmlos
Der HSV verlor das sechste Auswärtsspiel in Folge, bleibt damit als einziges Team ohne Punkt in der Fremde und ist zum ersten Mal in seiner 40. Bundesliga-Saison nach fünf Auswärtsspielen noch Punkt. 

Jaras schwarze Bilanz in der Fremde
Zum 18. Mal in der Bundesliga stellte Jara den HSV auf ein Gastspiel ein, zum 13. Mal ohne Erfolg. Jara hat von allen HSV-Trainern der Geschichte die schlechteste Auswärtsbilanz - über 72 Prozent der Gastspiele unter Jaras Leitung gingen verloren. 

Fünfter Platzverweis für Barbarez
Sergej Barbarez flog zum fünften Mal in der Bundesliga vom Platz, zum zweiten Mal per Gelb-Roter Karte. Von den aktuellen Bundesligaspielern flogen nur Effenberg (siebenmal) und Nowotny (sechsmal) häufiger vom Feld als der Bosnier. 

Schlaglichter:
HSV nutzte Überlegenheit nicht
Die Arminia zog sich nach dem frühen Führungstreffer zurück und ließ die Hamburger das Spiel machen (insgesamt 60 Prozent Ballkontakte für den HSV bis zur Pause). Hamburg hatte schon zur Pause ein Chancenplus und erzielte 11:4 Torschüsse. Dieser Trend setzte sich auch in Halbzeit Zwei fort und die Hanseaten kamen bis zu Barbarez' Platzverweis (70. Minute) zu weiteren 5:2 Torschüssen, münzten diese Überlegenheit aber nicht in die nötigen Tore um und bleiben auswärts weiter ein Punktelieferant. 

Wichniarek mit Torvorlage
Artur Wichniarek war zum ersten Mal seit dem zweiten Spieltag wieder direkt an einem Bielefelder Treffer beteiligt und gab die Torvorlage zum 2:0. Dies war seine erste Torvorlage in dieser Saison, zudem gelangen ihm zwei Tore. Wichniarek war ansonsten bei der HSV-Abwehr bestens aufgehoben, gewann nur 32 Prozent seiner Zweikämpfe (schlechtester Wert aller Spieler) und gab nur einen Torschuss ab. 

Nicht Pieckenhagens Tag
HSV-Keeper Pieckenhagen konnte bis zur 87. Spielminute keinen Bielefelder Torschuss abwehren - die beiden einzigen Torschüsse auf sein Gehäuse bis dahin waren drin. Nicht ganz unbeteiligt war der Torhüter bei der Bielefelder Führung, als er einen Freistoß nur unzureichend klärte und die Arminen direkt wieder in Ballbesitz kamen. Dies war nicht die einzige Unsicherheit von Pieckenhagen bei Flankensituationen. 

Hollerbach mit gutem Comeback
Bernd Hollerbach stand zum ersten Mal seit dem vierten Spieltag (11.09.02 in Wolfsburg - 1:2) wieder in der Anfangsformation der Hamburger, nachdem er danach bei vier Spielen gar nicht zum HSV-Kader gehörte und letzte Woche gegen Gladbach 90 Minuten auf der Bank saß. Hollerbach hatte die meisten Ballkontakte aller Spieler auf dem Platz, war an fünf Torschüssen beteiligt (zwei Torschüsse, drei Torschussvorlagen) und gewann gute 65 Prozent seiner Zweikämpfe. 

Trainer Benno Möhlmann (Arminia Bielefeld): 
"Wir sind für unsere kämpferische Leistung belohnt worden, auch wenn wir in der ersten Halbzeit viel Glück hatten. Nach dem 1:0 haben wir für zu wenig Entlastung gesorgt und zu wenige Chancen herausgearbeitet. Aber das Fazit ist, dass wir zufrieden sind." 

Trainer Kurt Jara (Hamburger SV): 
"Wir sind natürlich sehr enttäuscht. Das war ein gutes Spiel von uns, das wir bestimmt haben. Das tut fast mehr weh als die letzten vier Auswärtspleiten. Zur Gelb-Roten Karte von Barbarez kann ich sagen, dass er sich nicht sehr klug verhalten hat." 

