Bundesliga 2003/2004, 14. Spieltag, Samstag, 29.11.03 in der Hamburger AOL Arena bei herbstlich und trotzdem ein wenig sonnigen 9 Grad C

Hamburger SV - SV Werder Bremen 1:1 (0:1)

Ich weiß mal so gar nicht, wie lange es her ist, daß ich meinen letzten Spielbericht zu einem live gesehenen Spiel geschrieben habe. Kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Es dürfte jedenfalls über einen Monat sein. 

Und dann durfte ich nach sooo langer Zeit gleich ein Spiel gegen eine aktuelle Spitzenmannschaft sehen. Und ich muß schon sagen, daß ich doch etwas Bammel vor dem Gegner Bremen hatte. Denn Bremen hat ja leider einen äußerst guten Lauf und steht ganz oben in der Bundesliga. Und wir haben zuletzt ja auch nicht gerade berauschend gespielt.

Gott sei dank war es aber wenigstens ein Heimspiel, sodaß man etwas Hoffnung haben konnte.

Nun ging das Spiel aber denkbar schlecht los. Bereits nach wenigen Sekunden vertendelte ein HSVer den Ball und brachte damit Ailton auf den Weg, der sofort seine erste 100 %ige Chance hatte – und glücklicherweise vergab.

Sofort danach hatte Werder die nächste hochkarätige Chance – und vergab wieder. Ganz so dramatisch ging es nicht die ersten 45 Minuten durchgehend weiter, aber leider so in etwa. Jedenfalls hatte Werder genügend Chancen und der HSV praktisch gar keine. Leider mangelte es aber nicht nur an Chancen, sondern auch an jeglichem Spielfluß. Und die Abwehr sah teilweise unglaublich schlecht aus. Dabei ragten Benjamin und Ujfalusi heraus – in negativer Hinsicht. 

Irgendwann kam dann das Gegentor. Und es war sooo bescheuert. Der Ball wurde steil gespielt Richtung Hamburger Strafraum und „dank“ der Lahmheit unserer Abwehr konnte man sehen, daß Ailton den Ball wieder bekommen würde. Also lief Wächter raus und wehrte den Ball ab. Leider nur nicht sehr weit und direkt vor Ernsts Füße. Der nutzte die Gelegenheit und schoss von dort direkt aufs Tor. Die beiden Hamburger Verteidiger, die das Tor verteidigten, konnten den halbhohen Schuss leider nicht abwehren und so war der Rückstand besiegelt.

So wie das bisherige Spiel lief, war nun eigentlich jegliche Hoffnung dahin. Bis zu diesem Zeitpunkt spielten wir nämlich so elend, daß ich eigentlich nur hoffen konnte, daß wir mal eine unserer doch recht zahlreichen Standardsituationen nutzen konnten. Nur waren wir ja ähnlich gefährlich wie immer bei unseren Standards...

Zum Ende der Halbzeit wurde der HSV wenigstens etwas besser, aber richtig große Hoffnung konnte das nicht verleihen. Man konnte nur auf eine heftige Gardinenpredigt in der Halbzeit und eine Trendwende in der 2. Halbzeit hoffen. 

In der zweiten Halbzeit kam dann Christian Rahn für Wicky. Ich hätte statt Wicky zwar eher Benjamin rausgenommen, aber die Einwechslung Rahns war wohl wirklich fällig und zudem DER Wendepunkt für den HSV.

Man hat aber sehen können in der 1. Halbzeit, daß Beinlich einfach verschenkt ist auf der linken Seite. Da braucht man ihn nicht einzusetzen. Dann kann man lieber gleich Rahn bringen.

Jedenfalls brachte Rahn dann die Wende. Der HSV hatte sofort nach Beginn der 2. Halbzeit zwei 100 %ige Chancen, die leider nicht genutzt wurden. Zunächst hatte Barbarez eine Kopfballchance, die der Torwart parieren konnte. Da hätte man aber vielleicht auch etwas genauer köpfen können. Und danach lief Mahdavikia auf den Torwart zu und scheiterte ebenfalls. Auch hier hatte ich das Gefühl, daß es weniger absolute Glanzparaden waren, sondern eher nicht wirklich gut plaziert wurde.

