Bundesliga 2002/2003, 25. Spieltag, Samstag, 15.03.03 in der Hamburger AOL Arena bei 6 Grad C und strahlendem Sonnenschein

Hamburger SV - Schalke 04  3:1 (1:0)

Oh, wie ist das schön. Ich bin ja lange nicht so begeistert gewesen und bei Toren so freudig ausgeflippt wie heute.  

Es war zwar kein fußballerisch hochklassiges Spiel, aber trotzdem wurde eine Menge Spannung geboten – und vor allen Dingen hat die „richtige“ Mannschaft gewonnen.

Ich nehme an, daß es nach dem Spiel von Seiten der Schalker wieder viel Gefasel geben wird über den Schiedsrichter und angebliche Benachteiligung der Gelsenkirchener. Aber, liebe Schalker, wenn sich Eure Spieler auf dem Platz immer so verhalten wie heute, ist es auch kein Wunder, daß sich die Schiedsrichter immer mehr gegen Euch wenden. Die Schalker traten hier genauso unsympathisch auf wie man es sonst von Ihrem großen Hassverein, Borussia Dortmund, gewohnt ist. Viele Nickligkeiten, Schwalben und vor allem ein ewiges Reklamieren, daß mir fast das Kotzen kam.

Ich hätte da einige Spieler mehr verwarnt, die stets über den halben Platz tobten, um sich beim Schiri zu beschweren. Dabei sei z.B. an Frank „Lehmann“ Rost erinnert, der nicht nur seinen Strafraum verließ, sondern sogar bis an unseren Strafraum stürmte und auf den Schiri los wollte. Seine Mitspieler konnten ihn noch stoppen. Der Schiri hatte das offenbar gar nicht gesehen; ansonsten wäre gelb sicher fällig gewesen.

Den Höhepunkt der Unsportlichkeiten bot allerdings Gustavo Varela. Keine Frage, der Junge wurde wirklich mehrmals gefoult, auch durchaus teilweise hart. Wie der sich aber ständig auf dem Boden rumwälzte, ging ja auf keine Kuhhaut mehr. Er lag wirklich mehrfach am Boden, als wären ihm sämtliche Knochen und Bänder durchtrennt worden und wenn dann die Betreuer bei ihm waren, kam sofort das Zeichen zur Bank, daß nicht gewechselt werden muß. Und einmal konnte er dann nur wenige Sekunden später wieder toll sprinten als sich die Chance für ihn zum Kontern bot.

Jedenfalls denke ich, daß Schalke zu der Sorte Gegner gehörte heute, die sich bei einigermaßen neutralen Zuschauern jede Sympathie verscherzt haben.

Dabei wäre für Schalke durchaus was drin gewesen. Der HSV spielte wirklich nicht sonderlich gut und Schalke hatte zunächst zwei gute Chancen, bei denen Piecke mit Super-Reflexen das Gegentor verhindern konnte. Dann kam allerdings auch der HSV mal zu Chancen, wenn auch nicht sehr viele. In der ersten Halbzeit habe ich Schalke mit einem Übergewicht gesehen in einem allerdings nicht grandiosen Spiel. Trotzdem konnten wir das Führungstor erzielen durch Bernardo Romeo, der uns schließlich in der BILD auch ein Tor versprochen hatte. Er wurde von Barbarez tief in den 16er geschickt und konnte den Ball geschickt an Rost vorbei ins lange Eck schieben. Ich war da schon am Jubeln bevor der Ball überhaupt richtig drin war. Das wurde mir erst gewahr als der Ball an den Pfosten und nach innen ging.

Nach der Halbzeit spielte der HSV dann in meinen Augen gefälliger und ich hatte Schalke hatte fast keine Chance mehr. Ich hatte auch irgendwie das sichere Gefühl, daß wir das Spiel gewinnen würden. Da hatte ich mich allerdings weit zu früh gefreut. Hätte Romeo seine 100 %ige Chance genutzt, wäre auch nichts weiter angebrannt. Nach einem von Barbarez per Kopf verlängerten Freistoß, sprang der Ball zufällig Romeo vor die Füße. Doch nicht nur die Schalker sondern auch Romeo war eben so verdutzt, daß er nur noch den Torwart angeschossen hat.

