Bundesliga 2002/2003, 23. Spieltag, Sonntag, 02.03.03 in der Hamburger AOL Arena bei 6 Grad C und leichtem Nieselregen

Hamburger SV - Hertha BSC Berlin 1:0 (0:0)

Ich habe ja durchaus oft genörgelt in dieser Saison über die Leistung des HSV und dem Spaß, den ich dabei hatte, in der AOLArena die Spiele anzusehen.

Heute war das mal wirklich anders. Dabei war es nun nicht so, dass der HSV den Gegner an die Wand gespielt hat, sondern in meinen Augen einfach ein super-interessantes und spannendes Bundesliga-Spiel mit einem glücklichen – aber nicht unverdienten - Sieger.

Das Spiel fing mit einer großen Kopfballchance für Fukal an und danach hätte bereits das 1:0 erzielt werden müssen. Der heute wieder einmal toll aufspielende Mehdi war rechts durch und konnte sich aussuchen, ob er aufs Tor schießt oder Romeo den Ball zuspielt. Typisch für Mehdis uneigennützige Art schoß er natürlich nicht selbst. Allerdings ging sein Abspielversuch meterweit an Romeo vorbei und so wurde gar nichts daraus.

Ein sehr interessantes und (aus HSV-Augen) viel zu abwechslungsreiches Spiel entwickelte sich. Die Herthaner hatten ebenfalls einige hervorragende Chancen, die sie nicht nutzten. Zumindest Luizao hätte einmal treffen müssen, als er völlig frei vor Pieckenhagen stand. Er war jedoch so liebenswürdig und schoß Piecke den Ball auf die Brust.

Es gab jedenfalls eine ganze Menge guter Chancen, die mir gar nicht mehr alle einfallen. Piecke konnte sich, insbesondere in der 1. Halbzeit, einige Male sehr gut auszeichnen, während Kiraly, insbesondere bei Flanken/Ecken, doch recht unsicher wirkte.

In der 2. Halbzeit konnte der HSV dann schließlich das erlösende Führungstor schießen. Nach einem Freistoß von Cardoso war es Hoogma, der den Ball vollkommen unbedrängt, ins Tor köpfen durfte. Mir fiel ohnehin mehrmals auf, dass die Berliner unsere Jungs sehr oft ohne körperliche Gegenwehr köpfen ließen.

Die Hertha wechselte dann so langsam einen Stürmer nach dem anderen ein. Ich weiß gar nicht, wieviele es am Ende des Spiels waren. Luizao, Goor, Preetz und Alves standen am Ende jedenfalls allesamt auf dem Platz. Ich war aber sehr glücklich, dass wir uns diesmal nicht so stark zurückgezogen haben, wie wir es sonst teilweise schon vollbracht haben. Heute wurde zumindest schon regelmäßig ab der Mittellinie attackiert und dadurch gab es zumindest keine Hertha-Chancen im Minutentakt. Zwischendurch hatten wir auch immer wieder gute Konterchancen, die wir aber leider allesamt ungenutzt ließen.

Schließlich gab es noch DIE aufregende Szene, die ich im Stadion aber gar nicht so empfunden habe wie eben in der TV-Wiederholung. Nach einem Freistoß verlängerte Barbarez den Ball zum eigenen Tor , wo Pieckenhagen ihn im ersten Versuch nicht richtig festhalten konnte und ein Herthaner ihn über die Linie stochern wollte. Der Ball flog dabei aber in Pieckes Gesicht und von da zurück ins Feld. Die Schiedsrichter entschieden, dass es kein Tor war. Die TV-Bilder konnten es zwar nicht zu 100 % beweisen, aber man kann wohl schon davon ausgehen, dass der Ball eine ganze Umdrehung hinter der Linie war.

Ganz kurz vor Schluß gab es dann bei einem unserer Konter noch eine „belustigende“ Szene. Der Ball wurde hinten rausgeschlagen Richtung Mittelline. Dort lief der eingewechselte Takahara zum Ball UND auch Hertha Torhüter Kiraly. Taka konnte den Ball gut mitnehmen und das Laufduell mit Ball gegen Kiraly gewinnen. Er zog dann zur Mitte Richtung Tor, vor das allerdings auch zwei Berliner Spieler geeilt waren. Leider schoß er dann statt den mitgelaufenen HSVer anzuspielen und Beinlich konnte den Ball kurz vor der Linie zur Ecke klären.

