Bundesliga 2002/2003, 33. Spieltag, Samstag, 17.05.03 im Bochumer Ruhrstadion

VfL Bochum - Hamburger SV 1:1 (1:0)

Erstmals bin ich mit dem HSV-Zug zu einem Spiel gefahren und kann nur sagen, daß das dem Ganzen noch einen HSVigeren touch gibt. O.k., ich muß zugeben, daß ich wohl „Glück“ hatte und wir in einem sehr ruhigen Wagen saßen und ich eben nicht ganz so auf total besoffene Typen stehe. Aber bei uns war es, wie gesagt, vollkommen o.k. und da ich auch nicht allein, sondern mit Freunden unterwegs war, könnte ich mir auch sehr gut vorstellen, sowas nochmal zu machen.

Irgendwie ist es schon beeindruckend, wieviel Fans da in dem Zug waren, der auch eine sehr beachtliche Länge hatte. 12 Personen-Waggongs + Tanzwagen etc. Sah in Kurven schon nicht schlecht aus – das HSV-Töff-Töff.

Noch beeindruckender war dann aber für mich die Zahl der insgesamt mitgereisten HSV-Fans in Bochum. Was da alles aus dem Zug raus kam, war schon nicht wenig. Aber da waren ja noch einige Tausend mehr anderweitig nach Bochum gereist. Ich kann zwar nicht abschätzen, wieviel es insgesamt waren (wobei ich auf mindestens 6000 tippen würde), aber ich habe auswärts selten so viele HSVer gesehen, die dann auch alle noch sehr für Stimmung gesorgt haben.

Die Stimmung im Block war von Anfang an toll. Und die Mannschaft tat ein Übriges, damit es auch so blieb. Nach etlichen schlechten und ängstlichen Auswärtsspielen, traten wir heute nämlich endlich mal mit Selbstvertrauen auf und spielten nach vorne.

Es mag übertrieben sein, aber ich fand, daß wir die Bochumer in den ersten 30 Minuten geradezu an die Wand spielten. Wir waren etliche Male gefährlich vorm gegnerischen Kasten. Allerdings hat uns auch die Phase den Sieg gekostet, denn wir konnten leider keine der Chancen nutzen.

Und so kam es, wie es kommen mußte. Bochum kam nach 30 Minuten einmal nach vorne (und da kann man eigentlich nicht mal von gefährlich sprechen) und der Spielverlauf stand für mich auf dem Kopf. So ein dämliches Tor. Freistoß irgendwo aus dem Nirvana in den 16er. Pieckenhagen läuft raus, aber Christiansen erwischt den Ball vor ihm mit dem Kopf und er trudelt ins Tor.

Total dämlich dieser Treffer. Ingo Hertzsch stand auch hinter Christiansen und griff nicht ein. Da man aber weiß, wie kopfballstark Ingo ist und er sich in dieser Szene geradezu „klein“ machte, gehe ich mal davon aus, daß Piecke beim Rauslaufen „leo“ gerufen hat. Das war leider ein klarer Torwartfehler in meinen Augen, denn wenn ein Torwart rausläuft, muß er auch den Ball kommen. Wäre er im Tor stehen geblieben, hätte er den Ball mit der Mütze einsammeln können....

Der Bochumer Führungstreffer war ein richtiger Bruch im HSV-Spiel. Und leider auch im Fanblock. Es wurde zwar weiter supportet, aber njcht mehr so wie vorher.
Noch schlechter wurden Spiel und Support im zweiten Durchgang. Wir spielten zwar weiterhin nach vorn, ließen dabei aber jede Durchschlagskraft vermissen. Ich hatte da schon fast die Hoffnung aufgegeben, daß wir noch ein Tor schießen würden. Und viele andere Fans wohl auch.

Ich habe mich in diesen Momenten wirklich über uns alle im Block geärgert (das schließt mich ein!). Wir hätten da auch Initialzündung vom Spielfeld aus nochmal Gas geben müssen. Aber es kam einfach zu wenig. Aber eben nicht nur von uns, sondern auch aus dem Feld. 

Und dann hatte ich auch noch so einen Gehirnakrobaten hinter mir, der schon in der ersten Halbzeit in einer Tour nörgelte. Scheiß, Cardoso, etc. Wenn ein Fehlpaß kam (insbesondere Cardoso hatte es ihm angetan) nörgelte er rum. Da ich keinen Bock auf Streit habe, habe ich nix gesagt. Eigentlich hätte man sich aber umdrehen müssen, und ihm mal ein paar Reihen erzählen. Bin eben zu feige.
Ich dachte nur immer bei mir: Was will der ? Nörgeln oder Punkte für den HSV ?

Als Jara dann wechselte, fanden viele Fans diese Wechsel auch wieder unverständlich. Für Cardoso, Hollerbach und Maltritz kamen (nicht alle auf einmal) Kitzbichler, Rahn und Takahara. Insbesondere über Kitzbichler und Rahn moserten viele.

