Bundesliga 2002/2003, 28. Spieltag, Samstag, 12.04.03, in der Hamburger AOL Arena bei sonnigem Wetter mit 14 Grad C.

Hamburger SV - BVB 09 Borussia Dortmund 1:1 (0:0)

Heute muß ich mich eigentlich ein bißchen beeilen beim Schreiben, denn die Fahrt nach dem Spiel führt uns heute nicht direkt zurück ins schöne Ostholstein, sondern erstmal nur in meine Hamburger Unterkunft. Denn nachher geht es noch zur 10 Jahres-SC-Feier auf die Cap San Diego. Ich hoffe mal, daß zumindest der Abend noch schön wird. Der Nachmittag und seine Ergebnisse gefiel mir nämlich so gar nicht.

Morgens sagte ich ja noch hoffnungsfroh, daß heute ein schöner Tag werden sollte. Ich dachte da so an einen HSV-Sieg, andere gute Bundesliga-Ergebnisse, eine Entscheidung für Hamburg als deutschen Olympiakandidat für 2002 und zuletzt einen schönen Abend auf der SC-Feier.

So wie der bisherige Tag verlaufen ist, kann die Feier eigentlich nur scheiße werden. Nee, da bin ich wohl doch zu negativ. Soo schlecht hat der HSV ja auch nicht gespielt, aber eben nur mittelmäßig erfolgreich. Ich hätte eben doch auf einen Sieg gehofft. Und der wäre ja auch möglich gewesen. 

Nach einer sehr chancenarmen ersten HSV-Halbzeit, fielen in der 2. Halbzeit dann die Tore. Romeo erzielte per Kopf das 1:0. Schön. Da hätte ich wirklich an den Sieg geglaubt. Ich dachte auch gleich, daß wir nun aber aufpassen müssen, nicht sofort den Ausgleich zu bekommen. Leider fiel der aber doch sehr schnell. Und auch nur durch gütige Mithilfe des HSV. Nach einer Flanke schlug Fukal am Ball vorbei und Ujfalusi war dadurch so verdutzt, daß der Ball ihm an den Kopf sprang und er "perfekt" für Koller auflegte. Der brauchte ihn nur noch einzuschieben. Shit.

Aber danach hatten wir durch Romeo sogar noch mal die (man muß wohl sagen 100%ige) Chance zur erneuten Führung. Leider konnte Bernardo diese aber nicht nutzen und schoß den Ball aus kürzester Distanz rechts am Tor vorbei.

Der HSV war also m.E. durchaus wesentlich näher an einem Sieg als Dortmund. Aber trotzdem denke ich, daß das Ergebnis das Spiel schon wiederspiegelt. Es war insgesamt ausgeglichen. Beide Abwehrreihen spielten sehr gut und konnten die gegnerischen Stürmer weitestgehend neutralisieren. So war es denn vielleicht auch eher ein Spiel, das Fußball-Kenner wegen der Taktik vielleicht toll finden, aber das gemeine Fußballvolk wie mich nicht unbedingt von den Sitzen reißt.

Die Stimmung im Stadion war dabei auch sehr lau. Es wurde bestenfalls mal sehr kurzfristig lauter, wenn das Schirigespann wieder einmal kleinlich für Dortmund entschieden hatte. Ich denke, wenn man die Anzahl er Pfiffe gezählt hätte, könnte der Schiri eine Rekordmarke erreicht haben. Und dabei strich er heraus, daß er keinesfalls ein Heimschiri ist.... Wie ich schon beim letzten Spiel gegen Dortmund feststellen konnte, ist es unglaublich, wieviel Hinfaller ein solcher Riese wie Koller produziert. Und dabei wirklich einige recht lächerliche. Aber die Schiri zeigte sich meistenteils Koller-freundlich. Viele dieser Zweikämpfe (fast alle in der Luft) sind natürlich auch schwer zu entscheiden, weil Koller körperlich seinen Gegnern eben total überlegen ist. Nur fällt er dabei eben wie eine Feder immer wieder zu Boden.