Dann wurde das Spiel aber wesentlich aufregender. Neben Varelas vermehrten „Verletzungs“-Pausen erzielte Schalke dann leider doch nach einer Ecke und Nachschuß den Ausgleich. Leider wurden sie dadurch auch wieder stärker und ich hatte, obwohl noch 20 Minuten zu spielen waren, durchaus nicht mehr so das Gefühl, daß wir das Spiel noch für uns entscheiden könnten. Doch Schalke dezimierte sich dann selbst. Zuerst erwischte es Dauermotzer Poulsen. Nachdem er sich für Meckern schon völlig zurecht gelb abgeholt hatte, bekam er nach einem Foul am eingewechselten Takahara gelb-rot. Und dann gab es noch eine Szene, die ich allerdings wegen der Entfernung nicht beurteilen konnte. Matellan hat offenbar irgendeine Tätlichkeit an Meijer begangen. Zumindest riss der dicht dabei stehende Linienrichter sofort die Fahne hoch und der Schiri zeigte Rot. Nun waren aber nicht mehr viele Minuten zu spielen. Schon vorher hatte ich gedacht, daß wir gefälligst alles nach vorne werfen müßten. Selbst eine Niederlage hätte ich eher hingenommen, als wenn dieses Spiel sang- und klanglos unentschieden ausgegangen wäre.

Aber Fortuna meinte es ja gut mit uns. Takahara machte das erlösende 2:1 in der 87. Minute durch einen Kopfballtreffer. Und schließlich legte Romeo bei einem Konter ohne Torwart noch sein zweites Tor nach. Das mußte ja auch passieren, denn mein Kumpel Kuno hatte schon vorher bemerkt, daß Romeo, wenn er trifft, immer doppelt trifft. Oh, Mann, bei den letzten beiden Toren haben wir uns alle in den Armen gelegen und gejubelt wie lange nicht mehr. Das war richtig schön. 

Nun stehen uns, zumindest für den Moment, alle Türen nach Europa offen. Schalke haben wir überholt und auch Werder hat ein weiteres Mal verloren. 7 Punkte aus den letzten 3 Spielen gegen die direkten Konkurrenten Hertha, Stuttgart und Schalke sind wirklich super. Es wäre super, wenn wir das aus den nächsten drei Spielen in Gladbach und danach zu Hause gegen Bielefeld und Dortmund noch einmal so schaffen würden. Besonders das Spiel gegen Dortmund könnte wichtig sein, denn so weit sind der zweite und dritte ja auch nicht von uns weg. Aber vielleicht sollte ich jetzt auch nicht zu euphorisch werden...

Meine Spielerwertung:
Piecke: Tolle Reflexe in der 1. Halbzeit, aber insgesamt nicht übermäßig viel geprüft: Note 2

Hoogma: stand gut: Note 3

Ujfalusi: gewann auffällig viele Zweikämpfe: Note 2

Jacobsen: Machte für mich heute ein tolles Spiel und war fast der beste Mann auf dem Platz. Hinten sehr schnell und zweikampfstark. Es wird zumindest eine schwere Entscheidung für den Trainer, ob er Fukal nach seiner Gelbsperre jetzt wieder für Jacobsen bring oder Jacobsen eine weitere Chance gibt: Note 2+

Hollerbach: gefiel mir heute sehr gut. Zweikampfstark: Note 2

Benjamin: wieder etwas viele Fehlpässe, aber ansonsten o.k. Note 4

Maltritz: ist mir kaum aufgefallen: Note 4

Cardoso: wurde in meinen Augen zu früh ausgewechselt. Allerdings hat der Trainer damit trotzdem offenbar alles richtig gemacht: Note 4

Barbarez: war heute längst nicht so auffällig wie sonst. Trotzdem hat er zwei Tore vorbereitet: Note 3

Mahdavikia: Der war heute nicht so gut drauf wie zuletzt: Note 4

Romeo: Wie immer spielerisch nicht sehr überzeugend, aber 2 Tore sprechen sehr für einen Stürmer: 2

Takahara und Meijer (beide eingewechselt): brachten beide nochmal sichtbar Leben ins Spiel und hatten entscheidenden Anteil, daß es noch für uns rumgerissen werden konnte. Eigentlich zu kurz gespielt für eine Benotung. Ansonsten würde ich sagen: Note 2

Schiri Aust: Hatte keine einfache Partie. Trotzdem hätte ich die meisten Entscheidungen genauso gefällt. Für den HSV zeigte er allerdings teilweise beim ersten Foul direkt die gelbe Karte. Aber insgesamt wird sich Schalke wohl benachteiligter fühlen als der HSV: Note 2-

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 
TORE  
1:0 Bernardo Romeo (29.)
1:1 Marco van Hoogdalem (57.)
2:1 Naohiro Takahara (86.)
3:1 Bernardo Romeo (90.)
 