Wobei ich den Wechsel Hollerbach gegen Rahn vollkommen nachvollziehen konnte. Ich nehme mal an, daß Hollerbach wegen seiner Verletzung aus dem letzten Spiel einfach nicht mehr weiterspielen konnte. Und da wir nicht verteidigen wollten, sondern dringend ein Tor brauchten, wurde nicht der gewiß defensiv stärkere Jacobsen eingewechselt, sondern Rahn, der bekanntlich sehr viele Flanken schlagen kann.

Allerdings muß man zugeben, daß das heute mit den Flanken insgesamt ein eher trauriges Kapitel des HSV war. Erstmals sind wir auf einen Gegner gestoßen, der zumindest im Abwehrbereich deutlich kopfballstärker war als wir. Aus all den Flanken und dann auch noch 13:3 Ecken haben wir glaube ich überhaupt keine Torchance bekommen. Ich könnte mich jedenfalls nicht erinnern, daß wir mal nach einer Ecke einen Kopfball auf das Tor gebracht hätten. Allerdings sprechen 13:3 Ecken für die Auswärtsmannschaft ja trotzdem eine ziemlich klare Sprache über das Spielgeschehen.

Und da wir alle wissen, daß der Fußball immer wieder seine eigenen, seltsamen Geschichten schreibt, haben dann genau die beiden, die vermutlich am wenigsten Fans in der Aufstellung sehen wollten, für den Ausgleich gesorgt. Der eingewechselte Kitzbichler stürmte zum gegnerischen Tor und wurde gefoult. Damit sorgte er für den Freistoß, den Rahn dann wunderschöne links oben ins Eck setzte. Das war allerdings die Torwartecke und beim Sehen der Fernsehbilder habe ich mich schon ein bißchen gewundert, wieso der sonst klasse agierende van Duijnhoven da so chancenlos aussah.

Jedenfalls war nach diesem späten Ausgleich die Stimmung im Block wieder gigantisch und der HSV drückte nun auch mit Macht auf den Siegtreffer. Leider gelang dieser aber nicht mehr. Die beste Chance hatte Erik Meijer, der nach einer Flanke von links durch Takahara den Ball per Seitfallzieher an den Pfosten beförderte. Wäre das ein Tor geworden, wäre Erik vermutlich noch mehr gefeiert worden als es ohnehin schon der Fall war (falls das überhaupt möglich ist).

Allerdings hatte auch Bochum kurz vor Schluß nochmal ein bis zwei Angriffe, bei denen mir das Herz fast stehen blieb.

Gewußt hätte ich auch gern, wie lange der Schiri spielen ließ. Bochum hat sich ja in dem ganzen Spiel nicht gerade herausragend um einen Sieg bemüht. Worin sie allerdings klasse waren, ist das Zeitspiel. Die haben sich sooo viel Zeit gelassen und nicht mal gelbe Karten bekommen, wenn sie den Ball nach dem Schiedsrichterpfiff noch weggeschossen haben. Und das war nicht nur einmal der Fall....

Der Schiri war auch in der Halbzeit „interessant“. Der HSV war schon richtig früh wieder aus den Katakomben gekommen. Vermutlich auch, um zu zeigen, daß man heiß ist. Das dann allerdings auch die Bochumer recht früh wieder kamen und somit beide Mannschaften fast minutenlang auf das Schirigespann warten mußten, habe ich bisher auch noch nicht erlebt.

Naja, jedenfalls konnten wir keinen Siegtreffer mehr erzielen in der zu kurz geratenen Nachspielzeit. Das tat der Stimmung in der Fankurve allerdings keinen Abbruch. Nur wenige HSVer verließen direkt nach Spielende das Stadion. Wahre Massen blieben im Stadion und nach der „obligatorischen“ Verabschiedung der Mannschaft und bereits leerem Platz wurde die Mannschaft durch ständiges „Wir woll´n  die Mannschaft sehen“ wieder auf den Platz zurückgerufen. Und sie kamen auch und wurden entsprechend gefeiert ein endlich mal ansehnliches und kämpferisches Auswärtsspiel.

Und auch für Kurtl Jara wurde es wohl noch ein unvergeßliches Spiel. Denn nach dem 2. Feiern des Teams gab es schließlich (ich glaube erstmals) auch minutenlange „Wir woll´n den Trainer sehen“ – Gesänge. Ich bin eigentlich eher jemand, der Jara skeptisch gegenübersteht, aber die Stimmung war so, daß man da einfach mitgröhlen mußte. Außerdem hat uns Jara natürlich wirklich in eine Tabellenregion geführt, mit der wir wohl nicht gerechnet hatten. Zumindest ich nicht.

Jedenfalls kam auch Jara dann nach Beendigung der Interviews zu uns Fans und wurde gefeiert. Ich denke schon, daß dies für ihn etwas Besonderes war, denn ich kann mich entsinnen, daß er mal in einem Interview gesagt hat, daß er nicht der Typ ist, der nach Siegen in die Kurve läuft und sich von den Fans feiern läßt.

Schließlich ging es dann zurück zum Bahnhof und von dort auf eine angenehme Rückfahrt per HSV-Zug nach Hamburg. Ein alles in allem sehr gelungener Tag.

