Bundesliga 2002/2003, 19. Spieltag, Sonntag, 02.02.03 in der Hamburger AOLArena bei 2 Grad C und Schneefall.

Hamburger SV - SV Werder Bremen 1:0 (0:0)

Normalerweise sind die HSV-Spiele für mich nach den ganzen Jahren so etwas wie „Routine“. Ich freue mich zwar, zum HSV zu gehen, aber ich bin nicht mehr „nervös“ o.ä. vor den Spielen.

Heute war es aber zumindest so, dass ich mich vorher richtig auf das Spiel gefreut habe und dabei allerdings auch ein bisschen ängstlich war, was der HSV wohl machen wird.

Sollte es doch in meinen Augen eines der entscheidenden Spiele für den Rest der Saison werden. Wenn uns ein Sieg nun auch auf Platz 6 katapultiert hat, so hatte ich vor dem Spiel doch eher Angst, dass wir verlieren – und dann nächste Woche in München noch mal. Da könnte man u.U. die Augen wieder eher nach unten als auf den UEFA-Cup richten müssen. 

Insbesondere vorm Kugelblitz Ailton hat ich regelrecht Angst. Das konnte er in der Anfangsphase des Spiels zwar noch einigermaßen rechtfertigen, aber mit zunehmender Spieldauer war von ihm immer weniger zu sehen und am Ende hat man ihn gar nicht mehr wahrgenommen.

Das Spiel war von Anfang an mehr auf Sicherheit bei beiden Mannschaften ausgelegt, denn auf einen wilden Sturmlauf. Allerdings hatte Werder zunächst schon Vorteile. Da wirkte unsere Abwehr noch sehr unsortiert. Fast wäre ein Schuss eines Bremers (war es Ailton oder Daun ?) so von Fukal abgefälscht worden, dass Piecke chancenlos war. Aber da hatten wir Glück und der Ball schlug nur an den Pfosten.

Andererseits hatten auch wir Chancen, aber konnten diese ebenfalls nicht nutzen. Am spektakulärsten war dabei wohl ein Schuß von Hollerbach aus großer Distanz, der ans Lattenkreuz schlug.

Bremen hatte zudem in der ersten Halbzeit noch eine sehr gute Kopfballchance durch Ailton, der einen Freistoß verlängerte. Glücklicherweise verlängerte er ihn nur und gab ihm keine sonderliche Richtungsänderung. So fiel der Balldirekt auf Piecke, der es ansonsten schwer gehabt hätte.

Ich denke, dass das Unentschieden zur Halbzeit o.k. war, da ich beim HSV mehr Torchancen gesehen habe, aber bei Werder mehr Spielanteile.

In der zweiten Halbzeit änderte sich das. Der HSV versuchte deutlich mehr Druck zu machen, was zumindest teilweise gelang. 

Schließlich wurden die Versuche abermals durch einen der wichtigsten HSV-Spieler mit Erfolg gekrönt. Sergej Barbarez konnte mal wieder zuschlagen und das 1:0 erzielen. Ein schöner Linksschuss von der rechten Strafraumgrenze ins lange Eck.

Und dann begingen wir endlich mal nicht ganz so stark unseren üblichen Kardinalfehler. Zwar zogen wir uns ein wenig zurück, aber nicht so weit wie üblich. Das ist m.E. auch insbesondere Takahara und auch Barbarez zu verdanken, die den Gegner weit vorne attackierten. Gerade Takahara rannte für einen Stürmer ungewöhnlich viel, um die gegnerischen Abwehrspieler anzugreifen.

Werder konnte sich zwar ein paar Chancen erspielen, aber insgesamt war das wohl eindeutig zu wenig. Dahingegen war wir bei unseren Konterchancen wesentlich gefährlicher und hätten eigentlich das 2:0 erzielen müssen.

So mussten wir zwar bis zum Ende zittern, denn wir gewinnen ja normalerweise nie 1:0, aber Werder machte das Zittern recht erträglich. Einen Schlussspurt, um einen Rückstand aufzuholen, stelle ich mir jedenfalls anders vor.

