Bundesliga 2003/2004, 23. Spieltag, Samstag, 06.03.04 im Rostocker Ostseestadion bei klarem Wetter und frostigen Temperaturen

FC Hansa Rostock - Hamburger SV 3:0 (2:0)

Wir  machen gerade eine schöne Stadtrundfahrt durch Rostock, weil hier leider nur eine Autobahn ausgeschildert ist – die A19. Wir würden aber doch eher zur A20 zurückwollen....

Zum Spiel bräuchte man eigentlich gar nichts zu sagen bzw. zu schreiben. Andererseits lohnt es sich gerade heute doch, dazu ein Wort zu verlieren.

Die Aufstellung war leider etwas anders als ich vermutete. Da Barbarez gesperrt war, hatte ich auf Takahara als zusätzliche Offensivkraft gehofft. Er spielte jedoch nicht (bzw. erst in der zweiten Halbzeit als schon alles den Bach runtergegangen war).  Noch schlimmer wog wohl die Tatsache, daß Jarolim auch nicht zu Spielbeginn auflief. Wobei ich das nicht verstehe. Es stand in der Presse, daß er eine Halsschmerzen habe und sein Einsatz daher nicht sicher sei.   Er machte sich zwar warm, aber getrennt von den anderen, und spielte dann auch zunächst nicht. Als er aber nach der desolaten 1. Halbzeit zur 2. Halbzeit eingewechselt wurde, habe ich mich doch gefragt, wieso er nicht gleich gespielt hat. Wenn er Fieber o.ä. hatte, hätte er doch auch keine 45  Minuten spielen können....

Jedenfalls war sein Fehlen und das von Barbarez dem HSV deutlich anzumerken. Und der unverhofft schon wieder eingesetzt Tomas Ujfalusi spielte so eine (Verzeihung:) Dreckspartie, daß man sich nur hätte wünschen können, daß er sich noch eine Woche Training gegönnt hätte.

Jedenfalls lief die Partie so dermaßen schlecht in der ersten Halbzeit, daß es mir fast die Schuhe auszog. Wie kann man nur so unglaublich unsicher und schlecht antreten. Gegenüber dem Leverkusen-Spiel ein Unterschied wie Tag und Nacht. Der HSV spielte so unglaublich schlecht, daß es wirklich zum Grausen war. Es wurde fast jeder Zweikampf verloren und eine einzige Fehlpaßorgie gespielt. Unglaublich. Wie kann eine Mannschaft, die sich innerlich doch selbst die Ambitionen auf den UEFA-Caup-Platz wahren muß, nur mit einer so desolaten Einstellung antreten. Es gab absolut null Selbstvertrauen, Laufbereitschaft und von Siegeswillen ganz zu schweigen. Dabei war ich doch mit dem Gedanken nach Rostock gefahren, daß ich jetzt aber endlich mal einen Auswärtssieg sehen wollte. Aber das konnte so ja nichts werden. 

Ich verstehe wirklich nicht, was sich die Mannschaft dabei wohl gedacht hat. Auch wenn man vielleicht für die Offensivschwäche noch ein wenig Verständnis haben könnte, weil eben Barbarez und Jarolim fehlten, so war die Abwehrleistung aber auf jeden Fall desolat. Wir spielten erstmals mit einer Dreierkette Ujfalusi-Hoogma-Reinhardt, wobei mit Kling und Wicky auf den halbdefensiven Außenpositionen eigentlich noch 2 weitere verkappte Verteidiger dabei waren. Was die Defensive jedoch bot, war schlicht unter aller Sau. Insbesonde ist mir Ujfalusi dabei zigmal negativ aufgefallen.

Beim ersten Gegentor weiß ich ohne TV-Bilder gar nicht, wer da so richtig gepennt hat. Jedenfalls sperrte ein Rostocker den anderen im 16er frei, sodaß er plötzlich vollkommen frei mittig vor Wächter stand und sich die Ecke quasi aussuchen konnte.