So unglaublich diese Szene auch war, konnte ich mir doch ein Lachen nicht verkneifen.

Schließlich pfiff der Schiri diese hochinteressante und besonders sehenswerte Partie ab und der HSV konnte durch diesen Sieg diese Saison nun erstmals einen UEFA-Cup-Platz einnehmen. Wenn die Saison doch jetzt nur schon zu Ende wäre....

Der erste wichtige Schritt ist zumindest getan in Richtung europäischen Wettbewerb, denn dieses Wochenende lief wirklich super. Fast alle Konkurrenten strauchelten und wir konnten gegen einen direkten Mit-Wettbewerber siegen. Wenn wir mindestens eines der nächsten beiden Spiele gewinnen, wäre das schon o.k.. Ein Punkt in Stuttgart und ein Sieg zu Hause gegen Schalke wären natürlich noch schöner.

Naja, schauen wir mal. Heute war es jedenfalls endlich mal wieder richtig schön in der AOLArena.

Meine Spielerbewertung:
Pieckenhagen: hielt durch einige tolle Paraden den Sieg fest: Note 2+

Fukal: gefiel mir heute wie die gesamte Verteidigung sehr gut. Konnte sich auf offensiv wieder mehr in Szene setzen: Note 2

Hoogma: Sein Tor beflügelte ihn sichtlich. Hatte danach einige äußerst starke Szenen in der Abwehr: Note 2

Ujfalusi: gewohnt souverän und abgeklärt: Note 2

Rahn: startete mit vielen unglücklichen Szenen, konnte sich dann aber doch deutlich steigern: Note 3-

Maltritz: In der 1. Halbzeit hat er mich schon wieder Nerven gekostet, weil er das Aufbauspiel durch seinen schlechten Anspiele doch oft stocken lässt, aber in der 2. Halbzeit gefiel er mir sehr gut: Note 2-

Benjamin: War zwar sehr bemüht, aber für mich heute doch einer der schlechteren (oder besser: weniger guten) HSVer auf dem Platz: Note 4

Cardoso: Nach einigen Spielen, in denen er kaum zu sehen war, heute wieder der Lenker des HSV mit vielen guten Szenen.: Note 2

Barbarez: Er öffnet  das Spiel immer wieder hervorragend und sorgt für Torgefahr. Heute hatte er allerdings ein paar nachlässige Abspiele und damit Ballverluste zu viel im Repertoire: Note 3+

Mehdi: Einmal mehr für mich der beste HSV-Spieler auf dem Platz. Bekommt er den Ball, wird es stets gefährlich. Manchmal ist er nur eben sogar zu uneigennützig. Aber auch das gerade das zeichnet ihn aus. Nur seine direkten Freistöße sind nicht gerade sehr gefährlich. Aber was will man auch noch alles von unserer persischen Sprintmaus erwarten: Note 1

Romeo: Erstmals nach Monaten und Bandscheiben-OP wieder auf dem Platz. Er hätte heute ein Tor machen können, aber es klappte nicht. Wäre er nur ein wenig schneller, hätte er gewiß getroffen.: Note 3

Schiri Wack: Ich kann mich gar nicht erinnern, dass ich mich über eine Entscheidung mal wirklich aufgeregt hätte. Im Stadion hätte ich fast alles genauso entschieden. Und das das vermeintliche Hertha-Tor nicht gegeben wurde, ist ja nicht sein Makel sondern der des Linienrichters: Note 1 (habe ich glaube ich einem Schiri noch nie gegeben).

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 

TORE  
1:0 Nico Jan Hoogma (55.)
 
GELBE KARTEN  
Hamburger SV:
Marcel Maltritz (64.) 
Christian Rahn (81.) 

Hertha BSC Berlin:
Nene (33.)
Thorben Marx (84.)
 
