Bundesliga 2002/2003, 21. Spieltag, Samstag, 15.02.03 in der Hamburger AOLArena bei ?Grad C (Potzblitz, ich habe gar nicht einmal auf die Temperaturanzeige geschaut...;-) Ich denke, es wird so um den Gefrierpunkt gewesen sein. Es war kalt und klar).

Hamburger SV - VfL Wolfsburg 2:0 (1:0)

Erstmals sitze ich in meinem eigenen Auto auf dem Rücksitz nach einem HSV-Spiel. Wenn man allein sitzt ganz gemütlich. Zu zweit wüßte ich allerdings auch nicht, wo ich meine Füße hinstellen sollte. Hinten sitze ich übrigens nur, weil ich meinen Fuß hochlegen wollte. Ich armes Hascherl wurde nämlich Freitag vor einer Woche am rechten großen Zeh operiert. Aua! Das Spiel hat der Fuß aber ganz gut verkraftet, obwohl ich heute immerhin erstmals wieder in einem Schuh war seit der OP.

Das Spiel hat mir nicht die Schuhe ausgezogen; allerdings fand ich es spielerisch doch deutlich besser als die letzten HSV-Spiele. Der HSV war das ganze Spiel über hochüberlegen. Wir spielten ständig nach vorne, während ich mich nicht erinnern könnte, daß Pieckenhagen in der ersten Halbzeit überhaupt einen Ball halten mußte. 

Schon früh fing das Hauen und Stechen zwischen Hollerbach und Ponte los, wobei Hollerbach zumeist foulte und Ponte sich allerdings ziemlich darüber aufregte. Das ganze fand dann seinen Höhepunkt in einer Szene, in der Ponte die rote Karte sah und Hollerbach gelb bekam. Ich habe die Szene allerdings erst ab dem Moment gesehen, als Hollerbach bereits auf dem Boden lag. Der Schiri zog sofort rot und nach Diskussionen mit beiden! Linienrichtern bekam auch Holler noch gelb. Ponte soll wohl gegen Holler nachgetreten haben. Ich weiß es nicht, ohne die TV-Bilder gesehen zu haben.

Von da an fiel es natürlich noch etwas leichter, gegen die ohnehin alles andere als starken Wölfe zu agieren und so konnte der HSV (wie man so schön sagt) zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt vor der Pause noch das Führungstor zum 1:0 erzielen konnten. Vollkommen typisch, daß die Vorlage einmal mehr durch Mehdi Mahdavikia gegeben wurde. Vollkommen a-typisch allerdings, daß Cardoso dann ein Kopfballtor machte. Davon hat er gewiß noch nicht all zu viele erzielt. Es war ein richtig schöner Schlenzer ins lange Eck.

So gingen wir dann mit einer verdienten 1:0-Führung in die Pause.

Die zweite Halbzeit wurde schon teilweise so, wie man es erwarten konnte. Aber eben auch nur teilweise. Der HSV bekam (auch durch die numerische Überlegenheit) eine ganze Reihe gute und beste Chancen. Aber die wurden, teilweise geradezu stümperhaft, vergeben. Neben einer wirklich großem Menge an guten Chancen fallen mir mindestens drei Chancen ein, die man nur als100 %ig bezeichnen kann.
Den „Auftakt“ machte Cardoso. Nach einer Flanke von rechts legte Barbarez den Ball in der Mitte noch einmal mit dem Kopf ab und Cardoso stand wirklich vollkommen allein vor dem halbleeren Tor (TW auf der anderen Seite des Tores). Und er schaffte es tatsächlich den Ball per Aufsetzer über das Tor zu bugsieren.

Doch es wurde noch doller. Die nächste 100 %ige vergab Barbarez. Er bekam den Ball wiederrum von rechts zugespielt und lief aus ca. 20 m vollkommen allein auf das Tor zu. Anstatt Reitmaier zu umkurven (was gerade Barbarez gewiß kann), schoß er ihn an.... unglaublich.

Und dann reihte sich auch noch der eingewechselte Erik Meijer in die Gilde ein. Reitmaier wurde bei einer Rückgabe bedrängt und erwischt den Ball nicht richtig. Der flog genau zu Erik auf den Fuss und der hielt den Fuß so schlecht in den strammen Schuß rein, daß der Ball nicht ins Tor sondern darüber hinweg flog.

Spätestens jetzt war das Publikum doch etwas aufgebracht, zumal man die Wolfsburger nun doch wieder kommen ließ. Dabei dezimierten die sich weiter und verloren auch noch Maric durch gelb-rot.

