Bundesliga 2002/2003, 16. Spieltag, Sonntag, 08.12.02 in der Hamburger AOL Arena bei 0 Grad C

Hamburger SV - VfL Bochum 1:1 (0:0)

Wieder einmal bin ich sehr enttäuscht. Und wieder sind es in den Medienberichten die gleichen Überschriften wie beim letzten Heimspiel gegen Cottbus. HSV vergibt in letzter Sekunde den Sieg.

Ein bißchen anders als gegen Cottbus war es dann aber doch. Denn Cottbus hatte mehrere Chancen, bis sie dann schließlich in der 90. Minuten ausgleichen konnten. Bochum hatte allerdings überhaupt keine Chance in der 2. Halbzeit bis zu diesem Tor.

Dafür hatten die Westdeutschen die erste gute Chance des Spiels und das war auch gleich eine 100%ige. Ein Bochumer kam in ca. 10 m Entfernung vollkommen frei an den Ball. Er hätte ihn noch annehmen und den Torwart fragen können, wo er ihn hinhaben möchte. Aber er drosch den Ball Gott sei dank direkt aufs Tor und schoß Pieckenhagen dabei an.

Dann war es aber auch schon zu Ende mit der Bochumer Herrlichkeit. Es spielte ausschließlich der HSV. Allerdings keineswegs berauschend und auch nicht mit Chance auf Chance. Aber es ergaben sich eben doch so einige Chancen, die (teilweise) sträflich ausgelassen wurden.

So ging man mit einem Unentschieden in die Halbzeit und bemühte sich in der 2. Halbzeit weiter. Irgendwann gelang dann auch endlich das Tor - natürlich durch Barbarez (der bereits in der 1. Halbzeit getroffen hatte; das Tor wurde aber wieder mal nicht gegeben wg. angeblichen Foulspiels von Mahdavikia vor dem Tor).

Doch nach dem Führungstreffer ließ man erneut Chancen aus und verpaßte das 2:0. Dann wurde ein Foul gegen Barbarez gepfiffen und der stellte sich neben den Linienrichter und schrie "Das ist doch lächerlich, Mann.". Der Linesman hob sein Fähnchen und "rächte" sich durch den Schiedsrichter in Form einer gelb-roten Karte.

Nun passierte, was wohl passieren mußte. Wir wurden wieder total passiv und da waren noch über 20 Minuten zu spielen. Bochum war aber so schlecht, daß sie sich trotzdem keine richtige Torchance herausspielen konnten und wir waren so dösig, selbst beste Konterchancen nicht zum 2:0 zu nutzen.

Tja, und dann kam wieder die 90. Minute und wie so oft durfte Piecke einen Ball aus seinem Netz holen. Diesmal war es Hertzsch, der den Gegenspieler nicht attackierte. Graulund konnte den Ball annehmen und aus ca. 6 - 7 m einschieben. 1:1... Aus die Maus. Ca. 30 Sekunden später pfiff der Schiri ab....

Es ist wirklich total ärgerlich, welche Chance der HSV da wieder ausgelassen hat. Mit einem Sieg wären wir 5. gewesen. 

Nachdem wir in Nürnberg gewonnen hatten, verspielten wir schon gegen Cottbus mit dem Unentschieden viel und der Auswärtssieg in Nürnberg wurde praktisch "wertlos". Nun wieder das gleiche.
Nach erneutem Auswärtssieg in Leverkusen, können wir diesen zu Hause nicht bestätigen. Wir machen uns wirklich selbst alles kaputt.

Eigentlich erwarte ich jetzt, daß wir uns endlich mal zusammenreißen und in Rostock gewinnen - ABER das Spiel will ich besuchen.... Und meine diesjährige Auswärtsserie läßt eigentlich nur einen Schluß zu.....