SCHIEDSRICHTER :  Dr. Franz-Xaver Wack  
ZUSCHAUER :  38,354 
DATUM :  02.03.03   17:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Nico Jan Hoogma, Milan Fukal, Tomas Ujfalusi, Marcel Maltritz, Christian Rahn, Mehdi Mahdavikia, Sergej Barbarez, Collin Benjamin, Rodolfo Esteban Cardoso, Bernardo Romeo

Hertha BSC Berlin: Gabor Kiraly, Josip Simunic, Nene, Marko Rehmer, Arne Friedrich, Bart Goor, Stefan Beinlich, Marcelinho, Pal Dardai, Thorben Marx, Luizao
 
WECHSEL 
Hamburger SV:
Naohiro Takahara für Bernardo Romeo (78.)
Raphael Wicky für Rodolfo Esteban Cardoso (85.)
Lars Jacobsen für Mehdi Mahdavikia (89.)

Hertha BSC Berlin:
Dick van Burik für Marko Rehmer (59.)
Michael Preetz für Pal Dardai (72.)
Alex Alves für Nene (75.)
 

Hoogma köpft HSV gegen Hertha zum Sieg und auf Platz fünf  
"1:0 ist ein wunderbares Ergebnis", sagte Hamburgs Matchwinner Nico Jan Hoogma nach der Partie gegen Hertha BSC Berlin glücklich. Stimmt, zumindest aus Gastgeber-Sicht. Nach dem achten Heimsieg in der AOL-Arena eroberten die Hanseaten den fünften Platz und liegen damit auf Uefa-Cup-Kurs. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Gleich von Beginn an entwickelte sich vor 38.354 Zuschauern eine temporeiche Partie mit zahlreichen Torchancen auf beiden Seiten. So hätten die Gäste eigentlich durch das Sturmduo Bart Goor (6.) und Luizao (21.) in Führung gehen müssen. Doch beide scheiterten aus kurzer Distanz.  
"Wir müssen lernen, unsere Torchancen vorne zu nutzen", haderte dann auch Herthas Trainer Huub Stevens nach der Partie. Manager Dieter Hoeneß stimmte mit ein: "Mich ärgert so eine Niederlage, die eigentlich unnötig war."

"Die Mannschaft hat wirklich alles versucht"
"Die Mannschaft hat wirklich alles versucht, das Ding noch umzudrehen. Es ist schade, dass das Team für ihr Bemühen nicht belohnt worden ist", so Hoeneß weiter.
Nach dem deprimierenden Uefa-Cup-Aus gegen Boavista Porto unter der Woche gelang den Berlinern zumindest teilweise die Wiedergutmachung. Kampfstark, mit Marcelinho und Stefan Beinlich ideenreich im Mittelfeld – nur eben die mangelnde Durchschlagskraft ganz vorne ließ zu wünschen übrig.

Romeo feierte gutes Comeback
Das musste auch der Gegner anerkennen: "Wir haben es paar Mal schwer und auch richtig Glück gehabt. Aber über den Kampf sind wir wieder ins Spiel gekommen", meinte Hamburgs Kapitän Hoogma. Dabei ging der Niederländer mit bestem Beispiel voran, bestach durch eine tadellose Zweikampfbilanz von 100 Prozent gewonnener Duelle Mann gegen Mann und sorgte mit seinem ersten Saisontreffer in der 55. Minute für das "goldene Tor".
Auch sonst überzeugten die Hanseaten. Rodolfo Cardoso zog nach dem schwachen Lautern-Spiel vor einer Woche im Mittelfeld geschickt die Fäden. Mehdi Mahdavikia sorgte über außen für jede Menge Wirbel und im Sturmzentrum feierte Bernardo Romeo nach dreimonatiger Verletzungspause ein überzeugendes Comeback.

