Bundesliga 2002/2003, 13. Spieltag, Sonntag, 24.11.02 in der Hamburger AOL Arena bei nassfeuchten ca. 6 Grad C

Hamburger SV - FC Energie Cottbus 1:1 (1:1)

Ein wirklich enttäuschender Abend. Es fing ganz gut an und endete wirklich beschissen. Nachdem der HSVerfolgreich um den späten Ausgleich gebeten hatte, traf es mich dann noch mehr, als ich in der Tagesschau hörte, daß Barbarez das Vertragsangebot abgelehnt hat. Nun gut, er hat im Interview danach gesagt, daß noch alles offen sei und es geht ihm offenbar nur darum, 3 statt 2 Jahre + Option zu bekommen, aber ich bin mir eben auch nicht sicher, ob ihm der HSV da überhaupt noch entgegenkommen wird.

Diese Nachricht setzte dem letztlich enttäuschenden Abend noch die Krone auf.

Das Spiel vorher gegen Cottbus lief teilweise so, wie man es erwarten konnte. Cottbus begann zwar in den ersten Minuten etwas offensiver als ich gedacht hätte, aber das dauerte nur ein paar Minuten. Dann igelten sie sich hinten ein und versuchten nur auf Konter zu bauen. 
Von den Chancen her klappte das sogar ganz gut. Der HSV war zwar total feldüberlegen, aber viel mehr gute Chancen als Cottbus konnten wir uns dabei auch nicht erarbeiten.

Trotzdem wartete man minütlich auf den Führungstreffer, da der HSV wie gesagt den gegnerischen 16er belagerte.
Die besten Chancen in Halbzeit 1 hatten wohl Barbarez mit einem Pfostenschuss und Romeo mit einem Schuß von halbrechts aus kurzer Entfernung.
Zur Halbzeit wurde mir etwas unwohl, weil noch immer kein Führungstreffer gefallen war und ich hoffte, daß wir nun bis zur 60. Minute endlich die Führung erzielen würden, da das Publikum (und auch ich) sonst langsam unruhig würden. Das klappte auch perfekt, denn kurz nach Wiederanpfiff erzielte Cardoso (dem haben es wohl alle gegönnt) den Führungstreffer. Eine Zeit lang spielte man noch offensiv weiter und hatte ein paar Chancen, aber irgendwann zwischen der 60  und 70 Minute hörte das dann auf.
Da zogen wir uns merklich zurück und das wurde von Minute zu Minute schlimmer. Einige tollen Paraden von Pieckenhagen verhinderten den Ausgleich bis zur 90. Minute - aber nicht in der Verlängerung. Ujfalusi verlor links einen Zweikampf, den vielleicht der vollkommen ausgelaugte Hollerbach hätte führen müssen, Ledesma kauerte am 5m-Raum anstatt dem Gegner mal einen Schritt entgegen zu gehen und Juskowiak löste sich durch eine Körpertäuschung von Hertzsch und konnte somit den ungehinderten Paß aus kurzer Entfernung im Tor versenken.

Die Mannschaft hat wirklich um diesen Ausgleich gebettelt. Trotzdem ärgert es mich auch, daß der Trainer überhaupt nicht reagiert hat. Mit Barbarez gegen Wicky wurde in der 89. Minute viel zu spät der einzige Wechsel auf HSV-Seite durchgeführt. Barbarez war schon vorher nicht mehr sehr auffällig, genau wie Romeo natürlich überhaupt nicht für Konter geeignet ist (wenn man schon so defensiv spielt). Der negative Höhepunkt war für mich allerdings Hollerbach, der in meinen Augen die letzten 10 - 20 Minuten stehend k.o. war. Sowas muß der Trainer doch sehen. Fast jeder Angriff der Lausitzer kam über die linke Abwehrseite.