Meine Spielerbewertung:
Pieckenhagen: zwei Schüsse aufs Tor. Einen gehalten und den anderen nicht. Man kann ihm nichts vorwerfen. Es ist nur bitter, wenn 50 % der Schüsse reingehen: Note 3

Hertzsch: Eigentlich hatte unsere Abwehr alles im Griff, aber dann läßt Ingo den Gegenspieler so allein im Strafraum und versaut sich seine gute Leistung: Note 5

Ujfalusi: hat heute sehr viele Zweikämpfe gewonnen: Note 2

Fukal: unauffällig nach hinten und vorne: Note 3-

Hollerbach: minimal auffälliger als Fukal auf der anderen Seite: Note 3

Benjamin: versucht viel, aber es misslang ihm auch viel. Note 3-

Maltritz: den habe ich heute so gut wie gar nicht wahrgenommen: Note 4

Cardoso: Auch ihn habe ich heute kaum gesehen, aber lt. Statistik soll er die meisten Chancen eingeleitet haben: Note 3

Barbarez: erst für mich der beste Mann auf dem Platz und dann mal wieder so unbeherrscht. Ich finde es zwar übertrieben, daß man für die Aussage "Das ist ja lächerlich, Mann" eine Karte bekommt, aber erhätte es sich ja auch verkneifen können. Zumal er schon durch eine dusselige Rangelei gelb-verwarnt war. So hat er das Team auf die "Verlierer-Straße" gebracht: Note 5

Mahdavikia: war an fast allen HSV-Chancen beteiligt. Gefiel mir am besten im Team: Note 3+

Christensen: Nun konnte ihn endlich mal alle über fast 90 Minuten sehen und es dürfte wohl jeder gesehen haben, weshalb er sonst nicht spielt. Ihm gelang praktisch gar nichts und seine Anspiele waren überwiegend ungenau. Note 5

Schiri Albrecht: Es gab nicht all zu viel zu entscheiden und trotzdem bin ich natürlich nicht glücklich damit. Gelb-Rot fand ich schon hart und ich habe auch kein Foul vorm nicht gegebenen 1. Tor des HSV gesehen.

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 

TORE 
1:0 Sergej Barbarez (56.)
1:1 Peter Graulund (90.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Ingo Hertzsch (41.) , Sergej Barbarez (46.) , Milan Fukal (60.) 
VfL Bochum: Raymond Kalla (46.)

PLATZVERWEISE 
Hamburger SV: Karte gelb/rot für Sergej Barbarez (68.)
VfL Bochum: - 

SCHIEDSRICHTER : Hermann Albrecht 
ZUSCHAUER :  39,028 
DATUM :  08.12.02   17:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Tomas Ujfalusi, Milan Fukal, Marcel Maltritz, Ingo Hertzsch, Sergej Barbarez, Mehdi Mahdavikia, Collin Benjamin, Bernd Hollerbach, Rodolfo Esteban Cardoso, Kim Christensen

VfL Bochum: Christian Vander, Sören Colding, Raymond Kalla, Frank Fahrenhorst, Martin Meichelbeck, Paul Freier, Vahid Hashemian, Sebastian Schindzielorz, Dariusz Wosz, Thordur Gudjonsson, Thomas Christiansen

WECHSEL 
Hamburger SV:
Christian Rahn für Rodolfo Esteban Cardoso (74.)
Roda Antar für Kim Christensen (84.)

VfL Bochum
Michael Bemben für Dariusz Wosz (21.)
Peter Graulund für Thordur Gudjonsson (64.)
Anton Vriesde für Sebastian Schindzielorz (81.)
 

HSV verschenkt gegen Bochum wieder kurz vor Schluss den Sieg 
Dabei hatte alles nach einem Erfolgserlebnis für die "Rothosen" ausgesehen. Sergej Barbarez (56.) hatte das verdiente 1:0 markiert, den Gast aus Bochum hatten die Hamburger souverän im Griff. Bis Barbarez zum tragischen Helden wurde und nach einer Motzeinlage beim Linienrichter von Schiedsrichter Hermann Albrecht mit Gelb-Rot vom Platz geschickt wurde (68.).
"Bis zum Ausschluss von Barbarez hatten wir alles im Griff", bezeichnete auch Jara den Platzverweis indirekt als Schlüsselszene. Es war bereits der sechste Bundesliga-Platzverweis für den Bosnier. Rekordverdächtig: Nur Stefan Effenberg und Thorsten Kracht haben mit sieben einen mehr aufzuweisen.