Beim 2:0 war es Ujfalusi nicht möglich, dem Rostocker Stürmer, der allerdings einen schönen Pass bekam, zu folgen. So konnte er auf den Torwart zulaufen und einschieben.

Unter den Fans gab es viele berechtigte Pfiffe, wenngleich mich einige von uns dabei auch immer sehr nerven. Wie es in Rostock so üblich ist, haben einige überhaupt nichts anderes im Kopp, als über die bösen „Ossi-Arschlöcher“ zu schimpfen. O.k., es gibt schon Sprechchöre wie „Ihr liegt uns nur auf der Tasche“ über die ich dann schon auch schmunzeln kann, aber hinter mir stand so ein Prachtexemplar, daß 90 Minuten nur meckerte über Ossi.Schweine, die Arschlöcher etc.... Ich wüßte gern, ob er überhaupt auch einmal einen HSV-Gesang mitgemacht hat. Er war eigentlich nur am Pöbeln; abwechselnd über Mannschaft und Ossis. Die Pöbeleien in Richtung der Mannschaft waren heute ja wenigstens nicht unberechtigt.

In der zweiten Halbzeit wurden Jarolim und Takahara für den vollkommen indisponierten Kling und Benjamin, der mir eigentlich noch mit am Annehmbarsten gefiel, eingewechselt.

Das Spiel wurde deutlich besser, was wirklich merkbar an den beiden eingewechselten Spielern lag. Insbesondere Jarolim gefiel mir gut. Allerdings wurde kaum eine Torchance erspielt. Toppmöller meinte im Interview nach dem Spiel, daß man wohl noch eine Stunde hätte weiterspielen können, ohne jemals in die Gefahr zu geraten, ein Tor zu erzielen.

Torchancen war auch wirklich Mangelware. Lediglich ein paar Distanzschüsse gab es, aber mehr hatte Schober auch nicht zu parieren.

So trudelte die zweite Halbzeit vor sich in und irgendwann machte Rostock noch das 3:0. Das Spiel ging dem Ende entgegen und der Frust von uns HSV-Fans entlud sich immer mehr. Es gab in meinen Augen auch viele blöde Gesänge wie „Wir sind Hamburger und Ihr nicht“ sowie „Außer Hermann Rieger alle raus“. Auch „Wir haben die Schnauze voll“ finde ich etwas komisch, wenn man die Augen gerade eine Woche vorher in Richtung UEFA-Cup-Platz gerichtet hatte.

Was sich das Team aber redlich verdient hatte, war das Pfeifkonzert nach dem Spiel. Die Mannschaft kam nach Schlusspfiff trotzdem noch zu den Fans, um Ihnen Beifall zu klatschen für die Anfeuerung (die in Anbetracht des Spiels wirklich noch ganz o.k. war). Auch dabei wurden die Spieler ausgepfiffen. Das war aber auch wirklich richtig so, denn so eine Leistung geht nicht. 

Etwas grotesk wurde es, als die Rostocker Mannschaft bei Ihrer Stadionrunde bei uns vorbeikam und die noch anwesenden HSV-Fans sie dazu aufforderten, die Welle zu machen. Sowas erleben die Rostocker wohl auch sehr selten – daß der Auswärtsfanblock nach dem Spiel die Welle mit Ihnen macht. Habe ich jedenfalls auch noch nicht oft erlebt. Wobei ich so eine selbstironische Aktion der Fans eigentlich gut finde. Ich fand es auch schon vor zig Jahren im alten Volkspark manchmal ganz lustig, wenn man bei besonders schlechten Spielen dann anfing, gegnerische Aktionen und Ballstafetten durch „ole“ zu begleiten.

