Bundesliga 2002/2003, 11. Spieltag, Samstag, 02.11.02 im Dortmunder Westfalenstadion

BVB 09 Borussia Dortmund  - Hamburger SV 1:1 (0:0)

Das war nun mein erstes HSV-Spiel dieser Saison, daß ich nicht im Stadion live erlebt habe. Aber nach dem Bielefeld hatte ich mir dann doch mal gesagt, daß ich mir nächsten Samstag nicht schon wieder sagen will "Was hätte ich alles SInnvolles machen können heute ?"

Lediglich ein Gedanke "plagte" mich abergläubischen Menschen dann die Woche über. Was, wenn der HSV diesmal nicht verliert ??? Das würde ja dann bedeuten, daß eben ich ein schlechtes Omen für den HSV auswärts bin.....

Am Ende habe ich schon überall getippt, daß wir zumindest einen Punkt holen. Zum einen weil der HSV mich damit "bestrafen" will. Und andererseits mußten wir nach Wahrscheinlichkeitsrechnung ja irgendwann auch mal auswärts punkten...

Zum Spiel möchte ich nicht zu viel sagen, denn ich weiß ja, daß im TV vieles anders rüberkommt als im Stadion.
Ich denke, daß es eigentlich ein sau-langweiliges Spiel war. Grund dafür war wohl hauptsächlich der HSV, der es erstmals fast ein ganzes Spiel schaffte, in der Defensive kontrolliert zu stehen und sich auch nicht all zu weit hinten reindrücken zu lassen.

Die Dortmunder fanden dagegen kein spielerisches Mittel und konnten nur äußerst selten zu gefährlichen Angriffen kommen. So war das 1:0 durch Rosicky auch schon fast die erste richtig gute Chance der Dortmunder. Die beste Chance auf ein Tor hatten sie zuvor in der 1. Halbzeit durch ein Fast-Eigentor von Hoogma....

Der HSV seinerseits konnte auch nicht viele Chancen herausspielen, war aber immer sehr konzentriert. Und so fing man auch nach dem Rückstand nicht an, völlig blind nach vorne zu rennen. In der 80. Minute wurden dann Christensen und Heinz eingewechselt und nach mehreren guten Möglichkeiten schien der Ausgleich nahe. Metzelder berührte den Ball nach Meijer-Schuß eindeutig mit der Hand. Der Schiri entschied auf Elfer und wir begannen am TV sofort zu rätseln, wer den denn nun wohl schießen solle.
Das sahen wir dann erst beim Anlauf. Nachdem wohl offenbar niemand wollte, hat sich Holler den Ball genommen  - und ihn über das Tor gedroschen.
Meine Güte, war das eine Enttäuschung in dem Moment.

Umso unglaublicher, daß man tatsächlich doch noch den Ausgleich erzielen konnte. Nach typischem hoch-weit-nach-vorne Ball von Holler konnte Meijer hervorragend ablegen auf Christensen, der zum 1:1 einschoß.

Einziger Wermutstropfen: In der NAchspielzeit pfiff der Schiri ein vermeintliches Foul von Meijer. Der ließ zur der Dämlichkeit hinreißen, den Schiri als "Wichser" zu titulieren. Rot.

Trotzdem ein sehr erfolgreiches Spiel für den HSV. Endlich der erste ersehnte Auswärtspunkt. Und das beim amtierenden Deutschen Meister.

Die Spieler einzeln zu bewerten fällt mir schwer, weil die TV-Perspektive dazu zu schlecht ist. "Matchwinner" (wenn man das bei einem Unentschieden sagen kann) war für mich Erik Meijer.

Sehr gut gefiel mir auch Ujfalusi sowie die rechte Seite mit Fukal und besonders Benjamin.

Richtig schlecht fand ich keinen. Wobei Rahn nur nicht in diese Rubrik fällt, weil er zum Ende hin doch noch endlich ein paar gefährliche Szenen hatte.
In der 1. Halbzeit hätte ich den mit der Peitsche bearbeiten können... ;-)

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
sport1: 

TORE  
1:0 Tomas Rosicky (67.)
1:1 Kim Christensen (89.)
 
GELBE KARTEN  
Borussia Dortmund: Torsten Frings (61.) 
Hamburger SV: Marcel Maltritz (29.), Cristian Raul Ledesma (30.), Bernd Hollerbach (41.)
 
