Bundesliga 2003/2004, 10. Spieltag, Samstag, 25.10.03, 15:30 Uhr in der Hamburger AOL Arena bei kühlen Temperaturen (habe nicht aufs Stadion-Thermometer geguck) und Dauerregen.

Hamburger SV - FC Schalke 04   2:2 (1:0)

Eigentlich lohnt es sich fast gar nicht so richtig, etwas über das gestrige Spiel zu berichten. So richtig interessant bzw. spannend fand ich es nicht.

Aber das Drumherum der Woche muß natürlich Beachtung finden. Nachdem nach dem letzten Spiel in Klautern die HSV-Führung noch öffentlich kundtat, dass Jara auch gegen Schalke noch der Trainer sein soll, hat man sich am Montag das ganze noch mal überlegt und Herrn Jara mitgeteilt, dass man Kontakt zu anderen Trainern aufnehmen werde.

Am Mittwochabend kam dann die für Fans und Presse völlig überraschende Beurlaubung Jaras und die Ankündigung, dass Klaus Toppmöller der neue Trainer werden soll.

Nach einem Moment der doch etwas schockierten Verwunderung, habe ich mich aber sehr über diese Entscheidung gefreut. Ich war ja schon in der letzten Saison nicht immer sehr überzeugt von Jara und hätte damals schon nichts gegen seine Entlassung gehabt. Natürlich ist es in erster Linie die Mannschaft, die derzeit unter Ihren Möglichkeiten bleibt und nicht zeigt, was sie zeigen können sollte. Aber es gibt eben auch etliche Dinge, die ich klar zum Aufgabenbereich des Trainers zuordnen würde und ihm anlaste. Damit meine ich vor allem das Aufstellungwirrwarr um Rahn, Romeo, Cardoso und Beinlich. Und ganz besonders genervt bin ich auch vom Verhalten der Mannschaft bei Standardsituationen, sowohl aktiv als auch passiv.

Und mit Toppmöller wurde wirklich einer meiner absoluten Wunschtrainer verpflichtet. Es gibt kaum einen, den ich lieber als HSV-Trainer gesehen hätte, denn Toppmöller hatte bisher eigentlich überall Erfolg und lässt offensiven Fussball spielen.

Nun dann also doch zum Spiel. Toppmöller hat leider nicht so viel im Team umgestellt, wie ich es mir vielleicht gewünscht hätte. Ich hätte nämlich Hoogma gern auf der Bank gesehen, da er schon die ganze Saison sehr schlecht spielt und sich dann auch noch wenig rühmlich zum Trainerwechsel geäußert hat („Ich bin froh, dass ich nächstes Jahr wieder in Holland bin“).

Aber zumindest setzte Toppmöller doch einige Zeichen. Rahn wurde eingesetzt. Und zwar nicht als linker Bestandteil der Vierer-Abwehr-Kette sondern quasi als Linksaußen (der mit dem Rechtsaußen Mahdavikia auch rochierte). Außerdem setzte er wieder Vertrauen in Romeo und ließ ihn von Beginn an spielen – er dankte es dem Trainer mit 2 Toren. Schlicke wanderte von Innenverteidigung bzw. defensivem Mittelfeld auf die Position des rechten Verteidigers und spielte dort m.E. ein tolles Spiel.

Ansonsten blieb vieles beim Alten. Leider auch die Ungefährlichkeit bei Standardsituationen, die größtenteils im Sande verliefen. Wenngleich unser 1. Tor auch indirekt nach einem Freistoß entstand. Dort der Freistoß von Rahn ging zunächst in die Mauer und erst beim 2. Flankenversuch wurde ständig nach (handverdächtiger) Annahme durch Romeo das 1:0 daraus. 

Das war auch der Halbzeitstand. Schalke fand ich heute übrigens über die ganzen 90 Minuten gruselig schlecht. Wir haben zwar oft gegen Schalke gewonnen in den letzte Jahren, aber trotzdem haben die da teilweise tollen Fussball gespielt und wir hatten viel Glück. Heute habe ich davon aber nichts gesehen. Schalke hatte ja fast überhaupt keine Torchance. Eine einzige in der ersten Halbzeit und auch in der 2. kann ich mich kaum an welche erinnern. Von gutem Fußball jedenfalls meilenweit entfernt.