GELBE KARTEN  
Hamburger SV:
Tomas Ujfalusi (32.) 
Bernd Hollerbach (65.) 
Naohiro Takahara (73.) 

FC Schalke 04
Gustavo Varela (24.)
Christian Poulsen (55.)
Jörg Böhme (93.)
 
PLATZVERWEISE  
Hamburger SV: -
FC Schalke 04:
Karte gelb/rot für Christian Poulsen (71.)
Karte rot für Anibal Matellan (84.)
 
SCHIEDSRICHTER :  Jürgen Aust  
ZUSCHAUER :  55,432 
DATUM :  15.03.03   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Nico Jan Hoogma, Lars Jacobsen, Tomas Ujfalusi, Marcel Maltritz, Sergej Barbarez, Mehdi Mahdavikia, Collin Benjamin, Bernd Hollerbach, Rodolfo Esteban Cardoso, Bernardo Romeo
FC Schalke 04: Frank Rost, Marco van Hoogdalem, Tomasz Waldoch, Sven Kmetsch, Anibal Matellan, Jörg Böhme, Gerald Asamoah, Gustavo Varela, Sven Vermant, Christian Poulsen, Ebbe Sand
 
WECHSEL 
Hamburger SV: 
Naohiro Takahara für Rodolfo Esteban Cardoso (61.)
Erik Meijer für Collin Benjamin (81.)
Raphael Wicky für Bernd Hollerbach (92.)

FC Schalke 04:
Marc Wilmots 
 

Schalke schlägt sich beim 1:3 in Hamburg selbst  
"Weniger werden die Diskussionen wohl nicht werden!" Schalkes Trainer Frank Neubarth schwant schon jetzt Böses. Nach nur zehn von 24 möglichen Punkten im Jahr 2003 und dem Rückfall auf Tabellenplatz fünf steht Neubarth mächtig unter Druck.
Das 1:3 beim Hamburger SV scheint symptomatisch für den gesamten Saisonverlauf der "Knappen": Nicht schlecht gespielt, am Ende aber doch ohne Erfolg. "Die Mannschaft hat sich selbst bestraft, weil sie in zwei Situationen disziplinlos war", meinte Manager Rudi Assauer nach 90 zerfahrenen, teilweise sogar schwachen Minuten vor 55.000 Zuschauern in der AOL-Arena.  
"Dabei waren wir klar die bessere Mannschaft in der ersten Halbzeit. Wenn die Platzverweise nicht kommen, werden wir das Spielfeld nie als Verlierer verlassen", kritisierte Assauer die Unbeherrschtheiten seiner Profis.
"Großer Schaden für den Verein"
Gemeint waren die Platzverweise gegen Christian Poulsen (Gelb-Rot, 71.) und Anibal Matellan (Rot, 84.). Beide Male war der Ellbogen im Spiel. Beide Male konnte Schiedsrichter Jürgen Aust gar nicht anders, als den Feldverweis auszusprechen.
Assauer ungehalten: "Die beiden haben dem Verein großen Schaden zugefügt und dementsprechend werden wir auch reagieren."
Bernardo Romeo (29. und 90.) und Naohiro Takahara (86.) trafen für den HSV, van Hoogdalem glich in der 57. Minute zum zwischenzeitlichen 1:1 aus.

Meiste Platzverweise der Liga
Schalke steht nun schon bei sieben Platzverweisen - zusammen mit Bremen die meisten der Liga. Doch so ganz wollte Assauer Herrn Aust dann doch nicht ungeschoren davon kommen lassen.
"Der Hollerbach provoziert ständig gegen Asamoah und sieht halt kein Gelb-Rot. Das ist der Unterschied zwischen einem Heim- und einem Auswärts-Schiedsrichter. Im Moment gibt es für Schalke 04 keine Gerechtigkeit."

Rost sauer
"Leider wurden wir für unsere gute Leistung nicht belohnt, andere Ausreden dürfen wir auch gar nicht gelten lassen", stellte der sonst recht wortgewaltige Frank Rost fest.
Doch dann brach es auch aus Rost heraus: "Man hätte aber auch auf der anderen Seite Gelb-Rot zeigen können, bei Takahara zum Beispiel. Ich möchte so einen Schiedsrichter auch mal zu Hause haben."
Rost weiter: "Es ist schon bitter, was für Fehlentscheidungen wir schon hinnehmen mussten. Das nervt dann auch, denn für Schalke hat sich das in dieser Saison bisher nicht ausgeglichen."

