Bundesliga 2002/2003, 29. Spieltag, Samstag, 19.04.03, im Münchener Olympiastadion

TSV 1860 München - Hamburger SV 1:1 (1:0)

Das Spiel habe ich nur auf premiere gesehen. 

Als nächstes folgte dann eigentlich oft der Satz, daß der Spielbericht deswegen kürzer ausfällt. Nun ist mir aber in den letzten Wochen beim Schreiben immer wieder aufgefallen, daß meine Berichte ohnehin immer kürzer und kürzer werden. Ich glaube gar nicht mal, daß das „Schreibunlust“ ist, sondern es ist eher so, daß ich viele unserer Spiele inzwischen sehr langweilig finde. Vielleicht bin ich da aber auch einfach nur zu kritisch.

Heute war es zumindest wieder so. Spielerisch fand ich es richtig grausam. Aber in einigen Berichten wird von einem ordentlichen Spiel gesprochen. Im Sport1-Bericht (s.u.) gibt es z.B. 3 von 4 Bällen für das Spiel. Dann muß ich wohl doch zu kritisch sein....

Maltritz fiel heute grippegeschwächt aus. Da es in der Woche hieß, daß Benjamin noch nicht wieder richtig fit sei, stellte ich mir nun die Frage, wer denn wohl für ihn spielen würde. Da wir endlich auswärts mal erfolgreich spielen mußten, wäre ich dafür gewesen, nur Wicky im defensiven Mittelfeld einzusetzen und statt Maltritz Takahara als 3. Stürmer bzw. Linksaußen zu bringen.

Ich kam erst kurz nach Anpfiff zum TV und sah als erstes Takahara. Oooops, dachte ich. Der Kurtl hat doch nicht etwa ... ?
Nee, hat er natürlich nicht. 
Taka spielte tatsächlich als 3. Stürmer/Linksaußen. Aber dafür wurde nicht der 2. Defensive Mittelfeldpart geopfert sondern Cardoso. Cardoso also raus und Benjamin wieder rein.

In meinen Augen ist dieses Experiment gescheitert. Auch wenn ich wir letzten Endes zumindest nicht verloren haben, fehlte mir jegliche Bindung zwischen Mittelfeld und Sturm. Oder, um es anders zu sagen: In meinen Augen war praktisch kein Mittelfeld existent. Die meisten Bälle wurden aus der Abwehr planlos nach vorne geschlagen. Und, insbesondere mit einem Romeo, kann man so nun wirklich nicht spielen.

Das Spiel ging so los, daß einem direkt Angst und Bange werden konnte. 1860 hatte mehrere Chancen, bevor wir endlich aufwachten. Doch wir wurden dann zunehmend besser und entwickelten selbst auch mal ein paar kleine Chancen. Die bemerkenswerten Chancen aus Halbzeit 1 hatten Romeo und Mahdavikia. Beide hätten in meinen Augen zu Toren führen MÜSSEN. Aber beide versagten beim Torschuß. 

Insbesondere bei Romeo sah das einmal mehr kläglich aus. Nach einer (der wenigen) guten Aktionen von Barbarez hatte Romeo den 60-Torhüter Jentzsch so gerempelt, daß der den Ball aus der Hand verlor. Romeo stand dann 5 m vom Tor entfernt, in spitzem Winkel. Und der Torwart HINTER ihm. Und da schafft er es tatsächlich, den Ball ganz peinlich mit dem rechten Fuß links am Tor vorbeizustümpern. Dieses Tor wäre zwar in meinen Augen klar irregulär gewesen, aber der Schiri hat tatsächlich nicht abgepfiffen. Unglaublich.

In der anderen Szene war Benjamin links frei durch und hat mit seinem Paß zur Mitte zu Romeo viel zu lange gewartet. Als er dann letztendlich abspielte, verstolperte Romeo den Ball so glücklich, daß der dem hinter ihm freistehenden Mahdavikia vor die Füße flog. Und ich möchte meinen, daß man den Ball wirklich wunderbar ins Tor hätte schießen können. Aber Mehdi donnerte leider ordentlich drauf statt es mit einem Schlenzer ins Eck zu probieren und schoß dabei übers Tor.