Allerdings muß man zugeben, dass auch das Spiel des HSV arm an Chancen war. Trotzdem fand ich unser Team wesentlich bemühter und wir spielten zumindest nach vorne, während Schalke sich teilweise unglaublich tief einmauerte.

Jedenfalls konnten wir in der 2. Halbzeit das 2. Tor von Romeo erzielen. Leider mussten dann Hollerbach und Barbarez verletzt raus und wir fingen uns nach einem katastrophalen Fehler von TW Wächter (der für den Kreuzbandriss-kranken Pieckenhagen erstmals im Tor stand) den Anschlusstreffer zum 2:1. Und wie das Schicksal dann manchmal so läuft, fingen wir uns natürlich in der letzten Minute des Spiels auch noch den Ausgleich.

Ich fand es, wie gesagt, sehr glücklich für die Schalker und auch nicht sonderlich verdient. 

Nach dem Spiel hat es mich gefreut, dass Toppmöller zumindest in Interviews gesagt hat, dass sich noch viel ändern muß und Fehler abgestellt werden müssen. Also auch nicht das ewige Gerede seines Vorgängers, dass doch eigentlich alles sehr gut gewesen sei.

Trotzdem ist ein Heimunentschieden (und dann noch in letzter Sekunde) gefühlsmäßig natürlich nah an einer Niederlage angrenzend. Das hätte nicht passieren dürfen und müssen.

Was den Tag aber doch noch sehr schön machte, war die wieder einmal interessante SC-Versammlung am Vormittag und das gemeinsame Abendessen mit meiner Herzdame ;-)

Meine Spielerwertung:
Wächter: Er bekam nur sehr wenig aufs Tor und hatte dabei einen so großen Klops, der letztendlich in meinen Augen hauptverantwortlich für den späteren Ausgleich war. Lt. Toppmöller soll auf jeden Fall ein weiterer TW verpflichtet werden, weil man nicht nur mit einem TW + Ama-TW die Saison spielen könne.... : Note 5

Hollerbach: Spielte heute eher unauffällig und musste leider später verletzt runter: Note 4+

Hoogma: ebenfalls unauffällig, da die Schalker ja auch nicht gerade ein Angriffswirbel aufzogen. Trotzdem war es maßgeblich an der einzigen Schalker Chance der 1. Halbzeit beteiligt und wäre auch verantwortlich gewesen, wenn es da einen Treffer gegeben hätte: Note 4

Ujfalusi: heute fand ich ihn deutlich besser und nicht mehr so „fahrig“ wie zuletzt. Gewann viele Duelle: Note 3

Schlicke: Für mich der beste HSVer des Spiels. Gewann äußerst viele Defensiv-Zweikämpfe und schalte sich auch immer wieder auf der rechten Seite mit nach vorne ein: Note 1

Maltritz: heute fand ich wirklich nicht sehr gut. Er hatte viele Abspielfehler und war auch nicht sonderlich zweikampfstark: Note 4-

Rahn: durfte heute als Linksaußen ran. Er hatte wieder einige leichtsinnige Abspielfehler, aber eben auch doch einige tolle Flanken dabei. Und seine Freistöße sind zumindest etwas gefährlich, wenn er es auch nicht so oft mit direkten versuchen sollte: Note 4+

Jarolim: einmal mehr sehr zweikampfstark. Holte viele Freistöße raus. Was ihm noch fehlt, sind neben dem Torabschluß auch mal Pässe in die Tiefe, also der sog. „tödliche Pass“: Note 3

Barbarez: er spielte nicht übermäßig auffällig. Trotzdem meine ich erkannt zu haben, dass er mehr für die Defensive arbeitete als sonst und auch nicht mehr Lamentierte.: Note 3

Mahdavikia: er hatte zwar einige gute Szenen und spielte auch die Flanke zum 2. Tor, aber trotzdem kann er noch mehr zeigen als heute: Note 3

Romeo: Heute gibt es wirklich mal wenig über ihn zu meckern (was ich ja sonst gern und oft mache). Fast würde ich sagen wollen, dass es eines seiner besten – oder DAS beste – Spiel für den HSV war. Er hat nicht nur 2 mal getroffen, sondern wirkte einfach auch sehr engagiert auf dem Platz. Vor allem ackerte auch viel vorn und lief den Bällen hinterher. Einmal sogar (wie mein Kumpel Kuno es nannte) mit „Erik Meijer – Gedächtnisgrätsche“ an der Eckfahne. Wenn er immer so spielen würde, könnte ich nur noch das Fünkchen zum Meckern finde, dass er einmal ein Dribbling versuchte, als er neben sich 2 freie Leute hatte. Note 1

