Bundesliga 2002/2003, 15. Spieltag, Samstag, 30.11.02 in der Leverkusener BayArena

TSV Bayer 04 Leverkusen - Hamburger SV 2:3 (2:1)

Das Spiel habe ich nicht live im Stadion gesehen, sondern nur auf premiere. Naja, sonst hätten wir ja auch verloren... ;-)

Ach, das war schon ein mehr als unerwartet schöner Nachmittag. Ich war den ganzen vormittag schon müde und nach dem mittäglichen Einkaufen war ich so quengelig, daß ich schon überlegte, mich ins Bett zu legen, anstatt zum Freund zu fahren, um premiere zu gucken. ABer das ging natürlich nicht.

Aber zumindest fuhr ich so spät los, daß ich die ersten 12 Minuten verpaßte. So schalteten wir den Fernseher ein und sahen bereits ein 1:1 auf dem Schirm stehen. Nach "Befragung" des Videotextes stellten wir fest, daß der HSV in Führung gegangen war (nach ran-Studium kann ich lächelnd sagen -durch einen kapitalen Bock von Butt- ) und dann den Ausgleich kassiert hatte.

Da dachte ich sofort, daß ich dann gar nicht so unglücklich bin, daß ich das nicht gesehen habe. Beim 1:0 für den HSV wären sofort wieder Hoffnungen gekeimt, die beim 1:1 wieder erschüttert worden wären.

Und was ich weiter von der ersten Halbzeit sah, war eigentlich niederschmetternd. Der HSV stellte sich nur hinten rein und Leverkusen hatte Chance auf Chance. Es grenzte schon fast an ein Wunder, daß Leverkusen nur eine 2:1-Führung zur Halbzeit herausgespielt hatte. Ein 3:1 oder 4:1 wäre durchaus möglich gewesen.

Und so stellte auch Zoltan Sebescen im Halbzeit-Interview fest, daß man wohl noch das dritte und vierte Tor schießen werde und dann vielleicht noch mehr.
Da konnte ich ihm nicht widersprechen. Er sagte das, was das Spiel auch zeigte.

Aber es sollte in der zweiten Halbzeit ganz anders kommen. 
Jara wechselte zu meiner Verwunderung Ledesma UND Cardoso aus. Bei Ledesma hatte ich mir den Wechsel gewünscht, denn der war sehr schwach und nach TV-Bildern maßgeblich am Ausgleich der Leverkusener beteiligt.
Aber die Auswechslung Cardosos verwunderte doch sehr. Vom Spiel her eigentlich o.k., denn Cardoso war absolut überhaupt nicht zu sehen. Aber letzte Woche war Cardoso nicht ausgewechselt worden mit der Begründung, daß er mit einem einzigen Pass entscheidendes leisten könne.

Jedenfalls belebten die Einwechslung des wesentlich zweikampfstärkeren Wicky und auch Benjamin das Spiel.

Leverkusen war zwar weiterhin in meinen Augen feldüberlegen, aber sie spielten sich praktisch keine Chance mehr heraus. Ich nörgelte zwar andauern vor mich hin, weil ich denke, daß der HSV viel zu spät angriff, aber - wie gesagt - die Leverkusener kamen kaum noch zu Chancen. Ich glaube, daß Pieckenhagen in der 2. Halbzeit nur noch einen Schuss direkt aufs Tor bekam.

Der HSV hingegen konterte etliche Male geschickt und konnte 2 der vielen guten Chancen zum 3:2-Sieg nutzen. Es wären durchaus noch mehr Tore drin gewesen, aber da war meist der letzte Pass schlecht. Eine noch höhere Führung wäre aber wohl auch vermessen gewesen, wenn man an die drückende Überlegenheit Leverkusens in Halbzeit 1 denkt.
Nur nutzte der HSV seine Chancen gegen eine grottenschlechte ABwehr um den Wackeltorwart Butt (der auch noch am 2:3 reichlich beteiligt war) besser.

Für mich war es nach der 1. Halbzeit ein vollkommen unerwarteter Erfolg. Und während sich einer meiner HSV-Freunde wieder darüber ärgerte, daß man den Sieg gegen Cottbus in der Vorwoche so leichtfertig vergab, freute ich mich mehr über den heutigen Sieg.