Nachdem wir Mitte der ersten Halbzeit sogar teilweise mit Forechecking spielten und die Angriffe der Löwen eingedämmt hatten, ließen wir uns dann kurz vor der Halbzeit doch noch ein Tor einschenken. Und zwar ein unglaublich doofes.

Ein Freistoß von Halbrechts wird unendlich weit und im Bogen an das entfernte Eck des 5m-Raumes geschlagen und den dort hingelaufenen Benjamin Lauth bewacht überhaupt keiner. Ich kann das gar nicht fassen, wie allein der von da den Ball schon zurück an den langen Pfosten köpfen konnte, wo ihn schließlich Martin Max ins Tor drückte. Das auch bei Martin Max kein einziger HSVer in der Nähe war, brauche ich wohl kaum zu erwähnen..... Kollektiver Tiefschlaf würde ich sagen.

Ich ärgerte mich so über diese Nicht-Leistung in dieser Szene, daß ich mich schon gar nicht mehr drüber aufregen konnte, daß das Tor wohl hätte nicht gegeben werden dürfen, weil bei Lauths Kopfballvorlage in der Mitte Schroth Ujfalusi recht deutlich nach vorne schubste, sodaß der zu Fall kam. Nur hatte das mit dem Tor nichts zu tun. Ujfalusi hätte nicht eingreifen können. Insofern hätte Schroth eigentlich geteert und gefedert werden müssen, wenn Fandel es gesehen und korrekt abgepfiffen hätte. Aber, wie gesagt, das konnte mich nicht mal aufregen.

Die Löwen versäumten es allerdings, ein zweites Tor zu machen und das Spiel wurde (insbesondere nach dem Halbzeittee) immer schlechter. Eine reine Fehlpaßorgie. Insbesondere unser Team fiel mir dabei auf. Es war kaum ein organisierte Spielaufbau möglich, weil der Ball so gut wie mal über 5 Stationen bei unseren Spielern war. Ein Übriges tat Herr Fandel, der wirklich unnötig oft in seine Pfeife säuselte. Meistens gegen den HSV (zumindest vom Gefühl her).

Trotzdem konnten wir den Ausgleich erzielen. Und das mit Ansage. Bei einem Freistoss, den Mahdavikia ausführte von der rechten Seite, sagte Olaf, daß Fukal nun ein Tor machen würde. Und was tat Fuki? Er schädelte den Ball ins Netz.

Leider hörte der HSV dann wieder weitestgehend auf mit seinen dürftigen Angriffsbemühungen. Besonders in den letzten Minuten spielte man sogar auf Zeit. Das ist mir unverständlich, wenn man doch weiß, wie dringend wir Punkte für den internationalen Wettbewerb brauchen. Die Löwen waren ja nun keineswegs eine Übermannschaft.

So endete das Spiel dann mit 1:1 und darüber habe ich mich nicht gefreut im ersten Moment. Ich muß, nachdem nun ein paar Stündchen vergangen sind, aber zugeben, daß ich grundsätzlich auswärts ja immer mit einem Punkt zufrieden bin. Werder tat uns dieses Wochenende ja mal wieder den Gefallen einer Heimniederlage und wenn Schalke morgen zumindest nicht in Leverkusen gewinnt, dann war der Punkt voll o.k.

Unsere Heimspiele müssen wir gewinnen und auswärts sollten wir beim nächsten Spiel in Cottbus endlich einen Sieg anstreben. Cottbus dürfte bis dahin wohl praktisch abgestiegen sein. Aber vermutlich hilft uns auch das nicht....

Eine Einzel-Spielerbewertung möchte ich nicht schreiben. Wie immer, wenn ich es nur im TV gesehen habe.
Besonders positiv ist mir ohnehin keiner aufgefallen. Naja, Ujfalusi fand ich öfter ganz gut. Recht negativ sind mir hingegen Pieckenhagen, Benjamin und Barbarez aufgefallen. Und auch ein Mahdavikia kam heute kaum ins Spiel. Von Romeo brauche ich da ja gar nicht erst zu reden.