Aufregung in der 85. Minute
"Romeo hat sich nach seiner schweren Verletzung sehr gut eingefügt, hat viel gearbeitet und sich Torchancen erarbeitet. Man sieht, er bekommt wieder seine Torchancen und das ist für eine Sturmspitze wie ihn sehr wichtig", lobte HSV-Trainer Kurt Jara.
Für Aufregung sorgte die 85. Minute und die Frage: "War der Ball im Tor oder nicht?" Herthas Manager Hoeneß hielt sich nach dem Spielende zurück ("Schwierig zu sagen"), HSV-Keeper Martin Pieckenhagen meinte, dass man "niemandem einen Vorwurf machen kann", da "das so schnell gegangen ist und man es nicht sehen konnte." Fügte aber an, dass der Ball "wahrscheinlich hinter der Linie" war.

Zuordnung beim Gegentor stimmte nicht
Berlins Trainer Stevens wurde deutlicher und kritisierte: "Ich kann es nicht verstehen, dass im Jahr 2003 immer noch nicht technische Möglichkeiten wie eine Torkamera genutzt werden", wollte dies aber nicht als Entschuldigung gelten lassen: "Wir hätten hinten bei den Standardsituationen konzentrierter sein müssen, denn beim 0:1 stimmte unsere Zuordnung schon wieder nicht."
Zwar stand der schwache Luizao beim Gegentreffer von Hoogma beim HSV-Abwehrchef, doch ihn traf keine Schuld. "Das war nicht der Fehler von Luizao. Es gab eine Zuordnung und Luizao sollte nicht bei Hoogma sein, sondern ein anderer", so Stevens.

HSV - vom Jäger zum Gejagten
Wie auch immer. Abgerechnet wird nach 90 Minuten und mit dem Schlusspfiff standen die Berliner mit leeren Händen da. Die Hamburger hingegen sind erstmals seit dem zweiten Spieltag auf einem Platz, der für die Teilnahme an einen internationalen Wettbewerb berechtigt – und vor einer neuen Aufgabe.
"Wir sind nun da in der Tabelle angekommen, wo wir hin wollten. Wir sind vom Jäger zum Gejagten geworden. Auf diese Situation müssen wir uns erst einmal einstellen", meinte Jara. Eigentlich richtig. Aber: Nächste Woche geht es zum VfB Stuttgart und die sind Dritter...
 
Fakten:
Heimstarker HSV
Nur die Bayern feierten in dieser Saison mehr Heimsiege als der HSV – acht der elf Spiele in der AOL-Arena gewannen die Hamburger. 

Harmlose Gäste
Hertha BSC hat vier der letzten fünf Auswärtsspiele in der Bundesliga verloren – dazu noch das UEFA-Cup Spiel in Porto. 

Neuer Sturm war schwach
Luizao (Note 5,0)und Goor (Note 4,5) bilden den Berliner Sturm. Beide standen zwar schon ein paar Mal gemeinsam in der Startelf, aber nur einmal zuvor als Doppelspitze - am fünften Spieltag in Bielefeld (Hertha siegte mit 1:0). Neben Alves muss auch Preetz weichen. Mit drei Torschüssen waren Luizao und Goor nicht gerade gefährlich. 

Romeo mit durchwachsenem Comeback
Der effektivste unter den aktuellen Bundesligastürmern (vor dem Anpfiff 16 Tore in 30 Spielen) kehrte nach langer Verletzungspause in das HSV Team zurück. Sein zuvor letztes Spiel bestritt eram 30.11.02 beim 3:2-Sieg in Leverkusen (mit zwei Romeo-Toren). Gegen die Berliner hatte Romeo (Note 6,0) zwar auch seine Chancen, vergab diese jedoch in aussichtreicher Position. 

Schlaglichter:
Hertha konnte in der zweiten Spielhälfte nicht zulegen
Die Berliner machten es den Hamburgern nicht leicht und gestalteten die Partie in der ersten Spielhälfte offen. Vor der Pause lautete die Torschussbilanz nur 8:5 für die Gastgeber. Nach der Pause baute die Hertha nach der UEFA-Cup Belastung unter der Woche ab und kam nur noch zu vier Torschüssen. 20:9 Torschüsse standen am Ende für die Hamburger zu Buche, die damit verdient gewannen. Aus Berliner Sicht bleibt dennoch ein übler Nachgeschmack, weil ein Tor von Dick van Burik nicht gegeben wurde. 

