Bundesliga 2003/2004, 11. Spieltag, 02.11.03 im Dortmunder Westfalenstadion

BVB 09 Borussia Dortmund  -  Hamburger SV 3:2 (0:1)

Da hatte mir die DFL einen netten "Streich" gespielt. Nach Dortmund bin ich ja immer gern gefahren. Aber diesmal wurde das Spiel leider auf Sonntag gelegt und genau an diesem Tag begann unser einwöchiger Türkeiurlaub, in dem ich mit 8 Freunden war.

So konnte ich das Spiel leider nicht sehen, sondern nur per SMS von Freunden informieren lassen.

Nach dem 2:0 für uns waren die HSVer unter uns natürlich hellauf begeistert. Unfassbar, daß man dann noch 2:3 verliert. Mehr kann ich dazu nicht sagen, weil ich morgens nur die 3 Dortmunder Tore im Frühstücksfernsehen noch einmal zu sehen bekam. 

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 

Fünf grandiose Minuten der BVB-Rumpfelf reichen für den HSV

Dortmund/München - Westfalenstadion Dortmund. 63 Minuten gespielt in der Bundesligapartie zwischen der gastgebenden Borussia und dem Hamburger SV. Totenstille trotz 78.000 Zuschauern - der HSV führt durch Tore von Bastian Reinhardt (14.) und Bernardo Romeo (60.) mit 2:0.
Nur fünf Minuten und acht Sekunden später. Und siehe da: Die 78.000 mittlerweile in totaler Ekstase, schrieen sich die Lunge aus dem Leib. Was war passiert?

308 völlig verrückte Sekunden
Die Erklärung war ebenso einfach wie verrückt: In diesen 308 Sekunden hatte die Borussia aus dem 0:2 ein 3:2 gemacht. Jan Koller (64./66., Foulelfmeter) und Ewerthon (69.) hatten die Frustration der Fans in Euphorie verwandelt.
"Darauf können wir uns schon etwas einbilden", frohlockte Lars Ricken. "Wir haben weiter an uns geglaubt. Solche Siege sind die schönsten", jubelte der Mittelfeldspieler, der das entscheidende Tor durch Ewerthon traumhaft vorbereitet hatte.

Koller lobt die Moral, Ricken die Fans
"Mit gutem Charakter und Moral haben wir das Spiel noch gewonnen", schlug Doppel-Torschütze Koller nach dem sechsten Heimsieg im sechsten Spiel in die gleiche Kerbe.
Das Lob gab Ricken aber gleich an einen "Mannschaftskamerad" weiter. Nämlich an den Mann mit der imaginären Nummer zwölf. "Mannschaft und Fans sind eine Einheit. Die Fans wissen, worum es geht. Die haben auch nach dem 0:2 nicht gepfiffen, sondern uns weiter angefeuert".

Ausnahmezustand in Dortmund
Haben die Fans etwa nicht das Recht zu pfeifen, wenn der Meisterschafts-Anwärter Dortmund gegen die abstiegsbedrohten Hamburger 0:2 hinten liegt? In Dortmund ist dieser Tage nichts so, wie es war.
Eine Verletztenliste, die sich mittlerweile liest wie die Aufstellung eines potenziellen Champions-League-Siegers. Youngster wie David Odonkor, Salvatore Gambino, Markus Brenzska oder Amos Sasy auf dem Feld bzw. auf der Bank.

Sammer warnt beständig
Da kann man Matthias Sammer verstehen, wenn der nicht müde wird, den mahnenden Zeigefinger zu heben. "Wir haben jetzt 22 Punkte, da kann man etwas beruhigter sein. Aber im Fußball kann alles sehr schnell gehen. Das hat man bei Leverkusen in der letzten Saison gesehen", warnte der BVB-Trainer.
"Die Gefahr bleibt bestehen. Wir haben keine Möglichkeit, jemanden zu wechseln. Wir müssen sehen, dass wir das einigermaßen auffangen. Das ist keine Schwarzmalerei, sondern Realität", erklärte Sammer.
Und rechtfertigte seine Sicht der Dinge gleich noch mal: "Man gestattet Borussia Dortmund nicht zu schwächeln. Deshalb war es wichtig, etwas deutlicher zu werden", verteidigte sich Sammer.

Jetzt warten Sochaux und Bayern
Dabei darf man das Sammer durchaus nachsehen. Immerhin fehlen dem Europameister von 1996 13 Profis (die meisten davon sind sogar langzeitverletzt). Und am Donnerstag geht es im Uefa-Cup gegen Sochaux, am Sonntag steht dann die Reise zu Meister Bayern München auf dem Programm.
Dennoch schlagen nicht alle in Dortmund leise Töne an. "Das wird ein spannendes und aufregendes Spiel", sagte Ricken schon mal für das Schlagerspiel im Olympiastadion voraus, wo der BVB 1997 mit dem Sieg in der Champions League den größten Erfolg der Vereinsgeschichte feierte.