Ich bin gespannt auf die Aufstellung bei der nächsten Spiel zu Hause gegen Nürnberg. 3 Stürmer wären m.E. o.k. Aber da man weiß, daß Nürnberg eigentlich gewinnen muß, um die Klasse zu erhalten, wird man vermutlich wieder eher defensiv anfangen. Wie immer...

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 

TORE  
1:0 Martin Max (36.)
1:1 Milan Fukal (65.)
 
GELBE KARTEN  
TSV 1860 München: Daniel Borimirov (54.) , Martin Max (90.) 
Hamburger SV: Bernd Hollerbach (8.), Raphael Wicky (29.)
 

SCHIEDSRICHTER :  Herbert Fandel  
ZUSCHAUER :  22,000 
DATUM :  19.04.03   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
TSV 1860 München: Simon Jentzsch, Marco Kurz, Rodrigo Costa, Torben Hoffmann, Martin Stranzl, Roman Tyce, Markus Schroth, Daniel Borimirov, Markus Weissenberger, Martin Max, Benjamin Lauth

Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Milan Fukal, Bernd Hollerbach, Tomas Ujfalusi, Nico Jan Hoogma, Raphael Wicky, Naohiro Takahara, Collin Benjamin, Bernardo Romeo, Sergej Barbarez, Mehdi Mahdavikia
 
WECHSEL 
TSV 1860 München:
Thomas Häßler für Markus Weissenberger (74.)
Paul Agostino für Markus Schroth (78.)
Jiayi Shao für Daniel Borimirov (89.)

Hamburger SV:
Erik Meijer für Mehdi Mahdavikia (70.)
Rodolfo Esteban Cardoso für Bernardo Romeo (80.)
Michael Baur für Nico Jan Hoogma (86.)
 

Grau, grauer, 1860 - nur 1:1 gegen Hamburger SV  
“Wir können mit dem Punkt nicht zufrieden sein.“ Ebenso einfach wie zielsicher formulierte „Löwen“-Coach sein Fazit nach 90 munteren Minuten im Münchner Olympiastadion. Zum siebten Mal in den vergangenen acht Heimspielen ging der TSV nicht als Sieger vom Platz.
Spielverderber beim 1:1 vor 22.000 Zuschauern war dieses Mal der Hamburger SV. Martin Max mit seinem 50. Tor im „Löwen“-Dress und Milan Fukal (65.) erzielten die einzigen Treffer.  
Was unter dem Strich bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Gastgeber auch unter Trainer Götz den Stillstand nicht stoppen können, während der HSV das erklärte Ziel, sich von der Uefa-Cup-Konkurrenz abzusetzen, verpasst haben.

Grau, grauer, 1860
Die „Löwen“ können sich der Mittelmäßigkeit nicht entziehen. Grau, grauer, 1860. Dabei hatte Präsident Karl-Heinz Wildmoser in der Stadionzeitung noch mächtig verbal auf seine kickenden Angestellten eingedroschen.
„Ich will keinen Osterhasen sehen, sondern beißende Löwen“, fauchte der „Ober-Löwe“ nach den jüngsten Pleiten.

"Icke" wieder dabei
Coach Götz stellte dann auch auf fünf Positionen um und setzte „Icke“ Häßler zum ersten Mal im Jahr 2003 auf die Bank. Der Weltmeister von 1990 durfte dann sogar auch noch einige Minuten ran, konnte dem Spiel aber keine entscheidende Wendung mehr geben.
„Natürlich sind wir enttäuscht, heute nur einen Punkt geholt zu haben. Wir wollten nach oben noch mal den Anschluss schaffen und deshalb ist ein Punkte zu Hause im Endeffekt zu wenig“, war Abwehrrecke Torben Hoffmann nachher auch enttäuscht.