Barbarez wieder unbeherrscht
"Ich habe ihm gesagt, dass es lächerlich ist, was er da angezeigt hat. Vielleicht war ich im Ton etwas zu laut", gab Barbarez zu, der allerdings auch mangelndes Fingerspitzengefühl der Unparteiischen anprangerte. "Der Linienrichter sagt mir schließlich auch, dass ich mich verpissen soll".
Die Alleinschuld für die zwei liegen gelassenen Punkte wollte der Bosnier aber nicht übernehmen. "Wenn ich an der Mittellinie stehe, kann ich den Ausgleich auch nicht verhindern. Ich habe dafür keine Erklärung. Aber es tut mir leid, dass wir nicht gewonnen haben".

Benjamin: "Wir hatten Angst"
Deutlicher wurde Mitspieler Collin Benjamin. "Die Beine waren schwer, der Kopf war durcheinander. Nach Sergejs Gelb-Roter Karte hatten wir Angst vor dem Ausgleich", gab der Mittelfeldspieler aus Namibia zu. Vorwürfe an Barbarez? "Dazu muss sich der Trainer äußern, nicht ich".
Tat Jara nicht. Aber intern dürfte er Barbarez sicher gehörig den Kopf waschen und auch eine Geldstrafe verhängen. Denn die Exzentrik seines Stars kann der Österreicher nicht durchgehen lassen, wenn die Mannschaft darunter so zu leiden hat wie gegen Bochum.

Neururer: "Das war der Kipp-Punkt"
Des einen Leid, des anderen Freud. Insgeheim hätten sich die Bochumer wohl am liebsten bei Barbarez bedankt. Martin Meichelbeck zum Beispiel. Der versiebte zuerst eine Riesen-Gelegenheit (10.) und ließ sich dann vor dem Gegentor amateurhaft den Ball abjagen. Vergeben und vergessen, denn Barbarez zahlte mit gleicher Münze zurück.
"Die Gelb-Rote Karte war der Kipp-Punkt des Spiels. Das hatte Signalwirkung, das war äußerst glücklich für uns", analysierte Peter Neururer. "Das war eine Woche der Leidenschaft", konnte sich Bochums Trainer vier Tage nach dem Weiterkommen im DFB-Pokal an gleicher Stätte wieder freuen. Vor allem über sein glückliches Händchen.

"Joker" Graulund schlägt wieder zu
Wie schon beim 2:2 in Mönchengladbach erzielte "Joker" Peter Graulund wieder in der letzten Spielminute den Ausgleich. Duplizität der Ereignisse also auch bei den Gästen. Mit dem 1:1 hatte eigentlich niemand mehr gerechnet. Mit Ausnahme von Christian Vander.
"Als Peter rein kam, wusste ich, dass ich mir keine Sorgen machen muss und es 1:1 ausgeht", so der Bochumer Torwart, der unter der Woche beim Pokal-Sieg der gefeierte Held war und auch in der Bundesliga überzeugen konnte. "Ich bin froh, dem Druck Stand gehalten zu haben".

Wosz eventuell schwer verletzt
Dennoch hatte zumindest ein Bochumer wenig Grund zum Lachen: Dariusz Wosz. Nach einem unglücklichen Einsteigen von Rodolfo Esteban Cardoso musste der VfL-Kapitän schon nach 20 Minuten vom Platz. Erste Diagnose: Verdacht auf Teilabriss des Innenbandes im Knie. "Auf jeden Fall ist etwas kaputt. Ich hoffe, ich kann nächstes Jahr wieder spielen", zeigte sich der 33-Jährige entsprechend zerknirscht.
Neururer dürfte es mit Sorgenfalten vernommen haben. Seiner guten Laune tat es aber zunächst keinen Abbruch. "Wenn wir jetzt noch gegen 1860 München drei Punkte holen, hatten wir ein Traumjahr", richtete der Erfolgstrainer seinen Blick bereits auf den Vorrundenabschluss. Wohl dem, der einen Graulund hat...