Toppmöller mit offener Kritik an Jara
Von solchen Momenten kann der HSV im Moment nur träumen. Daran hat auch der Trainerwechsel nichts geändert. Besonders bitter: Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche verspielten die Hamburger eine 2:0-Führung.
Zufall? Klaus Toppmöller hatte da eine andere Theorie. "Die Jungs haben nichts drauf. Da fehlt absolut die Kondition", kritisierte der Neu-Hamburger ausgesprochen deutlich die Arbeit seines Vorgängers Kurt Jara.
"Dass alle Dämme brechen, ist unverständlich. Wir haben ja erfahrene Spieler", konnte sich "Toppi" die fünf Chaos-Minuten nicht anders erklären. Wenn er es sich da mal nicht zu einfach macht.

Reinhardt "leer" vor dem Scherbenhaufen
Torschütze Reinhardt, der beim ersten Gegentor schlecht aussah, suchte die Schuld lieber woanders. "Wir haben nach dem 2:0 aufgehört Fußball zu spielen", klagte der Verteidiger. Ansonsten blieb aber auch dem Ex-Bielefelder nur Rätselraten.
"Es ist wie verhext bei uns. In fünf Minuten so ein Knockout, das habe ich noch nie erlebt. Du begreifst es nicht, du stehst vor einem Scherbenhaufen. Das ist eine unglaubliche Leere", beschrieb Reinhardt seinen Gemütszustand.
Scherben zusammenfügen, leere Köpfe füllen, Kondition bolzen - auf Toppmöller wartet in Hamburg jetzt richtig viel Arbeit.
 

Daten: Westfalenstadion uneinnehmbar

Weste im Westfalenstadion bleibt weiter weiß
Im sechsten Heimspiel der Saison gelang Dortmund der sechste Sieg. Die ersten sechs Heimspiele einer Saison hatte der BVB zuvor nur einmal im Meisterjahr 1994/95 unter Ottmar Hitzfeld gewonnen. Mit dem Sieg baute Dortmund seine Stellung als die Nummer eins der Heimtabelle aus. Keine Selbstverständlichkeit: Die letzten vier Spielzeiten belegte Dortmund am Saisonende durchschnittlich Rang acht der Heimtabelle.

Hamburger ohne Führungsmoral
Nachdem die Hamburger bereits ihr letztes Heimspiel gegen Schalke nach einer 2:0-Führung nicht gewinnen konnten, gab es in Dortmund erstmals nach über 17 Jahren wieder eine Niederlage nach einem solchen Vorsprung. Die zuvor letzte Schlappe nach einer 2:0-Führung kassierten die Hamburger am 25. Januar 1986 beim 2:3 In Leverkusen. Die Dortmunder hingegen münzten erstmals seit dem 10. Juni 1995 einen 0:2-Rückstand wieder in einen Sieg um. Damals gelang dies beim 3:2-Sieg in Duisburg.

HSV kommt nicht aus der Krise
Der HSV hat bereits jetzt so oft verloren (sechs Mal) wie in der kompletten Hinrunde der letzten Saison. Zudem kassierten die Hamburger ligaweit die meisten Gegentore (24).

Salvatore Gambino debütierte
Erstmals kam Gambino in der Bundesliga zum Einsatz. Zuvor stand der 19-Jährige nur zwei Mal im Bundesliga-Kader der Borussen. Gambino erzielte in der Regionalliga-Truppe der Dortmunder in dieser Saison sieben Treffer in zehn Spielen.

Nach der Pause schlug der BVB eiskalt zu
Vor der Pause präsentierten sich die Dortmunder vor eigenem Publikum harmlos wie selten zuvor. Nur sechs Torschüsse gab der BVB in der ersten Spielhälfte ab und fabrizierte damit erneut einen Saisonminusrekord. Die Hamburger hingegen zeigten sich bis zur Pause effektiv und erzielten mit nur drei Torschüssen die 1:0-Pausenführung . Nach der Pause waren die Dortmunder dann effektiver und markierten drei Tore bei nur sieben Torschüssen.

Reinhardt hatte Koller nicht im Griff
Bastian Reinhardt sollte mit seiner Kopfballstärke den langen Jan Koller ausschalten. Die Schuss ging nach hinten los: Koller gewann 69 Prozent der direkten Duelle gegen Reinhardt und wurde mit zwei Toren zum Matchwinner.