Schließlich sollte das schon nicht mehr für möglich gehaltene 2:0 aber doch noch fallen. Reitmaier war bei einem der letzten Freistöße Wolfsburg mit nach vorne gegangen. Der HSV konnte den Ball abfangen und paßte diesmal endlich rechtzeitig zum durchstartenden Benjamin. Der lief ab kurz hinter der Mittellinie ganz allein, stoppte den Ball kurz und schoß ihn schließlich ins leere Tor. Erlösung.

Ich hätte wirklich nicht mehr damit gerechnet und es hätte mich auch nicht gewundert, wenn wir uns noch den Ausgleich gefangen hätten. Ich hätte das aber schon als ungerecht empfunden. Natürlich hätte man zu Recht sagen können, daß man oft dafür bestraft wird, wenn man seine Chancen nicht nutzt. Aber Wolfsburg hat sich in meinen Augen einfach viel zu wenig bemüht. Und das nicht erst als sie nur noch zu zehnt waren. Schon vorher war überhaupt nichts davon zu sehen, daß die auch in den UEFA-CUP wollen und dann bei uns ja eigentlich etwas erreichen müßten.

Obwohl es sehr nervig war, daß wir nicht frühzeitig das beruhigende 2:0 erzielten, war ich spielerisch heute eigentlich wesentlich zufriedener als mit den letzten Spielen, denn zumindest erspielten wir uns mal wieder eine ganze Menge Chancen. Nur muß eben die Chancenverwertung minimal verbessert werden ;-)

Wolfsburg konnte wir jedenfalls zunächst mal etwas abschütteln und auch die anderen Partien liefen ganz positiv für den HSV. So sind wir zwar 6. und damit nicht auf einem sicheren UEFA-CUP-Platz, aber andererseits sind wir auch nur noch 6 Punkte vom zweiten und drei Punkte vom dritten Platz erntfernt.

Natürlich ist jedes Spiel in der Bundesliga wichtig, aber für die nächsten gilt das beim HSV mal wieder ganz besonders. Die kommenden Wochen warten mit schweren Aufgaben in Lautern, zu Hause gegen Hertha und in Stuttgart auf uns. Wenn wir danach immer noch ungeschlagen sein sollten, können wir wohl mehr als zufrieden sein.

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: hatte keine wirklich gefährlichen Szenen zu meistern: Note 3

Hoogma: die Abwehr stand kaum unter Druck: Note 3

Ujfalusi: siehe Hoogma: Note 3

Fukal: nachdem Petrov ausgeweschelt wurde, hatte er noch freieres Feld nach vorne. Er nutzt das allerdings nicht immer sehr geschickt: Note 2-

Hollerbach: Ich fürchtete ja eher, daß er sich irgendwann gelb und dann rot abholen würde gegen den dribbelstarken Ponte, aber er bekam es ja hin, daß Ponte sich zu irgendwas hinreißen ließ. Wobei Ponte sich nach dem Platzverweis dermaßen aufregte und auf Holler los wollte, daß man vielleicht annehmen kann, daß Holler da nicht ganz unbeteiligt war: Note 3

Benjamin: war heute sehr unauffällig, obwohl er dann noch das zweite Tor erzielen konnte: Note 3-

Maltritz: mit seiner Leistung komme ich einfach nicht klar. Er mag ja defensiv zweikampfstark sein, aber in einem Spiel wie heute, in dem der HSV kaum defensiv und oft offfensiv agierte, bemerkt man sehr deutlich seine offensiven Schwächen. Da er zentral spielt, kommt der Ball oft zu ihm, aber es dauert dann einfach viel zu lange, bis er sich überlegt hat, was er damit anfangen soll. Und dann kommen die Pässe auch viel zu oft zu ungenau. Wenn die Rechfertigung für seine Einsätze tatsächlich ist, daß wir mit ihm ohne Niederlage geblieben sind, könnte ich allerdings damit leben, daß er bis zum Saisonende jedes Spiel macht.. ;-) Note 4-

Cardoso: war heute als Spielgestalter wieder nicht sehr auffällig, aber konnte das wichtigste Tor machen: Note 3-

Mahdavikia: An fast allen guten Szenen beteiligt und erneut ein Tor vorbereitet. Das ist schon fast unheimlich. Trotzdem hätte er heute einige Vorlagen noch etwas geschickter geben können: Note 2

Barbarez: Auch von ihm gingen viele guten Szenen aus. Dafür verdaddelte er hinten einige male etwas pomadig den Ball und hätte das 2:0 machen müssen: Note 3

Takahara: gefiel mir heute sehr gut. Nur im Abschluß wirkt er öfter mal überhastet: Note 2-

Schiri: Ob die Platzverweise für Wolfsburg berechtigt waren, kann ich schlecht beurteilen. Aber zumindest seine übrigen Entscheidungen fand ich mehrfach seltsam. Interessant übrigens ein Interview mit Maric nach Spielschluß. Der meinte, daß der Schiri das Spiel entschieden hätte und führte u.a. als Argument an, daß die Schiris in HSV-Farbe (blau) aufgelaufen sei und das man doch wohl erwarten könnte, daß sie in schwarz auflaufen..... Note 4

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 
TORE  
1:0 Rodolfo Esteban Cardoso (39.)
2:0 Collin Benjamin (90.)
 