Hoogma war Mr. 100 Prozent
Nico Jan Hoogma (Note 9,2) bestritt gegen Berlin neun Zweikämpfe – und gewann sie alle. In seinem 137. Bundesligaspiel ging der Holländer erst zum zweiten Mal ohne einen einzigen verlorenen Zweikampf vom Platz. Seine starke Leistung krönte der 34-Jährige mit seinem ersten Saisontor zum 1:0-Sieg der Hanseaten. 

Luizao mal wieder der Unglücksrabe
Luizao (Note 5,0) verlor alle acht Zweikämpfe gegen Hoogma und stand beim Tor des Holländers zu weit weg. Selbst konnte Luizao kaum Torgefahr entwickeln (zwei Torschüsse) und vergab zudem in der ersten Spielhälfte in aussichtsreicher Position vor Martin Pieckenhagen. 

Barbarez in Spielmacherlaune
Sergej Barbarez (Note 7,6) nahm gegen die Berliner den Kampf an, bestritt von allen Spielern der Partie die meisten Duelle und gewann davon für einen Stürmer gute 51 Prozent. Auch in die Hamburger Offensive brachte er sich gut ein und war an neun der 20 HSV-Torschüsse beteiligt. Von allen Spielern gab der Bosnier die meisten Torschüsse ab (vier) und legte die meisten für einen Mitspieler auf (fünf). 

Martin Pieckenhagen mit Glück und Können 
Martin Pieckenhagen (Note 8,6) rettete dem HSV in zwei Szenen den Sieg. In der Anfangsphase hielt er mit einem Reflex gegen den frei vor ihm auftauchenden Goor. In der zweiten Hälfte klärte er bei einem vor das Tor gezogenen Freistoß der Berliner und hatte Glück das sein Rettungstat gegen den nachstochernden Dick van Burik auf und nicht hinter die Linie verlegt wurde. 
 
Trainer Kurt Jara (Hamburger SV):
"Wir sind nun da in der Tabelle angekommen, wo wir hin wollten. Wir sind vom Jäger zum Gejagten geworden. Auf diese Situation müssen wir uns erst einmal einstellen. Die Mannschaft ist eine starke Einheit."    
 
Trainer Huub Stevens (Hertha BSC Berlin): 
"Wir müssen lernen, unsere Torchancen vorne zu nutzen. Hinten müssen wir bei den Standardsituationen konzentrierter sein, denn beim 0:1 stimmte unsere Zuordnung schon wieder nicht."  

Topspieler: Nico Jan Hoogma (Hamburger SV)
Der Kapitän des Hamburger SV war gegen Berlin im Duell Mann gegen Mann nicht zu schlagen. Hoogma gewann alle seine Zweikämpfe (neun) und strahlte in der Hamburger Defensive eine Bärenruhe aus. Aber auch offensiv überzeugte Hoogma. Mit seinem Treffer zum 1:0-Sieg köpfte er die Hamburger auf den fünften Platz. Das erste Sasiontor des torgefährlichen Niederländers und seine starke Gesamtleistung sorgten dafür, dass die Hanseaten erstmals seit dem zweiten Spieltag wieder auf einem Uefa-Cup-Platz stehen. Diese Leistung brachte Hoogma mit der Note 9,2 in die super11 des Spieltages.  

Spielwertung: 3 Bälle (von 4)
 
Kommentar:
Alle Achtung, Hertha! Nach dem kräfteraubenden und deprimierenden Aus im Uefa-Cup zeigte die Elf von Huub Stevens, dass sie gewillt war, diese Niederlage vergessen zu machen. Dabei erwies sich allerdings Stevens Vertrauensbeweis für Luizao als Eigentor. Zunächst vergab er die Möglichkeit zum Führungstreffer kläglich, dann ließ beim Gegentor Hoogma aus den Augen. Der Weltmeister mutiert immer mehr zum "Waldmeister". Hamburg dagegen darf nach diesem "Sechs-Punkte-Spiel" von Partien auf internationalen Plätzen träumen. Nun ist das Jara-Team in der Rolle des Gejagten. Mal sehen, wie sie damit klar kommen werden. Doch nach den Leistungen der letzten Wochen (das Spiel gegen Lautern ausgenommen) muss niemanden bange werden, bei der Mission "Uefa-Cup".
André Elsner  