"Dummheit wird bestraft!"
Der Schiedsrichter also mal wieder. Dabei hatte Schalke auch bei zehn gegen elf die Partie im Griff, die Fehler vor dem vorentscheidenden 2:1 waren amateurhaft.
Dennoch blieben die Schalker bei ihrer Schiedsrichter-Schelte. "Ich mache einen Film aus den letzten sechs Wochen, dann kann ich nachweisen, wie viele Punkte wir durch Fehlentscheidungen verloren haben. Aber hier ist es so: Dummheit wird bestraft", meinte Assauer.

Assauer nimmt Neubarth in Schutz
Andererseits darf man sich bei den "Knappen" nach elf Remis nicht wundern, "nur" auf Rang fünf in der Tabelle zu stehen.
Angesichts der Disziplinlosigkeit der Spieler muss jedoch auch die Frage erlaubt sein, in wie weit Trainer Neubarth seine Profis überhaupt noch im Griff hat. "Was ihm fehlt, sind lediglich einige Punkte", nahm Assauer den jungen Trainer in Schutz.

Jara bremst Euphorie
Beim Hamburger SV scheint dagegen im Jahr 2003 die Sonne. Das 3:1 bescherte den Hanseaten den siebten Punkt aus direkten Duellen gegen Mitkonkurrenten im Kampf um einen Uefa-Cup-Platz.
"Wir haben jetzt wieder ein direktes Duell mit einem Uefa-Cup-Konkurrenten gewonnen, aber das ist kein Grund zur Euphorie", blieb Trainer Kurt Jara bescheiden.

Heißer Kandidat auf Uefa-Cup-Platz
Heimlich, still und leise hat sich der HSV jedoch nach Unruhen und Querelen Mitte der Vorrunde auf Platz vier nach oben gearbeitet. Tendenz: steigend.
"Wir sind jetzt reif für Europa", meinte Sergej Barbarez, "aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir noch neun schwere Spiele vor uns haben." Der HSV hat im Kampf um die internationalen Fleischtöpfe alle Trümpfe in der Hand.
 

Fakten:
HSV-Höhenflug hält an
Die Hamburger fuhren ihren elften Saisonsieg ein, damit hat der HSV bereits ein Mal häufiger gewonnen als in der kompletten letzten Saison. 

S04 beim HSV seit langem ohne Sieg
Schalke ist seit zehn Spielen beim HSV sieglos und musste den Gegner in der Tabelle vorbei ziehen lassen. 

Heimstark
Nur die Bayern feierten in dieser Saison mehr Heimsiege als der HSV – neun der zwölf Spiele in der AOL-Arena gewannen die Hamburger. 

Schalke kassierte zum dritten Mal zwei Platzverweise in einer Partie
Erstmals seit fast fünf Jahren (2.5.98 bei den Löwen) flogen zwei Spieler der Königsblauen in einer Partie vom Feld, dies passierte S04 insgesamt zum dritten Mal. 

Schlaglichter:
Hamburger zeigten sich effektiv
Obwohl die Hamburger in der ersten Spielhälfte nur drei Torschüsse abgaben, gingen sie mit einer 1:0-Führung in die Kabine. Nach der Pause reichten sieben Torschüsse für zwei weitere Tore. Insgesamt sehr effektiv, aber wenig für den HSV zuhause, der nur ein Mal zuvor in dieser Saison weniger Torschüsse in einem Heimspiel abgab als gegen Schalke (zehn). Für mehr Unterhaltung in der Partie sorgten die „Königsblauen“ mit ihren zwei Platzverweisen. 

Sushi als Nachtisch beim HSV
Naohiro Takahara (Note 8.0), kam in der Partie gegen die Schalker für die letzten 29 Minuten zum Einsatz und entzückte dabei das Hamburger Publikum. Der Japaner köpfte sein erstes Heimtor und gab zum 3:1 für Bernardo Romeo die Torvorlage – erstmals war er in einer Partie an zwei Treffern direkt beteiligt. 

Van Hoogdalem mit Höhen und Tiefen
Marco van Hoogdalem (Note 4,8) zeigte deutliche Schwächen in der Schalker Hintermannschaft. Der Holländer gewann für einen Verteidiger nur sehr schwache 42 Prozent seiner Duelle. Zumindest in der Offensive wurde er für sein schwaches Stellungsspiel bei der 1:0-Führung der Hamburger (Zweikampf gegen Barbarez vor den Tor von Romeo verloren) entschädigt und markierte mit seinem einzigen Torschuss der Partie den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich. 

