Bundesliga 2003/2004, 3. Spieltag, Sonntag, 17.08.03, 17:30 Uhr in der Volkswagen Arena

VfL Wolfsburg - Hamburger SV 5:1 (0:0)

Das war nun irgendwie ein seltsamer Tag. Vormittags noch selbst Fussball gespielt und dabei darüber gefreut, daß ich mich mal wieder geärgert habe (also nicht kampflos in die Niederlage gegeben habe – im Gegensatz zu ...)

Und dann kam der HSV, der den schönen Tag allerdings doch arg nach unten gezogen hat. Wobei ich mich ohne das HSV-Spiel natürlich auch nicht noch mit lieben HSV-Freunden hätte treffen können während und nach dem HSV-Spiel. Das hat den Abend nämlich zumindest etwas verschönert. Ohne die HSV-Schmach wäre es sogar wahrscheinlich sogar ein toller Abend gewesen.

Über das HSV-Debakel zu schreiben, ist eigentlich die Mühe gar nicht wert. Aber da ist nun mal im Auto sitze und meinen Kumpel gebeten habe zu fahren, kann ich die Zeit bis Hamburg damit ja vertreiben ;-)

Mir war schon vor dem Spiel klar, daß wir heute unbedingt gewinnen mussten. Aber eigentlich habe ich gar nicht wirklich an einen Sieg geglaubt.

Das Spiel fing für den HSV allerdings wirklich positiv an. Wir spielten ordentlich nach vorn und ließen kaum Wolfsburger Chancen zu. Leider vergaben wir neben „normalen“ Chancen aber auch wieder eine 100 Prozentige.  Barbarez hatte Takahara toll in die Tiefe geschickt und der lief allein auf den Torhüter zu, der aus dem Tor herauskam. Taka zschoss sofort... und setzte den Ball locker 1 – 2 m neben das Tor. Es ist mir völlig unverständlich, wieso er das so gemacht hat. Er ist ja technisch wirklich versiert und hätte doch versuchen können, am Torhüter vorbeizudribbeln. Wenn man so ein Ding schon direkt abzieht, sollte man schon wenigstens auch das Tor treffen.

Es ging dann jedenfalls zum Pausentee, der den HSV allerdings nur sehr kurz stimulierte. In der 48. Minute konnten wir durch einen Barbarez-Kopfball in Führung gehen. Das Tor habe ich allerdings gar nicht richtig gesehen, weil ich mich da gerade mit meiner zukünftigen Frau oder Schwiegermutter unterhalten habe ;-))) 
Ich sah den Ball nur noch im Tor einschlagen und konnte daher auch gar nicht richtig jubeln.

Durch das fehlende Jubeln blieb es mir aber wenigstens erspart, direkt von einem Extrem ins andere fallen zu müssen. Die Führung dauerte nämlich gerade mal zwei Minuten. Dann fingen wir uns das erste einer Reihe von dämlichen Toren. 

Ein Wolfsburger (ich weiß nicht, ob das auch schon Petrov war) ging auf der linken Seite durch. Wicky lief nebenher und hinderte ihn dummerweise nicht am Flanken. In der Mitte gedachte auch niemand, Klimowicz zu behindern und so konnte er den Ball direkt ins Tor schießen. Schön L

Die weitere Folge der Tore fällt mir nicht mehr so ein. Naja, Torfolge ist relativ. Es fielen eben noch die Tore 2, 3,4 und 5 für Wolfsburg. Aber ich bekomme nicht mehr die genaue Reihenfolge der Torschützen und der jeweils bei uns umherstehenden Versager zusammen.