Als wir uns dann die Tabelle ansahen, stellten wir fest, daß wir jetzt 4. sein könnten und ich mußte so bei mir denken: Dafür, daß wir m.E. absolut keinen tollen Fußball spielen in den letzten Wochen, sind wir schon ganz schön weit oben.

Wenn wir jetzt noch Pokal und LIga-Spiel gegen Bochum gewinnen, bin ich schon sehr glücklich.

Weshalb ich nichts zum letzten Spiel des Jahres in Rostock sage? => Dort will ich hinfahren. Und ich habe bisher eine grausame Bilanz diese Saison. Ich habe alle Auswärtsniederlagen gesehen und seitdem ich nicht mehr auswärts fahre, haben wir kein Auswärtsspiel verloren....
Wenn wir vorher gegen Bochum gewinnen, möge man mir den Test in Rostock verzeihen, ob es wirklich an mir liegt.... ;-)

Eine Spielerbewertung schreibe ich nicht gern, wenn ich das Spiel nicht im Stadion gesehen habe. Piecke war sehr gut. Ansonsten gefielen mir Wicky in der 2. Halbzeit sehr gut.

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1:  

TORE  
0:1 Bernardo Romeo (3.)
1:1 Hanno Balitsch (11.)
2:1 Yildiray Bastürk (22.)
2:2 Bernardo Romeo (52.)
2:3 Sergej Barbarez (77.)
 
GELBE KARTEN  
Bayer 04 Leverkusen: Marko Babic (75.) 
Hamburger SV: Cristian Raul Ledesma (25.)
 
SCHIEDSRICHTER :  Jörg Keßler  
ZUSCHAUER :  22,500 
DATUM :  30.11.02   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Bayer 04 Leverkusen: Jörg Butt, Boris Zivkovic, Thomas Kleine, Yildiray Bastürk, Lucio
Hanno Balitsch, Oliver Neuville, Marko Babic, Bernd Schneider, Carsten Ramelow, Dimitar Berbatov

Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Ingo Hertzsch, Milan Fukal, Tomas Ujfalusi, Marcel Maltritz, Stephan Kling, Mehdi Mahdavikia, Sergej Barbarez, Cristian Raul Ledesma, Rodolfo Esteban Cardoso, Bernardo Romeo
 
WECHSEL 
Bayer 04 Leverkusen:
Anel Dzaka für Lucio (46.)
Daniel Bierofka für Dimitar Berbatov (73.)
Thomas Brdaric für Yildiray Bastürk (73.)

Hamburger SV
Collin Benjamin für Rodolfo Esteban Cardoso (46.)
Raphael Wicky für Cristian Raul Ledesma (46.)
Lars Jacobsen für Mehdi Mahdavikia (86.)
 

Bernardo Romeo besiegelt Bayer-Krise mit "Doppel-Pack"  
Nach der bitteren 2:3-Niederlage gegen den Hamburger SV waren sich alle Leverkusener einig - der Vizemeister befindet sich nach der vierten Heimpleite im Abstiegskampf.
"Natürlich. Man muss nur auf die Tabelle gucken, wir spielen momentan gegen den Abstieg", sagte Leverkusens Trainer Klaus Toppmöller enttäuscht nach der Partie und fügte an: "Das tut schon sehr, sehr weh."
"Jetzt sind wir im Abstiegskampf, da braucht man gar nichts zu beschönigen" urteilte auch Bayer-Manager Reiner Calmund.

Zur Pause noch 2:1 vorne
"Wir müssen uns natürlich mit dem Thema Abstiegskampf beschäftigen, denn wir stehen unten", befand auch Nationalstürmer Oliver Neuville, der mittlerweile 839 Minuten ohne Torerfolg ist.
Dabei lief es bis zur Pause vor 22.500 Zuschauern in der BayArena eigentlich ganz gut. Zwar brachte Bernardo Romeo die Gäste nach einem Fehler von Torhüter Jörg Butt bereits nach drei Minuten in Führung, doch Hanno Balitsch (11.) und Yildiray Bastürk (22.) trafen und es stand 2:1. Das war für die Hanseaten noch schmeichelhaft - es hätte gut und gerne 1:4 oder 1:5 gegen sie heißen können.