GELBE KARTEN  
Hamburger SV:
Marcel Maltritz (10.) 
Bernd Hollerbach (37.) 

VfL Wolfsburg:
Tomislav Maric (30.)
Stefan Schnoor (84.)
Stefan Effenberg (86.)
 
PLATZVERWEISE  
Hamburger SV: -    
VfL Wolfsburg:
Karte rot für Robson Ponte (36.)
Karte gelb/rot für Tomislav Maric (89.)
 
SCHIEDSRICHTER :  Thorsten Kinhöfer  
ZUSCHAUER :  34,057 
DATUM :  15.02.03   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Nico Jan Hoogma, Milan Fukal, Tomas Ujfalusi, Marcel Maltritz, Sergej Barbarez, Naohiro Takahara, Collin Benjamin, Bernd Hollerbach, Rodolfo Esteban Cardoso, Mehdi Mahdavikia

VfL Wolfsburg: Claus Reitmaier, Maik Franz, Pablo Thiam, Patrick Weiser, Stefan Schnoor, Dorinel Munteanu, Robson Ponte, Stefan Effenberg, Hans Sarpei, Tomislav Maric, Martin Petrov
 
WECHSEL 
Hamburger SV:
Erik Meijer für Rodolfo Esteban Cardoso (77.)
Raphael Wicky für Sergej Barbarez (87.)

VfL Wolfsburg:
Miroslav Karhan für Martin Petrov (42.)
Peter Madsen für Pablo Thiam (63.)
Roy Präger für Dorinel Munteanu (63.)
 

Hamburgs Cardoso mit Köpfchen Sieger gegen Effenberg  
39. Minute in der Hamburger AOL-Arena: Flanke Mehdi Mahdavikia, Kopfball Rodolfo Cardoso - Tor, 1:0-Führung für den Hamburger SV. Während Cardoso mit seinen Mannschaftkameraden seinen ersten Kopfballtreffer nach sechs (!) Jahren feierte, schüttelte Wolfsburgs Spielmacher Stefan Effenberg nur den Kopf.
"Das war eine Super-Flanke von Mehdi. Da musste ich nur noch den Kopf hinhalten und der Ball war drin. Das war toll, mal wieder ein Kopfballtor", sagte Cardoso nach der Partie überglücklich.  
Und auch in der Folgezeit des Nord-Derbys fast immer das gleiche Bild im "Duell der Spielmacher": Hier Cardoso, der aktuelle HSV-Spielgestalter, zweikampfstark und ideenreich; dort Stefan Effenberg, müde, ohne Esprit, von den HSV-Anhängern bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen.
Die Wechselgerüchte um den ehemaligen Münchener lähmten offensichtlich das "Objekt der Begierde", Cardoso hingegen beflügelten sie. "Ich persönlich finde, dass Rodolfo auf seiner Position einer der besten Spieler auf dieser Position ist und ich wünsche ihm, dass er gesund bleibt und weiterhin für uns spielt", meinte Bernd Hollerbach.

Cardoso stellte Effenberg in den Schatten
Und weitere Zahlen sprachen für sich: Cardoso hatte fast doppelt so viele Ballkontake wie Effenberg, obwohl der Argentinier in der 77. Minute ausgewechselt wurde. Nach dem 2:0 gegen Wolfsburg ist der HSV jetzt seit elf Spielen unbesiegt, verlor seit der Rückkehr des Spielmachers kein Spiel mehr. Wolfsburg dagegen bestätigte die Auswärtsschwäche, kassierte im zehnten Auswärtsspiel die siebte Pleite - mit Effenberg.
Die Folge: Der Hamburger SV steht auf Rang sechs und hat Tuchfühlung auf einen Uefa-Cup-Platz. Die Wolfsburger rutschten auf Platz elf, das Saisonziel internationaler Wettbewerb rückt in weite Ferne.