PLATZVERWEISE  
Borussia Dortmund:-
Hamburger SV: Karte rot für Erik Meijer (92.)
 
SCHIEDSRICHTER :  Dr. Franz-Xaver Wack  
ZUSCHAUER :  68,600 
DATUM :  02.11.02   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Borussia Dortmund: Jens Lehmann, Stefan Reuter, Christoph Metzelder, Evanilson, Christian Wörns, Jörg Heinrich, Marcio Amoroso, Torsten Frings, Tomas Rosicky, Dede, Jan Koller

Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Nico Jan Hoogma, Milan Fukal, Tomas Ujfalusi, Marcel Maltritz, Christian Rahn, Erik Meijer, Collin Benjamin, Bernd Hollerbach, Cristian Raul Ledesma, Bernardo Romeo
 
WECHSEL 
Borussia Dortmund:
Ewerthon für Marcio Amoroso (61.)
Lars Ricken für Stefan Reuter (62.)
Sebastian Kehl für Jörg Heinrich (79.)

Hamburger SV:
Kim Christensen für Christian Rahn (80.)
Marek Heinz für Cristian Raul Ledesma (80.)
Ingo Hertzsch für Bernardo Romeo (90.)
 

Der HSV beendet Auswärtsmisere beim Deutschen Meister  
"Will denn keiner schießen? Dann mach ich es halt, obwohl ich nicht vorgesehen bin", ging es Bernd Hollerbach in seinem 190. Bundesliga-Spiel wohl durch den Kopf.

Es war 17:13 Uhr, Dortmunder Westfalenstadion, Spielstand aus Sicht der Hamburger: 0:1 hinten und nun Elfmeter für die Gäste.

17:14 Uhr, Spielstand nach wie vor 0:1. Hollerbach hatte gerade seinen ersten Elfer überhaupt in den Dortmunder Abendhimmel geschossen.   

"Hat ja super geklappt", sagte er nach Schlusspfiff zu dieser Situation. 17:15 Uhr, 1:1-Ausgleich durch Joker Kim Christensen da schossen den HSV-Profis sicher Gedanken wie 'Das gibt es doch gar nicht. Holen wir etwa unseren ersten Auswärtspunkt ausgerechnet beim Deutschen Meister Borussia Dortmund?' durch den Kopf.

Kurt Jara war "sehr glücklich"
17:19 Uhr Abpfiff, Endstand 1:1. Es ist vollbracht, der Hamburger SV darf sich über den ersten Auswärtspunkt nach fünf Pleiten in Folge freuen. Und die Hanseaten waren nach dem verdienten Remis zufrieden.

"Wir sind sehr glücklich über unseren ersten Auswärtspunkt. Wir haben den Kampf aufgenommen, Laufvermögen gezeigt und in der Abwehr sehr gut gestanden. Die Mannschaft hat viel Moral bewiesen und sehr diszipliniert gespielt. Der späte Ausgleich ging deshalb auch in Ordnung", sagte ein zufriedener HSV-Trainer Kurt Jara nach der Partie.

"Ein angeschlagener Boxer ist gefährlich"
Dank dank couragierter und konzentrierter Spielweise bekämpften die Gäste Dortmunder Bemühungen. Immer wieder blieben Tomas Rosicky und Co. in der engmaschigen Hamburger Defensive hängen, wirkten nach dem Champions-League-Spiel am Mittwoch müde und unkonzentriert.

"Ein angeschlagener Boxer ist besonders gefährlich. Wir dürfen nicht einmal drei Prozent in der Einsatzbereitschaft und Entschlossenheit nachgeben", meinte BVB Manager Michael Meier vor der Partie warnend. Doch gehört hat es scheinbar keiner...

"Da muss man sich den Arsch aufreißen"
"Nach unserer 1:0-Führung hätten wir viel besser verteidigen müssen alle", sagte Manndecker Christian Wörns. Und: "Da muss man auch mehr über den Willen kommen, sich den Arsch aufreißen. Das sind Kopfprobleme."

Auch der eingewechselte Sebastian Kehl beklagte sich. "Wir haben förmlich um den Ausgleich gebettelt. Wenn man in Führung geht, muss man auch gewinnen."