Romeo wieder da
Bernardo Romeo (Note 8,0) spielte wie immer. Der Argentinier war kaum zu sehen, hatte nur 20 Ballkontakte in 90 Minuten (selbst der eingewechselte Naohiro Takahara hatte 19 Ballkontakte, durfte aber nur 29 Minuten ran) und gewann nur schwache 30 Prozent seiner Zweikämpfe. Dennoch zeigte Romeo einmal mehr seine Torjägerqualitäten und markierte mit nur drei Torschüssen seinen sechsten Bundesliga-Doppelpack. In 33 Spielen für die Hamburger traf er jetzt 18-mal – eine tolle Quote. Acht Tore erzielte er in der letzten Saison - diese Bilanz verbesserte er in der Partie gegen Schalke mit seinen Saisontoren Nummer neun und zehn. 

Vorlagengeber Barbarez
Sergej Barbarez (Note 8,7) bereitete gegen Schalke zwei der drei HSV-Tore vor. Damit gab er in einer Partie genauso viele Torvorlagen, wie in 15 Spielen zuvor. Nicht Rodolfo Esteban Cardoso trieb, wie sonst üblich, gegen die „Königsblauen“ das Hamburger Spiel an, sondern Barbarez nahm das Heft in die Hand. Der Bosnier war an sieben der zehn HSV-Torschüsse beteiligt und die zentrale Figur im Offensivspiel der Hanseaten. Kein anderer Spieler der Partie gab mehr Torschüsse ab und bereitete mehr vor als der Bosnier. 
 
Trainer Kurt Jara (Hamburger SV):
"Das war sicher kein Spiel für Ästheten, aber es war unglaublich spannend. Die erste Halbzeit war ausgeglichen. Nach der Pause haben wir es versäumt, den Sack zuzumachen. Nach dem Ausgleich für Schalke stand es auf der Kippe, aber die Mannschaft hat darauf hervorragend reagiert und immer an den Sieg geglaubt. Wir haben jetzt wieder ein direktes Duell mit einem Uefa-Cup-Konkurrenten gewonnen, aber das ist kein Grund zur Euphorie."    
 
Trainer Frank Neubarth (Schalke 04): 
"Wir haben uns selbst um den Lohn der Arbeit gebracht. In der ersten Halbzeit haben wir das Spiel gut kontrolliert, das Gegentor ist aus dem Nichts gefallen. Nach der Pause hatten wir zunächst etwas Glück, dass es nicht 0:2 stand. Nach dem Ausgleich haben wir durch zwei Undisziplinierheiten den HSV auf die Siegerstraße gebracht. Diese Niederlage ist mehr als unnötig."  

Topspieler: Bernardo Romeo (Hamburger SV)
Bernardo Romeo ist zurück. Schlappe 20 Ballkontakte, nur drei Torschüsse, dabei aber zwei Mal eingelocht - so lesen sich die Werte eines echten "knipsers", so agiert ein Top-Torjäger! Nach langer Verletzungspause - dreieinhalb Monate legte ihn ein Bandscheibenvorfall lahm - scheint "Bernie" wieder zurück auf der Erfolgsspur. Schon sechs Mal traf der 26-jährige Argentinier in seiner Bundesliga-Karriere im Doppelpack. Schon vier Mal in dieser Saison. Insgesamt konnte der Argentinier nun bereits zehn Mal jubeln.  

Spielwertung: 1 Ball (von 4)
 
Kommentar:
Es spielte der Sechste gegen den Vierten - beides Uefa-Cup-Anwärter. Dazu noch 55.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion. Doch das Ergebnis war enttäuschend: Kampf, Krampf, Stockfehler und Nickeligkeiten über 90 Minuten. Zwei schwache Mannschaften, die nächste Saison den deutschen Fußball international vertreten wollen. Bei Schalke angesichts der prekären Personalsituation noch verständlich, Hamburg dagegen trotz des Sieges in dieser Form noch nicht reif für Europa. Dennoch: Der Erfolg gibt den Hanseaten Recht und letztlich zählt am Ende nur das nackte Ergebnis.
Stefan Rommel  

Taktik
Hamburger SV
Der HSV wieder mit seinem gewohnten 4-4-2-System. Pieckenhagen im Tor. In der Abwehrkette Hollerbach Ujfalusi, Hoogma und Jacobsen (von links nach rechts). Benjamin und Maltritz im defensiven Mittelfeld. Cardoso als Spielgestalter zentral. Mahdavikia stieß über rechts, Barbarez über links immer wieder in die Spitze vor. Romeo im Sturmzentrum.