Tja, das war´s dann wohl schon mit dem Kurzbericht,  denn viel mehr fällt mir zu dem Spiel gar nicht ein. Achso, nach Spielende erfuhren wir auch noch, daß im letzten Stechen um die Olympiakandidatur für Leipzig und gegen Hamburg entschieden wurde. Schade.

Richtig beschissen übrigens auch die anderen Ergebnisse der Bundesliga. Einige wie die Heimsiege von Stuttgart und Hertha waren zu erwarten. Das sich allerdings die doofen Bayern (wenn man schon mal für sie ist) zu Hause eine Niederlage von Werder einschenken lassen, ärgert mich schon sehr. Nur schade, daß das den Bayern leider gar nicht schaden wird.

Nachtrag: Außer diesem kleinen Absatz meines Berichts habe ich den Rest direkt nach dem Spiel geschrieben, ohne Spielberichte auf ran etc. gesehen zu haben. Normalerweise schreibe ich dann später auch nichts mehr dazu. Diesmal möchte ich das aber doch.
Was sich der Sat1-Mann in seinem Bericht alles abgekniffen hat, kann man m.E. nämlich so nicht stehen lassen. Einer seiner ersten Sätze war bereits, daß Dortmund überlegen, agiler und sonstwas gewesen sei und in diesem Credo ging sein Bericht dann auch weiter. Ich glaube, der hat den Schuss nicht gehört bzw. man hätte vielleicht keinen eingefleischten BVB-Fan als Kommentator hinschicken sollen. Wie ich oben schon schrieb, wäre ein Sieg des HSV zwar möglich, aber vielleicht des Guten zu viel gewesen. Ein BVB-Sieg wäre allerdings noch wesentlicher ungerechtfertigter gewesen, denn die hatten ja praktische keine zwingenden Chancen und ihr Tor nur machen können, weil zwei HSVer auflegten.
Richtig ist, daß in auch in meinen Augen Holler sich nicht hätte beschweren dürfen, wenn er Rot für seinen Ellbogeneinsatz gegen Rosicky bekommen hätte. Dann werden aber freundlicherweise andere Szenen gar nicht erst gezeigt, als z.B. Rosicky mit beiden Beinen voraus in einen Hamburger springt.
Und als Zuckerl werden auch noch 1 - 2 Elfer für Dortmund konstruiert, wo man m.E. nicht mal mit gutem BVB-Willen welche hätte geben können. Etwas objektiver Sonntag früh der Text des DSF-Mannes zu den gleichen Bildern und richtig gut dann eben im DSF-Stammtisch der WDR-Mann, der sagte, daß Dortmund mit dem Unentschieden gut bedient war und auch bei Gleichzahl wohl kaum noch ein Tor geschossen hätte.
So, dann weiter mit dem Rest meines Berichts, den ich direkt nach dem Spiel schrieb:

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: Hatte nicht viel zu tun und war fehlerlos: Note 3

Ujfalusi: hat „natürlich“ viele Luftkämpfe verloren, aber ansonsten sehr gut gespielt: Note 3

Hoogma: siehe Ujfi: Note 3

Hollerbach: ebenfalls gut auf seiner linken Abwehrseite. Ewerthon bzw. Evanilson waren kaum zu sehen: Note 3

Fukal: Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll, denn eigentlich fand ich alle Verteidiger gleichmäßig gut. Vermutlich hätten auch alle statt einer 3 eher eine 2 verdient. Aber nun bekommt auch Fuki: Note 3

Maltritz: Meine Probleme beim Benoten gehen weiter, denn scheibar fand ich alle einheitlich ganz o.k., aber nicht überragend. Auch für Maltritz gilt das: Note 3

Wicky: was soll ich sagen: Note 3

Cardoso: war nicht sehr auffällig. Konnte keine Impulse setzen: Note 4

Barbarez: das war heute nicht sein Tag. Hatte kaum eine gelungene Aktion: Note 4

Romeo: war heute viel unterwegs und konnte auch ein Tor zum Spiel beisteuern. Leider war er dann für ein zweites nicht cool genug.: Note 3

Mahdavikia: Bemüht, aber gegen die gute Dortmunder Abwehrreihe konnte er sich auch nur selten durchsetzen. Note 3

Schiri: Hatte zwar keinen ganz leichten Job heute; war aber in meinen Augen viel zu oft auf der Seites des Meisters mit seinen Entscheidungen: Note 4- 

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 
TORE  
1:0 Bernardo Romeo (65.)
1:1 Jan Koller (68.)
 