Vielleicht hat es aber auch sein Gutes, daß der Höhenflug nun erstmal beendet ist und nicht alle vollkommen abdrehen.
Allerdings ist die Mannschaft nun in Leverkusen voll gefordert. Während ich bei einem heutigen Sieg durchaus mit einer Niederlage in Leverkusen hätte leben können, so darf das jetzt eigentlich nicht mehr passieren, denn dann wäre der ganze positive Lauf vollkommen dahin und ich hätte direkt Angst vor den beiden Bochum-Partien.

Meine Spielerbewertung:
Pieckenhagen: etliche tolle Paraden. An ihm lags gewiß nicht: Note 1

Hertzsch: er hat mir die ganze Partie über sehr gut gefallen, praktisch jeden Zweikampf gewonnen. Besonders im Luftkampf fand ich ihn überragend und die von Sport1 ermittelten 73 % Zweikampfsiege sind sehr gut. Trotzdem war auch er am Gegentor beteiligt, weil er Juskowiak enteilen ließ. Schade: Note 3

Ujfalusi: gefiel mir ebenfalls gut im Zweikampf, auch wenn er ebenfalls seinen Anteil am Gegentreffer hatte: Note 3

Fukal: Da es heute mehr als 2/3 des Spiels nach vorne ging, konnte er sich auch gut auszeichnen: Note 3

Hollerbach: war am Ende des Spiels selbst vollkommen am Ende. Hat leider entscheidend zur Cottbuser Schlußoffensive beigetragen. Vielleicht könnte man auch selbst dem Trainer anzeigen, daß man nicht mehr kann, wenn der Trainer es schon nicht sieht: Note 5

Ledesma: heute auch mit wesentlich mehr Schatten als Licht. Ebenfalls doof am Gegentor beteiligt und schon vorher durch einige Fehlpässe aufgefallen: Note 5

Maltritz: Er ist mit einfach zu unsicher und macht zu viele schlechte Abspiele. Ich hoffe im nächsten Spiel, Wicky wieder zu sehen: Note 4-

Cardoso: wurde heute offenbar gut beschattet, denn im Spiel sah ich längst nicht so oft wie sonst. Allerdings hat er lt. sport1 10 Torschüsse aufgelegt und das ist Rekord. Außerdem ein wunderschönes Führungstor: Note 2+

Mahdavikia:konnte sich heute nicht so in Szene setzen wie in den letzten Spielen: Note 3

Barbarez: War wieder an vielen guten Szenen beteiligt, ließ in der 2. Halbzeit aber stark nach: Note 3+

Romeo: wie immer etliche Abseitsstellungen. Und leider auch wieder mehrere (mindestens 2 fallen mir ein) hervorragende Torschußmöglichkeiten ausgelassen. Dazu hätte er sich einmal in eine Barbarez-Flanke auch gerne mal reinwerfen könne, um zu versuchen, den Ball zu bekommen. Ihr müßt Eure Hosen doch nicht selbst waschen.... Note 4

Schiri Merk: fiel kaum auf in einer fairen Partie. Traurig-bedenklich natürlich, daß der HSV erneut unter ihm in der Verlängerung ein Ausgleichstor fängt (wie damals gegen Bayern). Allerdings war die Nachspielzeit heute berechtigt. Note 2

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 

TORE  
1:0 Rodolfo Esteban Cardoso (47.)
1:1 Andrzej Juskowiak (90.)
 
GELBE KARTEN  
Hamburger SV: Bernd Hollerbach (29.) 
FC Energie Cottbus: Andrzej Kobylanski (17.), Lars Jungnickel (29.), Laurentiu-Aurelian Reghecampf (55.)
Vragel da Silva (63.)
 
SCHIEDSRICHTER :  Dr. Markus Merk  
ZUSCHAUER :  37,403 
DATUM :  24.11.02   17:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Ingo Hertzsch, Milan Fukal, Tomas Ujfalusi, Marcel Maltritz, Sergej Barbarez, Mehdi Mahdavikia, Bernd Hollerbach, Cristian Raul Ledesma, Rodolfo Esteban Cardoso, Bernardo Romeo

FC Energie Cottbus: Andre Lenz, Timo Rost, Andrzej Kobylanski, Vragel da Silva, Laurentiu-Aurelian Reghecampf, Zsolt Löw, Marko Topic, Marcel Rozgonyi, Radoslaw Kaluzny, Silvio Schröter, Lars Jungnickel
 
WECHSEL 
Hamburger SV:
Raphael Wicky für Sergej Barbarez (89.)