FC Schalke 04
Auch der S04 mit 4-4-2. Rost im Kasten. Die Abwehr gestaltete sich mit Matellan, Waldoch, van Hoogdalem und überraschend Poulsen auf rechts. Als Abräumer vor der Abwehr Kmetsch. Vermant als Zentrale im Mittelfeld, Varela rechts und Böhme links. Im Sturm Sand in der Mitte und Asamoah über rechts.  


 
kicker:
Spielbericht 
  
Hamburgs Trainer Jara musste im Vergleich zum jüngsten 1:1-Remis in Stuttgart auf den Rechtsaußen der Viererkette Fukal verzichten, Jacobsen erhielt eine Chance von Beginn an. Auch auf der anderen Seite gab es eine Veränderung, da Hollerbach nach einer Grippe wieder auflaufen konnte. Rahn nahm für ihn auf der Bank Platz. Beim FC Schalke hatte Coach Neubarth nach dem 1:1 gegen Bielefeld größere Probleme mit der Viererkette. Oude Kamphuis (Bänderriss) und van Kerckhoven (Muskelfaserriss) mussten passen, van Hoogdalem und Matellan liefen dafür auf. Mit Hajto (Gelbsperre) fiel eine weitere Kraft der Viererkette aus. So musste Poulsen nach seiner Gelbsperre in der Kette aushelfen. Vorne erhielt Asamoah den Vorzug vor Hanke.

Für beide Teams ging es vornehmlich darum, im direkten Duell gegen einen Konkurrenten um einen Qualifikationsplatz für den CL-Wettbewerb zu punkten. Während Hamburg auf eine eingespielte Mannschaft zurückgreifen konnte, stellte sich die Schalker Elf nach etlichen Verletzungsausfällen von selbst auf.

Doch es waren die „Königsblauen“, die den besseren Start erwischten und die Hanseaten mit durchdachten Spielzügen in die eigene Hälfte drückten. Der HSV wirkte konzeptlos und konnte sich bei Keeper Pieckenhagen bedanken, dass Sand nach nur sieben Minuten nicht zur Führung traf.

Mit fortschreitender Spieldauer entwickelte sich ein zerfahrenes, von vielen kleinen Fouls geprägtes Spiel ohne Torraumszenen. Die Hamburger wurden zwar aktiver und erlangten mehr und mehr Spielanteile, durchdacht angelegt waren die Aktionen aber nicht. Krönung der schlechten Leistung der Norddeutschen: Bei einem Schnellangriff kam es zu einer Situation drei gegen eins vor dem Schalker Kasten, doch die schläfrige Lethargie von Mahdavikia, Barbarez und Romeo vereitelte diese große Chance zur unverdienten Führung (22.).

Diese fiel dann kurze Zeit später. Barbarez verlängerte per Kopf einen Cardoso-Freistoß in den Strafraum. Dort hängte Romeo Waldoch um die entscheidenden Zentimeter ab und vollendete von rechts ins lange Eck (30.). Ein Tor aus heiterem Himmel – selten war dieser Spruch so angebracht wie hier in der AOL-Arena, denn der HSV hatte bis dato auch wirklich alles vermissen lassen.

Im Anschluss setzte sich die schwache Partie nahtlos fort, Spielfluss kam bei keiner Mannschaft zu Stande. Vieles blieb Stückwerk. Hamburgs einziges Plus war die anfällige Schalker Defensive. Vor allem bei hohen Bällen zeigten sich van Hoogdalem und Waldoch nicht immer sicher. So war der Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Aust einer der wenigen Höhepunkte der ersten Hälfte.

Nach dem Wechsel hätte es dann beinahe zum zweiten Mal bei den Schalkern geklingelt. Und wieder war es die Unaufmerksamkeit eines S 04-Verteidigers, der dem HSV eine Möglichkeit eröffnete. Matellan legte unfreiwillig Romeo auf, der aber an Rost scheiterte (48.), ebenso wie Mahdavikia nur kurz später mit einem plazierten Kopfstoß (51.) - zwei dicke Chancen zur frühen Vorentscheidung. 

Ähnlich wie in der ersten Hälfte fiel wieder ein Treffer ohne Vorankündigung – nur diesmal folgerichtig auf der anderen Seite. Böhmes Ecke konnte Pieckenhagen nur in die Mitte fausten, dort nahm van Hoogdalem das Leder volley und traf ins rechte untere Eck (58.).

