Bundesliga 2003/2004, 6. Spieltag, Sonntag, 21.09.03, 17:30 Uhr in der Hamburger AOL Arena bei ca. spätsommerlichen ca. 22 Grad

Hamburger SV - FC Hansa Rostock 2:1 (0:1)

Vor dem Spiel war mir schon richtig schön flau und ängstlich zu Mute. Natürlich war heute ein Sieg Pflicht, um nicht schon jetzt die Aussicht zu haben, lange Zeit die Tabelle von ganz hinten ansehen zu müssen.

Und während des Spiels war diese Aussicht leider auch sehr lange sehr spürbar. Wir begannen eigentlich sehr energisch. Zwar weit entfernt von tollem und schönen Fussball, aber ich fand, daß es doch spürbar war, daß die Mannschaft echt heiß war und bereit, sich voll einzusetzen.

So spielten wir also ganz gefällig los und fingen mit dem ersten Angriff der Rostocker das 0:1. Aber eigentlich war es ja gar kein Angriff der Rostocker. Ein Ball flog weit und hoch in Richtung des Hamburger Strafraums und Martin Max war absolut chancenlos diesen Ball zu bekommen. Pieckenhagen lief raus, um den Ball zu nehmen, ddoch Ujfalusi spitzelte ihn zurück. Allerdings an Pieckenhagen vorbei in Richtung des leeren Tores. Bevor der Ball ins leere Tor trudelte tat der mitgelaufene Rostocker Max Ujfalusi wenigstens noch den Gefallen und verhinderte durch lockeres Einschieben des Balles, daß das Quasi-Eigentor auch noch als offizielles Eigentor geführt wird. Es war praktisch aber ohnehin eines. Wem dabei die volle Breitseite der Schuld zusteht, vermag ich so nicht zu sagen. Sollte Pieckenhagen rausgelaufen sein, ohne sich irgendwie bemerkbar zu machen, hätte er die Schuld. Wenn er aber gerufen hat, war es natürlich ein dicker Bock, den Ball trotzdem zu spielen. Wobei es ohnehin unglücklich ist, den Ball Richtung Tor zu schieben in solchen Szenen.

So lagen wir also gleich mal wieder früh zurück und konnten unseren negativen Gedanken frei Lauf lassen. Bemerkenswert war, daß es Rostock doch wirklich schaffte, sich die ganze Halbzeit über nicht eine einzige Chance zu erspielen. So durften sie dann mit einer Führung in die Pause gehen ohne Torchance – wer schafft das schon ?

Der HSV bemühte sich nach dem Gegentor auch weiter, aber leider kam dabei nichts Zählbares heraus. Man hatte mehere gute Kopfballchancen, aber die Bälle wurden allesamt immer schön mittig zur Erbauung des Torhüters geköpft.

Zu erwähnen ist aus der ersten Halbzeit noch, daß es 3 Szenen gab, in denen man über einen Elfmeter für den HSV diskutieren konnte, Aus meiner Sicht war der erste dabei ganz klar ein Elfer, Da kam eine Flanke von der linken Seite und ich bin mir sehr sicher, daß da ein Hamburger deutlich gestoßen wurde im Strafraum.  Ich meine, es war Barbarez und der machte wirklich so einen Satz nach vorne – das geht überhaupt nicht ohne fremde „Hilfe“. Danach kam noch einmal Takahara im Strafraum zu Fall. Sah mir aber eher nicht nach Elfer aus. Und dann noch eine fragliche Szene mit Mahdavikia, der frei von rechts in den Strafraum eingedrungen war. Er lief auf den Rostocker Ex-HSV-Torhüter Schober zu, der sich im entgegenwarf. Ich habe es so gesehen, daß er den Ball dabei zunächst berührte, aber irgendwie nicht richtig klärte und danach eben Mahdavikia von den Beinen holte. Ob das aber ein Elfer war oder nicht, kann ich aus meiner Position nicht beurteilen. Zumindest hatte der HSV nach drei umstrittenen Szenen aber irgendwie schon mal einen bekommen können.