Das Spiel heute war jedenfalls mal wieder leider ein Schritt in die ganz falsche Richtung. Und das, obwohl heute viele andere Teams für uns gespielt haben. Bochum nur ein 1 Punkt, Dortmund und Leverkusen haben verloren. Heute wäre ein Sieg also doppelt wichtig gewesen. Nun wird es wieder laufen, daß man im nächsten Heimspiel auf einen Sieg hofft und danach evtl. wieder minimale Hoffnungen auf einen UEFA-Cup-Platz hat.  Alles scheiße. An den UEFA-Cup-Platz werden wir so auf keinen Fall herankommen.

Meine Spielerwertung:;

Wächter: hielt einige Bälle gut und war bei den Gegentoren schuldlos: Note 3

Hoogma: furchtbar, was sich unsere Abwehr insbesondere in den ersten 45 Minuten zurechtspielte: Note 5

Ujfalusi: Sorry, aber das war gar nichts. Theoretisch hätte man ihn schon in der ersten Halbzeit wieder auswechseln sollen: Note 6

Reinhardt: nicht besser als der Rest: Note 5

Kling: Dazu fiel mir auch gar nichts ein. Er spielte in der einen Halbzeit, in der er ran durfte, so als würde er drum betteln, daß er möglichst nicht mehr spielen will und zukünftig doch lieber wieder Hollr ran darf: Note 6

Wicky: konnte nicht so gefallen wie in den Wochen zuvor. Kaum eine gelungene Aktion: Note 5

Benjamin: in der ersten Halbzeit war er für mich noch der Einäugige unter den Blinden. Er lief zumindest und versuchte etwas. Mußte aber trotzdem zur Halbzeit raus: Note 4+

Beinlich: konnte auch überhaupt nichts Positives bewerkstelligen: Note 5

Rahn: er war auf der linken Seite oft sehr aufgeschmissen und ohne jede Unterstützung. Kam zwar auch nicht viel bei rum, aber ich möchte da das Bemühen schon mal positiv sehen: Note 4

Madavikia: nach einem guten Spiel zuletzt nun wieder lau. Konnte sich kaum mal durchsetzen auf der rechten Seite: Note 5

Romeo: was er kann und was nicht, weiß man ja. Was mich aber unendlich aufregt ist immer wieder, wie blöd er in Zweikämpfe geht und damit immer wieder dafür sorgt, daß der Gegner Freistöße. Dabei liegt es oft daran, daß er sich eben einfach nur wegdreht und den Zweikampf gar nicht erst annimmt: Note 5

Jarolim: Der beste HSVer heute, obwohl er nur 45 Minuten spielte. Bei ihm war der Ball wieder sicher aufgehoben: Note 2-

Takahara: Wenn ihm auch nicht immer alles gelingt, so war er doch zumindest sehr bemüht. Und – was sehr wichtig ist – er bewegt sich vorne drin sehr viel. Etwas, woran es der ganzen Mannschaft mangelt: Note 3

Hleb: Wurde erstmals eingewechselt und spielte dann Rechtsaußen. In Sachen Technik und vor allem Geschwindigkeit, sah das schon recht vielversprechend aus. Note: war zu kurz für Bewertung.

Schiri Steinborn: Pfiff mir viel zu kleinlich. Fast jede Körperberührung wurde abgepfiffen: Note 4- 

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 
Rostock überrollt Hamburg
Hansa Rostocks Vorstandsvorsitzender Manfred Wimmer grinste verschmitzt. "Wenn schon eine Prämie, dann machen wir Nägel mit Köpfen und sprechen vom Uefa-Pokal", sagte der Klubchef mit einem Augenzwinkern nach dem überzeugenden 3:0 (2:0)-Erfolg über den Hamburger SV. 