FC Energie Cottbus:
Robert Vagner für Lars Jungnickel (58.)
Moussa Latoundji für Andrzej Kobylanski (67.)
Andrzej Juskowiak für Laurentiu-Aurelian Reghecampf (75.)
 

Neue Energie: Juskowiak rettet Cottbus einen Punkt in Hamburg  
Auf leichtfertige Art und Weise hat der Hamburger SV seinen fünften Heimsieg in Folge verschenkt. Gegen den FC Energie Cottbus reichte es nur zu einem 1:1-Unentschieden.
Der überragende Rodolfo Esteban Cardoso hatte die Hanseaten in der 47. Minute in Führung gebracht. Doch anstatt auf ein weiteres Tor zu drängen, ließen die Hamburger die Zügel schleifen. Folgerichtig fiel in der Nachspielzeit der Ausgleich durch den eingewechselten Andrzej Juskowiak.  

"Haben um das Gegentor gebettelt"
Durch den ersten Punktverlust in der heimischen AOL-Arena seit genau drei Monaten (0:3 gegen Bayern München) verpassten die Hamburger zudem den Anschluss ans obere Tabellenfeld und die Uefa-Cup-Plätze. Cottbus sicherte sich einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf.
Der Frust über die vergebenen Möglichkeiten, war nach dem Schlusspfiff deutlich spürbar bei den Hansestädtern. "In den letzten 20 Minuten wollten wir nur noch zaubern und haben um das Gegentor gebettelt", ärgerte sich HSV-Trainer Kurt Jara. "Cottbus hat Blut geleckt, während wir viel zu weit weg von den Gegenspielern standen."

Vor dem Fall kommt der Hochmut...
Wo führt der Weg der Hamburger nun hin? Zwar ist man seit vier Spielen ungeschlagen, doch die Vorstellung gegen Cottbus in den letzten Minuten war eine Mischung zwischen Unvermögen und Arroganz. Kaum aus dem Tabellenkeller entschwunden, träumt man an der Elbe schon vom internationalen Wettbewerb - eine gefährliche Situation.
Von einem Schützenfest war vielerorts die Rede vor dem Spiel. Nun wurde man wieder auf den kalten Boden der Tatsachen zurück geholt. Am kommenden Wochenende steht ein Auswärtstrip nach Leverkusen an. Eine Pleite dort, und man fällt wieder in alte Zeiten zurück.

Barbarez-Verhandlungen liegen auf Eis
Dazu kommen noch die Abwanderungsgerüchte um Sergej Barbarez. Der Stürmer hat ein en Zweijahresvertrag zu äußerst lukrativen Konditionen ausgeschlagen. Die Gespräche liegen auf Eis. Angeblich ist selbst Tottenham Hotspur an Barbarez interessiert. Die Welt in Hamburg scheint also doch nicht so rosig zu sein.
Auch bei anderen HSV-Profis ist die Zukunft äußerst ungewiss. Tomas Ujfalusi kämpft um einen neuen Kontrakt. Und Publikumsliebling Cardoso steht am Scheideweg seiner Karriere. Wie lange hält sein Knie? Und wie viel ist er dem HSV wert?

Cottbus mit neuer Energie
Hoffnung macht sich dagegen in Cottbus breit. Zwei Spiele in Folge hat man nun nicht mehr verloren. Zuletzt gelang den Lausitzern eine solche "Mini-Serie" im April 2002. Trainer Eduard Geyer will die Euphorie dennoch in Grenzen halten: "Der Punkt ist sehr gut für unsere Moral, aber wir stecken natürlich immer noch tief in der Tinte."
Doch endlich bewies der Coach des Tabellen-17. ein goldenes Händchen. Moussa Latoundji und Juskowiak brachte er ins Spiel. Gemeinsam klauten sie dem HSV einen "Dreier". Geyers junge Wilde wirkten über weite Strecken der Partie nicht zweitklassig. Am 15. Spieltag können die Cottbuser mit erhobenen Köpfen gegen 1860 München antreten - und vielleicht wieder an ihrer eigentlichen Stärke arbeiten - der Heimstärke.
 

