Bundesliga 2003/2004, 7. Spieltag, Sonntag, 28.09.03, 17:30 Uhr im Berliner Olympiastadion bei ca. 19 Grad C.

Hertha BSC Berlin - Hamburger SV 1:1 (1:0)

Aus lauter verzweiflung, fange ich heute mal an, meinen spielbericht während der montaglichen bahn-heimfahrt zu auf einem pocket-pc zu tippen. Ich bitte daher die fehlende bzw. falsche gross/kleinschreibung zu entschuldigen, denn die würde mich noch länger an jedem wort aufhalten als es so schon der fall ist.

Hätte ich diese idee schon ein wenig vorm bahnhof bad oldesloe gehabt, wäre ich bestimmt weiter gekommen.

Nach berlin bin ich wohl diesmal wirklich nur gefahren, weil ich es mit einem Besuch bei meinem vater verbinden kann. Da mein alter herr nun schon bald 78 wird, versucht man natürlich auch, solche anlässe auszunutzen. Nur wegen des spieles hätte ich mir die hauptstadtfahrt wohl jedenfalls nicht gegeben. Bei DEN ergebnissen der letzten jahre...

So erwartete ich eigentlich nichts von dem spiel, obwohl ich doch diesen kleinen hoffnungsschimmer in mir trug, das heute vielleicht mal was gehen könnte. Aber das spiel deckte dann doch eher die erwartungen an gar nichts.

Vorm stadion sagte mir jemand, dass wir heute ohne sturm spielen würden. was ich da noch für einen witz hielt, sollte sich aber auf dem platz als traurige realität herausstellen. 

Ich weiß wirkch nicht, was sich jara dabei gedacht hat. Das er nicht so offensiv spielt wie zuletzt gegen djnepr kann ich ja verstehen. Aber wie er auf romeo UND taka verzichten kann,  ist mir wirklich absolut unverständlich.

Und so war dann auch das spiel. Ohne jegliche angriffsbemühung spielte der hsv. Und das hielt er auch zunächst 45 minuten und dann nochmal gute 25 min. der zweiten halbzeit durch. Das war wirklich überhaupt nichts und wurde dann zu recht mit dem rückstand bestraft. Wobei eigentlich auch hertha in diesem spiel nichts verdient hatte. So durften sich alle zuschauer über ein furchtbares Spiel ärgern.

Allerdings werden die Berliner ja diesmal sehr hoffnungsvoll gewesen sein. Jedenfalls lange Zeit.... ;-)

Naja, zur 2. Halbzeit wurde Takahara eingewechselt für Beinlich. Aber Taka blieb auch sehr blass heute. Dann kamen auch noch Benjamin und Romeo rein und es wurde etwas besser. 

Schließlich hat sich der HSV in den letzten 20 Minuten endlich bemüht und dabei so viele gute Chancen gehabt, daß ein Unentschieden auf alle Fälle verdient war. Allerdings ist es natürlich extrem unglücklich, wenn man so lange führt und dann in der Nachspielzeit den Ausgleichstreffer kassiert. Trotzdem hatte es die Hertha auch nicht besser verdient....

Bedenklich stimmten mich die Einstellung der Mannschaft und auch deren Aufstellung. Und wenn Kurtl dann hinterher tönt, daß er immer wieder so aufstellen würde und die Aufstellung doch auch gar nicht defensiv gewesen wäre, dann frage ich mich schon.......

Eine Einzelspielerbewertung möchte ich nicht vornehmen, da ich jetzt schon wieder todmüde bin und ohnehin niemanden herausragend gut oder schlecht gesehen habe.

Schlicke fand ich auch schon vor seinem Tor ganz gut und die anderen eigentlich durchgehend alle nicht gerade berauschend. Ich würde vermutlich allen eine 4 bis 4- geben. Schlicke eine 3 und Jara eine 6.

Der Schiri war allerdings wirklich unter aller Kanone. Jeder Dreck wurde von ihm gepfiffen. Allerdings auf beiden Seiten: Note 5

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 

Hertha wartet nach 1:1 weiter auf ersten Sieg

Berlin - Hertha BSC Berlin muss in der Bundesliga weiter auf den Befreiungsschlag warten. Beim 1:1 (1:0) gegen den Hamburger SV kassierte das Team von Trainer Huub Stevens in der Nachspielzeit durch das erste Saison-Tor von HSV-Abwehrspieler Tomas Ujfalusi noch den Ausgleich und ist damit auch nach dem siebten Spieltag weiter sieglos. 