Das war nun der vorletzte Spieltag. Für uns ist noch alles dring vom 3. – 6. Platz. Den 3. Platz zu erreichen, dürfte allerdings nicht ganz einfach werden, weil das nicht allein in unserer Hand liegt. Wir müßten gewinnen, Stuttgart verlieren und dabei müßten wir 5 Tore im Verhältnis zu Stuttgart gut machen. Natürlich ist das schwer; zumal Stuttgart ein Heimspiel hat. Allerdings spielen sie gegen Wolfsburg, die noch Punkte für den UICup brauchen. So vollkommen unmöglich ist es ja nun auch nicht, daß Stuttgart z.B. mit 2 Toren verliert und wir mit dreien gewinnen. Ich hoffe, daß unsere Mannschaft zumindest Ihren Teil dazu tut. Ich möchte nicht erleben, daß Stuttgart tatsächlich verliert und wir am Ende nur wegen des Torverhältnisses die CL-Quali verpassen. Hoffentlich denken unsere Jungs dran. 

Aber natürlich ist es am wichtigsten, daß wir überhaupt gewinnen. Denn mit einem Sieg haben wir den UEFA-Cup-Platz sicher.  Es könnte zwar auch mit einer Niederlage oder einem Unentschieden gehen, aber dann wäre wir davon abhängig, daß nicht Hertha UND Werder gewinnen.

Ohnehin wäre es mir lieber, wenn Werder 5. Würde und Hertha 6. Bliebe. Denn gerade für Hertha und auch den 7. Schalke wäre das Nicht-Erreichen des int. Wettbewerbs vermutlich ein extremer finanzieller Schlag. Die beiden Mannschaften sind mir ja schon von daher unsympathisch, daß die nur so mit dem Geld für Transfers um sich schmeißen. Da wäre es mir sogar lieber, wenn der ansonsten ungeliebte Klub von der Weser den UEFA-Cup erreicht. Aber nur hinter uns! Nicht vor uns!

Ich bin gespannt auf den letzten Spieltag und wäre mit einem UEFA-Cup-Platz schon mehr als zufrieden. Aber der Griff nach den CL-Sternen wäre das Größte (insbesondere in Anbetracht unserer Saison).

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: Das 1:0 ging auf seine Kappe und ansonsten hatte er nicht so viel zu tun: Note 4-

Hertzsch: wirkte zu Anfang nervös und hatte einige Patzer dabei, von denen einer auch zum Gegentor hätte führen können. In der zweiten Hälfte dann aber wesentlich stärker: Note 4

Hoogma: fiel mir kaum auf: Note 3

Hollerbach: Ich fand ihn richtig stark. Er war zwar wieder am Rande einer gelb-roten Karte, aber er beackerte die linke Seite sehr gut: Note 2-

Fukal: Konnte sich offensiv ausleben, da er defensiv nur wenig gefordert wurde. Bei Ecken erreichten wir aber (wie o.g.) leider nichts: Note 3

Maltritz: lief sehr viel und störte den Gegner.: Note 3

Wicky: wie Maltritz. Was ihn aber in meinen Augen wertvoller machte, war, daß er nach vorn nach einem Ballgewinn viel bessere Pässe schlägt. War für mich einer der Besten: Note 2

Cardoso: gefiel mir heute recht gut, auch wenn ein paar Fehlpässe dabei hätte: Note 3

Mahdavikia: von den Guten war er für mich der Beste. Bei seinem Ex-Klub Bochum gab er alles. Zig Angriffe liefen über ihn und fast immer kam er an seinen Gegnern vorbei: Note 2+

Romeo: war heute ganz o.k. Hätte er nur seine große Chance zum 1:0 genutzt, nachdem Meijer den Ball nicht richtig getroffen hatte: Note 3-

Meijer: wie immer unermüdlich rackernd. Heute durfte durch die Sperre von Barbarez nach langer Zeit mal wieder von Beginn an ran. Schade, daß der HSV kein Interesse zeigte mit ihm zu verlängern: Note 2-

Schiri: Ich konnte keine wesentlichen Fehlentscheidungen feststellen. Er hatte allerdings eine Phase, in der er zu oft mit der gelben Karte für HSV-Spieler umherfuchtelte, wohingegen er die Bochumer Zeitspieler überhaupt nicht bestrafte: Note 3- 

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 

TORE 
1:0 Thomas Christiansen (31.)
1:1 Christian Rahn (82.)

GELBE KARTEN 
VfL Bochum:
Anton Vriesde (29.) 

Hamburger SV:
Bernd Hollerbach (28.)
Rodolfo Esteban Cardoso (31.)
Raphael Wicky (36.)
Ingo Hertzsch (40.)