GELBE KARTEN  
Hamburger SV: 
Bernd Hollerbach (37.) 
Rodolfo Esteban Cardoso (49.) 
Marcel Maltritz (57.) 
Naohiro Takahara (88.) 

Borussia Dortmund:
Torsten Frings (37.)
 
PLATZVERWEISE  
Hamburger SV: -    
Borussia Dortmund: Karte gelb/rot für Torsten Frings (75.)
 
SCHIEDSRICHTER :  Dr. Helmut Fleischer  
ZUSCHAUER :  55,432 
DATUM :  12.04.03   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Milan Fukal, Bernd Hollerbach, Tomas Ujfalusi, Nico Jan Hoogma, Marcel Maltritz, Mehdi Mahdavikia, Raphael Wicky, Rodolfo Esteban Cardoso, Bernardo Romeo, Sergej Barbarez

Borussia Dortmund: Roman Weidenfeller, Ahmed Reda Madouni, Evanilson, Sebastian Kehl, Christian Wörns, Torsten Frings, Marcio Amoroso, Tomas Rosicky, Dede, Jan Koller, Ewerthon

WECHSEL 
Hamburger SV:
Naohiro Takahara für Rodolfo Esteban Cardoso (60.)

Borussia Dortmund:
Lars Ricken für Marcio Amoroso (46.)
Stefan Reuter für Ewerthon (78.)
 

Duell der Hitzköpfe – 1:1 zwischen HSV und Dortmund  
Dortmunds Mittelfeldspieler Dede brachte es nach dem Spitzenspiel gegen den Hamburger SV in der mit 55.500 Zuschauern ausverkauften AOL-Arena auf den Punkt. "Das war kein schönes Spiel, aber wir haben immerhin gekämpft", sagte der Brasilianer.
"Das war ein typisches 0:0-Spiel, sehr hektisch", meinte Tomas Rosicky. Damit hatte der Tscheche Recht, nur ging die Partie nach Toren von Bernardo Romeo (65.) und Jan Koller (68.) 1:1 aus.   
Und das war für beide Mannschaften zu wenig. Denn der amtierende Deutsche Meister blieb damit im sechsten Auswärtsspiel in Folge ohne Dreier und hat durch den Sieg der Stuttgarter jetzt vier Punkte Rückstand auf Platz zwei. Verständlich daher, dass der BVB unzufrieden war. "Das war kein Punktgewinn, denn wir wollten hier siegen", gab Rosicky zu.

"Wir haben gute Ansätze gezeigt"
Immerhin präsentierte sich die Elf von Matthias Sammer nach der peinlichen 1:2-Heimschlappe gegen Bremen in der Vorwoche zumindest in Sachen Engagement wieder von der besseren Seite.
"Wir haben gute Ansätze gezeigt", diktierte BVB-Keeper Roman Weidenfeller den Journalisten in die Notizbücher. Und auch Trainer Sammer fand gute Aspekte: "Wichtig war, dass die Mannschaft eine bessere Einstellung zeigte als zuletzt. Damit war ich heute zufrieden. Spielerisch haben wir noch nicht das gezeigt, was wir können. Aber es war ein Anfang zurück zu besseren Zeiten, mehr nicht."

"Aufreger" Schiedsrichter Fleischer
Sein Gegenüber, HSV-Trainer Kurt Jara, hatte den Verlauf der Partie so kommen sehen. "Mir war klar, dass es so ein enges Spiel werden würde. Beide Mannschaften haben nicht alles riskiert, dafür stand zu viel auf dem Spiel", sagte der Österreicher, zog aber trotz der verpassten Möglichkeit an den BVB heranzurücken ein positives Fazit: "Wir stehen nach diesem Punkt immer noch auf einem Uefa-Cup-Platz."
Für Aufregung sorgte der Unparteiische Dr. Helmut Fleischer, der einen rabenschwarzen Tag erwischte und vieles mit zweierlei Maß beurteilte. "Der Schiedsrichter sollte mal über seine Leistung nachdenken, so wie wir Spieler auch", meinte Torsten Frings verärgert.