Max treffsicher
Nur in den ersten 45 Minuten zeigten sich die „Sechziger“ bissig. So werden die Blauen auch in dieser Saison damit abfinden müssen, wieder einmal weit unter den Erwartungen zurück bleiben.
Ironie am Rande: Ausgerechnet Martin Max trumpft in den letzten Partien immer mehr groß auf. Der Max, der bei den „Löwen“ in der nächsten Saison keinen neuen Vertrag erhalten wird. 1860 bleibt sieben Punkte hinter den Uefa-Cup-Plätzen.
Trotzdem stirbt der Glaube in München offensichtlich ganz zu letzt: „Es sind jetzt noch fünf Spiele und 15 Punkte zu vergeben. Deshalb müssen wir zusehen, dass Maximale dabei heraus zu holen“, so Hoffmann weiter.

Kein Sieg 2003
„Den Auswärtspunkt nehmen wir jetzt mit. Dann haben wir noch drei Heimspiele und zwei Auswärtsspiele“, überriss HSV-Coach Kurt Jara die Situation bei den Hanseaten.
Dass Hamburg jedoch als Champions-League-Anwärter im Jahr 2003 auswärts noch ohne „Dreier“ blieb, sollte zu denken geben. Denn allein auf die Heimstärke zu vertrauen, könnte sich am 34. Spieltag als fataler Fehler erweisen.

Punkt zu wenig
„In München gewinnen und die Konkurrenz auf Distanz halten“, lautete das Ziel des HSV. Hat nur teilweise funktioniert.
Im Endeffekt ist der Punkt für die Rothosen wohl zu wenig im Kampf um einen Platz im internationalen Wettbewerb.
 

Fakten:
Heimschwache Löwen
Die 60er haben nur eines der letzten acht Heimspiele gewonnen – kein Wunder, dass die Löwen im Mittelmaß feststecken. 

Abstand gewahrt
Die Hamburger halten sich mit dem Remis den Verfolger und direkten Konkurrenten aus München mit sieben Punkten Abstand vom Leib. 

UEFA Cup ade
In den fünf Spielen unter Falko Götz holten die 60er nur fünf Punkte – der Zug Richtung UEFA Cup ist wohl endgültig abgefahren. 

Häßler erstmals 2003 im Kader
Thomas Häßler stand zum ersten Mal in der Rückrunde wieder im Kader der Löwen, er saß zunächst auf der Bank - das passierte ihm in dieser Saison schon einmal, am 16. Spieltag (gegen Leverkusen) saß er 90 Minuten nur auf der Bank. Gegen den HSV kam er immerhin noch zu einem Kurzeinsatz und wurde für 16 Minuten eingewechselt. 

Schlaglichter:
Effektiver HSV
Auch wenn die Hamburger mehr Spielanteile hatten (54 Prozent) und den Löwen auch kämpferisch überlegen waren (54 Prozent gewonnene Duelle), tauchten sie äußerst selten gefährlich vor 60-Keeper Jentzsch auf. Die Jara-Elf gab insgesamt nur fünf Torschüsse ab (Löwen: zehn) – der einzige in der zweiten Halbzeit führte zum Ausgleich. 

Blasser Takahara
An der Stätte seines grandiosesten Auftrittes in der Bundesliga (am 20. Spieltag beendete er die Kahn-Rekordserie ohne Gegentor) zeigte der Takahara (Note 5,0) einen schwachen Auftritt. Takahara war an keinem einzigen Torschuss als Schütze oder Vorbereiter direkt beteiligt. Auf dem linken Flügel setzte er sich viel zu selten durch (nur 32 Prozent gewonnene Duelle) und schlug keine einzige Flanke. 

Milan Fukal überragte
Milan Fukal (Note 10,0) war im Münchner Olympiastadion der „König der Lüfte“: Fukal gewann starke 80 Prozent seiner Kopfballduelle – selbst gegen den eigentlich sehr kopfballstarken Markus Schroth entschied er zehn von 13 direkten Luftzweikämpfen. Folgerichtig erzielte der 27-Jährige auch per Kopf den 1:1-Ausgleich. Fukal erzielte seine letzten fünf Treffer (von insgesamt sechs) jeweils mit dem Schädel. 