Dann kam aber eine besser platzierte Chance. Rahn schoß einen Freistoß aus halbrechter Position flach ins Tor. Da kommt man wohl nicht umhin, dem Torwart einen Großteil der Schuld zu geben, denn von dort werden üblicherweise keine Freistöße direkt verwandelt. Jedenfalls sagte ich noch direkt vorm Freistoß zu meinem Kumpel., daß Rahn doch hoffentlich flanken würde und nicht wieder eigensinnig selbst schießen. Ich finde nämlich, daß Rahn gute Flanken schlägt. Aber er schießt mir den ein oder anderen Freistoß zu oft direkt aufs Tor. Und genau das dachte ich vor dem Freistoß.

Und dann war der Sack auch noch tatsächlich wieder so eigensinnig... ;-))))

Ich dachte noch einen Moment, daß er mich ja auch Lügen strafen könnte und dann schlug es auch schon ein.

Rahn war aber nicht nur wegen des Tores sehr wichtig für die gute 2. HSV-Halbzeit. Er gewann auch fast alle Zweikämpfe und schlug mehrere gute Flanken.

Leider vergab er auch er aber noch Chancen. Und davon hatten wir in der zweiten Halbzeit wirklich so viele und auch hochkarätige, daß es nicht unverdient gewesen wäre, wenn wir das Spiel noch gewonnen hätten.

Werder ließ in der zweiten Halbzeit doch sehr nach. Allerdings waren sie nicht so unterlegen wie wir in der 1. Halbzeit. Chancen hatte sie aber kaum noch. Ailton hatte eigentlich eine 100 %ige und Lisztes hätte ebenfalls ein Tor machen können.

Doch da konnte der HSV schon mehr aufbieten. Einen echten Aufreger gab es noch, als ein Werderaner auf der Linie den Ball recht offensichtlich mit der Hand abwehrte. Dies schien sogar der Schiri gesehen zu haben, denn er zeigte an, daß es sich um den berühmten „angelegten Arm“ gehandelt hätte. Ob das stimmt, kann ich aus meiner Sich kaum beurteilen. Aber da im Radio gerade von einem nicht gegebenen Elfer gesprochen wurde und der Bremer Torhüter Reinke sich ebenfalls sehr in dieser Richtung äußerte, kann man wohl zumindest glauben, daß ein Elfer keine Fehlentscheidung gewesen wäre.

Nichtsdestotrotz denke ich, daß ein Unentschieden ganz o.k. war und bin nicht sehr unzufrieden. Auch wenn wir in meinen Augen letztendlich mehr gute Chancen hatten als Werder, so hätten wir in der 1. Halbzeit ja auch abgeschossen werden können.

Von daher bin ich zufrieden. Nun geht es aber sehr schwer für den HSV weiter mit dem Auswärtspokalspiel in Bayern und danach in der Bundesliga in Stuttgart. Ich bete, daß ich in Stuttgart dabei sein werde. Dann wäre ich sehr glücklich (was allerdings nur teilweise etwas mit dem HSV zu tun hätte).

Meine Spielerbewertung:

Wächter: tadellose und sichere Leistung. Furcht braucht man gegnerischen Schüssen jedenfalls nicht zu haben. Stefan hat sich sehr gut in seine Aufgabe als Pieckenhagen-Vertretung reingefunden. Note 2

Reinhard: fangen wir mal mit dem besten Verteidiger an. Ich kann mich wirklich nicht entsinnen, daß er überhaupt einen Zweikampf verloren hätte. Er stand wirklich sehr sicher: Note 2

Hoogma: spielte durchschnittlich und sehr unauffällig: Note 4

Ujfalusi: ich fand ihn heute unglaublich schlecht. Wirkte ständig unsicher. Das Ailton kein Tor machte, lag in meinen Augen weniger an Ufjalusi, sondern mehr daran, daß Ailton keinen guten Tag hatte. Note 5

Wicky: spielt nur in der 1. Halbzeit. Dabei sah er öfter schlecht aus. Das lag aber auch an vielen schlechten Anspielen von Beinlich. Ich hätte eher andere ausgewechselt: Note 4

Rahn (2. Halbzeit): brachte viel Schwung mit und sorgt entscheiden für die Wende. Sehr gutes Spiel. Wenn er konstant so spielen kann, wird er sicher ein Stammspieler beim HSV. Aber er ist ja schon mehrfach etwas weggebrochen: Note 1