SCHIEDSRICHTER :  Torsten Koop 
ZUSCHAUER :  32,645 
DATUM :  17.05.03   15:30 Uhr 

AUFSTELLUNG 
VfL Bochum: Rein van Duijnhoven, Raymond Kalla, Anton Vriesde, Michael Bemben, Sören Colding, Sunday Oliseh, Delron Buckley, Paul Freier, Sebastian Schindzielorz, Dariusz Wosz, Thomas Christiansen

Hamburger SV: Martin Pieckenhagen, Nico Jan Hoogma, Milan Fukal, Bernd Hollerbach, Ingo Hertzsch, Marcel Maltritz, Mehdi Mahdavikia, Raphael Wicky, Rodolfo Esteban Cardoso, Bernardo Romeo, Erik Meijer

WECHSEL 
VfL Bochum:
Vahid Hashemian für Delron Buckley (67.)
David Zajas für Sebastian Schindzielorz (79.)
Thordur Gudjonsson für Dariusz Wosz (86.)

Hamburger SV:
Naohiro Takahara für Marcel Maltritz (57.)
Christian Rahn für Bernd Hollerbach (63.)
Richard Kitzbichler für Rodolfo Esteban Cardoso (67.)
 

Hamburg nach Rahn-Tor in Bochum voll im Soll 
Hamburgs Trainer Kurt Jara bewies beim 1:1 (1:0) beim VfL Bochum Risikobereitschaft und ein glückliches Händchen. Mit den Einwechslungen von Christian Rahn und Richard Kitzbichler wechselte der Österreicher den verdienten Punktgewinn im mit 32.645 Zuschauern ausverkauften Bochumer Ruhrstadion ein. Denn in der 81. Minute holte Kitzbichler, der erst zum zweiten Mal überhaupt in der Rückrunde im HSV-Aufgebot stand, den Freistoß heraus, den Christian Rahn direkt zum 1:1-Endstand verwandelte. 
"Wir haben uns für die letzten beiden Spiele vier Punkte als Ziel gesetzt, dann sind wir auf jeden Fall im Uefa-Cup. Egal, wie die anderen spielen. Jetzt haben wir einen Punkt geholt und sind im Soll", meinte Jara zufrieden.

Champions League noch möglich
Dabei können die Hamburger trotz neun Auswärtsspielen ohne Sieg seit Ende November sogar noch von der Champions League träumen. Vorausgesetzt, die Hanseaten gewinnen am letzten Spieltag in der AOL-Arena hoch gegen Rostock und Stuttgart verliert zu Hause gegen Wolfsburg. Allerdings könnte auch noch der Uefa-Cup verpasst werden.
"Unsere Zielsetzung heißt Uefa-Cup. Denn wenn wir das letzte Spiel nicht gewinnen, finden wir uns ganz schnell auf dem sechsten Platz wieder", mahnte Jara daher.

Christiansen mit seinem 20. Saisontor
Träumen darf zumindest Bochums Thomas Christiansen noch von der Torjäger-Kanone. Denn nach seinem überraschenden Führungs-Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0 in der 31. Minute weist sein Konto 20 Tore aus.
Giovane Elber zog jedoch nach zwei Treffern gegen Stuttgart mit 21 Toren an ihm vorbei. "Nachdem wir nicht mehr absteigen können ist das natürlich noch mein Ziel", meinte Christiansen, der in den letzten fünf Spielen jeweils traf.

Hamburg ohne Ujfalusi und Barbarez
Dabei sah es für die Bochumer im letzten Heimspiel der Saison zunächst nicht gut aus. Denn Hamburg präsentierte sich engagiert und mutig wie schon lange nicht mehr auf einem fremden Platz. Doch in Führung gingen die Bochumer nach Fehlern von Ingo Hertzsch und Martin Pieckenhagen.
Mit zunehmender Spieldauer ließen die Kräfte bei Bochum aber nach, Hamburg gelang durch Rahns' direktes Freistoßtor (das letzte erzielte Stig Töfting vor zwei Jahren) der Ausgleichstreffer.

Remis nur noch "psychologisch erklärbar"
"Das 1:1 war mit Sicherheit vom Spielverlauf her gerecht. Meine Mannschaft hat sich gegen einen starken Gegner gut präsentiert. Aber gerade in der zweiten Halbzeit hätten wir einige Konter besser abschließen können", meinte VfL-Coach Peter Neururer, der aber auch eingestehen musste, dass die Leistung seines Teams "nur noch psychologisch erklärbar" sei, "rein physisch wohl nicht mehr".
Sei's drum. Bereits vor einer Woche wurde der Klassenerhalt in trockene Tücher gewickelt, im Spiel gegen den Hamburger SV ging es um andere Dinge.

Alles zu gewinnen, nichts zu verlieren
"Ich glaube diese Saison lief ganz gut. Nicht nur für mich, sondern auch für Bochum. Gegen den HSV hatten wir alles zu gewinnen und nichts zu verlieren. Schade, dass wir in der zweiten Hälfte müde wurden", sagte Christiansen, der bei seinem Tor sein Trikot über den Kopf zog und ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Danke 12. Mann" zeigte.
"Ich habe mich bei den Fans für die Unterstützung bedankt", erklärte der Däne mit spanischem Pass. Und ein weiterer Bochumer dachte an die VfL-Anhänger, die als Dankeschön für ein Bier 1,50 Euro und eine Currywurst nur einen Euro zahlen musste: Sebastian Schindzielorz. "Sensi" der seit der E-Jugend insgesamt 15 Jahre für den Ruhrpott-Klub am Ball war, feierte seinen Abschied, da er am Saisonende den Klub verlässt.