Fakten:
Heimserie gerissen
Auf den Tag genau drei Monate nach dem 0:3 gegen die Bayern gibt der HSV mal wieder Punkte in einem Heimspiel ab. 

Cottbuser Miniserie
Erstmals seit April bleibt Energie zwei Bundesliga-Spiele in Folge ohne Niederlage. 

Saisonrekord von Cardoso
Gegen Cottbus bereitete der Argentinier zehn Torschüsse vor. So viele Torschussvorlagen in einer Partie gab in dieser Spielzeit noch kein anderer Akteur. 

Top-Vorbereiter Mahdavikia
Gegen Cottbus gab der Iraner seine fünfte Torvorlage beim erst sechsten Saisoneinsatz. Bezogen auf die Einsatzzeit ist Mahdavikia der beste Vorbereiter der Liga (drei BL-Spieler haben schon sechs Torvorlagen - alle aber doppelt so lange gespielt wie der Iraner). 

Schlaglichter:
 
Hamburg verschenkte den Sieg
Die Hamburger hatten die deutlich größeren Spielanteile, gaben mehr Torschüsse ab (22:14), gewannen mehr Zweikämpfe (57 Prozent) und hatten mehr Ballkontakte (61 Prozent) als Energie Cottbus. In der Schlussviertelstunde brachten sich die Hamburger dann aber selber um den Sieg und überließen Cottbus die Initiative. Ab der 75. Spielminute übernahm Cottbus das Ruder und brachte es auf eine Torschussbilanz von 6:1 und wurde für diesen Endspurt mit dem Auswärtspunkt belohnt. 

Vielbeschäftigte Torhüter
Andre Lenz und Martin Pieckenhagen trugen ein Fernduell über die Anzahl der abgewehrten Torschüsse aus. "Piecke" konnte zehn Mal einen Ball abwehren und sein gegenüber acht Mal. Für beide Schlussleute war dies persönlicher Saisonrekord. 

Cardoso erneut der Chef
Ein Mal mehr war Rodolfo Esteban Cardoso beim HSV wieder die spielbestimmende Figur. Er brachte die Hamburger mit seinem ersten Saisontor in Führung, hatte von allen Akteuren die meisten Ballkontakte (101) und war an 14 der 22 Hamburger Torschüssen beteiligt. In dieser Saison war noch kein Spieler an mehr Torschüssen beteiligt. 

Topic wurde nicht belohnt
Marko Topic gab die meisten Torschüsse im Spiel ab (sieben), fand aber in Martin Pieckenhagen seinen Meister und wurde für seinen Fleiß nicht mit einem Treffer belohnt. 

Retter Juskowiak
Erst 15 Minuten vor Spielende wurde Andrzej Juskowiak eingewechselt. Der Pole war dabei mit nur sechs Ballkontakten an drei Torschüsse beteiligt. Mit seinem ersten Tor für Energie sicherte er den Lausitzern dabei den Punktgewinn. 

Hertzsch kämpfte
Ingo Hertzsch nutzte seine Chance und machte gegen Cottbus ein solides Spiel. Der Verteidiger gewann 73 Prozent seiner Duelle und war damit stärkster Zweikämpfer der Partie. 
 
Trainer Kurt Jara (Hamburger SV):
"In den letzten 20 Minuten wollten wir nur noch zaubern und haben um das Gegentor gebettelt. Cottbus hat Blut geleckt, während wir viel zu weit weg von den Gegenspielern standen."    
 
Trainer Eduard Geyer (Energie Cottbus): 
"Der Punkt ist sehr gut für unsere Moral, aber wir stecken natürlich immer noch tief in der Tinte. Der HSV hat gute Angreifer, da mussten wir höllisch auf der Hut sein. In der ersten Halbzeit hatten wir schon gute Kontermöglichkeiten und in den letzten 20 Minuten haben wir uns das Remis verdient."  

