Bundesliga 2002/2003, 32. Spieltag, Samstag, 10.05.03 in der Hamburger AOL Arena bei sonnigen 19 Grad C.

Hamburger SV - TSV Bayer 04 Leverkusen 4:1 (1:0)

Sooo lange nach dem Spiel habe ich ja lange nicht angefangen, meinen Spielbericht zu schreiben. Immerhin ist es schon Sonntag, 17:50 Uhr. Muß erstmal nebenbei den kicker-online-Ticker der Sonntagsspiele starten.

Bisher ist es ein rundum gelungenes Wochenende. Und dabei hatte ich wirklich Angst davor.

Ich hatte wirklich größte Befürchtungen, daß Leverkusen nach dem letzten Heimsieg nun einen enormen Aufwind verspürt und nun bei uns (leider) wieder guten Fußball spielt. Insbesondere vor Lucio hatte ich Angst, weil der sich ja leider nicht nur als guter Abwehrspieler zeigt, sondern leider auch immer wieder vor des Gegners Tor für Gefahr sorgt.

Nun ja, meine Befürchtungen waren weitestgehend umsonst. Zwar war Lucio wirklich gefährlich, aber es reicht eben nicht, wenn in einem Team scheinbar nur ein einziger Spieler willens ist, sich gegen eine Niederlage zu stemmen.

Im Gegensatz zu sämtlicher Medienlandschaft fand ich nicht, daß der HSV von Beginn der Spiels an überlegen war. In den ersten Minuten waren mir die Leverkusener viel zu offensiv und wir zu weit hinten drin.

Aber diese Periode währte nicht lange. Dann wurden wir doch offensiver und erspielten uns Chancen. Zunächst mal sah ich einen Handelfmeter nach einem Schuss von Romeo. Aber in der Presse waren sich alle einig, daß es die Schulter von Lucio war. Ich bin da selbst nach mehreren TV-Bildern noch nicht so 100 %ig überzeugt, ob es nicht doch mehr der Arm war.

Aber wir hatten ja weiterhin Chancen und Bayer eigentlich gar keine. Zum 1:0 kamen wir einmal mehr durch Vorlage von Mahdavikia. Er legte zum völlig freistehenden Barbarez auf, der den Ball runternahm und perfekt ins lange Eck schoss. Ich glaube, bereits als er angespielt wurde, fing ich wieder an zu sagen: Komm, mach es Babsi, ich liebe Dich.

Ich finde es so geil, daß er wieder getroffen hat. Ich mag den spielerisch wirklich unglaublich und kann mich doch sehr über all diejenigen aufregen, die ihn am liebsten auf die Bank setzen würde. Natürlich muß ich eingestehen, daß er die letzten Spiele schlecht war, aber da war er ja nicht allein. Und vor allem ist er dann auch in schlechten Spielen meist noch an unseren Torchancen beteiligt. 

Nach dem Rückstand war auch weiterhin nicht viel von Leverkusen zu sehen. Die zweite Halbzeit sollte dann allerdings bemerkenswert und interessant werden.

Zunächst mal wurde Schneider eingewechselt, vor dem ich ebenfalls gehörigen Respekt hatte und glücklich war, daß er nicht von Anfang an spielte. Allerdings hatte Schneider wohl nur Bock auf einen Kurzeinsatz. Anders kann man es kaum bewerten, wenn man seine Attacke nach nur wenigen Minuten gegen Hollerbach sah. Mit gestrecktem Bein auf Hollerbachs Oberschenkel. Das wäre schon dunkelgelb gewesen. Rot verdiente er sich dann allerdings „dank“ des unermüdlichen Einsatzes von Ujfalusi, der leider auf Schneider zustürmte. Schneider würgte ein wenig an Ujfalusi rum und der griff dann auch Schneider an den Hals. Ich finde es zwar irgendwie ungerecht, daß das Strafmaß für dieses Vergehen das Gleiche ist, obwohl Schneider wesentlich „schuldiger“ war, aber andererseits ist es auch total bescheuert von Ujfalusi, daß er sich da nicht raushält. 

Geschadet hat der Platzverweis in diesem Spiel dem HSV allerdings nicht. Aber natürlich wird Ujfalusi nun vermutlich für die beiden ausstehenden Spiele gesperrt werden. Und da wird er schon fehlen, wenngleich der eingewechselte Hertzsch seine Sache hervorragend machte. 

Ingo Hertzsch leitete durch frühes Stören dann auch das zweite Tor des HSV ein. Das was allerdings recht kurios und hatte nur wenig mit Absicht zu tun. Ingo hatte an der Mittellinie dem Gegner vor der Ballannahme den Ball wegspitzeln können und Mahdavikia lief mit dem Ball zum Tor. Der Ball landete bei Wicky der mit dem linken Fuß aus zweiter Reihe draufdrosch. Sein Ball wäre weit neben das Tor gegangen. Aber dort stand im Strafraum, mutterseelenallein, Bernardo Romeo und lenkte den Ball ins Tor ab. 