Benjamin: War für mich neben Ujfalusi einer der Unsicherheitsherde des HSV. Offensiv ging es, aber defensiv furchtbar durch etliche Stockfehler: Note 5

Maltritz: Marcel fiel heute kaum auf. Ging in der 1. Halbzeit mit unter und steigerte sich in der 2. Halbzeit dann zumindest etwas: Note 4

Beinlich: in der 1. Halbzeit sehr schlecht und in der 2. Halbzeit deutlich verbessert. Insgesamt: Note 3

Barbarez: hatte heute nicht ganz so viele auffällige Szenen wie sonst. Trotzdem an den meisten positiven Szenen des HSV beteiligt: Note 3

Mahdavikia: Ebenfalls nicht so auffällig wie sonst. Konnte sich kaum einmal rechts gut durchsetzen und zu einem Flankenlauf ansetzen: Note 3-

Takahara: Der Junge hing völlig in der Luft. Er mühte sich zwar, aber es gelang ihm nur wenig: Note 4-
 

Schiri Fandel: Heute fand ich den Konzertpianisten ingesamt o.k..  Wenn es tatsächlich ein Handelfer für den HSV gewesen wäre, hat er uns zwar doch irgendwie benachteiligt, aber insgesamt würde ich das nicht behaupten. Note 3

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 

29. Remis zwischen Hamburg und Bremen perfekt

Tabellenführung verpasst, aber Thomas Schaaf wollte sich einfach nicht in der Öffentlichkeit darüber ärgern. 

"Man muss auch mal mit einem Punkt zufrieden sein", wiederholte Werder Bremens Trainer nach dem 1:1 (0:1) im 79. Nordderby beim Hamburger SV gebetsmühlenartig, "wir haben doch nichts verloren und unsere Chancen nach oben gewahrt." 

Bremen lässt sich den "Schneid abkaufen"
Da war sie wieder, die Bremer Bescheidenheit. Aber Schaaf und seine Spieler wissen wohl selbst am besten, dass man solche Partien gewinnen sollte, wenn man ernsthaft an den Titel denkt. 
"Wir haben gezeigt, was wir drauf haben, aber in der zweiten Hälfte haben wir uns etwas den Schneid abkaufen lassen", sagte Fabian Ernst. 

Fandel verweigert HSV einen Strafstoß
Schließlich hatte Bremen sogar noch Glück, dass sich Schiedsrichter Herbert Fandel drei Minuten vor Schluss nicht zu einem Handelfmeter für den HSV durchringen konnte, als Paul Stalteri einen Kopfball von Bastian Reinhardt mit dem Arm auf der Linie abwehrte. 
"Das war ein klares Handspiel, er verschafft sich einen klaren Vorteil," meinte HSV-Trainer Klaus Toppmöller, "da kann man auch mal Elfmeter geben". 

"Den kann man pfeifen"
Nur eine Woche nach seinem "falschen" Platzverweis gegen Hasan Salihamidzic in München stand Fandel damit erneut im Mittelpunkt. "Es war auf keinen Fall Strafstoß", sagte der Unparteiische, "der Arm ging nicht zum Ball." 
Aber jeder Bremer wusste, dass in dieser Szene durchaus Glück im Spiel war: "Den kann man pfeifen", sagte Torwart Andreas Reinke, "aber über die Saison gleicht sich sowas aus." 

SVW dominiert in der ersten Hälfte
Dabei war es eine Demonstration der Spitzenklasse, die die Grün-Weißen im ersten Durchgang vor 55.500 Zuschauern in der ausverkauften AOL-Arena auf den Rasen zauberten. 
Spielerisch, technisch, taktisch und läuferisch dominierte Werder die Gastgeber, die zu Beginn große Schwierigkeiten hatten, überhaupt ins Spiel zu finden. "Ich habe meine Spieler in der Pause gefragt, wovor sie denn Angst haben", meinte Toppmöller. 

Ailton vergibt "Hundertprozentige"
Vor Ailton zum Beispiel, Johan Micoud oder Fabian Ernst. "Werders Asse trumpfen auf", hatten die mitgereisten Fans auf Plakaten mit Zeichnungen ihrer Topstars geschrieben, und schon nach 26 Sekunden hatte Ailton eine hundertprozentige Torchance. 
Doch außer der 1:0-Führung durch Ernst (28.) sprang beim Bremer Einbahnstraßenfußball nichts Zählbares heraus. 