Ponte sah die Rote Karte
Hollerbach und der Wolfsburger Robson Ponte sorgten im Derby für den ersten Höhepunkt. Nach einem Gerangel zwischen beiden schlug Ponte zu und sah von Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer die Rote Karte (36. Minute).
"Manchmal ist es gut, sich aus der Schusslinie zu nehmen", so Wolf und schnallte sich kurz nach Spielschluss einen "imaginären Maulkorb" um. "Die Rote Karte war der Knackpunkt, aber ich bin der Meinung, dass beide hätten Rot kriegen müssen."

Minuskulisse in der AOL-Arena
"Trotzdem haben wir in der ersten Halbzeit schlecht gespielt", sagte Wolf weiter und lag damit richtig. Unsicher in der Viererabwehrkette, ohne Ideen im Mittelfeld und ein laues "Lüftchen" im Sturm - so präsentierten sich die Wölfe vor der Saison-Negativkulisse von 34.057 Zuschauern in Hamburg.
Mit zunehmender Spieldauer ließen die Gastgeber jedoch - trotz Überzahl - nach, waren nicht mehr so zwingend in der Vorwärtsbewegung und unkonzentriert in den Abspielen.

Wolfsburg zuletzt mit acht Mann
"In Unterzahl in der zweiten Hälfte haben wir es sehr ordentlich gemacht", sagte Wolf, zeigte sich zumindest mit dieser Leistung zufrieden. "Mit zehn Mann war es sehr schwierig. Wir wollten nach dem Platzverweis möglichst lange das 0:1 halten und dann mit einem Konter zumindest den Ausgleich machen. Das ist uns nicht gelungen", meinte VfL-Keeper Claus Reitmaier.
Für Aufregung sorgte die hektische Schlussphase: In den letzten sechs Minuten spielte Wolfsburg zunächst nur noch mit neun Mann, nachdem Maik Franz verletzt vom Platz musste und das Auswechselkontingent ausgeschöpft war. In der Nachspielzeit waren es nur noch acht, weil Tomislav Maric nach wiederholtem Foulspiel die Ampelkarte sah (89.).

Benjamin gelang das 2:0
Und mit der Schlussminute nutzte schließlich der starke Hamburger Collin Benjamin eine Kontermöglichkeit zum 2:0-Siegtreffer.
"Das war ein sehr wichtiger Sieg für uns gegen einen direkten Konkurrenten. Wir haben 70 Minuten hervorragend gespielt, den Wolfsburgern keine Chancen gelassen und selbst viele Gelegenheiten herausgearbeitet", sagte HSV-Trainer Kurt Jara zufrieden.
Dabei wird dem Österreicher sicherlich auch nicht entgangen sein, wer seine Mannschaft wieder einmal auf die Siegerstraße brachte. Und: Dieser Auftritt war alles andere als ein positives Bewerbungsschreiben von Effenberg...
 

Fakten:
Hamburg weiter ungeschlagen
Seit elf Spielen ist der HSV ohne Niederlage und nimmt Kurs auf die Plätze, die europäischen Fußball garantieren. 

Wolfsburg zu auswärtsschwach
Wolfsburg kassierte schon die siebte Auswärtsniederlage. Einzig Mönchengladbach ging in der Fremde öfter als Verlierer vom Platz. Ganze acht Tore erzielten die "Wölfe" auswärts, dies wird ebenfalls nur von der Borussia aus Mönchengladbach unterboten. 

Cardoso mag Wolfsburg
Gegen den VfL Wolfsburg trifft Cardoso wie er will - es war sein sechstes Tor im siebten Spiel gegen den VfL. Erstmals seit auf den Tag genau sechs Jahren (15.2.97) traf der Argentinier wieder mit dem Kopf. 

Mahdavikia on the run
Im 13. Saisonspiel die elfte Torvorlage des Iraners - einsame Ligaspitze. Erstmals bereitete der Iraner elf Treffer in einer Saison vor. 

Schlaglichter:
Spannung gegen neun Wolfsburger
In der ersten Spielhälfte dominierte der Hamburger SV die Gäste ganz klar. Kurt Jaras Mannschaft gab mehr als doppelt so viele Torschüsse ab wie der VfL (7:3), Martin Pieckenhagen musste vor der Pause keinen einzigen Torschuss abwehren. In der zweiten Spielhälfte ließen die Hamburger den Wolfsburgern, die gegen Ende nach zwei Platzverweisen nur noch mit neun Mann agierten viel zu viele Freiheiten. Trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit gab der VfL nach der Pause doppelt so viele Torschüsse ab wie vor dem Wechsel und hielt die Partie sehr lange offen. 