"Das kleine Wunder"
Wimmer sparte es sich, die neuen Ambitionen des FC Hansa gegenüber den Journalisten zu leugnen. Die Erwartungen wachsen. 
Denn mit 30 Punkten steuert die Mannschaft von Trainer Juri Schlünz dem UI-Cup entgegen. "Das kleine Wunder von Rostock", nennt es Aufsichtsratschef Horst Klinkmann.
Schlünz distanzierte sich standesgemäß von dem Gerede um einen internationalen Startplatz: "Um nicht abzusteigen fehlen noch zehn Punkte. Gesprochen wird vom Klassenerhalt, nach wie vor." 

HSV-Vorstellung enttäuschend
Doch auch dem 42 Jahre alten Leisetreter dürfte nicht entgangen sein, dass zwischen dem Schlusslicht FC Hansa unter Armin Veh und dem neuen Tabellenachten FC Hansa mit Schlünz an der Linie mindestens ein Klassenunterschied besteht. "Es läuft halt sehr gut zurzeit", gibt Schlünz schließlich zu.
Die Erfolgsformel im Spiel gegen einen restlos enttäuschenden HSV war symptomatisch für den Aufwärtstrend der Gastgeber, die von den vergangenen 13 Partien lediglich zwei verloren. 

Torgarantie
Einerseits tritt die Mannschaft als eben solche geschlossen auf und kann Ausfälle wie die von Abwehrchef Joakim Persson kurzfristig verdauen "und das ist natürlich verdienst von Juri Schlünz", wie Präsident Wimmer meint.
Andererseits ist inzwischen beim FC Hansa eine Handvoll Spieler in der Lage, regelmäßig Tore zu schießen. Allen voran macht der Schwede Magnus Arvidsson dieses neue Phänomen deutlich.

Phänomen Arvidsson
Der Stürmer, der in der Vorrunde ein Reservisten-Dasein gefristet hat, mauserte sich in den vergangenen fünf Partien mit vier Treffern zum erfolgreichsten Hansa-Torschützen der Bundesliga-Geschichte. 
23 Treffer für die Norddeutschen schaffte niemand vor ihm. "Endlich ist das Warten und Gerede darüber von außerhalb vorbei. Wichtig ist doch, dass wir gewinnen", meinte der 31-Jährige, dessen Vertragsverlängerung in dieser Verfassung nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte.
Sturmpartner Antonio di Salvo bewies mit dem Treffer zum 3:0 (79.), dass er auch als Joker sticht, und "Torjäger vom Dienst", Martin Max (14 Saisontore), begnügte sich diesmal damit, das zweite und auch das erste Tor durch Gabriel Melkam (5.) vorzubereiten.

Erklärungsnöte
Dass er mit dem Einsatz von Abwehrsspieler Tomas Ujfalusi, der nach dreimonatiger Verletzungspause sein Comeback gab, eine falsche Entscheidung getroffen hatte, wollte HSV-Coach Toppmöller so nicht gelten lassen. 
"Ist doch klar, dass der noch nicht hundertprozentig fit ist", meinte der Trainer. Doch gerade dann muss sich Toppmöller fragen lassen, weshalb der Tscheche von Beginn an spielte. Die neu formierte Dreierkette um Ujfalusi, Hollerbach und Hoogma jedenfalls kam einem Totalausfall gleich.
Ujfalusi verlor bei den ersten beiden Gegentreffern die jeweils entscheidenden Zweikämpfe und sah vor allem beim 0:2 gegen Arvidsson ganz schlecht aus.

Hamburgs Traum ist ausgeträumt
Die Uefa-Pokal-Ambitionen der Gäste jedenfalls erhielten einen herben Dämpfer. So reicht es nicht einmal für den UI-Cup. "Wir haben versagt", stellte Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer nicht zum ersten Mal in dieser Saison fest. 
Das Fehlen von "Herz und Seele" Sergej Barbarez wegen einer Gelbsperre wollte Klaus Toppmöller nicht als Ausrede gelten lassen: "Nach dieser Leitung müssen wir wieder mit einem Auge nach unten schauen, ganz klar. Ich hatte heute nie das Gefühl, das wir hier ein Tor machen könnten."
Ebenso die HSV-Fans, die mal wieder die "Schnauze voll" hatten, ihre Stars "kämpfen sehen" wollten und mit den Hansa-Spielern nach Schlusspfiff aus Frust sogar Laola übten.
 