Jara setzte nun auf Offensive und brachte Edeljoker Takahara für den blassen Cardoso, besser wurde das Offensivspiel der Norddeutschen deshalb aber nicht. Und da auch Schalke nichts zusetzen konnte, verfiel die Partie auf das Niveau der ersten Hälfte. Unrühmlicher Höhepunkt: Poulsens wiederholtes hartes Einsteigen, das mit einer Gelb-Roten Karte geahndet wurde (72).

Die „Knappen“ verkrafteten die numerische Unterzahl erstaunlich gut. Hamburg probierte es artig durch die Mitte, anstatt die sich bietenden Räume zu nutzen und das Spiel in die Breite zu ziehen.

Und dann sah Matellan Rot – im wahrsten Sinne des Wortes. Seine völlig unnötige Tätlichkeit gegen Meijer hatte einen Platzverweis zur Folge und kostete aller Anschein nach Schalke einen Punkt. Ohne zwei Kräfte der Viererkette war Schalke nun machtlos in der Defensive.

Hamburg zeigte sich eiskalt und versetzte den „Königsblauen“ mit Treffern durch Takahara (87.) und erneut Romeo (90.) den Todesstoß.

In einer über weite Strecken erschreckend schwachen Partie brachte sich der FC Schalke selbst durch mangelnde Disziplin um die Früchte der Arbeit. Hamburg ließ zwar nahezu alles vermissen, zeigte sich aber schließlich clever.  

Spielereignisse im Detail 
Schlusspfiff 
90     Keeper Rost hält sich bei einer ecke im gegnerischen Strafraum auf und muss so machtlos mit ansehen, wie Romeo aus 35 Metern ins leere Tor einschieben kann. 
 
87     Jetzt macht er es besser. Barbarez setzt sich gegen Rost durch und legt schon auf Takahara auf, der aus nur drei Metern ins leere Tor einköpft. 
 
85     Nach Matellans Tätlichkeit, die eine Rote Karte zu Folge hatte, vergibt Takahara eine aussichtsreiche Kopfballchance. 
 
66     Vermant setzt schon Kmetsch per Steilpass in Szene. Der fackelt nicht lange und zieht aus neun Metern rechter Position ab, doch der Winkel war bereits zu spitz. 
 
58     Nach einer Böhme-Ecke kann Pieckenhagen nur in die Mitte fausten. Dort steht van Hoogdalem und vollendet volley ins rechte untere Eck. 
 
51     Barbarez überläuft Waldoch auf der linken Seite und flankt nach innen. Dort köpft Mahdavikia völlig freistehend auf's Tor, doch Rost lenkt den Ball an den Pfosten, wovon er ins Feld zurückspringt. 
 
48     Matellan legt unfreiwillig Romeo fünf Meter vor dem eigenen Tor den Ball vor die Füße. Der Argentinier zeigt sich nicht kaltschnäuzig genug und scheitert an Rost. 
 
 Anpfiff 2. Halbzeit 
 
 Halbzeit 
 
38     Mahdavikia flankt von der rechten Seite in den Strafraum. Alle verpassen, doch am zweiten Pfosten taucht völlig ungedeckt Barbarez auf. Rost hat jedoch mit dessen Kopfball keine Probleme. 
 
35     Hollerbach legt unglücklich Varela auf und der Uruguayer zieht direkt per Seitfallzieher ab - ein Meter zu hoch. 
 
30     Aus heiterem Himmel die HSV-Führung: Barbarez verlängert per Kopf einen Cardoso-Freistoß in den Strafraum. Dort hängt Romeo Waldoch um die entscheidenden Zentimeter ab und vollendet von rechts ins lange Eck. 
 
27     Diesmal hat Pieckenhagen Glück nach einer Böhme-Ecke von der rechten Seite. Wie angewurzelt bleibt er auf der Linie kleben, doch Sand kann den Ball nicht kontrollieren. 
 
22     Riesenchance für den HSV. Plötzlich tauchen drei Hamburger gegen Waldoch auf, doch Mahdavikia, Barbarez und Romeo sind zu träge um die Situation auszunutzen. 
 
21     Die Partie ist nun zerfahren und von vielen kleinen Fouls geprägt. Tormöglichkeiten sind Mangelware. 
 
11     Varela legt lang und hoch quer auf Böhme. Der nimmt die Kugel aus 15 Metern volley, trifft das Tor aber knapp nicht. 
 
7     Diesmal zieht Vermant von links eine Freistoß-Flanke auf den zweiten Pfosten. Dort steht Sand und nimmt das Leder volley. Pieckenhagen klärt per Reflex. 
 