Hoogma steht wie ein Turm
Nico Jan Hoogma (Note 7,5) gab der Hamburger Abwehr die nötige Stabilität und nahm Wolfsburgs Spitze Tomislav Maric fast komplett aus der Partie. Hoogma war bester Zweikämpfer in der Viererkette der Hamburger (71 Prozent gewonnen) und gewann neun von zehn Duellen gegen Tomislav Maric. 

Cardoso setzte sich glänzend in Szene
Rodolfo Cardoso (Note 8,6) war der Spieler der Partie, setzte Glanzlichter wo er nur konnte und zeigte sich ungewöhnlich durchsetzungsstark im Zweikampf. Der Argentinier war einmal mehr die zentrale Figur in der Hamburger Offensive und war an fünf Torschüssen beteiligt. Überraschend war seine tolle Zweikampfbilanz. Gegen den VfL war er der beste Hamburger im Duell gegen den Mann (73 Prozent gewonnen) und krönte seine gute Leistung mit dem Führungstor zum 1:0 – versagte aber, als er völlig frei vor dem Wolfsburger Tor auftauchte . 

Effenberg kommt schwer in die Partie
Wie der gesamte VfL, war Stefan Effenberg (Note 5,4) in der ersten Spielhälfte gegen den HSV ein Totalausfall. Der "Tiger" verbuchte in seiner Heimat vor dem Seitenwechsel nicht eine einzige Torschussbeteiligung. In der zweiten Spielhälfte riss er das Ruder wieder an sich und war an fünf der sechs VfL-Torschüsse beteiligt. Im Vergleich mit Cardoso zog Effenberg aber deutlich den Kürzeren. 

Der Teppich hebt wieder ab
Glänzend legte Mehdi Mahdavikia (Note 8,9) das Führungstor von Rodolfo Cardoso auf und wirbelte die Abwehr der Wolfsburger durcheinander. Der Iraner war an der Hälfte der Hamburger Torschüsse beteiligt (acht von 16), gab die meisten Torschüsse ab (vier) und legte am häufigsten einen Torschuss für einen Mitspieler auf (vier Mal). 
 
Trainer Kurt Jara (Hamburger SV):
"Das war ein sehr wichtiger Sieg für uns gegen einen direkten Konkurrenten. Wir haben 70 Minuten hervorragend gespielt, den Wolfsburgern keine Chancen gelassen und selbst viele Gelegenheiten herausgearbeitet. Leider haben wir nicht das 2:0 gemacht. Dadurch gab es irgendwann einen Bruch und wir sind in Unordnung geraten. Außer den letzten 15 Minuten können wir sehr zufrieden sein."    
 
Trainer Wolfgang Wolf (VfL Wolfsburg):
"Wir haben gewusst, was heute auf uns zukommt. Wir wollten kämpferisch dagegen halten. Leider hat sich Ponte von Hollerbach provozieren lassen. Die Rote Karte war der Knackpunkt, aber ich bin der Meinung, dass beide hätten Rot kriegen müssen. Trotzdem haben wir in der ersten Halbzeit schlecht gespielt, in Unterzahl in der zweiten Hälfte haben wir es dagegen dann sehr ordentlich gemacht."  

Topspieler: Rodolfo Cardoso (Hamburger SV)
Das "Duell der Regisseure" gegen Stefan Effenberg entschied Rodolfo Cardoso eindeutig für sich. Während Stefan Effenberg - angesichts der Wechselgerüchte an die Elbe - von den HSV-Fans gnadenlos ausgepfiffen, über die gesamte Spielzeit enttäuschte, zog Cardoso bei den Hanseaten glänzend Regie. Im direkten vergleich hatte Cardoso fast doppelt so viele Ballkontakte wie "Effe" - und das trotz seiner Auswechslung. Zudem gelang ihm sein sechstes Tor im siebten Spiel gegen den VfL; und das ausgerechnet mit dem Kopf - das gab es zuletzt vor sechs Jahren. Zudem war er mit 73 Prozent zweikampfstärkster Hamburger - eine Klasse-Vorstellung. Sport1-Note: 8,6.  