Daten:
Hansa weiter im Aufwärtstrend
Rostock ist seit fünf Spielen ungeschlagen, hat in der Rückrunde schon elf Punkte geholt. Das sind sechs Zähler mehr als gegen die gleichen Teams in der Hinrunde eingefahren wurden.

Heimmacht Hansa
Rostock gewann das dritte Heimspiel in Folge. Eine solche Siegesserie erlebte Hansa zu Hause das letzte Mal vor drei Jahren. 

Der HSV und die Auswärtsschwäche
Die Auswärtsschwäche hat sie wieder: Die Hamburger verloren auch das dritte Auswärtsspiel im Jahr 2004. Nach einem kurzen Zwischenhoch ist der HSV auswärts wieder das, was er vor der Toppmöller-Ära war: Ein Punktelieferant. 

Der höchste Derbysieg
In den 19 Nordderbys zuvor gab es nie einen Sieg mit mehr als zwei Toren Vorsprung. Für den HSV war es neben der höchsten Pleite gegen Hansa auch die höchste Niederlage unter Klaus Toppmöller.

Hansa wieder mit früher Führung
Den Grundstein für die Heimsiege im Jahr 2004 legte Hansa immer in den Anfangsminuten. Auch gegen den HSV brachte gleich der erste Torschuss der Partie das 1:0, so geschehen in der fünften Minute. In den Heimpartien zuvor führte Rostock nach sieben Minuten (gegen Freiburg) bzw. nach zwölf Minuten (gegen Hannover).

Ohne Barbarez ging nix
Dass der HSV-Offensive ohne Sergej Barbarez das Herzstück fehlt, wurde in Rostock mal wieder mehr als deutlich. Der gesperrte Bosnier wurde an allen Ecken und Enden vermisst. Ohne ihn fehlte es an jeglicher Durchschlagskraft im vorderen Bereich. Konsequenz: Ganze neun Torschüsse gab der HSV ab, davon nur drei im gegnerischen Strafraum. Bezeichnend für die schwache Offensivleistung, dass sich die Gäste in 90 Minuten nicht eine wirklich gute Torchance erspielten.

Die Ersatzleute überzeugten
Kim Madsen spielte erstmals von Beginn an für Hansa, musste als Abwehrchef den kurzfristig ausgefallenen Joakim Persson ersetzen. Madsen füllte diese wichtige Rolle glänzend aus, war immer zur Stelle wenn er gebraucht wurde. Ebenfalls neu im Team war Gabriel Melkam, der Nigerianer vertrat den gesperrten Thomas Rasmussen auf der halblinken Offensivposition. Melkam, zuvor letztmals am zehnten Spieltag von Beginn an im Einsatz und 2004 gerade mal mit zwei Minuten Spielpraxis versehen, rechtfertigte schon nach fünf Minuten seinen Einsatz. Da erzielte er das 1:0, für Melkam war es das erstes Bundesligator. 

Diesmal treffen die anderen Stürmer
Dass Hansa nicht nur Martin Max ist, wurde gegen den HSV eindrucksvoll bewiesen. Max vergab seine einzige Chance, fiel diesmal nur als Vorbereiter auf (klasse Pass zum 2:0 von Arvidsson). Die Tore machten die anderen Angreifer, neben Arvidsson traf auch der eingewechselte Di Salvo.