So ging es mit 0:1 und einem ordentlichen Pfeifkonzert der Zuschauer in die Kabine. Wobei ich das Gepfeife noch weniger verstehen konnte als sonst. Natürlich lag man zurück, aber das resultierte aus einem groben, persönlichen Schnitzer und ansonsten hat man sich ja wirklich sehr bemüht.

Nach kurzer Zeit in der zweiten Hälfte schienen uns dann sämtliche Hoffnungen wegzuschwimmen. Ein Rostocker bekam den Ball kurz hinter der Mittellinie in den lauf gespielt und einzig Hoogma hatte eine Chance, ihn an einem Alleingang aufs Tor zu hindern. Das tat er auch mit einer beherzten Grätsche. Dabei traf er nach Ansicht des Schiris aber nur den Gegner und ging mir gelb-rot vom Platz. Ein anderer Kumpel von mir meinte allerdings, daß er den Ball getroffen habe. Konnte ich so nicht erkennen, Ich dachte, der Platzverweis sei berechtigt und fand es aber trotzdem richtig, daß Hoogma dieses Risiko eingegangen war. 

Schließlich sollte es ab diesen Minuten noch ein denkwürdiges Spiel werden. Zunächst einmal hatten die Rostocker ganz starke 10 Minuten, in denen sie dann sogar endlich mal Chancen hatten. Die Chancen waren allerdings so groß, daß daraus unbedingt das 2. Tor hätte fallen müssen. Einmal rannten sie z.B. zu dritt auf einen Verteidiger des HSV und den Torwart zu und konnte nicht einmal einen Torschuss daraus zu Stande bringen. Das ist schon schlecht.

Doch nach diesen Minuten des Schocks konnte sich der HSV wieder fangen und wurde bärenstark. Plötzlich waren alle wieder sicherer und man bemerkte die Unterzahl gar nicht. Jarolim und Mahdavikia wirbelten die Rostocker Abwehr ein ums andere Mal von der rechten Seite aus durcheinander. Und schließlich konnte der eingewechselte Romeo nach einer schönen Barbarez-Flanke das 1:1 per Kopf erzielen. Nun fragten wir uns natürlich, wie der HSV wohl weiter spielen würde. Gott sei Dank wurde nicht der Rückwärtsgang eingelegt, obwohl ich das schon bei der Einwechslung Reinhardts befürchtete. Der sollte aber offenbar nicht nur hinten spielen, sondern sich auch für die hohen Bälle vorn einschalten. Und das gelang ihm perfekt mit seiner 1. Ballberührung. Eine Flanke köpfte er von ziemlich weit links draußen ins lange Eck des Tores. Die Flanke habe ich gar nicht mehr in Erinnerung, weil mich da gerade ein Wadenkrampf plagte. Ich dachte einige Minuten zuvor noch, daß ein Törchen doch ein schöner Moment wäre, endlich mal aufstehen zu können, um das Bein zu strecken. Im Sitzen ist es ja nicht eben einfach, einen Krampf loszuwerden. Reinhard schien mein Flehen jedenfalls erhört zu haben. Der Jubel war natürlich riesig. Aus einem 0:1 Rückstand in Unterzahl noch einen Sieg zu machen, das gelingt ja nun wirklich nicht sehr oft. So war der Jubel kurz danach zum Schlußpfiff auch riesig und alle HSVer sind heute gewiß sehr glücklich. Dieser Sieg ist gewiß Gold wert für die Moral. Wenn wir jetzt nur nicht gerade in Berlin antreten müßte....

Jedenfalls ist heute eigentlich ein tagen zum Helden.Zeugen, Nur leider befindet sich kein holdes Weib in Reichweite, die ich derart beglücken dürfte..... Heute nehmen wir das aber mal so hin! ;-)

Meine Spielerbewertung:
Pieckenhagen: er hatte praktisch überhaupt nichts zu tun. Ich wüßte nicht, daß er mal einen Schuss aufs Tor bekommen hätte. Die meisten Rostocker Chancen landeten neben den Kasten. Wenn er nicht gerufen hat beim 0:1, dann hätte er eine 6 verdient. Ansonsten gebe ich ihm mal eine: Note 4-

Benjamin: wirkte rechts in der Viererkette heute recht nervös und brachte nicht viel Positives zu Stande. Wurde zur Halbzeit ausgewechselt: Note 4-