Spielwertung: 2 Bälle (von 4)
 
Kommentar:
Nach diesem Sieg ist der Hamburger SV mittlerweile seit elf Spielen unbesiegt und schnuppert auf Platz sechs an den Uefa-Cup-Rängen. Dagegen enttäuschten die Wolfsburger auf ganzer Linie und müssen spätestens nach dieser Niederlage einsehen, dass das internationale Geschäft in dieser Saison nicht zu erreichen ist. Mit nur fünf Punkten aus zehn Auswärtspartien hat man dort auch nichts zu suchen. Und trotz Treueschwüre für Wolfgang Wolf wird es auch immer schwerer, dem zum Saisonende scheidenden Coach in der laufenden Runde noch den Job zu garantieren. Dagegen spornten die Wechsel-Gerüchte um Stefan Effenberg den aktuellen HSV-Spielmacher Cardoso offensichtlich an. Er bewies im Nord-Derby seine Klasse und zeigte, dass ein Effenberg nicht benötigt wird.
André Elsner  

Taktik:
Hamburger SV
Hamburg wie gegen den FC Bayern München: Pieckenhagen im Tor. Davor in der Abwehr Hollerbach, Ujfalusi, Hoogma und Fukal (von links). Im defensiven Mittelfeld räumten Benjamin und Maltritz auf. Cardoso als Spielgestalter flankiert von Barbarez links und Mahdavikia rechts. Takahara als Alleinunterhalter im Sturmzentrum.

VfL Wolfsburg
Im Tor Reitmaier. Dann eine Abwehrkette mit Weiser, Schnoor, Franz und Sarpei (links nach rechts). Thiam sicherte davor ab. Im halblinken Mittelfeld Munteanu, halbrechts Ponte. Effenberg in der Kreativzentrale, hinter den Stürmern Maric und Ponte.  


 
kicker:
Spielbericht 
  
Der Hamburger SV spielte mit der gleichen Aufstellung wie beim 1:1 bei Bayern München am vergangenen Sonntag. Erneut besetzten die zuletzt erfolgreichen Mahdavikia, Cardoso, Barbarez und Takahara die Offensivpositionen. Drei Änderungen dagegen auf Seiten des VfL Wolfsburg: Für den gesperrten Rytter (5. Gelbe Karte) spielte im Vergleich zum 2:0-Sieg gegen Bielefeld der Ghanaer Sarpei auf der rechten Abwehrseite. Tobias Rau, der sich am Mittwoch bei seinem Länderspieldebüt gegen Spanien auf Mallorca an der Patellasehne verletzte, wurde durch Weiser ersetzt. Zudem spielte Petrov neben Ponte und Maric im Angriff, während Karhan für den Bulgaren auf der Bank Platz nehmen musste.

Der Hamburger SV startete schwungvoll mit viel Zug zum Tor in die Partie. Vor allem über die durch den verletzungsbedingten Ausfall von Rau geschwächte linke Abwehrseite der Wolf-Schützlinge gelang es den Hanseaten zu Gelegenheiten zu kommen. Mahdavikia und Takahara hatten Chancen in der Anfangsviertelstunde, ehe die Begegnung etwas verflachte, weil Wolfsburg die Hamburger etwas besser in den Griff bekam. Dennoch gelang es den „Wölfen“ nicht, zu nennenswerten eigenen Gelegenheiten zu kommen. Vielleicht war auch die Frustration hierüber der Grund, warum einige Wolfsburger Spieler Mitte der ersten Hälfte unnötig emotional wurden. Erst sah Maric die 5. Gelbe Karte, dann erhielt Ponte sogar wenig später Rot von Schiedsrichter Kinhöfer, weil er Hollerbach von hinten rüde umgestoßen hatte (36.). Allerdings hatte der Hamburger dies auch mit einem Ellbogen-Check provoziert, wofür er die Gelbe Karte bekam. Zu allem Überfluss aus Sicht des VfL ging der HSV dann auch noch in Führung. Wieder einmal setzte sich Mahdavikia auf der rechten Seite durch und flankte maßgenau auf den Kopf von Cardoso, der über Reitmaier hinweg zur verdienten Halbzeitführung einnetzte (39.). 

Die zweite Hälfte begann mit zwei Gelegenheiten für die Jara-Schützlinge. Zunächst hätte Maltritz einen Kopfball von Fukal beinahe noch in die Maschen lenken können, dann vergab Cardoso – ganz allein fünf Meter vor Reitmaier – die Riesenmöglichkeit zum 2:0, weil er den Ball unerklärlicherweise ohne gegnerische Einwirkung nicht richtig traf und dieser so am Tor vorbei trudelte. Danach jedoch taten sich die Hanseaten gegen die offensiv desolaten, aber in der Defensive nun gut postierten Niedersachsen schwerer. Zwar hatten diese erst knapp zwanzig Minuten vor Ende der Partie durch Maric und kurz später durch einen Effenberg-Freistoß kleinere Gelegenheiten, dennoch wirkten die Hamburger gegen die dezimierten „Wölfe“ nun fahrig und unsouverän. Der VfL konnte dies aber nicht nutzen, da man zu schwach im Angriff war und am Ende mit nur noch acht Spielern auf dem Feld stand, nachdem Franz mit ausgekugelter Schulter passen musste, das Wechselkontingent erschöpft war und Maric noch Gelb-Rot sah (89.). In der letzten Minute gelang es Benjamin nach Pass von Hollerbach bei einem Konter, den Ball ins leere Tor zum Endstand einzuschieben. Reitmaier war bei einer Standardsituation mit im HSV-Strafraum gewesen und schaffte den Rückweg ins eigene Tor nicht mehr rechtzeitig (90.+1). 