Tyce war kein Spielgestalter
Löwen-Coach Falko Götz entschied sich auf der Spielmacher-Position überraschenderweise nicht für Thomas Häßler, sondern für Roman Tyce (Note 7,1). Der Tscheche blieb allerdings als Vorbereiter wirkungslos (nur eine Torschussvorlage) und sorgte nur mit zwei strammen Weitschüssen für Torgefahr. Nach seiner langen Verletzungspause zeigte Tyce sich in den Zweikämpfen aber bissig – er gewann 68 Prozent seiner Duelle, nur Marco Kurz war bei den Löwen durchsetzungsstärker. 

Jung-Nationalspieler in der Krise
Seit sieben Spielen wartet Benjamin Lauth (Note 7,2) nun schon auf einen Treffer – dies ist die längste Durststrecke seiner noch jungen BL-Karriere. Allerdings gab er von allen Spielern auf dem Platz die meisten Torschüsse ab (drei – fast so viele wie der komplette HSV) und bereitete den 1:0-Führungstreffer vor. Seine ersten vier Torvorlagen hatte er alle für Sturmkollege Markus Schroth gegeben – nun war Martin Max erstmals der Nutznießer. 

Trainer Falko Götz (1860 München): 
"Wir waren die erste Halbzeit viel präsenter, haben spielerisch gezeigt, dass wir uns verbessert haben. Leider haben wir es nicht geschafft, das zweite Tor zu machen. Wir haben einen Gang zurückgeschaltet, obwohl wir uns das Gegenteil vorgenommen hatten. Wir können mit dem Punkt nicht zufrieden sein, die Möglichkeit für drei Punkte war da, aber wir haben sie nicht genutzt."    
 
Trainer Kurt Jara (Hamburger SV): 
"Was der Punkt wert ist, werden wir morgen sehen. Nach dem, was wir in der ersten Halbzeit gezeigt haben, müssen wir mit der Punkteteilung leben. Wir waren die erste Hälfte viel zu zweikampfschwach. In der zweiten Hälfte war es ein bisschen besser, trotzdem hat es zum Ausgleich gereicht. Damit müssen wir zufrieden sein."  

Topspieler: Milan Fukal (Hamburger SV)
Der Tscheche mutiert in dieser Saison zu einer Bank in Hamburgs Abwehr. 28 zu neun Zweikämpfe lautet seine Bilanz gegen die "Löwen". Zum Vergleich: Kein anderer Spieler auf dem Feld hat mehr als 15 Zweikämpfe gewonnen... Als Sahnestück dann auch noch sein erstes Saisontor. Bezeichnenderweise per Kopf - Fukal gewann zehn von 13 Kopfball-Duellen gegen Gegenspieler Schroth. Sein einziger "Torschuss" in den gesamten 90 Minuten bedeutete das Remis. Deshalb in der super11 auch die Traum-Note 10,0 für den Tschechen!  

Spielwertung: 3 Bälle (von 4)
 
Kommentar:
Die Gastgeber gegenüber dem Bielefeld-Spiel nicht nur personell stark verändert. Auch Einstellung und Laufbereitschaft stimmten. Dass am Ende "nur" ein Unentschieden heraussprang und die "Sechzger" ihr "Graue Maus"-Image nicht loswerden können, lag zum einen am Unvermögen der "Löwen", die zahlreiche hochkarätige Chancen nicht nutzen konnten, und zum anderen an Hamburgs Kaltschnäuzigkeit. Ein Torschuss in Halbzeit zwei - und der saß dann auch. Für einen Champions-League-Kandidaten kam aber von den Hanseaten viel zu wenig. Der HSV bleibt auswärts harmlos. Und so werden sich die Norddeutschen zum Saisonende mit einem Platz im Uefa-Cup begnügen müssen.
Stefan Rommel  

 
Takitk
TSV 1860 München
Falko Götz stellte auf fünf Positionen um, vertraute diesmal einem 4-3-3-System. Jentzsch wieder im Tor. In der Viererkette von links nach rechts Hoffmann, Kurz, Costa und Stranzl. Im defensiven Mittelfeld rechts Borimirov und links Weißenberger. Offensiver Tyce. Im Sturm Schroth zentral, über links kam Max, rechts wirbelte Lauth.