Für mich war es aufgrund der 2. Halbzeit ein verdienter Sieg, der uns dem UEFA-Cup Platz zumindest ein bisschen näher bringt. Es wäre natürlich toll, wenn man die Serie der ungeschlagenen Spiele in München fortsetzen könnte. Aber da es nicht gegen 1860 sondern Bayern geht, dürfte das ein sehr schweres Stückchen Arbeit werden.

Ich hoffe, dass auf dem Platz dann zumindest alle so kämpfen wie heute, wobei ich befürchte, dass Bayern einige der gezeigten Nachlässigkeiten schneller bestrafen würde.

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: Eigentlich war er fast vollkommen arbeitslos. Die beiden besten Paraden zeigte er in Situationen, in denen der Schiri ohnehin auf Abseits entschied: Note 3

Hoogma: Anfangs machten wir Ujfalusi und er Angst wegen Ihres seltsamen Stellungsspiels gegenüber den Bremer Stürmern. Das wurde dann aber besser: Note 3

Ujfalusi: genau wie Hoogma: Note 3

Fukal: Offensiv heute gar nicht mal so auffällig, aber nun hat er mir tatsächlich mal defensiv gefallen. Er hat sich körperlich einige Male sehr schön gegen seine Gegenspieler durchgesetzt.: Note 3

Hollerbach: der setzt sich natürlich auch immer sehr gut gegen seine Gegenspieler durch. Guter Zweikämpfer heute: Note 3

Benjamin: er zeigte heute wieder einige Schwächen – wie auch in Hannover – , die ich eigentlich gar nicht von ihm gewohnt bin. Insbesondere bei der Ballannahme und einfachen Pässen. Ihn habe ich schon viel besser gesehen: Note 4

Maltritz: gefiel mir heute sehr gut, wobei ich trotzdem den eingewechselten Wicky in der Startformation sehen würde: Note 3+

Cardoso: heute bei weitem nicht so auffällig, wie er es sonst oft ist. Dafür kämpfte er: Note 3-

Mahdavikia: Wieder mal ein spielentscheidender Spieler. Immer, wenn er sich auf der rechten Seite durchsetzt, wird es gefährlich.: Note 2

Barbarez: Auch er ist an den meisten gefährlichen Situationen beteiligt und konnte heute mal wieder selbst ein Tor erzielen: Note 2

Takahara: Eine spielerische Offenbarung war es nicht für mich, aber dafür kämpft er mit toller Moral und gibt nie auf. Und er traut sich auch mal, außerhalb des Strafraumes zu schießen: Note 3+

Schiri Jansen: hatte einige seltsame Entscheidungen dabei und verteilte die gelben Karten etwas nach Gutdünken. Aber insgesamt war es ein faires Spiel, woran auch er seinen Anteil hatte: Note 3-
 

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 

TORE  
1:0 Sergej Barbarez (56.)
 
GELBE KARTEN  
Hamburger SV:
Bernd Hollerbach (13.) 
Collin Benjamin (24.) 
Nico Jan Hoogma (28.) 

Werder Bremen
Razundara Tjikuzu (13.)
Johan Micoud (46.)
 
SCHIEDSRICHTER :  Jürgen Jansen  
ZUSCHAUER :  46,742 
DATUM :  02.02.03   17:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Nico Jan Hoogma, Milan Fukal, Tomas Ujfalusi, Marcel Maltritz, Sergej Barbarez, Naohiro Takahara, Collin Benjamin, Bernd Hollerbach, Rodolfo Esteban Cardoso, Mehdi Mahdavikia

Werder Bremen: Pascal Borel, Victor Skripnik, Mladen Krstajic, Fabian Ernst, Frank Verlaat, Paul Stalteri, Ailton, Krisztian Lisztes, Johan Micoud, Razundara Tjikuzu, Markus Daun
 
WECHSEL 
Hamburger SV:
Raphael Wicky für Rodolfo Esteban Cardoso (77.)
Erik Meijer für Naohiro Takahara (89.)

Werder Bremen:
Ivica Banovic für Paul Stalteri (64.)
Angelos Charisteas für Razundara Tjikuzu (73.)
Ivan Klasnic für Krisztian Lisztes (85.)
 