Schiri: Den Schiri fand ich heute eigentlich recht gut. Zumindest hat er fast alles so entschieden, wie ich es wohl auch entschieden hätte ;-) : Note 2

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 
Toppmöllers Einstand nur bis zur 89. Minute erfolgreich

Bis zur 89. Minute sah alles nach einem erfolgreichen Einstand für Klaus Toppmöller als Trainer beim Hamburger Sportverein aus.
Dann rettete Edi Glieder dem FC Schalke 04 doch noch ein 2:2 (1:0) und verdarb Toppmöller sein Debüt gründlich.

Romeo mit Doppelpack
"Wir haben den Gegner 60 Minuten beherrscht", lobte "Toppi" seine Mannschaft für den lange Zeit couragierten Auftritt. Bernardo Romeo (29./68.) belohnte diesen mit der nur scheinbar entscheidenden 2:0-Führung.
Was dann folgte, führte Toppmöller die ganze Schwere seiner neuen Aufgabe deutlich vor Augen. "Leider haben wir dann mit dem Fußballspielen aufgehört und in der Schlussphase keine richtigen Konter mehr gefahren", haderte der Ex-Leverkusener.

"Da kann ich etwas anderes erwarten"
"Von einer routinierten Truppe kann ich etwas anderes erwarten, als dass sie die Bälle wegschlägt", monierte Toppmöller. Bis zum Pokalspiel am Mittwoch in Unterhaching hat er noch viel Arbeit vor sich.
Und noch viel mehr Arbeit bleibt, um mit dem HSV endgültig die Kurve nach oben zu kriegen. Gute Ansätze waren indes immerhin schon zu erkennen.

HSV offensiver als unter Jara
So ging der HSV unter Toppmöller spürbar offensiver zu Werke als noch unter Vorgänger Kurt Jara. Romeo dürfte das seinem Trainer noch öfter mit Toren danken, nachdem Jara dem argentinischen Stürmer zuletzt nicht immer das Vertrauen geschenkt hatte.
Einen Platz in der Anfangsformation hatte auch Christian Rahn wieder - und auch er dankte es dem neuen Trainer. Nämlich mit seiner ersten Torvorlage (zum 1:0) im HSV-Dress überhaupt.

Torwart-Problem für "Toppi"?
Sorgen dürfte Toppmöller dagegen die Torwart-Position bereiten. Stefan Wächter, nach dem Kreuzbandriss von Martin Pieckenhagen im Kasten, hatte in seinem ersten Bundesliga-Spiel lange Zeit gar nichts zu tun, patzte dann aber beim 2:1 durch Anibal Matellan (73.) ebenso gravierend wie folgenschwer.
"Da muss ich nicht viel zu sagen, das sehen Sie ja selbst", nahm Wächter nach Abpfiff die Schuld bereitwillig auf sich. Das ehrt den 25-Jährigen - aber hat er auch auf dem Platz die nötige Klasse?
Toppmöller hat Interesse an U-21-Nationalkeeper Tom Starke (Bayer Leverkusen). Der soll auf Leihbasis kommen und den Konkurrenzkampf im Tor neu entfachen. Ein Wechsel des Ex-Gladbachers Robert Enke ist dagegen schon allein wegen der angespannten finanziellen Situation beim HSV eher unwahrscheinlich.

Fans kontra Vorstand
Einen Kampf haben wohl auch die HSV-Verantwortlichen vor sich. "Hoffmann und Beiersdorfer Hand in Hand zum Arbeitsamt", lautete der Text eines Fan-Plakates. Deutliche Kritik am Vorstand, der ja eigentlich Jara das Vertrauen ausgesprochen hatte.
Eine Menge an Glaubwürdigkeit ist durch die Vorgehensweise verloren gegangen. Aber das wird die Zeit an der Elbe schon heilen - wenn sich der Erfolg wieder einstellt.
Den hatte endlich auch Edi Glieder, erstmals in seiner Zeit bei Schalke. Mit seinem späten Ausgleichstor deutete der Österreicher an, dass er für Schalke doch die erhoffte Verstärkung sein könnte.