Sammer fühlte sich "verschaukelt"
Vor allem die Situation aus der 37. Minute, in der Hamburgs Bernd Hollerbach den Dortmunder Rosicky per Ellenbogen-Check niederstreckte, der Schiedsrichter jedoch dem Hamburger und dem mosernden Frings die Gelbe Karte zeigte, sorgte für Unmut.
"Das war eine klare Rote Karte", meinte Frings, der in der 75. Minute wegen wiederholten Foulspiels vom Platz musste. "Ich kann das nicht nachvollziehen. Er trifft mich klar mit dem Ellenbogen, klar Rot", meinte auch Rosicky. "Ich fühle mich vom Schiedsrichter verschaukelt", sagte Sammer, "Das muss jetzt mal gesagt werden, sonst bekomme ich ein Magengeschwür."

"Jede Woche diese Heulerei"
"Übeltäter" Bernd Hollerbach dagegen verstand die Aufregung nicht. "Jede Woche diese Heulerei. Ich will dazu eigentlich nichts sagen, aber so etwas gehört zum Fußball dazu", meinte der gelernte Metzger.
Die Hamburger hatten sogar Pech, dass ein Kopfball von Mehdi Mahdavikia nur an den Pfosten ging (55. Minute) und Bernardo Romeo in der 85. Minute die Chance zum möglichen Siegtreffer vergab.

BVB vor Duell mit den Bayern optimistisch
"Der Sieg war drin", fand auch HSV-Verteidiger Tomas Ujfalusi, der nach vorne schaut. "Wir werden weitermachen wie bisher, im Hinblick nach oben ist noch gar nichts entschieden." Und deshalb sagte der Tscheche: "Wir werden nächste Woche wieder angreifen und versuchen, auch bei 1860 zu punkten."
Die Dortmunder haben nächste Woche Bayern München zu Gast und Keeper Weidenfeller, weiß was zu tun ist: "Wir haben keine Krise gehabt, sind auf einem guten Weg und müssen jetzt nächste Woche zu Hause gegen die Bayern gewinnen."
 

Fakten:
Wieder kein Heimsieg gegen den BVB
Der HSV ist gegen Dortmund nun schon seit fast sechs Jahren ohne Heimsieg und verpasste es durch das Remis näher an die Champions-League-Plätze heranzukommen. 

Ende der HSV-Heimsiegserie
Nach zuvor fünf Heimsiegen in Folge muss sich der HSV erstmals im Jahre 2003 auf eigenem Platz mit einem Remis begnügen. 

Der VfB droht den Dortmundern zu enteilen
Der BVB gewann nur eins der letzten fünf Spiele, bleibt in der Rückrunde weiter ohne Auswärtssieg und muss, bei nun schon vier Punkten Rückstand auf den VfB, aufpassen, die direkte Qualifikation zur Champions League nicht zu verpassen. 

Koller in der Fremde top
Der Tscheche erzielte in Hamburg sein neuntes Auswärtstor – Ligaspitze, kein anderer Spieler traf in der Fremde häufiger als sieben Mal. 

Schlaglichter:
Nach der Pause wurde es besser
In der ersten Spielhälfte gab es nur sieben Torschüsse zu sehen (4:3 für den HSV). Nach der Pause wurde das Spiel ansehnlicher, es fielen beide Tore und gab drei Mal so viele Torschüsse (13:8 für den BVB). 

Koller sicherte den Punktgewinn
Jan Koller (Note 8,1) war in der Partie gegen die Hanseaten mal wieder auffälligster Angreifer der Dortmunder. Der Tscheche verdiente sich sein Tor, das seine Nationalmannschaftskollegen Tomas Ujfalusi (Note 7) und Milan Fukal (Note 6) in einer Pannen-Koporoduktion auflegten, durch seinen großen und unermüdlichen Einsatz. Koller (Note 8,1) bestritt mit Abstand die meisten Zweikämpfe (57), verbuchte von allen Stürmern die beste Bilanz (56% gewonnen) und hatte von allen Angreifern die meisten Ballkontakte der Partie (48). 