Taktik
Hamburger SV:
Vor Pieckenhagen eine Viererkette: Rahn für den verletzten Hollerbach auf links, Ujfalusi und Hoogma zentral, Fukal rechts. Davor sicherten Maltritz und Benjamin ab. Cardoso in der Spielgestalter-Rolle im offensiven Mittelfeld. Sturmspitze Romeo wurde von Barbarez über links und Mahdavikia über die rechte Seite unterstützt.

Hertha BSC Berlin
Kiraly im Tor. Dann vier Mann in der Abwehr: Nene, Simunic, Rehmer und Friedrich (von links nach rechts). Im Mittelfeld eine Dreierkette mit Beinlich auf halblinks, Dardai zentral und Marx auf halbrechts. Hinter dem Sturmduo Goor und Luizao der Brasilianer Marcelinho als Regisseur.  


 
kicker:
Spielbericht 
  
Kurt Jara veränderte seine Mannschaft nach der 0:2-Schlappe in Kaiserslautern auf zwei Positionen. Für den angeschlagenen Hollerbach spielte Rahn auf der linken Seite in der Viererkette. Zudem feierte Romeo sein Comeback nach dreimonatiger Verletzungspause auf der zentralen Angriffsposition. Für ihn musste Takahara weichen. Bei Hertha BSC änderte Huub Stevens die Anfangsformation nach der bitteren 0:1-Niederlage im UEFA-Cup bei Boavista Porto auf vier Positionen. In der Abwehrkette spielten Rehmer und Nené für van Burik und Hartmann. Alex Alves und Preetz mussten auf der Bank Platz nehmen, während Luizao neu ins Team kam. Zusammen mit Marcelinho sollte Beinlich – ebenfalls neu in der Mannschaft – das Berliner Offensivspiel lenken.

Die Begegnung begann mit sehr guten Gelegenheiten auf beiden Seiten. Während für die Hamburger Fukal und Mahdavikia bereits in der Anfangsphase für einen Torerfolg hätten sorgen können, vergab Goor für die Hertha die Führung, weil er am glänzend reagierenden Pieckenhagen scheiterte. Engagiert und offensiv orientiert verflachte die Partie nur kurze Zeit nach einer Viertelstunde, ehe beide Mannschaften mit hohem Tempo für ein weiterhin ansehnliches Spiel sorgten. Dabei wirkten die Berliner in der Folge etwas zielstrebiger und hatten durch Luizao eine weitere Großchance, die der Brasilianer aber kläglich vergab, indem er, allein vor Pieckenhagen, diesem genau in die Arme schoß. Der HSV hielt aber dagagen, erspielte sich etwas mehr Spielanteile und weitere Chancen durch Romeo und Barbarez. Eine ausgeglichene und interessante erste Hälfte, in der die Hertha die etwas klareren Möglichkeiten hatte, endete schließlich mit dem leistungsgerechten Remis. 

Die Jara-Schützlinge kamen druckvoller als die Hertha aus der Kabine und knüpften nahtlos an das Tempo der ersten Halbzeit an. Die Berliner waren zwar weiterhin bemüht kreatives Offensivspiel vorzutragen, waren jedoch nicht mehr so effektiv im Herausspielen von Torgelegenheiten. Anders der HSV: Vor allem bei Standardsituationen brachten die Hanseaten Kiraly und Co. ein ums andere Mal in Bedrängnis. Scheiterten Fukal und Barbarez in den Anfangsminuten der zweiten Hälfte noch, machte es Kapitän Hoogma dann besser. Nach einer Freistoßflanke von Cardoso wurde der Niederländer von keinem Berliner Verteidiger entscheidend bedrängt und konnte ohne Probleme sein erstes Saisontor erzielen (55.). In der Folge gelang es den Hauptstädtern nicht gegen die defensiv clever stehenden und zudem weiter nach vorne spielenden Hamburger, zu guten Gelegenheiten zu kommen. Der HSV hatte durch Romeo sogar die Chance für die Vorentscheidung, der aber an Kiraly scheiterte, ehe Hertha-Trainer Stevens mit den Einwechselungen von Preetz und Alex Alves für Dardai und Nené noch einmal alles auf die Karte Offensive setzte. Beinahe hätten die Berliner dann doch noch jubeln dürfen, als van Burik nach einem Freistoß von Beinlich das Leder wohl über die Linie gedrückt hatte und Pieckenhagen per Kopf erst dahinter parierte (82.). Schiedsrichter Dr. Wack ließ nach der kniffeligen Szene jedoch weiterspielen, so dass die Hamburger den Vorsprung noch über die Zeit retten konnten und am Ende durch Takahara sogar das 2:0 vergaben.