Glieder erstmals erfolgreich
"Ich bin froh, dass mir ein Tor gelungen ist", freute sich Glieder über sein erstes Tor für Schalke. Und er weiß scheinbar auch, warum es bei ihm bisher mit dem Toreschießen nicht so geklappt hat.
"Die Leute zerreißen sich, versuchen alles. Aber es funktioniert spielerisch nicht so. Deswegen ist es schwer für die Stürmer", kritisierte der Österreicher die Zuarbeit seiner Kollegen.
Das Vertrauen darin hat er aber nach wie vor - auch in Trainer Jupp Heynckes. "Der Trainer hält an seinem System fest. Irgendwann wird sich die spielerische Linie einstellen."

Heynckes frustriert
Das wird auch Heynckes selbst hoffen. In Hamburg blieb ihm trotz des guten Endspurts wieder mal nur die frustrierende Erkenntnis: "Die Mannschaft hat ihr Potenzial wieder nicht ausgespielt."
Und wenn sich das nicht bald ändert, dürfte die Rückendeckung, die Heynckes in Gelsenkirchen genießt, wohl doch irgendwann zu bröckeln beginnen.
 

Daten: Schalke wird langsam zu Romeos Lieblingsgegner
 
Kein glücklicher Toppmöller-Einstand
Nach über sechs Monaten teilte sich der HSV in der AOL-Arena mal wieder die Punkte - kein gelungener Auftakt für Klaus Toppmöller. Die letzten beiden Heimspiele unter Kurt Jara waren noch mit 2:1 gewonnen worden, dafür fehlten heute wenige Sekunden.

Schalke holt ein 0:2 auf
Schalke trennte sich in der Hälfte der zehn Saisonspiele remis - eigentlich unbefriedigend im Zeitalter der Drei-Punkte-Regel, heute war es aber ein Punktgewinn durch das erste Bundesligator von Edi Glieder. Erstmals seit dem 19. Mai 2001 holte S04 wieder einen 0:2-Rückstand auf, damals gab es beim legendären Meisterfinale ein 5:3 gegen Unterhaching. 

Romeo trifft wieder gegen Schalke
Bernardo Romeo erzielte seinen siebten Doppelpack in der Bundesliga - der letzte war ihm auch gegen Schalke gelungen, beim 3:1-HSV-Sieg am 15. März 2003. Beim 1:0 gab Rahn seine erste Torvorlage im HSV-Dress.

Junge Schalker
Die erste Elf von Schalke war die jüngste seit dem 34. Spieltag der Saison 1994/95 (im Schnitt 26,5 Jahre alt).

Der HSV konnte schwache Schalker nicht schlagen
Das Spiel lebte von seiner Spannung und wurde von beiden Team engagiert geführt. Im spielerischen Bereich wurde aber deutlich, warum beide Mannschaften in der unteren Tabellenhälfte stehen. Schalke enttäuschte über 60 Minuten lang maßlos, dem zumindest etwas stärkeren HSV fehlte die Klasse, eine 2:0-Führung über die Runden zu bringen.

Wächter mit misslungenem Debüt
Stefan Wächter kam nach 82 Spielen auf der Ersatzbank endlich zu seinem Bundesligadebüt, nachdem sich der etatmäßige HSV-Torwart Pieckenhagen unter der Woche einen Kreuzbandriss zugezogen hatte. Bis zur 73. Minute musste er nur einen harmlosen Weitschuss abwehren, dann unterlief er vor dem Anschlusstreffer durch Matellan eine Ecke und brachte Schalke damit wieder ins Spiel. Ein abgewehrter Torschuss, ein schwerer Fehler und zwei Gegentore - keine gute Bilanz für Wächter. 

Schalkes Stürmer enttäuschten wieder
Jupp Heynckes versuchte es heute mit seinem nominell besten Sturm Agali/Sand, aber die beiden Spitzen zeigten wieder zu wenig. Sowohl Sand als auch Agali kamen nur einmal zum Torschuss, erst nach der Auswechslung der beiden drehte Schalke etwas auf. 