Top-Spieler: Momo Diabang (Bielefeld)
Die elfte Spielminute war der Wendepunkt auf der Bielefelder Alm. Für den verletzten Brinkmann wechselte Trainer Möhlmann Diabang ein, der gleich zwei Minuten nach seiner Einwechslung das 1:0 für die Arminia erzielte. Lange Zeit war von diesem Diabang dann nichts mehr zu sehen. Bis zur 57. Minute: Da machte er das 2:0. Der erste Bundesliga-Doppelpack mit nur zwei Torschüssen. Effektivität nennt man das. Mit fünf Toren insgeamt ist er außerdem Bielefelds bester Torschütze. 
 

Spielwertung: 1 Ball (von 4 möglichen)

Kommentar:
Bei allem Respekt: Wo, wenn nicht in Bielefeld beim Aufsteiger, will der HSV eigentlich seine eklatante Auswärtsschwäche abstellen? Auch wenn die Arminia zu den heimstarken Klubs in der Bundesliga gehört waren die Ostwestfalen zu packen. Der Hamburger SV agierte aktiver, aber die Tore hat - wieder einmal - der Gegner geschossen. Dass sich die Hamburger durch unnötige Platzverweise, wie der von Barbarez, selbst schwächen, ist symptomatisch. Damit ist auch klar: Die Hanseaten werden wieder keine ruhige Woche haben. Und Bielefeld? Lange Zeit schwach gespielt, aber gewonnen. Die drei Punkte sind im Abstiegskampf Gold wert.
Fatih Demireli 

Taktik:
Bielefeld:
Hain im Tor. Hansen, Reinhardt und Bogusz bildeten die Dreier-Abwehrkette. Im Mittelfeld übernahmen Kauf und Dabrowski den defensiv-zentralen Part. Dammeier ebenso, aber offensiver ausgerichtet. Auf den Außenpositionen setzte Möhlmann auf Albayrak (links) und Brinkmann rechts. Vata war Spielmacher. Im Sturm spielte Wichniarek, später Diabang.

Hamburg:
Jara stellte auf vielen Positionen um. Die Viererkette bildete diesmal Hollerbach (links), Ujfalusi und Hoogma (innen) sowie Fukal auf der rechten Seite. Im Mittelfeld ersetzte Baur Wicky. Der Österreicher spielte zusammen mit Ledesma im zentralen Mittelfeld. Benjamin rechts und Rahn links beackerten die Außenbahnen. Im Sturm setzte Jara auf das Duo Barbarez/Romeo. 


 
kicker:

Spielbericht 
Arminia-Coach Möhlmann veränderte sein Team nach dem 0:0 bei Borussia Dortmund nur auf einer Position. Für Diabang spielte Vata als hängende Spitze hinter Wichniarek. Beim Hamburger SV bot Kurt Jara den wieder spielfähigen Barbarez für Erik Meijer, den Matchwinner der vergangenen Woche beim 1:0 gegen Mönchengladbach, auf. Zudem kam Baur für den kurzfristig verletzten Wicky ins zentrale Mittelfeld, Hollerbach spielte für Kling auf der linken defensiven Seite, während Benjamin Mahdavikia im rechten Mittelfeld ersetzte.

Die Partie begann unspektakulär, beide Mannschaften versuchten zunächst, aus sicherer Defensive ins Spiel zu kommen. Nach nur elf Minuten musste die Arminia auf die kreativen Kräfte von Ansgar Brinkmann verzichten, der mit Verletzung ausschied. Der für ihn eingewechselte Senegalese Diabang war gerade einmal drei Minuten auf dem Feld, da erzielte er schon die etwas überraschende Führung für Bielefeld (14.). Bei einer Standardsituation faustete Pickenhagen den Ball unglücklich vor die Füße eines Arminen, der per hoher Flanke Diabang am linken Pfosten bediente, der nur noch einnicken musste. In der Folge zogen sich die Ostwestfalen weit zurück und überließen den Hanseaten die Initiative. Diese verstanden es zwar, das Spiel zu kontrollieren, kamen aber nur zu wenigen nennenswerten Gelegenheiten gegen die etwas zu passiven Bielefelder. So ging es mit der etwas glücklichen Führung für die Arminia in die Pause.