Hamburger SV
Der HSV wie gewohnt mit 4-4-2. Pieckenhagen im Tor. Hoogam und Ujfalusi in der Innenverteidigung der Viererkette. Fukal rechts und Hollerbach links auf den Außen. Wicky und Benjamin im defensiven Mittelfeld. Barbarez als Spielgestalter zentral, Mahdavikia als Flankegeber über rechts. Takahara unterstützte Romeo immer wieder in der Spitze.  


 
kicker:

Spielbericht 
  
Bei 1860 München musste Trainer Falko Götz auf Harald Cerny (5. Gelbe Karte) verzichten, der bei der 1:2-Niederlage in Bielefeld die rechte Seite besetzte. Diese übernahm diesmal Borimirov. Zudem blieben Votava, Meyer, Agostino und Wiesinger auf der Bank, Hoffmann, Weissenberger, Lauth und Kurz rückten in die Startelf. 

Tyce postierte sich im zentralen Mittelfeld, während Weissenberger über die linke Seite kam. Im Sturmzentrum spielte Schroth, wurde vorne von Max (links) und Lauth unterstützt.

Zwei Änderungen gab es bei den Hamburgern nach dem 1:1-Remis gegen Dortmund. Für Maltritz spielte im halblinken Mittelfeld Benjamin, neben ihm wie gewohnt Wicky. Etwas überraschend rutschte auch Spielmacher Cardoso aus dem Team, dafür erhielt Takahara eine Bewährungschance. Die Aufgabe des Argentiniers übernahm diesmal Barbarez, der von der linken Angriffsseite hinter die Spitzen rückte. So spielte der HSV nur noch mit zwei Stürmern (Romeo/Takahara) und einem Vierer-Mittelfeld.

Nur vier Minuten mussten die Zuschauer warten, bis sie die erste Torszene zu sehen bekamen. Schroth erkämpfte sich den Ball im Angriff und schickte den flinken Lauth steil. Bei seinem Schuss von der Strafraumgrenze musste Pieckenhagen seine ganzen 1,86 Meter Körpergröße einsetzen, um den Ball zur Ecke zu klären. Nur wenige Minuten später versuchte es Weissenberger aus ähnlicher Position, scheiterte aber ebenfalls am HSV-Schlussmann. 

Die Gäste aus Hamburg versteckten sich nicht und lauerten ebenso auf ihre Chance. So hätte Romeo fast einen Patzer von 1860-Keeper Jentzsch ausgenutzt, der nach einer Flanke von Barbarez den Ball nicht festhalten konnte. Doch der Angreifer verstolperte diese Riesenchance und schoss den Ball aus kürzester Distanz am leeren Tor vorbei. Nach dieser prickelnden Anfangsphase kehrte etwas mehr Ruhe ins Spiel ein. Es dauerte bis zur 25. Minute, bis sich auf dem Rasen wieder etwas Interessantes tat: Benjamin bediente nach einem Konter Romeo in der Mitte, dessen geblockter Schuss landete schließlich bei Mahdavikia. Der beste Vorlagengeber der Hamburger (zehn Assists) stellte aber wieder einmal unter Beweis, dass er das Toreschießen nicht erfunden hat und schob das Leder aus zwölf Metern knapp über das rechte, obere Toreck. 

Die Antwort der "Löwen" folgte nur vier Minuten später. Tyce nahm aus 18 Metern mit links Maß, wieder rettete der starke Pieckenhagen mit letzter Kraft sein Team vor dem Rückstand. Weiter ging es im Olympiastadion rauf und runter, denn nun kamen die Hamburger in Person von Romeo zu einer weiteren Chance. Der Argentinier bekam das Leder nach einer Einzelleistung aber nicht am herauseilenden Jentzsch vorbei. In der 36. Minute war dann 1860 wieder dran - und diesmal mit Erfolg. Nach einer Flanke von Weissenberger ließ Benjamin seinen Gegenspieler Lauth am zweiten Pfosten zum Kopfball kommen. Seine Vorlage brauchte in der Mitte der lauernde Max nur noch über die Linie drücken und markierte so seinen fünfzigsten Bundesligatreffer im Dress der Münchner. Mit diesem Ergebnis ging es in einer abwechslungsreichen und flotten Partie in die Kabinen.