5     Böhme zieht einen Freistoß von der rechten Seite druckvoll nach innen auf den langen Pfosten. Pieckenhagen lässt sich jedoch nicht überraschen und fängt sicher. 
 
Anpfiff 


 
dpa meldet:

HSV weiter auf dem Vormarsch - 3:1 gegen Schalke

Von Britta Körber, dpa

Hamburg (dpa) - Im Wettlauf um die UEFA-Cup-Plätze hat sich der Hamburger SV eine hervorragende Ausgangsposition verschafft. Die Hamburger setzten sich in einer überhart geführten Partie gegen den ebenfalls auf einen internationalen Startplatz fixierten FC Schalke 04 mit 3:1 (1:0) durch. 

Damit katapultierte sich der HSV auf Platz vier und zog an den Schalkern vorbei. Das Führungstor für die Gastgeber erzielte Bernardo Romeo (29.). Schalke glich durch Marco van Hoogdalem (57.) aus, ehe der eingewechselte Naohiro Takahara (86.) und erneut Romeo (90.) den HSV-Sieg perfekt machten. Die Gäste mussten das Spiel mit neun Akteuren beenden, nachdem Christian Poulsen wegen wiederholten Foulspiels mit der Gelb-Roten Karte (71.) und Anibal Matellan wegen groben Foulspiels mit der Roten Karte (86.) bestraft worden waren.

«Das ist kein gerechtes Ergebnis. Wir waren die bessere Mannschaft», meinte Schalke-Manager Rudi Assauer. «Aber die Disziplinlosigkeiten haben dem Verein großen Schaden zugefügt.» Das Spiel der zweitbesten Heimmannschaft gegen das zweitbeste Auswärtsteam verlief über weite Strecken zerfahren, war reich an Fehlpässen und wenig unterhaltsam. HSV-Trainer Kurt Jara entschuldigte die harte Gangart und das geringe Niveau. «Es geht um sehr viel, da sind beide Mannschaften sehr engagiert», meinte der Coach. Sein Gegenüber Frank Neubarth erklärte: «Wir hatten das Spiel im Griff, sind dann aber durch die Platzverweise auf die Verliererstraße geraten.»

Der Qualität zum Trotz: Der HSV kann auf eine stattliche Bilanz verweisen. In den vergangenen 15 Spielen mussten die «Rothosen» lediglich eine Niederlage hinnehmen. Im zwölften Heimspiel der neunte Sieg - besser kann es nur Bayern München. «Wenn man Siege hat, kann man ruhiger arbeiten», hatte Trainer Kurt Jara seinen Mannen vor dem Spiel eingeschärft. Den Schalkern blieb einmal mehr die Erkenntnis, beim HSV auf verlorenem Posten zu stehen. Seit elf Jahren konnten die Gelsenkirchener im Volkspark nicht mehr gewinnen.

Die ohne sechs verletzte bzw. gesperrte Stammspieler (Mpenza, Möller, van Kerckhoven, Oude Kamphuis, Agali, Hajto) nach Hamburg gereisten Schalker präsentierten sich zunächst zielstrebiger und attackierten ihre Gegenspieler frühzeitig. «Mit dem Rest der Truppe, der einigermaßen laufen konnte, haben wir ordentlich gespielt», befand Assauer. Doch Ebbe Sand (6.), Jörg Böhme (10.) und Sven Kmetsch (66.) vergaben die besten Möglichkeiten. Dafür nahm auf der Gegenseite Bernardo Romeo genau Maß und baute seine Trefferbilanz mit zwei Toren auf nunmehr zehn aus.

Nach dem Seitenwechsel gingen die Hamburger engagierter zu Werke. Doch ausgerechnet in ihrer Druckphase schafften die Schalker den Ausgleich. Ein 20-Meter-Schuss von van Hoogdalem vorbei an Freund und Gegner landete zur Verblüffung von Torhüter Martin Pieckenhagen im Netz. Danach lagen die Nerven blank. Den Fouls konnte Schiedsrichter Jürgen Aust (Köln) kaum Herr werden. Fünf Mal Gelb, einmal Rot, einmal Gelb-Rot - der siebte Platzverweis für Schalke in dieser Saison - waren letztlich noch nicht einmal die adäquate Antwort auf die übertriebene Härte beider Teams. «Die anderen hätten auch eine Rote Karte kriegen müssen», beschwerte sich denn auch Schalke-Torhüter Frank Rost.