Topspieler Andrzej Juskowiak (FC Energie Cottbus):
Vom Abstellgleis ins Rampenlicht. So lässt sich Andrzej Juskowiaks Nachmittag beim Hamburger SV beschreiben. In der 75. Minute kam der Pole erst in die Partie. Seinen ersten Torschuss konnte HSV-Keeper Martin Pieckenhagen noch parieren. Doch im zweiten Versuch war Juskowiak erfolgreich und sicherte somit seinem Klub einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf. Dank des Treffers schnappte er Pieckenhagen die Auszeichnung Topspieler der Partie vor der Nase weg.

Spielwertung: 2 Bälle (von 4)
 
Kommentar:
Übermütige Stimmen sprachen vor der Partie des Hamburger SV gegen Energie Cottbus bereits von einem Schützenfest und träumten vom Uefa-Cup. Diese Atmosphäre wurde scheinbar auch von den Hamburger Akteuren auf dem Feld aufgesogen. Anders ist die eklatante Arroganz, mit der die Hanseaten die letzten 20 Minuten über die Runde bringen wollten, nicht zu erklären. Die Laufbereitschaft war ein Witz. Und das Abwehrverhalten von Kurt Jaras Mannen erinnerte an einen Haufen aufgescheuchter Hühner. Der HSV hat um den Ausgleich gebettelt. Und über so viel Bundesliga-Format verfügt Energie dann doch allemal. Geschenke werden auch in Cottbus gerne angenommen. Vom internationalen Geschäft ist Hamburg weiter entfernt, als Cottbus von den Nicht-Abstiegsplätzen.
Sebastian Stolz
 
Taktik:
Hamburger SV:
Martin Pieckenhagen stand im Tor der Hanseaten. In der Vierer-Abwehrkette spielten Bernd Hollerbach, Tomas Ujfalusi, Ingo Hertzsch und Milan Fukal (v.l.). Marcel Maltritz und Cristian Ledesma besetzten das defensive Mittelfeld. Ballverteiler im offensiven Mittelfeld war Rodolfo Cardoso. Mehdi Mahdavikia spielte hinter den beiden Spitzen Sergej Barbarez (links) und Bernardo Romeo (rechts).

FC Energie Cottbus:
Andre Lenz stand im Tor der Laustitzer. Radoslav Kaluzny agierte als Libero hinter den drei Manndeckern Zsolt Löw, Vragel da Silva und Marcel Rozgonyi (v.l.). Timo Rost spielte den Staubsauger vor der Abwehr. Silvio Schröter besetzte die linke, Laurentiu-Aurelian Reghecampf die rechte Außenbahn. Davor stellte Trainer Eduard Geyer gleich drei Spitzen auf. Andrzej Kobylanski spielte neben Marko Topic und Lars Jungnickel (v.l.).  


 
kicker:
Chancenverhältnis: 10:7 
Eckenverhältnis: 9:7 
Schiedsrichter: Merk, Dr. (Kaiserslautern), Note 2,5 - insgesamt sicher, hätte aber Kaluzny (Foul an Mahdavikia) und Romeo (Schwalbe) Gelb zeigen müssen 
Zuschauer: 37403 
Spielnote: 3,5 
Spieler des Spiels: Pieckenhagen - Hielt lange Zeit glänzend den HSV-Vorsprung fest, musste sich schließlich doch noch spät geschlagen geben. 
 
Analyse 
  
Auf zwei Positionen verändert und nach zuletzt zwei Siegen mit einer gehörigen Portion Euphorie ging der Hamburger SV in sein Heimspiel gegen den Vorletzten Energie Cottbus. Für den am Kopf verletzten Hoogma rückte Hertzsch in die Defensive, der Argentinier Ledesma begann im Mittelfeld an Stelle von Wicky. Energie-Coach Eduard Geyer musste den gesperrten Beeck ersetzen und stellte seine Abwehr auch gleich taktisch anders ein. Vor dem Libero Kaluzny agierte eine Dreier-Kette mit dem für Beeck ins Team gerückten da Silva. Im Sturm bekam Youngster Jungnickel eine Chance, der erfahrene Reichenberger musste auf die Bank. Im Mittelfeld spielte Reghecampf für Vagner.