Hoogma: Die gelb-rote Karte macht mich nicht sauer, weil ich in der Szene Verständnis hatte und sogar hoffte, daß er den Gegner am Durchlaufen hindert. Insgesamt gefiel mit unser Abwehrverhalten aber gar nicht. Es wurde zigmal verpaßt, den Gegner rechtzeitig zu attackieren - selbst wenn die nur mit 2 Mann auf 5 Verteidiger zuliefen: Note 5

Ujfalusi: Hatte nach seinem Quasi-Eigentor zunächst noch ein paar Unsicherheit und dann aber doch wieder etwas Aufwind. Trotzdem ist es fast noch positiv, wenn er trotz des Klopes noch von mir zugedacht bekommt: Note 5

Kling: Vor dem Spiel war ich entsetzt, daß er statt des erhoffte Hollerbachs spielt. Letztendlich gefiel er mir von den Mannen unserer 4-er-Kette allerdings dann noch am besten: Note 3+

Wicky: kämpfte und lief viel im Mittelfeld: Note 3

Maltritz: kämpfte und lief zwar auch viel, aber Wicky wirkte dabei auf mich wesentlich sicherer: Note 4

Jarolim: zeigte heute, daß er ein sehr wertvoller Zugang sein kann. Er hält den Ball sehr sicher und da er kaum fair davon zu trennen ist, holte er zig Freistöße heraus. Gehörte für mich zusammen mit Mahdavikia zu DEN Vätern des Sieges: Note 2

Takahara: Wie immer unermüdlicher Einsatz und sichere Ballbehandlung. Leider hatte er aber heute nicht eine Torchance (kann mich zumindest nicht dran erinnern): Note 3+

Barbarez: So richtig gut fand ich ihn nicht heute. Trotzdem hatte er mehrere (Kopfball)-Chancen und bereite einige (u.a. den Ausgleichstreffer) vor: Note 3

Romeo: perfekt! 45 Minuten gespielt und mit seinem Tor die Wende eingeleitet. Note 2

Mahdavikia: tolles Laufvermögen bei seinem 1. Einsatz nach wochenlanger Verletzung. Er riss die Rostocker ABwehr auf der rechten Offensivseite immer wieder auseinander. Sie hatten praktisch überhaupt keine Mittel gegen ihn: Note 1

Schiri Fleischer: ließ sehr viel durchgehen, wo ich schon gelbe Karten verteilt hätte. Allgemein fand ich ihn ganz o.k. Nur habe ich mindestens einen Elfer für uns gesehen: Note 3

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 

2:1 gegen Rostock - HSV dreht das Spiel in Unterzahl

Erleichterung beim Matchwinner Bastian Reinhardt und Trainer Kurt Jara  
Hamburg - 69 Minuten lang herrschte in der Hamburger AOL-Arena "Land unter". Der HSV war Tabellenletzter, lag 0:1 gegen Hansa Rostock zurück. 

Zusätzlich hatten die Hamburger Kapitän Nico Hoogma nach wiederholtem Foulspiel in der 57. Minute verloren und der zur Halbzeit gekommene Bernardo Romeo war noch ohne Ballkontakt.

Doch dann zog der HSV den Kopf mit einer Energieleistung aus der Schlinge. Doch alles vom Anfang...

HSV mit Elan, Rostock vorsichtig

Die Start-Offensive der Jara-Elf wurde nicht belohnt. Man sah der Mannschaft von Beginn an den Willen an, das erste Heim-Tor und damit womöglich auch den ersten Sieg der Saison zu erzielen.

Hansa Rostock agierte vorsichtig, trat neben Max nur mit einem hängenden Stürmer Meggle an, der die Erwartungen an ihn mal wieder nicht erfüllen konnte.
 
Führung durch Max

In der zehnten Minute spielte Gernot Plassnegger den ersten Pass in Richtung HSV-Strafraum und schon war es passiert. Tomas Ujfalusi und Martin Pieckenhagen ohne Abstimmung und Martin Max trifft zum siebten Mal in dieser Saison.

"Der Wille war von Beginn an da, aber wir hatten 60 Minuten die Seuche am Fuß", fasste Kurt Jara den schlechteren Teil des HSV-Spiels zusammen.