Bei einem Gegentor verlor Ujfalusi an der Mittellinie den Ball an Petrov. Und Petrov (den ich übrigens schon seit Jahren saugeil finde. Der ist ja so superschnell mit dem Ball am Fuß und hat eine richtige heftige linke Klebe) lief die ganze rechte Seite runter, ohne das ihn ein HSV auch nur ansatzweise eingeholt hätte. Geärgert habe ich mich da allerdings neben dem unnötigen Ballverlust Ujfalusis besonders über Hoogma. Der war in der Mitte und machte überhaupt keine Anstalten, mal auf die links Abwehrseite zu kreuzen, um zu Petrov zu gehen. Dabei war er in meinen Augen der einzige Verteidigr, der Petrov noch hätte erreichen können. Dann wäre zwar in der Mitte sein Gegenspieler frei gewesen, aber es kamen ja noch weitere Abwehrspieler nach. So konnte Petrov jedenfalls bis in den Strafraum des HSV kurven und kam schließlich vor der Seite auf Pieckenhagen zu und schob den Ball locker ins lange Eck. Unglaublich.

Ein Tor hat Beinlich verschuldet, weil er tief in der eigenen Hälfte über den Ball stolperte, ihn verlor und das direkt zum Gegentor führte.

Dann gab es nochmal einen scharfen Schuß von der linken Abwehrseite (natürlich ungehindert), den Pieckenhagen gerade noch so erreichen konnte. Er klatschte den Ball allerdings nur hoch an den 5m-Raum, wo ihn Klimowicz per Kopf einnicken konnte.

Und ein Tor (ich glaube, das war das 2.) fiel, nach dem zwei Wolfsurger rechts unsere Abwehr ganz einfach per Doppelpass ausspielte und der Wolfsburger Müller dann auf Piecke zulief. Der Ball war in die Tiefe gespielt worden und Piecke lief zuerst los, weil er wohl dachte, daß er den Ball vorm Wofsburger bekommen könnte. Leider stoppte er nach ein paar Metern, was der WOBler bestrafte durch einen Schuss ins Tor. Ich denke, Piecke hätten durchlaufen sollen, denn ich hatte auch das Gefühl, daß das seine einzige Chance gewesen wäre.

So, waren das alle Tore ? Weiß nicht, ist aber eigentlich auch egal.

Es war jedenfalls ab dem Ausgleichstreffer eine katastrophale Leistung. Wo noch im Ligacup vor der Saison gesagt wurde, daß der HSV jetzt so gefestigt seien, daß man sich auch nicht mehr durch ein Gegentor aus der Ruhe bringen läßt, bricht momentan leider offensichtlich immer alles vollkommen zusammen, wenn erstmal ein Gegentor gefallen ist.

Es gab wirklich praktisch keine Gegenwehr mehr. Naja, vielleicht ein bißchen und bei Wolfsburg war auch jeder Schuss ein Treffer, aber diese ganzen individuellen Fehler beim HSV waren wirklich eine Katastrophe.

Nun sieht es natürlich ganz düster um den HSV aus. 1 Punkt nach 3 Spielen. Und nun folgt ein Heimspiel gegen die Bayern und ein Auswärtsspiel beim derzeitigen Tabellenführer Bayer. Da ist 1 Punkt nach 5 Spielen natürlich auch nicht unrealistisch. Und danach haben wir ein Heimspiel gegen Rostock, das man vielleicht mal gewinnen könnte. Nur müssen wir danach nach dann nach Berlin und das übernächste Spiel ist dann in Dortmund.

Um es also mal kurz und knapp zu sagen. Wenn wir nicht gegen Bayern gewinnen und dann irgendwie die kommenden Spiele etwas positiver gestalten, sieht es ganz düster für den HSV aus. Und ich kann nicht behaupten, daß ich wirklich an einen Sieg gegen Bayern glauben würde. Ganz bitter. Ich hoffe nicht, daß bereits nach so kurzer Zeit alles verpufft ist, worauf man seine Hoffnungen gesetzt hat. Ich sehe bereits schwarz und hoffe mal, daß wir diese Saison nicht im Abstiegskampf verbringen werden. Sorry, aber momentan fällt mir nichts besseres ein. Vielleicht kommt ja gegen Bayern ein Befreiungsschlag...