Sammer: "Große Enttäuschung für uns"
Die Führung gelang immerhin Tomas Rosicky in der 67. Minute mit seinem ersten Bundesliga-Tor der laufenden Runde. Doch mehr war nicht drin.

"Wir haben uns nach dem Europa-Pokal schwer getan. Aber wenn man 1:0 führt muss man das Spiel nach Hause bringen. Das ist eine große Enttäuschung für uns", sagte Matthias Sammer.

Erik Meijer sah die Rote Karte
Dortmunds Torwart Jens Lehmann wurde noch deutlicher: "Das war anfängerhaft. Das ist sicherlich auch fehlende Routine. Das ist schade. In der Schlussphase kam es mir vor, als ob mehr Hamburger als Dortmunder auf dem Platz waren."

Mit dem Abpfiff war es nicht mehr so, denn in der Schlussminute sah der Hamburger Stürmer Erik Meijer die Rote Karte vom Unparteiischen Dr. Franz-Xaver Wack.

"Mixer mit'W'"
"Ich war nicht damit einverstanden, dass der Schiedsrichter gegen uns einen Freistoß gegeben hat. Da habe ich ihn einfach Mixer mit 'W' genannt. Ich glaube, dies war ziemlich dumm ...", so der Niederländer.
Meijer weiter: "Emotion und Sport gehören zusammen. Leider habe ich Emotion gezeigt. Das war sehr, sehr blöd."
Aber vielleicht war das heute der entscheidene Unterschied...
 

Fakten:
Remiskönige der Liga
Der BVB teilte bereits zum sechsten Mal in dieser Saison die Punkte. In der kompletten letzten Spielzeit hatte der Meister nur sieben Mal remis gespielt. 

Erster Auswärtspunkt seit einem halben Jahr
Mit dem Remis in Dortmund hat der HSV als letzte Mannschaft in dieser Saison seinen ersten Auswärtspunkt eingefahren. Letztmals zuvor hatten die Hamburger am 19. April 2002 im Derby beim FC St. Pauli "Auswärtszähler" (4:0-Sieg in der heimischen AOL-Arena) eingefahren. 

Reuter auf Rang Drei
Stefan Reuter bestritt gegen den HSV sein 254. Bundesligaspiel für den BVB und zog damit in der ewigen Dortmunder Rangliste mit Stefan Klos und Lothar Huber gleich. Häufiger waren für Dortmund in Deutschlands Eliteliga nur Michael Zorc und Günter Kutowski im Einsatz. 

Elferschwäche
Der HSV vergab vier der letzten acht Elfmeter. In Dortmund verschoss Routinier Bernd Hollerbach. 

Schlaglichter:
HSV verdiente sich das Remis
Dortmund hatte in der ersten Hälfte deutlich mehr vom Spiel (61 Prozent Ballkontakte), kam jedoch gegen aggressive Hamburger kaum einmal zu gefährlichen Szenen. 7:7 Torschüsse im ersten Spielabschnitt verdeutlichen die Ausgeglichenheit der Partie. Auch nach dem Seitenwechsel war von einem Dortmunder Siegeswillen nichts zu sehen, im Gegenteil: Zwischen der 39. und der 65. Minute blieb die Borussia fast eine halbe Stunde ohne Torschuss, Rosickys 1:0-Führungstreffer in der 67. Minute fiel quasi aus heiterem Himmel Der HSV steckte jedoch nicht auf (sechs Torschüsse in der Schlussviertelstunde), ließ sich auch von Hollerbachs vergebenem Elfmeter nicht erschüttern und hatte am Ende ein Übergewicht an Torschüssen zu Buche stehen (16:12), so dass der Punktgewinn verdient war. 

Erstes Saisontor für Rosicky
Nach schwächerer erster Hälfte, in der Tomas Rosicky von den Hamburgern gut beschattet wurde und kaum Akzente für das Offensivspiel des BVB setzen konnte, zeigte sich der Tscheche nach dem Seitenwechsel wie verwandelt. Vor der Pause hatte der Regisseur nur 42 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen, im zweiten Spielabschnitt waren es 78 Prozent. Lohn der Leistungssteigerung war Rosickys erstes Saisontor. Auch sein zuvor letzter Treffer war ihm gegen den HSV gelungen (beim 4:3-Sieg in Hamburg am 27.04.02). 