Der bessere Teil folgte, als Sergej Barbarez, zum Zeitpunkt, als alles verloren schien, mit Herz in den Strafraum lief und Romeo butterweich bediente. Mit seinem ersten Ballkontakt nach 24 Minuten Spielzeit nickte der Argentinier ein.

Barbarez krempelt Ärmel hoch

"Uns fehlte das erste Tor. Mit zehn Mann hatten wir absolut nichts mehr zu verlieren. Wir sind einfach volles Risiko gegangen", sagte Barbarez, der mit seiner Spielweise gezeigt hat, dass er die Ärmel hochkrempeln kann.

Jetzt angetrieben von den 44.300 Zuschauern blieb der HSV nach dem Ausgleich am Drücker, aber der Mannschaft war anzusehen, dass die Kraft nachließ. Hansa konnte daraus aber kein Kapital schlagen.

"Der blanke Wahnsinn"

So sorgte eine von vielen Standardsituationen für die Entscheidung. Bastian Reinhardt, kurz zuvor eingewechselt, köpfte wie Romeo mit der ersten Ballberührung den Ball ins Tor. Der Siegtreffer. Der HSV ist damit zunächst die "Rote Laterne" an Köln losgeworden. 

"Das ist der blanke Wahnsinn. Das ist der Kick, den wir gebraucht haben", jubelte Reinhardt. "Heute lasse ich mir noch einen ausgeben. Wir hatten ja in letzter Zeit keinen Grund zum Feiern."

"Sensationell gekämpft"

Trainer Kurt Jara zeigte sich sichtlich bewegt nach dem Spiel seiner Mannschaft: "Da ist Mannschaftsgeist drin. Die Jungs haben sensationell gekämpft und es war wichtig, dass wir in dieser Woche locker geblieben sind."

Der HSV hat zum ersten Mal seit 1994 ein Spiel in Unterzahl gedreht. "Unglaublich. Wir müssen uns an der eigenen Nase fassen, dass wir die Konter nicht ausgespielt haben. Da hätten wir cleverer sein müssen", kritisierte Hansa-Torhüter Matthias Schober, der mit einer überragenden Leistung den Punkt lange Zeit festgehalten hatte.

Hansa Rostock bleibt nach diesem Spiel, das zu passiv gestaltet wurde, mit fünf Punkten nur einen Zähler vor den Abstiegsrängen. Es folgen die schweren Aufgaben gegen den FC Bayern, in Leverkusen und in Wolfsburg. Da hätte ein Sieg heute richtig gut getan.
 
 

Mahdavikia mit den meisten Ballkontakten

Bernado Romeo traf mit der ersten Ballberührung nach Flanke von Barbarez  
Erster Saisonsieg für den Bundesliga-Dino
Der erste Saisonsieg des HSV war gleichzeitig der 25. Bundesligasieg für Kurt Jara als HSV-Trainer. Dabei schossen die Hanseaten gegen Rostock genauso viele Tore wie in den fünf Saisonspielen zuvor.

Hansa auswärtsschwach
Rostock ist seit über sieben Monaten ohne Auswärtssieg und holte in dieser Zeit aus zehn Spielen nur drei von 30 möglichen Punkten.

HSV-Dreher in Unterzahl
Der HSV drehte erstmals seit 3. September 1994 in Unterzahl ein Spiel (damals zu Hause gegen den Karlsruher SC, 2:1 nach 0:1-Rückstand und Gelb-Rot gegen Valdas Ivanauskas).

Martin Max traf erneut
Martin Max baute seine Führung in der Torjägerliste aus (Siebtes Tor im sechsten Spiel) und ist nun wieder alleine bester Scorer der Liga (Acht Punkte, zu den sieben Toren kommt eine Torvorlage). Sieben Tore in den ersten sechs Spielen schoss in den letzten 17 Jahren nur ein anderer Spieler: Olaf Marschall 1997/98.
 
 
Starker HSV spät belohnt
Der HSV war von Beginn an überlegen und hatte schon vor dem Wechsel bei 8:1 Torschüssen hochkarätige Chancen, musste aber durch den einzigen Rostocker Torschuss vor der Pause den Rückstand hinnehmen. 