Ganz ehrlich, ich habe es jetzt mehrmals im TV gesehen. Und bei jeder Wiederholung bin ich mir sicherer, daß Romeo den Ball nicht wirklich nur abfälschen, sondern eigentlich stoppen wollte. Nur bekam er das nicht hin. Ist ja auch egal, denn für den HSV war es klasse.

Ich hatte nämlich vorher schon wieder die Angst, daß man nun zwar ein munteres und HSV-positives Spiel sah, aber es u.U. am Ende wieder einen einzigen guten Angriff der Leverkusener gegen könnte, der dann zum Ausgleich führt. Von daher war ich sehr erleichtert über das Tor. 

Wirklich bemerkenswert war aber für mich, daß Leverkusen zu keiner Zeit – auch jetzt nach dem zweiten Gegentor – ein Aufbäumen verspüren ließ. Es ist schon unfassbar, wie die sich in Ihr Schicksal ergaben.

Und trotzdem gelang ihnen aus heiterem Himmel doch noch ein Tor. Die HSV-Abwehr spielte wohl auf Abseits und Balitsch stand dadurch nach einer Flanke völlig frei im 16er, konnte den Ball unter Kontrolle bringen und locker einschieben.

Da hatten wir bereits die 88. Spielminute und Erik Meijer stand schon am Spielfeldrand bereits zur Einwechslung. Gott sei Dank zog Jara diesen Wechsel durch und brachte nicht lieber einen weiteren Verteidiger zur Ergebnissicherung.

Während ich nun natürlich noch ein paar heiße Minuten befürchtete, kam von Leverkusen gar nichts, sondern wir griffen ein weites Mal an. Eingeleitet durch Hackentritt von „Magic Maltritz“ ;) kam Fukal rechts an den Ball, flankte mustergültig zur Mitte, wo der eben eingewechselte Erik Meijer mit seiner ersten Ballberührung einen wunderschönen Flugkopfball hinlegte und das 3:1 köpfte. Seinen gesammelten Unmut ließ er heraus, in dem er nach dem Tor den Ball wegdrosch. Außerdem entschuldigte er sich quasi noch bei seinem Ex-Kollegen Ramelow. Naja, nun war ja wieder alles gut für den HSV.

Und wir konnten gegen desaströse Leverkusener sogar noch einen drauflegen. Meijer spielte links schön zu Jacobsen in die Gasse. Der ging allein von links aufs Tor und hätte auch noch in die Mitte abspielen können. Er lief aber bis weit in den 16er und schob den Ball dann unter Butt hindurch zum 4:1. Da sah Butt nicht so gut aus. Aber das tut er ja ohnehin nur noch selten.

In diesem Zusammenhang kann ich meinen Kleingeist auch nicht verhehlen und muß eingestehen, daß ich mich über das Plakat „Na, sportlich verbessert, Jörg?“, das riesengroß über dem Fanblock hing, doch sehr gefreut habe. Er hätte eben damals nicht behaupten sollen, daß er beim HSV bleiben würde, wenn man den int. Wettbewerb erreicht.  Der wurde nämlich erreicht und er ging trotzdem. „Natürlich“ ausschließlich wegen der sportlichen Voraussetzungen und keinesfalls wegen eines evtl. höheren Gehalts bei Leverkusen..... Nee, Jörch, da kann ich meine Schadenfreude nicht verbergen.

Das Spiel ging also 4:1 aus und aller waren bester Stimmung. Nach all den eher bescheidenen Heimspielen in der AOL Arena, die trotzdem gewonnen wurde, ist es natürlich sehr geil, daß einem nun zum Saisonausklang zuletzt gegen Nürnberg und gestern gegen Leverkusen noch solche Gala-Vorstellungen geboten wurden. Da vergißt man natürlich leicht das Elend der anderen Spiele, denn der Mensch neigt ja dazu, die jüngsten Ereignisse deutlich stärker zu bewerten als die zurückliegenden.

Sehr geil auch, daß nach dem Spiel im Stadion „Wer wird Deutscher Meister“ gespielt wurde. Die Stimmung war genau richtig dafür und es wurde wirklich von sehr vielen Fans mitgesungen.

Ein Freund, der das Spiel ebenfalls gesehen hat, meinte heute zu mir, daß er Mitleid mit Leverkusen hätte. Obwohl ich mir eigentlich nicht Leverkusens Abstieg gewünscht hätte, so denke ich, daß Mitleid wirklich Fehl am Platze wäre. Mitleid könnte man m.E. nur mit einer Truppe haben, die sich total gegen die Niederlage gestemmt hat und dann unglücklich verlor. Gegenwehr habe ich aber so gut wie gar nicht gesehen.