Torpremiere für Matellan 
Anibal Matellan war beim HSV der Held der zweiten Spielhälfte: Nachdem er beim 1:0 des HSV durch Romeo noch schlecht ausgesehen hatte, drehte der Argentinier nach der Pause richtig auf - vor allem, nachdem er aufgrund einer Kopfverletzung mit einem "Turban" spielen musste. Matellan erzielte nicht nur sein erstes Bundesligator, er kurbelte mit den meisten Ballkontakten aller Spieler das Offensivspiel an und war enorm zweikampfstark - vielleicht sollte man dem Innenverteidiger vor jedem Spiel eine Kopfnuss geben...
 


 
kicker:
Hamburger SV:  Wächter - Schlicke, Hoogma, Ujfalusi, Hollerbach - Maltritz - Jarolim, Barbarez - Mahdavikia, Rahn - Romeo - Trainer: Toppmöller

FC Schalke 04:  F. Rost - Alcides, Waldoch, Matellan, Kobiashvili - Poulsen, Rodriguez - Pinto, Asamoah - Agali, Sand - Trainer: Heynckes

Tore:   1:0 Romeo (29., Rechtsschuss, Vorarbeit Rahn), 2:0 Romeo (68., Rechtsschuss, Mahdavikia), 2:1 Matellan (73., Linksschuss, Pinto), 2:2 Glieder (90., Rechtsschuss, Waldoch)

Eingewechselt:   52. Wicky für Hollerbach, 59. Beinlich für Barbarez, 73. Takahara für Romeo - 63. Hanke für Sand, 65. Glieder für Agali, 77. Trojan für Asamoah

Schiedsrichter:  Sippel 

Zuschauer:  55386

Gelbe Karten:  Hollerbach, Jarolim, Barbarez, Takahara - Matellan
 

Spielbericht
Nach dem 0:4 am vergangenen Sonntag in Kaiserslautern brannte beim HSV der Baum: Toppmöller ersetzte den entlassenen Jara. Der neue Coach brachte drei neue Kräfte: Da sich Pieckenhagen das Kreuzband gerissen hatte, stand Wächter im Tor. Hoogma und Rahn rückten für Jacobsen und Reinhardt ins Team

Schalkes Trainer Jupp Heynckes musste nach der 0:2-Heimpleite gegen Bochum auf den verletzten Hajto (Muskelfaserriss) verzichten. Dafür stand Alcides in der Start-Elf. Zudem verdrängte Sand den zuletzt schwachen Seitz.

Die Schützlinge von Klaus Toppmöller begannen mit Elan, sie kontrollierten ihren Gegner und bauten ihre Angriffe langsam auf. Die Schalker waren taktisch mit Pinto, Sand, Agali und Asamoah zwar offensiv ausgerichtet, doch sie konzentrierten sich auf die Defensivarbeit. Diese Aufgabe lösten die Königsblauen zu Beginn sehr souverän, denn der HSV rannte sich am Abwehrbollwerk von S04 fest. So ergaben sich kaum Chancen.

Hamburg dominierte, bestach durch Zweikampfstärke, doch die Gelsenkirchener hatten die erste gute Chance des Spiels in der 27. Minute: Einen schnellen Angriff über Pinto, der von rechts hineingab, konnte Sand vom Fünfmeterraum nicht abschließen. Davon ließen sich die Gastgeber nicht beeindrucken, sie spielten genauso weiter und wurden für ihre Beharrlichkeit belohnt: Rahn flankte von der rechten Seite auf Romeo. Der Argentinier nahm den Ball mit der Brust an, legte ihn an Matellan vorbei und schoss. Der Schalker fälschte mit dem Fuß unhaltbar für Rost ab (29.).

Die Schalker wurden für ihre Passivität bestraft und waren nach dem Rückstand gefordert. Sie gingen nun offensiver zu Werke, aber nicht effektiver. Zu viele unnötige Ballverluste und eine fehlende funktionierende Verbindung zwischen Mittelfeld und Sturm machten die Angriffsbemühungen meist schnell zunichte. Die Konsequenz war, dass das Spiel zwar ausgeglichener war, das Niveau aber mehr und mehr abnahm. Der Kampf stand im Mittelpunkt, die Partie wurde immer zerfahrener.

Auch zu Beginn von Halbzeit zwei ging es etwas „ruppiger“ zu. Hollerbach und Barbarez waren die Opfer dieser Spielweise, beide musste angeschlagen ausgewechselt werden. Dafür standen Wicky und Beinlich auf dem Platz. Durch die vielen Nickligkeiten kam kaum Spielfluss zu Stande, die Begegnung drohte in dem einsetzenden Regen zu versinken.