Sergej Babarez lässt Hamburg von Europa träumen  
Nur ein Auswärtssieg in den vergangenen fünf Auswärtsspielen stehen für den SV Werder Bremen nach der 0:1-Schlappe beim Hamburger SV zu Buche. Damit ist der SVW das schlechteste Auswärtsteam unter den Spitzenmannschaften. 
Ein Fakt, der auch Kapitän Frank Verlaat zu deutlicher Kritik veranlasste: "Wir haben schlecht, chaotisch und unsicher gespielt. Selbst einfachste Bälle kamen nicht wirklich an."  
 
Für ein Team, das von der Champions League träumt, zu wenig. "Noch einen Ausrutscher können wir uns nicht leisten, jetzt müssen wir gegen 1860 München gewinnen."
Trainer Thomas Schaaf schloss sich der Kritik seines Mannschaftsführers nur bedingt an: "Wir haben heute leider versäumt, unsere Möglichkeiten zu nutzen. Der HSV hat dies heute ein wenig besser gemacht. Es war insgesamt ein sehr unruhiges Spiel von beiden Teams."

Allofs enttäuscht
Werder-Sportdirektor Klaus Allofs war dagegen enttäuscht. Die Chance, den Bayern gefährlich zu werden, ist angesichts von neun Punkten Rückstand minimal. "Wir haben unsere Torchancen gehabt. Als Spitzenmannschaft müssten wir so etwas auch mal nutzen." 
Dagegen war der Hamburger SV mit dem Sieg natürlich mehr als zufrieden. "Heute haben wir weit vorne angegriffen und versucht, das Bremer Angriffsspiel zu unterbinden. Gegen Werder muss man geduldig spielen und auf seine Chance warten. Sergej Barbarez hat das sensationell gemacht."

HSV mit gesundem Selbstbewusstsein gegen die Bayern
Der HSV nun schon im neunten Spiel ungeschlagen, machte einen Sprung auf Platz sechs der Tabelle. "Wir bleiben auf dem Teppich. Wir haben unser Ziel ausgegeben und das heißt: Uefa-Pokal."
Für Hamburg geht es nun gegen die Bayern. Mit gesundem Selbstbewusstsein will der HSV in die bayrische Landeshauptstadt fahren. "Wenn wir so spielen und kämpfen wie heute, dann ist man nie chancenlos."

Barbarez-Lob für Takahara
Seine Chance genutzt hat gegen Werder auch Sergej Barbarez. Nach dem eher schwachen Auftritt gegen Hannover 96 war er heute der Schütze des entscheidenden Tors. 
Ein Sonderlob gab's von Barbarez für den japanischen Neuzugang Naohiro Takahara. "Er wird von Spiel zu Spiel besser und wenn wir ihm die Chance geben, wird er für uns noch ein wichtiger Spieler." 
 

Fakten:
HSV-Serie hält
Der HSV ist seit neun Spielen ungeschlagen und holte neun Punkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. 

Minimaler Aufwand, (fast) maximaler Ertrag
Der HSV erzielte in seinen letzten fünf Heimspielen nur ein Tor pro Spiel, holte damit jedoch drei Siege und zwei Remis. 

In der Fremde noch keine Top-Mannschaft
Bremen bleibt von den Spitzenklubs der Liga das schwächste Gäste-Team und gewann nur eins der letzten fünf Auswärtsspiele. 

Topvorbereiter Mahdavikia
Mehdi Mahdavikia bereitete das "goldene" Tor von Sergej Barbarez vor. Seine neunte Torvorlage – Ligaspitze. Dabei konnte der Iraner erst elf Saisonspiele bestreiten. 

Schlaglichter:
HSV diesmal stark bis zum Schluss
Nachdem die Hamburger in den letzten beiden Heimspielen gegen Cottbus und Bochum in der letzten Spielminute noch den Sieg verschenkten, spielte die Mannschaft von Kurt Jara gegen den SV Werder konzentriert bis zum Schluss. Nach einer umkämpften ersten Spielhälfte mit jeweils einem Alu-Treffer, kam der HSV besser aus der Pause und traf gleich mit dem ersten Torschuss der zweiten Spielhälfte. Mit insgesamt 9:3 Torschüssen in der zweiten Hälfte verdienten sich die Hamburger die Führung und den Sieg nachträglich. 