Nun haben wir sogar Hertha überholt und sind bis zur nächsten Woche auf Rang 4. Einer meiner Freunde meint, daß wir nun nur nach oben gucken dürften, auf Rang 3. Theoretisch wäre der zwar erreichbar, aber ich halte das doch für Utopie. Nicht nur, daß wir die beiden letzten Spiele gewinnen müßten, wir müßten eben auch extremes Glück bei den Begegnungen von Stuttgart und Dortmund haben. Einer der beiden dürfte nur noch 1 Punkt machen. Nicht nur, daß das schon unwahrscheinlich genug ist, wir müßten dazu ja auch ein Auswärsspiel gewinnen. Und wer mag daran schon wirklich glauben ???
Jedenfalls wurde mir wieder direkt bewußt, wie super-ärgerlich es ist, daß wir nicht in Cottbus gewonnen haben. Da wäre es so einfach gewesen. 

Ich hoffe aber, daß wir die 4 Punkte machen, die uns mit Sicherheit zum UEFA-CUP reichen werden. Und selbst wenn es weniger sind, kann es noch gelingen, denn unsere Verfolger gewinnen momentan ja auch nicht gerade jedes Spiel.

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: Hatte nur wenig zu tun. Note: 3

Hoogma: hatte die Abwehr im Griff: Note 2

Ujfalusi: bis zu seiner dusseligen Aktion, war er mal wieder sehr gut in der Abwehr. Aber da hätte er sich einfach besser im Griff haben müssen: Note 4

Hertzsch (eingewechselt): fehlerfrei: Note 3+

Fukal: gefiel mir heute mal wieder deutlich besser als zuletzt. Aber das ist fast immer so, wenn wir offensiv spielen und er in der Defensive nicht zu sehr gefordert ist: Note 2-

Hollerbach: bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung ist er mir nur wenig aufgefallen: Note 3

Maltritz: während des Spiels fiel mir öfter auf, daß er sich defensiv die Bälle oft erkämpft und sie dann aber leider direkt mit einem schlechten Paß wieder zunichte macht. Aber defensiv war er gut. Und am Ende glänzte er sogar noch 2 Mal mit Hackentricks, unser „Magic Maltritz“: Note 3

Wicky: ist mir so gut wie gar nicht aufgefallen im Spiel: Note 3-

Cardoso: hatte die Spielgestaltung heute wieder etwas besser in der Hand als zuletzt. Mußte durch die Hinausstellung Ujfalusis systembedingt noch früher raus als sonst: Note 3

Barbarez: auch endlich mit verbesserter Form und vor allem endlich wieder mit einem Tor: Note 2-

Mahdavikia: War für mich der beste Spieler des HSV. Wieder einmal liefen etliche Angriffe über ihn. Der Gegner konnte ihn nie in den Griff bekommen. Und wieder gab er eine direkte Torvorlage zum Führungstor: Note 1

Romeo: Normalerweise rechtfertigt er seine mäßigen fußballerischen Leistungen ja durch Tore. Und auch diesmal hat er wieder getroffen. Aber ich war gestern wirklich dermaßen von ihm genervt.... Ich glaube, er hat wirklich jeden Zweikampf verloren. Entweder geht er beim Kopfballduell überhaupt nicht hoch oder geht auch sonst nicht in Zweikämpfe oder er foult dämlich. Man hätte ihn m.E. vieeel früher gegen Takahara oder Meijer auswechseln müssen. Diesmal rettet ihn bei mir nicht mal sein Tor vor: Note 5

Schiri Krug: Er hat zwar kein Team richtig benachteilt, aber er pfiff viel zu kleinlich. Jeder kleine Faller wurde mit einem Freitstoss belohnt. Und die Leverkusener fielen eben noch wesentlich schneller und öfter als unsere Jungs: Note 4

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 

TORE  
1:0 Sergej Barbarez (18.)
2:0 Bernardo Romeo (55.)
2:1 Hanno Balitsch (88.)
3:1 Erik Meijer (90.)
4:1 Lars Jacobsen (90.)
 
GELBE KARTEN  
Hamburger SV:
Sergej Barbarez (31.) 

Bayer 04 Leverkusen:
Juan (20.)
Daniel Bierofka (27.)
Diego Rodolfo Placente (82.)
 
PLATZVERWEISE  :
Hamburger SV: Karte rot für Tomas Ujfalusi (52.)
Bayer 04 Leverkusen: Karte rot für Bernd Schneider (52.)
 
SCHIEDSRICHTER :  Hellmut Krug  
ZUSCHAUER :  51,629 
DATUM :  10.05.03   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Milan Fukal, Bernd Hollerbach, Tomas Ujfalusi, Nico Jan Hoogma, Marcel Maltritz, Mehdi Mahdavikia, Raphael Wicky, Rodolfo Esteban Cardoso, Bernardo Romeo, Sergej Barbarez

Bayer 04 Leverkusen: Jörg Butt, Juan, Pascal Ojigwe, Diego Rodolfo Placente, Lucio, Yildiray Bastürk, Oliver Neuville, Daniel Bierofka, Hanno Balitsch, Carsten Ramelow, Dimitar Berbatov,  

WECHSEL 
Hamburger SV:
Ingo Hertzsch für Rodolfo Esteban Cardoso (54.)
Lars Jacobsen für Bernd Hollerbach (57.)
Erik Meijer für Bernardo Romeo (88.)