Die Spieler einzeln zu benoten, habe ich diesmal wirklich keine Lust. Die waren aber auch alle so schlecht, daß ich fast durchgänging eine 5 bis 6 geben wurde. So darf man sich einfach nicht abschlachten lassen, wenn man 50 Minuten so ordentlich gespielt hat. Etwas besser als der Schnitt haben mir lediglich Barbarez und Takahara gefallen. Ersterer war wieder einmal an jeder gefährlichen HSV-Szene beteiligt und Taka war zumindest stets sein Bemühen anzusehen. Das ist natürlich schade, wenn ein HSV-Spieler sogar besonders dadurch auffällt, daß er sich zumindest bemüht.

Schiri Fandel: Über den habe ich mich auch geärgert, aber er hat absolut nichts damit zu tun, daß der HSV verloren hat. Note 4

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 
Telegramm

TORE 
0:1 Sergej Barbarez (48.)
1:1 Diego Fernando Klimowicz (50.)
2:1 Martin Petrov (60.)
3:1 Sven Müller (70.)
4:1 Andres D'Alessandro (75.)
5:1 Diego Fernando Klimowicz (86.)

GELBE KARTEN 
VfL Wolfsburg :Stefan Schnoor (13.), Maik Franz (33.), Diego Fernando Klimowicz (64.)
Hamburger SV : Sergej Barbarez (25.), Christian Rahn (66.), Lars Jacobsen (82.)

SCHIEDSRICHTER :  Herbert Fandel 
ZUSCHAUER :  27635 
DATUM :  17.08.2003   17:30 

AUFSTELLUNG 
VfL Wolfsburg : Simon Jentzsch, Stefan Schnoor, Maik Franz, Thomas Rytter, Patrick Weiser, Andres D'Alessandro, Pablo Thiam, Albert Streit, Marko Topic, Martin Petrov, Diego Fernando Klimowicz

Hamburger SV : Martin Pieckenhagen, Christian Rahn, Lars Jacobsen, Nico Jan Hoogma, Tomas Ujfalusi, Marcel Maltritz, Raphael Wicky, Stefan Beinlich, Mehdi Mahdavikia, Naohiro Takahara, Sergej Barbarez

WECHSEL 
VfL Wolfsburg :
Sven Müller für Albert Streit (57.)
Miroslav Karhan für Andres D'Alessandro (79.)
Hans Sarpei für Marko Topic (86.)

Hamburger SV 
Bernardo Romeo für Marcel Maltritz (69.)
 

HSV: Konsequenzen nach Debakel in Wolfsburg
Der VfL-Sturm um Marco Topic (r.) war auch durch den Hamburger Lars Jakobsen nicht zu stoppen 
München - Es wird eine ungemütliche Woche werden für die Fußball-Profis des Hamburger SV. Trainer Kurt Jara rechnete schon unmittelbar nach dem 1:5 (0:0)-Debakel beim VfL Wolfsburg gnadenlos mit seinen Spielern ab und kündigte Konsequenzen an. 
Der Österreicher war vom Zerfall seines Teams in der zweiten Halbzeit restlos bedient: "Wir haben in drei Spielen alles kaputt gemacht, was wir uns mühsam in acht Monaten aufgebaut haben. Wir werden jetzt durch die Bücher gehen und dann sehen, wer am Sonntag gegen Bayern München aufläuft. Wir fangen wieder bei Null an."
Aus dem stolzen Ligapokalsieger ist augenscheinlich ein Haufen undisziplinierter Möchtegern-Stars geworden. Selbstbewusstsein hat sich nach den Erfolgen des Vorjahres und in der Vorbereitung in Überheblichkeit gewandelt. 

"Wir werden die Spieler in die Pflicht nehmen"
"Jeder wollte sich nach unserer Führung zeigen, im Fußball darf aber nicht jeder machen was er will", wetterte Jara, "was wir in den letzten 40 Minuten abgeliefert haben, hatte mit Fußball nichts mehr zu tun." 
Auch Sportchef Dietmar Beiersdorfer wird in die Ursachenforschung einsteigen: "Das war desolat. Am Ende zeigte das Team Auflösungserscheinungen. Wir werden die Spieler in die Pflicht nehmen."
So feierten die Wolfsburger eine rauschende zweite Hälfte, die ihnen für die nächsten Wochen reichlich Selbstvertrauen geben wird. 