Hertha war durch einen Kopfballtreffer von Arne Friedrich (32.) in Führung gegangen. Beide Teams bleiben mit fünf Punkten weiter im Tabellenkeller, sowohl Stevens als auch seinem HSV-Kollegen Kurt Jara stehen schwere Wochen ins Haus. Die Hamburger warten seit dem 30. November 2002 (3:2 gegen Bayer Leverkusen) auf einen Auswärtssieg.

Kiraly: "Das ist wie eine Niederlage"
"In letzter Minute der Ausgleich, das ist wie eine Niederlage", jammerte Gabor Kiraly. "Einige Leute haben in der Schlussphase nicht mehr mitgedacht", klagte der Hertha-Torwart an.
Sauer war auch Fredi Bobic. "Wir haben gekämpft wie die Wahnsinnigen. Und uns dann um den verdienten Lohn gebracht", bilanzierte der Nationalstürmer.

Stevens und Jara beide unzufrieden
Stevens ging bei seiner Analyse tiefer ins Detail. "Wir haben nicht die Cleverness, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Aber die Einstellung war heute in Ordnung", befand der Trainer.
Kritisch zeigte sich trotz des Punktgewinns auch Jara. "In der ersten Halbzeit hatten wir überhaupt keine Torchance. Wir fangen immer viel zu behäbig an", mochte sich der Österreicher über den Punkt auch nicht so richtig freuen.

Bedächtiger Beginn der "Sorgenkinder"
Vor rund 36.876 Besuchern begannen die Beiden "Sorgenkinder" der Liga sehr bedächtig, fast ängstlich. Jara bracht in Sergej Barbarez nur eine echte Spitze, Hertha-Trainer Stevens ließ die Neuzugänge Artur Wichniarek und Niko Kovac überraschenderweise zunächst auf der Bank. 
Nationalspieler Friedrich rückte für den verletzten Kapitän Dick van Buric (Verhärtung in der Wade) ins Abwehrzentrum und verlieh der Hintermannschaft die zuletzt so sehr vermisste Sicherheit. 

Friedrichs erstes Saisontor
Lange Zeit passierte herzlich wenig, lediglich zwei Hertha-Fernschüsse von Michael Hartmann (19.) und Roberto Pinto (20. ) sorgten für etws Aufregung. Wie aus dem Nichts fiel dann das 1:0. 
Nach einem Freistoß von "Zecke" Neuendorf plazierte Friedrich den Ball per Kopf ins linke Toreck und markierte seinen ersten Saisontreffer. Zur zweiten Hälfte brachte HSV-Trainer Jara den schmerzlich vermissten Naohiro Takahara, doch es dauerte bis zur Mitte der zweiten Halbzeit ehe die Gäste gefährlicher wurden. 

Hertha zunächst druckvoller
Zunächst waren die Berliner einem zweiten Tor näher. Erst verpasste Fredi Bobic per Drehschuss (46.), eine Minute später konnte HSV-Keeper Pieckenhagen gerade nach vor dem heranstürmenden Marco Rehmer klären. 
Erst in der Schlussphase warfen die Gäste alles nach vorne, und Takahara hatte mit seinem Schuss aus elf Metern eine riesige Ausgleichs-Chance doch der Ball strich am Tor vorbei. Schlicke hatte kurze Zeit später mit einem Schuss aus 14 Metern mehr Glück. 
Bei den Berlinern überzeugten Mittelfeldspieler Neuendorf, und Torschütze Friedrich, bei den Hamburgern zeigten Mittelfeldspieler Maltritz und Kapitän Barbarez eine gute Leistung. 
 
 

Wieder nur Remis
Hertha spielte bereits fünfmal remis - in der kompletten letzten Saison teilte Hertha nur einmal häufiger die Punkte. Inklusive UEFA Cup war es das dritte Remis binnen acht Tagen.

Weiter sieglos
Hertha wartet auch nach sieben Spieltagen auf den ersten Sieg. So lange mussten die Berliner zuletzt vor sechs Jahren auf den ersten Sieg warten - 1997/98 in der ersten Spielzeit nach dem Wiederaufstieg.

Kapitän Barbarez
Nach den Anfeindungen durch die Fans im Uefa-Cup stärkte Trainer Kurt Jara Sergej Barbarez den Rücken und übertrug ihm die Kapitänsbinde. Zum ersten Mal war der Bosnier Kapitän der Hamburger.

Wieder andere Abwehr
Im siebten Saisonspiel stellte Hertha-Trainer Huub Stevens zum sechsten Mal die Hertha Abwehr um.