In der 68. Minute rüttelte Romeo mit seinem zweiten Treffer die Fans wach: Mahdavikia bediente den Argentinier, der den Ball per Brust mitnahm. Waldoch, Alcides und Matellen standen sich gegenseitig im Weg, und Romeo schloss kaltschnäuzig ab. Für die Hamburger schien die Partie bereits entschieden zu sein, zumal Beinlich das dritte Tor auf dem Fuß hatte, doch Rost klärte (72.). Schalke, das mittlerweile mit dem Duo Hanke/Glieder stürmte, gab sich aber nicht auf und schaffte den Anschlusstreffer: Pinto schlug eine Ecke in den Strafraum, an der Wächter vorbei segelte. Matellan legte sich den Ball geschickt vor und schoss in das "Wächter-lose" Tor zum 2:1 ein.

In der Folgezeit präsentierten sich die Gelsenkirchener wie verwandelt: Plötzlich spielte die Heynckes-Truppe aktiv nach vorne und bließ zur Schluss-Offensive. Der HSV wollte sich über die Zeit zittern, wurde aber in der 90. Minute durch Glieder bestraft: Hoogma wollte klären, doch Waldoch köpfte zurück in den Strafraum zum freistehenden Glieder, der aus sieben Metern abschloss.

Der HSV spielte bis zur 70. Minute guten Fußball und ließ nie anzweifeln, wer als Sieger den Platz verlässt, doch dann verloren die Toppmöller-Schützlinge den Faden. Sie ließen sich durch den Anschlusstreffer aus der Ruhe bringen und wurden zum Schluss noch bestraft. S04 "stahl" mit einem Kraftakt in den letzten Minuten einen Punkt aus der AOL-Arena.

Spielereignisse im Detail
Schlusspfiff 
 
90
 Die Schalker schaffen den Ausgleich doch noch! Hoogma will den Ball klären, doch Waldoch köpft den Ball zu Glieder, der aus sieben Metern verwandelt. 
 
85 Takahara geht an Kobiashvili vorbei und schießt aus spitzem Winkel. S04-Keeper Rost ist mit dem Fuß dran und klärt. 
 
73
 Der Anschlusstreffer durch Matellan! Pinto schlägt eine Ecke in den Strafraum. Wächter segelt vorbei. Der Argentinier legt sich den Ball geschickt vor und schießt in das "Wächter-lose" Tor zum 2:1 ein. 
 
72 Beinlich spielt zwei Schalker aus und zieht von der Strafraumgrenze ab. Rost kann parieren. 
 
68
 2:0! Die vermeintliche Vorentscheidung? Von der rechten Seite bedient Mahdavikia Romeo, der den Ball per Brust annimmt. Waldoch, Alcides und Matellen stehen sind völlig verwirrt und greifen nicht an. Romeo schließt kaltschnäuzig ab. 
 
61 Hollerbach spitzelt das Leder vom Fuß von Waldoch. Romeo schnappt sich den Ball und schießt aus spitzem Winkel, aber die Kugel fliegt über den langen Pfosten hinaus. 
 
52
 Hollerbach muss nach einem Foul von Agali ausgewechselt werden. Für den Linksaußen agiert nun Wicky. 
 
48 Barbarez marschiert durch das Mittelfeld, will von der Strafraumgrenze schießen, doch Waldoch ist im letzten Moment mit dem Fuß dazwischen. 
 
  Anpfiff 2. Halbzeit 
 
  Halbzeit 
 
45 Rost hat bei einem Freistoß von Jarolim Probleme. Der Ball ist lange in der Luft, Rost reagiert erst im letzten Moment und klärt zur Ecke. 
 
29
 Die Führung für die Toppmöller-Truppe! Rahn flankt von der rechten Seite auf Romeo. Der Argentinier nimmt den Ball mit der Brust an, legt ihn an Matellan vorbei und schießt. Der Schalker fälscht mit dem Fuß unhaltbar für Rost ab. 
 
27 Die bisher beste Chance im Spiel. Schneller Angriff der Königblauen über Pinto, der von der rechten Seite hereingibt. Sand erwischt am Fünfmeterraum das Leder nicht richtig und schießt vorbei. 
 
22 Die erste Chance für S04. Der agile Pinto hält aus 18 Metern drauf. HSV-Keeper Wächter besteht seine erste Bewährungsprobe in der Bundesliga ohne Probleme. 
 