Meijer im Brennpunkt
Mit Erik Meijer hatte Dortmunds Hintermannschaft über die komplette Spielzeit hinweg enorme Probleme. Der Niederländer war der zweikampfstärkste Spieler seines Teams (65 Prozent gewonnene Duelle und das als Stürmer) und von Christoph Metzelder nie in den Griff zu bekommen (acht von elf Zweikämpfen gegen den deutschen Nationalverteidiger gewann Meijer). Zudem war Meijer an nahezu allen gefährlichen Hamburger Szenen beteiligt: Der 33-Jährige holte den Strafstoß heraus und bereitete acht Torschüsse vor (kein anderer Akteur mehr als zwei!), darunter das 1:1 Christensens. Seine starke Leistung trübte Meijer lediglich durch seine unnötige Rote Karte in der Schlussminute. 

Schwarzer Tag von Metzelder
Einen schwarzen Tag hatte Christoph Metzelder erwischt. Der Nationalspieler hatte es mit dem kantigen Erik Meijer zu tun und gewann gegen den Niederländer nur drei von elf Zweikämpfen, insgesamt nur schwache 45 Prozent. Zudem verursachte Metzelder den Handelfmeter, den Hollerbach anschließend vergab, und durfte froh sein, dafür nicht Rot gesehen zu haben. 

Topspieler: Erik Meijer (Hamburger SV)
Erik Meijer rackerte wie eh und je. Der Niederländer ging lange Wege und scheute keinen Zweikampf. Dabei entschied er als Stürmer! - sensationelle 65 Prozent für sich und war damit bester Spieler seiner Mannschaft. Aber auch offensiv setzte er Akzente: Zu acht Torschüssen gab Meijer die Vorlage, zum späten Ausgleichstor von Christensen gab er den Assist. Einziger Wermutstropfen: Seine Rote Karte in der letzten Minute wegen Schiedsrichter-Beleidigung. Doch die sei ihm verziehen. Dieser Mann zeigte Emotionen von der ersten bis zur letzten Minute.  

Spielwertung: 2 Bälle (von 4)

Kommentar:
HSV-Trainer Kurt Jara muss zufrieden sein nach diesem Punkt dem ersten überhaupt in der Ferne und das beim Deutschen Meister. Zwar war nicht alles Gold, was glänzte, doch wie die Hamburger dank enormer Laufbereitschaft den Dortmundern den Nerv raubten, war so nicht unbedingt zu erwarten. Trotz Gegentreffer steckten die Hanseaten nicht auf und kamen zum verdienten Ausgleichstreffer. 

Dortmund war offenbar noch durch die Champions League geschwächt und wirkte auch im Kopf müde. Der BVB "bettelte" förmlich um den Ausgleichstreffer, der dann auch fiel. Hätte Hollerbach noch den Elfer verwandelt, wäre die Sensation perfekt gewesen. Glück für Dortmund, wer hätte das vor der Partie gedacht...
André Elsner  

 
Taktik
Borussia Dortmund:
Vor Torhüter Lehmann zwei Manndecker, Wörns und Metzelder. Die linke Seite beackerte Dede, sein Pendant auf rechts war Landmann Evanilson. Hinter Heinrich (halblinks) und Frings (halbrechts) sicherte Reuter ab. Hinter zwei Spitzen, Koller und Amoroso besetzte Rosicky die zentrale offensive Position.

Hamburger SV:
Die Gäste in bekannter 4-4-2-Ausrichtung: Vor Pieckenhagen eine Viererkette: Hollerbach, Ujfalusi, Hoogma und Fukal (links nach rechts). Davor sollte Rahn über links, Benjamin über rechts das Spiel der Hanseaten ankurbeln. Im zentralen Mittelfeld sicherten Ledesma und Maltritz, eher defensiv orientiert, ab. Im Sturm schenkte Jara dem Argentinier Romeo und Meijer (für den gesperrten Barbarez) das Vertrauen.  
 
Trainer Matthias Sammer (Borussia Dortmund): 
"Es war klar, dass wir uns nach der Champions League schwer tun würden, aber nach der 1:0-Führung müssen wir das Spiel gewinnen. Wir haben uns sehr schwer getan, und der Punkt für den HSV war verdient."    
 