Um den Ausgleich gebettelt
Ab der 70. Minute lautete das Torschussverhältnis 0:14 aus Sicht der Gastgeber. Bis zur 69. Minute hatten die Berliner zehn Torschüsse abgegeben, der HSV nur vier. So gesehen war der Ausgleich für den HSV mehr als verdient (mit dem letzten Torschuss des Spiels).

Die Abwehrspieler trafen
Arne Friedrich brachte Hertha in Führung, Tomas Ujfalusi besorgte den Ausgleich. Für beide war es das erste Saisontor. Mit ihrer eigentlichen Aufgabe, Zweikämpfe gegen die Stürmer gewinnen, taten sich beide schwer. Friedrich gewann nur 44 Prozent seiner Zweikämpfe, Ujfalusi sogar nur 43 Prozent.

Foulrekord 1
Hertha hat mit 37 Fouls einen neuen Saisonrekord für ein Spiel aufgestellt. Stevens Wut-Ansprache hat also was in Sachen Einsatz gebracht, eine spielerische Verbesserung war allerdings nicht zu sehen.

Foulrekord 2
Da auch die Hamburger 27 Fouls begingen, gab es im Berliner Olympiastadion insgesamt 64 Fouls. Die alte Saisonbestmarke von 56 Fouls in einem Spiel wurde pulverisiert. Ein attraktives Spiel mit gelungenen Offensivaktionen wäre den Fans aber wohl lieber gewesen...


 
kicker:

Hertha BSC:  Kiraly (3) - Rehmer (3), Simunic (3), A. Friedrich (2,5), Hartmann (3,5) - Dardai (3,5) - Pinto (4), Neuendorf (3), Goor (4,5) - Luizao (5), Bobic (5) - Trainer: Stevens

Hamburger SV:  Pieckenhagen (3,5) - Maltritz (4), Reinhardt (3,5), Ujfalusi (4), Kling (4) - Schlicke (3,5), Wicky (4) - Mahdavikia (4), Beinlich (5), Jarolim (4) - Barbarez (4) - Trainer: Jara

Tore:   1:0 A. Friedrich (32., Kopfball, Vorarbeit Neuendorf), 1:1 Ujfalusi (90+1., Brust, Schlicke)

Eingewechselt:   66. N. Kovac für Neuendorf, 74. Madlung für Rehmer, 81. Mladenov für Pinto - 46. Takahara (4) für Beinlich, 69. Benjamin für Kling, 69. Romeo für Wicky

Chancenverhältnis:  3:5

Eckenverhältnis:  9:3

Schiedsrichter:  Kinhöfer  (Herne), Note 2 - nur ganz kleine Fehler.

Zuschauer:  36876

Gelbe Karten:  Neuendorf, Bobic, Kiraly, Mladenov - Jarolim, Wicky, Benjamin

Spielnote:  4,5

Spieler des Spiels:  

 
Friedrich, Arne
Der Nationalspieler stand sicher und souverän in der Abwehr, erzielte den Führungstreffer für die Berliner.

Analyse
Auf vier Positionen baute Hertha-Trainer Huub Stevens seine Startformation im Vergleich zum 2:2 am vergangenen Spieltag in Bochum um. Für van Burik und Madlung kamen Rehmer und Hartmann in der Defensive zum Einsatz. Niko Kovac wurde im Mittelfeld durch Pinto ersetzt und im Angriff kam Luizao für Mladenov zum Zug. HSV-Coach Kurt Jara änderte sein Team gegenüber dem 2:1-Sieg gegen Rostock in der Vorwoche auf drei Positionen. Für Benjamin kam Schlicke in die Partie, den Gelb-Rot-gesperrten Hoogma ersetzte Reinhardt und Beinlich kam für Takahara ins Spiel.