Der HSV hatte zwar durch Mahdavikias Linksschuss (2.) die erste gute Torgelegenheit in dieser Partie, konnte sich in den Folgeminuten jedoch nicht wie erhofft gegen die Lausitzer Defensive durchsetzen. Auch Energie setzte ein erstes Offensivhighlight bei einem Kobylanski-Freistoß (9.), beschränkte sich ansonsten allerdings auf Abwehrarbeit und wenige Konter. Auf der Gegenseite verzeichnete Hamburg ein klares Chancenplus, wenngleich auch hier die glasklaren Einschussmöglichkeiten ausblieben. Mahdavikia (14.) und Romeo (22.) - beide aus relativ spitzem Winkel - scheiteren am gut postierten Lenz. Nur wenige Zentimeter fehlten in der 34. Minute zum 1:0. Cardoso hatte mit einem feinen Pass in die Tiefe Barbarez in Szene gesetzt. Der Torjäger fackelte nicht lange und traf aus dem Lauf den linken Innenpfosten! Topic antwortete drei Minuten später nach einem Konter mit einem Linksschuss, den Pieckenhagen mühelos meistern konnte. Eine glänzende Fußabwehr des Ex-Rostockers in der Nachspielzeit verhinderte das 0:1 - wieder war Topic nach einem Tempogegenstoß zum Abschluss gekommen. Der HSV konnte an seine druckvolle Phase in der Mitte des ersten Abschnitts nicht mehr anknüpfen.

Hälfte zwei begann dafür nach Maß für die Norddeutschen! Rechtsflanke Mahdavikia, Cardoso volley - 1:0 (47.)! Ein Traumtor des argentinischen Regisseurs, das dem Hamburger SV die Tür zum dritten "Dreier" in Serie weit aufstieß. Der sechsmalige Meister wollte nachlegen. Fukal verzog freistehend (54.), Maltritz verpasste nach Freistoßflanke von Cardoso nur knapp (56.) und Barbarez setzte die Kugel nach einem weiteren glänzenden Zuspiel Cardosos knapp über den Querbalken (59.). Die Jara-Elf ließ nicht locker. So scheiterte auch Romeo freistehend an Lenz (65.). Einzig die mangelhafte Chancenauswertung musste man dem HSV in dieser Phase vorwerfen, während Cottbus ein Aufbäumen zunächst noch vermissen ließ. 

In der Schlussviertelstunde wagten sich die Brandenburger dann wieder in die gegnerische Hälfte, begünstigt durch einen zunehmend nachlässiger werdenden Gastgeber, dessen Spiel einen unerklärlichen Bruch erlitt. Pieckenhagen rückte in den Brennpunkt, verhinderte zunächst mit Glanzparaden bei weiteren Topic-Schüssen und einem Juskowiak-Versuch den Ausgleich (86., 90.). In der Nachspielzeit war der Schlussmann dann aber doch noch machtlos. Nach einem Flankenlauf von Latoundji und anschließendem Querpass konnte der Ex-Wolfsburger Juskowiak abstauben (90.+2).

Der Hamburger SV verschenkte den dritten Sieg in Serie, da er nach dem Führungstreffer (47.) zunächst durch mangelhafte Chancenauswertung die Vorentscheidung verpasste und in der Schlussviertelstunde das knappe Ergebnis nur noch verwalten wollte. Ohne Erfolg - Cottbus wachte spät auf, aber nicht zu spät und hatte sich den Punkt durch Juskowiaks Last-Minute-Tor letztlich verdient. 
 

Spielereignisse im Detail 
Schlusspfiff 
 
90     Das hatte sich abgezeichnet. Latoundji auf rechts auf und davon, Pass nach innen, Juskowiak staubt ab - 1:1! Aus, Ende, ein wütender HSV-Anhang pfeift sein Team aus. 
 