Sogar Martin Pieckenhagen gab nach der Begegnung zu, dass der Ball in der ominösen Szene in der 82. Minute wahrscheinlich hinter der Torlinie gewesen sei. Somit war der Sieg der Hanseaten durchaus glücklich, obwohl der HSV über die 90 Minuten mehr Chancen hatte als die Hauptstädter. Diese verpassten durch die vergebenen Chancen, eine Unaufmerksamkeit beim Gegentreffer und die fehlende Anerkennung des vermeintlichen Treffers, die Möglichkeit, zumindest einen Punkt zu entführen.  

Spielereignisse im Detail:
Schlusspfiff 
 
90     Beinlich rettet gegen Takahara, der ins von Kiraly verlassene Tor einschießen will, auf der Linie. 
 
82     Glück für die Hanseaten! Beinlich tritt einen Freistoß aus halbrechter Position gefährlich aufs Tor. Pieckenhagen kann mit Mühe und viel Glück - auf oder knapp hinter der Linie - retten, Schiedsrichter Dr. Wack lässt weiterspielen. 
 
73     Barbarez und Maltritz vernaschen mit einem Doppelpass die Berliner Abwehr. Letzterer passt im Strafraum in die Mitte zu Romeo, dem es aber nicht gelingt Kiraly zu überwinden, der gekonnt parieren kann. 
 
70     Die Hertha hat Probleme zu Chancen gegen die sichere Verteidigung der Hamburger zu kommen. Die Hanseaten verstecken sich zudem nicht, sondern spielen auch nach der Führung nach vorne. 
 
55     Tor für den HSV!! Wieder eine Standardsituation: Cardoso bringt eine Freistoßflanke aus circa 40 Metern Torentfernung butterweich in den Strafraum. Dort kann Hoogma, ungestört von Gegenspieler Luizao, problemlos einköpfen. 
 
52     Nach einem Eckball von Cardoso ist Kiraly in seiner Strafraumbeherrschung einmal mehr unsicher. Barbarez kann Richtung Tor schießen, aber der ungarische Keeper bügelt seinen Fehler wieder aus, weil er rechtzeitig zurückgeeilt ist. 
 
 Anpfiff 2. Halbzeit 
 
 Halbzeit 
 
37     Barbarez verfehlt mit einem Kopfball im Duell mit Simunic das Gehäuse von Kiraliy um gut eineinhalb Meter. 
 
30     Doppelchance für den HSV. Erst kommt Romeo nur einen halben Schritt zu spät, um Kiraly mit einem kontrollierten Abschluss überwinden zu können. Dann kann Maltritz nach Eckstoß beinahe von einem Fehler des Berliner Keepers profitieren. 
 
21     Luizao vergibt eine Riesenchance allein vor Pieckenhagen! Der Brasilianer kann sich die Ecke aussuchen, aber schießt dem Keeper genau in die Arme. 
 
16     Nach der turbulenten Anfangsphase ist die Partie etwas verflacht. Beide Teams neutralisieren sich weitestgehend im Mittelfeld und versuchen mit vorsichtigem Spiel, Fehler zu vermeiden. 
 
5     Auch Hertha hat eine Großchance! Beinlich passt in den Fünfmeterraum zu Goor, der Pieckenhagen nicht überwinden kann. Der HSV-Keeper rettet mit einem Reflex und kann den Ball danach sicher fangen. 
 