Takahara mit gelungenem Heimdebüt 
Tahiro Takahara spielte im Vergleich zum Rückrunden-Auftakt in Hannover eine deutlich bessere Partie. Der Japaner war zweikampfstärkster Angreifer der Partie (50 Prozent gewonnen) und gab gegen Bremen, nachdem er ja in Hannover noch ohne Torschuss blieb, seine beiden ersten Torschüsse in der Bundesliga ab. Der neue Hoffnungsträger beim HSV zeigte sich sehr ballsicher, hatte von allen Offensivspielern der Partie die beste Passquote (82 Prozent seiner Pässe kamen an) und holte für die Hamburger viele Freistöße heraus. Nur Markus Daun wurde einmal häufiger gefoult als Takahara. Wenn der junge Stürmer so weiter kämpft, dann klappt es auch bald mit dem ersten Bundesligator. 

Barbarez war überragend
Der Bosnier kämpfte, bestritt von allen Spielern die meisten Zweikämpfe und gewann davon für einen Angreifer gute 48 Prozent. Er gab die meisten Torschüsse der Partie ab (fünf) und hatte von allen Stürmern der Partie die meisten Ballkontakte (64). Lohn für seine harte Arbeit war der Siegtreffer gegen Werder. 

Cardoso vs. Micoud
Das Duell der Spielmacher endete auch in den direkten Zweikämpfen unentschieden (beide gewannen jeweils zwei Duelle gegen den anderen). Beide "Köpfe" ihrer Mannschaft konnten das Spiel nicht an sich reißen und traten für ihre Verhältnisse kaum in Erscheinung. Cardoso hatte zwar trotz seiner Auswechselung die meisten Ballkontakte aller Akteure (73, Micoud 51). Micoud (53 Prozent der Duelle gewonnen) war dafür im Zweikampf stärker als der Argentinier, der nur 44 Prozent seiner Duelle für sich entschied. 

Hoogma war eine Bank
Nico Jan Hoogma machte in der Abwehr der Hamburger ein tolles Spiel und ließ dem Angriff um Top-Torjäger Ailton (14 Tore) kaum eine Chance. Hoogma rettete oft in brenzligen Situationen und war zweikampfstärkster Spieler der Partie (69 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen). Der Holländer war mitverantwortlich dafür, dass Ailton in 90 Minuten nur einen Torschuss abgab. 
 
Trainer Kurt Jara (Hamburger SV):
"Wir haben hinten sicher gestanden und die Räume gut eng gemacht. Mit der nötigen Geduld haben wir vorne auf unsere Chance gelauert. Ein schönes Tor von Barbarez."    

Trainer Thomas Schaaf (Werder Bremen): 
"Wir haben heute leider versäumt, unsere Möglichkeiten zu nutzen. Der HSV hat dies heute ein wenig besser gemacht. Es war insgesamt ein sehr unruhiges Spiel von beiden Teams."  

Topspieler: Sergej Barbarez (Hamburger SV)
Der Bosnier war der entscheidende Mann der Partie. Fünf Torschüsse gab Barbarez ab (die meisten der Partie), ein Mal traf er dabei ins Schwarze – das "goldene" Tor der Partie. Und was für eines! Nach Vorarbeit Mahdavikias, der mit neun Torvorlagen übrigens bester Vorbereiter der Liga ist, tanzte der HSV-Stürmer erst Verlaat aus und suchte sich dann in aller Seelenruhe die Ecke aus. Abgezockt, clever und nervenstark präsentierte sich der Bosnier.  