90     Kopfball-Staffette da Silva - Topic. Pieckenhagen wird zum Turm in der Schlacht, hat auch diesen Ball in seinen Händen. 
 
89     Jetzt brennt's gewaltig im HSV-16er. Fukal legt unfreiwillig auf für Topic. Erneut kann Pieckenhagen wegfausten, Juskowiak legt volley nach - der Hamburger Schlussmann diesmal sicher. Eine Zitterpartie für Kurt Jara... 
 
86     Topic zum Fünften. Pieckenhagen bleibt wieder Sieger. Eine Klasse-Parade des langen Blonden nach dem Scharfschuss des Bosniers. 
 
80     Der HSV reagiert nur noch, verwaltet den Vorsprung. Das Publikum wird ungeduldig, Cottbus kommt ... 
 
75     Seit langer Zeit mal wieder ein Schussversuch von Energie Cottbus. Rost war's, Pieckenhagen hat den Ball. 
 
64     Freistoß Mahdavikia - Lenz sicher. Der HSV macht weiter Druck. Romeo jetzt mutterseelenallein. Lenz mit dem Fuß, von einem Cottbuser Abwehrbein prallt der Ball noch an den Pfosten. 
 
59     Cardoso - wer sonst? - in den Lauf von Barbarez. Direktabnahme - drüber. Weiter 1:0. Von Cottbus zurzeit nichts zu sehen. 
 
56     Weite Freistoßflanke von Cardoso, Maltritz - in Nürnberg aus ähnlicher Position erfolgreich - kommt nicht ganz an das Leder. Glück für Cottbus! 
 
54     Cardoso auf Fukal. Halbrechte Position, unbedrängt. Etwas Rücklage beim Schuss, deshalb zischt die Kugel über den Kasten. Dennoch, der HSV drängt auf die Vorentscheidung. 
 
47     Cardoso richtet's selbst - und wie. Nach einer langen Rechtsflanke von Mahdavikia trifft der "Gaucho" volley und satt ins kurze Eck. Der HSV ist vorn, der Sprung in die obere Hälfte winkt! 
 
46     Unverändert kommen die Kontrahenten aus den Kabinen. Der HSV versucht gleich wieder etwas mehr Druck zu entwickeln als in den Schlussminuten von Hälfte eins. 
 
 Anpfiff 2. Halbzeit 
 
 Halbzeit 
 
45     Erneut ist Topic durch, Ujfalusi kann ihn nicht mehr am Torschuss hindern. Pieckenhagen klärt mit dem Fuß - Frust bei Topic. Pause. 
 
39     Wieder funktioniert die Achse Cardoso-Barbarez. Diesmal legt der Bosnier den Ball in den Strafraum, wo Romeo lauert, aber einen Schritt zu spät kommt. 
 
37     Mal wieder ein Tempogegenstoß der Lausitzer. Reghecampf von links nach innen zu Topic. Dessen Schuss wird sichere Beute von Pieckenhagen. 
 
34     Wenn Cardoso am Ball ist, wird's gefährlich. Schöner Pass in die Tiefe auf Barbarez, der aus dem Lauf abdrückt. Vom linken Innenpfosten prallt der Ball zurück ins Feld. Der bereits geschlagene Lenz begräbt den Abpraller unter sich. 
 
22     Romeo aus sieben Metern halbrechts! Lenz stürzt raus und kann abwehren. Die bisher beste Chance für die Hausherren. 
 
20     Da wirkte Pieckenhagen alles andere als souverän. Nach einem langen Ball auf Topic bleibt der Schlussmann auf halbem Weg stehen und hat Glück, dass der Bosnier den Ball nicht richtig trifft. 
 
15     Gutes Spiel in Hamburg. Energie mit einem sauber vorgetragenen Konter. Kobylanski schickt Topic auf die Reise, der von halbrechts abzieht. Pieckenhagen im Nachfassen. 
 