Bayer 04 Leverkusen
Bernd Schneider für Pascal Ojigwe (46.)
Franca für Oliver Neuville (63.)
Marko Babic für Yildiray Bastürk (78.) 
 

1:4-Debakel in Hamburg - Bayer weiter auf "Kurs Abstieg"  
Lars Jacobsen trifft in der Nachspielzeit in der AOL-Arena zum 4:1 für den HSV. Reiner Calmund will sich das Debakel nicht länger antun und wandert konsterniert ab. Oder besser will abwandern. Der schwergewichtige Manager stolpert, drei Mann müssen ihm die Treppen quasi hoch helfen.
Ein Bild mit Symbolcharakter, denn besser kann man Bayer Leverkusen anno 2003 nicht "verkörpern". 1:4 - Eine Demütigung für Bayer Leverkusen. Aber noch viel schlimmer: Der erste Abstieg der Vereinsgeschichte droht bei zwei Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsrang.  
"Butt, du bist gegangen, jetzt steigst du ab", hatten die Fans der Hanseaten auf Spruchbändern der (möglichen) Zukunft schon vorgegriffen. "Wir müssen jetzt noch sechs Punkte holen. Nur zweifele ich daran. In der Verfassung, in der wir uns gerade präsentieren", sagte selbst Trainer Thomas Hörster.

"Hörster muss weg"
"Wenn ich einen Trainer so reden höre, dann muss er weg", meint Paul Breitner in der TV-Sendung ran.
"Ich kann mir diese Leistung nicht erklären", meinte auch ein ratloser Kapitän Carsten Ramelow. Doch mit der Schlappe allein war es noch nicht getan für die Rheinländer.
Zu allem Überfluss sah Bernd Schneider auch noch Rot (52.). Ausgerechnet Schneider. Eine der Hoffnungen im Kampf gegen den freien Fall.

Schneider bald Borusse?
Übrigens hielt Schiri Hellmut Krug auch Hamburgs Tomas Ujfalusi den roten Karton unter die Nase. Beide hatten sich nach einem Foul von Schneider an Hollerbach beharkt.
Für den deutschen Nationalspieler ist die Saison damit gelaufen. Aber vielleicht sieht man Schneider nächste Saison ja im Trikot von Borussia Dortmund wieder in Deutschlands höchster Spielklasse. Der BVB zeigt weiterhin reges Interesse.

Erste Pleite seit zehn Jahren
Bis auf Ramelow hatten sich alle anderen Spieler kommentarlos verabschiedet. Auf dem Platz keine Leistung, nach dem Spiel wenig profihaft - der Vize-Meister präsentiert sich in einem wahrlich jämmerlichen Zustand.
Im Abstiegskampf - und die Betonung liegt auf Kampf - ließ Bayer vor 51.629 Zuschauern in der ausverkauften AOL-Arena alles vermissen. Sergej Barbarez (18.), Bernardo Romeo (55.), Erik Meijer (90.) und Lars Jacobsen (90.) hatten bei ihren Toren wenig Mühe.
Hanno Balitschs Anschlusstreffer in der 88. Minute kam viel zu spät. Und war am Ende nur Kosmetik und konnte die erste Niederlage in Hamburg seit September 1993 nicht verhindern.

Abstieg naht
"Na, sportlich verbessert, Jörg?" musste Hans-Jörg Butt von Seiten der Fans reichlich Spott über sich ergehen lassen. Und wirklich: Bayers Abstieg scheint nach der (Un-)Leistung in Hamburg nicht mehr abzuwenden.
Hämischer Lichtblick: "Kopf hoch, Bayer. In der Zweiten Liga reicht Platz zwei", hieß es auf einem der zahllosen Spruchbänder. Irgendwie wahr.

HSV an "Königsklasse" dran
Vor einem Jahr stand die Werkself noch im Champions-League-Finale gegen die beste Mannschaft der Welt, Real Madrid. Und wer weiß: Vielleicht erspielt sich der HSV auch noch die Chance auf den ganz großen Wurf.
Die Rothosen schnuppern jetzt sogar an der "Königsklasse". Noch vier Punkte beträgt der Rückstand auf den VfB Stuttgart und Platz drei.

Beste Serie seit Happel
Dabei hatte es unter der Woche noch Querelen innerhalb des Vereins gegeben. Barbarez setzte zur verbalen Grätsche gegen Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer an. Die Mannschaft musste nach der Nullnummer in Cottbus böse Prügel einstecken.
Doch der HSV ist zurück. Zwölf Heimsiege, so viel wie seit der Ära Ernst Happel nicht mehr, machen Lust auf mehr. Und sollte nächste Woche endlich mal wieder ein "Dreier" in der Fremde gelingen - wer weiß, wohin der Weg der Hamburger noch führt...
 