Spielwertung: 1 Ball ( von 4)
 
Kommentar:
Werder Bremen war vor der Partie Tabellenzweiter. Nach dem 0:1 beim Hamburger SV ging's runter auf Platz drei. Damit hat Werder die schlechteste Auswärtsbilanz aller Topteams: Nur eins von fünf Spielen in der Fremde wurde gewonnen. Für ein Spitzenteam eindeutig zu wenig. Denn ohne Arbeit gibt's keine Punkte. Nach dem 0:1 spürte man bei den Bremern nämlich kein wirkliches Aufbäumen. Nur zwei Torschüsse nach dem HSV-Treffer – damit kann man ein Spiel nun wahrlich nicht mehr drehen. Daran muss man in Bremen arbeiten. Sonst droht ein ähnlich unsanftes Erwachen wie nach der Winterpause der Vorsaison. Zu Beginn des Jahres 2002 verspielte Werder seine gute Ausgangsposition durch drei Niederlagen in Folge. 
Markus Schmidt  
 
Taktik:
HSV: 
Pieckenhagen im Tor. Viererkette mit Fukal, Hoogma, Ujfalusi und Hollerbach. Im defensiven Mittelfeld agierten Benjamin und Maltritz. Im offensiven Mittelfeld zog Cardoso die Fäden. Im Sturm wirbelten auf links Barbarez, rechts Mahdavikia und zentral Takahara.

Bremen: 
Borel im Tor. Davor eine Viererkette mit Skripnik, Kristajic, Verlaat und Stalteri. Defensiv sicherten Ernst und Tjikuzu ab. Die Spielmacherrolle teilten sich Micoud und Lisztes. Im Sturm spielten Ailton und Daun. 


 
kicker:

Spielbericht 
  
Der Hamburger SV ging im Vergleich zum 2:2 am vergangenen Wochenende in Hannover nur mit einer Umstellung in diese Partie. Cardoso kehrte wieder in die Anfangsformation zurück. Für ihn musste Antar weichen. Werder-Coach Thomas Schaaf veränderte sein Team gegenüber dem 2:2 gegen Bielefeld auf drei Positionen. Kristajic ersetzte den gelb-gesperrten Baumann, Banovic und Borowski wichen für Tjikuzu und Lisztes.

Beide Mannschaften fanden kurz nach dem Anpfiff jeweils ihre erste gute Möglichkeit vor. Takahara wurde nach drei Minuten von Ujfalusi freisgespielt und verlangte Borel mit seiner gefährlichen Hereingabe sein ganzes Können ab (4.). Auf der anderen Seite hatte Pieckenhagen bei einem Daun-Schuss Glück. Nach einem Zuspiel von Ailton zog der Youngster ab und der Pfosten rettete für den HSV-Keeper (5.). In einer in der ersten halben Stunde zerfahrenen Partie lieferten sich beide Teams harte Duelle im Mittelfeld. Häufig geriet der Spielfluss dadurch ins Stocken, Kombinationen über mehrere Stationen waren Seltenheit.

Die beste Gelegenheit für die Heimischen hatte Hollerbach mit einem Distanzschuss in der 34. Minute. Der Routinier zog von der linken Seite ab und die Latte rettete für den geschlagenen Borel. Bremens Lebenszeichen war eine Minute vorher zu betrachten, als es Daun mit einem Heber gegen den vor dem Gehäuse postierten Pieckenhagen versuchte. Doch der etwas zu hoch angesetzte Ball senkte sich erst hinter dem Kasten. Eine kampfbetonte erste Halbzeit mit wenig spielerischen Glanzlichtern ging somit torlos zu Ende.

Nach dem Seitenwechsel bot sich den 45 000 in der AOL-Arena ein unverändertes Bild. Deshalb fiel die Führung für die Hamburger wie aus dem Nichts: Ein hoher Ball von Mahdavikia auf den Bosnier, Verlaat brachte den Ball nicht weg und Barbarez schlenzte aus 16 Metern in die linke untere Ecke (55.). Bei Bremen ging auch nach dem Gegentreffer in der Offensive wenig zusammen. Micoud wurde von Benjamin neutralisiert, die Hamburger Abwehr stand dank des guten Defensiverhaltens von Hollerbach, Benjamin und Hoogma sicher.

In der Folge hatte der HSV mehr vom Spiel und auch die klareren Torchancen durch Barbarez, der an jeder gefährlichen Aktion in Bremer Strafraumnähe beteiligt war. Bei der besten Möglichkeit nach dem 1:0 musste Verlaat einen Heber des Angreifers auf der Linie klären, nachdem Takahara die Kopfballchance knapp verpasste (84.). Trotz der Einwechslungen der Offensivkräfte Chariteas und Klasnic vermochten es die Bremer nicht noch einmal zuzusetzen und Chancen auf den Ausgleich zu kreieren.