Trotz der Schwächen am Ende war der Sieg des HSV völlig verdient. Während der VfL Wolfsburg in den 90 Minuten keine hochkarätige Torgelegenheit hatte, hätten die Hamburger bereits zur Pause höher als nur mit 1:0 führen müssen. Zu bemängeln ist daher die schwache Torausbeute und die unerklärliche Nervosität in der Schlussphase gegen einen arg dezimierten Gegner. Die Wolf-Schützlinge brachten sich selbst durch Undiszipliniertheiten und fast völlig fehlendes Offensivkonzept auf die Verliererstraße. Ein wenig Pech hatten die Wolfsburger, weil Hollerbachs Provokation gegen Ponte im Gegensatz zu dessen Reaktion nur mit Gelb bedacht wurde und Franz in den letzten zehn Minuten mit Schulterverletzung nicht mehr mitwirken konnte und das Auswechselkontingent bereits erschöpft war. 

Spielereignisse im Detail 
Schlusspfiff 
 
90     Benjamin trifft ins leere VfL-Tor, weil Reitmaier bei einer Standardsituation mit im HSV-Strafraum war und nach schnellem Steilpass von Hollerbach nicht mehr rechtzeitig den Rückweg schaffte. 
 
87     Reitmaier mit einem schlimmen Faux-pas: Er schießt Meijer im Strafraum an, der jedoch zu verblüfft ist, um den Ball im leeren Gehäuse der Wölfe unterzubringen. 
 
81     Barbarez vergibt eine Großchance allein vor Reitmaier, weil er diesen anschließt anstatt ihn zu überlupfen. Der Bosnier war erneut von Mahdavikia mustergültig freigespielt worden. 
 
76     Ein Freistoß von Effenberg fliegt nur knapp einen Meter am linken Pfosten des HSV-Tores vorbei. 
 
71     Maric hat für die offensiv bisher desolaten Wolfsburger eine kleinere Chance. Er prüft Pieckenhagen mit einem Schuss aus gut 15 Metern, der aber keine Abwehrprobleme hat. 
 
63     Der dänische Nationalspieler Peter Madsen kommt durch die Einwechselung für Thiam zu seinem ersten Einsatz in der Bundesliga. 
 
54     Cardoso hat - mutterseelenallein fünf Meter vor Reitmaier - eine Riesenchance. Der Argentinier trifft jedoch unerklärlicherweise das Leder nicht richtig, so dass der Ball am rechten Pfosten vorbei trudelt. 
 
51     Der HSV hat nach Ecke von Mahdavikia die erste Chance der zweiten Hälfte. Der Kopfball von Fukal ging nur um Haaresbreite am rechten Pfosten vorbei, wo Maltritz zudem noch beinahe hätte abstauben können. 
 
 Anpfiff 2. Halbzeit 
 
 Halbzeit 
 
39     Führung für den HSV! Einmal mehr über die rechte Seite kann sich Mahdavikia durchsetzen und präzise in die Mitte flanken. Dort kann Cardoso ungehindert über Reitmaier hinweg zum nicht unverdienten 1:0 einköpfen. 
 
36     Ponte erhält wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte von Schiedsrichter Kinhöfer. Der Italiener stieß Hollerbach rüde von hinten um, nachdem dieser ihn aber mit einem Ellbogen-Check provoziert hatte. 
 
31     Maric erhält nach einer Undiszipliniertheit die 5. Gelbe Karte und fehlt den Wolfsburgern damit nächste Woche gegen 1860 München. 
 
23     Mal wieder eine Gelegenheit für die Jara-Schützlinge. Cardoso trifft jedoch aus halblinker Position im Strafraum nur das Außennetz. 
 
21     Der VfL hat die Hamburger etwas besser in den Griff bekommen. Die Partie ist daher etwas verflacht, da die Wölfe ihrerseits bisher nichts nennenswertes in der Offensive zustande bringen. 
 
11     Wieder Möglichkeit für den HSV. Diesmal kann Benjamin von der rechten Seite nach innen flanken, wo aber Sarpei Takahara gerade noch am Abschluss hindern kann. 
 