Fakten:
Festung AOL-Arena
Der Hamburger SV ist seit 14 Heimspielen ungeschlagen – das ist die längste aktuelle Serie aller Bundesligisten. In der Rückrunde holte der HSV zu Hause 22 von 24 möglichen Punkten. 

Viele Heimsiege
Es war der zwölfte Heimsieg in dieser Saison für den HSV – keine Mannschaft gewann zu Hause häufiger. Die Hanseaten selbst siegten zuletzt vor 16 Jahren daheim so oft. 

Abwärtstrend verstärkt sich
Leverkusen hat aus den letzten fünf Auswärtsspielen nur einen Punkt geholt und steht weiter auf einem Abstiegsplatz. 16 oder mehr Saisonniederlagen gab es bei Bayer nur ein Mal, vor 21 Jahren. 

Selbst in Hamburg läuft es nicht mehr
Leverkusen verlor erstmals nach fast zehn Jahren wieder beim HSV. 

Schlaglichter:
Bayer hielt kaum dagegen
Der Hamburger 4:1-Erfolg gegen Leverkusen war auch in der Höhe verdient. Die Hamburger kauften dem Vizemeister in der AOL-Arena den Schneid ab und gewannen 53 Prozent der Zweikämpfe. Leverkusen wirkte über Strecken oft so, als hätten sie die prekäre Lage immer noch nicht begriffen. 33 Fouls der Hamburger, die ihren Willen den UEFA-Cup zu erreichen damit deutlich machten, setzte Bayer im Kampf um den Klassenerhalt nur 18 Fouls entgegen. 

Barbarez zeigte Biss
Sergej Barbarez (Note 7,8) beendete in der Partie gegen Leverkusen nicht nur seine Torflaute von über 1000 Minuten, sondern zeigte seinen Kollegen auch wie man in entscheidenden Spielen zur Sache geht. Sergej Barbarez beging zwölf Fouls, stellte damit einen Saisonrekord auf und war damit am Rande eines Platzverweises. Gab aber für seine Mannschaft damit auch die Richtung vor, fehlt aber nun in Bochum wegen seiner fünften Gelben Karte. 

Neuville ist kein Flügelstürmer
Oliver Neuville (Note 4,4) zeigte in der Partie gegen den Hamburger SV ein Mal mehr, dass er im System mit drei Spitzen als Außenstürmer nicht zu Recht kommt. Der Nationalspieler gab keinen Torschuss ab und brachte nur knapp die Hälfte seiner Pässe zu einem Mitspieler. 

Wicky räumte ab
Raphael Wicky (Note 8,5) war in der Partie gegen Leverkusen zweikampfstärkster Spieler auf Seiten der Hamburger und gewann 70 Prozent seiner Zweikämpfe. Seine Leistung krönte der Schweizer mit der wichtigen Torvorlage zum 2:0 durch Bernardo Romeo. 

Meijer mit Punktlandung
Erik Meijer machte als Joker in der Partie gegen Leverkusen eine Punktlandung. Mit nur drei Ballkontakten erzielte ein Tor selbst und bereitete zudem das erste Bundesligator von Lars Jacobsen vor. 
 
Trainer Kurt Jara (Hamburger SV): 
"Wir haben einen Riesenschritt vorwärts gemacht. Aber man sieht, unsere Gegner um den Uefa-Cup ziehen mit, deswegen war dieser Sieg sehr wichtig. Wir haben ein sehr gutes Forechecking gespielt. Wir wussten, dass Leverkusen verunsichert ist, das wollten wir durch aggressive Spielweise ausnutzen. Nach dem frühen Führungstor wurde das Selbstbewusstsein noch größer."    
 
Trainer Thomas Hörster (Bayer Leverkusen): 
"Wir waren in den ersten 30 Minuten überhaupt nicht auf dem Platz. Wir hatten uns vorgenommen, aggressiv zu sein, über die Zweikämpfe den Ball nach vorne zu tragen. Leider ist das alles misslungen. Vorne waren wir an Harmlosigkeit überhaupt nicht zu überbieten. Die Situation ist jetzt klar, wir müssen die beiden restlichen Spiele gewinnen und werden dann sehen, ob es zum Klassenerhalt reicht."  

Topspieler: Erik Meijer (Hamburger SV)
Vier Minuten durfte der Holländer gegen seinen Ex-Klub ran. In 240 Sekunden kam Meijer drei Mal an den Ball. Doch was er machte, hatte Hand und Fuß. Ein Kopfballtreffer, eine Torvorlage - einfach sensationell! Nach seinem Treffer zum entscheidenden 3:1 huschte ein fast schon bedauernswertes Lächeln Richtung Gegenspieler Juan über sein Gesicht. "Ich habe mich nicht sehr darüber gefreut, weil es gegen Leverkusen war", sagte Meijer nachher.  