Der Hamburger SV bleibt mit diesem 1:0-Erfolg auch im neunten Spiel in Serie ungeschlagen. Damit rangiert die Mannschaft von Trainer Kurt Jara nun auf dem sechsten Tabellenplatz, drei Zähler hinter dem FC Schalke 04. Der SV Werder Bremen konnte mit dieser Niederlage den zweiten Rang nicht verteidigen. Der Start in die Rückrunde verlief mit nur einem Punkt aus den ersten beiden Spielen alles andere als wunschgemäß für die Bremer.

Spielereignisse im Detail 
 
Schlusspfiff 
 
84     Turbulente Szenen vor dem Bremer Strafraum. Barbarez lupft nach Zuspiel von Mahdavikia über den herausgelaufenen Borel. Takahara kommt um Zentimeter nicht an den Kopfball und Verlaat kann auf der Linie klären. 
 
81     Wieder ist Barbarez an einer Torchance des HSV beteiligt. Seinen Schuss aus 15 Metern kann Borel im Nachfassen festhalten. 
 
79     Mahdavikia verlängert einen Abschlag von Pieckenhagen per Kopf auf Takahara. Eine gefühlvolle Flanke der Nummer 32 auf Barbarez, die Verlaat gerade noch entschärfen kann. 
 
71     Eine Ecke von Ailton findet Kristajic der zum Kopfball hochsteigt und mit seinem Versuch nur knapp die linke Ecke verfehlt. 
 
64     Nächste gute Szene der Gastgeber. Barbarez setzt Mahdavikia ein und bekommt den Ball an der Strafraumgrenze wieder. Statt zu schießen will der Bosnier auf Takahara legen, doch Stalteri spritzt im letzten Moment dazwischen. 
 
56     Barbarez nutzt seine erste Möglichkeit zur Hamburger Führung. Ein hoher Ball von Mahdavikia auf den Bosnier, Verlaat bringt den Ball nicht weg und Barbarez schlenzt aus 16 Metern in die linke untere Ecke. 
 
50     Micoud setzt mit einem Zuspiel auf rechts Ailton ein. Der Brasilianer zieht auf Pieckenhagen, kann den Keeper aber aus spitzem Winkel nicht bezwingen. 
 
 Anpfiff 2. Halbzeit 
 
 Halbzeit 
 
45     Bremen jetzt noch einmal in der Offensive. Daun kann eine Hereingabe von Ailton nicht auf den Kasten befördern. 
 
34     Die beste Gelegenheit für den HSV bisher. Hollerbach fasst sich ein Herz und zieht aus der Distanz von der linken Seite einmal ab. Der Ball wird immer länger und prallt von der Latte zurück. 
 
33     Markus Daun sieht Pieckenhagen vor seinem Kasten postiert und versucht es aus rund 30 Metern mit einem Heber. Knapp segelt der Ball über die Querlatte ins Toraus. 
 
27     Hollerbach erkämpft sich auf der linken Seite den Ball und legt auf Barbarez. Seine Flanke findet Benjamin zehn Meter vor Borel. Benjamin nimmt das Leder volley, zielt aber rechts am Gehäuse vorbei. 
 
19     Freistoß für den HSV, von Cardoso hoch in den Strafraum gezirkelt. Takahara kommt etwas zu spät und die Bremer Abwehr kann klären. 
 
10     Barbarez leitet im Strafraum mit Kopf zu Takahara weiter. Der Neuzugang befindet sich in aussichtsreicher Schussposition, bekommt den Ball aber in die Hand und Schiedsrichter Jansen pfeift diese Aktion ab. 
 
5     Pfostenschuss des SV Werder! Ailton spielt durch die Lücke auf Daun und lässt dabei drei Hamburger alt aussehen. Der Youngster zieht ab, trifft aber nur Aluminium. Glück für den HSV. 
 
4     Erste gefährliche Aktion in dieser Begegnung. Ujfalusi spielt steil auf Takahara. Die Hereingabe des Japaners kann Borel gerade noch abwehren. 
 