In Unterzahl verstärkten die Hanseaten den Druck (12:5 Torschüsse mit zehn Mann) und wurden spät belohnt. Insgesamt 56 Prozent Ballbesitz für den HSV, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe und 10:5 Eckbälle unterstreichen die Überlegenheit der Gastgeber.

Romeo und Reinhardt halfen Jara
HSV-Trainer Kurt Jara bewies mit den Einwechslungen von Romeo und Bastian Reinhardt ein glückliches Händchen. Sie trafen jeweils mit ihrem ersten Ballkontakt per Kopf ins Tor und sorgten damit dafür, dass ihr Coach wieder fester im Sattel sitzt. 

Jara reagierte auf die Kopfballschwäche der Gäste (8:0 Torschüsse per Kopf) mit den richtigen Wechseln (die Außenverteidiger Kling und Benjamin gingen). Romeo brauchte 24 Minuten bis zum Tor (bis dahin hatte er alle fünf Zweikämpfe verloren und den Ball kein einziges Mal berührt), bei Reinhardt ging es nach nur einer Minute schneller. 

Schober glänzte und trauerte
Mathias Schober konnte einem nach dem Spiel nur leid tun: Er zeigte in der AOL-Arena Glanzparaden am laufenden Band und entschärfte acht Torschüsse der Hamburger. 

Trotzdem musste er in der Schlussphase noch zwei Gegentore hinnehmen, weil seine Vorderleute in den Kopfballduellen erneut unterlegen waren. Damit kassierte Hansa bereits sechs Gegentore durch Kopfbälle in dieser Saison (Liga-Höchstwert) - am Torwart lag es in Hamburg aber nicht.

Mahdavikia dribbelte wie zu besten Zeiten
Mehdi Mahdavikia gelang mit dem Freistoß auf Reinhardt beim 2:1 sein erster Scorer-Punkt der Saison - in der letzten Saison war der Iraner mit 15 Torvorlagen noch bester Spieler der Liga. 

Gegen Rostock drehte Mahdavikia auf und war an der Hälfte der 20 HSV-Torschüsse beteiligt (Drei Torschüsse, sieben Torschussvorlagen). Zudem hatte er die meisten Ballkontakte aller Spieler (77) und gewann starke 58 Prozent seiner Zweikämpfe. Seine Gegenspieler Schultz und Melkam spielte er dabei wiederholt schwindlig.

Barbarez kämpfte für die Wende
Sergej Barbarez hatte auch das letzte HSV-Heimtor vorbereitet: Am 24.5.03 nutzte Romeo ein Zuspiel des Bosniers ebenfalls gegen Rostock zu einem Kopfballtor. 

Auch diesmal brach Barbarez gegen seinen Ex-Verein den Bann und leitete den Ausgleich mit einer Maßflanke auf den Argentinier ein. Damit wurde seine starke Leistung belohnt: Drei Torschüsse gab Barbarez gegen Hansa ab, drei weitere bereitete er vor und gewann gute 48 Prozent seiner Zweikämpfe. Zudem war er äußerst fleißig und bestritt die meisten Zweikämpfe aller Spieler (48).


 
kicker:
Hamburger SV:  Pieckenhagen - Benjamin, Hoogma, Ujfalusi, Kling - Wicky, Maltritz - Jarolim - Mahdavikia, Barbarez, Takahara - Trainer: Jara

Hansa Rostock:  Schober - Tjikuzu, Kientz, Hill, Melkam - Aduobe - Lantz, Meggle - Plassnegger, Schultz - Max - Trainer: Veh

Tore:   0:1 Max (10., Rechtsschuss), 1:1 Romeo (69., Kopfball, Vorarbeit Barbarez), 2:1 Reinhardt (85., Kopfball, Mahdavikia)

Eingewechselt:   46. Romeo für Benjamin, 83. Reinhardt für Kling, 87. Schlicke für Takahara - 74. Prica für Plassnegger

Schiedsrichter:  Dr. Fleischer 

Zuschauer:  44304

Gelb-Rote Karten:  Hoogma (57.)