Spielwertung: 3 Bälle (von 4)
 
Kommentar
Wenn das Abstiegskampf à la Bayer Leverkusen war, dann sehen wir die Rheinländer nächste Saison in der Zweiten Liga wieder. 46 Prozent gewonnener Zweikämpfe und nur 18 Fouls - in entscheidenden Spielen muss man kratzen, beißen und spucken. Wie es Reiner Calmund vor einigen Wochen gefordert hatte. Nur fehlt immer noch die Umsetzung der Herren Fußball-"Profis" auf dem grünen Rasen. Dass Bayer in wichtigen Spielen immer wieder versagt, ist nichts Neues. Nur dieses Jahr geht es nicht um Meisterschaft, Pokal oder Champions League. Es geht um den Fall in die Niederungen der Zweiten Liga, um Existenzen und Schicksale Einzelner. Den HSV bringt der zwölfte Heimsieg der Saison ganz nah an den Uefa-Cup. Oder vielleicht doch noch an die Fleischtöpfe der Champions League...
Stefan Rommel  
 
Taktik
Hamburger SV
Der HSV mit gewohnter Aufstellung und gewohntem 4-4-2-System. Pieckenhagen im Tor. In der Viererkette Hoogma und Ujfalusi in der Innenverteidigung, auf den Außen Hollerbach (links) und Fukal. Im defensiven Mittelfeld räumten Wicky und Maltritz ab. Cardoso als Spielmacher, Mahdavikia über den rechten Flügel, Barbarez stieß über links immer wieder in die Spitze zu Romeo.

Bayer Leverkusen
Auch die Gäste wieder mit 4-4-2. "Heimkehrer" Butt im Tor. Juan und Lucio in der Innenverteidigung. Placente links und Ojigwe rechts in der Abwehr. Ramelow als Abräumer neben Balitsch im defensiven Mittelfeld. Bastürk als offensive Anspielstation, flankiert von Neuville, der immer wieder in der Spitze auftauchte, und Bierofka. Im Sturm Berbatov.  


 
kicker:
Spielbericht 
HSV-Coach Jara setzte nach dem enttäuschenden 0:0-Remis in Cottbus auf Wiedergutmachung und änderte seine Startelf nur auf einer Position. Für den wegen einer Gelb-Roten Karte gesperrten Ledesma lief Wicky auf. Leverkusens Trainer Hörster nahm nach dem jüngsten 3:1-Sieg über Bielefeld zwei Änderungen vor. Der gerade erst von einer Muskelverhärtung genesene Neuville kam für Franca ins Team. Außerdem ersetzte Placente Zivkovic in der Viererkette, der mit Leistenproblemen passen musste.

Die Rollen vor dem Spiel des HSV gegen Leverkusen waren klar verteilt - UEFA-Cup-Anwärter trifft auf Abstiegskandidat.

Von Anbeginn zogen dann auch die Norddeutschen ihr Angriffsspiel über die schnellen Flügel auf, im Abschluss wirkten die Aktionen aber zu hektisch. Bayer hielt dagegen und trat zunächst nicht wie ein Absteiger auf. In den Zweikämpfen waren die Werks-Akteure präsent und nah am Mann. Einzig der Iraner Mahdavikia stellte die rechte defensive Seite der Rheinländer mit Juan und Placente vor Probleme. Zur ersten großen Chance des Spiels bedurfte es so einer Standardsituation. Mahdavikia brachte das Leder gezielt auf Hoogmas Kopf, der nur an einem überragend reagierenden Butt scheiterte (15.).

Der Druck der Hamburger nahm nach gut einer Viertelstunde sichtbar zu, Bayer kam kaum noch zum Verschnaufen, geschweige denn zu eigenen Entlastungsangriffen. Der Vizemeister ließ sich nun einschüchtern vom konsequenten Auftreten des HSV und verlor im Spielaufbau zu schnell das Leder. So kam es, wie es kommen musste. Wieder war es Mahdavikia, der per Lobpass in die linke Strafraumhälfte der Leverkusener die gesamte Abwehrreihe aushebelte. Juan hatte das Abseits aufgehoben, und so konnte Barbarez relativ unbedrängt aus 13 Metern ins lange Eck vollenden (19.).

Im Anschluss an die Hamburger Führung wurde das Spiel ruppiger, was die Statistik der Gelben Karten beweist. Zweikämpfe beherrschten das Bild, und da hatten die Hanseaten deutliche Vorteile. Kann man den Hamburgern einen Vorwurf machen, dann ist es die Tatsache, dass sie nach der Führung nicht konsequent auf das zweite Tor drückten.

Torszenen fehlten nun gänzlich, das Geschehen spielte sich im Mittelfeld ab. Der erste Schuss aufs Tor der Hamburger ließ bis zur 41. Minute auf sich warten, doch Pieckenhagen hatte mit Bastürks „Rückgabe“ keine Probleme.

Nach der Pause erhöhte Bayer-Coach Hörster das Risiko und brachte den angeschlagenen Vize-Weltmeister Schneider für den defensiven Ojigwe. Zunächst stand aber die Defensive im Mittelpunkt, die sich nur zwei Minuten nach dem Wechsel stümperhaft überlupfen ließ. Romeo scheiterte jedoch kläglich frei vor Butt.