Beide Mannschaften begannen das Spiel sehr vorsichtig und darauf bedacht, Fehler zu vermeiden. Doch während sich Hertha BSC langsam nach vorne in Richtung HSV-Tor tastete, standen die Hamburger tief in ihrer eigenen Hälfte und waren nur auf Torsicherung bedacht. Doch die Hertha-Offensivabteilung übertraf sich in Ideenlosigkeit, so dass kaum Torchancen zu verzeichnen waren. Erst nach 19 Minuten hatte Bobic die erste Torchance, doch der Nationalstürmer verzog aus spitzem Winkel. Der HSV tat seinerseits kaum mehr, als sein Tor zu verteidigen. Selbst Konterversuche der Hamburger waren Mangelware. Durch einen Freistoß gelang Herha BSC nach 33 Minuten die Führung. Neuendorf hob den Ball von links in den HSV-Strafraum, wo die Hamburger Verteidiger zwar klar in der Überzahl waren, Friedrich allerdings trotzdem zu Kopfball kam. Unhaltbar schlug der Ball in der linken unteren Torecke ein. Nach dem Führungstreffer schlief das Spiel völlig ein. Hertha war zunächst darauf bedacht, die knappe Führung zu sichern, während die Hamburger im Spiel nach vorne überhaupt nichts zu Stande brachten. Mühsam schleppte sich das Spiel mit einer 1:0-Führung für Hertha BSC in die Halbzeit.

Auch nach der Pause änderte sich das Bild wenig. HSV-Trainer Kurt Jara hatte zwar mit Takahara für Beinlich nach der Pause einen weiteren Stürmer gebracht, doch im Aufbau hatten die Hamburger ihre Schwierigkeiten. Hertha gewann jetzt die meisten Zweikämpfe und ließ den HSV kaum zur Entfaltung kommen. Einzig Torchancen konnten sich die Berliner auch nicht herausarbeiten. Im Gegenteil, die größte Chance hatte der HSV nach einem Freistoß der Berliner ! Mahdavikia hatte den Ball abgefangen und schickte Jarolim steil. Dieser setzte vor dem Strafraum Takahara per Querpass ein, doch dessen Schussversuch war kaum mehr als ein Rückpass zu Kiraly. Erst in der 70. Minute stellte Kurt Jara auf bedingungslose Offensive um und brachte mit Romeo für Wicky noch einen Stürmer. Prompt übernahm der HSV die Kontrolle über das Spiel, und die Hertha-Abwehr kam ins Schwimmen. Doch Takahara und Romeo vergaben zunächst die Chancen zum Ausgleich. Erst in allerletzter Sekunde konnte der HSV den Punktgewinn retten. Einen hohen Ball legte Barbarez vor dem Strafraum quer auf Schlicke. Der zog sofort ab und traf sieben Meter vor dem Tor die Brust von Ujfalusi. Dies gab dem Ball die entscheidende Richtungsänderung. Kiraly im Hertha-Tor war machtlos.

Der HSV rettete einen Punkt im Berliner Olympiastadion, der den Hamburgern wieder mehr Luft zum Tabellenende verschafft und das Selbstvertrauen stärkt. Ganz anders die Hertha, die eindrucksvoll unter Beweis stellte, dass sie in dieser Saison offenbar nicht gewinnen kann.

Spielereignisse im Detail
  Schlusspfiff 
 
90
 In letzter Sekunde doch noch der Ausgleich für den HSV. Barbarez legt vor dem Strafraum quer auf Schlicke, der aus der abzieht. Ujfalusi gibt dem Ball mit der Brust die entscheidende Richtungsänderung, so dass Kiraly ohne Chance ist. 
 
88 Maltritz bedient mit einem schönen Steilpass Jarolim, der aber unter Beweis stellt, dass er kein Stürmer ist. Kläglich sein Torschussversuch - Kiraly klärt locker. 
 
87 Romeo nimmt einen Abpraller direkt, doch er hämmert den Ball über das Hertha-Tor. 
 
80 Die Berliner betteln scheinbar um den Ausgleich. Schlicke findet mit einer Flanke von links Romeo, doch dessen Kopfball ist zu schwach, Kiraly kann mühelos abfangen. 
 
77 Benjamin findet Takahara völlig frei am Elfmeterpunkt, doch der Drehschuß des HSV-Stürmers geht knapp am Hertha-Tor vorbei. 
 
69 Rehmer kommt nach einer Kovac-Ecke zum Kopfball, doch der Ball fliegt genau auf Torhüter Pieckenhagen, der mühelos festhalten kann. 
 
64 Die beste Chance für den HSV. Mahdavikia hatte Jarolim per Steilpass auf die Reise geschickt. Der legt kurz vor dem Hertha-Strafraum quer auf Takahara, doch der Japaner stellt Kiraly mit einer besseren rückgabe vor keine Probleme. 
 
47 Rehmer lässt auf der rechten Seite Kling stehen und flankt in die Mitte, wo Bobic den Ball direkt nimmt. Doch er schiesst den Ball über das HSV-Tor. 
 