"Tschüs Sensi"
"Ich habe versprochen, bis zum Saisonende alles für den VfL Bochum zu geben. Das habe ich getan. Ich hoffe, die Leute können mir verzeihen, dass ich zum 1. FC Köln gehe", sagte Schindzielorz, der das Team als Kapitän auf das Feld führen durfte.
"Tschüs Sensi" – war auf einem Transparent zu lesen. Und auch Neururer lobte den Publikumsliebling in den höchsten Tönen: "Es ist unglaublich, was der Junge für den Verein geleistet hat. Er ist Profi durch und durch. Er ist ein großer Verlust für unser Team, keine Frage", stellte Neururer fest, der schmunzelnd hinzufügte: "Aber wir haben ihn ja nur ausgeliehen, er kommt wieder zu uns zurück."
"Die richtige Version ist: Ich habe für drei Jahre in Köln unterschrieben", widersprach Musterschüler Schindzielorz wohl zum ersten und letzten Mal seinem Schulmeister Neururer.
 

Fakten:
Starker VfL-Schlussspurt
Der VfL blieb in den letzten fünf Spielen ungeschlagen - das gab es für Bochum zuletzt vor sechs Jahren, als man zum einzigen Mal in den UEFA-Pokal einzog. 

Bochum zu Hause abwehrschwach
In den letzten elf Heimspielen kassierte der Aufsteiger immer mindestens ein Gegentor – damit stellte der VfL einen neuen Vereins-Negativrekord auf. 

Zu viele Remis für den HSV
In den letzten neun Auswärtsspielen seit Ende November gab es keinen Sieg mehr für den HSV, aber sieben Remis. In einer kompletten Rückrunde ohne Auswärtssieg waren die Hanseaten zuletzt vor acht Jahren geblieben. 

Seltenes Freistoßtor für den HSV
Für den HSV war das 1:1 von Rahn das erste direkte Freistoßtor seit über zwei Jahren. Stig Töfting traf damals am 21. April 2001 beim Spiel in Leverkusen zum 0:1 (Endstand 1:1). 

Schlaglichter:
Der HSV machte mehr Dampf
Der HSV verdiente sich durch seine Überlegenheit (55 Prozent der Ballkontakte, 20:10 Torschüsse, 22:7 Flanken) den Punkt redlich. Die beiden HSV-Spitzen Romeo und Meijer waren mit je vier Torschüssen alleine fast so gefährlich wie die Gastgeber, die nach dem Wechsel sogar nur vier Torschüsse und 41 Prozent der Ballkontakte hatten. 

Christiansen war ein Mal zur Stelle
Thomas Christiansen (Note 6,6) traf im fünften Spiel in Folge – das gelang keinem anderen Spieler in dieser Saison. Ansonsten war von dem Stürmer wenig zu sehen, er hatte in 90 Minuten nur 28 Ballkontakte, gewann lediglich 30 Prozent seiner Zweikämpfe und war neben dem Tor nur an einem weiteren Torschuss beteiligt. Dennoch markierte er mit freundlicher Unterstützung von Pieckenhagen das 1:0 (zum achten Mal in dieser Saison – Ligaspitze) und wurde seinem Ruf als Torjäger wieder gerecht. 

Rahn traf als Joker
Der erst für die letzte halbe Stunde eingewechselte Christian Rahn (Note 7,9) schoss sein erstes Tor für den HSV (zuletzt hatte er am 33. Spieltag der letzten Saison noch für den Stadtrivalen St. Pauli beim 2:3 in Bremen getroffen). In Bochum schnappte sich Rahn den Ball beim direkten Freistoß und traf mit seinem einzigen Torschuss. Doch der Treffer kam nicht von ungefähr, Rahn sprühte vor Ehrgeiz, bestritt in seiner kurzen Einsatzzeit elf Zweikämpfe, von denen er neun gewann (82 Prozent) – damit avancierte er noch zum zweikampfstärksten Spieler. 

Kitzbichlers großer Auftritt
Der Österreicher Richard Kitzbichler (Note 6,4) stand erst zum zweiten Mal in der Rückrunde im Aufgebot des HSV und kam zu seinem ersten Einsatz im Jahr 2003. In nur 23 Minuten Spielzeit konnte er aber zwei Torschüsse abgeben und zwei weitere vorbereiten. Sogar als Torvorlage gilt der von ihm herausgeholte Freistoß vor dem 1:1. Es war Kitzbichlers erste Torbeteiligung in der Bundesliga. 

Trainer Peter Neururer (VfL Bochum):
Das 1:1 war mit Sicherheit vom Spielverlauf her gerecht. Meine Mannschaft hat sich gegen einen starken Gegner gut präsentiert. Aber gerade in der zweiten Halbzeit hätten wir einige Konter besser abschließen können. 