Die Hoffnung der Rheinländer beschränkte sich nun voll und ganz auf Bernd Schneiders Fähigkeiten. Er hatte allerdings nicht viel Zeit, diese zu zeigen. Stattdessen foulte er ungeschickt Hollerbach. Ujfalusi rauschte aufgebracht heran und lieferte sich mit Schneider eine Rangelei. Schiedsrichter Krug zögerte nicht lange und schickte beide Akteure vom Feld (54.).

Die Ereignisse überschlugen sich nun, denn nur vier Minuten später schlugen die Norddeutschen erneut zu. Wieder war es Mahdavikia, der zwei Mann auf sich zog. Das Leder gelangte zu Wicky, der sogleich abzog. Romeo stand in der Schussbahn und fälschte unhaltbar ab.

In der Folge machte es Bayer den Hamburgern sehr leicht. Scheinbar anteilslos ergab sich der Vizemeister in sein Schicksal. Der HSV tat nun nicht mehr viel, musste er auch nicht. Es reichte völlig aus, solide die Passwege abzudecken und Bayer 30 Meter vor dem Tor zu stören.

Ein Aufreger in einer nach dem zweiten Treffer zunächst eher langweiligen Halbzeit war Lucios Lattenknaller nach einem abgefälschten Freistoß (73.) – aus dem Spiel heraus lief wenig bis gar nichts. 

Erst in der 88. Minute klappte eine Flanke von Babic auf Balitsch, der verkürzte. Doch die Leverkusener Hoffnung währte nicht lange. Gerade erst gekommen, erzielte Meijer gegen seinen Ex-Klub per Flugkopfball das 3:1 (90.), wenig später legte Jacobsen nach schönem Solo sogar noch einen drauf (90.+2 ). 

Am Ende feiert der HSV einen hochverdienten Sieg und festigt damit seine Ambitionen auf einen UEFA-Cup-Platz. In Leverkusen muss weiter gezittert werden. 
 

Spielereignisse im Detail 
Schlusspfiff 
 
90     Jacobsen setzt sogar noch einen drauf. Der Däne dringt von halblinks in den Strafraum ein und überwindet überlegt Keeper Butt. 
 
90     Meijer, nur wenige Sekunden zuvor gekommen, erzielt per Flugkopfball auf Pass von Fukal die Entscheidung. 
 
88     Nur Ergebniskorrektur? Babic flankt in den Strafraum auf Balitsch. Der nimmt schön per Brust an und vollendet mit einem trockenen Rechtsschuss. 
 
86     Wieder nimmt Lucio aus identischer Position Maß, diesmal bleibt die Kugel aber in der Mauer hängen. 
 
73     Nun kommt auch noch Pech für die Bayer-Akteure dazu: Lucios Freistoß-Knaller aus 22 Metern halbrechter Position wird von der Mauer abgefälscht und knallt anschließend satt ans rechte Lattenkreuz. 
 
66     Lucios unwiderstehlicher Antritt und sein überlegtes Abspiel bringt Landsmann Franca, gerade erst gekommen, in gute Schussposition. Pieckenhagen passt auf und hält souverän. 
 
58     Die Ereignisse überschlagen sich: Mahdavikia zieht zwei Leverkusener auf sich, das Leder kommt zu Wicky, der sofort aus 22 Metern abzieht. Romeo steht in der Schussbahn und fälscht unhaltbar für Butt ab. 
 
54     Schneider, gerade erst gekommen, foult Hollerbach. Ujfalusi kommt hinzu und die beiden liefern sich eine Rangelei. Rot für Beide. 
 
53     Maltritz zieht mit Anlauf aus 25 Metern ab. Der Ball zischt nur um Haaresbreite am linken Pfosten vorbei. 
 
47     Cardoso überlupft die Bayer-Viererkette. Romeo startet im richtigen Moment und steht so frei vor Butt. Seine versuchte Direktabnahme gelingt nicht, das Leder fliegt weit über das Gehäuse. 
 
 Anpfiff 2. Halbzeit 
 
 Halbzeit 
 
41     Erste halbwegs gefährliche Aktion der Gäste. Berbatov bringt Bastürk per Kopfball ins Spiel. Der Türke ist schneller als Hoogma, doch sein Abschluss im Fallen aus elf Metern ist kläglich und kann Pieckenhagen nicht gefährden. 
 
35     Das Spiel wird nun etwas ruppiger, Zweikämpfe beherrschen die Partie. Das Heft des Handelns hat der HSV fest in Händen. 
 
19     Da ist es passiert. Mahdavikia überlobt geschickt die komplette Bayer-Abwehrreihe. Juan hatte das Abseits aufgehoben und so kann Barbarez aus 13 Metern halblinker Position ins lange Eck vollenden. Butt war ohne Chance. 
 
15     Butt glänzt mit einer Großtat gegen Hoogma, der nach einer Mahdavikia-Ecke aus sechs Metern völlig frei zum Kopfball kam. 
 