Lucio muss operiert werden
"In der ersten Halbzeit haben wir gut gespielt", meinte Neuville und auch sein Trainer sagte: "Nach dem frühen Rückstand sind wir sehr gut zurückgekommen."
Doch im zweiten Durchgang zeigten die Rheinländer die alten Schwächen. Vor allem individuelle Fehler in der Defensive begünstigten den Hamburger Erfolg.
Personell haben die Leverkusener vor allem in der Abwehr Probleme: Neben Lucio, der nach der Pause in der Kabine bleiben und nun wegen eines Überbeins am Fuß operiert werden muss, fehlten Jens Nowotny, Juan, Pascal Ojigwe, Zoltan Sebescen und Jurica Vranjes verletzungsbedingt, Diego Placente mit Rotsperre.

"Wir haben im Augenblick die Seuche"
"Wir haben im Augenblick die Seuche", sagte Toppmöller zur Verletztensituation und fügte an: "Ich kann nicht viel falsch machen. Ich hole den Würfelbecher raus und ermittle so die Spieler, die ich in der Abwehr aufbiete."
Auch der Hamburger Sergej Barbarez erkannte die Schwächen beim Gegner: "Man hat gesehen und gemerkt, dass hinten etwas bei Leverkusen nicht stimmt. Ich habe gemerkt, dass sie müde sind und keine Kraft haben. Da haben wir noch einen Gang zugelegt und verdient gewonnen."

Romeo mit Doppelpack
Romeo (52.) mit seinem achten Saisontreffer und Barbarez (76.), der sich am Sonntag zu seiner offenen Vertragssituation äußern will, sicherten schließlich den zweiten Saisonsieg in der Ferne.
Damit ist der HSV seit fünf Spielen unbesiegt - das erste Mal unter Kurt Jara - und rückte auf den siebten Platz vor, mit einem Punkt Rückstand auf einen Uefa-Cup-Platz. Davon wollen die Hanseaten aber (noch) nichts wissen.

Bayer Fans gingen auf die Barrikaden
"Vom internationalen Geschäft spricht bei uns keiner. Wir müssen von Woche zu Woche versuchen, unsere Spiele zu gewinnen und dann gucken, wo wir am Ende stehen", meinte Torwart Martin Pieckenhagen. "Alles was vorher ist - dafür können wir uns nichts kaufen."
Bei Vize-Meister Leverkusen wäre man im Moment schon froh, so erfolgreich wie der HSV zu sein. Doch der Haussegen hängt nach einer bislang katastrophalen Saison schief. Die enttäuschten Fans gingen nach dem Spiel auf die Barrikaden und ließen ihrem Frust freien Lauf: Sprechchöre wie "Calmund raus, "Wir sind von Bayer und ihr nicht!" oder auch "Absteiger", waren zu hören.
"Es gibt keine Panik. Wir werden nicht in Hektik verfallen, aber Sorgen mache ich mir schon lange", musste Calmund zugeben und offenbarte: "Noch nie habe ich Weihnachten so herbei gewünscht, wie jetzt."

Fakten:
Selbstbedienungsladen BayArena
Leverkusen kassierte bereits seine vierte Heimniederlage – das sind doppelt so viele Heimschlappen wie in der kompletten letzten Saison. Damals war Bayer zuhause das beste Team. 

Der Lauf hält an
Der HSV gewann sein zweites Auswärtsspiel in Folge – das hatte es die letzten zweieinhalb Jahre nicht gegeben. Die Hamburger sind jetzt schon sechs Pflichtspiele in Folge ungeschlagen (fünfmal BL, einmal Pokal gegen Duisburg). 

Lang war es her
Nach langer Zeit verspielte Leverkusen zuhause mal wieder eine Halbzeit-Führung: Man muss bis in den Februar 1994 zurückgehen, um ein weiteres Heimspiel zu finden, bei dem Bayer zur Pause führte und am Ende noch verlor. Der Gegner damals: ebenfalls der HSV! Bayer führte damals zur Pause mit 1:0 durch Thom, der HSV siegte durch Treffer von von Heesen und Albertz mit 2:1. 