Gelbe Karten:  Mahdavikia - Plassnegger, Melkam, Prica
 

Spielbericht
Kurt Jara veränderte seine Anfangsformation nach der 0:1-Niederlage in Leverkusen auf zwei Positionen. Für Schlicke und Beinlich kamen Benjamin und Mahdavikia ins Team. Spielmacher David Jarolim feierte seine Heimpremiere in den Reihen des HSV. Nur eine Änderung nahm Rostock-Coach Armin Veh im Vergleich zur 0:2-Heimschlappe gegen Bochum vor. Stürmer Prica wurde durch Meggle ersetzt, der Max als hängende Spitze unterstützen sollte.

Mit viel Engagement und Tempo startete der HSV in die Operation „Erster Saisonsieg“. Mahdavikia hatte bereits früh mit einem Freistoßschlenzer eine gute Torchance, die Schober mit Mühe und Können bereinigen konnte (4.). Dann aber völlig überraschend die kalte Dusche für die Hamburger: Erst verlor Hoogma den Ball durch ein ungenaues Zuspiel auf Wicky. Dann legte Ujfalusi mit einer versuchten Abwehraktion den Ball so unglücklich an seinem herausgelaufenen Keeper Pieckenhagen vorbei, dass Max plötzlich allein vor dem leeren Tor stand und nur noch vollenden musste (10.). Zwar merkte man den Jara-Schützlingen in der Folge den Schock des frühen Gegentores schon ein wenig an, dennoch versuchten die Hamburger weiter großen Druck auf das Tor von Hansa auszuüben. So hätte Ujfalusi beinahe seinen Fehler mit einem Kopfball aus kurzer Distanz wiedergutmachen können, aber erneut war Schober mit einer guten Parade zur Stelle. Im weiteren Verlauf des ersten Spielabschnitts war der HSV nicht mehr so zwingend wie zu Beginn, auch wenn die Jara-Schützlinge weiterhin eindeutig dominierten. Kurz vor dem Pausenpfiff hatten dann Ujfalusi und Barbarez noch einmal zwei Kopfballmöglichkeiten, aber einmal mehr ohne Erfolg. Mit dem äußerst schmeichelhaften Ergebnis für die Rostocker, die es nur sehr selten in die gegnerische Spielhälfte schafften, ging es in die Halbzeit. 

Mit der Hereinnahme von Romeo für Benjamin versuchte Kurt Jara, seine Offensive weiter zu stärken. Aber zunächst hatten die Rostocker über Lantz und schließlich Meggle die erste gute Chance der zweiten Hälfte. Auch in der Folge agierte der HSV nicht mehr so konsequent und temporeich im Spiel nach vorne. Kapitän Nico-Jan Hoogma erschwerte seinem Team dann die Aufgabe noch zusätzlich. Nur sieben Minuten nach der ersten Gelben Karte sah der Niederländer nach einem rüden Foul an der Mittellinie zu Recht Gelb-Rot von Schiedsrichter Dr. Fleischer. Nur wenig später vergab Hansa zwei gute Möglichkeiten, als einmal Schultz und Max eine Hereingabe knapp verpassten und kurz später Aduobe das Tor von Pieckenhagen nur um Haaresbreite verfehlte. Dies schien die Hamburger noch einmal aufzuwecken, denn plötzlich griffen sie wieder mit Macht an. Scheiterten zunächst noch Barbarez und Takahara, machte es Romeo dann besser. Nach wunderbarem Solo mit anschließender butterweicher Flanke in die Mitte von Barbarez, vollendete der Argentinier am langen Pfosten mit einem wuchtigen Kopfball (69.). Danach drängte die Jara-Elf trotz Unterzahl weiterhin nach vorne, aber auch die Rostocker wollten mit Kontern den Sieg erringen. Das schwache Abwehrverhalten bei Standardsituationen von Hansa entschied die Partie. Der eben erst eingewechselte Reinhardt stieg nach einem Freistoß von Mahdavikia am höchsten und köpfte präzise neben den rechten Pfosten zum hochverdienten Endstand für den HSV ein (85.). 

Nach einer starken Leistung reichte es für die Hamburger dank einer tollen kämpferischen Leistung noch zum Sieg. Das goldene Händchen von Jara, dessen Einwechslungen Romeo und Reinhardt für die Entscheidung sorgten, entschied die Partie. Die Rostocker hatten vor allem in der ersten Hälfte viel Glück bei zahlreichen HSV-Gelegenheiten, müssen sich aber den Vorwurf gefallen lassen, gegen zehn Mann nicht entschieden genug nach vorn gespielt zu haben.
 