Fakten:
Probleme mit den Kleinen
Erstmals in dieser Saison bleibt der HSV zwei Heimspiele in Folge ohne Sieg. Nach dem Remis gegen Cottbus geben die Hanseaten erneut gegen einen der sogenannten Kleinen zuhause Punkte ab. Für den HSV wiederholte sich dabei die Geschichte des letzten Heimspieles gegen Cottbus. Wie damals Joker Andrzej Juskowiak, war es diesmal Joker Peter Graulund, der dem HSV in der Nachspielzeit zwei "sichere" Punkte klaute. 

Bochumer Auswärtsstärke
Bochum verlor in der Hinrunde nur zwei Auswärtsspiele das war dem VfL bisher nur ein Mal zuvor in seiner Bundesligageschichte gelungen (1984/85). 

Sechster Platzverweis für Barbarez
Sergej Barbarez sah zum dritten Mal Gelb-Rot in seiner Karriere. Plus drei Mal glatt Rot macht sechs Platzverweise (ewiger Bundesligarekord sind sieben Platzverweise für Stefan Effenberg und Torsten Kracht). Hinter diesem unnötigen Platzverweis verblasst der Führungstreffer des Bosniers. 

Topjoker 
Wie schon beim letzten Auswärtsspiel in Gladbach (14. Spieltag, 2:2) sicherte erneut der eingewechselte Peter Graulund in der Nachspielzeit den Bochumern einen Auswärtspunkt. Es war schon das siebte Jokertor des VfL Ligaspitze. 

Schlaglichter:
HSV verschenkt mal wieder Punkte daheim
Bis zum Platzverweis von Sergej Barbarez hatte der Hamburger SV das Spiel im Griff und lag in der Torschussbilanz bis zur 68. Minute mit 10:1 in Front. Anschließend drehte der VfL auf und kam bis zum Ende auf 5:2 Torschüsse und erzielte mit viel Glück das 1:1. 

Ujfalusi räumte ab
Tomas Ujfalusi machte in der Hamburger Defensive ein starkes Spiel und verbuchte die beste Zweikampfbilanz der Partie (89 Prozent). Gegen Nationalspieler Paul Freier gewann er alle seiner zehn Duelle. 

Collin Benjamin räumte auf
Nur Teamkollege Tomas Ujfalusi war in der Partie gegen Bochum im Zweikampf noch stärker als Collin Benjamin, der auf ungewohnter Position im defensiven Mittelfeld 76 Prozent seiner Duelle für sich entschied. 

Freier fleißig, aber unglücklich
Paul Freier agierte gegen den Hamburger SV teilweise sehr unglücklich und gewann nur 32 Prozent seiner Zweikämpfe nur Thomas Christiansen war im Duell gegen den Mann noch schwächer als der Nationalspieler. Immerhin führte Freier die meisten Zweikämpfe der Partie (50). 

Flügelflitzer Mahdavikia
Mehdi Mahdavikia schlug von allen Akteuren die meisten Flanken (sechs) und legte die meisten Torschüsse für einen Mitspieler auf (vier) zu einer Torvorlage hat es gegen Bochum aber leider nicht gereicht. 

Kurt Jara (Trainer Hamburger SV):
"Wir haben trotz vieler Ausfälle das Spiel total bestimmt. Wir haben uns mit viel Arbeit das 1:0 erspielt. Aber immer wenn wir einen großen Schritt machen können, geben wir durch Dummheiten und Fehler alles wieder preis. Bis zum Ausschluss von Barbarez hatten wir alles im Griff. Ich bin über dieses Ergebnis total frustriert." 