Trainer Kurt Jara (Hamburger SV):
Es war ein intensives, kampfbetontes und schnelles Spiel. Beide Mannschaften haben viel riskiert. Wir hatten einige Male Glück, dass die Bochumer ihre Konter nicht abgeschlossen haben, aber insgesamt das Spiel bestimmt. Wir sind im Soll auf dem Weg zur Uefa-Cup-Teilnahme. 

Topspieler: Christian Rahn (Hamburger SV)
Mit Christian Rahn kam in der 53. Minute der Entscheidungsträger ins Hamburger Spiel: Der Spieler, der den Treffer zum Ausgleich markierte. Ein sehenswertes direktes Freistoß-Tor, das erste seit über zwei Jahren. Damals war der Schütze Stig Töfting. Aber auch in den Zweikämpfen war Rahn als Offensiv-Spieler überragend: Der 23-Jährige (super11-Note 7,9) entschied 9:2-Duelle Mann-gegen-Mann für sich, 82 Prozent. Seine Zukunft beim Hamburger SV ist nach einer enttäuschenden Saison indes offen. Hätte er in der Vergangenheit solche Leistungen abgeliefert, wäre er aus der ersten Elf nicht wegzudenken. 

Spielwertung: 3 Bälle (von 4)

Kommentar:
Klasse-Spiel des Hamburger SV – und das auswärts. Schon oft hatten es sich die Spieler von Kurt Jara vorgenommen, doch erst im letzten Saisonspiel in der Ferne setzten es die Hanseaten um: Auswärts endlich mal so auftreten wie zu Hause in der AOL-Arena. Engagiert und mutig suchte der HSV den Weg nach vorne, ging hohes Tempo. Einziger Wermutstropfen: Ein Dreier sprang nicht heraus. Bochum dagegen bedankte sich bei den Fans für die Unterstützung während der Saison und lieferte eine überzeugende Leistung ab – solange die Kraft dies zuließ.
André Elsner 

Taktik
VfL Bochum:
Im Tor van Duijnhoven. In der Abwehr vier Mann: Bemben, Vriesde, Kalla und Colding (von links). Defensiv davor sicherten Oliseh und Schindzielorz ab. Um den Spielaufbau kümmerten sich im Mittelfeld Buckley (links), Wosz (zentral) und Freier (rechts). Als einzige Sturmspitze lief Christiansen auf.

Hamburger SV:
Pieckenhagen hütete das Tor der Hanseaten. Davor eine Viererkette in der Abwehr: Hollerbach, Hoogma, Hertzsch und Fukal (von rechts). Zentral defensiv sicherten Maltritz und Wicky ab. Cardoso im zentralen offensiven Mittelfeld, unterstützt von Mahdavikia über rechts. Den Zwei-Mann-Sturm bildeten Romeo und Meijer. 


 
kicker:
Spielbericht 

Bochums Trainer Peter Neururer änderte sein Team, dass mit einem 3:1 in Bielefeld den Klassenerhalt perfekt machte, nicht. Auch auf die angeschlagenen Wosz, Freier und Schindzielorz konnte der VfL-Coach zurückgreifen

HSV-Trainer Kurt Jara musste seine Mannschaft gegenüber dem souveränen 4:1-Erfolg gegen Leverkusen auf zwei Positionen umstellen: Für den Rot-gesperrten Ujfalusi rückte wie erwartet Abwehrspieler Hertzsch in die Anfangsformation, für den Gelb-gesperrten Barbarez begann Meijer.

Vor einer tollen Kulisse im Bochumer Ruhrstadion spielte die Heimelf von Beginn an engagiert. Der Hamburger SV ging abwartend in die Partie und hatte nach zehn Minuten Glück, dass Hollerbach nach einem Stellungsfehler von Hertzsch im letzten Moment dem völlig frei vor dem Tor stehenden Christiansen den Ball noch vom Fuß spitzeln konnte. Der HSV schien nun aufgewacht und kam immer besser ins Spiel. Vor allem Mahdavikia sorgte über die rechte Außenbahn für Gefahr. Erst konnte van Duijnhoven im Bochumer Tor einen Schuss des Iraners nur abklatschen, doch weder Meijer noch Romeo brachten den Ball aus kurzer Distanz über die Linie (12.). Dann war es erneut Meijer, der nach einem Zuspiel von Mahdavikia den Ball nicht im Gehäuse des VfL versenken konnte. Hamburg machte weiter Druck auf seinem Weg in den UEFA-Cup, doch bei zwei weiteren Möglichkeiten des agilen Mahdavikia zeigte van Duijnhoven im BochumerTor sein ganzes Können. Nach 25 Minuten entschärfte er einen 22-Meter-Knaller des Iraners, nur zwei Minuten später lenkte er einen Freistoß des HSV-Mittelfeldspielers mit den Fingerspitzen über die Latte.