Ujfalusi hätte wohl besser gewartet...
Das Comeback von Tomas Ujfalusi nach vier Monaten Verletzungspause ging mächtig in die Hose. Die in den letzten Wochen stabile Abwehr des HSV wurde wegen Ujfalusi umgestellt, obwohl der Tscheche erst wenige Trainingseinheiten mitgemacht hatte. Dass Ujfalusi noch nicht wieder völlig fit ist, wurde mehrfach deutlich - vor allem beim 0:2, als er gegen Arvidsson schlecht aussah. Das war übrigens das erste Stürmertor der Hamburger 2004... Gerade mit dem Schweden hatte Ujfalusi große Probleme, verlor mehr als die Hälfte der direkten Duelle.


 
kicker: 
Hansa Rostock:  Schober - Möhrle, K. Madsen, Hill - Tjikuzu, Rydlewicz, Lantz, Maul, Melkam - Arvidsson, Max - Trainer: Schlünz

Hamburger SV:  Wächter - Reinhardt, Hoogma, Ujfalusi, Kling - Mahdavikia, Wicky, Beinlich, Rahn - Benjamin, Romeo - Trainer: Toppmöller

Tore:   1:0 Melkam (5., Rechtsschuss, Vorarbeit Rydlewicz), 2:0 Arvidsson (20., Rechtsschuss, Max), 3:0 di Salvo (79., Rechtsschuss, Arvidsson)

Eingewechselt:   76. di Salvo für Max, 82. Plassnegger für Melkam, 85. Prica für Arvidsson - 46. Jarolim für Benjamin, 46. Takahara für Kling, 74. V. Hleb für Mahdavikia

Schiedsrichter:  Steinborn 

Zuschauer:  26000

Gelbe Karten:  Maul - Benjamin, Reinhardt

Spielbericht
Bei den Gastgebern aus Rostock, die zuletzt ein 0:0-Remis in Bochum erkämpften, konnte Juri Schlünz zwar wieder auf seinen wieder genesenen Keeper Schober - für Klewer - zurückgreifen, aber er musste den Gelb-Rot-Sünder Rasmussen ersetzen. Außerdem musste Persson kurzfristig passen. Neu in die Mannschaft kamen dafür Madsen und Melkam. HSV-Coach Klaus Toppmöller musste seine Elf gegenüber dem 3:1-Heimsieg gegen Bayer auf mehreren Positionen umbauen. Neben dem zuletzt Gelb-gesperrten Wicky tauchten Ujfalusi und Beinlich neu in der Startelf auf. Nicht berücksichtigt wurden dafür der gesperrte Barbarez, Schlicke und Jarolim.

Trotz der lediglich drei Punkte Unterschied waren die Ambitionen beider Teams vor dem Spiel recht unterschiedlich. Während Hansa Punkte gegen den Abstieg hamstern wollte, schielte der HSV doch eher in Richtung UEFA-Cup-Plätze.

Die Rostocker waren im Gegesatz zu den Hamburgern von Beginn an hellwach und wurden früh dafür belohnt. Rydlewicz passte steil in den Strafraum auf Melkam. Der Nigerianer spazierte durch die indisponierte Hamburger Hintermannschaft und schob das Leder vorbei an Wächter ins Netz (5.). Auch in der Folgezeit blieb Rostock die wachere Mannschaft. Nach einem Freistoß von Rydlewicz hatte Max sogar die 2:0-Führung auf dem Fuß, doch Ujfalusi konnte im letzten Moment klären. Eben dieser Ujfalusi war dann aber maßgeblich am 2:0 beteiligt, als er nach einem weiten Pass von Max das Laufduell gegen Arvidsson verlor. Der Schwede blieb eiskalt und schloss mit einem trockenen Schuss ins linke untere Eck ab (20.). Immer wieder wurden die Schwächen der Gäste vor allem in der Abwehr offenbart. Allein Torhüter Wächter, der einen Freistoß von Rydlewicz aus dem Winkel fischte (34.), war ein sicherer Rückhalt. Auch nach vorne gelang es den Gästen lediglich bei Standardsituation, ab und an für Gefahr zu sorgen.