Petrov mit einer Weltklasseleistung 
Stürmer Martin Petrov wirbelte mit einer Weltklasseleistung den Hamburger Hühnerhaufen durcheinander, Millionen-Einkauf Andres D'Alessandro zeigte ohne ernsthafte Gegenwehr in der Schlussphase, wozu er fähig ist und erzielte sein erstes Bundesligator zum 4:1 (75.). 
"Wir sind auf dem richtigen Weg", freute sich VfL-Manager Peter Pander, "wenn die Mannschaft ihre Möglichkeiten ausspielt, kann sie viel erreichen."
Schon im UI-Cup-Rückspiel am kommenden Dienstag gegen AC Perugia kann der Uefa-Cup noch durch die Hintertür erreicht werden. 

Führung war Anfang von Ende
"Das war ein richtungweisender Sieg", meinte Kapitän Stefan Schnoor, "wir haben schließlich einen Kontrahenten um einen Spitzenplatz nach Rückstand überzeugend geschlagen."
Dabei war der HSV vor 27.635 Zuschauern bis zum 0:1 durch Sergej Barbarez (48.) die bessere Mannschaft. Die Abwehr stand insgesamt sicher, der Spielaufbau wirkte durchdachter. 
Die Hamburger Führung war verdient und pardoxerweise der Anfang vom Ende. "Das war schon in Bochum so, auch da haben wir nach der Führung nicht ordentlich weitergspielt", zürnte Jara.

Ujfalusi mit drei Blackouts
"Es gibt danach keine Disziplin, keine Bereitschaft zu Zweikämpfen mehr, es wird einfach ein bisschen Fußball gespielt", so der Österreicher.
Nur zwei Minuten nach dem 0:1 markierte Diego Klimowicz (50.) nach Klassevorarbeit von Petrov den Ausgleich. Tomas Ujfalusi ließ den Argentinier einfach gewähren. 
Es war der erste von drei Blackouts des hochgehandelten Tschechen, der auch an Petrovs 2:1 (60.) und D'Alessandros Treffer mitschuldig war. 

"Es muss jetzt rappeln im Karton"
"Das war mein schlechtestes Spiel für den HSV", sagte der Innenverteidiger, "nach dem 1:1 war plötzlich alles verändert in unserem Spiel, wir haben Fehler gemacht, die Wolfsburg genutzt hat." 
Jeder Schuss war ein Treffer, Sven Müller (70.) nach einem weiteren Konter und Traumpass von D'Alessandro sowie erneut Klimowicz (85.) sorgten für den Endstand.
"Es muss jetzt rappeln im Karton, ich habe keinen Bock mehr auf diesen Mist. Jetzt müssen einige auf den Tisch hauen", forderte HSV-Torwart Martin Pieckenhagen. 

HSV nun gegen Bayern
Auch Kapitän Nico Hoogma mahnt Konsequenzen an: "Ich dachte nicht, dass uns so etwas passiert. Es muss jetzt intern krachen."
Die Besserung muss sofort erfolgen, jeder weiß das. Denn ein Blick auf den Spielplan zeigt, was dem Team droht: Am Sonntag kommt Bayern München, dann geht es zum Tabellenführer Bayer Leverkusen.
 

Höchster "Wölfe"-Sieg seit März 2002
Heimstark
Wolfsburg gewann auch das zweite Heimspiel der Saison. Wie im letzten Spieljahr holte der VfL damit sechs Punkte aus den ersten beiden Heimspielen. Dabei feierte die Röber-Elf den höchsten Sieg seit März 2002, damals wurde Köln ebenfalls mit 5:1 besiegt.

Endlich wieder ein Dreher
Zum ersten Mal seit Dezember 2000 siegten die Wölfe wieder nach einem 0:1-Rückstand (damals in Frankfurt). 

Ungewohnt
Erstmals seit 95/96 holte der HSV nur einen Punkt aus den ersten drei Saisonspielen. 95/96 bekamen die Hamburger noch die Kurve und wurden am Ende fünfte.