"Gelegenheit zum Sieg war da"
"Wir haben unsere Chancen im ersten Durchgang nicht genutzt", bedauerte Schaaf, "die Gelegenheit zum Sieg war da." 
Doch Ailton, Micoud und Krisztian Lisztes, sie alle waren diesmal letztlich nicht konsequent und abgebrüht genug und gaben dem HSV dadurch die Chance, in ein Spiel zurückzukommen, an dem er in den ersten 45 Minuten praktisch nicht teilgenommen hatte. 

Toppmöller wechselt die Wende ein
Toppmöller wechselte zur Pause mit Christian Rahn auch die Wende ein. Der Nationalspieler flankte auf Sergej Barbarez, dessen Kopfball Andreas Reinke erstklassig parierte (46.), schoss aus 13 Metern drüber (47.) und verwandelte dann einen Freistoß direkt zum Ausgleich (50.). 
Aus halbrechter Position drehte er die Kugel flach mit dem linken Fuß ins kurze Eck. "Alle haben mit einer Flanke gerechnet, da habe ich einfach draufgehauen", sagte der Blondschopf. 

Schaaf ärgert sich
Der HSV war plötzlich im Spiel, hatte Chancen und drückte die Bremer in die Defensive. Die große Souveränität war weg, die Bremer wirkten wie ein ganz normales Bundesligateam. "Das war die schlechteste zweite Hälfte seit Wochen", sagte Ivan Klasnic. 
So ärgerte sich Schaaf dann auch doch noch öffentlich über das weggeschenkte Tor zum Ausgleich. "Dieser Treffer wäre nun wirklich zu vermeiden gewesen", kritisierte der Trainer, "die Mauer stand schlecht und muss auch mal eingreifen. Jeder weiß, dass Rahn mit links schießt." 
 
 

Erstes Auswärts-Remis des SV Werder
 
Remis-Debüt
Nach zuvor fünf Auswärtssiegen und einer Niederlage teilt sich Werder erstmals in dieser Saison auswärts die Punkte. Es waren die ersten Punktverluste für die Bremer nach vier Siegen in Folge.

Mini-Hoch unter Toppmöller
Hamburg meldet sich zurück: Der HSV stoppte den Bremer Höhenflug dank der Steigerung nach der Pause und ist jetzt seit drei Bundesligaspielen ungeschlagen.

Neue HSV-Abwehr
Der HSV agierte erstmals in dieser Saison mit einer Dreierkette - Hoogma sicherte gegen die schnellen Bremer Stürmer ab, Reinhardt und Ujfalusi spielten gegen den Mann. Eine letztendlich erfolgreiche Maßnahme: Ailton, Klasnic und der eingewechselte Charisteas blieben ohne Tor.

Ernst trifft gegen seine Ex-Klubs
Die Stationen von Fabian Ernst vor Bremen hießen Hannover und Hamburg - in beiden Städten hat er diese Saison getroffen. Mit diesen zwei Toren und seinen neun Torvorlagen war er an den ersten 14 Spieltagen an elf Toren beteiligt - eine sehr starke Ausbeute.

Deutliche HSV-Steigerung nach der Pause
Der HSV bot seinen Fans vor der Pause erbärmlichen Fußball und trat gegen die selbstbewussten Bremer extrem passiv auf. Der Werder-Strafraum war für die Hamburger Sperrzone; ganze zwei harmlose Weitschüsse brachten sie zustande. Ein ganz anderes Bild ergab sich nach dem Wechsel: Schon in den ersten drei Minuten nach dem Wechsel hatte Hamburg drei gute Chancen, insgesamt gab es nach dem Wechsel 10:7 Torschüsse und einen verdienten Punkt.

Rahn wie einst im Mai
Die entscheidende Rolle bei der HSV-Steigerung spielte der eingewechselte Christian Rahn. Er spielte nur 45 Minuten und war doch an sechs der zwölf HSV-Torschüsse beteiligt. Die Krönung seiner Leistung war natürlich sein Tor, das an sein bisher einziges Tor für den HSV erinnerte: Auch am 33. Spieltag der letzten Saison traf Rahn in Bochum als Joker mit links per Freistoß zum Endstand von 1:1.

Ailton vergab diesmal seine Chancen
Mit 13 Toren in zwölf Saisonspielen auf der Visitenkarte kam Ailton zum HSV. Seine Stärke in dieser Saison war bislang die Großchancenverwertung, in Hamburg vergab er aber vor und nach der Pause je eine so genannte "Hundertprozentige".