Die Hanseaten waren am Drücker, das Tor machte aber der VfL nach einer guten halben Stunde. Einen weiten Freistoß von Wosz lenkte Christiansen nach einem Stellungsfehler von Hertzsch mit dem Hinterkopf an Pieckenhagen vorbei zum 1:0 ins Tor. Die Neururer-Elf wurde mit dem Führungstor im Rücken etwas druckvoller, doch echte Chancen hatte weiter nur der HSV. So hätte Cardoso nach gelungenem Doppelpass mit Wicky den Ausgleich erzielen müssen, doch er scheiterte alleine vor van Duijnhoven. So blieb es bis zur Pause bei der knappen Bochumer Führung. 

Auch im zweiten Durchgang stellte der HSV zunächst das aktivere Team. Bochum sah sich in die Defensive gedrängt und kam kaum zu sinnvollen Entlastungsangriffen. Die Hanseaten im Vorwärtsgang, aber ohne entscheidende Durchschlagskraft in der Offensive. HSV-Coach Kurt Jara reagierte nach einer knappen Stunde, nahm den defensiven Maltritz vom Feld und brachte mit Takahara einen dritten Stürmer. Doch auch diese Maßnahme brachte nicht den erhofften Ausgleichstreffer. Das von beiden Seiten mit großem Engagement geführte Spiel wurde nun insgesamt schwächer, da der HSV sich immer wieder an der gut organisierten Bochumer Defensive die Zähne ausbiss und Bochum seine Konter nicht mit der letzten Konsequenz ausspielte und abschloss. In der 82. Minute konnten die Gäste dann doch jubeln. Der eingewechselte Rahn traf mit einem direkt verwandelten Freitstoß zum verdienten Ausgleich. Nach einer hektischen Schlussphase blieb es beim Remis. 

Der VfL Bochum trennte sich im letzten Heimspiel der Saison 2002/03 mit einem 1:1 vom Hamburger SV. Die Gäste waren über weite Strecken die aktivere Elf, konnten aber lange die sich bietenden Chancen nicht nutzen. Bochum gelang nach einer guten halben Stunde der überraschende Führungstreffer, dem der HSV zu durchsichtig und glücklos agierend bis zur 82. Minute hinterherlief. Da glich Rahn aus und sicherte den verdienten und im Hinblick auf den UEFA-Cup-Platz wichtigen Punkt.

Spielereignisse im Detail 

Schlusspfiff 

88     Bochum bringt den Ball nicht aus der Gefahrenzone, Hoogma scheitert mit einem Drehschuss aus acht Metern an van Duijnhoven. 

84     Der HSV ist am Drücker! Nach einer Takahara-Flanke knallt Meijer den Ball per Seitfallzieher an den linken Pfosten. 

82     Der insgesamt verdiente Ausgleich für den HSV! Rahn zirkelt einen Freistoß aus 22 Metern ins linke obere Eck. Van Duijnhoven erreicht den Ball, der auf das Torwarteck geschossen wurde, nicht mehr. 

81     Der HSV ist um den Ausgleichstreffer bemüht,doch die VfL-Defensive steht noch sicher. 

73     Erst scheitert Freier mit einem Schlenzer, dann taucht Hashemian nach einem Pass von Schindzielorz frei vor Pieckenhagen auf, kann diesen aber nicht überwinden. 

65     Romeo legt an der Strafraumlinie mit der Brust ab auf Meijer, doch dessen Schuss geht über das Tor. 

59     Wosz passt bei einem Konter auf Freier, der tankt sich bis zum Strafraum durch und zieht ab. Pieckenhagen lässt sich aber in dieser Szene nicht überwinden. 

52     Hertzsch passt auf Wicky, der flankt in den Strafraum, doch Romeo kann dem Ball mit der Fußspitze nicht die entscheidende Richtung geben. Das Leder geht knapp am rechten Pfosten vorbei. 

46     Freier passt auf Buckley, der alleine auf Pieckenhagen zusteuert. Doch der Südafrikaner stand im Abseits, Schiedsrichter Koop pfeift ab. 

 Anpfiff 2. Halbzeit 

 Halbzeit 

41     Pass von Wicky auf Mahdavikia, der erneut auf der rechten Außenbahn davonzieht. Sein Pass in die Mitte verfehlt Romeo nur ganz knapp, sonst ist kein HSV-Akteur mitgelaufen. 

35     Toller Angriff des HSV! Cardoso passt auf Wicky, der legt dem Argentinier den Ball wieder in den Lauf. Cardoso taucht alleine vor van Duijnhoven auf, doch er bringt den Ball nicht am VfL-Keeper vorbei. 

31     Ein Freistoß von Wosz fast aus der eigenen Hälfte landet bei Christiansen . Der profitiert von einem Stellungsfehler von Hertzsch und kann den Ball mit dem Hinterkopf an HSV-Keeper Pieckenhagen vorbei ins linke Eck lenken. 

27     Mit den Fingerspitzen lenkt VfL-Keeper van Duijnhoven einen Mahdavikia-Freistoß aus 19 Metern halblinker Position über die Latte. 

25     Ein Abwehrversuch von Kalla landet bei Mahdavikia, der aus 22 Metern abzieht. Van Duijnhoven reißt die Arme hoch und lenkt den Knaller des Iraners über die Latte. 