Mahdavikia mit Auge
Mehdi Mahdavikia gab in seinem siebten Spiel der Saison die sechste Torvorlage (zum 3:2-Siegtreffer der Hamburger). Damit ist der Iraner nun der Top-Vorbereiter der Liga – zusammen mit vier anderen Spielern, die allerdings alle wesentlich länger gespielt haben. 

Schlaglichter:
Hat Bayer Konditionsprobleme?
Trotz der Hamburger Führung – vor der Pause dominierte Bayer: 14:3 Torschüsse. Basis war die Zweikampfstärke (57% gewann Bayer). Nach der Pause machten die Hamburger dann ernst, erarbeiteten sich acht zu sieben Torschüsse und hätten deutlich höher gewinnen müssen. 

Ein typischer „Pelu“
Das kennt man in Hamburg: Wenn es läuft, ist Rodolfo Cardoso brilliant. Wenn die Mannschaft verkrampft, dann taucht der Spielmacher ab: Cardoso hatte nur wenige Ballontakte, war an keinem Torschuss beteiligt und wurde zu Recht zur Halbzeit ausgewechselt. 

Tragischer Dimitar
Dimitar Berbatov wartet auch nach seinem zehnten Einsatz auf seiner erstes Bundesligator in dieser Saison. Am Einsatz hat es nicht gemangelt, Berbatov gewann 60% seiner Zweikämpfe, war an so vielen Torschüssen direkt beteiligt, wie alle Hamburger zusammen abgegeben haben. Doch selbst die besten Chancen nutzte der Stürmer nicht. 

Starker Balitsch
Ein starkes Spiel bot Hanno Balitsch: Er war der zweikampfstärkste Spieler der Partie, gewann jeden Zweikampf gegen HSV-Spielmacher Cardoso und krönte seine Leistung mit seinem ersten Bundesligator. 
 
Trainer Klaus Toppmöller (Bayer Leverkusen):
"Es ist eine bittere Niederlage für uns auf Grund der ersten Halbzeit. Wir sind durch einen dummen Fehler in Rückstand geraten, haben dann aber Moral gezeigt und sind verdient in Führung gegangen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann an unsere Leistung nicht mehr anknüpfen können, aber die Mannschaft hat alles getan. Wir haben momentan die Seuche."    
 
Trainer Kurt Jara (Hamburger SV):
"Wir sind sehr glücklich über die drei Punkte in Leverkusen. Durch den Sieg im direkten Duell haben wir uns von Bayer etwas absetzen können. Durch die Umstellungen mit Beginn der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel offener gestalten können. Wir hätten auf Grund der Konterchancen schon früher den Sieg unter Dach und Fach bringen können."  

Topspieler: Bernardo Romeo (Hamburger SV)
Der Argentinier bewies in der Leverkusener BayArena, wie wertvoll er für den Hamburger SV ist, und was seine Stärke ist: "Killerinstinkt". "Mr. Doppelpack" hatte drei Torschüsse, zwei davon gingen ins Schwarze. Seine Saisontore Nummer sieben und acht waren sein fünftes Doppelpack im 30. Spiel! Somit sind zehn seiner insgesamt 16 Tore doppelt gefallen. Auf diese Leistung darf Romeo einen trinken. Was wohl? Einen Doppelkorn!  

Spielwertung: 3 Bälle (von 4)

Kommentar:
Eigentlich unbegreiflich, wie Leverkusen dieses Spiel noch aus der Hand geben konnte. Trotz frühen Rückstandes steckten Toppis Mannen nicht auf und gingen mit einer vedienten Führung in die Kabine. Nur die miserable Abschluss-Schwäche verhinderte eine höhere Torausbeute. Leverkusen brachte sich danach aber durch individuelle Fehler um drei Punkte und muss sich spätestens nach diesem Spiel mit dem Thema Abstieg befassen. Hamburg dagegen auf dem Weg nach oben, ist seit fünf Spielen ohne Niederlage. Darf an der Alster vom Uefa-Cup geträumt werden?
André Elsner  

Taktik
Bayer Leverkusen:
Vor Torwart Butt eine Viererkette: Zivkovic, Ramelow, Lucio und Kleine (von links nach rechts). Davor sicherte Balitsch im zentralen defensiven Mittelfeld ab. Babic unterstützte auf halblinks, Schneider halbrechts, den Bayer-Spielmacher Bastürk im offensiven Mittelfeld. Im Sturm vertraute Toppmöller Nationalspieler Neuville und Berbatov.