13     Wieder Konfusion im Bayer-Strafraum. Mahdavikias Flanke kann Lucio nur in die Mitte abwehren. Freund und Feind verpassen bis Cardoso sich mit einem Fallrückzieher versucht. Guter Versuch, aber einen Meter vorbei. 
 
8     Patzer von Placente auf der rechten Seite. Mahdavikia ist hellwach, leitet das Leder weiter zu Barbarez und der Bosnier zieht direkt ab. Sein Schlenzer war gut gedacht, doch zu schwach geschossen. 
 
2     Erste gefährliche Szene im Leverkusener Strafraum. Nach einem Getümmel kommt Romeo zum Schuss, doch Lucio stürzt sich im letzten Moment dazwischen und blockt ab. 


 
dpa meldet:
Hörster gibt Bayer nach 1:4 gegen HSV auf

Von Britta Körber, dpa

Hamburg (dpa) - Nach der 1:4-Bankrotterklärung der Millionen-Truppe von Bayer Leverkusen beim Hamburger SV glaubt sogar Trainer Thomas Hörster an den ersten Bundesliga-Abstieg in der Geschichte des Werks-Clubs. 

«Nach der Leistung heute, muss ich sagen, habe ich aufgegeben. Es fehlt alles.» Die Worte des hilflos wirkenden früheren Bayer-Amateurtrainers nach der leblosen Vorstellung brachten Sat.1-Experte Paul Breitner auf die Palme: «Hörster ist überfordert, so einen Trainer kann man nicht mehr mitziehen.» Der Kritiker forderte einen sofortigen Wechsel der sportlichen Leitung, um gegen 1860 München und beim 1. FC Nürnberg alles aus den matten Stars heraus zu holen und den drohenden Abstieg vielleicht doch noch zu verhindern.

Hörster, der selbst nicht das Handtuch werfen will, beschrieb die Stimmung in der Kabine wie nach einem Begräbnis. Mitleid kam sogar beim HSV auf, der sich mit dem zwölften Heimsieg und 52 Punkten auf Rang vier vorschob und sich wohl den Traum von der UEFA-Cup-Teilnahme erfüllen wird. «Ich kann mich gar nicht freuen, denn ein bisschen bin ich auch noch Leverkusener», sagte Ex-Bayer-Profi Erik Meijer (90.), der mit dem zwischenzeitlichen 3:1 seinem alten Club den Genickschlag versetzte. Damit war auch die kurze Hoffnung nach dem Gegentreffer durch Hanno Balitsch (88.) vorbei.

Nach der 16. Saison-Niederlage waren die Rheinländer nur noch zu Durchhalteparolen fähig. «Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber wenn wir uns so präsentieren, dann werden wir es nicht schaffen», bekannte Nationalspieler Carsten Ramelow, der neben Lucio zu den wenigen Aktivposten gehörte. Blass und um Worte ringend befand der sonst so wortgewaltige Manager Reiner Calmund: «Aufgeben ist nicht drin. Zwei Spiele, da kann man noch sechs Punkte holen. Das ist nichts Ungewöhnliches, aber man muss sich anders präsentieren als heute.»

Wie paralysiert wirkten die elf Nationalspieler aus sechs Ländern gegen eine kämpferische HSV-Truppe, die sich seit Saisonbeginn spielerisch erheblich gesteigert hat und nun auch als Team zusammengefunden hat. «Uns fehlt die innere Überzeugung», analysierte Neu-Sportmanager Jürgen Kohler. Symptomatisch für die Situation beim tief gefallenen Vizemeister war die 52. Minute in der mit 51 629 Zuschauern fast ausverkauften AOL-Arena. Sieben Minuten nach seiner Einwechslung foulte Bernd Schneider rüde und mit gestrecktem Bein Bernd Hollerbach. Im folgenden Handgemenge gingen sich Schneider und Tomas Ujfalusi an den Hals, so dass Schiedsrichter Hellmut Krug beide wegen Tätlichkeit vom Platz stellte. Schneider, der zuvor verletzt drei Spiele schmerzlich vermisst wurde, fällt nun wieder aus. Hörster: «Seine Unzufriedenheit hat sich in dieser Situation gelöst.»

Auch dem HSV fehlen in Bochum die starken Ujfalusi und Sergej Barbarez (Gelbsperre), doch das ist für Kurt Jara kein Problem: «Dann springen eben andere in die Bresche», sagt der Erfolgscoach, der die Hanseaten zu einer eingeschworenen Truppe geformt hat. Zwar war Barbarez (18.) neben Bernardo Romeo (55.) und Lars Jacobsen (90.) wieder mal Torschütze und Antreiber, Führungsspieler gibt es beim HSV mittlerweile aber auch noch andere. So ist den Norddeutschen der internationale Wettbewerb kaum mehr zu nehmen, sogar die europäische Königsklasse ist noch nicht außer Sichtweite. Dennoch meinte Vorstandschef Bernd Hoffmann: «Wir sind realistisch. Bei vier Punkten Rückstand auf Stuttgart ist die Champions League nicht mehr drin.»