Durch frühes Angreifen erzeugten die Hamburger nach der Pause immer wieder Druck und schnürten die Gastgeber in den ersten Minuten regelrecht ein. Die Truppe von Falko Götz zog sich zurück, besann sich nun mehr aufs Konterspiel. Nach einer Flanke von Mahdavikia konnte Stranzl gerade noch vor dem einköpfbereiten Romeo zur Ecke klären (55.). Zehn Minuten später hatte es der HSV geschafft: Wieder einmal hatte Mahdavikia per Freistoß vorbereitet, Fukal schraubte sich hoch und traf mit einem Aufsetzer ins lange Eck. Doch - wie sollte es anders sein - sofort ging es wieder in die andere Richtung. Pieckenhagen ließ einen an sich harmlosen Freistoß von Tyce fallen, Costa verpasste die große Chance zur erneuten Führung, haute die Kugel aus vier Metern Entfernung neben den Kasten. Danach waren die Kraftreserven in der schnellen, hart umkämpften Partie wohl erschöpft, denn weitere Höhepunkte gab es nicht mehr. Einzig die Rückkehr von Thomas Hässler nach seiner Knieverletzung sorgte noch einmal für Applaus auf den Rängen.

Rauf und runter ging es im Münchner Olympiastadion. Allein, es blieben zu viele Chancen ungenutzt. So trennten sich die Löwen in einer ansehnlichen Partie vom HSV mit einem Remis, das für 1860 im Hinblick auf den UEFA-Cup zu wenig ist. 
 

Spielereignisse im Detail:

Schlusspfiff 
 
89     Max setzt sich noch einmal schön auf rechts durch, aber seine Flanke streift über den Scheitel von Borimirov. 
 
77     Romeo läuft alleine auf Jentzsch zu, spielt den Löwen-Keeper aus, aber auch der Ball landet im Aus, weil er sich die Kugel zu weit vorlegte. 
 
67     Pieckenhagen kann einen Freistoß-Kracher von Tyce nicht festhalten, aber der nachsetzende Costa kommt nicht richtig an die Kugel. 
 
65     Ausgleich! Mahdavikia schlägt aus halbrechter Position einen Freistoß in den Strafraum. Fukal steigt am höchsten und schließt mit einem vulminanten Kopfball ins rechte untere Eck ab. 
 
56     Nun der HSV gefährlich. Mahdavikia zirkelt eine Flanke auf den Kopf von Romeo, doch Stranzl kann stören, so dass Romeo den Ball nicht optimal trifft. 
 
50     Temperamentvoller Beginn - aber noch ohne größere Tormöglichkeiten. 
 
 Anpfiff 2. Halbzeit 
 
 Halbzeit 
 
36     Die Löwen gehen in Führung: Ein weiter Freistoß von Weissenberger landet am langen Pfosten bei Lauth. Per Kopf passt er mit viel Übersicht auf Max, der das Leder nur noch über die Linie drücken muss. 
 
35     Romeo setzt sich im Strafraum gegen den etwas orientierungslos wirkenden Costa durch, scheitert aber aus spitzem Winkel an Jentzsch. 
 
30     Tyce strebt in Richtung HSV-Strafraum, findet keine Anspielsituation und probiert es selbst. Wieder bekommt Pieckenhagen gerade noch eine Hand dazwischen. 
 
25     Nun wieder Aufregung im Olympia-Stadion: Zunächst agiert Schroth nach einem tollen Zuspiel von Tyce zu zögerlich. Beim direkten Konter schlenzt Mahdavikia den Ball knapp über den Querbalken. 
 
23     Nach einer ansprechenden Anfangsphase verflacht das Spiel in den letzten Minuten doch zusehends. 
 
11     Kuriose Szene im Strafraum der 60er. Zunächst lässt Jentzsch einen einfachen Ball vor die Füße Romeos fallen. Aber der Hamburger kann das Geschenk nicht annehmen und stochert das Leder ins Aus. 
 