3     Nach Ecke von Cardoso hat Fukal eine gute Kopfballchance, aber Kiraly und Dardai können gerade noch vor der Linie retten. Kurze Zeit später vergibt Mahdavikia eine weitere gute Chance, als er Romeo nicht genau genug anspielt. 
 
Anpfiff 


 
dpa meldet:
HSV hält Europacup-Kurs - 1:0 gegen Hertha BSC

Von Franko Kotzsch, dpa

Hamburg (dpa) - Der Hamburger SV ist auf dem Weg in den Europapokal, während Hertha BSC nach dem K.o. im UEFA-Cup einen weiteren Rückschlag hinnehmen musste. Kapitän Nico Jan Hoogma erzielte per Kopf (55.) den entscheidenden Treffer in der AOL-Arena zum 1:0 (0:0) und katapultierte damit die Hamburger auf den fünften Tabellenplatz in der Fußball-Bundesliga, der zur Teilnahme am UEFA-Cup berechtigt. 

Mit dem achten Sieg vor heimischer Kulisse ist der HSV nunmehr die stärkste Heimmannschaft nach Bayern München und in diesem Jahr im eigenen Stadion noch ohne Gegentreffer. 38 354 Zuschauer sahen eine temporeiche, zum Schluss dramatische Begegnung mit einer Reihe von Torszenen. «In der ersten Halbzeit haben wir Glück gehabt. Da war Hertha stark. Nachher haben wir über den Kampf zum Spiel gefunden. Für uns ist das ein wunderbares Ergebnis», sagte Hoogma. «Die Mannschaft hat sehr gut gearbeitet. Jetzt sind wir vom Jäger zum Gejagten geworden», meinte HSV-Trainer Kurt Jara. Sein Schalker Kollege Huub Stevens war «sehr unzufrieden, dass wir wieder unsere Chancen nicht genutzt haben».

Jara hatte gehofft, dass die schmerzhafte Niederlage der Berliner bei Boavisto Porto Spuren hinterlassen haben würde. Doch die erstaunlich agile Hertha nahm die Kampfansage der Hamburger an, lieferte einen offen Schlagabtausch und hatten in der ersten Hälfte deutliche Vorteile. Stevens hatte sein Team auf mehreren Positionen umgebaut. Alex Alves und Michael Preetz mussten zunächst auf der Bank Platz nehmen, stattdessen stürmten überraschend Bart Goor und der längere Zeit verschmähte Brasilianer Luizao.

«Ich war nicht hundertprozentig zufrieden mit dem einen oder anderen», erklärte Stevens die Wechsel. «Ich bringe die, die kräftemäßig gut drauf sind.» Auch die Hamburger präsentierten eine neue Sturmspitze. Nach zweieinhalbmonatiger Verletzungspause war Bernardo Romeo ins Team zurückgekehrt und belebte das Angriffsspiel sichtlich. Der mit acht Toren beste Saisonschütze beim HSV verdrängte den Japaner Naohiro Takahara, der zwölf Minuten vor Schluss eingewechselt wurde und in der Nachspielzeit eine große Chance vergab.

Der stürmischen Anfangsphase, in der die Gäste durch Goor (6.) und Luizao (21.) zwei hundertprozentige Einschussmöglichkeiten vergaben, indem sie den verblüfften HSV-Schlussmann Martin Pieckenhagen aus Nahdistanz anschossen, folgte ein aufregendes Spiel. Nicht mit Fortuna im Bunde war Romeo, der drei Möglichkeiten vergab. In der 75. Minute setzte Hertha alles auf eine Karte. Stevens brachte mit Alves und Preetz zwei weitere Stürmer, ohne daraus jedoch Kapital schlagen zu können. Allerdings hatte Torhüter Pickenhagen bei einer Abwehr mit dem Kopf auf der Linie gegen Dick van Burik Glück (85.). Auch die TV-Kamera konnte nicht Klarheit darüber schaffen, ob der Ball die Linie überschritten hatte.