Peter Neururer (Trainer VfL Bochum):
"Die Gelb-Rote Karte für Barbarez war der Kipppunkt in diesem Spiel. Das war äußerst glücklich für uns. Erst danach sind wir wieder ins Spiel gekommen. Es war ein ganz wichtiger Punkt für uns, mit Signalwirkung. Wenn wir jetzt noch gegen 1860 München drei Punkte holen, hätten wir ein Traumjahr." 

Topspieler: Peter Graulund (VfL Bochum)
Wundern Sie sich nicht, wenn Sie demnächst den Duden aufschlagen und neben dem Begriff "Joker" ein Bild von Graulund auftaucht. Der Däne hatte Bochum schon beim 2:2 in Gladbach in letzer Minute einen Punkt gesichert. Nun schlug er auch in Hamburg entscheidend zu, als keiner mehr einen Pfifferling auf den VfL gab. Der Ausgleich war dabei sein einziger Torschuss - und den nutzte er eiskalt. 

Spielwertung: 2 Bälle (von 4)

Kommentar:
Ein glücklicher Punkt für den VfL, ein verschenkter Sieg des HSV. Nach schwacher erster Hälfte nahmen die Gastgeber das Heft in die Hand und gingen verdient in Führung. Nach der Gelb-Roten Karte für Barbarez kam Bochum zurück ins Spiel. Vom sonst so gefährlichen Bochumer Angriffswirbel war dennoch nichts zu sehen - bis zum großen Auftritt von Graulund.
Christof Greiner 

Taktik:
Hamburger SV:
Pieckenhagen im Tor, davor eine Viererkette mit Hollerbach, Ujfalusi, Hertzsch und Fukal (von links). Ledesma und Maltritz im defensiven Mittelfeld, Cardoso als Spielgestalter. Barbarez (links) und Mahdavikia (rechts) kamen vorne über die Außen, Christensen agierte als Mittelstürmer.

VfL Bochum:
Vander zwischen den Pfosten hinter einer Viererkette mit Meichelbeck, Fahrenhorst, Kall und Colding (von links). Gudjonsson und Schindzielorz spielten im defensiven Mittelfeld. Offensiv eine Dreierkette mit Christiansen auf der ungewohnten linken Seite, Wosz (zentral) und Freier (rechts). Hashemian agierte als einzige echte Spitze. 


 
kicker:

Chancenverhältnis: 5:2 
Eckenverhältnis: 5:3 
Schiedsrichter: Albrecht (Kaufbeuren), Note 3,5 - insgesamt nicht konsequent. Die Entscheidung, Mahdavikias Einsteigen gegen Kalla im Strafraum als Foul zu werten, war hart, aber vertretbar (45.) Hätte Christensens Einsteigen gegen Schindzielorz (29.) ahnden müssen. 
Spielnote: 4 
Spieler des Spiels: 
Cardoso - Der Argentinier zeigte sich wieder stark formverbessert. Initiierte bis zu seinem Ausscheiden die meisten HSV-Angriffe. 

Analyse 

Beide Teams gingen in diese Neuauflage des DFB-Pokal-Spiels vom Dienstag (0:1) mit geringfügig veränderten Teams. Bei den Hamburgern rückte Benjamin für Wicky in die Anfangsformation. Statt des verletzten Romeo durfte Christensen beginnen.

VfL-Coach Peter Neururer stellte nur auf einer Position um: Tapalovic konnte nach seiner Schulterverletzung im Pokal nicht eingesetzt werden, Gudjonsson erhielt eine Chance im Mittelfeld.

In den ersten 15 Minuten fanden beide Mannschaften jeweils eine Möglichkeit nach einer Standardsituation vor. Die erste konnten die Hamburger nicht verwerten: Cardoso brachte einen seiner gefährlichen langen Freistöße auf den zweiten Pfosten, wo Maltritz und Benjamin verpassten (9.). Zwei Minuten später eine ähnliche Situation auf der Gegenseite, wo es der VfL aber im Abschluss auch nicht besser machte. Wosz suchte mit einem hohen Ball den im Strafraum postierten Fahrenhorst. Der 25-Jährige legte per Kopf auf Meichelbeck, der mutterseelenallein vor Pickenhagen stand, dem Keeper den Ball aber auf die Brust knallte.