Trainer Kurt Jara (Hamburger SV): 
"Wir sind sehr glücklich über unseren ersten Auswärtspunkt. Wir haben viel Moral bewiesen und sehr diszipliniert gespielt. Der späte Ausgleich ging deshalb auch in Ordnung."  


 
kicker:

Spielbericht 
Bei Borussia Dortmund kam es im Vergleich zum jüngsten 2:1-Erfolg gegen Arsenal London in der Champions League zu folgenden personellen Änderungen: Reuter, Heinrich und Amoroso standen an Stelle von Kehl, Ricken und Ewerthon in der Anfangsformation. Kurt Jara, Trainer des bisher auf fremden Plätzen stets leer ausgegangenen Hamburger SV, änderte seine Startelf nach der 1:2-Pleite auf der Bielefelder Alm wie folgt: Barbarez fehlte Gelb-Rot-gesperrt, für ihn kam Meijer. Maltritz (erster Saisoneinsatz) bekam den Vorzug vor Baur.

Beide Teams gingen offensiv eingestellt in die Partie. Hamburg versteckte sich nicht, stand hinten kompakt und initiierte Konterattacken meist mit vier, fünf Mann. Dortmund hatte in der Anfangsphase zwar ein leichtes optisches Übergewicht, verzettelte sich vorne aber in Einzelaktionen oder leistete sich zu viele ungenaue Abspiele.

Die Defensivabteilungen behielten stets die Oberhand. Auch bei Standards kam keine Gefahr auf. Vor allem Rosickys Ecken und Freistoßhereingaben waren an Harmlosigkeit kaum zu überbieten.

Beide Teams neutralisierten sich. Der HSV stand hinten konzentriert und dichtgestaffelt, machte die Räume geschickt eng. Allerdings fehlte der Borussia auch jegliches Überraschungsmoment. 

Das Spiel war über weite Strecken unansehnlich. Die Taktik des HSV ging voll auf. Zweikampfstark zerstörten die Hanseaten jeden Spielfluss der Borussia. Zahlreiche taktische Fouls unterstützten dies obendrein. Der deutsche Meister war zwar fast immer in Ballbesitz, ließ aber jegliche Kreativität vermissen.

In der 39. Minute gab es die erste Chance des Spiels! Amoroso spielte Evanilson halbrechts frei, der schoss flach aus 16 Metern, Hoogma grätschte in den Ball, doch das Leder ging haarscharf rechts an Pieckenhagens Kasten vorbei.

In der Schlussphase der ersten Hälfte gestaltete Hamburg das Spiel ausgeglichen und ging auf Grund der disziplinierten Defensivarbeit nicht unverdient mit einem 0:0 in die Kabine.

Beide Teams traten personell unverändert die zweite Hälfte an. Unverändert war leider auch das Spielgeschehen. Der HSV zog sich weit zurück, gönnte Dortmund keinen Platz, foulte taktisch. Der Borussia fiel keine Antwort ein.

In der 55. Minute gab's die erste herausgespielte Möglichkeit für den HSV: Rahn passte flach von links nach innen zu Romeo, der drehte sich um Metzelder, schoss aus zehn Metern, aber links an Lehmanns Tor vorbei.

Das Spiel war nicht arm an Höhepunkten - es gab keine! Borussia war ebenso bemüht wie einfallslos, Hamburg beschränkte sich auf destruktives Zerstören.

Doch der erste Fehler der HSV-Abwehr brachte Dortmund in Führung: Nach einer Flanke von links legte Heinrich mit dem Kopf zurück auf Rosicky, der fackelte nicht lange, zog aus 14 Metern halbrechter Position ab und traf unten links (68.).

In der Folge wurde die Partie offener. Der HSV initiierte nun auch eigene Angriffe, kam zu zwei Schusschancen durch Rahn, die Lehmann klasse parierte. Für Dortmund gab's nun mehr Raum, die Hanseaten standen bei Weitem nicht mehr so eng am Mann. In der 82. Minute kam Ricken nach Flanke von Kehl aus sieben Metern völlig frei zum Kopfball, doch er verzog leicht nach rechts.

Die Schlussphase war nichts für schwache Herzen. Der BVB machte nichts aus seinen Konterchancen. Der HSV entwickelte mehr und mehr Druck. Nach einem Handspiel von Metzelder im Strafraum entschied Dr. Wack auf Handelfmeter, den Hollerbach aber über das Tor schoss. Doch die Hanseaten steckten nicht auf und glichen durch Christensen kurz vor Schluss nach Kopfballablage von Meijer aus.