  Anpfiff 2. Halbzeit 
 
  Halbzeit 
 
33
 Fast aus dem Nichts die Hertha-Führung. Bei einem Freistoß von Neuendorf sind die HSV-Verteidiger zwar in der Überzahl, doch trotzdem kommt Friedrich an den Ball und kann den Führungstreffer markieren. 
 
19 Erste dicke Chance für die Hertha ! Hartmann zieht aus 18 Metern ab. HSV-Keeper Pieckenhagen kann den Ball nicht festhalten. Bobic ist zur Stelle, doch er kann den Abpraller aus spitzem Winkel nicht im Tor unterbringen. 
 
13 Erstmals ist der HSV koordiniert über die Mittellinie gekommen und gleich die erste Chance. Doch der 23-Meter Freistoß von Schlicke stellt Kiraly im Berliner Tor vor keine grossen Probleme. 
 
10 Sehr verhaltener Beginn im Berliner Olympiastadion. Hetha versucht das Spiel zu machen, während der HSV tief in der eigenen Hälfte sein Tor verteidigt. 
 
Anpfiff 


 
dpa meldet:
Hertha-Welle ohne Erfolg - Schlicke sichert HSV 1:1

Von Jens Mende, dpa

Berlin (dpa) - Der «Horror-Lauf» von Hertha BSC setzt sich fort. Mit seinem Ausgleichstor in der ersten Minute der Nachspielzeit stieß der Hamburger Ersatzmann Björn Schlicke die weiter sieglosen Berliner beim 1:1 (0:1) zurück ins Tal der Tränen, nachdem Arne Friedrich mit seinem Treffer in der 32. Minute die Katastrophen- Wochen schon beendet zu haben schien. 

Vor 36 876 Zuschauern im Olympiastadion boten die bis dato als «Pflegefälle» der Liga verspotteten Traditionsclubs magere Kost. Während der HSV, der nach fünf Niederlagen in Serie erstmals wieder in der Hauptstadt punktete, weiter Vorletzter ist, verharrt die Hertha auf Rang 14.

«So ein Tor darf nicht passieren», ärgerte sich Fredi Bobic. «Wir haben gekämpft wie die Wahnsinnigen und uns selbst um den verdienten Lohn gebracht.» Der wegen muskulärer Probleme ausgewechselte Andreas Neuendorf meinte: «Ich frage mich, wo nimmt der Schiedsrichter drei Minuten Nachspielzeit her. Für was denn?» Stevens mühte sich, ruhig zu bleiben: «Da kann man nichts machen.»

Nach einer Woche, in der die Berliner Luft mehr denn je brannte, und Stevens seine harte Welle durchzog, mühte sich die Hertha redlich. Leidtragender der unerbittlichen Trainer-Hand war vor allem Bayern-Zugang Niko Kovac. Überraschend dabei waren Luizao - zum ersten Mal in dieser Saison von Beginn an - und auch Marko Rehmer, der wegen einer Schulterprellung eigentlich verletzt gemeldet war.

Drei Tage nach der Nullnummer im UEFA-Cup gegen Grodzisk wollte allerdings kein rechter Spielfluss aufkommen. Was zum einen daran lag, dass sich Kurt Jaras HSV tief zurückzog. Wie beim 2:1 gegen Dnjepropetrowsk vertraute der Trainer auf eine Dreier-Abwehrkette, in der Björn Schlicke den Gelb/Rot gesperrten Kapitän Nico-Jan Hoogma ersetzte. Zum anderen lag es aber auch daran, dass die Berliner nichts zu Stande brachten über Außen. Auch Roberto Pinto nicht, der aufgeboten worden war, um auf rechts Druck zu machen.

Erst nach 18 Minuten kam erstmals Stimmung auf im Olympiastadion. Hartmanns Drehschuss konnte HSV-Keeper Martin Pieckenhagen nur abklatschen, doch der Winkel war zu klein für Fredi Bobic. Kaum zwingende Kombinationen und kaum Chancen - also musste eine so genannte Standardsituation die Hertha-Führung bringen. Nach Foul an Bart Goor zirkelte Andreas Neuendorf den Ball auf Friedrich, der ins linke Eck köpfte.

Als würde sich die ganze Anspannung entladen, sprang Stevens («Wir wollen unseren Horror-Lauf beenden») in die Luft und ballte die Becker-Faust. Der HSV brachte Naohiro Takahara, der den an alter Wirkungsstätte enttäuschenden Stefan Beinlich ersetzte. Ohne Erfolg. Bis Ersatzmann Schlicke kam und mit einem abgefälschten Schuss traf.