Der VfL Bochum begann diese Partie defensiv ausgerichtet und ließ den Hamburgern im eigenen Stadion viel Platz. Nach der Balleroberung wurde sofort versucht schnelle Konter einzuleiten, die aber meistens vor dem HSV-Strafraum steckenblieben. Die Spielanlage der Gäste wurde nach Darius Woszs verletzungsbedingter Auswechslung noch einen Tick vorsichtiger. Die Elf von Kurt Jara versuchte, über die Flügel zum Erfolg zu kommen. Viel lief über die linke Seite, wo sich Benjamin immer wieder gut in den Angriff einschaltete. Auch auf rechts bot sich Mahdavikia häufig an.

Hamburg erspielte sich eine klare Feldüberlegenheit. Die Hanseaten schnürten die Mannschaft aus dem Ruhrpott in deren eigener Spielhälfte ein. Viel mehr richteten die Gastgeber aber auch nicht aus. Bochum hatte wenig Mühe die Flanken und Zuspiele in den Strafraum zu klären, auch weil die Angriffe von Cardoso & Co. zu ideenlos nach vorne getragen wurden. Offensiv waren die Blau-Weißen fast gar nicht vorhanden. Die Spitzen Christiansen und Hashemian wurden im Regen stehen gelassen.

Gegen Ende der ersten Halbzeit sahen die Zuschauer Hamburgs beste Gelegenheit in den ersten 45 Minuten: Mahdavikia spielte einen Freistoß hoch auf Cardoso. Die auf eine Abseitsentscheidung hoffenden Bochumer ließen den Argentinier unbeaufsichtigt, doch der Regisseur scheiterte aus halbrechter Position an Vander, der den Fuß noch ausfahren konnte. Den Abschluss eines durchschnittlichen ersten Durchgangs bildete eine turbulente Szene im Bochumer Strafraum. Mahdavikia fiel, Schiedsrichter Albrecht pfiff und Barbarez traf ins Tor. Die Spieler gerieten aneinander, Albrecht löste das "Rudel" mit zwei Gelben Karten und einem Freistoß für Bochum auf. Torlos traten die Teams den Gang in die Kabine an.

Hamburg begann die zweite Halbzeit druckvoll. Maltritz mit einem Flachschuss (48.) und Mahdavikia per Kopf (50.) kamen zu ersten Gelegenheiten. Das verstärkte Engagement der Hanseaten machte sich in der 56. Minute bezahlt. Meichelbeck wurde vor dem eigenen Strafraum von Mahdavikia und Cardoso bedrängt und vertändelte. Barbarez schaltete schnell, zog auf Vander und schob in die linke lange Ecke zum 1:0 ein.

Weiterhin nach vorne agierend schwächte sich der HSV zwölf Minuten später selbst. Nach einer Abseits-Entscheidung hatte Barbarez ein paar unschöne Worte für den Linienrichter übrig und musste mit der Gelb-Roten Karte im Gepäck vom Platz. In Überzahl hatte Bochum in der Folge etwas mehr vom Spiel, von Angriffswirbel ob des Rückstands war aber bei der Neururer-Elf nichts zu sehen. Im Gegenteil: Der HSV wirkte bei seinen Kontern gefährlicher als Bochum in Überzahl.

Dennoch kassierten die Hamburger in der Schlussminute noch den Ausgleich. Ein langer Ball Coldings in den Strafraum, Graulund konnte das Leder unbedrängt annehmen, Hollerbach reklamierte vergeblich auf Handspiel und der Däne schoss aus kurzer Distanz zum Ausgleich ein.