Madouni fast ohne Tadel
Ahmed Reda Madouni (Note 7,4), der sich nur in Unterzahl kurz vor dem Ende der Partie von Bernardo Romeo (Note 7) vernaschen ließ, war gegen den HSV konzentriert und verbuchte die beste Zweikampfbilanz der Partie (85% gewonnen). Gegen Sergej Barbarez (Note 6,4) verlor er keinen einzigen Zweikampf. 

Mahdavikia als Spielmacher
Mehdi Mahdavikia (Note 6,9) war auf Seiten der Hamburger an den meisten Torschüssen seiner Mannschaft beteiligt, vier Mal legte er eine Torschuss für einen Mitspieler auf und einmal köpfte er selbst auf das Tor und traf nur den Pfosten. 
 
Trainer Kurt Jara (Hamburger SV): 
"Der Hamburger Slogan kann heute nur lauten: Schön wärs gewesen. Hamburg hat Olympia nicht bekommen und wir haben den BVB nicht geschlagen, obwohl es möglich gewesen wäre. Mit dem einzigen Fehler haben wir sofort das 1:1 bekommen. Mir war klar, dass es so ein enges Spiel werden würde. Beide Mannschaften haben nicht alles riskiert, dafür stand zu viel auf dem Spiel. Wir stehen nach diesem Punkt immer noch auf einem Uefa-Cup-Platz."    
 
Trainer Matthias Sammer (Borussia Dortmund):
"Wichtig war, dass die Mannschaft eine bessere Einstellung zeigte als zuletzt. Damit war ich heute zufrieden. Spielerisch haben wir noch nicht das gezeigt, was wir können. Aber es war ein Anfang zurück zu besseren Zeiten, mehr nicht."  

Topspieler: Tomas Ujfalusi (Hamburger SV)
Der Tscheche Ujfalusi zeigte wieder einmal, dass er einer der besten seines Faches ist. Er war mit 72 Prozent gewonnener Duelle Mann gegen Mann bester HSV-Spieler. Gegen Amoroso gewann er alle Zweikämpfe, gegen Landsmann Koller, der in dieser Kategorie normalerweise immer als Sieger hervorgeht, zog er sich achtbar aus der Affäre: 7:7 die Bilanz. Zudem kam Ujfalusi ohne ein Foul aus und setzte zudem Akzente in der Offensive. Drei Torschüsse gab er als zentraler Abwehrspieler ab – keiner auf dem Platz hatte mehr! Wermutstropfen: Beim Gegentor durch Koller sah er nicht gut aus, war allerdings überrascht, dass seine zwei Vordermänner nicht klären konnten. Seine super11-Elf-Note: 7.  
 

Spielwertung: 2 Bälle (von 4)
 
Kommentar:
Das Topspiel hielt nicht, was es im Vorfeld versprach. Beide Mannschaften verunsichert, Schiedsrichter Dr. Helmut Fleischer sorgte mit vielen unverständlichen und falschen Entscheidungen für zusätzliche Unruhe. Dortmund muss in dieser Form - vor allem in spielerischer Sicht – zittern, um noch den zweiten Platz zu erreichen. Die Hamburger hingegen verpassten es, aufzuschließen, hatten jedoch Pech, dass Mahdavikia nur den Pfosten traf und Romeo die Siegchance vergab. Dennoch war der HSV insgesamt das bessere Team und wird vor allem Dank der Heimstärke, vielleicht noch in den Kampf um Platz drei eingreifen können und das bessere Ende für sich haben.
André Elsner  

Taktik
Hamburger SV:
Vor Pieckenhagen im Tor eine Viererabwehrkette mit Hollerbach, Ujfalusi, Hoogma und Fukal (von links). Davor sicherten Maltritz und Wicky im zentralen defensiven Mittelfeld ab. Cardoso als Spielgestalter hinter Sturmspitze Romeo, flankiert von Barbarez über links und Mahdavikia über rechts.