Takahara konnte Romeo nicht ersetzen
Naohiro Takahara spielte gegen Bremen ähnlich unauffällig wie sonst Bernardo Romeo - mit dem Unterschied, dass der Argentinier gerade zu Hause meist sein Tor macht, während der Japaner ohne Treffer blieb. Nur ein harmloser Torschuss stand am Ende auf dem Konto von Takahara - das ist zu wenig.


 
kicker:
Spielbericht
Hamburgs Coach Klaus Toppmöller nahm nach dem 1:0 in Köln zwei personelle Änderungen vor und brachte Reinhardt und Benjamin für Jacobsen und den an der Wade angeschlagenen Jarolim. Unverändert die Startformation der Bremer, die Trainer Thomas Schaaf nach dem 3:1 gegen Bochum aufs Feld schickte.

Fulminanter Auftakt im Nord-Derby: Bereits nach 26 Sekunden stand Ailton allein vor Wächter, der per Fußabwehr einen frühen Rückstand seiner Farben verhinderte.

Schon an der taktischen Aufstellung des HSV war abzulesen, wie die Rollenverteilung in der AOL-Arena sein würde: Nur drei offensive Akteure standen in der Startaufstellung der Heimelf, die sich von Beginn an weit in die eigene Hälfte zurückzog und Werder die Initiative überließ.

Der technisch überlegene Tabellenzweite tat Hamburg diesen Gefallen - es wirkte teilweise schon arrogant, wie sich die Schaaf-Elf durch das Mittelfeld kombinierte, am Strafraum war sie gegen die keineswegs sattelfeste HSV-Deckung mit ihrem Latein aber zunächst am Ende.

Geduldig wartete der SV Werder gegen die in der Offensive ohne Konzept agierende Toppmöller-Elf auf seine Chance, und die sollte nach einer knappen halben Stunde kommen: Micoud spielte steil auf Ailton, vor dem Strafraum klärte der herausgelaufene Wächter per Fußabwehr. Das Leder prallte Ernst vor die Füße, und aus 25 Metern traf der Mittelfeldakteur zwischen Benjamin und Ujfalusi hindurch ins leere Tor (27.).

In der Schlussviertelstunde der ersten Halbzeit wurde die Heimelf zwar etwas offensiver, aber meist zu bieder waren die Bemühungen gegen die abgeklärten Defensivakteure von Werder, die selten wirklich gefordert wurden. Aufregung kurz vor dem Pausenpfiff, als Beinlich den vermeintlichen Ausgleich für Hamburg erzielte, Schiedsrichter Fandel aber ein vorheriges Foul von Takahara an Davala ahndete (43.).

Wie im ersten Durchgang auch zu Beginn des zweiten gleich ein Knalleffekt: Der eingewechselte Rahn zog Sekunden nach Wiederanpfiff einen Freistoß in den Strafraum, Barbarez zwang Reinke mit einem Kopfball aus acht Metern zu einer Glanztat. Der Keeper parierte auch Mahdavikias Schuss aus 14 Metern beim nächsten Angriff der Hausherren. 

Wenig später hatte der "Joker" den Ausgleich selbst auf dem Fuß, doch nach Vorarbeit des fleißigen Mahdavikia verzog Rahn aus 14 Metern (49.). Eine Minute später machte der Nationalspieler aber sein Versäumnis wieder gut: Per direkt verwandeltem Freistoß aus halbrechter Position überraschte er Reinke mit einem raffiniert angeschnittenen Schuss ins kurze Eck (50.).

Nun war Feuer in der Partie, Werder zeigte durchaus Wirkung, besann sich nach dem Zwischenspurt des HSV aber bald wieder seiner Offensivstärke: Der von Ujfalusi meist wirkungsvoll bekämpfte Ailton vergab freistehend aus sieben Metern (56.), Lisztes zielte von der Strafraumgrenze nur Zentimeter rechts vorbei (62.).

Dennoch wirkte der Tabellenzweite, bedingt durch die erhöhte Lauf- und Einsatzbereitschaft des Gegners, längst nicht mehr so souverän wie noch in den ersten 45 Minuten, war auch in der Abwehr durchaus anfällig und hatte in der Schlussphase zwei Mal Glück: Mahdavikias Flankenball, der sich gefährlich aufs Tor drehte, segelte knapp am Pfosten vorbei ins Aus (80.), Stalteris Handspiel auf der Linie kurz vor dem Ende nach einem Kopfball von Reinhardt blieb vom Unparteiischen ungeahndet (86.).