Hamburger SV:
Pieckenhagen hütete das Tor. Davor eine Viererabwehrkette mit Kling, Ujfalusi, Hertzsch und Fukal (links nach rechts). Im defensiven Mittelfeld sicherte der Argentinier Ledesma auf halblinks, Maltritz halbrechts ab. Cardoso im zentralen offensiven Mittelfeld. Als vorderste Sturmspitze Romeo, unterstützt von Barbarez über links und Mahdavikia rechts.  


 
kicker:

Spielbericht 
  
Trotz einer Kraft raubenden 1:2-Niederlage im Auftaktspiel der Champions-League-Zwischenrunde gegen Barcelona nahm Bayer-Trainer Klaus Toppmöller gegen den HSV nur zwei Änderungen vor. Kleine ersetzte in der Viererkette den rotgesperrten Placente, im Sturm setzte sich das Wechselspielchen der letzten Wochen fort: Statt Brdaric durfte diesmal Neuville von Beginn an ran. HSV-Trainer Kurt Jara nominierte beim Gastspiel in der BayArena, von der Hereinnahme Klings für den gelbgesperrten Hollerbach abgesehen, exakt die gleiche Formation, die auch eine Woche zuvor beim 1:1 gegen Cottbus begonnen hatte. 

Nach nicht einmal 180 Sekunden traute Toppmöller seinen Augen nicht: Gerade hatte sein Torhüter Jörg Butt versucht, einen langen Ball von Barbarez auf Romeo abzulaufen und zu diesem Zwecke seinen Strafraum verlassen. Das einzige aber, was er erwischte, war das Bein von Lucio, der Weg war frei für Romeo. Ohne Mühe versenkte der Argentinier den Ball zur frühen Führung im Bayer-Gehäuse. Doch Toppmöllers Mannen antworteten prompt, einen Ballverlust des reichlich indisponiert wirkenden Ledesma nutzte Balitsch nach präzisem Zuspiel von Schneider nur acht Minuten später ebenso platziert zum Ausgleich. Wiederum nur elf Minuten später war es Bastürk, der sich aus rund 20 Metern ein Herz fasste, seinem Linksschuss gab Hertzsch´ Fußspitze den entscheidenden Drall. Pieckenhagen im HSV-Tor war kein Vorwurf zu machen, im Gegenteil: Mit Glanzparaden gegen Lucio und drei Mal Berbatov bewahrte er die Norddeutschen vor einem noch höheren Rückstand. Der HSV musste sich zu dieser Phase den Vorwurf gefallen lassen, nach der frühen Führung nicht entschlossen genug nachgesetzt und so Kapital aus der anfänglichen Leverkusener Verunsicherung geschlagen zu haben. Die eigene Abwehr präsentierte sich nur selten sattelfest, vor allem Schneider freute sich über die ihm gewährten Freiräume, die er immer wieder zu sehenswerten Zuspielen nutzte. 