In der Nachspielzeit sah Meijer noch die Rote Karte, nachdem er reklamierend und beleidigend Schiedsrichter Dr. Wack zusätzlich anfasste.

Dortmund muss sich auf Grund fehlender Entschlossenheit und Kreativität mit einem Punkt begnügen. Das Remis ist für den HSV zwar etwas schmeichelhaft, wegen der klasse Defensivleistung aber nicht unverdient. Zum Schluss hätten die mit ihren Kräften am Ende scheinenden Hanseaten aber sogar noch gewinnen können, hätte Hollerbach vom ominösen Punkt getroffen.
 

Spielereignisse im Detail 
 
Schlusspfiff 
 
89     Nach einer weiten Flanke in den Strafraum legt Meijer mit dem Kopf ab zu Christensen, der aus sechs Metern mit rechts flach ins rechte Eck einschießt. 
 
88     Hollerbach schießt einen von Metzelder verschuldeten Handelfmeter mit links über das Tor. 
 
82     Kehl flankt aus dem linken Halbfeld auf Ricken, der sieben Meter vor Pieckenhagens Tor frei zum Kopfball kommt, aber leicht nach rechts verzieht. 
 
76     Die Floskel des Tages. Das Tor tat dem Spiel gut! Rahn schießt einen direkten Freistoß aus 25 Metern auf den linken Torwinkel, doch Lehmann klärt erneut zur Ecke. 
 
74     Rahn kommt nach Fehler von Evanilson aus 14 Metern halblinker Position völlig frei zum Schuss, doch Lehmann klärt den unplatzierten Ball zur Ecke. 
 
68     Der erste Fehler der HSV-Abwehr bringt Dortmund in Führung: Nach einer Flanke von links legt Heinrich mit dem Kopf zurück auf Rosicky, der fackelt nicht lange, zieht aus 17 Metern halbrechter Position ab und trifft unten links. 
 
64     Das Spiel ist nicht arm an Höhepunkten - es gibt keine! Borussia ist ebenso bemüht wie einfallslos, Hamburg beschränkt sich auf destruktives Zerstören. 
 
55     Rahn passt flach von links nach innen zu Romeo, der dreht sich um Metzelder, schießt aus zehn Metern, aber links an Lehmanns Tor vorbei. 
 
53     Leider ändert sich auch am Geschehen nichts. Der HSV zieht sich weit zurück, gönnt Dortmund keinen Platz, foult taktisch. Der Borussia fällt nichts ein. 
 
46     Beide Teams kommen personell unverändert aus der Kabine. 
 
 Anpfiff 2. Halbzeit 
 
 Halbzeit 
 
43     Rahn versucht's mit einem direkten Freistoß aus 26 Metern halblinker Position, dreht das Leder links um die Mauer, schießt aber auch knapp links vorbei. Lehmann wäre dran gewesen. 
 
39     Erste Chance des Spiels! Amoroso spielt Evanilson halbrechts frei, der schießt flach aus 16 Metern, Hoogma grätscht in den Ball, das Leder geht haarscharf rechts an Pieckenhagens Kasten vorbei. 
 
30     Das Spiel ist unansehnlich. Die Taktik des HSV geht voll auf. Zweikampfstark zertören die Hanseaten jeden Spielfluss der Borussia. Taktische Fouls unterstützen dies obendrein. 
 
22     Beide Teams neutralisieren sich. Der HSV steht hinten sehr kompakt und macht die Räume geschickt eng. Allerdings fehlt der Borussia auch jegliches Überraschungsmoment. 
 
16     Die Defensivabteilungen stechen. Auch bei Standards kommt keine Gefahr auf. Vor allem Rosickys Ecken und Freistoßhereingaben sind an Harmlosigkeit kaum zu überbieten. 
 
8     Beide Teams spielen offensiv, leisten sich aber zu viele ungenaue Abspiele. Dortmund hat ein leichtes optisches Übergewicht, Torchancen gibt es bisher aber weder hüben wie drüben. 
 