Gambino ohne Wirkung
Salvatore Gambino blieb bei seinem Bundesligadebüt ohne Wirkung. Der Italiener war an keinem Torschuss seiner Mannschaft beteiligt und entschied nur die Hälfte seiner Zweikämpfe für sich.

Fleißiger Wörns
Christian Wörns bestritt von allen Dortmundern auf dem Platz die meisten Zweikämpfe (30) und gewann davon für einen Verteidiger gute 67 Prozent. Auch für die Offensive fand der Nationalspieler Zeit und gab zwei Torschüsse ab - von allen Abwehrspielern die meisten.


 
kicker:
Borussia Dortmund:  Weidenfeller (3,5) - Fernandez (2,5), Wörns (3), Bergdölmo (3), Jensen (3) - S. Reuter (4,5), Ricken (4) - Gambino (3) - Odonkor (4) - Koller (2), Ewerthon (3,5) - Trainer: Sammer

Hamburger SV:  Wächter (3,5) - Wicky (3,5), Hoogma (4), Reinhardt (4), Ujfalusi (4,5) - Maltritz (3) - Jarolim (2,5), Beinlich (4,5) - Barbarez (4,5) - Mahdavikia (4), Romeo (4) - Trainer: Toppmöller

Tore:   0:1 Reinhardt (14., Rechtsschuss, Vorarbeit Jarolim), 0:2 Romeo (60., Rechtsschuss, Maltritz), 1:2 Koller (64., Kopfball, Jensen), 2:2 Koller (66., Foulelfmeter, Rechtsschuss, Fernandez), 3:2 Ewerthon (69., Kopfball, Ricken)

Eingewechselt:   60. Senesie (4) für Odonkor, 79. M. Metzelder für Gambino - 74. Takahara für Jarolim, 78. Cardoso für Beinlich

Chancenverhältnis:  6:3

Eckenverhältnis:  6:5

Schiedsrichter:  Kemmling  (Kleinburgwedel), Note 2,5 - souveräne Vorstellung, Elfmeter war korrekt, nur mit kleinen Fehlern bei der Beurteilung von Zweikämpfen

Zuschauer:  78000

Gelbe Karten:  Jensen, S. Reuter - Barbarez, Hoogma, Reinhardt, Ujfalusi, Wicky

Spielnote:  2,5

Spieler des Spiels:  Koller, Jan
Ausgangspunkt der Aufholjagd, übernahm beim Elfmeter die Verantwortung. Erzielte die Saisontore fünf und sechs.

Analyse
Die Verletzungsmisere bei Borussia Dortmund hinterließ auch in der Startaufstellung ihre Spuren: Trainer Matthias Sammer musste mit Gambino und Odonkor auf zwei Offensivkräfte aus dem Regionalligateam zurückgreifen. Im Gegensatz zum Pokalspiel in Gladbach (1:2) blieben der in der Liga Rot-gesperrte Kehl sowie Reina draußen. HSV-Coach Klaus Toppmöller musste sein Team nach dem 4:2 im DFB-Pokal in Unterhaching in der Defensive umstellen: Für Rahn und Schlicke spielten Wicky und Reinhardt.

Der BVB startete vor heimischen Publikum gut in die Partie und versuchte zu Beginn über den flinken Odonkor zum Erfolg zu kommen. Drei Mal stellte der 19-Jährige seine Schnelligkeit unter Beweis, doch mehr als eine Kopfballchance durch Koller sprang für die Dortmunder nicht heraus.

Und dann ging der Hamburger SV mit seiner ersten Möglichkeit in Führung: Einen Mahdavikia-Freistoß wehrte Wörns in die Mitte ab, Jarolim zog aus der Distanz ab. In der Nähe des Fünfmeterraums hielt der aufgerückte Reinhardt den rechten Fuß hin und lenkte den Ball unhaltbar für BVB-Keeper Weidenfeller zum 1:0 für die Hanseaten ins Netz (14.).

Mit der Führung im Rücken gewann das Spiel der Hamburger an Sicherheit. Die Männer von Trainer Klaus Toppmöller standen nun massiv in der eigenen Defensive und bewiesen auch bei ihren Vorstößen ihr spielerisches Potenzial. Dortmund, durch den Rückstand aus dem Konzept gebracht, fand gegen die Deckung der Hamburger kein Mittel und verzeichnete im ersten Durchgang keine einzige nennenswerte Tormöglichkeit.

Ohne personelle Veränderungen betraten beide Teams nach dem Pausentee den Rasen im Westfalenstadion. Und zunächst hatte der HSV das Spiel unter Kontrolle, Dortmund fand gegen die konzentrierten Hamburger einfach keine Mittel. Logische Konsequenz war das 2:0 für den HSV durch Romeo, das eine Kopie des Führungstreffers war. Der Argentinier traf nach einem erneuten Mahdavikia-Freistoß nach 60 Minuten.