Die umkämpfte Partie endete schließlich auf Grund der Leistungssteigerung des HSV im zweiten Durchgang mit einem gerechten Unentschieden.
 

Spielereignisse im Detail:
Schlusspfiff 
 
86 Gefährliche Hereingabe des starken Rahn von der linken Seite. In der Mitte klärt Stalteri vor dem einschussbereiten Barbarez zur Ecke. Sekunden später Handspiel von Stalteri auf der Linie, doch Fandel entscheidet auf Weiterspielen ... 
 
83 Die umkämpfte Partie geht dem Ende entgegen. Beide Teams suchen weiterhin ihre Chance - noch fünf Minuten plus Nachspielzeit sind zu spielen ... 
 
80 Mahdavikias Flankenball mutiert zum Torschuss und geht um Zentimeter am langen Pfosten vorbei ins Aus. 
 
76 Mit vereinten Kräften klären Wächter und Reinhardt nach Micouds Flankenball auf Ailton die Situation. 
 
70 Hoogma steigt nach Rahns Feistoß von der linken Seite am höchsten, doch sein Kopfball geht hoch über den Querbalken. 
 
66 Wächter begräbt den Ball nach Krstajics Freistoß aus 25 Metern unter sich. 
 
62 Doppelpass zwischen Klasnic und Lisztes. Der Ungar zieht aus 17 Metern mit rechts ab, Zentimeter geht der Ball am rechten Pfosten vorbei ... 
 
56 Tolle Kombination von Werder: Micoud links auf Stalteri, der von links flankt. In der Mitte steht Ailton frei vor dem Tor, bringt den Ball aber aus sieben Metern nicht unter. Die Kugel geht Zentimeter über die Latte. 
 
52 Enst schießt aus 17 Metern von halblinks zwei Meter über das Tor. 
 
50
 Rahn tritt einen Freistoß aus halbrechter Position. Zur Überraschung von Keeper Reinke zieht der Einwechselspieler den Ball direkt aufs Tor - knapp neben dem kurzen Pfosten schlägt das Leder zum Ausgleich ein. 
 
49 Der HSV drängt nun mächtig: Mahdavikia geht rechts auf und davon, flankt flach in den Strafraum. Ismael geht das Leder durch die Beine, Rahn rauscht heran und jagt den Ball aus 14 Metern drei Meter über die Querlatte. 
 
46 Wie im ersten Durchgang gleich wieder ein Knalleffekt: Der eingewechselte Rahn per Freistoß auf Babarez. Der Stürmer köpft aus acht Metern auf die linke Ecke, Reinke pariert wie auch Sekunden später gegen Mahdavikia. 
 
Anpfiff 2. Halbzeit 
 
Halbzeit 
 
43 Der Ausgleich für den HSV? Nein, Schiri Fandel ahndet ein Foul von Takahara gegen Davala. So zählt der von Beinlich ins rechte obere Eck erzielte Treffer nicht. 
 
37 Der HSV nun etwas offensiver, aber zu bieder in seinen Aktionen gegen die abgeklärten Defensivspieler der Bremer. 
 
27
 Ailton wird steil geschickt, Wächter kommt aus dem Tor und klärt vor dem Strafraum per Fußabwehr. Der Ball prallt Ernst vor die Füße, der aus 25 Metern zwischen Benjamin und Ujfalusi hindurch ins Tor trifft. 
 
21 Klasnic schickt Ailton steil. Ujfalusi ist früher am Ball, Wächter eilt aus dem Tor und schießt den Tschechen an. Der Ball prallt Ailton vor die Füße, gedankenschnell ist aber Wächter wieder da und begräbt den Ball unter sich. 
 
16 Micoud spielt die Kugel von halbrechts in den Strafraum. Am Fünfer verpassen erst Ujfalusi und dann Gegenspieler Ailton den Ball. 
 