12 Mahdavikia versucht es mit einem Distanzschuss aus der zweiten Reihe. Für Rost ist das nur eine Aufwärmübung. 
 
  Anpfiff 


 
dpa meldet:

Schalke verdirbt Toppmöller-Einstand beim HSV: 2:2
 
Hamburg (dpa) - Zwei Trainingseinheiten reichten Klaus Toppmöller nicht für einen Einstand nach Maß: Der Hamburger SV verschenkte in letzter Minute mit dem 2:2 (1:0) gegen den FC Schalke 04 wichtige Punkte in der Fußball-Bundesliga.

Mit einem Doppelpack hatte Bernardo Romeo (29./68.) den HSV scheinbar auf die Siegerstraße gebracht, doch der Revierclub drehte in der Schlussphase die Partie und kam durch Anibal Matellan (73.) und den eingewechselten Eduard Glieder (90.) mit seinem ersten Bundesliga-Tor noch zum Ausgleich.

Trotz des Aufruhrs um die Entlassung von Vorgänger Kurt Jara war den Hanseaten am Samstag vor 55 386 Zuschauern zunächst kaum Unsicherheit anzumerken. «Nach der turbulenten Woche muss ich mit der Mannschaft zufrieden sein», sagte Toppmöller, der monierte, dass in der letzten 15 Minuten «kein Fußball mehr gespielt wurde». «Von einer routinierten Truppe kann ich etwas anderes erwarten, als dass sie die Bälle wegschlägt», meinte der Rheinländer, der sein Team vor dem Pokalspiel in Unterhaching auf die vielen Fehler ansprechen will. Unzufrieden war Gegenüber Jupp Heynckes, der bei seiner Elf die Initiative vermisste: «Sie hat ihr Potenzial wieder nicht ausgespielt.»

Vorsicht bestimmte das Spiel der Hamburger, die Toppmöller mit der Einwechslung von Nationalspieler Christian Rahn und der Wieder- Einführung der Viererkette umgestellt hatte. Die nach 19 Gegentoren viel kritisierte Abwehr präsentierte sich um den trotz einer Fußverletzung starken Nico-Jan Hoogma vor allem in der ersten Halbzeit gut aufgestellt. Für den verletzten Martin Pieckenhagen (Kreuzband) machte Ersatzkeeper Stefan Wächter anfangs einen guten Eindruck, patzte aber beim ersten Gegentor.

Ohne sechs Stammspieler wie Tomasz Hajto und Nico van Kerckhoven kamen die «Königsblauen» nur schwer ins Spiel. Die einzige Chance von Ebbe Sand, dem Jupp Heynckes erstmals nach dem fünften Spieltag wieder vertraute, hätte jedoch sogleich die Führung für die Gäste bringen müssen. Der Däne verpasste nach einem Konter in der 27. Minute eine glänzende Hereingabe von Sergio Pinto.

Nur zwei Minuten später nutzte Romeo einen der vielen glänzenden Freistöße von Rahn und ließ Schalke-Schlussmann Frank Rost aus acht Metern keine Chance. Sekunden vor dem Halbzeitpfiff brillierte Rahn mit einem weiteren Freistoß, den Rost bestens parierte. Damit ging Toppmöllers Rezept auf, Standardsituationen besser zu nutzen. «Das Spiel war zwar von Angst geprägt, aber der HSV hat mehr Mut gezeigt», sagte Uwe Seeler.

Schalke ging zwar engagierter, aber ohne Durchsetzungsvermögen in die zweiten 45 Minuten. Opfer der harten Zweikämpfe wurden Bernd Hollerbach und Sergej Barbarez, die beide mit Verletzungen am Sprunggelenk vom Feld mussten. Während Hollerbach wohl länger ausfällt, könnte Barbarez im Pokal wieder dabei sein. Der zuletzt in Ungnade gefallene Bosnier wurde erstmals wieder von den Fans gefeiert.

Das spielerische Übergewicht des HSV mündete in das zweite Tor von Romeo, der einen Pass von Mehdi Mahdavikia eiskalt nutzte. Trotz einer Kopfverletzung leitete Matellan mit seinem Anschlusstreffer einen Sturmlauf der Schalker ein. Doch auch Naohiro Takahara hätte fünf Minuten vor Schluss das Resultat für den HSV noch erhöhen können. Das rächte sich: Joker Glieder nutzte seine Möglichkeit zum 2:2.