Auswärtsschwäche hält an
Der HSV hat keines der letzten elf Auswärtsspiele gewonnen (zuletzt am 30. November 2002 beim 3:2 in Leverkusen) - die Auswärtsschwäche des Vorjahres scheint ihre Fortsetzung zu finden. Erstmals seit März 2002 kassierte der HSV dabei wieder fünf Gegentore, damals verloren die Hanseaten 0:6 in Berlin.

Wolfsburger Triumph
Nach einer pomadigen ersten Spielhälfte agierte Wolfsburg nach der Pause wie entfesselt. Waren die acht Torschüsse vor der Pause meist harmlos, hieß die Devise nach dem Seitenwechsel jeder zweitem Schuss ein Treffer. Elf Torschüsse benötigten die Wölfe für fünf Tore - fünf Treffer in einer Spielhälfte schaffte der VfL noch nie.

HSV nur robust, mehr nicht
Abgesehen vom überraschenden Führungstreffer war vom HSV nicht viel zu sehen. Einzig in der Foulbilanz schafften es die Hamburger spielend, sich einen uneinholbaren Vorsprung heraus zu arbeiten - 26 Fouls wurden gegen den HSV gepfiffen, nur 18 gegen die Wölfe.

Ein-Mann-Offensive
Seitens des HSV wusste nur Sergej Barbarez Akzente zu setzen. An sechs der zwölf HSV-Torschüsse beteiligt (drei Torschüsse, drei Torschussvorlagen), war es nur konsequent, dass der Bosnier das HSV-Tor erzielte. Es war das erste Kopfballtor von Barbarez seit zehn Monaten.

Franz einziger Schwachpunkt
Der einzige Wolfsburger, der trotz der Niederlage etwas nachdenklich nach Hause gegangen sein dürfte, war Maik Franz. Erstmals nach einem halben Jahr wieder in der Startelf, agierte er auf der ungewohnten Position des rechten Verteidigers und gewann dort nur 44 Prozent seiner Zweikämpfe - schwächster Wert der Wolfsburger Defensivspieler.


 
kicker:
Die Niedersachsen begannen im Vergleich zum 0:1 in Perugia am Mittwoch mit Rytter im Abwehrverbund für Biliskov und Streit im Mittelfeld für Müller. Ligapokalsieger HSV startete nach dem 1:1 in Bochum erneut ohne den formschwachen Cardoso. Romeo nahm auf Grund einer Rückenblessur vorerst auf der Bank Platz, Barbarez rückte in die Spitze. Im Mittelfeld agierte Wicky an Stelle des Bosniers.

Das Nordduell begann zunächst ohne große Höhepunkte. Der HSV anfangs aktiver und etwas zielstrebiger im Spiel nach vorn. Takahara vergab nach schönem Zuspiel von Barbarez die erste Riesenchance für die Hanseaten. Der Japaner setzte den Ball allein auf Jentzsch zusteuernd rechts am Tor vorbei (15.). Die Angriffsbemühungen der "Wölfe" anfangs eher hausbacken. D'Alessandro bemühte sich zwar um einen geordneten Spielaufbau, gefährlich wurde es für Pieckenhagen allerdings erst einmal nicht. Mit zunehmender Spieldauer krankte es dann auch im Offensivspiel der Jara-Elf, so dass sich beide Teams nach gut zwanzig Minuten auf unteres Niveau "einigten". Nach 31 Minuten konnte Jürgen Röber dann endlich den ersten gelungenen Angriff seiner Mannschaft notieren. Klimowicz hatte geschickt auf Streit abgelegt, den Flachschuss des Ex-Frankfurters parierte Pieckenhagen mit Mühe. Streits Versuch blieb Strohfeuer. Lediglich ein 16-Meter-Freistoß Petrovs ans Lattenkreuz sorgte noch einmal für ein Raunen im Publikum (45.+1).