1     Dortmund beginnt im Vergleich zum 2:1 gegen Arsenal in der CL mit Reuter, Heinrich und Amoroso an Stelle von Kehl, Ricken und Ewerthon. Beim HSV stehen Meijer und Maltritz für Barbarez (Gelb-Rot) und Baur in der Startelf. 
 
Anpfiff 


 
dpa meldet: Dortmund nur 1:1 gegen den HSV

Von Heinz Büse, dpa

Dortmund (dpa) - Nach der Fußball-Gala auf europäischer Bühne ist beim deutschen Meister Borussia Dortmund Ernüchterung eingekehrt. Ausgerechnet gegen den auswärts bisher punktlosen Hamburger SV kam die Mannschaft von Matthias Sammer nicht über ein 1:1 (0:0) hinaus. 

Vor 68 600 Zuschauern im ausverkauften Westfalenstadion konnte der BVB nicht an die starke Leistung vom Champions-League- Spiel gegen Arsenal London (2:1) anknüpfen und musste sich trotz des Treffers von Tomas Rosicky (68.) im sechsten Heimspiel zum bereits vierten Mal mit einem Remis begnügen.

Der HSV-Einwechselspieler Kim Christensen sorgte für das lang ersehnte und auch verdiente Erfolgserlebnis in der Fremde (89.) und brachte damit auch seinen umstrittenen Trainer Kurt Jara vorerst aus der Schusslinie. In der hektischen Schlussphase sah der Hamburger Angreifer Eric Meijer die Rote Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung (90.). «Wir haben zum Schluss um den Ausgleich gebettelt und nach der Führung den Ball nicht lange genug gehalten. Dafür sind wir bestraft worden», sagte BVB-Mittelfeldspieler Sebastian Kehl voller Verärgerung über den späten Ausgleich.

Anders als beim überzeugenden Sieg über London hatte BVB-Trainer Sammer zunächst auf Lars Ricken, Kehl und Ewerthon verzichtet und stattdessen Stefan Reuter, Marcio Amoroso und Jörg Heinrich in die Startelf beordert. Die auf drei Positionen veränderte Mannschaft konnte jedoch nicht den Glanz vom Champions-League-Spiel am Mittwoch verbreiten. Gegen den taktisch gut eingestellten Gast, der sich auch ohne den gesperrten Offensivspieler Sergej Barbarez nicht versteckte, fanden die Gastgeber kein Rezept.

Es dauerte eine halbe Stunde, bis es vor dem gegnerischen Tor erstmals gefährlich wurde. Doch der Freistoß von Jan Koller aus 20 Metern wurde zur sicheren Beute von HSV-Torhüter Martin Pieckenhagen (31.). Erst danach übernahm der Gastgeber das Kommando: Nach einem Pass von Evanilson traf HSV-Abwehrspieler Nico-Jan Hoogma fast ins eigene Netz. Doch die nun deutlich defensiver agierenden Hanseaten hielten bis zur Pause den Angriffen stand und waren bei einem Freistoß von Christian Rahn (43.) sogar der Führung nahe.

Auch nach Wiederanpfiff tat sich die Borussia zunächst schwer. Nach einem Drehschuss von HSV-Angreifer Romeo an das Außennetz (55.) erhöhte sie den Druck auf das Gästetor, erspielte sich aber keine klaren Chancen. Erst Rosicky sorgte in der 68. Minute für den vermeintlichen Befreiungsschlag: Nach Kopfball-Vorlage von Heinrich erzielte der Tscheche mit einem Schuss aus 14 Metern sein erstes Saisontor.

Daraufhin gab der Gast sein Defensivspiel auf und stand zwei Mal dicht vor dem Ausgleich: Zunächst parierte BVB-Schlussmann Jens Lehmann einen Freistoß von Christian Rahn (76.), dann trat Romeo wenige Meter vor dem BVB-Tor freistehend über den Ball (84.). Als dann auch noch Bernd Hollerbach einen Elfmeter drei Minuten vor Schluss über das BVB-Tor schoss, schien der Sieger endgültig festzustehen. Doch der in der 80. Minute eingewechselte Christensen bescherte seinem Team eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit noch einen verdienten Punkt. «Meine Mannschaft hat heute Moral bewiesen und gezeigt, was man mit einer starken Abwehrleistung alles erreichen kann», meinte HSV-Coach Kurt Jara.