15 Micoud dreht einen Freistoß von der linken Seite direkt aufs HSV-Tor. Wächter klärt mit guter Faustparade. 
 
12 Langsam aber sicher erkämpft sich die Heimelf mehr Spielanteile, kommt aber nicht so richtig vor das Tor der Bremer. 
 
6 Der HSV ist sehr defensiv orientiert, Bremen nistet sich in der Hälfte der Heimelf ein. 
 
1 Fulminanter Auftakt durch Werder. Lisztes spitzelt das Leder in den Lauf von Ailton, der halbrechts allein auf Wächter zuläuft. Der Keeper rettet per Fußabwehr gegen Ailtons Schuss aus sieben Metern nach 26 Sekunden. 
 
Anpfiff 


 
dpa: 
Werder verschenkt Sieg beim 1:1 in Hamburg

Von Volker Gundrum, dpa

Hamburg (dpa) - Werder Bremen hat im 79. Nordderby der Fußball- Bundesliga einen Sieg beim Hamburger SV verschenkt und den Sprung an die Tabellenspitze verpasst. Vor 55 500 Zuschauern in der ausverkauften AOL-Arena kam der haushohe Favorit aus Bremen trotz klarer spielerischer Überlegenheit und Chancen am Fließband über ein 1:1 (1:0) nicht hinaus.

«Man muss auch einmal mit einem Unentschieden zufrieden sein», sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf und beklagte die mangelnde Zielstrebigkeit seiner sonst so torhungrigen Elf. «Vor der Pause müssen wir das Spiel zu unseren Gunsten entschieden haben, bei den klaren Chancen, die wir hatten.»

Der Ex-Hamburger Fabian Ernst (27. Minute) brachte den Meisterschaftsanwärter von der Weser in Führung. Nach dem Wechsel sorgte der eingewechselte Nationalspieler Christian Rahn (50.) für mehr Schwung beim HSV und den Ausgleich. «Ich bin sehr zufrieden gegen die bärenstarke Werder-Mannschaft einen Punkt geholt zu haben», sagte der neue HSV-Trainer Klaus Toppmöller nach dem 29. Unentschieden der beiden Nordrivalen.

Werder begann schwungvoll. Schon nach wenigen Sekunden tauchte Ailton vor Stefan Wächter auf, doch der HSV-Schlussmann klärte zur Ecke. Die Gäste gaben weiter den Ton an. Mit einem Freistoß prüfte Johan Micoud (14.) den starken Wächter erneut. Nur zwei Minuten später rutschte Ailton knapp am Ball vorbei. Mit Glück bereitete der Brasilianer dann die Bremer Führung vor, als Wächter bei einem Ailton-Solo an der Strafraumgrenze alles riskierte und erneut glänzend parierte. Der Ex-Hamburger Ernst erkämpfte sich in seinem 100. Bundesliga-Spiel im Werder-Trikot das Leder, nutzte die Unordnung in der HSV-Abwehr und traf aus 25 Metern ins Tor.

Der HSV kämpfte, doch vieles blieb Stückwerk. Immerhin erzielten die Gastgeber zwei Minuten vor dem Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Herbert Fandel (Kyllburg) ein Tor durch Stefan Beinlich, doch der Treffer wurde nach Sperren ohne Ball von Naohiro Takahara nicht anerkannt. Es war die erste Chance für die harmlosen Hamburger gewesen.

Mit Nationalspieler Rahn, der für den Schweizer Raphael Wicky eingewechselt wurde, kam der HSV aus der Kabine. Und plötzlich stürmten die Hausherren. Sergej Barbarez, Mehdi Mahdavikia und Rahn vergaben große Chancen im Minutentakt, ehe Rahn die HSV-Fans mit einem tollen Freistoßtor erlöste. Der Blondschopf trat den Ball mit seinem linken Fuß aus spitzem Winkel direkt ins kurze Eck.

Danach schaltete der HSV einen Gang zurück. Werder kam wieder besser ins Spiel und der sonst so treffsichere Ailton vergab in der 56. Minute erneut eine große Chance. Krisztian Lisztes (62.) machte es nicht besser. Nachdem die Bremer weitere klare Chancen vergeben hatten, hätte der HSV kurz vor dem Schlusspfiff den Sieg beinahe unter Dach und Fach gebracht, doch Paul Stalteri rettete nach einem Kopfball von Bastian Reinhardt elfmeterverdächtig auf der eigenen Torlinie. «Ich hätte mich nicht beschwert, wenn der Schiedsrichter Elfmeter gepfiffen hätte», sagte Stalteri.