Im Gegensatz zum ersten Abschnitt ging's nach der Pause gleich richtig rund. Der HSV, für den Mahdavikia freistehend vergab (46.), ging zunächst durch Barbarez in Führung (48.). Der Bosnier köpfte ein Flanke von Wicky ein, Rytter kam zu spät. Wicky konnte Sekunden später jedoch die Linksflanke Petrovs nicht verhindern. Klimowicz war zur Stelle und schoss aus sieben Metern flach ein (50.). Das Spiel jetzt rassiger. D'Alessandro scheiterte nach Einzelaktion per Flachschuss an Pieckenhagen (54.), Beinlich fand auf der Gegenseite nach dynamischem Antritt im Strafraum keinen Mitspieler (56.). In dieser Phase lief Wolfsburgs Petrov zu Hochform auf. Scheiterte der Bulgare in der 59. Minute noch mit einem Flachschuss an Pieckenhagen, war er Sekunden später nicht mehr zu stoppen, als Thiam ihn auf die Reise schickte. Eiskalt traf der Linksfuß flach ins linke untere Eck zum 2:1 (60.). Die Niedersachsen hatten die Partie durch einen energischen Zwischenspurt gedreht und drängten auf das 3:1. 

Kurt Jara reagierte mit der Einwechslung des unter der Woche von einem Hexenschuss geplagten Romeo, kassierte jedoch Sekunden später den dritten Treffer. Eingeleitet durch ein feines Zuspiel D'Alessandros konnte Sven Müller mit einem "Tunnel" gegen Pieckenhagen vollenden (70.). Der kleine Argentinier glänzte nicht nur als Passgeber, sondern trug sich wenig später noch selbst in die Torschützenliste ein. Nach Beinlichs Ballverlust schloss das Leichtgewicht zielstrebig ab (75.). Wolfsburg in dieser Phase im Spielrausch. Petrov (77.) und Klimowicz (85.) hätte noch aufstocken können, beide scheiterten aber am Keeper. Der lange Argentinier traf dann aber doch noch. Nach Petrovs Schrägschuss und Pieckenhagens reflexartiger Abwehr übersprang er Jacobsen und nickte den Abpraller zum 5:1 ein (86.).

Der Ligapokalsieger Hamburger SV kommt auch weiterhin nicht auf Touren und bleibt im dritten Versuch sieglos. Trotz kurzfristiger Führung in der Volkswagenarena unterlag die Jara-Elf am Ende deutlich mit 1:5 gegen einen VfL, der sich im zweiten Abschnitt erheblich zu steigern wusste und phasenweise in einen Rausch spielte.

Spielereignisse im Detail
Schlusspfiff 

86
 Jetzt ist das Debakel für den HSV perfekt! Petrov knallt aus spitzem Wechsel aufs Tor, Pieckenhagen mit Glanzparade. Doch Klimowicz ist da, überspringt Jacobsen locker und leicht und nickt ein. 5:1! 

77 Grün-Weiß im Spielrausch! Petrov vernascht Ujfalusi und zieht satt ab. Pieckenhagen reißt die Fäuste hoch und verhindert Schlimmeres. 

75
 Erstes Ligator für Andres D'Alessandro. Der kleine Wirbelwind kommt nach einem Fehler Beinlichs an den Ball und tanzt sich durch. Sein Rechtsschuss schlägt links unten ein. 4:1! 

70
 War das die Vorentscheidung? D'Alessandro steckt den Ball mit viel Übersicht durch zu Müller. Der Joker tunnelt Pieckenhagen zum 3:1. 

67 Der VfL jetzt auf Hochtouren! Müller mit feinem Zuspiel auf den rechts durchstartenden Thiam. Dessen Hereingabe lässt Petrov passieren. Klimowicz kommt zum Schuss - links vorbei. 

60
 2:1! Der VfL hat den Spieß umgedreht - vorerst. Petrov ist nach langem Pass von Thiam an der Mittellinie durch und auch nicht mehr zu stoppen. Aus zwölf Metern halbrechte Position vollendet er platziert ins linke untere Eck. 

59 Chancen jetzt hüben wie drüben. Petrov zieht von halbrechts nach innen. Flachschuss, 18 Meter, Pieckenhagen ist unten, hält das Leder fest. 