1     Anpfiff in der AOL-Arena beim Nordderby zwischen dem HSV und Werder Bremen. Das Hinspiel in Bremen endete 2:1 für die Schaaf-Elf. 
 
Anpfiff 


 
dpa meldet: HSV stoppt lahme Bremer 1:0

Von Britta Körber, dpa
Hamburg (dpa) - Der Hamburger SV hat seinem neuen Vereinschef Bernd Hoffmann ein kostbares Antrittsgeschenk gemacht und Bayern- Vorfolger Werder Bremen einen herben Dämpfer verpasst. Sergej Barbarez sicherte dem Team aus der Elbmetropole in der 78. Auflage des norddeutschen Bundesliga-Klassikers mit seinem fünften Saisontreffer den 1:0 (0:0)-Erfolg. 

Vor 46 742 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften AOL-Arena wurde ein dummer Fehler Werders damit bitter bestraft. Denn dem Tor in der 55. Minute ging ein Schnitzer von Abwehrchef Frank Verlaat voraus.

«Nun sind wir auch gegen Bayern nicht chancenlos», freute sich Hamburgs Trainer Kurt Jara über eine zusätzliche Dosis Selbstvertrauen vor der Reise zum Bundesliga-Spitzenreiter am nächsten Wochenende. Unter seiner Regie ist der Club jetzt neun Spiele in Serie unbesiegt. Jara sah einen verdienten Erfolg seiner Mannschaft gegen die Bremer: «Ich habe keine Gefahr eines Last- Minute-Tores gesehen. Wir haben sehr kompakt gespielt.»

Im interessanten und brisanten, aber kaum hochklassigen Nordderby verlor die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf nach zuvor sechs Spielen ohne Niederlage erstmals. Mit neun Punkten Rückstand ist wohl auch der Traum dahin, Bayern München im Meisterschaftskampf Paroli bieten zu können. Das Barbarez-Tor brachte dem HSV nach zuletzt verschenkten Heimsiegen gegen Bochum und Cottbus dagegen endlich einen «Big Point» und den im Kampf um eine Europacup-Qualifikation aussichtsreichen sechsten Tabellenplatz.

Bremen bot nur in den ersten 20 Minuten - vor allem durch eine disziplinierte und konzentrierte Defensive - eine angemessene Leistung. In der Offensive wurden die Gäste mit ihren Konter- Versuchen aber nur sehr sporadisch gefährlich, die Kreativ-Abteilung um Johan Micoud und «Torfabrik» Ailton (14 Saisontreffer) blieben vieles schuldig. Der HSV erspielte sich im Verlauf der ersten Halbzeit ein optisches Übergewicht, dass nach der Pause eher zunahm. Nach einer teils zerfahrenen ersten Halbzeit ohne großen Spielfluss steigerten sich die engagierten Hamburger weiter und waren einem zweiten Tor mehrfach näher als die zunehmen enttäuschenden Bremer dem Ausgleich.

«Das 1:0 für den HSV war ein bisschen glücklich», ärgerte sich Verlaat. Nach einer Flanke von Mehdi Mahdavikia war dem Niederländer der Ball vom Fuß gesprungen. Barbarez dankte. Zur Leistung Werders meinte er enttäuscht: «Wir haben schon in der ersten Halbzeit ziemlich chaotisch gespielt und waren unsicher.»

Einzelaktionen sorgten vor beiden Toren für die größten Gefahrenmomente. Die Bremer, bei denen Mladen Krstajic für Kapitän Frank Baumann (Gelb-Sperre) ins Team rückte, setzten in der 5. Minute ihren praktisch einzigen Akzent. Nach feinem Zuspiel von Ailton scheiterte Markus Daun am Pfosten. Die spektakulärste Szene vor dem Pausentee lieferte HSV-Recke Bernd Hollerbach in der 34. Minute mit einem Gewaltschuss aus rund 25 Metern an die Latte des Werder-Tores.

Die Heimpremiere des Japan-Imports Takahara verlief bei den Gastgebern insgesamt durchwachsen. Einigen guten Ansätzen folgte in der 84. Minute eine gute Chance zu seinem ersten Tor. Auch Barbarez (78.) hätte leicht für den zweiten Treffer und klarere Verhältnisse im Fußball-Norden sorgen können.