Angesichts der teils schwachen Darbietungen in den ersten 45 Minuten brachte Jara mit dem Seitenwechsel folgerichtig zwei neue Leute: Wicky sollte an Stelle Ledesmas die Kreise Schneiders einengen, Benjamin ersetzte den blass gebliebenen Cardoso. Die Umstrukturierungen sollten sich schnell auszahlen. Nach einer Hereingabe von Kling verpasste zwar zunächst Barbarez, doch der am langen Pfosten lauernde Romeo bugsierte das Leder mit feiner Technik über die Linie. Es war das zweite Tor des Argentiniers an diesem Nachmittag, bereits das dritte Mal in der laufenden Saison, dass ihm ein solches Kunststück gelang. Leverkusen dagegen schien den zuvor an den Tag gelegten Schwung in der Kabine vergessen zu haben, auch Schneider konnte sich nicht mehr wie noch im ersten Durchgang in Szene setzen. Der Bruch im Spiel des Nationalspielers war gleichbedeutend mit dem Ende aller Offensivbemühungen der Gastgeber, die sich rein darauf beschränkten, das Unentschieden zu verwalten. Toppmöller versuchte, dieser Entwicklung mit der Einwechslung zweier frischer Offensivkräfte entgegenzuwirken. Bierofka und Brdaric kamen für die entkräfteten Bastürk und Berbatov. Das Tor jedoch fiel auf der Gegenseite. Und erneut war es Butt, der seinem Ex-Verein tatkräftig zur Seite stand: Statt Zivkovic eine Mahdavikia-Flanke in Ruhe wegschlagen zu lassen, behinderte er seinen Kollegen derart einschneidend, dass es Barbarez ein Leichtes war, den Ball zum 3:2 im Bayer-Kasten unterzubringen. Als der Schlusspfiff ertönte, glich Toppmöllers Miene wieder der 87 Minuten zuvor gezeigten. Manager Rainer Calmund hatte da schon lange seinen Tribünenplatz verlassen.

Sollte es im Umfeld der BayArena noch immer Personen geben, die ernsthaft glauben, der Abstiegskampf fände ohne Bayer statt, sollten sie diese Gedanken schleunigst beiseite schieben. Gewinnt Hannover morgen Abend gegen Schalke, trennt Bayer nur noch ein Punkt von einem Abstiegsrang. Der HSV triumphiert in einer im Vorfeld als „richtungsweisend“ hochstilisierten Partie mit 3:2 und hält damit Anschluss an die internationalen Ränge.
 

Spielereignisse im Detail 
 
 Schlusspfiff 
 
90     Bierofkas Schuss in der Nachspielzeit wird abgeblockt, Kleines Volleyschuss landet am Außennetz. 
 
77     Und wieder geht der HSV in Führung! Nach einer Mahdavikia-Flanke behindert Butt Zivkovic derart, dass dieser den Ball nicht aus der Gefahrenzone spielen kann. Barbarez sagt danke und schießt aus 10 Metern zum 3:2 ein. 
 
72     Einen von Zivkovic noch abgefälschten Schuss von Benjamin kann Butt mit guter Parade ablenken. Die erste Großtat des Bayer-Keepers an diesem Tag. 
 
52     Der HSV erzielt den Ausgleich! Nach einer schönen Flanke von Kling verpasst zunächst Barbarez, doch Romeo erzielt akrobatisch sein zweites Tor des Tages. Bereits der dritte "Doppelpack" des Argentiniers in dieser Saison! 
 
50     Wicky schießt aus genau 16 Metern hoch über den Kasten von Butt. 
 
 Anpfiff 2. Halbzeit 
 
 Halbzeit 
 
44     Berbatov vergibt die Großchance zum 3:1, schießt frei vor dem Tor Pieckenhagen an. Schlimmer noch: Im Nachschuss vergibt der in der Bundesliga noch torlose Stürmer, beraubt dabei auch noch den besser platzierten Bastürk seiner Chance. 
 
34     Erneut ein tolles Zuspiel des bislang überragenden Schneider auf Berbatov. Mindestens ebenso sehenswert auch, wie der Bulgare den Ball per Hackentrick durch die Beine von Hertzsch spielt und nur knapp an Pieckenhagen scheitert. 
 
27     Pieckenhagen im Blickpunkt: Erst kann er einen Kopfball von Lucio mit allergrößter Mühe über die Latte drücken, bei der folgenden Ecke steht er einem Versuch Berbatovs entscheidend im Weg. Die HSV-Abwehr präsentiert sich unsortiert. 
 
22     Bastürk dreht das Spiel! Eine schöne Kombination über die rechte Seite über Neuville und Schneider schließt der kleine Türke mit einem Linksschuss aus 19 Metern ab, dem Hertzsch unglücklich noch den entscheidenden Drall gibt. 
 