56 Das Spiel jetzt nahezu hochklassig. Beinlich geht durch die VfL-Abwehr wie das heiße Messer durch die Butter. Da Jentzsch herausstürmt, legt der Ex-Herthaner nach innen ab, findet jedoch keinen Teamkollegen. 

54 Starke Szene von D'Alessandro! Der kleine Spielmacher setzt sich am Strafraum elegant und zugleich energisch durch. Seinen Flachschuss kann "Piecke" festhalten. 

50
 45 Minuten Langeweile vor der Pause. Doch nun legen die beiden Teams richtig los. Direkt nach dem 0:1 stößt Petrov auf links bis zur Grundlinie vor. Wicky kann die flache Hereingabe nicht verhindern. Innen vollstreckt Klimowicz. 

48
 Blitzstart für den HSV, der auch im zweiten Abschnitt zunächst wacher wirkt. Wicky flankt aus dem rechten Halbfeld, Barbarez gewinnt das Duell gegen Rytter und köpft unhaltbar ein: 1:0! 

  Anpfiff 2. Halbzeit 

  Halbzeit 

45 Petrov versucht sein Glück: Lattenkreuz!! Satter Schuss des Bulgaren mit dem starken linken Fuß. Pieckenhagen im Glück, den Ball hätte der Blondschopf nie und nimmer erreicht. 

44 Klimowicz-Kopfball nach Petrovs Freistoßflanke - drüber. Noch fehlt die Linie im Spiel. Jetzt noch einmal Freistoß für den VfL an der Strafraumgrenze ... 

39 Jentzsch zum wiederholten Mal mit Problemen beim Herauslaufen nach einer HSV-Ecke. Mahdavikia kann davon jedoch nicht profitieren. Im Gegenzug scheitert Topic freistehend aus spitzem Winkel kläglich. 

37 Energischer Antritt des Argentiniers Klimowicz. Der "Gaucho" fasst sich aus 22 Metern ein Herz - verzieht jedoch weit. 

31 Nach etwas mehr als einer halben Stunde der erste gefährliche Angriff der "Wölfe". Klimowicz legt gekonnt ab auf den heraneilenden Streit. Der Ex-Frankfurter mit guter Schussposition, doch Pieckenhagen steht gut und kann abwehren. 

25 Die Röber-Elf kann sich einfach nicht richtig in Szene setzen. Kapitän Schnoor will ein Signal setzen. Seinen Flachschuss aus der Distanz pariert Pieckenhagen problemlos. 

23 Ein Viertel der Spielzeit ist absolviert. Die Zuschauer können mit dem Gebotenen bisher nicht zufrieden sein. Der HSV bis dato noch etwas gefälliger, aber auch erst mit einer echten Torchance. 

15 Die Gästeführung? Nein! Takahara läuft nach Steilpass von Barbarez allein auf Jentzsch zu, setzt das Leder allerdings unbedrängt aus 18 Metern rechts vorbei. 

11 Die Wolfsburger Angriffsbemühungen bisher eher hausbacken: Jetzt versucht es Petrov aus über 30 Metern mit einem Freistoß. Der Ball landet auf dem Oberrang der Volkswagenarena. 

5 Erste Torchance für den HSV. Mahdavikia setzt sich rechts durch und kann flanken. Barbarez steigt zum Kopfball hoch, kommt aber mit der Stirn nicht richtig hinter den Ball. Jentzsch kann die Kugel aufnehmen. 

Anpfiff 


 
dpa meldet:
VfL Wolfsburg blickt nach oben - 5:1 gegen HSV 

Von Hans-Joachim Zwingmann, dpa
 
 

Wolfsburg - Dank einer großartigen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit darf sich der VfL Wolfsburg in der Fußball- Bundesliga nach oben orientieren, für den Hamburger SV ist der schlechteste Saisonstart seit acht Jahren perfekt.