Trainer Kurt Jara (Hamburger SV): "Der Wille zum Sieg war heute von Anfang an da. Wir hatten heute 60 Minuten lang die Seuche. Aber wir haben permanent an den Sieg geglaubt und sind dafür am Ende belohnt worden. Vor dem Spiel im UEFA-Cup war es wichtig, ein Erfolgserlebnis zu haben. Die Mannschaft hat sich heute selbst aus dem Sumpf gezogen."

Trainer Armin Veh (Hansa Rostock): "Wir sind in der ersten Halbzeit früh in Führung gegangen und haben uns danach zurückfallen lassen, um das Spiel eng zu machen. Der HSV hat in dieser Phase viel Druck gemacht, und wir haben zu wenig nach vorne gespielt. Anfang der zweiten Halbzeit haben wir drei hundertprozentige Chancen gehabt - da muss man das Spiel entscheiden. Solch ein Spiel darf man nicht mehr verlieren."

Spielereignisse im Detail:
Schlusspfiff 
 
85
 Sensationelles Comeback in Unterzahl!! Der eben erst eingewechselte Reinhardt steigt bei einer Standardsituation nach Freistoßflanke von Mahdavikia am höchsten und köpft präzise neben den rechten Pfosten ein. 
 
84 Die Aufholjagd scheint den HSV viel Kraft gekostet zu haben, aber Hansa kann dies bislang nicht ausnutzen. 
 
71 Chancen auf beiden Seiten: Erst scheitert Aduobe mit einem abgefälschten Schuss, dann verspringt Mahdavikia der Ball allein vor Schober. 
 
69
 Verdienter Ausgleich des dezimierten HSV!! Nach schönem Solo und butterweicher Flanke von Barbarez, stand Romeo in der Mitte goldrichtig und köpfte wuchtig ein. 
 
64 Nun aber der HSV: Barbarez nach Vorlage von Takahara und danach Takahara per Kopf scheiterten in aussichtsreicher Position - einmal mehr - am bärenstarken Schober. 
 
62 Dicke Gelegenheit zur Vorentscheidung für Hansa! Schultz und Max verpassen nach einer Hereingabe von der rechten Seite nur knapp. Nur kurz später verfehlt Aduobe mit links das Tor nur um Haaresbreite. 
 
57 Nur sieben Minuten nach der ersten Gelben Karte sieht der Niederländer Hoogma nach einem üblen Foul an der Mittellinie die Gelb-Rote Karte. 
 
48 Rostock hat die erste Chance in Halbzeit zwei: Lantz legt auf Meggle im Strafraum ab. Der will zu Schultz in die Mitte passen, aber ein Hamburger Abwehrbein kann gerade noch vor dem einschussbereiten Dänen retten. 
 
46 Kurt Jara setzt auf die Karte "Offensive". Stürmer Romeo kommt für Benjamin in die Mannschaft. 
 
  Anpfiff 2. Halbzeit 
 
  Halbzeit 
 
42 Erneut gewinnt Ujfalusi ein Kopfballduell im Strafraum der Rostocker bei einer Standardsituation, aber wieder bleibt Torwart Schober in diesem Duell der Sieger. 
 
35 Wütende HSV-Fans: Mahdavikia und Schober gehen beide im Strafraum zum Ball. Der Keeper spielt diesen zunächst und berührt den Iraner danach leicht, der unglücklich fällt. Schiedsrichter Dr. Fleischer lässt zu Recht weiterspielen. 
 
30 Kling dringt über die linke Seite in den Strafraum ein. Doch sein Abschluss ist für einen Torschuss zu unplatziert und für eine Flanke zu scharf, um Barbarez in der Mitte als Vorlage zu dienen. 
 
23 Der aktive Mahdavikia flankt einen Freistoß von der rechten Seite exakt auf den Kopf von Barbarez. Der völlig ungedeckte Bosnier köpft aber genau in die Arme des Hansa-Keepers. 
 