Klaus Toppmöller versuchte mit der Einwechslung von Jarolim und Takahara ein Zeichen zu setzen. Auf dem Platz war wenig davon zu sehen. Es gelang den Gästen einfach nicht, den Ball nach vorne zu tragen. Immer wieder schlichen sich Flüchtigkeitsfehler ein, so dass ein konstruktiver Spielaufbau nicht möglich war. Hansa dagegen lauerte nun auf Konter und war damit auch gefährlicher. Für die endgültige Entscheidung sorgte schließlich der eingewechselte di Salvo. Arvidsson hatte eine Flanke von Rydlewicz verlängert. Der Italienier musste den Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie drücken (79.).

Mit einer überzeugenden Leistung setzt sich Hansa gegen den HSV durch, der auf ganzer Linie enttäuschte. In dieser Form empfehlen sich die Rostocker auch für höhere Weihen.
 

Spielereignisse im Detail
  Schlusspfiff 

89 Wieder kann Wächter einen gefährlichen Freistoß von Rydlewicz entschärfen. 

79
 Die Entscheidung! Rydlewicz flankt von rechts, Arvidsson verlängert per Kopf auf den eben eingewechselten di Salvo, der aus fünf Metern keine Probleme hat, Wächter zu überwinden. 

73 Rahn mit einem Freistoß aus etwa 20 Metern. Der Ball dreht sich knapp am rechten Pfosten vorbei. 

65 Takahara versucht es aus etwa 20 Metern. Schober muss zwar nachfassen, aber keine wirkliche Gefahr. 

59 Lantz mit einem Distanzschuss - knapp am rechten Pfosten des HSV-Gehäuses vorbei. 

55 Dem HSV gelingt es nicht, sich nach vorne entscheidend in Szene zu setzen. 

46 Rostock gleich wieder hellwach. Flanke von links in den Strafraum, Max steigt hoch, verpasst das Leder aber knapp. 

  Anpfiff 2. Halbzeit 

  Halbzeit 

43 Wieder ist Romeo mit dem Kopf zur Stelle, jetzt kann auch mal Torhüter Schober eingreifen. 

40 Nach einem Freistoß von rechts auf den langen Pfosten steigt Romeo zum Kopfball hoch - am Tor vorbei. 

34 Wächter pflückt einen Freistoß von Rydlewicz aus dem Winkel. 

33 Wieder Gefahr für das HSV-Tor! Ujfalusi verschätzt sich bei einem Schlag in den Strafraum, doch Arvidsson bekommt den Ball nicht unter Kontrolle. 

26 Romeo taucht im Strafraum auf, wird aber im letzten Moment von einem Rostocker gestört. 

20
 Hansa legt nach! Max leitet mit seinem Pass einen schnellen Konter ein. Arvidsson gewinnt das Laufduell gegen Ujfalusi, zieht aus etwa 16 Metern ab und die Kugel schlägt unten links unhaltbar für Wächter ein. 

15 Nächste Riesenchance für die Gastgeber: Hill verlängert einen Rydlewicz-Freistoß auf Max. Ujfalusi kann im allerletzten Moment klären. 

13 Erste zarte Angriffsversuche des HSV. Nach einem Eckstoß hat Mahdavikia eine Nachschusschance - weit über das Tor. 

5
 Blitzstart für Hansa! Rydlewicz zieht von links nach innen, passt steil auf Melkam in den Strafraum. Der Nigerianer spaziert durch die Hamburger Tiefschlaf-Hintermannschaft und schiebt den Ball vorbei an Wächter ins Netz. 

1 Hansa wieder mit Schober, außerdem sind Madsen und Melkam neu im Team. Auch der HSV mit Änderungen: Ujfalusi, Wicky und Beinlich für Schlicke, Jarolim und den gesperrrten Barbarez. 