Wieder einmal gab der Hamburger SV schon sicher geglaubte drei Punkte in der Schlussminute noch ab. Die Hausherren bestimmten über weite Strecken diese Bundesligabegegnung. Der VfL Bochum wirkte in der Offensive mehr als harmlos und konnte auch nach der Kritik von Barbarez am Linienrichter und dem damit verbundenen Ausschluss nicht entscheidend zusetzen. Mehr als glücklich kam die Neururer-Elf noch zum Ausgleich. 
 

Spielereignisse im Detail 

Schlusspfiff 

90     Der überraschende Ausgleich für den VfL Bochum! Ein langer Ball in den Strafraum auf Graulund. Der Däne wird nicht genau gedeckt und schießt aus kurzer Distanz ein. Wieder vergeben die Hamburger drei Punkte in der Schlussminute. 

80     Christensen verzieht im Konter aus 16 Metern. Der Ball fliegt weit über Vanders Kasten. 

79     Gegen zehn Mann kommt der VfL jetzt etwas auf, aber ohne noch Torchance vorzufinden. 

68     Nach einer Abseits-Entscheidung meckert Barbarez gegen den Linienrichter. Dieser hebt sofort die Fahne und Barbarez muss mit Gelb-Rot vom Platz. Unprofessionell vom Bosnier. 

59     Nun kontert die Jara-Elf in der AOL-Arena. Christiansen ermöglicht mit seiner Flanke die Doppelchance für Mahdavikia und Barbarez, doch beide vergeben. 

56     1:0 für den HSV! Ein Patzer von Meichelbeck ebnet Barbarez den Weg aufs Tor. Der Bosnier läuft auf Vander zu und schiebt den Ball in die linke lange Ecke. 

50     Und wieder die Hamburger. Mahdavikia mit einem Kopfball, Vander taucht ab und rettet das Unentschieden. 

48     Konterchance des HSV: Nach einem Fehler von Fahrenhorst legt Barbarez mit der Hacke auf Maltritz. Dessen Flachschuss aus 17 Metern geht knapp am linken Pfosten vorbei. 

 Anpfiff 2. Halbzeit 

 Halbzeit 

45     Turbulente Szenen im Bochumer Strafraum. Mahdavikia fällt im Strafraum, Schiri Albrecht pfeift ab, bevor Barbarez ins Tor trifft. Die Spieler geraten aneinander, Albrecht löst das "Rudel" mit zwei Gelben Karten auf. 

44     Hamburgs beste Gelegenheit bisher: Mahdavikia spielt einen Freistoß hoch auf Cardoso. Die auf abseits spielenden Bochumer lassen den Argentinier gewähren, der aus halbrechter Position scheitert - Vander bringt den Fuß noch raus. 

42     Ein rüdes Einsteigen von Hertzsch gegen Christiansen in der Bochumer Spielhälfte, bringt dem Abwehrspieler die erste Gelbe Karte der Begegnung ein. 

35     Nach einem Täuschungsmanöver von Cardoso bei einem Freistoß flankt Mahdavikia von rechts auf Ujfalusi. Dessen Kopfball fliegt jedoch über das Gehäuse. 

33     Der HSV bestimmt diese Begegnung jetzt klar. Kurt Jaras Mannen schnüren Bochum zwar ein, kommen aber zu keinen Möglichkeiten. 

27     Cardoso versucht es einmal aus der Distanz, doch der Ball verfehlt klar sein Ziel. Der HSV wartet weiter auf den ersten Schuss auf Vander. 

17     Vander kommt unnötig auf eine Flanke heraus, die die Bochumer Abwehr nur ungenügend klärt. Mahdavikia spielt eine hohen Ball in Richtung Tor, Barbarez verfehlt nur knapp. 

11     Die Riesenchance für die Bochumer! Wosz mit einem Freistoß auf den im Strafraum postierten Fahrenhorst. Der 25-Jährige legt mit dem Kopf auf Meichelbeck, der mutterseelenallein vor Pickenhagen steht, den Keeper aber anschießt. 