16 Beinahe hätte Ujfalusi seinen Faux-pas ausgleichen können. Er köpft den Ball aus kurzer Distanz Richtung Hansa-Tor, aber erneut kann Schober mit einer Klassetat entschärfen. 
 
10
 Völlig überraschende Führung für Hansa! Ujfalusi versucht einen langen Pass zu entschärfen, lenkt den Ball dabei aber an seinem Keeper vorbei und Max direkt vor die Füße, der nur noch ins leere HSV-Tor einschießen muss. 
 
4 Mahdavikia zwingt Schober mit einem Freistoß zu einer Glanzparade. Der Iraner zirkelt das Leder aus gut 23 Metern in Richtung linkes oberes Toreck, aber der Keeper kann zur Ecke lenken. 
 
1 Gleich in der ersten Minute dringt der HSV auf der Jagd nach dem ersten Saisonerfolg in den Strafraum der Rostocker ein, aber noch ohne Torerfolg. 
Anpfiff 


 
dpa meldet:
HSV mit Befreiungsschlag - 2:1 gegen Rostock

Von Dagmar Garbe, dpa

Hamburg (dpa) - Mit zehn Mann und einer grandiosen Moral hat der Hamburger SV den Sturz ins Bodenlose verhindert. Der Bundesliga-«Dino» feierte beim 2:1 (0:1) gegen Hansa Rostock den von 44 304 Zuschauern frenetisch bejubelten ersten Saisonsieg. 

Nach dem Rückstand durch Martin Max (10.) und der Gelb-Roten Karte gegen Kapitän Nico-Jan Hoogma (57./wiederholtes Foulspiel) standen die Hamburger am Rande des Abgrundes. Doch die Joker Romeo (69.) und Bastian Reinhardt (85.) brachten mit ihren Kopfballtreffern die Wende, nach der der HSV die Rote Laterne an den 1. FC Köln abgibt. «Das war der blanke Wahnsinn und genau der Kick, den wir gebraucht haben, um da unten raus zu kommen», sagte Matchwinner Reinhardt. «Es war ein Alles-oder-Nichts-Spiel», ergänzte Barbarez.

Die Rostocker verloren ausgerechnet nach dem Platzverweis gegen Hoogma jegliche Linie und vergaben leichtfertig den ersten Auswärtssieg der Saison. «Unglaublich. Wir müssen uns an der eigenen Nase fassen, dass wir die Konter nicht ausgespielt haben. Da hätten wir cleverer sein müssen», kritisierte Hansa-Torhüter Matthias Schober, der mit einer überragenden Leistung den Punkt lange Zeit festgehalten hatte.

Von der ersten Minute an merkte man dem Hamburger SV an, dass er sich den ganzen Saisonfrust von der Seele schießen wollte. Doch mitten in das Hamburger Powerplay platzte nach einem kapitalen Patzer von Tomas Ujfalusi der Rückstand. Einen 40- Meter-Steilpass von Gernot Plassnegger spitzelte der Tscheche am eigenen Torwart Martin Pieckenhagen vorbei in den Lauf von Max, der nur noch einzuschieben brauchte. Mit seinem siebten Treffer setzte sich der 34-Jährige auch souverän an die Spitze der Torjägerliste.

Die überhaupt nicht geschockten Hamburger berannten weiter das Rostocker Tor, scheiterten aber entweder am eigenen Unvermögen oder an Schober. Der frühere HSV-Ersatztorhüter brachte seine ehemaligten Kollegen mit einem Dutzend Glanzparaden schier zur Verzweiflung. Mit der Hereinnahme von Romeo verstärkte Jara nach dem Seitenwechsel die Offensive. Doch erst die Gelb-Rote-Karte gegen Kapitän Hoogma, der an der Mittellinie der Schweden Marcus Lantz von den Beinen holte, wurde für die Gastgeber zur Initialzündung.

Die Rostocker kamen mit der zahlenmäßigen Überlegenheit schlechter zurecht als die Hausherren mit ihrer Unterzahl. Romeos Kopfballtor nach Barbarez-Flanke löste einen wahren Sturmlauf der Hamburger aus, den der erst zwei Minuten zuvor eingewechselte Reinhardt in der 85. Minute krönte.