6     Tolle Aktion von Mahdavikia! Der Iraner setzte sich gegen passive Wolfsburger am rechten Strafraumrand durch und schlenzt dann überlegt Richtung linker Torwinkel. Reitmaier ist aber auf dem Posten und pariert bravurös. 
 
5     Der HSV startet schwungvoll in die Partie. Nach Flanke von Mahdavikia hat Takahara bereits nach gut zwei Minuten eine kleine Einschusschance. 
 
Anpfiff


 
dpa meldet: 
HSV auch gegen Wolfsburg weiter im Aufwind

Von Volker Gundrum, dpa
 

 
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Hamburg (dpa) - Der Hamburger SV bleibt in der Fußball-Bundesliga weiter auf Erfolgskurs. Mit einem 2:0 (1:0)-Arbeitssieg über den VfL Wolfsburg bauten die Hanseaten ihre Serie aus und blieben zum elften Mal in Folge ungeschlagen. 

«Es war ein wichtiger Sieg», sagte Trainer Kurt Jara, warnte aber vor «allzu großer Euphorie». Viele in Hamburg würden nun schon von der Champions League träumen, dabei gehe es erst einmal darum, den fünften Tabellenplatz zu erreichen und dann auch zu festigen.

Vor der Saison-Negativkulisse von 34 057 Zuschauern in der AOL-Arena erzielte Rodolfo Esteban Cardoso (39.) die Führung im Nordderby. In der Nachspielzeit traf Collin Benjamin gegen nur noch acht Wolfsburger. Wegen einer Tätlichkeit hatte Robson Ponte (36.) die Rote Karte gesehen. Eine Minute vor Schluss musste auch noch Tomislav Maric mit Gelb-Rot gehen. Maik Franz konnte in der Endphase mit ausgekugelter Schulter nicht mehr spielen und auch nicht ersetzt werden, da Wolfsburgs Trainer Wolfgang Wolf sein Auswechselkontingent ausgeschöpft hatte. «Manchmal ist es gut, sich aus der Schusslinie zu nehmen», haderte Wolf, der nach dem Schlusspfiff wutentbrannt auf Tauchstation gegangen war, mit der Leistung von Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer aus Herne.

HSV-Regisseur Cardoso entschied nicht nur wegen seines Treffers das Duell der Spielmacher mit Wolfsburgs Stefan Effenberg zu seinen Gunsten. Die Gäste, die auf den verletzten Jung-Nationalspieler Tobias Rau verzichten mussten, hatten sich die Niederlage allerdings selbst zuzuschreiben. Als Ponte im Blickfeld des Schiedsrichters den Hamburger Bernd Hollerbach mit einem Catcher-Griff zu Boden riss, waren sie entscheidend geschwächt. «Das war die Schlüsselszene», sagte Wolf und monierte, dass nicht auch Hollerbach, der bei dem Zweikampf die Gelbe Karte erhielt, vom Platz gestellt wurde.

Drei Minuten nach dem Platzverweis gewann Cardoso nach einer Flanke von Mehdi Mahdavikia das Kopfball-Duell mit dem Ex-Hamburger Stefan Schoor und traf zum zweiten Mal in dieser Saison. Seit der 34 Jahre alte Regisseur nach seiner schweren Knieverletzung in die Mannschaft zurückgekehrt ist, hat der HSV, der zum dritten Mal in Folge in unveränderter Formation begann, nicht mehr verloren. Nach der Pause vergab der starke Argentinier allerdings die vorzeitige Entscheidung, als er freistehend eine hochkarätige Gelegenheit vergab. Zehn und drei Minuten vor Schluss schafften auch Sergej Barbarez und der für Cardoso gekommene Erik Meijer dieses Kunststück.

Kurz vor der Pause hatte auch Wolfsburgs scheidender Trainer Wolf auf den Platzverweis reagiert, brachte Miroslav Karhan für Martin Petrow. Kurz nach dem Wechsel kamen die Gäste durch Pablo Thiam zur größte Chance, doch HSV-Torhüter Martin Pieckenhagen hielt glänzend. Auch die Einwechslungen von Peter Madsen und Roy Präger gegen die immer konfuser werdenden Hamburger brachten nichts mehr. Die Wolfsburger müssen langsam aber sicher Abschied von ihren UEFA-Cup- Träumen nehmen. Für den enttäuschenden Effenberg, der sich zuvor beim HSV ins Gespräch brachte, könnte das bedeuten, dass er seinen bis zum Saisonende laufenden Vertrag nicht verlängern wird.