Die Schützlinge von Benno Möhlmann kamen mit engagierterem Offensivspiel aus der Kabine als in weiten Teilen der ersten Hälfte. Und prompt war die keineswegs souverän wirkende Hamburger Abwehr in Schwierigkeiten. Die Vollstreckerqualitäten von Diabang waren es dann, die die Bemühungen auch in zählbaren Erfolg ummünzten, nachdem Wichniarek schön über rechts vorbereitet hatte (57.). Aber der HSV war auch von dem ausgebauten Vorsprung der Arminen keineswegs geschockt. Zwar zogen sich die Bielefelder nicht wie nach dem 1:0 zurück, aber die Hamburger versuchten dennoch im Spiel zu bleiben. Der agile Benjamin brachte die Hanseaten dann mit einer schönen Vorlage auf Meijer zurück ins Spiel, die dieser allein vor Hain nur noch verwerten brauchte (66.). Eine Disziplinlosigkeit von Barbarez, der Hain im Strafraum unnötig anging und schon in der ersten Halbzeit „Gelb“ gesehen hatte, brachte den Hamburger SV möglicherweise um die Wende im Spiel. Denn nach dem Platzverweis gelang es den Jara-Schützlingen nicht mehr, Druck auf das Tor des Bielefelder Torhüters auszuüben, während die Arminia auf den dritten Treffer drängte, wenn auch ohne Erfolg.

In einer mäßigen Bundesligapartie war der Sieg für Bielefeld nicht unverdient, auch wenn der HSV an Spielanteilen zumindest gleichwertig war und sich nach den Toren der Arminia nie aufgab. Letztlich war es die Cleverness von Diabang auf Bielefelder Seite und eine fehlende solche bei Barbarez, der sein Team nach dem Anschlusstreffer durch seinen Platzverweis entscheidend schwächte.
 

Spielereignisse im Detail:
Schlusspfiff 

90     Vata vergibt ein Konterchance in aussichtsreicher Position, weil er den Ball nicht richtig trifft und so knapp verzieht. 

83     Nach der Gelb-Roten Karte gegen Barbarez ist von einer Schlussoffensive des HSV wenig zu sehen, dagegen drängt die Arminia auf die endgültige Entscheidung. 

66     Anschlusstreffer für den HSV! Romeo leitet einen Steilpass per Kopf zu Benjamin auf halblinks. Dieser nutzt den freien Raum und kann schließlich den völlig freien Meijer anspielen, der Hain mit einem Direktschuss keine Chance lässt. 

62     Kitzbichler hat nach Vorarbeit von Benjamin eine gute Möglichkeit, verzieht jedoch aus der Drehung knapp. 

57     Diabang mit seinem zweiten Treffer!! Nach einem schönen Solo von Wichniarek über die rechte Seite, hat der Pole Glück, dass seine Flanke von Ujfalusis Bein genau zu Diabang abgefälscht wird, der gekonnt vollendet. 

55     Die Arminia ist nach dem Wiederbeginn nun etwas munterer und sucht die Vorentscheidung. 

 Anpfiff 2. Halbzeit 

 Halbzeit 

38     Zwar kontrolliert der HSV das Spiel weitestgehend, ist aber nur sehr selten in der Lage, zu gefährlichen AKtionen vor dem Bielefelder Tor zu kommen. Die Arminia ist zu passiv, nur auf zerstören des Hamburger Spiels aus. 

22     Eine Flanke von Benjamin kann Fukal im Fünfmeterraum gerade noch erreichen und Richtung Tor lenken. Der Ball trifft Hain im Gesicht, der aber nach kurzer Behandlung weiterspielen kann. 

14     Die Führung für die Arminen aus dem Nichts! Der eben für den verletzten Brinkmann eingewechselte Diabang kann aus zwei Metern per Kopf einnetzen, nachdem Pieckenhagen kurz zuvor den Ball nicht aus der Gefahrenzone brachte. 

10     Die erste gefällige Szene des Spiels hat der HSV. Nachdem Barbarez sich den Ball erkämpft, spielt er Romeo frei, der nach kurzem Sprint in halblinker Position abzieht, aber nur das Außennetz trifft. 