Im Nordduell setzten sich die "Wölfe" verdient mit 5:1 (0:0) durch und rückten durch den zweiten Sieg im dritten Spiel auf Rang sechs vor. Der Ligapokal-Sieger aus Hamburg, der nach drei Spieltagen erst einen Punkt aufweist, läuft nach dem Desaster in Wolfsburg als Tabellen-15. weiter seinen eigenen Ansprüchen hinterher.

Die 27 635 Zuschauern wurden nach der Pause für eine schwache erste Hälfte Halbzeit versöhnt: Die Hamburger gingen durch Sergej Barbarez (48.) in Führung. Doch die Wolfsburger ließen sich nicht erschrecken: Diego Klimowicz (50.), der überragende Martin Petrow (60.), Sven Müller (70.), der immer stärker werdende Andres D'Alessando (75.) und erneut Klimowicz (86.) sorgten für einen deutlichen Erfolg. Erstmals seit ihrer Bundesliga-Zugehörigkeit schafften die Wolfsburger fünf Tore in einer Halbzeit.

Die Hamburger, die seit dem 30. November 2002 auf einen Auswärtssieg warten, verpatzten indes die Generalprobe für das Jubiläumsspiel zum 40. Geburtstag der Bundesliga am kommenden Sonntag gegen Rekordmeister Bayern München. "So wie wir die letzten 40 Minuten gespielt haben, muss man Angst haben vor dem nächsten Spiel gegen Bayern", meinte der völlig verärgerte HSV-Trainer Kurt Jara. Er kündigte eine harte Welle an: "Das war einer Bundesliga-Mannschaft nicht würdig. In den kommenden Wochen wird einer anderer Ton herrschen. Man kann so etwas nicht akzeptieren."

Jaras Kollege Jürgen Röber war verständlicherweise zufrieden: "Wir sind unglaublich schwer ins Spiel gekommen und haben dafür die Quittung kurz nach der Pause erhalten. Doch danach haben wir sehr gut gespielt." Röber freute sich vor allem für den kleinen Argentinier D'Alessandro: "Er findet sich allmählich in der Bundesliga zurecht."

Die Gäste bestimmten in den ersten Minuten das Geschehen. Stefan Beinlich und Barbarez bemühten sich, im Mittelfeld das Spiel der Hanseaten zu gestalten. Die beste Möglichkeit hatte in der 15. Minute der Japaner Naohiro Takahara, der nach Pass von Barbarez aus 18 m nur knapp mit seinem Schuss das VfL-Tor verfehlte. Von den Wolfsburgern war zunächst gar nichts zu sehen. Auch D'Alessandro gelang vor der Pause beinahe gar nichts.

Nach 20 Minuten war es mit der HSV-Dominanz vorbei. Die Wolfsburger wurden gleichwertig, ohne zu überzeugen. Sekunden vor dem Pausenpfiff hatten Petrow die beste Wolfsburger Chance: Bei einem Freistoß aus 18 m schoss er den Ball an die Latte. Der Schuss wirkte wie ein Weckzeichen für die Gastgeber: Zwar ging der HSV drei Minuten nach Wiederbeginn durch Barbarez in Front (Jara: "Das Tor war Gift für uns."), doch beinahe im Gegenzug vollstreckte Klimowicz die Vorarbeit des besten Wolfsburgers Petrow. Die Partie wurde unterhaltsamer: Erst prüfte D'Alessandro HSV-Keeper Pieckenhagen (54.), dann rettete der Wolfsburger Maik Franz im letzten Moment nach einer Flanke von Beinlich (55.). VfL-Stürmer Petrow (59.) scheiterte aus 18 m an Pieckenhagen.

Nur eine Minute später kam der große Auftritt von Petrow, als er einen 60 m Alleingang erfolgreich abschloss. Die Entscheidung fiel in der 70. Minute: D'Alessandro schickte den eingewechselten Müller, der den Ball durch die Beine von Pieckenhagen ins Tor schoss. D'Alessandro krönte seine gute zweite Halbzeit mit dem Treffer zum 4:2 (75.). Klimowicz (86.) nutzte eine Verwirrung in der HSV-Abwehr, um den Endstand zu markieren.