5     Weiter die Löwen. Weissenberger versucht es von der Strafraumgrenze - dieses Mal kein Problem für Pieckenhagen im Tor des HSV. 
 
4     Erste Gelegenheit für die Löwen. Schroth passt in den Lauf von Lauth, der ohne lange zu fackeln aus etwa 16 Metern abzieht. Pieckenhagen lenkt das Leder mit letztem Einsatz am Tor vorbei. 
 
Anpfiff 


 
dpa meldet: 
Rückschlag für 1860 und HSV: 1:1 bringt keinen weiter

Von Christian Kunz, dpa

München (dpa) - Der TSV 1860 München und der Hamburger SV haben im Kampf um einen Platz im internationalen Wettbewerb zwei wichtige Punkte verpasst. Vor 22 000 Zuschauern im Olympiastadion trennten sich die beiden Fußball-Bundesligisten 1:1 (1:0). Der ehemalige Torschützenkönig Martin Max hatte die Gastgeber in Führung gebracht (36.), Milan Fukal sorgte nach der Pause mit seinem ersten Saisontor für den Ausgleich (65.). 

Die Hamburger warten damit seit November 2002 weiter auf ihren dritten Auswärtssieg in der laufenden Spielzeit. Im Vergleich zur 1:2-Niederlage bei Arminia Bielfeld hatte 1860-Trainer Falko Götz sein Team auf fünf Positionen geändert und drei echte Stürmer ins Rennen geschickt. Max lief neben Markus Schroth und Benjamin Lauth auf. Beim HSV gab es zwei Änderungen: Collin Benjamin vertrat Marcel Maltritz im Mittelfeld, Naohiro Takahara durfte für Rodolfo Cardoso von Beginn an ran.

«Auf Grund der ersten Halbzeit müssen wir mit der Punkteteilung leben», sagte HSV-Trainer Kurt Jara nach dem Spiel. Der Österreicher bemängelt das Zweikampfverhalten seiner Elf vor dem Seitenwechsel. Zwei verschenkten Punkten trauerte Götz hinterher. «Die dickeren Chancen haben wir gehabt», meinte der 41-Jährige. Und ergänzte: «Wir können nicht zufrieden sein.»

Die offensiv ausgerichteten «Sechziger» hatten in einer durchwachsenen ersten Halbzeit die besseren Tormöglichkeiten. Doch Lauth (4.) und Markus Weissenberger (5.) scheiterten an Hamburgs Torhüter Martin Pieckenhagen. Die Hanseaten vergaben ihre größte Chance in der 25. Minute. Im Anschluss an einen Konter lenkte TSV-Keeper Simon Jentzsch einen Schuss von Mehdi Mahdavikia über das Tor.

Nach einer halben Stunde fand der Münchner Roman Tyce bei einem 22-Meter-Schuss in Pieckenhagen seinen Meister. Fünf Minuten später rettete Jentzsch gegen Romeo. Im Gegenzug bejubelten die Gastgeber dann die verdiente Führung: Nach einem Freistoß von Weissenberger legte Lauth den Ball per Kopf für Max auf. Der 34 Jahre alte Stürmer schoss freistehend zum 1:0 ein.

In der zweiten Hälfte tat sich zunächst nicht viel. Beide Teams mühten sich, entscheidend in Szene setzen konnte sich aber niemand. Die Norddeutschen waren trotz des Rückstands zu passiv und agierten ideenlos. Bezeichnender Weise fiel der Ausgleich nach einer Standardsituation. Nach einem Freistoß von Mahdavikia war der Tscheche Fukal in der 65. Minute per Kopf erfolgreich.

Die Fans der «Sechziger» bejubelten in der 74. Minute das Comeback von Thomas Häßler. Nach seiner Knieoperation im Januar kam zu seinem ersten Bundesliga-Spiel in diesem Jahr. Der Ex-Weltmeister konnte aber keine Akzente mehr setzen.