9     Gefahr vor dem VfL-Gehäuse: Cardoso mit einem langen Freistoß auf den zweiten Pfosten, wo Maltritz und Benjamin verpassen. 

7     Engagierter Beginn der Hanseaten. Die Gastgeber versuchen nach vorne zu spielen, kommen aber wie Bochum noch nicht so richtig in die Gänge. 

1     Die Neuauflage des dieswöchigen DFB-Pokal-Spiels beginnt. Der HSV möchte die Niederlage vom Dienstag heute vergessen machen. 

Anpfiff 


 
dpa meldet: HSV verschenkt Sieg: In letzter Sekunde 1:1

Von Britta Körber, dpa

Hamburg (dpa) - Die AOL-Arena ist im Advent das Lieblingsstadion des VfL Bochum. Fünf Tage nach dem 1:0-Sieg im Pokal-Achtelfinale erkämpfte die Revierelf im Bundesliga-Duell mit dem Hamburger SV beim 1:1 (0:0) ein nicht mehr für möglich gehaltenes Remis. 

«Joker» Peter Graulund sicherte dem VfL in der Schlussminute einer schwachen und hektischen Partie den schmeichelhaften Punktgewinn. Zuvor war Torjäger Sergej Barbarez vor 39 000 Zuschauern in der AOL- Arena zum tragischen Helden avanciert: In der 56. Minute erzielte er seinen vierten Saisontreffer, zwölf Minuten später musste er wegen Meckerns mit Gelb-Rot vom Platz. Das war der insgesamt sechste Platzverweis für den Bosnier und schon der vierte seit Dezember 2000.

«Das war der Kipp-Punkt des Spiels und ein Signal für uns. Erst danach sind wir ja wieder ins Spiel gekommen. Das war eine Woche der Leidenschaft und ein Traumjahr für uns», meinte VfL-Coach Peter Neururer - und sagte dann verschmitzt zu der Einwechslung Graulunds: «Wunderbar, dass er gerade in der Nähe stand.» Konsterniert und ratlos reagierte der HSV. «Die Beine waren schwer und der Kopf durcheinander. Ich kann auch nicht erklären, warum wir wieder nicht gewonnen haben», sagte Mittelfeldspieler Collin Benjamin. Der seit sechs Bundesliga-Partien ungeschlagene HSV ist nach dem 16. Spieltag mit 24 Punkten Tabellen-Siebter; Bochum (22) bleibt Zehnter.

Angefeuert sogar von hunderten Eishockey-Fans, die nach einem Spielabbruch bei den Freezers in der benachbarten Color-Line-Arena für den halben Eintritt ins HSV-Stadion durften, blieben die Hamburger zunächst viel schuldig. Die erste hochkarätige Chance hatten die Gäste: Martin Meichelbeck zielte aus sechs Metern volley aber genau auf Torhüter Martin Pieckenhagen (11.), der sein 50. Bundesliga-Spiel für den HSV bestritt. Sergej Barbarez verpasste auf der Gegenseite eine Flanke von Mehdi Mahdavikia nur knapp (17.). Die beste Chance der Platzherren vor der Pause durch Rodolfo Cardoso (44.) vereitelte Pokalheld Christian Vander im Bochumer Tor mit einer reaktionsschnellen Fußabwehr.

Die Gäste mussten bereits nach 21 Minuten auf ihren Spielmacher Dariusz Wosz verzichten. Der VfL-Kapitän konnte nach einem schmerzhaften Zusammenstoß mit Cardoso nicht weitermachen; es besteht der Verdacht auf Teilanriss des Innenbandes. HSV-Abwehrspieler Ingo Hertzsch konnte froh sein, dass er für sein rüdes Foul an Thomas Christiansen nur Gelb sah (41.). Mit einem wuchtigen Kopfball (50.) knapp neben den Pfosten gab Mahdavikia nach der Pause das Angriffssignal - sechs Minuten später brach der Torjubel aus. Barbarez vergab drei Minuten später die Chance zum 2:0 - danach musste er früher als alle anderen zum Duschen.