Anpfiff 


 
dpa: Rostock gewinnt Nordderby gegen HSV

Von Gert Glaner, dpa

Rostock (dpa) - Hansa Rostock hat sich mit einem verdienten 3:0 (2:0) im Nordderby gegen den Hamburger SV wohl endgültig aus der abstiegsgefährdeten Zone der Fußball-Bundesliga verabschiedet.

Gabriel Melkam (5.), Magnus Arvidsson (19.) und Antonio Di Salvo (79.) erzielten vor 26 000 begeisterten Zuschauern die Tore zum sechsten Heimsieg für die Mecklenburger, die nunmehr bereits vier Monate zu Hause ungeschlagen sind. «Wir haben heute an die letzten guten Heimleistungen angeknüpft. Im Oktober waren wir mit fünf Punkten noch Letzter. Jetzt haben wir 30. Aber zehn fehlen noch, um die Klasse ganz sicher zu halten», warnte Hansa-Trainer Juri Schlünz dennoch vor zu großer Euphorie.

Magnus Arvidsson trug sich mit seinem vierten Saisontor zum insgesamt 23. Mal in die Bundesliga-Torschützenliste und übernahm damit die Spitzenposition in Hansas ewiger Rangliste. «Zur zeit läuft es wirklich sehr gut», meinte der agile Schwede, der in der ersten Halbserie nur zweite Wahl gewesen war und schon Abwanderungsgelüste hegte.

Beim erschreckend schwachen HSV gab es hingegen nur lange Gesichter. Der Verein muss seine Pläne vom erneuten Erreichen des internationalen Geschäfts nach der dritten Rückrunden-Niederlage wieder in die Schublade stecken. «Das war eine enttäuschende Leistung von uns. Ich hatte nie den Eindruck, dass wir ein Tor erzielen können», kritisierte Gäste-Trainer Klaus Toppmöller. Routinier Stefan Beinlich wurde noch deutlicher: «Wir haben schlecht nach vorn gespielt. Viele wollten den Ball gar nicht haben.»

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt fanden die Hausherren, die kurzfristig auf den grippekranken Abwehrchef Joakim Persson verzichten mussten, im 20. Derby zwischen beiden Vertretungen sofort das richtige Betriebsklima. Schon der erste gefährliche Angriff brachte die psychologisch wertvolle Führung. Rene Rydledwicz bediente Melkam. Der wurde von Martin Max glänzend freigesperrt und hatte keine Mühe, um aus Nahdistanz zum 1:0 einzuschießen. Für den 23 Jahre alten Nigerianer war dies in seinem 17. Bundesligaspiel für Hansa sein erster Treffer.

Nur 14 Minuten später hatten die Zuschauer erneut Grund zum Jubel. Max schickte Arvidsson auf die Reise. Der quirlige Schwede entwischte dem bei seinem Comeback indisponierten Tomas Ujfalusi und schoss von der Strafraumgrenze zu seinem vierten Saisontreffer ein. Auch hier hatte HSV-Torhüter Stefan Wächter keine Abwehrmöglichkeit.

Der 25 Jahre alte Keeper war in einer schwachen HSV-Elf noch einer der Besseren und stellte das mit einer Glanzparade noch vor dem Wechsel unter Beweis. Wächter lenkte einen von Rydlewicz getretenen 20-Meter-Freistoß aus dem linken Tordreieck zur Ecke. Von solchen Chancen konnten die Hamburger, bei denen der gelb-gesperrte Sergej Barbarez schmerzlich vermisst wurde, nur träumen.

Toppmöller reagierte zwar bereits zur Pause auf die dürftigen Angriffsbemühungen seiner Elf und brachte mit David Jarolim und Naohiro Takahara zwei neue offensiv orientierte Kräfte. Viel bewegen konnten sie allerdings auch nicht. Hansas Neue dafür umso mehr. Nur drei Minuten nach seiner Einwechslung schloss Di Salvo eine Rostocker Musterkombination zur Entscheidung ab.