Der HSV sah gegen verunsicherte und ersatzgeschwächte Dortmunder schon wie der sichere Sieger aus, doch dann geschah das Unglaubliche, und der BVB drehte binnen fünf Minuten die Partie!

Auslöser war der Anschlusstreffer durch Koller, der eine Flanke von Jensen per Kopf ins Hamburger Tor verlängerte (64.). Nur zwei Minuten später konnte sich Ujfalusi im Strafraum gegen Fernandez nur mit einem Foul behelfen, den fälligen Strafstoß verwandelte Koller sicher zum Ausgleich. Wiederum nur drei Minuten danach narrte Ricken dem über eine Stunde nahezu nichts gelang mit einem Dribbling sowohl Wicky als auch Mahdavikia, seine Flanke konnte der völlig freistehende Ewerthon aus fünf Metern über die Linie drücken.

Klaus Toppmöller brachte mit Takahara und Cardoso nochmals frische Kräfte für die Offensive. Der HSV, der in fünf Minuten das Spiel herschenkte, setzte zwar alles auf eine Karte, doch gegen nun aufopferungsvoll kämpfende Dortmunder schafften die Toppmöller-Schützlinge nicht mehr den Ausgleich.

Mit einer Energieleistung hat das "letzte Augebot" von Borussia Dortmund nach zwischenzeitlichem 0:2-Rückstand das schon verloren geglaubte Spiel gegen den Hamburger SV binnen fünf außergewöhnlichen Minuten noch gedreht und feierte am Ende einen 3:2 (0:1)-Erfolg.
 

Spielereignisse im Detail
  Schlusspfiff 
 
90 Nach Fehler von Wicky hat Ewerthon freie Bahn, doch erneut pariert Wächter. 
 
84 Wächter bewahrt seine Farben vor einem höheren Rückstand. Koller legt auf Senesie ab, Wächter hält glänzend und ist auch noch im Nachfassen einen Schritt schneller als Ewerthon. 
 
69
 Unglaublich, was im Westfalenstadion abläuft. Ricken narrt im Strafraum Wicky und Mahdavikia, seine Flanke verwandelt der völlig freistehende Ewerthon per Kopf. Innerhalb von fünf Minuten dreht Dortmund die Partie! 
 
66
 Asgleich für den BVB! Koller legt Fernandez den Ball in die Gasse, Ujfalusi kann sich nur mit einem Foul behelfen, Schiedsrichter Kemmling pfeift Strafstoß. Koller tritt an und verwandelt sicher. 
 
64
 Dortmund erzielt den Anschlusstreffer! Ricken legt auf Jensen ab, der sofort in den Strafraum flankt. Koller gewinnt das Kopfballduell gegen Reinhardt und verkürzt auf 1:2. 
 
60
 Der HSV erhöht mit einer Kopie des Führungstores auf 2:0. Wieder Freistoß von Mahdavikia, beim anschließenden Distanzschuss landet der Ball über Maltritz bei Romeo. Der Argentinier bleibt kühl und erzielt aus kurzer Distanz das 2:0. 
 
54 Ricken im Zusammenspiel mit Koller. Die Hereingabe des BVB-Kapitäns wird aber von der HSV-Defensive abgewehrt. 
 
  Anpfiff 2. Halbzeit 
 
  Halbzeit 
 
45 Flanke von Bergdölmo, doch Wächter im HSV-Tor hat keine Probleme, den Ball herunter zupflücken. Keine einzige nennenswerte Torchance konnte sich der BVB in der ersten Hälfte erarbeiten. 
 
37 Hereingabe von der linken Seite, Koller legt für Wörns ab, doch der Schuss des Nationalverteidigers geht weit über das Tor. 
 
27 Gute Möglichkeit nun für die Dortmunder, doch Ewerthon ist bei der Hereingabe von Gambino nicht auf dem Posten und verpasst die Chance. 
 
14
 1:0 für den HSV. Ein Mahdavikia-Freistoß wird von Wörns zur Mitte abgewehrt, Jarolim schießt auf das Tor. Kurz vor dem Fünfmeterraum hält Reinhardt den rechten Fuß hin und lenkt den Ball unhaltbar für BVB-Keeper Weidenfeller ins Netz. 
 
7 Erneut Odonkor, der Maltritz stehen lässt. Der HSV-Spieler kann sich nur mit einem Foul behelfen, Schiedsrichter Uwe Kemmling belässt es bei einer Ermahnung. 
 
4 Odonkor stellt nach Doppelpass mit Ricken erstmals seine Schnelligkeit unter Beweis, die HSV-Abwehr kann die Flanke des 19-Jährigen zum Eckball klären. 
 
Anpfiff