14     Die Jara-Elf kommt langsam ins Rollen. Cardoso genial mit der Hacke auf Mahdavikia. Der Iraner zieht von links in den Strafraum und schießt aus spitzem Winkel. Lenz hat aufgepasst, wehrt ab. 
 
12     Die prompte Antwort der Hanseaten. Ledesma, neu im Team für Wicky, zieht aus 20 Metern ab: Auch dieser Versuch landet knapp über dem Kasten. 
 
9     Cottbus spielt hier frech mit. Jetzt ein 20-Meter-Freistoß von Kobylanski. Nur um Haaresbreite streicht die Kugel über den Querbalken. 
 
2     Der HSV gibt das Startsignal in der AOL-Arena. Mahdavikia mit einem satten Linksschuss aus 17 Metern - Lenz klärt zur Ecke. 
 
Anpfiff 


 
dpa meldet: HSV verspielt Heimsieg in letzter Minute gegen Cottbus

Hamburg (dpa) - Buchstäblich in letzter Minute hat «Joker» Andrzej Juskowiak mit seinem ersten Tor für den SV Energie Cottbus beim Hamburger SV einen Punkt entführt. Der 32 Jahre alte Pole traf in der Nachspielzeit zum 1:1 des Vorletzten beim HSV, der in der Schlussphase konditionell völlig einbrach und nach vier Heimsiegen in Folge einen schweren Dämpfer erlitt. 

Dabei war vor 37 403 Zuschauern zunächst alles nach Plan verlaufen, als Rodolfo Esteban Cardoso in der 47. Minute die Gastgeber mit seinem ersten Saisontor in Führung brachte. Doch in der Schlussphase gaben die Norddeutschen den Sieg mit einem eklatanten Leistungsabfall aus der Hand.

«Das ist sehr bitter. Wir hatten den Gegner 60 Minuten lang in der Hand. Dann aber sind wir nachlässig geworden», ärgerte sich HSV-Trainer Kurt Jara und attestierte dem Kontrahenten: «Cottbus hat sich den Punkt in den letzten 20 Minuten verdient.» Sein Gegenüber Eduard Geyer analysierte: «Das Spiel geht eben 90 Minuten. Der Punkt ist gut für die Moral. Deswegen stecken wir aber nach wie vor tief in der Tinte.» Sechs Punkte Rückstand haben die Lausitzer bis zum rettenden Ufer.

Eine Stunde lang waren die Hamburger, angetrieben vom überragenden Cardoso, die spielerisch klar überlegene Mannschaft. Bereits in der Anfangsphase hatte der HSV mehrfach die Chance zur Führung. Die größte Möglichkeit vergab Sergej Barbarez, der nach einem tollen Zuspiel von Cardoso nur den Innenpfosten traf. Zuvor hatte der 31-jährige Bosnier die HSV-Führung verärgert, weil er seine Unterschrift unter die Vertragsverlängerung um zwei Jahre verweigerte. Barbarez, dem Verbindungen zum VfL Wolfsburg nachgesagt werden, will die Laufzeit des zum Saisonende auslaufenden Kontraktes bis 2006 verlängern.

Mit dem 1:0 durch Cardoso nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff schienen die Cottbuser Hoffnungen auf einen Punktgewinn dahin. Der Argentinier nahm eine Flanke von Mahdavikia volley auf und hämmerte den Ball unter die Latte. Doch die Hamburger konnten mit der Führung nichts anfangen. Statt nachzusetzen schraubte der HSV seine Offensivbemühungen zurück und beschränkte sich nur noch darauf, den Vorsprung zu verwalten.

Dies rächte sich. Gegen eine konfuse HSV-Abwehr, in der der verletzte Nico-Jan Hoogma schmerzlich vermisst wurde, erspielte sich Cottbus in der Schlussphase Chance um Chance. Zunächst stellte sich Pieckenhagen bei hochkarätigen Möglichkeiten von Topic, Juskowiak und da Silva noch erfolgreich dagegen - in der 92. Minute aber war der von seinen Vorderleuten im Stich gelassene Keeper bei Juskowiaks Ausgleich machtlos.