Borussia Dortmund:
Weidenfeller im BVB-Kasten. Davor vier Mann in der Defensive: Dede, Wörns, Madouni und Evanilson (von links). Im defensiven Mittelfeld Kehl und Frings. Hinter Koller im Sturmzentrum agierte Rosicky im zentralen offensiven Mittelfeld. Ewerthon stürmte über rechts, Amoroso über links.  


 
kicker:

Spielbericht 
Hamburgs Trainer Jara nahm nach dem glücklichen 1:0-Sieg gegen Bielefeld zwei Veränderungen vor. Für Hertzsch kam Abwehrchef Hoogma zurück ins Team und der Japaner Takahara musste Wicky im Sinne einer defensiveren Aufstellung weichen. BVB-Coach Sammer setzte nach der bitteren 1:2-Schlappe gegen Bremen weitgehend auf Wiedergutmachung und ließ bis auf den Wechsel von Ewerthon für Reuter die gleiche Startformation auflaufen.

Hochspannung in der AOL-Arena: Mit einem Sieg hätte der HSV die große Chance gehabt, bis auf einen Punkt an den Champions-League-Qualifikationsplatz heranzukommen. Dementsprechend engagiert legten die Hanseaten los und kombinierten ansehnlich. Doch es dauerte nur wenige Minuten, ehe sich die Dortmunder, die zunächst sehr weit weg vom Gegner standen, fingen. Eine lebhafte Partie entwickelte sich, auch wenn eine klare, konsequente Linie bei keiner der beiden Mannschaften zu sehen war.

Gegen Mitte der ersten Hälfte erlebte die Partie in puncto Spieltempo eine kurze Hochphase, allerdings blieben Chancen weiter Mangelware. Der HSV suchte seine Möglichkeit konsequent, gegen die sichere BVB-Abwehrreihe fehlten aber die Ideen. So musste Keeper Weidenfeller nur ein einziges Mal bei einer ungenauen Flanke zupacken. In der Offensive deuteten die Dortmunder zwar ihr spielerisches Potenzial an, zwingend war das aber alles nicht – viel Einsatz, kein Spielkonzept. Hektik und Gewürge bestimmten die letzten Minuten der ersten 45 Minuten. Größter Aufreger: Hollerbach trifft Rosicky im Laufduell mit dem Ellenbogen am Kopf. Heftige Tumulte um Hollerbach folgten, der ebenso mit einer Gelben Karte ermahnt wurde wie Frings, der sich heftig erregte (40.).

Zur Pause brachte BVB-Coach Sammer Ricken für Amoroso – ein Versuch, mehr Linie ins Spiel und ein Übergewicht im Mittelfeld zu bekommen. Und siehe da, die Borussia hatte nun mehr vom Spiel und brachte die HSV-Defensive mit scharfen Flanken in Bedrängnis. Ewerthon vergab die beste Gelegenheit per Kopf, Hollerbach hatte ihn in letzter Minute entscheidend gehindert (55.).

Die Norddeutschen hielten aber zu jedem Zeitpunkt dagegen und hatten mit Mahdavikias Pfostentreffer (56.) die beste Gelegenheit des Spiels. Auch Coach Jara roch Lunte und brachte mit Takahara einen weiteren Stürmer.

Nun wurde es endlich rasanter und kam dem näher, was sich viele von diesem Spitzenspiel erwartet hatten. Der HSV kam ein ums andere Mal gefährlich vor das Borussen-Tor. In der 67. Minute war es endlich soweit: Hollerbach hatte den Ball schön nach innen gebracht und Romeo wuchtig per Kopf vollendet.

Dieser Treffer wirkte auf die Borussen wie eine Injektion. Im direkten Gegenzug versenkte Koller den Ball aus sechs Metern im Netz, nachdem Fukal und Ujfalusi stümperhaft durchgelassen hatten (69.).

Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, den der BVB in der Schlussphase mit einem Mann weniger bestreiten musste. Frings wurde von Schiedsrichter Fleischer mit Gelb-Rot in die Kabine geschickt (76.) – eine überharte Entscheidung.