6     Beide Teams tasten sich noch ab, versuchen erst einmal aus gesicherter Defensive zu einem kontrollierten Spielaufbau zu kommen. 

Anpfiff 


 
dpa meldet: HSV nach Niederlage in Bielefeld vor harten Wochen

Von Dietmar Fuchs, dpa

Bielefeld (dpa) - Kurt Jara stellt sich auf harte Wochen ein. «Wenn man keine Siege feiert, kommt man in die Kritik. Und wenn man auswärts nichts gewinnt, gibt's in Hamburg immer Diskussionen», sagte der Trainer des Hamburger SV nach der 1:2-Niederlage vor 25 169 Zuschauern bei Arminia Bielefeld. 

Seit einem halben Jahr warten die Hanseaten auf einem Erfolg vor fremdem Publikum, und zum wiederholten Male muss Jara als leitender Angestellter des Fußball-Bundesligisten um seinen Job bangen. «Das tut weh, mehr weh als die letzten Auswärtsniederlagen», zeigte sich der 52-Jährige fast schon resigniert, obwohl er seinem Team attestierte, mit «letztem Willen und Einsatz» zu Werke gegangen zu sein.

Jara stand nach den Kopfballtreffern des Bielefelders Mamadou Diabang (14./57.) und dem 1:2 von HSV-Stürmer Erik Meijer in der 66. Minute wieder einmal mit leeren Händen da. Fünf Partien vor fremdem Publikum, fünf Niederlagen - wäre der HSV nicht heimstark, wäre die Uhr an der Alster für den Österreicher wohl schon abgelaufen. Doch er will kämpfen: «Ich werde weiter arbeiten. Schließlich war das unsere beste Auswärtsleistung heute.» Die «Jara-raus»-Rufe von HSV-Fans am abfahrbereiten Bus waren aber nicht zu überhören.

Mit jeder weiteren Schlappe wächst für den am 4. Oktober vor einem Jahr zum obersten HSV-Übungsleiter bestellten Jara die Gefahr. Und ausgerechnet in dieser Situation wartet nun der deutsche Meister Borussia Dortmund im Westfalenstadion mit der nächsten Auswärtshürde. «Die 70 000 spielen ja nicht Fußball. Auch in Dortmund sind nur 11 auf dem Platz», versuchte Jara, die leidige Sache noch von der heiteren Seite zu betrachten.

Überhaupt nicht mehr lachen konnte er über die Gelb-Rote Karte für seinen wichtigsten Spieler: Sergej Barbarez wurde von Schiedsrichter Helmut Fleischer (Hallstadt) in der 70. Minute wegen wiederholten Foulspiels vom Platz gestellt.

Der Bosnier, der Inhalte seines beabsichtigten neuen Vertrags aus der Zeitung erfahren musste und sich kurzzeitig in den Schmollwinkel zurückzog, reagierte gereizt. Einem TV-Reporter («Sie kriegen kein Interview») drohte er den berühmten «Gang vor die Tür» unter Männern an, und den Platzverweis nach einem Foul an Torhüter Mathias Hain empfand er als Witz: «Wenn so was immer Gelb-Rot gibt, stehen irgendwann nur noch sechs Spieler auf dem Platz.» Die Chancen auf einen verbesserten Vertrag, der jetzt neu verhandelt werden soll, dürften für Barbarez wegen der «Dummheit» (Jara) nicht unbedingt steigen.

Für einen Bielefelder indes sieht die Zukunft rosig aus: «Momo» Diabang nahm den Club mit seinen Saisontreffern vier und fünf geradezu in die Pflicht, vorzeitig seinen Vertrag verlängern. Doch das war dem 23-jährigen Senegalesen, der seit zwei Jahren in Bielefeld spielt, erst einmal egal: «Wir sind ein Team, eine richtige Mannschaft.» Einen Star will der gläubige Diabang nicht aus sich machen lassen, sondern vielmehr weiter mit Beistand von oben auf Tore-Jagd gehen: «Ich spreche mit Gott und sage, 'Bitte hilf' mir, ein gutes Spiel zu machen'.»