16     Mahdavikia übersprintet auf der rechten Außenbahn Bemben und passt zurück auf Meijer. Dessen Schuss können Kalla und Vriesde in Zusammenarbeit abblocken. 

12     Mahdavikia setzt sich rechts durch, van Duijnhoven kann den Schuss entschärfen. Meijer trifft den Abpraller nicht richtig. Das Leder kommt zu Romeo, dessen Schuss aus fünf Metern von Colding über das Tor gelenkt wird. 

10     Schindzielorz flankt von der linken Außenbahn in die Mitte, Hertzsch verschätzt sich,doch der frei vor Pieckenhagen stehende Christiansen kann im letzten Moment von Hollerbach gestoppt werden, der zur Ecke klärt. 

6     Freier flankt nach innen, doch HSV-Keeper Pieckenhagen ist vor dem heranstürmenden Christiansen am Ball. 

2     Bochum beginnt das letzte Saison-Heimspiel engagiert und kommt durch einen Freistoß zur ersten Chance. Christiansen setzt den Ball aber knapp über dasTor. 

Anpfiff


 
dpa meldet:
Jara freut sich nach 1:1 gegen Bochum auf Europa

Von Ulli Brünger, dpa

Bochum (dpa) - Der Hamburger SV rüstet sich für Europa. «Wir sind auf dem Weg in den UEFA-Cup voll im Soll. Wenn wir zu Hause Hansa Rostock schlagen, haben wir unser Ziel erreicht. Die Mannschaft hat eine europareife Leistung gezeigt», sagte Trainer Kurt Jara nach dem 1:1 beim VfL Bochum am vorletzten Bundesliga-Spieltag voller Zufriedenheit und Vorfreude. 

Zwar war es wieder nichts mit dem ersten Auswärtssieg in der Rückrunde. Doch dank des eingewechselten Christian Rahn, der im ausverkauften Ruhrstadion in der 82. Minute einen Freistoß in den Winkel zirkelte, haben die Hanseaten alle Optionen auf die Teilnahme am internationalen Wettbewerb gewahrt.

Denn als Tabellenvierter hat der HSV (53 Punkte) vor dem Rostock- Spiel im Vergleich zur Konkurrenz von Werder Bremen (52) und Hertha BSC (51) die besseren Karten, ist nur auf sich selbst angewiesen. Zudem dürfte beim Gegner nach dem gesicherten Klassenverbleib die Anspannung fehlen. Jara denkt daher schon ein wenig voraus. «Wir wollen unseren Weg weiter gehen. Wir haben das Potenzial, uns in den nächsten Jahren dauerhaft in den oberen Regionen der Bundesliga zu etablieren», so der Österreicher, dessen Ärger über seinen Platzverweis zwei Minuten vor dem Abpfiff schnell verraucht war.

Bereitwillig gestand er, warum ihn Schiedsrichter Torsten Koop (Lüttenmark) auf die Tribüne geschickt hatte. «Der pfeift einen Scheiß zusammen», habe er nach einigen für ihn zweifelhaften Entscheidungen gerufen. «Der Schiedsrichter hat es gehört, obwohl er 30 Meter weg stand», so Jara, für den es der erste Platzverweis in Deutschland war: «In Österreich ist es schon öfter vorgekommen.»

Während dem HSV noch ein kleiner Schritt bevorsteht, hat der VfL sein Saisonziel mit dem Nicht-Abstieg längst erreicht. Nach den Feierlichkeiten am vergangenen Wochenende war es für Bochums Coach Peter Neururer fast verwunderlich, dass die Elf nochmals eine derart engagierte Vorstellung bot. «Eigentlich ist die Leistung gar nicht zu erklären», sagte Neururer, «zumal Mannschaft und Fans alles auf Sebastian Schindzielorz fokussiert haben.»

Der 24 Jahre alte Profi, schon 1988 im «Krabbelalter» zum VfL gekommen, erhielt einen Abschied nach Maß. Bei seinem letzten Auftritt im VfL-Dress durfte er sich nicht nur über die Kapitänsbinde sowie einen dicken Blumenstrauß und eine Laudatio von Clubchef Werner Altegoer freuen. Als Neururer ihn in der 79. Minute vom Feld nahm, zollten ihm 32 645 Zuschauer mit tosendem Applaus Dank und Respekt für 15 Jahre gute Arbeit. Verstohlen wischte sich der Musterprofi einige Tränen aus dem Gesicht und genoss die Ovationen. Vom Sommer an versucht Schindzielorz sein Glück beim 1. FC Köln. «Ich bin froh, dass unsere Fans so mit 'Sesi' umgegangen sind», lobte Neururer.

Eines bleibt dem VfL zum Abschluss beim TSV 1860 München noch: Denn Thomas Christiansen liegt nach dem 20. Saisontor (31.) weiter im Rennen um die Torjägerkrone mit Bayern Münchens Giovane Elber (21 Treffer). «Vielleicht ist das ja noch ein Ziel», sagte der Spanier.