Das Niveau fiel nun wieder deutlich ab, einzig Romeo hatte in der 86. Minute die Chance, zum Matchwinner zu avancieren. Doch einige Zentimeter fehlten dem Argentinier zum Glück.

In einer lebhaften, aber zerfahrenen und ungeordneten Partie trennten sich beide Teams verdient ohne Sieger. Der HSV verbuchte die besseren Chancen, machte in der Endphase aber zu wenig aus der numerischen Überzahl. Die Dortmunder blieben kühl im Kopf und ließen sich auch in Unterzahl nicht einschnüren. Von der angekündigten Trotzreaktion war jedoch wenig zu spüren, den Abstand zum HSV wahrten sie.

Spielereignisse im Detail :
 
Schlusspfiff 
 
90     Kehl zieht aus 27 Metern ab. Das Leder fliegt stramm auf Pieckenhagen zu, der jedoch sicher zupackt. 
 
86     Barbarez flankt von der rechten Seite nach innen. Romeo nimmt fünf Meter vor dem Tor den Ball an, umdribbelt Madouni und schiebt nur um Millimeter am Gehäuse vorbei. 
 
73     Ewerthon legt schön zurück auf Ricken, der es aus 17 Metern mit einem Schlenzer versucht. Die Kugel geht nur knapp am rechten Pfosten vorbei. 
 
69     Die BVB-Antwort: Dede flankt von links, Fukal und Ujfalusi legen ein stumperhaftes Abwehrverhalten an den Tag und legen so Landsmann Koller den Ausgleich auf den Fuß. Der Tscheche schiebt aus sechs Metern ein. 
 
67     Das hatte sich abgezeichnet: Barbarez legt auf links, Hollerbach hat Zeit, präzise zu flanken und Romeo vollendet aus fünf Metern mit einem wuchtigen Kopfball. Weidenfeller war ohne Chance. 
 
65     Ecke Mahdavikia, Kopfball Hoogma. Der Niederländer kommt ein wenig in Rücklage und kann so das Leder nicht drücken. Keine Gefahr für Keeper Weidenfeller. 
 
56     Mahdavikias Kopfball aus 15 Metern fliegt gefährlich auf den von Weidenfeller gehüteten Kasten. Der Keeper macht sich lang, doch erst der Pfosten rettet für den BVB. 
 
55     Wörns überläuft Mahdavikia am linken Flügel und flankt nach innen. Dort steigt Ewerthon hoch, wird im letzten Moment aber noch von Hollerbach gestört. 
 
53     Rosicky bringt eine Ecke von der rechten Seite nach innen. Die HSV-Defensive kann nicht entscheidend klären und so kann Ricken aus dem Hinterhalt abziehen. Das Leder geht jedoch weit über den Kasten. 
 
 Anpfiff 2. Halbzeit 
 
47     Zur Pause kommt Ricken für Amoroso - ein Versuch Sammers, mehr Linie ins Spiel zu bringen. 
 
 Halbzeit 
 
45     Wörns gewinnt zwar ein defensives Kopfballduell, wehrt aber viel zu kurz ab. Frings kann den Ball nur passieren lassen und Fukal nimmt das Leder volley. Der Ball zischt nur um Haaresbreite am linken Pfosten vorbei. 
 
38     Tumulte an der rechten Außenlinie der Hamburger. Hollbach trifft Rosicky (absichtlich) mit dem Ellenbogen im Gesicht. Die BVB-Akteure sind äußerst aufgebracht. 
 
36     Beide Teams weiterhin sehr engagiert, es fehlt aber beiden am klaren Konzept. Tormöglichkeiten gibt es dezeit nicht. 
 
20     Rosicky überläuft am rechten Strafraumeck Hoogma. Der Tscheche gibt sogleich scharf herein, wo Ewerthon die Kugel erst stoppt und dann abzieht. Fukal schmeisst sich ihm entgegen und klärt. 
 
18     Die Partie ist nun arm an Höhepunkten. Beide Mannschaften sind sehr bemüht, der Zug zum Tor fehlt derzeit aber gänzlich. 
 