18     Romeo will mit dem Ball Richtung Tor ziehen, doch im südamerikanischen Duell Verteidiger-Stürmer behält Lucio die Oberhand. 
 
11     Der Ausgleich!! Ledesma verliert am eigenen Strafraum den Ball an Bastürk, der spielt nach links zu Schneider und dessen platzierte Hereingabe schlenzt Balitsch zu seinem ersten BL-Tor für Bayer unhaltbar in den rechten Winkel. 
 
9     Schneider spielt einen langen Einwurf in den Lauf von Bastürk, der sich mit Tempo gegen Ujfalusi durchsetzt, dann aber nicht an zwei weiteren HSVern vorbeikommt. 
 
4     Nach nicht einmal drei Minuten geht der HSV in Führung: Butt rennt nach einem langen Ball völlig unmotiviert aus seinem Kasten, säbelt dabei aber einzig Lucio über den Haufen. Romeo hat so keine Mühe, von der 16m-Kante einzuschieben. 
 
Anpfiff 


 
dpa meldet: Herber Rückschlag für Leverkusen: 2:3 für HSV

Von Andreas Schirmer, dpa

Leverkusen (dpa) - Bayer 04 Leverkusen hat in der Fußball- Bundesliga einen weiteren Rückschlag erlitten. Mit 2:3 (2:1) unterlag der deutsche Vizemeister vor 22 500 Zuschauern dem Hamburger SV und musste die vierte Heimpleite der Saison hinnehmen. 

Für den HSV trafen Bernardo Romeo (3./52. Minute) und Sergej Barbarez (76.), während für die Leverkusener Hanno Balitsch (11.) und Yildiray Bastürk (22.) die Tore erzielten. Die Hanseaten blieben auch im fünften Spiel hintereinander ungeschlagen. «Wir haben damit einen Schritt nach vorne gemachte», freute sich HSV-Coach Kurt Jara. Als «absolut bitter und enttäuschend» bezeichnete Bayer-Trainer Klaus Toppmöller dagegen die erneute Niederlage.

Drei Tage nach dem Champions League-Spiel gegen den FC Barcelona (1:2) begann die Partie für Bayer mit einem Schock. Nach 180 Sekunden erzielte Romeo völlig unerwartet das 1:0 für die Gäste und nutzte dabei einen Fehler von Bayer-Torwart Jörg Butt, der herausgeeilt war, aber nicht konsequent dazwischen ging. Doch der Vizemeister fing sich schnell und konnte bereits in der elften Minute durch Balitsch den Ausgleich schaffen. Für ihn war es der erste Treffer im Leverkusener Dress.

Danach waren bis zur Halbzeitpause nur noch die kämpferisch und spielerisch überzeugenden Gastgeber, die ohne die Verteidiger Zoltan Sebescen, Diego Placente und Juan antreten mussten, am Zuge. Die druckvolle Offensive wurde in der 22. Minute auch ein zweites Mal belohnt, als Bastürk das verdiente 2:1 erzielte. Fünf Minuten später hätten Lucio - der verletzt ausgewechselt wurde und wohl für Wochen ausfällt - und Dimitar Berbatow sogar den Vorsprung ausbauen können, doch HSV-Keeper Martin Pieckenhagen parierte beide Kopfbälle glänzend. «Wir hätten das 3:1 machen müssen, dann wäre es anders gelaufen», meinte Toppmöller.

Der in Bestbesetzung angetretene HSV konnte in den ersten 45 Minuten, abgesehen vom Führungstor, kaum Akzente setzen. Eklatant waren die Schwächen in der hanseatischen Abwehr, die sich in einem Eckenverhältnis von 11:0 für Bayer widerspiegelten. Die Bayer- Herrlichkeit verblasste allerdings einmal mehr nach dem Seitenwechsel. Sieben Minuten nach Wiederanpfiff nutzte Romeo mit seinem zweiten Treffer eine Abwehrschwäche der Bayer-Elf zum Ausgleich. Obwohl die Leverkusener alles daran setzten, um doch noch den Erfolg zu erzwingen, nutzten wiederum die Gäste eine Konterchance durch Barbarez (76.) zum Siegtreffer.