8     Dede zieht einen strammen Freistoß aus 22 Metern halbrechter Position über die Mauer. Pieckenhagen hatte aufgepasst und fängt sicher. 
 
6     Ewerthon legt Koller den Ball per Kopf in den Lauf. Der Tscheche kommt nicht an die Kugel, Pieckenhagen kann in prekärer Lage klären. 
 
3     Tolle Kombination der Hamburger über Maltritz, Barbarez und Cardoso. Der Argentinier will schließlich aus 15 Metern abziehen, Frings spitzelt ihm jedoch das Leder im letzten Moment vom Fuß. 
 
Anpfiff 


 
dpa meldet: 
Unzufriedener Sammer wettert wieder

Von Volker Gundrum, dpa

Hamburg (dpa) - Auch bei den Fußball-Handwerkern des Hamburger SV enttäuschten die millionenschweren Ballkünstler von Borussia Dortmund, doch diesmal suchte Trainer Matthias Sammer die Schuld nicht nur bei seinen Spielern. 

«Ich muss klar betonen, dass ich mit einigen Schiedsrichter-Entscheidungen nicht einverstanden sein kann», leistete sich der Meistermacher nach dem 1:1 (0:0) einen Rückfall in längst überwunden geglaubte «Motzki»-Zeiten. Immerhin verriet Sammer später, warum er kein gutes Haar am Unparteiischen Helmut Fleischer (Hallstadt) ließ: «Sonst bekomme ich irgendwann ein Magengeschwür.»

Wenn nicht das Torgeschenk der HSV-Tschechen Milan Fukal und Tomas Ujfalusi an Landsmann Jan Koller (68.) zum Ausgleich nach dem hochverdienten Führungstreffer von Bernardo Romeo (65.) gewesen wäre, «Hitzkopf» Sammer hätte wohl endgültig rot gesehen. Denn trotz der Brandrede des Präsidenten Gerd Niebaum wirkte das BVB-Spiel wie weichgespült. «Wir haben eine Schippe draufgelegt», fand Christian Wörns. So gesehen müssen die BVB-Profis ihr Geld zuletzt wirklich nicht wert gewesen sein.

Im Kampf um die Vize-Meisterschaft und die damit verbundene direkte Qualifikation für die Champions League hat der VfB Stuttgart nun schon vier Punkte Vorsprung auf Dortmund. «Wir müssen jetzt die Bayern schlagen, denn wir brauchen die Punkte», gab Tomas Rosicky die Parole für die Partie zwischen dem Noch-Meister und dem Fast-Meister am Ostersamstag aus. Fehlen wird im seit Wochen ausverkauften Westfalenstadion Torsten Frings, der in Hamburg zum zweiten Mal in dieser Saison Gelb-Rot (75.) sah. «Der Schiedsrichter war der schlechteste Mann auf dem Platz», klagte der Nationalspieler.

Der HSV trauerte dem verschenkten Sieg hinterher, denn die Punkteteilung war zu wenig. Statt im Schlussspurt einen Platz in der europäischen Eliteliga anzupeilen, fielen die Hamburger hinter die Berliner Hertha auf Rang fünf zurück und haben weiter vier Punkte Rückstand auf Dortmund. «Der UEFA-Cup ist zu schaffen», sagte Idol Uwe Seeler, «alles andere wäre schön, aber man muss vernünftig bleiben.» Und Bernd Hollerbach meinte: «Nach dem schlechten Saisonstart wäre das ein Riesending für uns.»

Schließlich stand Trainer Kurt Jara im November vor dem Hinspiel in Dortmund vor der Ablösung. Nach dem ersten Auswärtspunkt (1:1) der Saison kam die Wende, nun darf der HSV sogar von neuerlichen Auftritten auf der internationalen Fußball-Bühne träumen. «Das hat keiner erwartet», lobte Seeler. Der Dortmunder Borussia stellte der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft kein gutes Zeugnis aus: «Solche Dortmunder hätten wir schlagen müssen.» Jara brachte den Samstag aus Hamburger Sicht auf den Punkt: «Schön wäre es gewesen, das ist das Motto heute. Wir haben Olympia nicht bekommen und den BVB nicht geschlagen.»